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Full text of "Denkschriften"

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DENKSCHRIFTEN 



KAISERLICHEN 



AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 



MATHEMATISCH-NATURWISSEINSCHAFTLICHE CLASSE. 



DSEI8SI0BTEB BAND. 



WIEN. 

AUS" DER KAI8ERLICH-KÖNIGUCHEN HOF- UND STAAXSDRÜCKEREI. 
1870. 



DENKSCHRIFTEN 



KAISERLICHEN 



AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 



MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. 



DSEIBBIOSTEB BANS. 



OF- UND STAATSDRUCKEREI. 



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INHALT. 



Erste Abtheilung. 

Abhandlungen von Mitgliedern der Akademie. 

Seilt 

Unger : Die fossile Flora von Szäntö in Ungarn. (Mit 5 Tafeln.) 1 

Steinheä: Copie der Besserschen Toise da Piron in zwei ißlasstäben 21 

Peters : Zur Kenntniss der Wirbelthiere ans den Mioeän schichten von Eibiswald in Steiermark. 

in. RhinoceroSy Anchitheriam. (Mit 3 lithogr. Tafeln. — Sämmtliche Abbildungen sind 
nach der Natur auf Stein gezeichnet.) 29 



^ 



Zweite Abtheilung. 

Abhandlungen von Nicht-Mitgliedern. 



Laube : Die Fauna der Schichten von St. Cassian. Ein Beitrag zur Paläontologie der alpinen Trias. 

IV. Abtheilung. Gastropoden. 11. Hälfte. (Mit 7 Tafeln.) 1 

Laube : Die Fauna der Schichten von St. Cassian. Ein Beitrag zur Paläontologie der alpinen Trias. 

V. Abtheilung. Cephalopoden. Schlusswort. (Mit 8 Tafeln.) 49 

Weisbach : Die Schädelform der Rumänen. (Mit 3 Tafeln und 1 Maass-Tabelle.) 107 

Fuchs : Beitrag zur Kenntniss der Conchylienfauna des Vicentinischen Tertiärgebirges. I. Abtheilung. 

Die obere Schichtengruppe , oder die Schichten von Gomberto, Laverda und Sango- 
nini. (Mit 11 Tafeln.) 137 

Zmurko : Studien im Gebiete numerischer Gleichungen mit Zugrundelegung der analytisch-geometri- 
schen Anschauung im Räume , nebst einem Anhange über erweiterte Fundamental- 
Constructionsmittel der Geometrie 217 



1 



Erste Abtheilung. 



Abhandlungen von Mitgliedern der Akademie. 



Hit 8 Tafeh. 



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DENKSCHRIFTEN 



KAISERLICHEN 



AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 



MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. 



DBEI88I08TEB BAHD. 



WIEN. 

AUS» DER KAISERLICH-KÖNIGUCHEN HOF- UND STAATSDKUCKEREI. 
1870. 



DENKSCHRIFTEN 



KAISERLICHEN 



AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 



MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. 



SKEIBBIOgTEB BAKB. 



WIEN. 

AUS" DER KAISERLICH-KÖNIGLICHEN HOF- UND STAATSDRÜCKEREL 
1870. 



4 Dr. F. Unger. 

Mit diesem Flügelreete ist aber auch ein Flügel, Fig. 13; ans derselben Localität (Sz&ntö) vorhanden, 
24 Millim. lang, 8-4 Millim. breit, der gleichfalls eine Vergrössemng, Taf. I, Fig. 13*, erlaubte, wodurch 
das Detail der Adern genauer ersichtlich wurde. Vergleicht man diese Abbildung noft der Ton 0. Heer 
a. a. 0. Taf. VIII, Fig. 12 gegebenen Zeichnung eines etwas vergrösserten Flügels von Melolontha vtdgartsj 
so tritt die Übereinstimmung in allen wesentlichen Punkten hervor, und es lassen sich daran die Vena mar- 
ginalia a und Vena mediOrStina b, die Vena scapularis c, die Vena extemo-medta d mit ihrem apicalen Theil 
d' und rücklaufenden Ast rf", femer die Vena mtemo-medm e und Ast derselben e', so wie die Vena ana- 
tüf unterscheiden. 

Nur Grösse und Umriss des Flügels stimmen nicht mit dem Flügel von Melolontha vulgaris ttberein, und 
zeigen dadurch die von dieser verschiedene Species. 

Die Flora von Szäntö, gleichfalls demselben Rhyolithe wie jene von Talya angehOrig und auch mit Aus 
nähme der Meeresalgen aus denselben Pflanzenresten zusammengesetzt , zeigte nach den bisherigen Auf- 
sammlungen 46 Arten, welche im speciellen Theile theils namhaft gemacht, theils näher beschrieben werden 
sollen, namentlich jene, die für die Wissenschaft eine Bereicherung liefern. 

Da jedoch sowohl die Flora von Sz4nt6 , als die bisher bekannt gemachten Floren der Trachyt- und 
Rhyolithtuffe aus den verschiedenen Becken, die, wie oben angegeben, theils dem Schemnitzer, dem Erlau- 
Miskolczer, ferner dem Eperies-Tokajer und dem östlich gelegenen Vihorlat-Glutiner Trachytgebirge ange- 
hören, nur ein Ganzes ausmachen, so dürfte eine Gesammtaufzählung dieser Trachyt-Rhyolith-Flora der sar- 
matischen Stufe hier nicht am unrechten Orte stehen, besonders da mancherlei Berichtigungen der früheren 
Angaben nothwendig geworden sind. 

Wenn somit die Pflanzen dieser Flora bisher nur an den wenigsten Punkten in ihrer Vollständigkeit auf- 
gefunden wurden, so rührt das wahrscheinlich nicht davon her, weil die meisten Arten ehedem nur ein. 
locales Vorkommen hatten, als vielmehr weil. diese Fundorte bisher nur höchst unvollständig ausgebeutet 
wurden. An eine Verschiedenheit der Floren der gedachten Localitäten ist daher gar nicht zu denken, und 
muss vielmehr angenommen werden, dass sie einen und denselben Charakter tragend, in nahezu denselben 
Zeiträumen abgelagert wurden. 



II. Specielles. 

Fossile Flora von Szäntö in Ungarn- 

GLUMACEAE. 
GRAMINEAE. 

tPhragmites tlngeri Stur. 

Taf. I, Fig. 1—4. 

J^h, rhtzomcUe ramoso 6 — 6 Itn, lato, tntemodtü plerumque abbrevuUis elongatüve tubulosis, ctUtnis elongatt's 
3 ctrctter Itneas latia foUis late-linearibtts multtnervoaia. 

Fhragmitea XJngeri Stur, Beiträge z. Eenntn. d. Flora d. Süsswasser-Quarze, im Jahrb. d. geol. Reichsanst. 

Jahrg. 1867, p. 137, t. HI, f. 4—8. 
Culmttes anomalus Ung. (ti parte) Icon. p. 14, t. V, f. 4 a, b, c. 
Arundo Oöppertt üng. Flora d. Süsswasser-Kalkes u. Quarzes. Denksehr. d. k. Akad. d. Wissensch. XIV, 

1858, t. n, f. 1, 2. 

Ganz richtig hat Herr Stur die von mir unter verschiedenen Namen beschriebenen Pfianzenreste unter 
obigem Namen zusammengefasst. Bisher wurde diese Sehilfart nur im Süsswasserquarze von Ilia, Hlinik und 



Die fossile Flora von Szäntö in Ungarn. 5 

Lutilla in UDgarn gefunden. Das Vorkommen derselben in den Rhyolithtuffen von Sz4ntö ist jedenfalls eine 
Erweiterung unserer Kenntnisse , und bestätigt überdies die Ansicht ^ dass die Fossilien des Rbyolithtuifes 
der sarmatischen Stufe angehören , wohin auch die Sttsswasserquarze der obgenannten Localitäten gezählt 
werden müssen. 

Mit den Bhizomen kommen aber auch grössere und kleinere Fragmente von linienförmigen Blättern vor^ 
Fig. 1 und 2, deren grösste Breite 8 Linien beti-ägt, also bei weitem schmäler sind, als jene von Phragmites 
oentngensts, dessen Vorhandensein in Szäntö ich nicht bezweifle, da einzelne Stengelstücke vorkommen. 
Auch die Blätter von Phragmites Ungert sind mit parallelen stärkeren und dazwischen befindlichen schwä- 
cheren Nerven versehen, ohne jedoch einen dieselben an Stärke übertreflTenden Mittelnerven zu zeigen. 

JRhragtniies oeningensis A. Braun. 

Nur in kleinen Trttnmiern des 1 Zoll dicken Halmes vorhanden. Während diese Art grösser als unser 
Phragmäea communis war, gleicht Phragmites JJngeri fast ganz der genannten jetzt sehr verbreiteten Pflanze. 
Die von v. Ettingshausen als Oulmttes arundinaceus Ung. und von Kovats als Bambustum trachy- 
ttcum aus der Flora der Hegyallya bezeichneten Pflanzenreste sind nur der Phragmites oeningensis unterzu- 
ordnen. 

CORONARIAE. 
SMILACEAE. 

Sn%iiaac hyperbarea Ung. n. sp. 

Taf. I, Fig. 5. 

S.foliis ovalihus ohtusis tntegerrimis , nervatione campylodroma 5-wcrrta, nervo media vix validiore^ nervis 

interstitialibus simplioibus v. ramosis. 
In Tuffo rhyoUthico ad Szanto Hungariae, 

Dieses Blatt, von elliptischer Form , an der Spitze wie am Grunde gleich geformt , 3 Zoll lang und 
27« Zoll breit, hat grosse Ähnlichkeit mit einigen als Smilax grandifolia in der Syll. pl. foss. I, p. 7, Fig. 8 
und als Smilax Weberiunä Smilax obtusifolia von Wessel und Weber in den Palaeontographicis, Bd. IV 
beschriebenen Pflanzenresten. Von dem Blatte aus Bilin, so wie von Smilax Weberi unterscheidet es der 
Mangel einer Spitze und von Smilax obtusifolia die keineswegs verbreiterte Basis , welche jenem Blatte 
einen fast abgestutzten Grund gibt. 

Ausser den fttnf Nerven ist keine Andeutung eines dritten Nervenpaares vorhanden , eben so unter- 
scheiden sich die aus dem Mittelnerv entspringenden Tertiärnerven durch ihre gabelförmige Verzweigung 
nicht wenig von den Interstitialnerven der genannten analogen Blätter. 

Es stellt daher das fossile Blatt von Szäntö ohne Zweifel den Typus einer besonderen Art dar. In wie 
weit das von Massalongo auf Taf. VII, Fig. 8 seiner Flora fossile Senigalliense abgebildete und mit Smi- 
lacües Orsiniana bezeichnete Blatt mit unserem Blatte von Sz&ntö übereinkommt , lässt sich aus Mangel an 
guter Erhaltung desselben nicht entscheiden. 

CONIFERAE. 
ABIETINEAE. 

Finus KoMschyana Ung. 

P.foUis gemtnts elongato-filiformibus tenuibus strtctis, vagina foliorwm brevi stricta, 

Pinites Kotschyanus Ung. Icon. p. 28, t. 14, f. 10 — 13. 

Pinites Junonis Kov. Foss. Flora v. Erdöbinye, p. 18, t. 1, f. 8—12. 

Herr v. Kovats beschrieb aus Erdöbinye eine zweinadelige Pmiw-Art, die er, da sie weder zu Pinites 
Jovis noch zu Pinites Neptuni passte, als Pinites Junonis bezeichnete. Er ttbersah dabei, dass die Diagnose 



6 Dr. F. TJnger. 

von Pinitea Kotachyanus, einer Pinus-Axi^ die auch ihren Lagernngsverhältnissen nach mit der Pflanze von 
Erdöbönye übereinkommt, yiel eher mit derselben zusammenstimmt, als die Badobojer Pmt^-Arten, nnd dass 
daher auch die Pflanze von Szäntö mit Ptnttea KoUchyanua zn vereinigen ist, obgleich von derselben weder 
wohl erhaltene Samen, noch Zapfen bis jetzt aufgefunden worden sind. 

« 

JULIFLORAE. 
BETÜLACEAE. 

Ahnu MLeferMeini Ung. 

Taf. I , Fig. 7. 

Es kam mir bisher nur das einzige Blatt aus Sz&ntö unter die Hand und auch dieses war in Bezug auf 
die Spitze und den Band ziemlich undeutlich und zum Theile verstümmelt. Auch v. Ettingshausen macht 
auf das Vorhandensein dieser Pflanze unter den Petrefacten von Erdöbänye aufinerksam. Mit Alnua noatra- 
tum Ung., womit das in Bede stehende Petrefact allenfalls verglichen werden könnte, stimmt es der ziem- 
lich weit von einander stehenden Secundämerven wegen weniger überein , als mit Älnua Keferateim, einer 
in der Tertiärformation Mittel-Europa's ziemlich verbreiteten Pflanze; eben so scheint es mir von Alnua Pro- 
atli durch die weniger verzweigten Secundärnerven zu differiren, obgleich Grösse, Form und der gekerbte 
Band für eine grosse Verwandtschaft beider Arten stimmt. 

CÜPÜLIFERAE. 

Carpinu9 grandis Ung. 

Taf. I, Fig. 8—11. 

Diese Fossilien gehören zu den häufigeren in Szäntö, es fanden sich aber bisher nur Blätter, nicht aber 
Früchte mit ihren so charakteristischeii Hüllen vor. 

Dieser um Szäntö einst so verbreitete Waldbaum ist indess auch in anderen Localitäten der Tertiärfor- 
mation , namentlich in den jüngeren miocänen Schichten nicht selten , und aus Goasendorf in Steiermark, 
einer Localität, die ganz mit dem Horizont von Sz&ntö übereinstimmt, kommt dieselbe Pflanze vor, und zwar 
eine Form mit enger gestellten Nerven (Syll. plant, foss. HI, p. 68, t. XXI, f. 11, 12), wie sie hier von 
Szdntö vorliegt. Es erregt dies die Vermuthung, dass diese Form vielleicht von Carptnua grandia anderer 
Localitäten der Art nach verschieden sein könnte. Folgt man dem Anhaltspunkte, welches Oossendorf für 
die Deutung der fraglichen Blätter gab, indem dort ein wenngleich unvollständiges Stück eines Involucrums 
(1. c. Taf. XXI, Fig. 13) gefunden wurde, so kann man die von Kovats aus Erdöbönye als Carpmua Netl- 
reicht beschriebenen Petrefacte unmöglich mit Carptntta grandü vereinigen, obgleich Blätter dieser Arten 
mit einander übereinstimmen. 

Kovats' Carptnua Neilretcht Bteht der Carpmua on'entalta sehr nahe. 

Quercus deuterogona Ung. 

Taf. I, Fig. 12. 

Von dieser fossilen Eichenart habe ich in meiner Foss. Flora von Gleichenberg nur ein kleines Blatt- 
fragment, aus dem Sandsteine von Gossendorf stammend, p. 18, Taf. III, 1, beschrieben und abgebildet. Ein 
viel vollständigeres Exemplar liegt nun aus Sz&ntö hier vor und erlaubt es, die früher gegebene Diagnose zu 
vervollständigen. Dieselbe würde nun so lauten : 

Q, folna petiolatta lato-ovatia v. oblongia 6 — 6 polltcarthua margine ainuato-denttzita modice apttculcUta pleu- 
ronervta, nervia aecundartta aimpltctaaimia nervuUa interatittalibua tnter ae covyunctia. 

Die damals versuchte Ermittlung der Affinität mit jetzt lebenden Eiehenarten, wobei sich Querctca mon- 
tana Willd. aus Nordamerika als die zunächst übereinstimmende Form herausstellte, hat nun in dem voll- 
ständig erhaltenen Blattreste von Sz&ntö nur eine Bestätigung gefunden. 



Die fossile Flora von Szdntö in Ungarn: 7 

Quercus NimroMs Ung. 

Taf. II, Fig. 1—4. 

Es kann kein Zweifel sein, dass diese Blätter einer Eichenart angehören nnd ihre nächsten Verwandten 
in Qitercus castaneaefolia, alpestris n. s. w., vorzüglich aber in Qttercus Libant Oliv, haben. Unstreitig die- 
selben Blattformen ftihrt V. Eovats in seiner mehrerwähnten Flora foss. von Erdöbönye als Ca^taneaKubtnyt 
vor, nnd gibt davon auf Taf. III mehrere Abbildungen, woraus hervorgeht, dass sie mannigfaltigen Abände- 
rungen in Bezug auf Grösse, Form der Basis und grösseren oder geringeren Grad des Gestrecktseins unter- 
worfen ist. Überall ist jedoch ein verhältnissmässig langer Blattstiel vorhanden, der das Blatt weniger der 
Gattung Caatanea als der Gattung Quercus in die Nähe bringt. Ich unterlasse es, die weitere Synonymie die- 
ser fossilen Pflanzenart festzustellen, da hiezu die vorhandenen Wahnehmungen nicht ausreichen. 

Quer CUM gigantufn Ettingsh. 

Auch diese Eichenart, von der v. Ettingsh au sen in seinem „Beitrag zur Eenntniss d. foss. Flora von 
Tokaj, p. 20^ eine Beschreibung und auf Taf. III, Fig. 4 eine Abbildung gab, hat sich bereits unter den 
Fossilien von Sz4ntö vorgefunden, allein in so mangelhaften Bruchstücken, dass man sich bisher noch keine 
genaue Vorstellung von dieser Blattfonn zu machen im Stande ist. Wie derselbe angibt, stammt das abge- 
bildete Exemplar aus Talya her. 

ULMACEAE. 
Xetkava fJngeri Kov. 

Diese sehr weit verbreitete Pflanze , die auch in Erdöbänye in Blättern und Früchten wohlerhalten vor- 
konunt, gehört zu den häufigsten Petrefacten von Sz4nt6. Es ist nicht nöthig, davon Abbildungen zu geben, 
da wir dergleichen ohnedies in mehreren Werken besitzen. In Sz&ntö sind nur Blätter, aber bisher noch 
keine Früchte dieser Pflanze gefunden worden. 

WJlmua pUairinervia Ung. 

Ta£ n, Fig. 6. 

Auch diese Pflanze gehört zu den häufigeren Vorkommnissen von 8zäntö. Ich habe nur ein Blatt statt 
der vielen abgebildet. Früchte fehlen daselbst. Dagegen kommen sowohl Blätter als Früchte bei Erdöb6nye 
vor, von denen v. Kovats 1. c. Tab. IV, Fig. 8 — 15 gute Abbildungen gibt. 

Vergleicht man die Blätter dieses Fossiles mit den Blättern von ülmus Braunü, so möchte man über 
die Identität beider Arten kaum einen Zweifel haben; dagegen spricht jedoch die Form der Früchte, von 
denen 0. Heer in seiner Tertiärfl. d. Schweiz, Bd. III auf Taf. 151, Fig. 31 sehr schöne Abbildungen gibt, 
welche jedoch mit denen von Eovats a. a. 0. weder in der Grösse noch in der Gestalt Übereinkommen. Es 
dürfte somit die Existenz der Ulmus plurtnervta unter den fossilen Pflanzen gesichert sein. 

CELTIDEAE. 

Cettts trachuttca Ettingsh. 

Taf. II, Fig. 6-8. 

Diese Art wurde zuerst von v. Ettingshausenin seiner Flora von Tokaj als von Erdöb6nye stam- 
mend beschrieben , da er aber nur einen Blattfetzen vor sich hatte , an dem Grund und Spitze fehlte , so 
musste in der Charakteristik derselben Manches fehlen. Ein bei weitem vollständigeres Blatt bildet Eovats 
1. c. Tab. VI, Fig. 7 aus derselben Lagerstätte ab , fügt aber dieser Art unter dem Namen Celtis vulcantca 
noch ein anderes Blatt aus derselben Formation bei Talya, Tab. I, Fig. 9 hei. Obgleich die Basis der letzte- 
ren Art von jener der ersteren durch ihre ausgesprochene herzförmige Form abweicht, so scheint es mir doch 



8 Dr. F. ünger. 



nicht gerechtfertigt, daraus eine andere Art zu machen, da bei dergleichen Blättern Übergänge von einer 
Form in die andere häufig zu bemerken sind. Ich halte daher dafür, dass Eovats' Celtts vulcantca zu Celtis 
trachytvca zu ziehen sei. 

Unter den Fossilien Ton Sz&ntö erscheint diese fossile Pflanze eben nicht selten. Ich habe hier auf 
Taf. II, Fig. 6, 7 und 8 drei in allen ihren Theilen wohlerhaltene Blätter von Celtts trachytica abgebildet, aus \ 

welchen, wenn auch die extremsten Formen fehlen, doch der Übergang von der verschmälerten Blattbasis 
zur herzförmigen Form deutlich ersichtlich ist. Die Diagnose dieser Art wtlrde daher besser in folgender 
Weise lauten : 

C, trachytica^ foliia ovatis v. ovato-ohlongts hast inaequaUbua in petiolum attenuatis vel dilcUato-cordatis, 
superne grosse dentatis, nervatione camptodroma , nervis secundariis validis, angulo acuto e nervo pri- 
mario ortis ramosis infimis basalibus. 

Diese Blätter stimmen mit den Blättern der in Nord-Persien einheimischen Celtis Toumefortii derart 

•« 

ttberein, dass man eher eine Übereinstimmung in der Art, als eine Verschiedenheit beider vermuthen möchte. 
Leider fehlen der fossilen Pflanze dermalen noch die Früchte, es lassen sich aber aus derselben nicht neue 
Charaktere für die Unterscheidung gewinnen, da dieselben nicht von der Art sind, sich im fossilen Zustande 
gut conserviren zu können. 

Sowohl Celtis Japeti U., als Celtis (7ot«/om' Heer, erstere aus Parschlug, letztere aus Menat in der 
Auvergne, scheinen von der vorstehenden Art verschieden zu sein. 

MOREAR 

Moru9 Sycamino9 Ung. n. sp. 

Taf. III, Fig. 2, 2*. 

M,foliis ovato-acuminatis interdttm lohatis in petiolum attenuatis duplicato dentaio-serratis penninervüs, nervo 
primario validoy nerms secundariis simplicibus raro ramosis, 7iervis tertiariis rete strictum formantibus. 

In Tuffo rhyolithico ad Saanio Hwfigariae, 

Leider kenne ich nur dieses einzige Specimen der fossilen Pflanzenart, die ich nirgends anders unter- 
zubringen weiss, als unter die Gattung Moros, wohin es seiner Form, der Beschaffenheit des Blattrandes nach 
und der Neigung sich in Lappen zu spalten wohl gehören dürfte. Nimmt man noch die aus den Secundärner- 
ven in einem ziemlich stumpfen Winkel abtretenden Tertiärnerven , die sich in ein eben solches Nervennetz 
verzweigen (Fig. 2*), wie das bei den Jforte«-Blättem der Fall ist, so dürfte, bis neuere Entdeckungen uns 
eines Besseren belehren, obige Bezeichnung dieses Fossiles gerechtfertigt erscheinen. 

JPtcus aUaefoUa Heer. 

Taf. n, Fig. 9. 

Blätter dieser Art kommen wenn auch selten , doch zuweilen unter den Blattabdrücken von Szäntö vor. 
Ich habe zu dieser Art nichts besonderes zu bemerken, als dass es die kleinere Form der Blätter dieser Art 
ist , welche in verschiedenen Gegenden gefunden worden ist. Dagegen muss ich mich über folgende Art 
etwas näher aussprechen. 

Ficu9 grandifolia Ung. n. sp. 

Taf. II, Fig. 10. 

F, foliis longe petiolatis suborbicularibusj subcordatis retusis, margine undulato integerrimis nervosis a^tino- 
drotms. 

In Tuffo rhyolithico ad Seanto UungaHae. 

Ich habe einst unter dem Namen Donibeyopsis grandifolia Blätter beschrieben, die sich mit grösserer 
Sicherheit unter die Gattung Ficus bringen Hessen und mit Ficus tiliaefolia zusammenfallen. Das vorliegende 



Die fossile Flora von Szdntö in Ungarn. 9 

Blatt, von jenen wesentlich verschieden, kann nun fttglich obige Bezeichnung erhalten. Dasselbe ist fast 
kreisrund, am Grunde und an der Spitze etwas eingedrückt, ganzrandig und mit einem Nervennetze versehen, 
das bis auf das kleinste Detail erhalten ist. Vom Grunde des Blattes entspringen fünf strahlenförmig diver- 
girende Primämerven und sind an Stärke fast unter einander gleich. Nur der mittlere gibt zu beiden, die 
anderen nur an den Aussenseiten Secundämerven ab. Zahlreiche Interstitialnerven verbinden alle Primar- 
und Secundärnerven in ein weitmaschiges Nen'ennetz. 

Diese Blattreste gehören nicht eben zu den seltensten von Sz&nt6. 

SALICINEAE. 

Foputu9 latior rotundata Heer. 

Taf. in, Fig. 1. 

Ich habe über dieses Petrefact, das in der Tertiärformation sehr verbreitet ist, nichts hinzuzuftigen , als 
dass was v. Eovats als Populus Heliadum U. aus der Flora vonErdöbenye angibt, sicherlich nichts anderes 
als die obgenannte Art ist. 

Fopulus insulanis Eov. 

Nur verstümmelte Fragmente vorhanden. 

THYMELEAE. 
LAURINEAE. 

Cinnaimonium Ho9mmüs9lH*i Heer. 

Die so oft abgebildete Pflanze habe ich nicht nöthig hier wiederholt zu zeichnen. Es sei nur bemerkt, 
dass sie zu den seltensten Pflanzen von Sz&ntö gehört und mir nur in einem einzigen Exemplare vorliegt. 

ELEAGNEAE. 

Mlleagnu9 aeutninuta Web. 

Taf. in, Fig. 3. 

Ein nur zu zwei Drittheilen erhaltenes Blatt, das, obwohl an Umfang den bekannten nachstehend, in 
Bezug auf Form und Nervatur dennoch mit denselben derart übereinstimmt , dass ich eine Trennung davon 
nicht für zweckmässig halte. Eine andere Frage ist die, ob diese fossile Eleagnus-kri nicht besser unter die 
Gattung Daphne unterzubringen sei, was allerdings erst die Zukunft zu entscheiden haben wird. 

PROTEACEAE. 

Banksia helrettea Heer. 

Ein mir nur ein einziges Mal unter den Szäntöer Petrefacten vorgekommenes Blatt, was obendrein nicht 
gut erhalten war, so dass seine Bestimmung zweifelhaft bleibt. 

Emhothrium Szantoinutn Ung. n. sp. 

Taf. III, Fig. 4. 

Em, foliia lanceolato-ovatis obtusta margtne undulato intefferrtmis, nervo prtmario crasso, nervis secundartü 
tenuibus valde ramoats angulo acuto e nervo prttnano exorientihua. 

In Tuffo rhyolithieo ad 8»cmfo Hungariae, 

Ich kenne unter den bereits bekannten fossilen Blättern keines, das mit dem vorliegenden eine Ähnlich- 
keit hätte, daher es wohl auf eine neue Bezeichnung Anspruch hat. Bei Vergleichung desselben mit den 
Blättern jetztlebender Pflanzen fällt bei ähnlicher Form im Allgemeinen die Übereinstimmung der Nervatur 
mit Blättern von Embothrtum auf. Vergleichen wir Emhoihrtum coccineum aus Chile mit unserem Fossile, so 

Denktehriften der mathem.-naturw. Ol. XXX. Bd. 2 



10 Dr. F. ünger. 

haben wir Id beiden dieselben ans einem starken Mittelnerven anter spitzem Winkel entspringenden Seiten- 
nerren, welche sehr zart, häufig verzweigt bis gegen den Blattrand verlaufen and sich erst dort verschlingen. 
Das fossile Blatt scheint zart, mehr membranös als lederartig gewesen zu sein, wie das auch hei JEmbo- 
thrmm coccineum der Fall ist. Leider war der Grand des Blattes nicht erhalten, ich glaube aber nicht sehr 
von der Wahrheit abgewichen zu sein, wenn ich ihn auf die in Fig. 4 gegebene Weise ergänzt habe. 

BICORNES. 
ERICACEAE, 

Andromeda trisU^ Ung. 

Taf. III, Fig. 6. 

Bisher nur in einem einzigen Exemplare in Szänt6 aufgefunden, von dem überdies die Basis ergänzt 
wurde. 

Vacciniufn myr^tnaefoMuvn Ung. 

Taf. III, Fig. 6. 
Gleichfalls selten unter den Petrefacten von Sz&ntö. 

COLUMNIFERAE. 
STERCÜLIACEAE. 

SiercuHa Hantheni Ung. n. sp. 

Taf. III, Fig. 10, 11. 

St.foUia memhranaceis quinquelohatis basi cordatis, lobis integerrimia elltpticis apice acummatisj nervis acti- 
nodromt's rectis, nervis secundarns tenutbus parce ramosia. 

In Tuffo rhyolitkieo ad Seanto Hungariae. 

Eine der schönsten und ausgezeichnetsten Petrefacte von Szäutö , über deren Natur wohl kein Zweifel 
stattfinden kann. Das fUnflappige, an der Basis herzförmige Blatt mit fünf bandförmig divergir enden Haupt- 
nerven hat eine Grösse von 3— 4 Zoll und gehört dadurch zu den ansehnlichsten Blattresten dieser Loca- 
lität. Die Lappen sind elliptisch, zugespitzt, ganzrandig und von den Hauptnerven bis an die Spitze durch- 
zogen. Es sei diese ausgezeichnete Pflanzenart dem Herrn Gustos v. Hantken am National-Museum in 
Pesth gewidmet, der sich um die Sammlung der Petrefacte von Sz&ntö das meiste Verdienst erworben hat. 

Dieses Petrefact scheint allerdings auch in Sinigaglia vorzukommen, allein Massalongo hat es bald 
mit Acer tntegerrtmum , bald mit Ltquidambar Scarabellianum (Taf. 20, 1), bald mit Sterculia Majoh'ana 
bezeichnet. 

Sterculia tenuinervi9 Heer. 

Taf. III, Fig. 7—9. 

Wenn die beiden Blätter Fig. 7 und 8 mit den Abbildungen von Heer (Die Tertiärfl. d. Schweiz, III, 
p. 35, t. 109, f. 7) vollkommen übereinstimmen, so könnte das von Fig. 9 bezweifelt werden, welches Blatt 
Heer's Acer deciptens (1. c. t. 117) viel ähnlicher zu sein scheint. Da aber zahlreiche Übergänge von bei- 
den Formen in Szänt6 vorkommen, so unterliegt es keinem Zweifel, dass wir auch in diesem bei weitem klei- 
neren Blatte das Blatt von Sterculia tenumervü vor uns haben. 

Es dürfte demnach wohl die Frage entstehen , ob Acer dectpiena eine haltbare fossile Pflanzenart sei. 
Auch von dieser Art hat Massalongo viele Namen geschaffen, wie Acer tricenum v. integriloba, v. deot- 
piensy V. obttistloba, v.furcifer; endlich hat er sie noch zu Sterculia Labrusca und zu Sterculia tenuinerms 
H. gezogen. 



Die fossile Flora von Szdntö in Ungarn. 1 1 

TILIACEAE. 

Taf. IV, Fig. 4. 

T. bractea pedtceUata Ugulata Itneart-ohlonga apice rotundata hast düatata , nervo primario crasso , nerms 
secundarns omntbus angulo acuto ortis valde ramosta in reticulum nervorum mimmorum soliUis, nuce 
subglobosa costata pedunculo bractea untta. 

Herr Stur fand in Mitteleuropa zuerst die Bractea einer fossilen Tt'lia, die er in seinen „Beiträgen 
zur Kenntniss der Flora der Sttsswasserquarze u. s. w/< p. 194 beschrieb nnd'durch eine Abbildung, Taf. IV, 
Fig. 7 , illustrirte. Das Petrefaet stammt aus den Schichten des' Belvedere-Schotters und Sandes bei Wien, 
und zwar in der Nähe des botanischen Gartens. 

Aus den ungefähr gleichzeitig abgelagerten Bhyolithtuffen von Sz&nt6 kamen mir gleichfalls Exemplare 
einer Bractea der Gattung Ttlia zu, welche, obgleich nicht vollkommen mit dem Stur'schen Petrefacte über- 
einstimmend, doch wohl einer und derselben Art angehören dürften. 

Die Exemplare von Szäntö haben noch den Vorzug, dass sie vollkonmener erhalten und in Verbindung 
mit der Frucht stehen, daher eine genauere Definition zulassen. 

Stur vergleicht dieses Deckblatt mit den gleichnamigen Blättern von Tth'a argentea Desf. Das Gleiche 
Hesse sich auch von Tth'a americana L. und von anderen sagen. Ich finde jedoch einen wesentlichen Unter- 
schied aller lebenden Tillen von dieser fossilen darin , dass sänuntliche Secundärnerven der letzteren von 
unten bis oben in einem spitzen Winkel aus dem breiten Mediannerven entspringen, während bei den gegen- 
wärtig sowohl in der alten als neuen Welt vorhandenen Ti7ea-Arten von dem Punkte , wo der Blüthenstiel 
sich vom Deckblatte trennt, die unteren Secundärnerven in sehr stumpfen beinahe rechten Winkeln vom Pri- 
mämerv abgehen. 

In einem mir vorliegenden Exemplare von Szäntö scheint der Blüthenstiel fast ganz an der Basis der 
Bractea zu entspringen, daher die Divergenz der Secundärnerven weniger bedeutend ist. Auch in Bezug auf 
die Basis der Bractea kommen Verschiedenheiten vor, indem die Erweiterung daselbst in den Stiel sich ver- 
schmälert, wie dies bei Fig. 4 der Fall ist, während in anderen Exemplaren von ebendaher der Grund mehr 
abgestutzt erscheint. 

Insbesonders ist die Frucht so wohl erhalten, dass man an den Eindrücken im Gestein deutlich die 
Berippung erkennt, womit sie an der Oberfläche versehen war. 

Ob Massalongo's Tilia Maatajana zu obiger Art gehört, was der Fall zu sein scheint, müssen weitere 
Untersuchungen ins Beine bringen. 

ACERA. 
ACEEINEAE. 

Acer titobatu$n Heer. 

Taf. IV, Fig. 1, 1*, S. 

Von dieser in der Tertiärformation sehr verbreiteten Art kommen auch hier mehrere Blätter und Früchte 
vor. Sie zeigen durchaus keine Abweichungen von der typischen Form, wie sie allerwärts erscheint. 

Acer CracAyflciim Eov. 

Taf. IV, Fig. 8. 

Schon V. Eovats hat in seiner „Fossilen Flora von Erdöbenye^ auf diese von den fossilen ^c^r-Arten 
verschiedene Species aufmerksam gemacht und sie p. 32, Taf. VU, Fig. 1 und 2 beschrieben und abgebildet. 
Das hier gegebene Blatt ist vollständiger als das Fig. 2 auf Taf. VII erhalten , gleicht ihm aber in Gestalt, 
Grösse und in den vollständig ausgebildeten fünf Lappen vollkommen. Zu bemerken ist nur , dass die 
Seitenlappen bald auswärts, bald mehr aufwärts gerichtet sind. Auch zweifle ich nicht, dass das Fig. 3 auf 

2* 



12 Dr. F. Unger. 

derselben Tafel unterschiedene und mit dem Namen Acer inaequilobum bezeichnete Blatt zu eben dieser Art 
gehört. Es dürften mit der Zeit wohl alle Übergänge von dem dreilappigen und dem ftinflappigen aufgefun- 
den werden. Dass die gleiche Blattform sich auch unter den Petrefacten von Sinigaglia befindet , geht aus 
einer Abbildung Taf. 15 und 16, Fig. 7 der Flora foss. Senigalliense hen-or, die Massalongo als Liqui- 
danibar Scarabellianum bezeichnet. Dass diese Art mit Acer Lohellii Ten. am nächsten verwandt ist, hat 
schon 0. Heer (Tertiärflora d. Schweiz, III, p. 46) bemerkt. 

SAPINDACEAE. 

Sapindus fingert Ettingsh. m. 

Taf. IV, Fig. 11, 12, 12*. 

Auch diese Theilblättchen , von denen Fig. 12 in Fig. 12* eine vergrösserte Darstellung des Mittel- 
stttckes gibt , stimmt mit den Petrefacten von Radoboj so genau Uberein (vergl. Sylloge I, p. 34, Taf. XX, 
Fig. 1 — 6), dass eine weitere Auseinandersetzung überflttssig wäre. 

(Sapindu9 evdobenyensis Eov. 

Taf. IV, Fig. 13, 14. 

Von diesem zusammengesetzten Blatte hat v. Kovats in seiner mehrerwähnten Schrift auf Taf. VII in 
den Figuren 4 und 5 gute Abbildungen mitgetheilt, woraus man über die Zusammensetzung dieses Blattes 
besseren Aufschluss als durch meine Fig. 13 erhält. Indess ist die Nervatur in jenem weniger gut ausgedrückt, 
als in dem hier vorliegenden Theilblättchen. 

Dass diese Art mit Sapmdua Haslinazkyi Ett. zusammenfällt, ist wohl kaum zu bezweifeln, dass aber 
Sapmdus erdöbenyensü sich auch kaum von Sapindua Ungeri unterscheiden lässt, geht ans dem Vergleiche 
beider hervor, so dass nur die nicht so gedrängt stehenden Secundärnerven einen Unterschied von obiger 
Art zu machen scheinen. 

FRANGULACEAE. 
CELASTEINEAE. 

Bf^onyn^us Szantotnus Ung. 

Taf. IV, Fig. ö, 6. 

E^foUis petiolatia ovato-acuminatis dentato-crenatis nervosts, nervo primarto exctirente , nervis secundartü 
curvatia ramosia ope ramorum tertiartorum rete laxum formantihua \ Capsula qtiadrilocularts. 

In Tuffo rhyoliihieo ad Szanto Hungariae, 

Dieses in allen seinen Theilen vortrefflich erhaltene Blatt hat wohl auf den ersten Anblick grosse Ähn- 
lichkeit mit Blättern verschiedener Pflanzen ans der Familie der Celastrineen , namentlich mit einigen Cela- 
strus-Arten selbst. Vergleicht man es mit den Blättern von Celastrua acandena, eines nordamerikanischen 
Strauches , so zeigt es sowohl in Form , Grösse , Beschaffenheit des Randes und der Nervatur auffallende 
Übereinstimmung, nur die Form und Richtung der Tertiärnerven sind bei Celaatrua acandena anders als in 
unserem Fossile. Dagegen bietet die Gattung Evonymua noch bessere Anhaltspunkte der Vergleichung, und 
es ist hier wieder eine nordamerikanische Pflanze, nämlich Evonymua atropurpureua Jacq., die noch durch- 
greifendere Ähnlichkeiten, namentlich bezüglich der Haupt- und Nebennerven und der Gestaltung des feinen 
Nervennetzes darbietet. Auch andere Evoriyrnua-Arten y besonders Evonymua micranthua Don. von Nepal 
Hessen sich mit unserem Evonymua Szantomua vergleichen. 

Die Bestimmung dieses Blattes wird noch durch ein in demselben Lager vorkommendes Fossil, Fig. 6, 
unterstützt, das ich ftir nichts anderes als eine 4fächerige Eapselfrucht ähnlich den Früchten von Evonymua 
europaeua halten kann. Ich ziehe diese Frucht einstweilen zu obiger fossilen Art und bemerke nur, dass der 
nebenliegende Zweig mit Stacheln einer anderen Pflanze angehört. 



Die fossile Flora von Szdntö in Ungarn, 13 

RHAMNEAE. 

Hhamnu9 oeningenais Heer. 

Taf. IV, Fig. 7, 7*, 8. 

0. Heer hat in seiner Tertiärflora d. Schweiz, Bd. HI, p. 78^ t. 123^ f. 31 eine Rhamnus-kri beschrie- 
ben und abgebildet, die schon früher von Alex. Braun als ^Aamntt« oemn^e^tMl» bezeichnet wurde. Unser 
Petrefact aus Szäntö stimmt mit demselben sowohl in Grösse als in der Form und Nervatur so Oberein, dass 
ich es für dieselbe Art erklären muss. Dasselbe ist indess in Bezug auf die feinere Nervatur besser erhalten, 
daher unterlasse ich es nicht , davon Fig. 7* eine etwas vergrösserte Zeichnung von Fig. 7 und überdies 
noch die Zeichnung eines zweiten Exemplares zu geben. Aus der Vergleichung beider geht hervor, dass die 
oberen Secundämerven stets alterniren, dieselben einen bogenförmigen etwas geschlängelten Verlauf haben, 
dass aber die Basalnerven nicht immer an einander gedrängt verlaufen und einander entgegengesetzt sind. 
A. Braun stellt diese fossile Pflanze in die Nähe von Rhamnus caroltntanus y doch scheint mir, dass sie in 
Bezug auf Nervfitur des Blattes eher mit Rhamnua tinctorius Wk. zu vergleichen wäre. Doch auch diese Art 
hat so wie jene keine ganzrandigen Blätter. 

Rhamnus pseuüalatemu9 Ung. 

Taf. IV, Fig. 9. 

R, foliis cordatO'Ovalibus grosse dentatta , nervo primaria valido y nervts secundarits inferiorihus oppositts 
supen'ortbus alterms curvatis ramosts, rete nervorum mtm'morum laxo. 

In Txiffo rhyolithico ad Szanto Hungariae, 

Dieses nur in der unteren Hälfte erhaltene Blatt hat so viel Ausgezeichnetes , dass ich es als unbe- 
stimmbar nicht übergehen wollte , obgleich es sehr schwer hält, für dasselbe einen passenden Platz zu fin- 
den. Zunächst dürfte unter den Fossilien wohl die von mir beschriebene Pauüinia germanica (Sylloge IV, 
p. 52, t. 16, f. 8) zu nennen sein. Allein abgesehen von dem bedeutenden Grössenunterschiede , scheint 
unser Fossil keineswegs eine länglich ovale , sondern eine kürzere eiförmige Gestalt gehabt zu haben. Dies 
bestimmt mich , so wie die sehr ausgeprägte Nervatur , es mit den Blättern Rhamnus alatemus zu ver- 
gleichen , wenngleich die Basis dieses Blattes nicht herzförmig ist. Wir wollen auch hierüber die näheren 
Aufschlüsse vcn der Zukunft erwarten. 

TEREBINTHINEAE. 
JUGLANDEAE. 

Juglans acuvninaia A. Braun. 

Taf. V, Fig. 3-6. 

Diese Pflanze gehört zu den keineswegs seltenen Abdrücken von Sz&ntö, und da einzelne Blätter in der 
Begel sehr gut , insbesonders rücksichtlich der Nervatur conservirt sind , so habe ich nicht unterlassen , in 
den Figuren 3—6 grössere und kleinere Formen der Theilblättchen dieses zusammengesetzten Blattes mit- 
zutheilen. Ich bemerke nur, dass der Stiel dieser Blättchen zuweilen die Länge von 12 Millim. erreicht, und 
dass die Blattbasis eben so häufig gleich als ungleich ist. Fruchtreste sind noch keine daselbst aufgefunden 
worden. 

ANACARDIACEAE. 

JRJkiM Herthw Ung. 

Taf. IV, Fig. 10. 

Ein einzelnes Blättchen, das dem in der Sylloge, I, p. 42, t. XX, f. 7 — 9 beschriebenen Blättchen eines 
muthmasslich zusammengesetzten Blattes vollkommen gleicht. 



14 Dr. F. Unger. 

AMYRIDEAE. 

Amyrt9 zmnthoacyU^ides Ung. n. sp. 

Taf. V, Fig. 2. 

-4. folns tmpartpinnatü ? fob'olü pettolatts hast tnaequalibus ovatis obtuais tntegerrtmis polltcem longia sub- 
coriaceia nervosissimis , net^vo primaria valt'do , nervü aecundariis tn rete nervorum minimorum laxo 
solutis. 

In Tuffo rhyolithico ad Szanto Hungariae, 

£s ist ein sehr gewagtes Unternehmen , dieses Blättchen , das durch seine ungleiche Basis Theil eines 
zusammengesetzten Blattes zu sein verräth, auf den systematischen Kreis seiner Verwandtschaften zurück- 
zuführen. Nur die sehr wohlerhaltene Nervatur erlaubt diesfalls Vergleiche. Auf eine auffallende Weise ver- 
halten sich die keineswegs stark hervortretenden Secundärnerven gegen die aus ihnen entspringenden Ter- 
tiärnerven, welche sie in ein Netz von weiten Maschen verweben, so dass sie aus demselben kaum bemerk- 
bar hervortreten. Nur in der capensischen ^wyr«'« t'naequalü Spgl. habe ich Blättchen von ähnlicher Grösse, 
Form und Nervatur zu bemerken Gelegenheit gehabt. 

ZANTHOXYLEAR 

Xanthoücyion pannonicuin Ung. n. sp. 

Taf. IV, Fig, 15, 15*. 

Z. folua pinnatisf foliolia brevissime peti'olatis ovato-lanceolatts obtusvusculis detitato-erenatis subcoriaceis, 
penninervis^ nervis aecundarüs nervo primarto subaequantibus valde ramoais ope nervorum tertiario- 
rum rete laxum formantibus. 

In Tuffo rhyolithico ad Szanto Hungariae, 

Es ist mir aus den Rbyolithtuffen von Szäntö bisher nur dies einzige Petrefact dieser Art vorgekommen. 
Figur, Grösse, die ungleiche Basis, der kurze Stiel und die schwache Krümmung sprechen nur zu deutlich 
dafür , dass dasselbe der Theil eines zusammengesetzten , wahrscheinlich gefiederten Blattes ist. Die 
ganz eigenthümliche Zahnung des Bandes , die verhältnissmässig starken Secundärnerven , die sich in ein 
weitmaschiges Netz von Tertiämerven auflösen , lassen die Stammesverwandten zunächst in den Zanthoxy- 
leen und namentlich in Zanthoxylo7i selbst suchen, wo ausser Zanthoxylon fraxineum Bar. auch eine andere 
in Texas vorkommende Art zunächst mit unserem Fossile verglichen werden kann. Zur Verdeutlichung der 
Nervatur habe ich in Fig. 15* ein Stück des Blattes Fig. 15 vergrössert gezeichnet. 

JPielea maeroptera Eov. 

Taf. V, Fig. 1. 

Es ist kein Zweifel, dass die Bestimmung, welche v. Eovats seinem in der Foss. Flora von Talya 
auf Taf. I, Fig. 2 abgebildeten Petrefacte gab , richtig ist. Wenig besser erhalten ist auch unser Petrefact 
von Sz&ntö , obgleich der Umriss vollständiger erscheint. Wenn der Durchmesser des Flügels dieser Hügel- 
frucht bei dem Talyaer Petrefacte 4 Centimeter beträgt, so erreicht er in der Szänt6er Pflanze kaum 3 Cen- 
timeter, ist also bedeutend kleiner, dagegen ist die Frucht wie dort zweiföcherig, und die Fächer sind weiter 
von einander gerückt, als dies in der nordamerikanischen Ptelea trtfoliata L. der Fall ist. Übrigens kommt 
die fossile Frucht jener der lebenden Pflanze insoferne gleich, als sie oben breiter als unten ist, und an dem 
stumpfen Ende eine kleine Einkerbung zeigt; der Stiel fehlt. 

Merkwürdig ist es, dass kein einziges der fossilen Blätter eine Annäherung zur Blattform der Ptelea tri- 
foUata hat, und daher wahrscheinlich die Blätter dieses Fossiles noch nicht bekannt sind. 

Ptelea steht als Repräsentant einer eigenen Abtheilung — der Pteleaceae — da, und ausser der nord- 
amerikanischen von Carolina bis Pensylvanien verbreiteten Ptelea trtfoliata gibt es keine andere Art. Es 
steht daher zweifellos die Abkunft dieser Pflanze von Ptelea macroptera da. 



Die fossile Flora von Szäntö in Ungarn. 15 

MYRTIFLORAE. 
MYRTACEAE. 

Myi^tu^ MUanae Heer. 

Taf. V, Fig. 5. 

Dieses Petrefact kommt zunächst mit dem von 0. Heer, Tertiärfl. d. Schweiz, HI, p. 196, t. 154, f. 12 
beschriebenen und abgebildeten Blatte, das er Myrtus Dianae nennt, ttberein. Das Blatt muss steif und 
lederartig gewesen sein, aus dem starken Mittelnerven entspringen zahlreiche bogenförmig aufsteigende fast 
einfache zarte Secundärnerven, von denen das unterste Paar nahe dem Rande verlauft und die ttbrigen auf- 
nimmt. Von der gemeinen Myrthe unterscheidet sich dieses Blatt durch die Grösse und durch die Verschie- 
denheit in der Nervatur. 

lie^minosae* 

PAPILIONACEAE. 

LOTEAE. 
Hohiniu HegeU Heer. 

Taf. V, Fig. 9, 10. 

Beide Blättchen zwar von ungleicher Grösse, doch in Form und Nervatur einander gleich und den von 
0. Heer in der Tertiärflora d. Schweiz, IH, auf Taf. 132, Fig. 20 — 26 gegebenen Abbildungen vollkommen 
entsprechend. 0. Heer hat a. a. Orte nicht blos Theilblättchen , sondern auch ganze zusammengesetzte 
Blätter abgebildet, auch in den Figuren 34 — 41 die dazu gehörigen Frtlchte mitgetheilt. Ist dies richtig, so 
dürfte auch v. Ettingshausen's Frucht (Foss. Flora von Tokaj, t, IV, f. 9) von Erdöbenye nicht Mtmosües 
und 1. c. Fig. 4 als Sophora abgebildete Blättehen hieher zu stellen sein , insbesonders da letzteres mit 
Fig. 34 von Heer gut übereinstimmt. Es würde demnach die in Oeningen und in vielen Orten der Schweiz 
vorkommende fossile Pflanze auch auf österreichischem Boden nachgewiesen sein. Ob die von v. Ettings- 
hausen der Flora von Erdöbenye zugeschriebene Rohinia atavia U. in der That derselben zukommt, steht 
noch in Frage. 

DALBERGIEAE. 

Fodogonimn MnorrU Heer. 

Taf. V, Fig. 11—16. 

Unter allen Pflanzenresten, die sich in dem Rhyolithtuffe von Szäntö finden, sind keine so zahlreich, als 
die Beste dieser Pflanze sowohl in Blättern als in Hülsen. Die Blätter sind nur selten in ihrer ursprünglichen 
Zusammensetzung wie Fig. 11, meistens getrennt und vereinzelt, und zeigen eine grosse Mannigfaltigkeit in 
ihrer Grösse und Form , obgleich ihnen allen derselbe Urundtypus und dieselbe Nervatur zukommt. Di e 
Früchte sind immer halbgeöfhete Hülsen ohne Samen, bald mit völlig abgerundeten, bald mit zugespitzten 
Klappen versehen, bald mit längeren und derberen Stielen, bald mit kürzeren von fadenförmiger Dünne. Aus 
dem Allen geht hervor, dass man hier jene Pflanze vor sich bat, die 0. Heer in der Tertiärflora d. Schweiz, 
m, p. 114, t. 134, f. 22 — 26, t. 135, t. 136, f. 1 — 9 so meisterhaft auseinandersetzte und bis auf die 
kleinsten Theile kennen lehrte. Sie sind bisher nirgends so vollständig vne in Oeningen und an anderen 
Orten der Schweiz gefunden worden. Allerdings ist diese fossile Pflanze auch schon früher in der Hegyallya 
gefunden aber unter anderem Namen beschrieben worden. So ein zusammengesetztes Blatt als Cassia panno- 
nica (Foss. Flora von Tokaj, IV, p. 38, Fig. 7), eine Frucht als Dalhergia reticulata (1. c. IV, Fig. 6) von C. 
V. Ettingshausen und gleichfalls wohlerhaltene Hülsen sogar mit Samen (Foss. Flora von Talya, Tab. 1, 
Fig. 3, 4) von Jul. v. Eovats unter dem Namen Copaifera longestipitata. Da über die Beschaffenheit 
dieser fossilen Pflanzenart nichts mehr zu sagen ist, als was nicht ^on von 0. Heer berührt worden wäre, 
so bin ich alles Weiterem überhoben und kann nur auf die angeführten Abbildungen verweisen« 0. Heer 



16 Dr. F. ünger. 

unterscheidet von dem gemeinen Podogonium Knonrii noch eine minder verbreitete Art — Podogomum Lyeb 
h'anum — und gibt als Unterschied des letzteren vom ersteren die stampfe mehr abgerundete Spitze der 
Blättchen , die sogar ausgerandet und mit einer kleinen Stachelspitze versehen ist , an. Er hält dafür , dass 
das in Talya und Erdöbenye vorkommende Podogomum bieher und nicht zu Podogomum Knorrn gehöre. Ich 
muss aber dagegen einwenden ; dass man aus den angeführten unvollkommenen Abbildangen gewiss zu 
keiner sicheren Entscheidung über diese Frage kommen kann , dagegen die von mir aus der nahen jenen 
Fundstätten zunächst liegenden Localität SzÄnt6 hier vorliegenden Abbildungen eher unter Podogonium 
Knorrn als unter Podogonium Lyellianum zu bringen sind. 

Indess fällt es doch immerhin auf , dass gerade in dem vorliegenden Falle gewissermassen ein Über- 
gangszustand beider Arten zu erkennen ist , denn abgesehen von der variirenden Beschaffenheit der Hülsen 
zeigen die Blättchen gerade das Mittel zwischen stumpfer Spitze und Abrandang und über dieselbe hinaus 
scheint der Mittelnerv als feine Spitze fortgesetzt. * * 

Eben so dürften die von 0. Heer aufgestellten Arten — Podogonium latifolium und Podogonium obtu- 
sifolium — nur noch weitere Ausschreitungen des variabeln Artcharakters sein, so wie Podogonium con- 
atrictum und Podogonium campylocafpum nur Anomalien darstellen. 

Man hat hiemit in dem Podogonium eine fossile Pflanzengattung vor sich, in welcher die Begrenzung 
der Arten durch die Natur keineswegs auf eclatante Weise vollzogen ist, in der vielmehr ein Schwanken 
nach verschiedenen Richtungen eben so stattfindet, wie wir es in der Bildung der Varietäten unserer 
gegenwärtigen Vegetation wahrnehmen. 

SOPHOREAE. 

Sophmra eurapaea Ung. 

Taf. V, Fig. 16. 

Dass das hier abgebildete Fossil das Theilblättchen eines gefiederten Blattes ist, möchte kaum zu 
bezweifeln sein. Am meisten spricht die Ähnlichkeit mit jenen Theilblättchen dafür , die ich in der Sylloge 
n, p. 27, t. IX, f. 7 — 14 beschrieben habe. Die Spitze ist bald stumpf, bald eingedrückt, und auch die Ner- 
vatur ist den abgebildeten ganz gleich. Am meisten stimmt Fig. 9 mit unserem Fossile aus Szänt6 überein. 

CAESALPINIEAE. 

OfediteeJkla alletnantca Heer. 

Taf. V, Fig. 18, 18*, 19. 

Ein kleines, leider nicht bis zur Spitze erhaltenes Theilblättchen eines zusammengesetzten Blattes, das 
nach der Grösse , dem gekerbten Rande und der Nervatur nach zu urtheilen , mit Oleditachia aUemanica 
Heer vollkommen übereinstimmt. 0. Heer bildet in seiner Tertiärflora d. Schweiz, HI, auf Taf. 133 ausser 
zahlreichen Blättchen Fig. 43 — 50 noch einen zu dieser Art gehörigen Stachel Fig. 51 ab. Auch dieser fehlt 
der fossilen Flora von Sz&nt6 nicht; ich halte das Fig. 19 abgebildete Petrefact für einen solchen Stachel, 
der zwar nicht einfach , jedoch nur mit zwei nach verschiedenen Richtungen gehenden Seitenspitzen ver- 
sehen ist. 

Fig. 18* gibt eine Vergrösserung von Fig. 18, um die Nervatur besser zu sehen. 

Oleditachia celUca Ung. 

Taf. V, Fig. 17, 17*. 

Ebenfalls ein kleines Theilblättchen , von welchem die Spitze fehlt , das aber seiner gestreckten Form 
und Nervatur nach besser mit Oleditachia ceüica U. übereinstimmt. Da bisher noch keine detaillirtere 
Zeichnung der Nervatur dieser Blättche^ekannt ist, so habe ich nicht unterlassen, eine solche in dem ver- 
grösserten Blättchen Fig. 17* zu geben. 



Die fossile Flora von Szäntö ^>^ Ungarn. 



17 



Ca99ta i*otunda Ung. 

Tat. V, Fig. 21. 

Bisher nar in einem einzigen Exemplare^ welches hier Fig. 21 abgebildet ist, in Sz&ntö gefunden. Es 
ist vollständiger erhalten, als jenes Blättchen ans Radoboj, von welchem ich in der Syll. pl. foss. 11, p. 30 
und Taf. X, Fig. 17 Nachricht gab. Während dort der Stiel fehlt, findet sich derselbe an diesem Petrefacte 
vollkommen aasgeprägt , auch ist die Nervatur hier sehr kenntlich , so dass es also keinem Zweifel unter- 
liegt, dass diese Pflanzenart zweien der Zeit nach verschiedenen Epochen angehört. Mit der brasilianischen 
Cassta cotinifolia Don. stimmt es am meisten tiberein. 

Cassia Beretkices Ung. 

Taf. V, Fig. 20. 

Ein Blättchen, das sich am besten mit den gleichnamigen Theilen des Blattes von Casaia Berenices U. 
aus der fossilen Flora von Sotzka (Taf. 43, Fig. 4 — 10) vergleichen lässt. Indess ist die Nervatur in jenem 
deutlicher als in diesem ersichtlich. 

Cassia IPha^eoUie^ Ung. 

Taf. V, Fig. 22. 

Nur mit einigem Zweifel kann dieses Blättchen, an dem die Spitze fehlt, mit den als Cassta FhaseoUtes 
beschriebenen Fossilien zusammengestellt werden. Doch weiss ich dermalen keinen besseren Platz, bis nicht 
neue Funde mehr Licht über dasselbe verbreiten. 

CaesaMpinia deleta Ung. 

Taf. V, Fig. 23. 

Aus Radoboj ist ein Blättchen bekannt geworden, welches ich in der Syll. pl. foss. II, p. 31, Taf. X, 
Fig. 20 beschrieb und mit obigem Namen belegte. Das Fig. 23 hier abgebildete Blättchen von Szäntö ist 
diesem in jeder Beziehung sehr ähnlich. Es soll daher auch unter der gleichen Bezeichnung hier erwähnt 
werden. 



IIL Gresanimtes. 

Fossile Flora des Trachyt- und Rhyolith-Tuffes. 



Algae. 
Fucaceae. 

Cystoseirües PartocAu St bg. Kov. Erdöb. I, 1. 
;, dehcatula Kov. Erdöb. I, 2, 3. 

■ydropterldeae. 

Salviniaeeae. 

Salvtnta reticulata Ett. sp. Dalbergia reticulatalStti* 
Tok. IV, 6. 

fllemaeeae. 
OramiiLeae. 
Phragmttes Ungeri Stur. 

DeaksehrifUii der mMhem.-nMarw. Cl. XXX. Bd. 



Phragmitea oeningensia Heer. Bambvsium trachyti- 
ci«m E V. Erdöb. U, 10. Culmttes arundtnaceus 
Ett. Tok. 

Cyperaceae. 
Cyperites tertiarvus ü n g. 

Ctrenariae. 
Smilaceae. 

Smilax hyperborea Ung. Sz&nt6. 

Vluflales. 
Kajadeae. 
Potamogeton cuspidatus Ett. Tok. I, 8 (dubiosumi). 
j, tnqutrendus Kov. £rd.I, ^(tncornpletum 1) . 

3 



20 



Dr. F. TJnger. Die fossile Flora von Szdntö in Ungarn. 



Phaseoleae. 
Zichxa nostratum K o v. Erdöb. VII, 8. 

Dalbergieae. 
Copaifera radohojana Ung. 
Podogonium Knorrü Heer. Sz&ntö, Erdöb. (Cassia 

pannonica Ett. folta , Copaifera longestipitata 

Kov. fructus,) 

Sophoreae. 
Sophora europaea Ung, Erdöb. IV, 4. Sz&nt6. 

Caeftalpineae. 
Gleditschia allemanicaB.eGV. Sz&ntö. 
„ celtica Ung, Sz&nt6. 



Casaia rotunda Ung. Sz4ntö. 

„ Phaseolites Ung. Sz&ntö. 

jf Berenices Ung. Sz&ntö. 

f, memnonia Ung. 

„ liffnitum \J n g. 

f, amhigua Vng. 

„ panTionica Ett. Erdöb. IV, 7. 

„ hyperborea Ung. Erdöb. 
Caesalpinia deleta Ung. Sz&ntö. 

Miinoseae. 

Acacia parschlugiana Ung. Tal. IV, 8. 
Mimoaites palaeogaea Ung. Erdöb. III, 5. 



rnji*"!". Dir rolVili- Klnrti vuii Sz/uitö in l'ngar 



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Denkni^iTitU'» drrk Ak.ii] d W.matlLiinliinr Cl XXX ü<l tSTU. 






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Uager.Dtf fossile Flora von. Szaatii iii rug'aru. 



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Denk.srhnllrii drrk^Lv.UoiiI dM'iusÜi imtunv. (IXKlIIiI 187» 



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21 



C OPIE 



DER 



BESSELSCHEN TOISE DU PEROU 



m ZWEI GLASSTÄBEN. 



VON 



De. C. tov steinheil. 



YORGELEOT IV DER SITZUNG DER MATHEMATI^CH-NATURWISSENSCHAFTLICHEN CLASSE AH 15. APRIL 1869. 



JJer Meter der Archire za Saris ist ein aas der Toise abgeleitetes Maß, nar so weit sieher und viel- 
leicht nicht einmal so weit als die französische Yergleichnng 



lOOo"^ 443^296 Pariser Linien 



ergeben hat. Mit Rücksicht auf die Unsicherheit , welche über die wahre Ausdehnung des Platinstabes der 
Archive in der Toise besteht, da nur mit den Bord ansehen Coefficienten gerechnet ist, und in Anbetracht 
der verdorbenen Endflächen kann die Sicherheit des Meter kaum auf 



100 000 
seiner Länge gehen. 

Erst Bessel hat in den Jahren 1835 — 38 die wahre Messkunst in der Maßvergleichung eingeführt. 
Er hat bei Feststellung des preussischen Fusses das Originalmaß invariabel; unzweideutig, leicht 
zugänglich und so hergestellt, dass man die Grenzen der Sicherheit kennt, bis zu welcher seine 
Vergleichungen gehen. Er hat alle Quellen cons tanter Fehler untersucht und letztere beseitigt, so 
dass seine Vergleichungen eine neue Epoche der Maßvergleichungen begründen , welche die Genauigkeit 
der Eenntniss der Einheit mehr als um eine Ordnung gehoben hat. Ein besonderes Verdienst ist es noch, 
dass Bessel auf seine Einheit der Toise du P6rou nicht nur den preussischen Normalfuss, sondern auch die 
Länge des einfachen Secundenpendels und die ostprenssiscbe Gradmessung gegründet hat. 

Es wäre Vandalismus in der Wissenschaft, wenn man jetzt ohne Rücksicht auf das was Bessel 
gethan hat , ohne Weiteres eine Copie des Meter der Archive als wissenschaftliche Maßeinheit annehmen 
wollte. Gesetzlich kann dies wohl geschehen , weil sich das Gesetz nicht bekümmert um die Grenze der 



22 Dr. C. V. Steinhetl. 

Sicherheit, wenn diese nur den bürgerlichen Anforderungen genügen, dass nämlich im Handel und Verkehr 
kein finanzieller Nachtheil aus der Unsicherheit entstehe. Eine bürgerliche Maßeinheit ist also genü- 
gend ^ wenn sie auch unsicher sein sollte. Die wissenschaftliche Maßeinheit , die nicht mehr 

nach Procenten gerechnet wird, muss an das Genaueste und Beste angeschlossen werden, wenn man 
nicht direct einen Bückschritt begehen will. 

Darum muss die wissenschaftliche Maßeinheit auf die BesseTsche Toise du Pärou gegründet werden. 
Soll es aber keinen Nachtheil haben, dass dadurch zwei Einheiten bestehen, nämlich gesetzlich der 
Meter und wissenschaftlich geboten die B es seTsche Toise, so ist es nöthig, den Meter zum eben- 
bürtigen Maße mit der Toise zu machen. Das kann geschehen durch eine genaue, invariable Copie 
desselben, die direct mit der BesseTschen Toise du Pärou verglichen wird. Aus diesen mit Rück3i(;bt auf 
die Fortschritte der Messkunst gegründeten Vergleichungen wäre dann das Vcrhältniss zwischen Toise und 
Meter aufs Neue und genauer festzustellen. 

Zur Durchführung dieser jetzt unabwcislich ') gewordenen Arbeit habe ich schon im Jahre 1837 den 
Meter der Archive in Glasstäben copirt, zugleich aber die BesseTsche Toise du P6rou in zwei ähnlichen 
Glasstäben von Repsold herstellen lassen und bei Conferenzrath Schumacher in Altena mit der BesseT- 
schen Toise = O verglichen. 

Indem nun auch diese beiden Halbtoisen an die österreichische Regierung von mir abgetreten werden, 
theile ich die Ergebnisse meiner Vergleichungen im Nachfolgenden mit. 



Beide Stäbe sind von demselben Spiegelglase neben einander abgeschnittene Halbtoisen. Die End- 
flächen sind aus dem Schwerpunkte des Stabes geschliffene und polirte Kugelflächen. Sie sind mit kurzem 
Halbmesser so facettirt, dass das Maß als derjenige Kugeldurchmesser definirt werden kann, der den 
Mittelpunkten der Endflächen am nächsten liegt. Dabei muss der Stab so horizontal aufgelegt sein, dass er 
keine Durchbiegung erleidet — also alle Punkte unterstützt sind. Die Endflächen sind übrigens so genau 
sphärisch , dass die Comparatoren keine Änderung des Werthes des Durchmessers der Engel erkennen las- 
sen, wenn der Stab 2** — 3** um seinen Mittelpunkt dreht. 

Beide Stäbe A + B aneinander gelegt sind circa 50 mal in der Luft verglichen mit der BesseTschen 
Toise G (von Gambey in Paris ausgeftlhrt). Der Comparator war derselbe Repsold'sche, welcher in Paris 
zu den Vergleichungen der Meter gedient hat. (S. Denkschr. d. k. bair. Akad. d.Wiss. IV. Bd. 1. Abth. In der 
neuen Reihe der Denkschr. XIX. Bd. p. 163—280.) 

Die benützten Thermometer haben lOOtheilige Scala und geben direct Normaltemperatur an. 

Bei den Comparatoren werden die Fühlniveaux nur zur Einstellung des Mikrometers benutzt, aber nicht 
besonders abgelesen und notirt. Da in jeder Einstellung das Bestreben liegt auf zu kommen, kann sich der 
Mittelwcrth nur um Kleinigkeiten ändern gegen den bei Ablesung der Niveaux. Es wird also nur der mitt- 
lere Fehler der einmaligen Einstellung etwas grösser, ohne Ablesung der Niveaux. Dies ist aber ganz ver- 
schwindend gegen die Fehler, die aus Ungleichheit der Temperatur der Stäbe hervorgehen, und dadurch die 
Beobachtungsweise gerechtfertigt. 



1) Unabweislich ist die Arbeit dadurch geworden , dass die Maß- und Gewichts-Commission meines Wissens den Meter 
mit all seinen Mängeln ohne Weiteres nur copirte, und die Arbeiten, die B es sei 30 Jahre früher durchführte, voll- 
ständig ignorirte. Sollen also jetzt nicht zweierlei MaAe, ein sicheres und ein una icher es aber geBetzlicb 
gilt ig es bestehen, so muss der Meter verbessert werden, d. h. es maas das Verhältniss des Platinstabes der Ar- 
chive zu Paris zu der BesseTschen Toise du P^ron eben so genau als die B es seTschen Arbeiten sind, hergestellt 
werden. Dann bleibt der Meter und die Toise wie jetzt, aber beide sind gleich genau festgestellt, und es wird gleich- 
giltig, in welcher der Einheiten man rechnen will. 



Copie der Besset sehen Toise du P4rou in zwei Glasstäben. 23 

Der Factor , mit welchem die Mikrometer-Trommeltheile multiplicirt werden mtlssen , um sie in Pariser 
Linien zn yerwandeln, ist in der angeführten Abhandlung von mir pag. 263 aus 32 Beobachtungen abgeleitet 
und ergibt sich im Mittel aus beiden sehr nahe gleichen Schrauben 

L ü Tr 

1= 50-21 -5 also 

Tr,'Th L 

(!) 1 =0-000199145. . .[6,29917]. 

links recht« Temp. 

Sei die Ablesung ftlr die Glasstäbe {A'\'B) m m' t 

r, r, Toise Ö . M M' T, 

so findet sich 

\ ^ 

(I) G — {Ä + B) = ((if + M') — (7n + m')) 0-000199145 . 

Bessel gibt an 

P = 863-9992 Pariser Linien bei 16-25 C. 

Die Ausdehnung von P ftlr V C. findet er 

«0-00001126 
± 0-0000000386 

sehr nahe mit Bor da ttbereinstimmend. Es ist also 

(II) P = 863-9992 + (^*~ 16-25)0 0097255 

± 333. 

Die Toise O von Oambey findet Bessel §. 5, p. 32 

(ni) G = P — 0- 00390 

± 0-00021 ; 

aus n und lU folgt 

(IV) Ö = 863-9953 + (^'—16-25) 0^009725 , 

wobei die Ausdehnung von O gleich mit der von P angenommen ist, da sie Bessel nicht eigens bestimmt 
hat. Aus I und IV folgt : 

(V) {A + B) = 863-9953 + (t— 16-25) 0-009725 — [(M + M') — (m + m')] 0-000199145 

woraus sich die Länge der Sumjiie beider Stäbe ergibt. Die in Altena 1837 angestellten Vergleichungen ^) 
sind folgende : 

1837 t A+B T G 



März 18 18-90 2&2*1 71-5 
18-38 261*4 78-0 



12-8 187*0 195-3 
123-5 201-0 
18-33 117-0 230 



M M' 



12*8 103-0 169-7 
18*4 97-6 172-1 



12-8 69-5 202-5 
13*33 60-5 201 



1) Au den Vergleichungen betheiligten sich ausser mir Herr A. Kepsold und Herr U. Pohrt. 



24 



Dr. C. V. Steinheil. 



1837 


t 


A-^-B 


T 


G 






m 


m' 




M 


jr 


März 13 




13-5 
122-5 
126-0 

99-0 


348-7 
193-0 
200-3 

226-8 


12-7 
13-2 

12-3 
13-0 

120 
12-25 


85-0 
92-5 

44-0 
27-6 


175-0 
170-4 

217-3 
207-0 



91-7 207-0 

Die einzelnen Wiederholungen in Mitteln vereinigt, gibt 

(1) 13-12 324-0 
(3) 13-06 



Daraus folgt 



(1) 



(2) 



(5) 
(7) 



334*6 
327-4 
325-8 



(2) 
W 
(6) 



(10) — 298-7 



(8) 
(9) 



271-2 

261-75 

261-45 

261-3 
234-5 



13-1 

13-06 

12-95 

12-65 
12-13 



(1-2) 
2—3 
3—4 
4—5 
5—6 
6—7 
7—8 
9—10 



- 52-8 
63-4 
72-85 
65-65 
65*95 
64*35 
64-50 
64-20 



1311 
13-08 
1306 
13-06 
12-95 
12-95 
12-65 
12-13 





- 64-21 


+ 12-87 


G 


März 16 t 


f» + m' 


K+Jf 


T 


8-50 


402-8 










274-7 


8*30 


8 '75 


403-7 


- 








285-3 


8-60 


8-97 


411-1 










289-4 


8-90 


9-10 


409-1 










295-3 


8-87 


9-30 


423-0 










810-6 


9-20 


9-40 


424-2 










315-0 


9-35 


(1-2) - 


128-1 


+ 8-40 






129-0 


8*52 






118-4 


8-70 






125-8 


8-75 






121-7 


8*93 






119-7 


8-95 






113-8 


8-98 






127-7 


9-08 






113-0 


9-25 






114-2 


9-30 


• 




109-2 


• 9-37 





Gewicht 8. 



— 120-055 + 8^93 



Gewicht 11. 



m' 



M 



Jf 



März 16 (1) 141-3 421*3 +13-72 
(3) 57-0 508-3 13-90 
(6) 56-2 510-6 14-10 



(2) 132-2 368*1 

(4) 128*6 373-2 

4? 
(6) 65*0 453-1 



T 

13-75 
13-75 
14*15 



Copie der BesseT sehen Toise du P4rou in zwei Glasstäben. 25 



1—2 SS 


- 62-3 


13-73 


2—3 


660 


13-82 


3—4 


63*6 


18-83 


4—6 


660 


13-87 


6—6 


48-7 


14-12 



(ß) — 60-90 + 13! 874 Gewicht 6 



März 18 (1) 66-2 877-3 12-46 

(3) 99-8 360-8 12-76 

(6) 113-8 366-4 12-96 

(7) 94-1 379-8 13-10 
(9) 96-0 376-2 13-06 



(2) 63-1 462-1 12-66 

(4) 99-6 439-8 12-96 

(6) 87-9 464-8 13-06 

(8) 100-4 447-6 13-16 

(10) 96-4 447-2 13*00 



(4) 



1—2 — 82-7 12-66 

2—3 64-6 12-70 

3—4 78*3 12-85 

4—5 69-7 12-96 

6—6 73-0 13-00 

6—7 68-3 13-08 

7—8 74-0 13-12 

8-9 76-7 13-10 

9—10 71-4 13-01 



— 73-20 -f 12-93 Gewicht 9. 



-4+S a t 

März 20 (1) 87-1 396-6 » 482-7 + 10-66 



(3) 168-4 333-4 491-4 + 10-56 

(6) 167-8 830-4 487-7 + 10-66 

(7) 94-1 382-6 476*6 + 10-66 
(9) 68-7 421-8 490-6 + 10*66 

(11) 87-8 899-4 486-7 + 10-66 



(14) 183-8 802-8 486-1 + 10*66 
(16) 184-7 802-3 487-0 10*66 



(2) 146-8 261-6 » 897-4 10-65 

(4) 146-0 260-3 396-8 10-65 

(6) 165-2 237-7 892*9 10-56 

(8) 100-1 289-8 889-9 10*55 

(10) 87-6 311-2 389-8 10*65 

(12) 80-7 309-1 889-8 10-65 

(18) 78-9 309*0 387-9 10*60 

(16) 179-2 213-7 392-9 11-26 



(1—2) — 85-8 + 10-66 

2—3 94-4 10-56 

3—4 96*6 10-56 

4—5 92*4 10-56 

6—6 94-8 10*66 

6-7 83-7 10*56 

7—8 86-7 10-66 

8—9 100-6 10-60 

9—10 100 -r 10-66 

10—11 96*9 10-65 

11—12 96-9 10-66 

13—14 98-2 10-67 

15—16 94-1 10-95 

(^) — 93-94 + 10-61 Gewicht 18. 



21 (1) 198-4 808 s 494-2 + 18-12 



(4) 151-3 847-0 498-3 + 13-10 
(6) 161*8 833*6 495-8 — 13*10 



(8) 169-0 819-2 488*2 

(9) 173*4 818-0 486-4 



(2) 219*8 386-8 = 666*6 

(3) 218*8 888-0 666-8 + 18*12 



(6) 199-7 853-8 668*6 + i8-0 

(7) 197*8 862*6 660*4 



(10) 187*6 360-8 648-8 + 12*9 



DtBkachriltfln der mftthein.-natanr. CL XXX. Bd. 



26 Dr. C. V. Bteinheil 



(6) 



1—2 


— 62-4 


•f 13-12 


3—4 


58-5 


13-11 


6—6 


68*2 


13-06 


7—8 


62-2 


12-97 


9—10 


60-9 


12-92 




— 60-64 


— 13-03 



Gewicht 6. 



Stellen wir die Mittel zusammen , so ist : 



Gew. 



(VI) 



(1) 


- 64-21 


4- 12-87 


8 


(fi) 


120-05 


8-93 


11 


(3) 


60-90 


13-87 


5 


(4) 


73-20 


12-93 


9 


(6) 


93-94 


10-61 


13 


(6) 


— 60-64 


+ 13-03 


6 



Der Mittelwerth von l und t mit Rücksicht auf Gewicht ist 

Vr — 84-74 -f 11-67 

Zieht man die Gleichungen (VI) ab von dem Mittel VI'^ so wird 

dl dt Gew. 



(1) 


— 20-63 


— 1-30 * 


8 


(2) 


+ 36-31 


+ 2-64 d 


11 


(3) 


- 23-84 


— 2-30 d 


6 


W 


— 11-64 


— 1-36 * 


9 


w 


-H 9-20 


+ 0-96 * 


13 


(6) 


— 24-10 


— 1-46 * 


6 



(VII) 

Wo i den Ausdehnungs-CoSfScienten von Eisen (Toise) weniger Glas (Stäbe) bezeichnet und es ist der 
wahrscheinlichste Werth von 

{a'Ti) 



(a'o) 
Indem man jede Gleichung mit ihrem Gewicht multiplicirt, wird 

a n 

10-40 ^ + 164-24 = 

2904 d + 388-41 » 

^^_^_ 11-50 * + 119-20 = 

(Vin) 12-24 9 -j- 103-86 = 

12-48 d + 119-60 = 

7-30 d 4- 120-60 = 

woraus sich deijenige Werth von 9 er^bt, der^ in die letzten Gleichungen substituirt, die Summe der Qua- 
drate der restirenden Fehler zu einem Minimum macht. Es ergibt sich 

(IX) {S^_^ =12-4785 und in Linien 

»0-0024850 Ausdehnung Eisen— Glas H 
Ausdehnung von Eisen, d. h. der Toise ist aber = - 0097255 

(X) Ausdehnung des Glases S^ ^0-0072405 fllr 1* der Toise. 

Setzen wir den Werth IX ein in die Gleichung VII und multipliciren die Quadrate der Fehler mit den ent- 
sprechenden Gewichten , so ergibt sich : 

148-40 
61-58 
118-34 
265*66 
100-47 
172-88 



867-23 

Es ist aber der mittlere Fehler der einmaligen Beobachtung 



v^ 



'P±f2±f2± 

V— 1 



XI 



Capie der BesseV sehen Toiee da Pirou in zwei Glasstäben. 

Also wird dieser Fehler, da wir 51 Beobachtnngeii haben 

V 17-345 = 4-1647 oder in Linien 

L 

± =» 0-0008294 jede Beobachtnng. 
lAlso der mittlere Fehler der ganzen Reihe = ± 0*00011614 , 
oder der Ansdehnnngs-Unterschied ist auf -^r- sicher bestimmt. 

66 



27 



Hit dem Werthe von IX können wir berechnen, wie gross der Längen-Unterschied der Stäbe Ä+B Yon 
O bei der Normaltemperatar ist. 



Bei -f- 11 - 57 ist die Längendifferenz s= — 84 * 74 Trommeltheilen. 



(VI'). 

daher hat man 



IV 



(IV) 



Die ÄQsdehoQngsdifferenz ist fttr 1« » — 12-4785, 

16-25 — 11-57 =»4-68 . 12-4785 = 58- 195 

bei Normaltemp. . . . A + B — = S4'7i 

für +4-68 —68-20 

= 26-54 

in Linien ^l + Ä- ß = 0-0052853 

+C = 863-9953 



Man hat daher ftir jede Temperatur 



^ + 5 = 864-00069 



(XII) 



^4- B = 864-00059 + (* — 16-25) (0-00724) 
± 0-00012. 



Die Glasstäbe A and B sind anch mit demselben Gomparator nnter einander verg^chen. Die erheblichen 
Differenzen in den Vergleichnngen an yerschiedenen Tagen zeigen ^ dass man grössere Fürsorge fllr Ans- 
gleichnng der Temperatur nehmen mnss. Da der nene Längen-Comparator in Wien eine Wiederholung dieser 
Bestimmung sehr leicht macht und ungemein viel grössere Genauigkeit geben wird, setzen wir die ältere Ver- 
gleichung hier nur als vorläufiges Ergebniss an : 

TergleiehflDg der Halbtoisei A «nd B anter einander. 



Datum 



Halbtoise A 



tn tn 



1837 März 1 



2 



8 



27 

26 

22 

21 

4 

4 

8 

4 



42 

9 
2 
8 


O 

7 
6 



51-38 

51-38 

53*3 

53-8 

43-1 

46-9 

46-9 

47-9 



76-8 
69-6 
57-7 
54*2 



38-9 
42-8 
47-4 
49*3 



80-2 
80-4 
78-9 
80-5 



95*4 
96-8 
98-9 
98-4 



45-8 
45-5 
45-4 
44-8 



80-0 
79-2 
77-5 
77-1 



Halbtoise B 



44 
42 
39 
40 
23 
25 
23 
23 



82 

5 

8 

8 

3 

7 

7 

2 



51 
51 
54 
59 
42 
46 
46 
47 



37 

4 

2 

6 

5 

9 

9 

8 



88-3 
80-7 
72-8 
70-0 



46-9 
48-4 
51-6 
52-8 



86*2 
87-3 
86-6 
85-2 



120-6 
121-8 
120-7 
U9-1 



65-1 
65-9 
64-5 
64-5 



82-8 
81-5 
81-7 
81-9 



(m-fm') + (3f+ir) 



Abw. 
vom Mittel 



78 
78 
75 
74 
47 
51 
50 
2 



8 
3 
5 
6 
1 
4 
6 
5 



—96 
93 
94 
99 
65 
72 
70 
71 



2 
9 

9 
8 
6 
6 




2V 
-17- 
15- 
18- 
25- 
18- 
21- 
20- 
18- 



4 
6 
5 
8 
7 
2 

5 



114'7 


—135-2 


—20-5 


112-4 


129-0 


—16-7 


105-1 


124-4 


-19-3 


103-5 


122-8 


— 19-3 


175-6 


206-8 


—31-2 


177-2 


208-6 


—31-4 


177-8 


207-8 


—30-2 


178-9 


204-3 


25-4 


125-8 


147-9 


—22-1 


124-7 


147-4 


22-7 


122-9 


146-2 


—23-3 


121-9 


146-4 


-24-5 



Tr 
4-7 



6 
3 
3 
3 

2 
3 



5 
6 
2 
4 
1 
1 
6 



442 
-22-10 

10±0-8 



1-6 
5-4 
2-8 
2-8 



9-1 
9-3 
81 
3-3 



0-0 
0-6 
1-2 
2-5 



7*89 
±3-695 ♦♦ 

jede Beob. 
±0-0007 



4* 



28 Dr. C. V. Steinheil. Copie der BesaeVschen Toise du P^rouin zwei GlasatcAen. 

Auch hier gilt derselbe Factor 0-000199145, welcher die Trommelthdle in Linien verwandelt Es ist also 

A—B — —22-1 = — 000440 
A-\-B^ 86400059 

2^ »863-99619 
2£^ 864*00499 



^»481-99809 
B =• 432 00249 



und bei jeder Temperatur 



A - 431-99809 + («'— 16*25) (0-00362) 
^^^ 5 = 432 • 00249 + («'—16 • 25) (0 • 00362) 



**Der mittlere Fehler der einmaligen Vergleichnng ist 



v(v-l) 

(73-90) t 

(1 , 253) \r^- (0-00019914) = 0- 000946 



L 

der mittlere Fehler der Reihe — 0*00021. 



Die Zahlenwerthe XII nnd Xm sind noch nicht als definitiv zu betrachten. Sie werden noch eine kleine 
Änderung erleiden durch die Bestimmung der absoluten Ausdehnung des Glases , aus welchem die Stäbe A 
und B bestehen. Ist nämlich dieses Element für sich bekannt ^ so ergibt sich daraus die Ausdehnung der 
BesseTschen Toise Oj die wir gleich der von P anzunehmen bisher genöthigt waren. Diese Bestimmung 
wird eben so einen kleinen Einfluss auf die Copie des Glasmeters On haben. Da diese Messungen von mir 
jetzt eingeleitet sind, hoffe ich das Ergebniss zugleich mit der Vergleichnng der Halbtoise und des Meters 
als 3. Theil der ganzen Untersuchung in Kurzem nachliefern zu können. 



'^— oooffo^* —— 



29 



ZUR KENNTNISS 



DER 



WIRBELTHIERE AUS DEN MIOCÄNSCHICHTEN 

VON 

ELBISWALD IN STEIERMARK. 

III. RHINOGEROS , ANCHITHERIUM. 

VOM 

KABL F. FETEB8, 

CORKKSPONDIBBNDEM KITOLIBOB DER KAI8BRUCHBN AKADEMIE DER WlfiSENBCHArTEN. 



VOBOBLEGT IN DER SITZUNO DEB HATHEMATISCH-NATUBWISSENSOHAFTLIOHEN CLA8SE AM 15. APBIL 1869.) 



Herr Prof. Saess hat gleich in der Anzeige der Melling'schen Sammlung^) die Erwartung aasgedrfickt^ 
dass sie znr Sicherstellimg der zahlreichen vereinzelten , zumeist nur in losen Zähnen und Kieferstttcken 
bestehenden Rhinocerosreste unserer Miocänablagerungen wesentlich beitragen , namentlich das Verhältniss 
der beiden „Gattungen^ Ehtnoceros und Acerathermm aufklären werde. 

Ich hoffe y auf den folgenden Seiten zu zeigen , dass dieser Erwartung — wenigstens einigermassen — 
entsprochen werden kann. 

Die Unterscheidung zweier wohlgegliederter Landfaunen im Bereiche der österreichischen Mioeän- 
gebilde, die Suess schon im Jahre 1863 ') anbahnte; machte es zum dringenden Bedttrfhiss, dass die älte- 
ren Funde, die in der Kegel ohne genauere Kritik unter dem Namen Aceraihertum mcütvum Kaup, einzelne 
wohl auch als Rhinoceroe Schleürmachert Kauf registrirt wurden, sorglich gesichtet, und die Beziehungen 
der Reste aus den älteren Schichtengruppen (der marinen und „sarmatischen^ Stufe und den sie beglei- 
tenden Sttsswasserablagerungen) zu den zahlreichen Zahn- und Kieferstttcken dieser Säugethiergruppe 
aus den jüngeren Thon- und Sandablagerungen (Congerientegel , Sand vom Belvedere u. s. w.) dargestellt 
wttrden. 

Meine Untersuchung der Beste Ton Eibiswald soll hiezu den ersten Beitrag liefern. 

Ihr Erhaltungszustand ist wahrlich nicht befriedigend. 



1) Verhandlungen der k. k. geologischen Reichsanstalt, 1S67, S. 7 o. 37. 
>} Sitzungsberichte der kais. Akad. d. Wissensch. XLVII, S. 806. 



30 Karl F. Peters. 

Ganze Schädel wurden, erweicht, wie sie waren, in compacter Eohlenmasse eingebettet nnd in der wun- 
derlichsten Weise zerqaetscbt und verbogen. Nur der ausserordentlichen Sorgfalt und Sachkenntniss H el- 
lin g's haben wir es zu danken, dass von zweien derselben ein grosser Theil der Knochenmasse und der 
Zahnreihen , so wie einzelne abgelöste Zähne übrig blieben. Aber die Störung des Zusammenhanges , die 
Einpressung der seitlich hervorragenden Theile des Eopfskeletes in die tafelförmig plattgedrückte Knochen- 
masse macht selbst die Orientirung über einzelne Knochen äusserst schwierig. Dass man bei der Deutung 
einzelner Kieferstücke , von denen mehrere, besonders wichtige in den Sammlungen des Joanneums in Graz 
seit längerer Zeit aufbewahrt werden , mit noch grösseren Schwierigkeiten zu kämpfen hat , bedarf keiner 
Erklärung. 

Überblicken wir die Literatur der fossilen £hinocerosfonnen , wie sie sich seit G. Cuvier allmählig 
entwickelte , so begegnen uns hier alle Übelstände , die sich aus der Behandlung vereinzelter Funde von 
Resten einer grossen Dickhäutersippe von ungemein starken Alters- und Geschlechtsunterschieden und, den 
einzelnen Typen gegenüber, von scharf markirtem Sippen- oder Familiencbarakter nothwendig ergeben 
mussten. 

Allerdings haben uns die scharfsinnigen Untersuchungen von Falconer, Gaudry, Dawkins und 
Anderen, die reiche Materialien aus sichergestellten Schichten der jüngsten Tertiärperioden bearbeiteten, 
einen wohlgeordneten Schatz von morphologischen Thatsachen über diese Familie geliefert. Allein die in 
den mittleren und älteren Miocänablagerangen so häufig vorkonmienden Reste sind trotz der grossen Arbeiten 
von Kaup, von Duvernoy, der Übersicht, die wirOervais und Giebel verdanken, und der sorgfälti- 
gen Kritik, mit der die erstgenannten Gelehrten diesen Abschnitt von Blainville's Osteographie zu ver- 
werthen bemüht waren, noch heutzutage so unvollständig bekannt, dass bei Einstellung neuer Funde die 
grösste Vorsicht zu beobachten ist, damit die Verwirrung nicht noch grösser werde. 

Die Charaotere des tridactylen und des tetradactylen Typus (des Genus oder Subgenns ^c^ro^A^rtum von 
Kaup), insofern sie von Duvernoy in dem Mangel oder Vorhandensein eines Emailwulstes (bourrelet) an 
der Innenseite der Vordermahlzähne gefunden wurden, scheinen durch unstete Zwischenformen verwischt zu 
sein ; die Anwesenheit oder das Fehlen von Hörnern ist , abgesehen von der Veränderlichkeit eines Epider- 
midalgebildes an sich, nicht von jener durchgreifenden Bedeutung, die Kaup darin suchte. Hat ja doch 
Falconer's Rh. Ettnisciis, dessen Vordermahlzähne mit einem ausgezeichneten „bourrelet^ versehen sind, 
eine starke Rauhigkeit am Nasenbein, trug also gewiss ein Hom. Ja selbst die schwach entwickelte vierte 
Zehe am Vorderfuss der Tetradactylen ist im Allgemeinen ein zu wenig erhebliches Knochenelement, als dass 
man nickt in manchen Racen rudimentäre Mittelhandknöchelchen erwarten sollte. Ich vertrete desshalb die 
Ansicht , dass alle fossilen Rhinocerösreste dermalen noch in eine grosse Sippe zusammengefasst werden 
sollen. 

Was, wie mir scheint, den Fortschritt der Kenntniss von den älter-miocänen Rhinoceroten zumeist ver- 
zögerte, war wohl der Umstand, dass die Paläontologen nicht die Fauna einzelner, stratigraphisch fixirbarer 
Localitäten als Ganzes untersachten , sondern die ähnlichen Zahn- und Knochentheile von weiten Räumen 
und aus Ablagerungen von problematischer oder gar vriderlegter Gleichzeitigkeit zusammenfassten. Wenn in 
irgend einer Säugethiergruppe, so ist in der hier beschriebenen die Herstellung des morphologischen Zusam- 
menhanges der einzelnen Formen und der Ausdruck desselben durch eine dem gegenwärtigen Stande der 
Wissenschaft entsprechende Systematik ein Ideal , dessen Verwirklichung nur durch die Vervielfaltigungs- 
und Comnninicationsmittel unserer Zeit, so wie durch die grossen Summen, die auf BeischaSung zahlreicher 
Skelete der lebenden Typen verwendet werden können, in nicht allzu weite Feme gerückt sein mag. 

In der Nothwendigkeit strenger Localisirung finde ich auch die Berechtigung für diese meine Darstel- 
lung der Fauna von Eibiswald, insbesondere der Reste, die in diesem Abschnitte genauer betrachtet werden 
sollen. 

Mit Ausnahme der alten Miocänschichten von Ober-Italien , die in Gesellschaft des ÄnthracotAerium 
magnum nur Rhinoceroszähne von tetradactylem Typus geliefert haben, solche, die mit dem Emailwulst ver- 



Zur Kenntntss der WirieÜhtere aus den MiocänschicfUen von Etbiswald. 31 

Beben sind — Oastaldi schreibt die einen, wie ich glaube, sehr richtig, dem Bhtnoeeros mtktuus Cnv^, 
die anderen dem EA. tncüwus CaY.(??) zn ^) — scheinen alle Stufen und Einzelschichten der enropäiseben 
Miocänformation beide Bbinocerostypen zu enthalten. So Sansan und die Mehrzahl der mittelmioeänen Abla- 
gerungen Frankreichs und der Schweiz, so die durch Raup so trefflich untersuchte Mittelrbeingegend , so 
Georgensmünd, so auch die österreichische Miocänformation. Überall mögen wohl in den wasserreichen Nie- 
derungen tridactyle Nashörner, an den Gebirgsrändem tetradactyle Formen gelebt haben. Haben ja doch 
die grossen Sammlungen der fossilen Knochen Ton Pikermi unter den herrschenden Resten eines Nashorns 
von südafrikanischem Typus {Rh. pachygnathua Wagn.) und den so merkwttrdigen Überbleibseln des alten 
dreizehigen und zugleich durch mächtige Schneidezähne ausgezeichneten Typus, die Gaudry nicht Umhin 
konnte auf jBA. ScAletermackert K^. zu beziehen, mindestens einen Unterkieferknochen geliefert, an dem 
der Typus der Tetradactylen (AcerathertumJ deutlich genug ausgeprägt ist '). 

In den Moorgrttnden der Eibiswald-Steyeregger Braunkohlenbildung herrschte ein grosses Nashorn mit 
glatten Zähnen; sporadisch erscheint ein kleineres, dessen Zähne ein ausgezeichnetes Bourreletund dessen 
Unterkiefer die AcercUhertum-Yorm haben. 

Eine wesentliche Obereinstimmung des ersteren mit der Beschreibung und Abbildung, die Dnvernoy 
vom Rh. sansamensü Lart. gab, lässt mir es als zulässig erscheinen, dass ich diesen Namen an die Spitze 
meiner Darstellung bringe. 

JRJkfctoeero« ^itn^anienH^ Lart et. 

Lartet, Notice aar laColline de Sansan (1851), p. 29. 

Dnvernoy, Nouvelles ötudea bot les RhinocöroB fossiles (1853), p. 30, 90, PI. I et III, F. 1 b. 

Kaup, Beiträge zur näheren Eenntniss der urweltlichen Sängethiere, I.Heft, 1854. (Notiz, zwischen den Artikeln fiber 
AeercUherium Goldfuui und Bh. SMetermaeheri eingeschaltet. 

Es Wäre hier nicht der Ort , in der Geschichte der Paläontologie der Rhinoceroten so weit zurttckzu- 
gehen, als nOthig, um zu erklären, wie Duvernoj dazu kam, in seiner Abhandlung (1. c. p. 90) die mit 
obigen Namen bezeichneten Beste von Sansan mit Rh. Schletermachert Raup unter dem alten Namen Rh. 
incüwuB Guy. zu rereinigen. Kaup hat die Selbstständigkeit des dreizehigen Rhinoceros von Eppelsheim 
(^Rh. SchleiermacheriJ dargethan (Beiträge, 1854) , und ich bin weit entfernt davon, Unterschiede zwischen 
nahe verwandten, aber doch umschriebenen Typen, die überdies völlig verschiedenen Horizonten und Fau- 
nen angehören, abschwächen zu wollen. Doch möchte ich auf die Grössenverhältnisse weniger Gewicht 
legen I als Herr Raup dies gethan. Die hier zu beschreibenden Reste, die sämmtlich von Thieren höheren 
Alters herrtthren, stehen, was die Oesanmitgrösse der Schädel betrifft, zwischen Rh. sansamensü und Rh. 
Schletermachert so ziemlich in der Mitte. 

Das wichtigste Stück ist der Taf. I, Fig. 1 (V« der natürlichen Grösse) abgebildete Scbädelrest, der aus 
drei voUkonmien passenden Fragmenten (Nr. 38—40 der Me Hing 'sehen Sammlung) zusanmiengesetzt 
wurde und beide (vorderen) Schneidezähne des Oberkiefers (Nr. 41, 42) neben sich hat. Die Hinterhaupts- 
partie ist von der Seite einfach platt gedrückt, derart, dass der dem Beschauer zugekehrte Parietalknochen 
ohne Fractur und ohne wesentliche Rnickung an den gleichnamigen Rnochen der anderen Seite, der 
sammt der schmalen und nach aufwärts stark zugespitzten Hinterhauptsplatte gebrochen und geknickt ist, 
angepasst wurde. Von letzterem ist der freie, flügelartig nach hinten zu vorspringende Rand bis zum 
Processus mastoideus erhalten. An der zugekehrten (rechten) Seite ist dieser Rand zum grossen Theile 
abgebrochen und erscheint der Zitzenknochen (m) im entsprechenden Abstände vor dem Gelenks- 
köpfe (c), der gleich seinem Gegenüber nach der längsten Dimension aufgerichtet vorliegt. Messen wir von 
der Stelle, wo sich der obere Rand des Hinterhauptsloches befunden haben muss, die ungemein steile 
Schuppe entlang bis auf den Scheitel der Crüta ocdpitalüy deren ungemein hoher Vorsprung in der Mittel- 



1) Memorie della Accademia d. Sc. di Torino, Serie II, Tome XIX, tav. 1^3. 
^) Animanx fossiles et göologie de l'Attiqne, p. %il, pl. XXX, fi . 



32 



Karl F. Peters. 



9-190 




linie des Schädels darch Brach ein wenig gelitten hat, so erhalten wir 0-192 m.; an der Spitze des Masfoi* 
deums gerade nach aufwärts gemessen 0*255. Stellen wir den Processus mastotdeus j dessen Form und 
Grösse im Verhältnisse znm Processus temporo-glenotdalis (t) nicht auf- 
fällt, genau senkrecht und ziehen von der grössten Conveiität des Basi- 
larwulstes (ft); der glücklicher Weise erhalten ist, eine Senkrechte nach 
aufwärts, so schneidet sie eine Horizontale, die tther die grösste Conve- 
xität des Occipitalflttgels gezogen wird, im Abstände 0*168 von diesem 
Punkte, eine zweite Horizontale, die (abgesehen vom Verluste) die Höhe 
des Hinterhauptskammes (in der Mittellinie) tangirt, 0-180 von der tief- 
sten Ausrandung. 

Beistehendes Diagramm zeigt diese Linien. 

Durch den oben erwähnten Umstand begünstigt, dass sich im Seiten- 
wandbein weder ein Bruch noch eine erhebliche Knickung befindet, 
konnte ich mittelst obigen Systems von Maasslinien die Formen der so 
wichtigen Occipitalpartie ziemlich genau ermitteln. 

Leider kann ich das Gleiche nicht vom Gesichtsskelet behaupten, 
dessen Theile eigenthttmlich dislocirt sind. 

Nur eine Maasslinie hat noch einigen Ansprach auf Beachtung. 

Der Abstand der grössten Convexität des Hinterhauptsflögeis yom Processus lacrymaUs (Q, der mit dem 
unterhalb von ihm gelegenen Theil des vorderen Orbitalrandes gut genug erhalten blieb, beträgt (bis auf die 
Mitte des Knopfes gemessen) nicht weniger als 0*425, dagegen der Abstand desselben Punktes von der 
Spitze des Processus temporo-glenotdalis nur 0-260. 

Der grelle Unterschied dieser beiden Abstände, beziehungsweise die Länge der ersteren Linie, ist keines- 
wegs der Quetschung allein zuzuschreiben, sondera zumeist der wahren Eigenthtimlichkeit der Hinterhaupts- 
bildung. 

An dem von Kaup (OsBem. foas. pl. X, fig. 1 abgebildeten Schädel von J2A. Sehleiermaekeri verhalten sieh beide Linien 
wie 1*2: 1. Dagegen am Schädel von M. Mantanienns Lart, wie Duvernoy ihn (1. c. pl. 1, fig. 1 a) abbildet, den Occi- 
pitalrand desselben auf das knappste ergänzt , wie 1-627 : 1 , während die oben mitgetheilten Maasse sich verhalten wie 
1*685:1. 

Der besprochene Schädel von Eibiswald kommt somit dem von Sansan sehr nahe, ja, wenn wir die 
Differenz beider Verhältnisszahlen den Störungen durch Quetschung zuzuschreiben uns ftlr berechtigt halten 
wollen, zeigt er uns dieselben Verhältnisse der Occipitalregion zum vorderen Orbitalrand. 

Weniger Werth möchte ich auf die Fortsetzung dieser Linie nach vorne zu legen. Der Abstand des Pro- 
oessus lacrymalts von der tiefsten Ausrandung der NasenOffnung {Eohancrure nasale ^ bezeichnet durch en) 
beträgt am vorliegenden Exemplare, wo dieser Rand mit den drei vorderen Prämolaren in ungestörter Lage- 
rung ist, 0-150, der Schädel von Sansan (wenn ich der Genauigkeit der Abbildung in y^ der natttrl. Grösse 
vertrauen darf) nur 0*0948. Da jedoch das Exemplar von Sansan überhaupt kleiner war als das vorlie- 
gende, und die Alters- (Geschlechts-) Unterschiede bekanntlich den Nasenausschnitt in seinem Verhältnisse 
zum Alveolartheil des Oberkiefers sehr wesentlich afficiren , kann obige Abweichung der Abstände , auf 
welche die Quetschung überdiess einen wesentlichen Einfluss hatte, nicht befremden ^). 

Wie aus den am unteren Rande meiner Abbildung beigesetzten Zahlen hervorgeht , enthält das Exem- 
plar von der Zahnreihe des abseitigen (linken) Oberkiefers, ziemlich stark nach rückwärts verschoben, die 



^) An einem jungen Weibchen von Rh. javanieus, dessen ganze Schädell&nge vom Rande des Hinterhanptsloches bis inm 
Alveolarrand des Zwischenkiefers 0*685 beträgt, fand ich den oben besprochenen Abstand 0*110. Der Nasenaos- 
schnitt bleibt nm 6 bis 6 Millim. hinter dem vorderen Rande des ersten Priimolars zurück. Dagegen gab mir der 
Schädepl eines ungefähr gleich alten Männchens dieser Art, der 0*567 lang ist, denselben Abstand mit 0*116. Sein 
Kasenausschnitt fällt mit dem vorderen Rande des ersten Prämolars beinahe zusammen. 



Zur Kenniniss der Wirbelihiere aus den Miocänschichten von Eibiswald, 33 

Molare III, II ^ I und die Prämolare 4> 3. An der dem Beschaner zugekehrten Seite sind die schon oben, 
gelegentlich des Nasenansschnittes, erwähnten Prämolare 3, 2, 1 erhalten. 

Da ich später die Bezahnnng dieses Thieres ansftthrlicher besprechen muss , will ich hier nur vorläaüg 
erwähnen , dass der Zustand der Abkauung dieser Zähne , die weder den Emailwulst an der Basis (bour- 
relet) , noch sonst eine an den tetradactylen Typus gemahnende Eigenschaft haben , ziemlich weit vor- 
geschritten ist (Molar III und 11 ausgenommen) , dass wir somit ein Thier im vorgerückten aber kräftigen 
Alter vor uns haben. 

Eine absonderliche, mit einer völligen Umwendung der (verschmolzenen) Nasenbeine verbundene Quet- 
schung hat die Stirn-Nasenpartie erlitten. Ein Bruch, der den oberen Band des Exemplares bildet, geht 
durch das Stirn- und Nasenbein der uns zugekehrten Seite. Der mit e* n' bezeichnete Rand ist der freie Band 
der NasenOffhung. Die nach vorne zu blossliegende Fläche ist die untere (innere) Fläche der vereinigten 
Nasenbeine, deren Verschmelzungs- oder Mittellinie {ml) nach vor- und ein wenig nach abwärts verläuft. 
Sie besteht in einer leicht umwallten Einkerbung, deren unterer Wall sich erst unmittelbar am deckenden 
Rande der Nasenöflnung (e' n') ein wenig mehr erhebt. Leider sind wichtige Strecken zu Grunde gegangen, 
und lässt sich über die Einrichtung der Nasenbeine an ihrer unteren Fläche wenig mehr behaupten, als dass 
eine knöcherne Nasenscheidewand nicht bestanden hat. Die obere Fläche der Nasenbeine, deren 
grösste Dicke (nächst e'n') nahezu 0-040 beträgt, ist in hohem Grade rauh und grubig. Die Ansatz- 
steile desHornes, die nach rttckwärts wohl umgrenzt ist und nach vorne, bis in die obere Bruchzacke 
(r der natürliche Rand) hereinreicht, hat eine Länge von 0-155 und eine halbe Breite von 0-060. Die 
eigenthUmliche Bruch- und Quetschform des Exemplares brachte es mit sich, dass der hinterste und äas- 
serste Theil dieser Ansatzfläche noch an der uns zugekehrten Seite oberhalb von e' n' erscheint, gerade so, 
wie er an der abgekehrten Seite bis nahe an den freien Rand der NasenOffiiung (e n) heranreicht. Die ober- 
halb von e' n* und m l befindliche Enochenmasse ist im Wesentlichen der umgebrochene und der unteren 
Fläche aufgequetschte Theil des Nasenbeines dieser Seite. Aber sowohl die eigenthümliche Bruchart , als 
auch die Beschaffenheit der Knochenmasse, die im cavernösen Zustande von Eohlensubstanz ganz und 
gar durchdrungen wurde, zeigen, dass sich der Knochen nicht im normalen Zustande befand. Leider 
war die Compression eine so gewaltige, dass an eine mikroskopische Untersuchung dieses patholo- 
gischen Productes nicht gedacht werden kann. Wahrscheinlich ist es ein schwach entwickelter Kno- 
chenkrebs. 

Ich würde noch Anstand genommen haben , die besprochene Masse fttr ein krankhaftes Gebilde zu 
erklären, wenn nicht in der Nähe der obliterirten Naso-Frontalnaht (n/), die an beiden Seiten des Schädels 
kenntlich ist, uns zugekehrt, mitten auf glatter Enochenfläche eine Rauhigkeit sässe , die von der Mittellinie 
mindestens * 020 entfernt ist nnd an der anderen Seite ihres Gleichen nicht hat Ihrem ganzen Habitus nach 
ist sie eine Exostose, die sich vielleicht auch zu einer krebsartigen Entartung hätte entwickeln können. Sie 
hat Herrn Prof. Suess veranlasst, in seiner Anzeige (1. c. p. 37) die Möglichkeit der Existenz eines zwei- 
ten Hernes vorauszusetzen. Ich suchte um so sorgfältiger nach einer Ansatzstelle, als auch Lartet (1. c.) 
ein zweites Hörn in Frage gestellt hat, fand aber nur Beweise vom Gtegentheil. Vielleicht darf man in der- 
gleichen Knochenwucherungen die erste, unregelmässige Andeutung eines Stimhomes erblicken, wie es bei 
Eh. SchUiermacheri tj^\^^ entwickelt ist? 

Von der Nasen-Stirnbeinnaht messe ich in der Mittellinie bis zur vorderen (gebrochenen) Ä.U8ran- 
düng des Nasenbeines 0*205, die Länge des Nasenbeines betrug somit, wenn wir den Rand von r über die 
Mittellinie ergänzen, ungefähr 0*240, was, in Anbetracht der bedeutenderen Gvösse unseres Thieres , mit 
der möglichen Länge des Nasenbeines von Bh. sansamensü (Duvernoy L c.) gut Übereinstimmt. So viel 
ich aus der Stelle r und den Bmchrändem entnehmen kann , war auch die Form des Nasenbeines eben so 
zugespitzt, wie Duvernoy sie von der genannten Art zeichnet. 

Was vom Jochbogen an unserem Exemplar erhalten ist, zeigt die Abbildung (p z Prooessus zygoma- 
ticus , z Os zygomaticum). Die bedeutende Länge des ersten Knochenelements ist dem Rh, sansamensi^ 

PMktebrift«!! dtr matheBL-DMQrw. Gl. XXX. Bd. 5 



34 Karl F. Peters. 

eigen, somit erklärt sich auch der aafifallende Winkel, den es in Folge des Druckes mit dem Os zygomattcum 
bilden musste. 

Von den beiden Schneidezähnen des Oberkiefers wurde der eine lose, der andere mit einem Stück 
des Zwisohenkiefers gefunden , welches vom Zwischenkieferfortsatz des Oberkiefers zu weit entfernt war, 
als dass ich mir erlauben dürfte die Verbindung zu restanriren. Leider reicht dieses Intermaxillarfragment 
so wenig weit nach rückwärts, dass die Alveole eines kleinen äusseren Schneidezahnes nicht mehr angedeutet 
sein kann, von dem beim zweiten Schädel von Eibiswald die Bede sein wird ^). 

Während an dem besprochenen Exemplare der Unterkiefer mangelt, so ist er an dem zweiten Schä- 
del (Taf. I, Fig. 2), den ich nun betrachten will, so gut erhalten, als sich unter so misslichen Umständen 
erwarten Hess. Ja, er bildet zusammen mit der vom Schädel abgetrennten und ziemlich stark zerrütteten 
^ahnreihe des Oberkiefers der abgewendeten Seite die Hauptmasse des ganzen Restes "). 

In seiner rückwärtigen Partie ist dieser Schädel nicht wie der vorige von der Seite, sondern mehr von 
unten nach aufwärts platt gedrückt, aber allerdings nicht gerade, sondern derart schief, dass von der einen 
(am Exemplare rechten) Seite das Mastoideum (m) und der Proceastu temporo-fflenotdahs (t) den unteren 
Jland bilden, während in der Nähe des oberen Bandes die Wurzel des Processus zygomatteus (j>e) und die 
Unterkiefergelenksgrube (/) der anderen Seite erscheinen. Im Übrigen ist die Enochenmasse so wüst und 
bis zur Unkenntlichkeit der Theile comprimirt , dass man selbst das Basilarbein in dem etwas nach unten 
gerückten Wulst mehr ahnt, als deutlich wahrnimmt. Auch war die Erweichung der Knochenmasse weiter 
vorgeschritten , wie am anderen Schädel , denn der Jochfortsatz fp »J ist bogenförmig nach einwärts 
gekrümmt. Ein wenig günstiger ist die Erhaltung des Schädeldaches an der abgewendeten Seite. Man 
erkennt da, dass beide Seiten wandleisten einander nahe kommen, aber nicht um sich zu berühren, wie am 
Schädel des Rh. Schlezermachei-t (Ksrnji, Ossem. foss. pl. X, fig. 1 a), sondern um eine Strecke weit neben 
einander zu laufen, wie Duvernoy dies (pl. 3, fig. 1 b) von Eh, sansamefists gezeigt hat. Doch nähern sich 
die Leisten nicht in dem Grade dem Parallelismus, den wir aus der so eben citirten Abbildung entnehmen. 
Ihre grösste Convergenz scheint 7 — 8 Centim. von der zerquetschten Ci^ista oceipttalis bestanden zu haben, 
was den Verhältnissen des Schädeldaches von Rh. sansam'ensts ziemlich genau entsprechen dürfte. 

Der vordere Theil des Schädels ist dem Drucke von der Basis gegen das Schädeldach nicht gefolgt, 
sondern wie am vorigen Exemplare seitlich comprimirt. Der Jochbogen ist bis zum Höcker des unteren 
Augenhöhlenrandes erhalten, welcher Höcker wie bei der Mehrzahl der Nashörner über der Grenze zwischen 
Molar I und II liegt. Doch ist er hier eben so wenig wie am anderen Schädel und an Duvernoy's Abbil- 
dung stark entwickelt, vielmehr eine geringe Anschwellung des Knochens an seinet Vereinigung mit dem Os 
zygomcUicum. Das Tbränenbein ist leider nicht sichtbar, dafür aber der Nasen aus schnitt zam grössten 
Theil und in völlig unverrüekter Lage beider Knochen erhalten , was nicht nnr wegen der beinahe ellipti- 
schen Form , des Mangels einer winkeligen Ausrandung wichtig , sondern auch geeignet ist , übertriebene 
Schätzungen des Abstandes vom Augenhöhlenrand auf ihr richtiges Maass zurückzuführen. Die am vorhin 
beschriebenen, im Kiefertheil zerquetschten Schädel mit 0*150 bemessene Linie kann hier kaum 0*100 lang 
gewesen sein, was mit dem Schädel von Sansan jedenfalls besser übereinstimmt 

Zur Beurtheilung des Alters will ich gleich bemerken, dass der Unterschied zwischen beiden Indivi- 
duen, deren Schädelreste wir hier vor uAs haben, nicht unbedeutend gewesen sein kann, denn die Kau- 
fläche des vierten Prämolars, die am oben beschriebenen Schädel die mittlere Höhlung als kleines Oval 
enthält, zeigt hier noch einen äusserst schmalen, gerade im Verstreichen begritfenen Thaleinschnitt. An den 



1) Diesen Angaben liegen genaue Aufzeichnungen von Herrn Helling zu Grunde, deas^n mit trefflichen Abbildungen 
versehenes Manuscript sich dermalen in meiner Verwahrung befindet. 

^) In der Abbildung (Tai. I , Fig. 9) wurde diese letzterwähnte Zahnreihe , den ersten Prämolar ausgenommen , weg- 
gelassen, um Irrungen zu vermeiden. 



Zur Kenntniss der Wirhelthiere auß den Miocänschichten von Eibiswald. 35 

Melareu ist der ÜBtei'Bchied weniger merklich. Die Zahareihe ' der dem Beschaner xogeweiideteii Seife ist von 
III bis.l vollständig und mit Aasnahme des ersten Prämokrs ongest&'t erhalten^ voia Zwisohenkiefer ein 
grosser Theil , der mit d^n^ nach abwärts vefsebobeaen Knochen der anderen Seite zu einer Leiste verbun- 
den isty und seinen oberen Band unweit vor der Naht {%x) durch Bruch leider verloren hat. Mehr noch zu 
bedauern ist das Ausfallen der grossen Schneidezähne, von denen der eine rückwärts hinter dem ersten 
Prämolar angepresst, der andere lose gefunden wurde. Neb^n und hinter letzterem entdeckte Herr Meli in g 
den zu ihm gehörigen hinteren kleinen Schneidezahn, dessen ich schon oben gedachte. 

Das vereinigte Nasenbein ist ausserhalb der Mittellinie derart zerbrochen, dass das schmälere Bruch- 
stück; .über deju Band der Nasenöfihung gegen den Beschauer verdrückt, die obere Grenzlinie des Exem- 
plares bildet, das andere mit wohlerhaltener Tubejrosität dessen Bückseite und zugleich den Verschluss des 
Nasenaussehnittes herstellt. Man erkennt daran , so wie an der Nase des zuerst beschriebenen Schädels, 
welche bedeutende Breite der Knochen bei diesem Thiere hatte. Nach dem an der ungestörten Seite (als 
Tangente der grössten Convexität) genommenen Maasse kann sie nicht weniger als 0-125 betragen haben. 
Die Spitze fehlt. Was aber sogleich auffällt , ist die geringere Entwicklung der Gruben und Höcker des 
Hornansatzes ; dessen Ausdehnung hinter der am anderen Exemplare beobachteten kaum zurückbleibt. Die- 
ser Schädel könnte demnach einem Weibchen angehört haben, doch gestattet der Erhaltungszustand beider 
Exemplare keinen sichern Schluss über Sexnalunterschiede. 

Beide Unterkieferhälften sind an einander gepresst, die eine uns zugekehrte mit sechs Backen- 
zähnen und dem grossen unverletzten Schneidezahn , die andere mit allen sieben Backenzähnen und dem 
ein wenig nach vorwärts verschobenen und seiner Spitze beraubten Schneidezahn. Zwischen den beiden 
grossen Incisiven, oder vielmehr vor dem letzterwähnten, stehen (bei xtC) ansehnliche Stümpfe der kleinen 
inneren Sohneidezähne. Der Alveolartheil des Kiefers ist allerdings nur zum kleineren Theil übrig geblieben, 
doch bemerkt man deutlich genug, dass die Auftreibung keine bedeutende und die Knochenmasse selbst 
keineswegs dick war (vgl. Duvernoy, PL I). Wollen wir von dem Entgang der Mentallöcher und des Kno- 
chenrandes hinter den Schneidezähnen absehen, so dürfen wir demnach den Zustand der vorderen Partie 
dnea höchst befriedigenden nennen. 

Leider gilt nicht dasselbe von dem so wichtigen hinteren Drittbeil : vom Winkel und dem aufsteigenden 
Aste. Hier haben wir bedeutende Substanzverluste zu beklagen und den Umstand, dass sowohl der Kronen- 
fortsatz, als auch der Gelenksfortsatz in der Knochenmasse der Schädelbasis beinahe spurlos untergingen. 
Was man an dieser Partie noch deutlich wahrnimmt und was für die Auffassung der Art von Wichtigkeit ist, 
will ich gleich hervorheben. 

Zunächst weise ich auf den beinahe kreisbogenförmig abgerundeten Winkel hin, der an der ab- 
gewendeten Seite unvollkommen , doch den Hauptzügen nach erhalten ist. Es gibt vielleicht kein zweites 
Bhinoceros — Mh* eumatren»üy welches unserer Art in mehrfacher Beziehung nahe steht, nicht ausgenom- 
men — dessen Unterkiefer einen solchen Bogen bilden würde, wie Bk. sansantensis (vgl. Duvernoy 1. c). 

Dass der Kiefer von Rh. Sehleiermacheri (vgl. Raup, Beiträge) der genannten Art in dieser Beziehung sehr ähnlich 
ist, mag nicht wenig xn der Vereinigung beider zu einer Species durch Duvernoy beigetragen Laben. 

Die zum Gelenksfortsatz aufsteigende Enochenspange fällt bei der Mehrzahl der als Arten unter- 
schiedenen Nashörner mit dem hinteren Rande des ganzen Astes beinahe zusammen. Bei Rh. sansanterisis ist 
sie sehr weit nach vorne gerückt. Die in meiner Abbildung mit y bezeichnete Stelle entspricht dieser grössten 
Verdickung des ansteigenden Astes und lässt ein rasch sieb verdünnendes, ungemein breites Stück Knochen- 
masse hinter sich , dessen Rand hier eben so wie der Bogenrand des Winkels durch Bruch verloren ging. 

Der vordere zum Kronenfortsatz laufende Rand ist an dieser Seite leider durch Bruch und Quet- 
schung deformirt und scheint einen überaus weiten Bogen zu bilden. An der abgewendeten Seite , die leider 
in anderen Theilen sehr lückenhaft blieb, ist die Concavität dieses in seiner ganzen Breite erhaltenen Ran- 
des so tief, dass sie an die steil ansteigenden Astformen der tetradactylen Rhinocerose (Aceratherien) 
erinnert. 



36 Karl F. Peters. 

Endlich möchte ich noch auf die starke, bei Rh. Schleiermachert nicht bestehende An ah öfa lang der 
Platte zwischen dem Kronenfortsatz und jener, den Gelenksfortsatz tragenden Masse hinweisen. Sie ist an 
der ans zugekehrten Seite eben so scharf ausgeprägt, wie an dem von Dnvernoy abgebildeten Kiefer^). 

Der horizontale Ast, dessen unterer Rand in nicht geringer Ausdehnung vorliegt, bietet in seinem Kno- 
chenbau wenig Charakteristisches. Jedenfalls hatte er nicht die extrem langgestreckte und mit gleichmässiger 
Höhe verbundene Form, die das mitteleuropäische AcertUhtum tnciatvum auszeichnet, und die Kaup neuer- 
lich (Beiträge) so schön abgebildet, sondern bei sehr robuster Beschaffenheit des Knochens die mit allmäh- 
liger Abnahme an Höhe gegebene Doppelkrttmmung , wie sie den asiatischen und den miocänen Arten von 
dreizehigem Typus eigen ist. Die vordere Anschwellung (unter dem ersten und zweiten Prämolare) war jeden- 
falls nicht stärker, als sie dem Rh. sansamensü zukonmit. 

Die Symphyse endigt genau unter der Mitte des ersten Prämolars (die Stellung dieses Zahnes nor- 
mal restituirt), hat somit das gleiche Verhältniss wie bei Rh. Schletermacheri (Kaup, Ossem. foss. pl. 11, 
fig. 5). 

Ausser diesen zwei Schädeln vom Ausgehenden des Barbaraflötzes wurden im Bezirke von Eibiswald 
noch folgende Reste gefunden : 

Das Mittelstttck eines Unterkiefers, der eben so wie der vorige seitlich zusammengedrückt, aber nur mit 
einer vom dritten Prämolar bis zum letzten Molar erhaltenen Zahnrcifae versehen ist. (M. 56.) 

Zwei von einem in der Grube zu Grande gegangenen Schädel herrührende Oberkieferstttcke ; das eine 
mit Prämolar 2 and 3, das andere nur mit 2 (M. 56 u. 57). Sie lehren nichts Neues, doch zeigt der Zustand 
der Masse, dass der Schädel, wenn er in der (ausnahmsweise) lignitischen Kohle rechtzeitig wäre entdeckt 
worden, über Manches hätte Aufschluss geben können, worüber uns die oben beschriebenen Exemplare im 
Unklaren Hessen. 

Ein Unterkieferstttck, den Winkel mit dem letzten Mahlzahn enthaltend, welches trefiSich bestätigt, was 
oben über die Form des aufsteigenden Astes gesagt wurde. (Joanneum.) 

Ein Prämolar 3 des Oberkiefers, bei Steyeregg im Liegenden der Kohle gefunden und mir zusammen mit 
einem Zahnreste von Ämphtcyon zugekommen. 

Ein sehr schöner Unterkieferschneidezahn , der einem Thiere von beträchtlicher Grösse angehörte. (Im 
Besitze des Herrn A. Letocha.) Ebendaher. 

Mit Ausnahme des letzten Exemplares rühren sämmtliche hier verzeichnete Reste von Thieren her , die 
nahezu dieselbe Grösse erreicht hatten. 

Wie gering auch der Werth stark abgekauter Rhinoceroszähne für die Auffassung der Einzeltypen sein 

^öge, so lasse ich doch (Taf. II, Fig. 1 — 3) einen Theil der Zahnreihe des Oberkiefers und einige 

gut erhaltene Zähne des Unterkiefers (Taf. III, Fig. 1, 2) hier abbilden, um die Bestimmung vereinzelt 

gefundener Zähne einigermassen zu ermöglichen und das noch niemals befriedigend dargestellte Gebiss von 

lU. sansamensü den Zahnreihen des Rh. Schletermacheri gegenfiheT zu stellen. 

Fassen wir den zweiten Molar in's Auge, wie er Taf. II, Fig. 1 b dargestellt ist, und vergleichen ihn 
mit Kaup's Abbildung in den Ossem. foss. PI. XI, Fig. 5, deren Original hinsichtlich der Abkaunng von 
unserem Zahne allerdings verschieden, aber doch nicht um so viel weniger abgekaut war, dass völlig iden- 
tische Zahnbeinelemente in der innersten Bucht anstatt einer gleich grossen Theilbueht, wie sie unser Zahn 
hat , deren drei darstellen könnten , so werden wir uns nicht verhehlen , dass der Bau dieses Zahnes in den 
Thieren von Eibiswald trotz seiner Übereinstimmung mit dem von Rh. Schleiermachert eine minder compli- 
cirte Bacht hatte. Halten wir uns dagegen an Kaup 's (1. c.) Taf. XII, Fig. 6 , welche Abbildung er neuer- 
lich (Beiträge) als charakteristisch anfahrte , so können wir uns nicht vorstellen , wie dieser beinahe ganz 
intaete Zahn bei fortschreitender Abkauung eine derart dreizackige Bucht annehmen könnte, wie obige Fig. 5 

1) Rh. leptorkinus (megarhinua) Christ, von Montpellier Übertrifft i2/i. «an<ayit07i«ts vielleicht noch in dieser Eigenthümlich- 
keit (vgl. C hristoTs Originalabbildung, Recherches aar les charactöres des Rhinocöros fossiles. Montpellier 1834, fig. 5). 



Zur Kenntniss der WirheUhiere aus den Miocänschichten von Eibiswald. 37 

sie darstellt, wenn nicht eine ganz besondere Zahnbeinfaltung besttlnde, die freilich nur in einem bestimmten 
Querschnitt und iHr kurze Zeit zum Vorschein kommt. 

Im selben Masse , als sich Bh. aansantensis dnrch die Einfachheit im Baue dieses Zahnes von Rh. 
ScAleiermacheri eutfemty im selben Maasse steht dieses hmierBh. meffarhinu» Chr ist o\ von Montpellier und 
Bh. ieptarhmus aus dem Arnothal zurück (vgl. Falconer, Palaeont. Memoirs, Vol. II, London 1868, pl. 31 
und 32 ; Gervais, Zool. et Palöont. fr. pl. 1, fig. 1; pl. 2, fig. 5). Der Typus ist derselbe, der Unterschied 
nur dem Grade nach zu würdigen. Freilich sind die Hintermahlzähne der letztgenannten Arten mit einem 
ausgezeichneten Basalwulst versehen'). Die Vor der mahl zahne, von denen Fig. 2 die Kanfläche, Fig. 3 
die äussere Fläche des zweiten und dritten darstellt, sind an beiden Schädeln viel zu sehr abgekaut, als 
dass ihre Kauflächen Gegenstand von Vergleichen sein könnten , wohl aber muss bemerkt werden , dass sie 
nicht nur kein eigentliches „bonrrelet^ haben, sondern an ihrer inneren Seite jeder Spur eines Basalwulstes 
entbehren, der dem Bh. Schleiermaeheri (1. c.) nicht gänzlich mangelt. Die Emailleiste an der vorderen Seite 
der Krone ist bei Prämolar 3 bereits merklich und nimmt an den hinteren Zähnen beständig zu (vgl. Du ver- 
noy L c. p. 36). 

Einen besonderen Werth glaube ich auf die Schneidezähne des Oberkiefers legen zu sollen, die 
vom zweiten Exemplare vollkommen, von dem zuerst beschriebenen Schädel theil weise wohl erhalten sind. 
Ich widme ihnen desshalb sowohl hier in der Beschreibung, als auch auf Taf. I, Fig. 3, 4 mehr Raum , als 
ihnen im Verhältnisse zur übrigen Zahnreihe gebührte. 

Was auf den ersten Blick bemerkt wird, ist die grosse Verschiiedenheit in der Grösse dieser Zähne an 
beiden Schädeln, die doch in ihrem Knochenbau und ihren Backenzahnreihen nur sehr wenig von einander 
abweichen. Nun hat aber gerade das zweitbeschriebene Exemplar, welches in den allgemeinen Maassen und 
in der Länge der Backenzahnreihe vom ersten um ein weniges übertroffen wird, auch wie wir oben gesehen 
haben , jünger und nach dem schwächeren Hornansatze zu schliessen , ein Weibchen war , die grösseren 
Schneidezähne. 

Vom Schfidel Fig. 2, zu dem Fig. 3 u. 4 gehören : Vom Sch&del Fig. 1 : 

Grösste Länge am Kronenrand gemessen 0*0366 0-0SS6 

Orösster Querdorchmesser der Krone in der Mitte 0-0166 0*0U0 

OrOsste Dicke der Wurzeln bei gleicher Länge 0*0180 0*0160 

Indem ich noch beifüge , dass das letztangegebene Maass (vom Schädel Fig. 2) sehr allmählig , beim 
anderen dagegen sehr rasch abnimmt, besonders nach vorne hin, wo die Wurzel einen nicht allzu stumpfen 
Rand hat, gestehe ich sofort, dass diese Umstände mich zur grössten Vorsicht bei Beurtheilung beider Exem- 
plare aufforderten. Da jedoch in allen genau untersuchten und oben ausführlich genug besprochenen Knochen- 
und anderweitigen Zahnpartien sich nicht der mindeste Anhaltspunkt für die Unterscheidung zweier Typen 
oder Arten ergab, kann ich nicht anders, als die ersichtlich gemachte Differenz in den oberen Schneidezäh- 
nen für einen Sexualunterschied zu halten'). 

Was nun weitere Vergleiche hinsichtlich der Artverschiedenheit unseres Rhiuoceros betrifft, so will ich 
nur den (abgebildeten) grösseren Zahn berücksichtigen. In der Grösse stimmt er mit denen von Bh. Schleier- 
machen, die Kaup (Beiträge, p. 6) angegeben hat, und bleibt hinter denen von Acercuherium incütvum 
(von A. Ooldfusst gar nicht zu sprechen) weit zurück, gleicht jedoch letzteren in der Form der Krone (vgl. 

*) Wie namentlich aus Gervais* Abbildungen (1. c. pl. S, fig. 2—4 u. 12) und aus der Darstellung des Bh, megarhimt$ 
von Chris toi (18S4) hervorgeht, entbehrten die Vordermahlsfthne dieses ausgezeichnet zweihOmigen Rhinoceros nicht 
ganz eines dem Bonrrelet der Aceratherien analogen Basalwulstes, die so sehr ausgedehnte Anwendung des Namens 
Aceraihium auf fossile Arten , deren Mittelfass unbekannt blieb, und von denen gewöhnlich nur Zähne gefunden wer- 
den, lasst sich demnach wohl kaum rechtfertigen. 

*) Ich habe mich dieserwegen in der Literatur umgesehen, aber keine genügende Auskunft erbalten. Doch entnehme ich 
aus dem mir vorliegenden Schädel von Rh. Jatameu$, der im Museum des Herrn Hofrathes Hyrtl mit Bestimmtheit als 
Fcmina angegeben ist, und einem wenig älteren, durch Überaus starken Homansatz als männlich charakterisirten Schä- 
del, welcher sieh im Grazer Joanneum befindet, dass das Weibchen dieser Art bedeutend längere und wunBelsturkera 
Oberkieferschneidezähne besitzt. 



88 Karl F. Peters. 

Kaiip 1. c. Taf. I). Letztere hängt aber ganz ond gar vom Alter des Thieres ab. Die im jangen Thiere bei- 
nahe horizontale nnd in ihrer stumpfen Meisselform dnreh die Ileibang mit dem Unterkieferzabn fast gar nicht 
gestörte Krone wird im Alter mehr und mehr ab- und ausgeschliffen. Da sie zugleich dnreh die mit dem 
Kauen verbundene Wühlarbeit an der Spitze abgenützt wird^ erhält sie im hohen Alter eine geschliffene Kau* 
fläche , die einer verdrückten Schuhsohle nicht unähnlich ist. Dies gilt wohl von allen mit Schneidezähnen 
versehenen RhinocerosarteUy z. B. sehr ausgezeichnet von Rh. javamcua. 

Zur Charakteristik der Nashörner von dreizehigem Typus gegenüber Äceroiherium tnctattnim und seinen 
Verwandten mag Folgendes beitragen: Bei ersteren ist die Wurzel stumpf und verhäitnissmässig dick, 
nahezu helmförmig. Bei den Aeeratherien dagegen (A. inctaivum^ A. QoldfuasiKi^,^ Rh. tetradactylua Lart. 
u. s. w.) ist sie bei weitem länger (höher) , spitziger und im selben Maasse an ihrer inneren Fläche tiefer 
gefurcht. Hh. Schleürmachert (Kaup 1. c. Taf. 1, Fig. 2 — 4) und unser Exemplar geben uns naheliegende 
Beispiele fossiler Arten. 

Was den von Kaup (1. c. Fig. 1) abgebildeten Zahn betrifft , der seiner Zeit die neue Art jSA. lepiodon 
Kp. begründen sollte, und den er neuerlich (1 c. Acer. mcü. Seite 9) dem BA. sansaniensü zuzuschreiben 
geneigt wäre > wenn dasselbe bei Eppelsheim vorkäme , so glaube ich aus obigem Grande diese Zuweisung 
ablehnen zu sollen. Die Wurzel dieses Zahnes ist so lang und hoch, dass er wohl richtiger einem jungen Ace- 
rcuherium zuzuschreiben sein dürfte. 

Die für die Kenntniss unserer Lagerstätte so wichtige Übereinstimmung wesentlicher Glieder ihrer Fauna 
mit der von Georgensmünd und benachbarten Punkten (H. v. Meyer, Die foss. Zähne und Knochen von 
Georgensmünd, 1834, vgl. Seite 62 u. ff.) fehlt auch bezüglich der Sippe Bhmoceros nicht gänzlich, obgleich 
es gerade in ihrem Bereiche äusserst schwer hält, die Identität von Zähnen zu behaupten. Unter der gros- 
sen Zahl von Zähnen des tetradactylen Typus lässt sich nur der auffallende obere Schneidezahn (Taf. III, 
Fig. 25) von Westeregeln als vollkommen übereinstimmend mit dem unseres Sh. $an$amen8%s betrachten. 
Sicherlich nicht zu ihm , sondern zu einer mit Rh. Schleiermachein näher verwandten Form gehören die 
Molaren Taf. V, Fig. 45 u. 46. 

Um endlich die von Kaup öfters erwähnten Incisiven von Sansan, die Blainville auf Taf. XII der 
Osteographie (rechts zu oberst) abgebildet hat, nicht mit Stillschweigen zu übergehen, so stammen sie, meines 
Erachtens , von einem alten tetradactylen Nashorn und würden (in natürlicher Grösse genommen) mit den 
Abmessungen von Rh. tetradactylus Lart. wohl übereinstimmen. 

Über den kleinen äusseren Schneidezahn habe ich zur Abbildung (Taf. I, Fig. 4) nur wenig zn 
bemerken. Die knopfförmig abgerundete Krone sitzt auf einer schlanken, ziemlich stark zugespitzten und ein 
wenig nach rückwärts gekrümmten Wurzel , die bei weitem schmächtiger ist als die Stümpfe der beiden i n- 
neren Schneidezähne des Unterkiefers, von denen schon oben (Seite 35) die Rede war. 

Die grossen äusseren Schneidezähne des Unterkiefers, deren Form ich im Allgemeinen als 
bekannt voraussetzen darf, sind nicht so schwach, wie man nach der Beziehung unseres Nashorns auf ÜA. 
sansam'ensis und nach Kaup's Auffassung der Zähne dieser Art erwarten dürfte. Im Unterkiefer des von Du- 
vernoy abgebildeten Schädels können sie die Länge von 0*090 kaum überschritten haben. Der fragliche 
Zahn , den Kaup (Taf. I, Fig. 17) darstellen Hess, hat 0- 111 ; der grösste von Eibiswald oder vielmehr von 
Steieregg (Taf. II, Fig. 5), denn es ist der oben bezeichnete, der lose gefiinden wurde, misst 0*125, wovon 
0*092 auf die Wurzel entfallen ; die im Unterkiefer unseres Schädels Fig. 2 sitzenden (ihre Wurzelspitzen 
sind nicht sichtbar, enden aber weit vor dem Rande der Symphyse), können 0*115 bis 0*120 erreicht haben 
(Taf. II, Fig. 4). 

Die Wurzel hat einen äusseren sehr stumpfen, einen inneren minder stumpfen Band, und vermöge der 
Abplattung ihrer vorderen und inneren , so wie auch ihrer hinteren (oberen) Fläche einen snbscalemschen 
Querschnitt. Bis zum letzten Drittel ihrer Länge sind sie sehr schwach geliogen , doch das zugespitzte Ende 
krümmt sich , namentlich in der vorderen (unteren) Fläche rasch nach rück- und aufwärts und zugleich ein 
wenig nach aussen. 



Zur Kenntniss der Wtrbelthtere aus den MiocänscMchten von Eibiswald, t^ 

Die Krone, die am Zahne von Steieregg einen grössten Randdurchmesser von 0-0338, an den Zähnen 
des Kiefers von Eibiswald - 0295 nnd die Form eines nnsymmetrisch stumpf zugespitzten Grabscheits hat, 
gestaltet sieh sehr wesentlich verschieden , je nachdem das Thier seine Oberkieferzähne frühzeitig verloren 
oder sie lange behalten hatte. Im ersteren Falle (Steieregg) behält sie ihre seicht concave hintere Fläche und 
ihre Grabscheitform, im zweiten (vgl. Fig. 4) nimmt sie durch Abschleifung vom äusseren Rande und von der 
Spitze her eine Convexität an, welche reichlich ein Drittel der Flächenbreite ausmacht und mit der Conca- 
vität des Oberkieferzahnes derart zusammenfallt , dass letzterer in der Ruhelage seinen Gegner genau mit 
der Hälfte seiner ganzen Kronenlänge überragt. Da ich an meinem Exemplare den Mechanismus der Kau- 
bewegung dieser Zähne genau zu prüfen im Stande bin , kann ich auch behaupten , dass die Vorwärtsbewe- 
gung des Unterkiefers in diesem Rhinoceros eine ungewöhnlich freie sein musste. 

Mit i(A. Schleiermachert (Kaup, Ossem. foss. pl. XI, fig. 9) stimmt unser Thier hinsichtlich dieser 
Zähne recht genau überein; auch mit Rh. sumatrensü; viel weniger mit Bh, jtwamcus , welches sehr lange 
und zugespitzte Kronen hat, am wenigsten mit den Tetradactylen, deren Schneidezähne, abgesehen von be- 
deutenderer Grösse , eine weit mehr gekrümmte Wurzel und eine bei relativ nicht übermässiger Länge weit 
mehr zugespitzte Krone besassen. Ich bedauere , dass von Aceratherien nicht mehr Einzelzähne abgebildet 
wurden , denn ich werde bei Untersuchung einer zweiten Gruppe von Eibiswalder Rhinocerosresten in der 
Lage sein, von diesen Charakteren Gebrauch zu machen. 

Über die Backenzahnreihe des Unterkiefers, die so wenig zur Charakteristik der Art beitragen 
kann , würde ich mich jeder Andeutung enthalten , wenn nicht der letzte Zahn des lose gefundenen Kiefers 
ungevvöhnlich frisch wäre (Taf. III, Fig. 1) , und der Kiefer unseres Schädels Fig. 2 den selten vorkommen- 
den ersten Backenzahn enthielte (Taf. III, Fig. 2). Was mich aber ganz besonders nöthigte, den Unterkiefer 
dieses Thieres so genau, als der Erhaltungszustand es gestattet, zu untersuchen, ist der Umstand, dass das 
wichtigste Stück jener zweiten Rhinocerosart ein Unterkiefer ist. 

Die geschlossene Reihe hat, vom hinteren Kronenrande des letzten bis zum vorderen Kronenrande des 
zweiten Backenzahnen, an der äusseren Seite gemessen, eine Ausdehnung von 0*210^), dazu den ersten 
Prämolar der anderen Seite mit 0-018 gerechnet, 0-228. 

Der letzte Molar F\g. 1 ist (eben so am Kronenrand) 0-0405 lang und in der grössten Quere seines vor- 
deren Prismas 0-0221 breit. In der Form seiner beiden Abtheilungen folgt er genau dem Vorbild der Tri- 
dactylen , d. h. die wenig abgekaute Kante der hinteren Hälfte hat genau die cycligfche Halbmondform , die 
vordere das V mit beinahe gleich langen Schenkeln. In Beziehung zu Bh, Schleiermachert ist zu bemerken, 
dass der Winkel des F, der dort ein sehr stumpfer ist , hier am äusseren Emailrand kaum 75** beträgt , was 
vom Grade der Abkauung ganz unabhängig ist , auch kann sich der vordere Schenkel an seinem inneren 
Ende hier niemals zurückbiegen, wie dies unter anderen Arten auch bei Bh. Schleiermacheri der Fall ist 

Ahnliche Gegensätze finde ich auch an den mittleren Zähnen und glaube , dass sie sich auch bei weit 
vorgeschrittener Abkauung noch bemerken lassen. Die inneren Thäler des zweiten Prämolars , der am äus- 
seren Kronenrand 0-025 lang ist, haben nicht ganz dieselbe Tiefe, die sie in jener Art erreichen. Der erste 
Prämolar (nebst dem zweiten Taf. III, Fig. 2 dargestellt), dessen Länge Kaup von Bh. Schleiermachert 
nur mit 0-011 angibt (gegen 0-029 des zweiten) hat die oben mitgetheilte Länge und 0-0119 als grössten 
Qnerdnrchmesser an der Basis, der gerade über der Gabelspaltung der Wurzel zu liegen kommt. Vorne hat 
das Zähnehen , welches wohl nur der zweiten Dentition angehören kann , eine beinahe flügeiförmig« Leiste, 
hinten auf stumpfer Basis eine ziemlich scharfe Kante , eine rückwärts etwas abgeplattete und nach vorne zu 
eine wenig gehöhlte Aussenfläche (Fig. 2 4), eine ohne Unterbrechung gewölbte und glatte Innenfläche. Die 
Abkauungsfläche (Fig. 2 a) ist sübdeltoidisch mit rückwärts gekehrtem spitzen Winkel, oder vielmehr, da sie 
ja doch keine geradlinige Umgrenzung hat, flaschenförmig. 



*) In Kaup's Bh, SeMeiermaeheri (Beiträge, S. 3, Taf. 5) 0-250. 



40 Karl F. Peters. 

Die Reste einer zweiten Rhinocerosart (Taf. II, Fig. 6 — 9, Taf, III, Fig. 3 — 5),* deren ich bereits 
an mehreren Stellen der vorhergehenden Beschreibung gedachte , sind bei weitem nicht so vollständig wie 
die besprochenen. 

Das wichtigste Stück (Taf. II, Fig. 6) enthält die Mittelpartie einer Oberkieferhälfte, woran ein 
grosses , in der Mittellinie ungefähr 0*110 langes Stück vom Nasenbein, in der noch nicht völlig oblite^ 
rirten Naso-Frontalnaht vom Stirnbein losgelöst , aber nur ein kleiner Theil des oberen Randes vom Nasen« 
ausschnitt, das Jochbein mit dem Augenhöhlenrande und ein Stück des Oberkieferknochens blossliegen. 
Der erstgenannte Knochen ist bis zu den Vordermahlzähnen niedergequetscht, das Jochende mit dem daran 
haftenden Kieferstttcke seitlich plattgedrückt ; von Zähnen sind nur die Prämolaren 4, 3 und 2 einer Seite 
(Taf. II, Fig. 7) vollständig erhalten. 

Vom selben Individuum liegt ein Bruchstück vor, der anderen Seite des Oberkiefers angehörig, welches 
den vorderen Theil des dritten, die Basis des zweiten Hintermahlzahnes und einen nicht unwesentlichen Theil 
der Krone vom ersten (Fig. 8) mit demselben Abschnitt des Augenhöhlenrandes umfasst« 

In dieser Art sind die Bruchstücke, die seit langer Zeit im Grazer Joanneum aufbewahrt werden und 
von den älteren Gruben bei Eibiswald oder von Steieregg kamen , trotz ihrer Unvollkommenheit der Bestim- 
mung der Artengruppe, wenn auch nicht der einzelnen Art, günstig genug. 

Bedeutender , aber doch wohl nur im Zusammenhange mit ihnen vollständig zu verwerthen , ist ein 
beiderseitiger Unterkiefer (Taf. III, Fig. 3), dessen beide Hälften mit Erhaltung der Symphyse und eines der 
(grossen) Schneidezähne verschoben und nicht allzu innig zusammengedrückt wurden. Der Winkel und ein 
aufsteigender Ast sind leidlich gut erhalten, doch ist der Verlust beider oberen Fortsätze zu beklagen. Dieses 
schöne Exemplar bildet Nr. 43 — 47 der Meli Inguschen Sammlung aus der Strecke St. Barbara. Weit später 
wurde in einem sandigen Gestein unter dem Eibiswalder FlOtz ein Schneidezahn gefunden, der sich durch 
seine bedeutende Länge auszeichnet. 

Es bedurfte keiner weitläufigen Untersuchung, um diese Reste von den gleichnamigen Skelettheilen un- 
seres £Atnoc6ro« «an«am69i«e« Lart. zu unterscheiden. Die bezeichneten Mahlzähne des Oberkiefers 
(Taf. II, Fig. 7) haben nicht nur ein sehr starkes „Bourrelet^ , sondern stimmen auch in der Beschaffenheit 
ihrer nicht allzu stark abgenützten Kaufläche vollständig mit dem Typus der tetradactylen Arten überein. 
Auch der Unterkiefer zeigt sowohl im Ganzen, als auch in der gedrungenen Form seiner rückwärtigen Mahl- 
zähne (Taf. III, Fig. 4) die grösste Übereinstimmung mit den Aceratherien. 

Wollte man von der Grösse absehen , hinsichtlich welcher dieses Thier hinter gleich alten Individuen 
von Acerathertum tncisivum Kaup bei weitem zurückbleibt, so würde man sich nach flüchtiger Betrachtung 
leicht dazu verstehen, es mit diesem, namentlich fllr die Rhinocerosreste der österreichischen Miocänablage- 
rnngen so häufig gebrauchten und oft missbrauchten Namen anzusprechen. Man hat eben die von Kaup so 
trefflich gegebene Charakteristik der Eppelsheimer Tetradactylen mit dem Charakter des tetradactylen Typus 
überhaupt identificirt , etwa in derselben Weise , wie die miocänen Reste von tridactylen Rhinoceroten auf 
Grundlage der von Kaup so reichlich gegebenen Details gewöhnlich dem hh. Schletermachert zjxgwchn^h^n 
wurden, wenn sie nicht ganz unwiderleglich auf Hh, leptorhtnus Cuv. oder KviJih. megarhtnus Christ, hin« 
wiesen. Indem Kaup (Beiträge) nicht nur den Oberkiefer aus der Auvergne, sondern auch die von Blain* 
vi 11 e (pl. XII) sehr flüchtig abgebildeten Zahnreihen von Sansan zu A. tncüttmn» zieht und von Grössenver* 
hältnissen absieht , kleinere Formabweicbungen wohl auch als Sexnalunterschiede betrachtet , hat er seiner 
Ai*t selbst einen Umfang gegeben , der die Neuaufsteliung seiner riesigen Species A. Ooldfu$s% beinahe als 
tiberflüssig erscheinen lässt 

So wie ich im Vorhergehenden gezeigt zu haben glaube , dass die grossen Schädelreste von Eibiswald 
nicht dem bh. Schletertnachert) sondern der Art von Sansan angehören — vom Wertb des Artbegriffes in die- 
ser Gruppe natürlich abgesehen — , so hoffe ich durch Mittheilung nachsteber Details zeigen zu können, dass 
die Identification der nun angedeuteten Reste eines zweiten Nashorns aus der Eibiswalder Kohle mit A. inci^ 
sivum unberechtigt wäre. 



Zur Kenntniss der Wirhelihiere aus den Miocänschichten von Eibiswald. 41 

Der glttcklicher Weise am grösseren Brachstücke des Schädels erhaltene vordere und nntere Angen- 
hOhlenrand bildet den engen Bogen^ wie er den Aceratherien im Gegensatze zu den dreizehigen Arten 
eigenthttmlich zn sein scheint. Seine tiefste Concavität liegt über dem Wurzelrest des ersten Hintermahl- 
zahnes. Nach rttckwärts verlauft er, ohne dass die Anlagernngslinie zwischen dem Oa zygomaticum und dem 
Processus eygomcth'cua des Schläfenbeines deutlich würde, in einen flachen Höcker (tb), wie er bei den drei- 
zehigen Arten gewöhnlich ist. Von hier an wendet sich der Knoohenrand , so weit man ihn noch verfolgen 
kann, nach einer leichten Depression mit unbedeutender Steigung nach rttckwärts. 

Indem ich diese nicht unwichtige Skeletpartie mit A. tnctstvum vergleiche (Kaup, Ossem. foss. pl. X, 
flg. 2), mit dem Exemplar aus der Auvergne, das Blainville (Ostöographie, pl. IX, links unten) abgebildet 
und Duvernoy als den Originalschädel des Aceratherium gannatense Duv. erklärt hat (1. c. p. 11), und 
mit Duvernoy's Rh. pleuroceros (1. c. pl. I, fig. 2 a, copirt und als A. minuium Raup bezeichnet auf 
Taf. 8 der Beiträge), den einzigen Abbildungen von Schädeln tetradactyler Nashörner, die mir bekannt sind, 
so kann ich nicht umhin, zu erklären, dass er mit keinem von ihnen genau ttbereinstimmt. In Acer, tncisivum 
bildet das Jochbein, bevor es den Wendepunkt des Bogens, also den Jochfortsatz erreicht, genauer bezeich- 
net , in der Mitte des vorderen und unteren Augenhöhlenrandes , einen zahnartig emporragenden Fortsatz, 
der über dem hinteren Bande des letzten Mahlzahnes steht. Hh. pleuroceros zeigt beinahe dieselbe Gestal- 
tung. Dagegen hat A. gannatense mit der Augenhöhlenform der Tetradactjlen überhaupt nur den engen 
Bogen des vorderen Theiles gemein und besitzt weder einen Fortsatz, noch, soviel man aus der mangelhaften 
Präparation des Exemplares entnehmen kann, einen merklichen Höcker. Wir haben es demnach am Eibis- 
walder Beste mit einem Thiere zu thun, welches mit keinem der genannten Typen zusammenfällt und für das 
es kaum gelingt eine sicher vergleichbare Art in der Literatur zu finden. 

Das Nasenbein, dessen Frontalnaht (sf) durch ihre mit Kohle durchschossenen Enochenzacken 
kenntlich , gerade über dem hinteren Rand des auswärts gestürzten vierten Prämolars liegt , hat eine über- 
aus schwache, einfacheWölbung. Nichts verräth , dass seine Spitze im frischen Skelet nach aufwärts 
gerichtet , oder dass sie merklich nach abwärts gebogen war. Freilich kennen wir, wie schon erwähnt , nur 
0*110 seiner Länge und davon ist die Oberfläche nur seitlich in dieser ganzen Erstreckung, in der Mittellinie 
flur rückwärts (0-050 ausmachend) erhalten. Ebenda zeigt sich, dass die Vereinigung beider Nasenbeine 
(s n), in welcher das Nasendach umgebrochen ist, eine Art von Wulst bildete, in dem die Sjmostose als eine 
vertiefte Linie verlief. 

Diese Form entspricht im Allgemeinen ziemlich genau dem Nasenbeine der Tetradactylen , aber gerade 
nicht der rheinischen Art A. mctstvum (vgl. Duvernoy, p. 34). Die seitliche Wölbung unseres Kno- 
chens war beträchtlich. Obgleich sie im vordersten Theile schon an sich bedeutend genug ist, löste sich noch 
das den Band des Ausschnittes (e n) enthaltende Stück durch Bruch los und ist (ohne Verschiebung) so gela- 
gert, dass dieUmbeugung des Ausschnittes nach abwärts gerade mit dem vorderen Bande des zweiten 
Prämolars zusammenfällt. Die Umbeugung ist eine jähe , beinahe rechtwinkelige; der Ausschnittsrand 
stumpf, rundlich, mit einer Spur von Einrollung. 

Beide Formen gleichen auffallend der entsprechenden Partie von A gannatense (siehe Blainville, 
pl. IX, 1. c). 

Schliesslich darf ich nicht verhehlen , dass sich im vorderen (nur seitlich sichtbaren) Theile der Ober- 
fläche des Nasenbeines eine feine Bauhigkeit(r) zeigt, die von der gewöhnliehen Beschaffenheit starker 
Homansätze weit entfernt ist , aber jener leichten Cribrosität entspricht , wie sie in der betreffenden Nasen- 
beinpartie des vor mir liegenden jungen Weibchens von Rh. javantcus als äusserste Area des Hornansatzes 
besteht. Es wäre demnach nicht unmöglich , dass dieses Exemplar von einer , trot2 der flachen und wenig 
breiten Form ihres Nasenbeines, nicht hornlosen Art herrührt^). 



1) Die Breite von der Mittellinie zur Umbeugungsstelle des Nasenrandes als Tangente gemessen, schätze ich auf 0*055; 
an Äeer. ineinuum würde das correspondirende Haass 0*048 betragen. 

Denkiehriften der mathem.-DAtarw. Cl. XXX, Bd. 6 



42 Karl F. Peters. 

Ich wende mich nun zu den drei Prämolaren 2, S, 4, deren genttgend gut erttaltene Eanflächen ich 
Taf. II, Fig. 7 abbilden liess. Sie zeigen genau die Stufenreihe der normalen Entwicklung der Aceratherieil- 
Zähne, zugleich den von vorne nach rückwärts abnehmenden Grad der Abkauung. 

Indem ich sie mit einem Originalabguss des Eppelsheimer A. tncüwum lieber als mit den Abbildungen 
(K aup , Ossem. foss. pl. XIY und Beiträge, Taf. 4) vergleiche, finde ich einige nicht unwesentliche Unter- 
schiede , die sich auch aus pl. XIV, fig. 6 ergeben. Sowohl im Prämolar 2 , als auch in 3 (4 ist an dem 
Eppelsheimer Stück nicht vorhanden) erheben sich von der inneren und hinteren Seite des Basalwulstes 
(bonnelet) Stützpfeiler , die sich dem rückwärtigen Kronenhttgel anschmiegen und zugleich zum Verschluss 
der gewundenen Mittelhöhle nach innen zu beitragen. An den Eibiswalder Zähnen ist der Verschluss einfach 
quergestellt, ohne eine solche Verstärkungsleiste; auch ist der Basalwulst, bei gleicher Stärke am vorderen 
Umfange, an der inneren Seite schwächer, wie an (irgend welchen) Zähnen von Eippelsheim. Es liegt darin, 
beiläufig bemerkt , eine Annäherung an den Prämolarbau der dreizehigen Arten. Die äussere Kronenfläche 
unserer Zähne ist, die kleinen Rauhigkeiten ausgenommen, sculpturlos und zeigt (auch an 4 und I) nicht die 
mindeste Spur einer Fortsetzung des Basalwulstes. 

Im Prämolar 2 von Eppelsheim ist die Mittelhtfhle durch den Sporn von hinten her bei weitem nicht so 
stark verengt (getheilt), derart, dass die Abschnürung des runden Loches dort weit später eintritt, wie bei 
unserem Zahn, an dem sie neben einer noch geräumigen und nach innen zu weit offenen Höhle bereits längst 
vollzogen ist. 

Die am jungen Prämolar 3 (und 4) von Eppelsheim dreifaltige hintere Wand der Mittelhöhle muss an 
unserem Thiere einfacher construirt sein , mindestens können die Falten nicht so weit in die Tiefe der Höhle 
hereinragen , sonst würden sie im Abkauungszustande unseres Exemplares noch nicht völlig verschwun- 
den sein. 

Molar I ist (am kleinen Bruchstücke) weit genug erbalten, um die beiden gegen die Mittelhöhle vor- 
si^ringenden flauptfalten zu zeigen (Fig. 8). Beide springen so weit gegen einander vor, dass sie beim klein- 
sten Fortschritt der Abkauung verschmelzen und die Abschnttrung der ausserhalb von ihnen befindlichen 
Bucht zu einem , dann nicht mehr herzförmigen , sondern elliptischen Loch vollziehen müssten. Bei A> tfict- 
szvum bleiben diese Falten einander lange fern und hat die Mittelhöble nach innen zu einen viel geringeren 
Querdurchmesser , wie wir ihn hier (Fig. 8 in der Mitte) sehen. 

Diese Bemerkungen dürften genügend darthun, dass eine Identität unseres Thieres und des Eppels- 
heimer A. tnciato keineswegs besteht. 

Was nun die Orössenverhältnisse betrifft, so ist der Unterschied ein sehr auffallender. 

Gemessen am äusseren und am vorderen Eronenrande (der Basis) hat : 

Länge Breite 



Prämolar 2 . . 


. . 0-0250 


0-0802 


n B . . 


. .0-0296 


0*0425 


*. . 


. . 0-0326 


0-0434 


Molar I . . . 


. . 0-0430 


... 



Verglichen mit den von Raup (Ossem. foss. p. 52) gegebenen Maassen zeigt diese Reihe , abgesehen 
von der Altersverschiedenheit der Individuen, ein Verhältniss nahezu wie 2 : 3. 

Demnach kann von einer Identificirnng dieser Reste mit dem robusten A. tncüttmm von Eppelsheim 
wohl nicht die Rede sein. Man müsste zum mindesten, etwa so wie Duvernoy Hh. Schleiermacheri und 
Mh. Sansaniensü als zwei verschiedene Racen betrachten wollte (p. 43), einen starken Racenunterschied gel- 
tend machen. 

Sehen wir nun , ob uns vielleicht eine Zusammenstellung mit den Typen aus der französischen Miocän- 
formation besser gelingen mag. 

Die genaue Beschreibung, die Duvernoy von den Zähnen des Bh. Stmorrensis Lart. gibt (p. 47), 
vom Basalwulst der Zähne des HL brachypus Lart. und von den neueren Exemplaren von Hh. minutus Cuv. 



Zur Kenntniss der WirheUhiere aus den Mtocänschichten von Eibiswalch 43 

— Bie darch Abbildungen zu illnstriren hat der berühmte Osteolog leider unterlassen ^ diese Beschreibaug 
zeigt, dasB unsere Eibiswalder Fragmente mit keiner dieser Arten genügend UbereiostimmeD. Mit Rh. Stmor- 
rensü , dessen Grösse und Homansatz zu genaueren Vergleichen auffordern , desshalb nicht y weil die vom 
hinteren Mahlzahnhttgel ausgehende Falte an diesem Rhinoceros gerade die entgegengesetzte Eigenschaft 
hat , wie sie Prämolar 2, auch 3 und Molar I unseres Exemplares darbieten ^). Letzteres erinnert in dieser 
Beziehung einigermassen an die Zähne erster Dentition von Rh. hemäatechua Falc. (vgl. Falconer 1. c. 
pl. XXIy fig. 3 und XXV, fig, 2, 3) und an die Zahnreihen des Rh. megarhrnus Christ, in den Museen von 
Imola und Lyon (ebenda, pl. XXXI). Mit Eh. pleuroceros Duy., welches Raup (Beitr.) als Acerathertum 
rnmutum mit Rh. mtnueus Cuv. vereinigt hat, würden allerdings die Abmessungen der Zähne nicht im Wider- 
spruch stehen , allein der Band des Nasenausschnittes und die Form des Jochbogens sprechen dagegen. 
Auch finde ich im Bau der Zähne, die Raup unter obigen Namen zusammenstellte, keine nähere Verwandt- 
schaft mit dem Eibiswalder Beste. Was Rh. tetradactylua Lart. betrifft, welches Duvernoy selbst (p. 44, 
46 u. ff.) mit Acerathertum tnctswum Ep. identificirt hat, so muss ich besonders auf den Stützpfeiler („gros 
pilier ä sommet conique<<, p. 36) zurückweisen, welcher die innige Verwandtschaft dieser Tetradactylen bei- 
der Länder so scharf bezeichnet, an unserem Exemplare jedoch, wie schon oben bemerkt, vollständig fehlt. 

Ob das Nashorn von Gannat, dessen wichtige Skeletreste Duvernoy ein so reiches Materiale gelie- 
fert haben , in nähere Beziehung zu unseren fraglichen Bruchstücken gebracht werden darf , ist schwer zu 
entscheiden. Von der gleichen Form des oberen Winkels am Nasenausschnitt war schon oben die Rede. 
Auch verräth der Umstand , dass Duvernoy den von der hinteren und den von der vorderen Hälfte des 
Molar I in die Mittelböhle vorspringenden Sporn besonders betont (p. 12) , eine grosse Ähnlichkeit dieses 
Zahnes mit dem entsprechenden unseres Exemplares. Doch wäre es wohl allzu gewagt, wenn ich daraufhin 
die spedfische Übereinstimmung beider aussprechen wollte. 

Den Unterkiefer habe ich Taf.III, Fig. 3 in y« der natttrUcher Grösse von der Seite darstellen lassen, 
welche die untere Ansicht der Symphyse verstattet. 

Man bemerkt, dass dieselbe massig, ziemlich breit und kurz ist. 

Die ganze Länge des Kiefers kann in normaler Lagerung vom Bande der Schneidezähne bis zur 
grössten Convexität am hinteren Bande des Winkels * 500 nicht wesentlich überschritten haben. Die Aus- 
dehnung der ganzen Zahnreihe beträgt 0-207. Der etwas umgebrochene, aber theilweise gut erhaltene 
Band der Symphyse liegt unter der Berührungslinie des Prämolar 1 und 2, in welche Senkrechte auch 
das hintere (grosse) Mentalloch fällt. Ein zweites ziemlich grosses Loch, mit einem hart darüber 
befindlichen kleinen , durchbohrt den Knochen in derselben wagrechten Linie unter und vor dem ersten 
Backenzahn. Die Dicke des ELnochens beträgt zwischen der Ebene der Verwachsung , in der die Verschie- 
bung beider Kieferhälften stattfand, und dem unteren Umfange der Mentallöcher ungefähr 0*036. Vom vorde- 
ren Alveolarrande, der leider nicht erhalten, aber aus dem in der Alveole steckenden Beste des Schneide- 
zahnes beiläufig zu bestimmen ist, mag der Band der Symphyse 0-095 entfernt sein. Eben so kann die 
Entfernung dieses Alveolarran des vom ersten Backenzahn wenig über 0*050, vom zweiten Backen- 
zahn 0*067 betragen. 

Der Kieferrand ist innerhalb des Schneidezahnes und des ersten Backenzahnes bogenförmig, ziemlich 
scharf und fällt letzterem zunächst steil nach innen zu ab. 

Die Höhe des horizontalen Astes beträgt unter dem Prämolar 2 (von dessen Alveolarrand bis zu 
dem hier gut erhaltenen unteren Bande gemessen) 0067, hinter dem siebenten Backenzahn (eben so) 0*086, 
die grösste Dicke des Knochens an der stärksten Wulstung des Alveolartheiles an der vorderen Hälfte die- 
ses Backenzahnes 0*041. Sein breit abgerundeter unterer Band ist unter dem Kronenfortsatze leicht ein- 
gedrückt , sonst gerade , namentlich im Bereiche der Symphyse ohne die mindeste Hervorragung oder Auf- 
treibung. 

1) Dnvernoy sagt hierüber (p. 47): Ce crochet . . , .traverse le vallon en s'avanQant vers la coUine antörieure, sana 
8*y Bouder pour forraer une fossette moyeDne tardive. 

6* 



44 Karl F. Peters. 

Eine horizontale Linie , vom inneren und hinteren Kaurande de« siebenten Backenzahnes gegen den 
vorderen Rand des aufsteigenden Astes gezogen, erreicht denselben 0*040 vom Ausgangspunkte ent- 
fernt. Der Bogen, welchen dieser (ziemlich gleichmässig 0-026 breite) Rand bildet, ist nicht sehr eng, doch 
zeigen die Bruchenden, dass er sich alsbald ziemlich jähe zum Kronenfortsatz emporschwingen musste. 

Die in der Abbildung (bei a t) sichtbaren Ansatzzacken fttr den inneren Kaumuskel sind ungemein stark, 
durch tiefe Ausrandungen von einander getrennt und der Zahl nach fünf. 

Der hintere Rand ist am Winkel stark callös, doch keineswegs abgerundet, gegen den (fehlenden) 
Gelenksfortsatz bildet er einen langen seichten Bogen. Stellt man den Kiefer auf eine horizontale Ebene, so 
macht der Verticalabstand des obersten Punktes dieses Bogens , der zugleich den grössten Vorsprung des 
hinteren Gelenkshöckers bildet, genau 0-155 aus. Der aufsteigende Ast hat somit im Verhältniss zur Grösse 
des ganzen Kiefers eine bedeutende Höhe. 

Ist schon durch diese Beschaffenheit des Knochens jeder nähere Zusammenhang mit den dreizehigen 
Nashörnern ausgeschlossen, so zeigt sich die Natur der Tetradactylen in den Zähnen noch deutlicher. 

Abgesehen von einem anderen Verhältnisse der Querdurchmesser der einzelnen Zahnprismen, die 
z. B. bei Rh, aansamenaü im Allgemeinen geringer sind , aber vom sechsten und ftinften Zahn gegen den 
vierten und dritten weniger rasch abnehmen, muss ich bemerken , dass der letzte M abizahn des vorlie- 
genden Kiefers (Taf. III, Fig. 4) einen bei weitem mehr gedrungenen Bau , weniger offene Halbmondbogen 
und bei entsprechender Länge eine ansehnlich grössere Breite hat. Auch besitzt er eine Spur von jenem 
eigenthümlichen Basalwulst an der äusseren Seite, der die Unterkieferzähne des Aceratherium ganna-- 
tense Duv. (1. c. p. 11, 13; Blainville, pl. XH „Auvergne" und [irrthtimlich] „Eppelsheim") auszeichnet. 
Der Wulst beginnt in Form einer fein crenelirten Leiste an der vorderen Seite der Krone hoch oben -und läuft 
an der äusseren Fläche jäh nach abwärts, bricht jedoch, ohne die grösste Wölbung der vorderen Zahnhälfte 
erreicht zu haben, ab und zeigt sich erst jenseits der Furche zwischen der ersten und zweiten Hälfte wieder, 
jedoch ganz verschwommen und kaum mehr als ein „bourrelet" anzuerkennen. Winzige Spuren von einer 
scharfen Leiste bemerke ich auch am vierten Backenzahn beider Kieferhälften , der ftlnfte dagegen (der 
sechste fehlt leider) ist glatt. 

Prämolar 1 (Taf. HI, Fig. 5) ist bei wenig verschiedener Länge hinten viel breiter als derselbe 
Zahn des Eibiswalder £h, sansam'enais, in der Form seiner Krone überhaupt wesentlich von ihm verschieden 
(vgl. Fig. 2 a). 

Absehend von unwesentlichen Details möchte ich noch bemerklich machen, dass die äussere Ober- 
fläche der Kronen (Fig. 4 a, 5 a) gegenüber der starken Rauhigkeit und Faltelung derselben bei unserem 
ah. sanaam'ensta (Fig. lb,2b) hier ausnehmend glatt ist. Auch die von Geologen und Laien an den 
Backenzähnen des A, tnctawum so oft bemerkte gröbere Faserstructur des Emails ist hier gegenüber 
dem feiner gewebten Email der Tridactylen, speciell unseres Bh. aanaamenaia von Eibiswald, mit unbewaff- 
netem Auge wohl zu unterscheiden. 

Der Schneidezahn (Taf. H, Fig. 9 a, 9 i) hat die schmale, zusammengedrückte und beinahe lanzett- 
förmig zugespitzte Krone, die an der vorderen (unteren) Seite cyclisch gewölbte und mit starker Krümmung 
von bedeutender Dicke, zuerst rasch, dann allmählig, verschmächtigte Wurzel, wie sie den Aceratherien 
im Gegensatze zu den fossilen Tridactylen eigen zu sein pflegen. Wir besitzen aus diesem Kiefer nur den 
der abgewendeten Hälfte und ihm fehlt von der Wurzel mehr als ein Drittheil ihrer ganzen Länge. Die 
grösste Länge der Krone am stumpfen äusseren Rande beträgt 0*039, der grösste Querdurchmesser am 
Emailrande 0-027, ebenda der grösste Durchmesser von vor- nach rückwärts 0-020. Der ganze Zahn 
kann eine gerade Länge von etwa 105 bis 110 Millim. erreicht haben. Die Abkauungsfläche ist der 
von Bh, aanaamenaia beschriebenen ähnlich, aber der Gegensatz zwischen dem inneren concaven Theile und 
der convexen Abreibung gegen den äusseren Rand und die Spitze zu viel weniger ausgeprägt (vgl. Fig. 4 
und 5). Die Schneidezähne des Oberkiefers waren also , trotz der geringen Altersverschiedenheit zwischen 
Jenen beiden Individuen und diesem Thiere, weniger concav ausgeschliffen. 



Zur Kennbniss der Wirbelthiere aus den Mtocänschichten von Eibiswald. 46 

Ob dasselbe kleine innere Schneidezähne besasS; lässt sich nicht mit Sicherheit entscheiden. Die 
Spur einer Alveole ist nicht deutlich genug. 

Mit A. incüivum lässt sich der beschriebene Schneidezahn hinsichtlich der Dimensionen nicht verglei- 
chen. Abgesehen davon, dass er kanm die halbe Länge hatte , ist anch seine Wurzel , den kleinsten Exem- 
plaren von Eppelsheim gegenüber , noch schmächtig zu nennen. Von A. gannatenae haben wir ttber diesen 
Zahn keine verlässliche Auskunft. Wollten wir den Abbildungen von Blainville, pl. XII „Eppelsheim" und 
„Auvergne** vertrauen, welches letztbezeichnete Kieferstück Duvernoy selbst (1. c. pl. VII, Fig. 3) als von 
Randan , und von einem (vgl. p. 9) wesentlich abweichenden Thiere stammend angibt , so würde diese Art 
überaus stark bewurzelte und lange Incisiven gehabt haben, wogegen unser Exemplar auf eine der schwäch- 
sten Incisivformen des tetradactylen Typus hinweist. 

Diesen Charakter verleugnet auch der grosse isolirt gefundene Schneidezahn nicht, dessen Fund ich 
oben (Seite 12) anzeigte. Er bildet einen Bogen von mehr als 0*200 Länge, welchem eine 0-180 lange 
Sehne entspricht. Von letzterer entfallen 0-071 auf die Krone , deren Wurzelrand kaum 0*029 im Quer- 
durchmesser ausmacht. Ihre Form entspricht , von der mehreren Verlängerung abgesehen , genau dem viel 
kleineren Zahne des beschriebenen Kiefers. Die an ihm nur angedeutete Sehranbendrchnng ist hier sehr 
auffallend und beträgt nicht weniger als die Hälfte eines Umganges. Die Abkanungsfläche ist das in die Länge 
gezogene Abbild der vorigen. Beide Zähne, gegeneinander gehalten, können nicht wohl einen anderen als 
den Sexual- und zugleich Altersunterschied der Individuen ausdrücken. 

Das Individuum , von dem die oben beschriebenen Reste des Oberkiefers herrühren, hatte kein 
hohes Alter. Sein Prämolar 4 hat eine fast quadratische Basis. Auch war die Abkauung an ihm und an dem 
Überbleibsel von Molar I noch nicht weit gediehen. 

Ungleich grösser und wohl auch älter war trotz der Erhaltung seines ersten Backenzahnes das Thier, 
dessen Unterkiefer ich soeben beschrieb. Sein siebenter Backenzahn hatte bereits durch längere Zeit 
functionirt. Nichtsdestoweniger scheint mir die Annahme nicht allzu gewagt , dass beiderlei Reste Thieren 
derselben Art angehören , und ich finde eine Stütze dafür in dem Umstände , dass sie zu sehr verschie- 
denen Zeiten und an entlegenen Stellen als die einzigen vom tetradactyleu Typus gefunden wurden , gegen- 
über einer grösseren Anzahl von Schädel- und Zahnresten des tridactylen Nashorns , die eben so von Fun- 
den , dem Orte und der Zeit nach weit auseinander liegend , 4ierstammen. Allem Anscheine nach waren 
beide Gruppen nur durch je eine Art in dieser Gegend vertreten. Eine wesentlichere Unterstützung obiger 
Annahme liefert mir ein anderer aus der Kohle von Gloggnitz stammender Fossilrest, von dem weiter unten 
die Rede sein wird. 

Fassen wir das wichtigste , was uns die Untersuchung der Reste des Acerathertum-Krüg^xi Thieres 
gelehrt hat, inline, freilich höchst lückenhafte und zum Theile hypothetische Charakteristik zusammen, 
so ergeben sich etwa folgende Sätze : 

1. Die Nasenbeine sind lang, gerade, mit sehr geringer Wölbung gegen die Stirnbeine hin, mit einem 
stumpfen Mittelkiel und abgerundetem äusseren Rande versehen. Ob ein schwaches Hörn vorhanden war, 
ist zweifelhaft. 

2. Der Nasenausschnitt (ichancrure nasale) hat oben einen beinahe rechten Winkel, nach Art 
des A, gannatenae Duv. 

3. Der vordere (untere) Augenhöhlenrand bildet einen engen Bogen und geht nicht in gerader 
Linie, wie bei der genannten Species, sondern mittelst eines flachen Höckers in den Jochbogen ttber. 

4. Die Backenzähne des Oberkiefers sind mit einem ausgezeichneten Basalwulst (Bourrelet) 
versehen. Die Hauptfalten (crochets, plis), die von ihren beiden Abtheilungen gegen die Mittelhöhle vorsprin- 
gen, nähern sich einander so stark, dass sie in Folge der Abkauung frühzeitig verschmelzen. 

5. Die Backenzähne des Unterkiefers sind relativ stärker als die von A. incüivum Kaup und 
A. typus Duv. Der letzte von ihnen hat eine Andeutung des Basalwulstes , der bei A. gannatenae an allen 
Zähnen vollkommen entwickelt ist. 



46 Karl F. Peters. 

6, Die Symphyse des Unterkiefers ist kurz; sein horizontaler Ast am letzten Backenzahne (wie bei A. 
tfunsivum) nur um 19 Millim. höher als am zweiten Backenzahne, und verschmälert sich von da an allmählig. 
Sein abgerundeter Winkel hat einen scharfen Rand. 

7. Die äusseren Schneidezähne des Unterkiefers sind bei weitem schwächer als die von A. ineütvum, 
die inneren unbekannt« 

Daraus glaube ich folgern zu dürfen , was schon an verschiedenen Stellen der Beschreibung angedeutet 
wurde , dass diese Reste von einem tetradactylen Rhinoceros herrühren , welches sowohl von AcercUhertum 
incisivum Kp., als auch von A. gannateme Duv. verschieden war, dass es jedoch der letztgenannten, älter 
miocänen Form in wesentlichen Eigenschaften näher steht , als dem Typus von Eppelsbeim. Da von einer 
Vereinigung mit anderen auf Grundlage von mehr oder weniger ausreichenden Skelettheilen als selbstständig 
benannten Typen nicht wohl die Rede sein kann , so sehe ich mich genöthigt , die hier beschriebenen Reste 
zum Gebrauche in der Stratigraphie mit einem Namen zu belegen , und da sie dem ersten fossilen Nashorn 
angehören , welches mit einigem Anspruch auf Selbstständigkeit in unseren Miocänablagerungen erscheint, 
nenne ich es 

itJklftocero« otMftrtoetw m. 

Ohne den hohen Werth der Zusammenfassung der wirklich hornlosen tetradactylen Rhinoceroten und 
jener, die mit ihnen in Knochen- und Zahuformen grosse Ähnlichkeit haben, als Sippe Aceraihertum zu ver- 
kennen, glaube ich die Gefahr einer möglichen Contradictio in termino mehr als die Unbequemlichkeit der 
Umschreibung meiden zu sollen *). 

Ich würde von der Richtung dieser Arbeit abirren , wenn ich auf eine umständliche Erörterung der Rhi- 
nocerosreste anderer österreichischer Miocänablagerungen eingehen wollte. Doch möchte ich einige Bemer- 
kungen, wie sie sich mir im Laufe der Untersuchung dieser Localfauna aufdrängten, nicht völlig unter- 
drücken. 

1. Zunächst hebe ich hervor, dass der als neu beschriebene Rhinocerostypus auch in der Braunkohle 
von Gloggnitz und von Leiding bei Pitten (Nieder-Osterreich) gefunden wurde, die als eines der limni- 
schen Randgebilde des niederösterreichischen (alpinen Wiener) Beckens schon vor langer Zeit für älter 
als die marine Beckenausflillung erkannt teurde , und mehrere zur „Fauna von Sansan^ gehörige Reste 
geliefert hat. 

Das kaiserl. Hof-Mineraliencabinet erhielt von da vor Jahren einen Unterkieferrest von einem jun- 
gen Thiere , der , obgleich in der Knochensubstanz sehr mangelhaft , doch zur Beurtheilung der Art genügt. 
Nebst dem in der Alveole sitzenden Stumpf des (grossen) Schneidezahnes sind die Prämolaren 2 und 3 voll- 
kommen, 4 und 5 im Wurzeltheil erhalten. Die oben besprochene Spur des Basalwulstes ist^an diesen Zäh- 
nen deutlicher ausgesprochen , wie an den Zähnen von Eibiswald , doch vom „Bourrelet", wie es dem Ace- 
rathertum gannatense eigen ist, noch weit entfernt Ihre Formen nnd die relativen Höhen des horizontalen 
Kieferastes, dessen Ränder bis gegen den letzten Backenzahn hin deutlich ausgeprägt sind, stimmen mit den 



I) Ich komme erst hier auf die ^<?eraM^um-artigen Zähne von Georgen sm und zurück. Als sehr wahrscheinlich glaube 
ich hinstellen zu dürfen, dass die von Herrn H. v. Meyer in seiner classischen Abhandlung Taf. IV, Fig. 30, 32 u. 33 
abgebildeten Backenzähne des Unterkiefers, deren Wulst an der äusseren Fläche der Wurzeln viel zu nahe ge- 
rückt ist, um die Art dem Aeeratherium ffannatense zuzuweisen, und der Schneidezahn Taf. III, Fig. 23, so wie auch 
der letzte Mahl zahn des Oberkiefers Taf. VI, Fig. 50 zu der oben benannten Art gehören, vielleicht auch die 
Prämolaren Taf. V, Fig. 39—43. Dagegen muss ich völlig unberührt lassen, welcher tetractylen (?) Form die 
Backenzähne des Oberkiefers Taf. VI, Fig. 48 beizurechnen sind, indem über den morphologischen Werth der „Dornen^ 
an der Basis im Eingang der Mittelhöhlnng, wie einer dieser Zähne einen solchen besitzt, in Beziehung auf Art, Race 
und Geschlecht noch allzu wenig Beobachtungen vorliegen. Die Khinocerosreste von Elgg betreffend, möchte es kaum 
zu bezweifeln sein, dass die von Schinz (Schweizer Denkschriften, I, 2, Taf. II, Fig. 1 abgebildete Zahnreihe einem 
von Bh. austriacuB nicht verschiedenen Thiere angehörte, wogegen der Zahn 1. c. Fig. 2 auf einen grossen Tridactylen 
hinweist 



Zur Kenntnüs der Wirbelihiere aus den MiocänscJuchten von Eibiswald. 47 

Charakteren obiger Art genau ttberein. Die Dimensionen entsprechen der noch sehr geringen Abkauung der 
vorderen (der zweiten Dentition angehangen) Zähne. 

Gleichzeitig mit diesem Exemplare ist dem Museum unter einer grösseren Anzahl unvollständiger Zahn- 
reste vom Oberkiefer eines älteren Thieres ein ausgezeichneter Prämolar 3 zugekommen ^ der mit dem oben 
beschriebenen in jeder Beziehung ident ist. Sein innerer Basalwulst mag etwas stärker sein und vermittelt in 
dieser Beziehung den Eibiswalder Rest mit dem oben bezeichneten Zahne von Oeorgensmtind. (Schaustellung 
und Ladensammlung im kais. Hof-Mineraliencabinete.) 

Der bei Leidin g gefundene Rest besteht in einem unteren Schneidezahne , der mehr abgekaut ist als 
der oben beschriebene ; im Übrigen aber auf das genaueste mit ihm übereinstimmt. (Museum der k. k. geol. 
Reichsanstalt. Wiener Becken. Schausammlnng.) 

2. Aus der Braunkohle von Petrick in der Banater Landschaft Almas stammt ein Unterkiefersttlck mit zwei 
Backenzähnen, die durch ihre Grösse und ihren ausgezeichnet creneliilen Wulst mit Aceratherium gannatenae 
Duv. (Blainville 1. c. pl. XII, Auvergne) vollkommen übereinstimmen. 

3. In den Ablagerungen der unteren marinen und der sarmatischen Stufe ^) herrschen folgende 
Rhinocerosarten : 

aj Rhmoceros Schleiemtacheri KsiVif, 
Manche Abänderungen , die Ausbilduug einzelner Basilarhöcker und Zapfen (;,Dornen^) , wohl auch 
kleine Schwankungen in der Form des Eronenfortsatzes betreffend, machen sich kenntlich, ohne auf eine von 
beiden Stufen beschränkt zu sein. Bislang wurden, mit Ausnahme eines bedeutenden Oberkiefers von der 
Türkenschanze bei Wien, dessen vierter Backenzahn einzig und allein mit einem starken Zapfen versehen ist, 
nur Unterkiefer und vereinzelte Zähne gefunden. 

bj AoercUhertum tncMvum Raup var. 
Starke Kiefer mit aufrechtem Aste, aber einem mehr dicken, nicht ganz gleichmässig hohen und mehr 
allmählig zum Alveolarrand der Schneidezähne aufsteigenden horizontalen Theile ; auch Oberkieferzähne von 
massigen Dimensionen. 

cj An einem einzigen Punkte , in dem zerreiblichen weissen Miocänkalkstein von G o e s s am Neusiedler 
See, der mit dem älteren „Leithakalk^ unmittelbar zusammenhängt, wurde ein ausgezeichneter Mahlzahn von 
Rhmoceros megarhinua Christ. (Typas von Montpellier) und ein damit übereinstimmender Backenzahn 
des Unterkiefers gefunden. 

4. Aus der obersten Abtheilung unserer Tertiärbildung, der sogenannten Süsswasser-oderConge- 
rien stufe (Tegel von Inzersdorf, Sand vom Belvedere und vielen ihnen gleichzustellenden Ablagerungen in 
Österreich, Mähren, Steiermark und Ungarn) kennen wir nur den echten Eppelsheimer Typus von Acerathe- 
rium inciaivum Kaup, in der Regel durch Exemplare von massiger Grösse, aber auch durch Exemplare ver- 
treten, die den grössten von Eppelsheim gleichkommen. Derselben Art (aber einem grösseren Individuum) 
gehören wohl auch die Unterkieferzähne von Baltavar im Ödenburger Bezirke an , und der von Gaudry 
i(l. c. pl. XXX, flg. 6) beschriebene Unterkiefer von Pikermi. Von dem in Pikermi herrschenden afrikani- 
schen Typus Kh. pachygnathus Gaudry ist in unseren Ländern bislang keine Spur beobachtet worden. 

Wohl aber hat die Höhle von Cosina bei Matteria im Triestiner Karst einen noch sehr wenig abgekauten 
Mahlzahn geliefert, den H. v. Meyer (N. Jahrbuch, 1860, p. 557) auf ÄA. hemitoechua Falc. bezog, der 
nur aber (nach einer von Suess mitgetheilten Zeichnung) mit dem (von Rh. megarhinua so wenig verschie- 
denen) Rh. leptodon Cuv. aus dem Arnothale mehr tibereinzustimmen scheint. Sollte diese Ansicht durch 
künftige Funde bestätigt werden , so wäre damit erwiesen , dass eines der wichtigsten Glieder der jüngsten 
Tertiärfauna von Mittelitalien unserem Earstgebiete nicht fremd blieb. 

In den weit verbreiteten Diluvialablagerungen (Löss, Sand, Kalktuff u. s. w.) der österreichisch-ungari- 
schen Länder wurde bislang allenthalben nur Rh. antiquitatia Blumenb., das ist Rh. tiohorhinua, gefunden. 



») SuesB, in den Sitzungsberichten der kais. Akademie der WissenBch. LIV, S. 87, 218, 



48 Karl F. Peters. 

Diese wenigen Andeutungen, die ich hier anzufügen mir erlaubte , mögen als das Ergebniss einer Vor- 
arbeit zu künftigen genauen und mit einem reichlicheren Materiale anzustellenden Untersuchungen über die 
Rhinocerosreste der känozoischen Gebilde Österreichs angesehen werden. Vorerst handelt es sich in dieser 
Schrift nur darum , durch Darstellung der Wirbelthierreste von Eibiswald einen Anhaltspunkt zur Beurthei- 
lung der Fauna zu gewinnen, die in den isolirten Bandgebilden unserer Beckenräume vertreten ist, und der 
ausgedehnten ErftUlung derselben mit marinen Ablagerungen zum Theil voranging, zum Theil sie begleitete. 

ANCHITHERIUM H. v. Meyer (N. Jahrbuch 1844, p. 298). 
AncMtherium auveUanense Cuv. sp. 

Taf. III, Fig. 6, 7. 

Cuvier, Palaeotherium aureltanense^ Ossem. foss. III, p. 254, pl. LXVIII. fig. 2—12. 

H. V. Meyer, Palaeotherium aureltanenae, Die fossilen Zahne und Knochen von Georgensmflnd, 1834, S. 80, Taf. VII u. VIII. 

Blainviile, Ostöogn^aphie, Palaeothenwn, p. 75, pl. 7. 

L artet, Palaeotherium hippoideSf Lart. Notice sur la colline de Sansan, p. SO. 

Gervais, Anehitherium, Zool. et Paläontologie frangaise, 2. 6dit. p. 84. 

Sness, Anchitherium aurelianenee von Eibiswald, Verhandl. d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1867, S. 7, 0. 

Beste von diesem Thiere haben zur richtigen Auffassung des geologischen Alters einzelner österreichi- 
scher Miocängebilde bereits gute Dienste geleistet ; wir sind desshalb Herrn Melling um so mehr zu Dank 
verpflichtet , dass er von der Bezahnung eines in der Eibiswalder Kohle (St. Barbara) eingebetteten , völlig 
durchweichten Schädels nebst einer nicht geringen Anzahl von Zahnfragmenten einige trefSich erhaltene Zähne 
gerettet hat. (M. S. 60—68). 

Das Thier war, wie Melling in seinen die Sammlung begleitenden Aufzeichnungen vollkommen richtig 
auseinandersetzte, in der zweiten Dentition begriffen. Es liegen uns desshalb zum Theil Eeimzähne vor, von 
denen mehrere noch tief im Knochen Stacken , zum Theil Fragmente von stark abgekauten Milchzähnen. 
Einer der ersteren (Prämolar 4) hatte bereits eine kurze Zeit lang functionirt und eine leichte Abkauung 
seiner hervorragenden Kanten erlitten, ein anderer (Molar I?) war kürzlich durchgebrochen. 

H. V. Meyer's vortreffliche Darstellung der Beste , die von diesem Thiere bei Georgensmünd so reich- 
lich vorkamen, setzt mich in die Lage, nicht nur die von S u e s s gegebene Bestimmung in den Einzelnheiten 
aufrecht zu erhalten, sondern auch die Position einiger Zähne ziemlich genau zu bestimmen. Zugleich 
machen v. Meyer's gelungene Abbildungen eine neuerliche Darstellung der complicirten Zahnsculptur über- 
flüssig. 

Ich gebe hier (Taf. III, Fig. 6) zur Verständigung Über die Species nur die Abbildung jenes Backenzah- 
nes, den ich für den vierten Prämolar halte, und der mit dem von H. v. Mey er (1. c. Taf. VIII, Fig. 66) dar- 
gestellten grösseren Zahn übereinstimmt, aber der anderen Seite angehört. 

Unter den Eibiswalder Resten befindet sich auch ein Eckzahn, der hart an den besprochenen Üb er-i 
bleibseln des Schädels aus der Kohle gelöst wurde (Taf. III, Fig. 7). Es haftet ein Stück Knochen daran mit 
einem kleinen Stück von einem freien Bande und mit einer von Bruchrändern begrenzten Verdickung. Letz- 
tere glaube ich fllr einen Theil der Symphyse, das übrige Plättchen für einen Überrest von der inneren 
Alveolarplatte des horizontalen Kieferastes , den Zahn somit für einen unteren Eckzahn halten zu müssen. 
Derselbe hat im Wurzel- und Kronentheil einen unsymmetrisch ovalen , stark zusammengedrückten Quer- 
schnitt, in der Wurzel eine einfache bogenförmige, in der Krone eine doppelte, zugleich einwärts gerichtete 
Krümmung , welche letztere eine starke Abweichung der Krone aus der Verticalebene des Wurzelbogens be- 
dingt. Einem scharf schneidigen, nach meiner Auffassung nach hinten und oben gerichteten Bande (Fig. 7 a) 
steht ein stumpfer, aber von innen her etwas zugeschärfter vorderer (unterer) Band gegenüber, der sich stark 
krümmt , um mit ersterem eine — leider abgebrochene — schneidige Spitze zu bilden. Die äussere Fläche 
ist im Wurzeltheil doppelt gefurcht, in der Krone gleichmässig glatt (Fig. 7 b). Die innere Fläche der Krone 



Zur Kenntniss der Wirbelthtere atis den Mtocänschichten von Eibiswald. 4 9 

hat ausser jener Zuschärfiingsfläche (am nnteren Rande) eine starke Abschleifung ihrer grössten Convexität, 
wie der entgegenwirkende (obere) Eckzahn sie hervorbringen musste. 

Was den Charakter dieses Zahnes betrifft, so stimmt er mit dem von H. v. Meyer ftlr den Canin des 
Oberkiefers gehaltenen Rest von Georgensmünd (1. c. Taf. VIII, Fig. 68) im Allgemeinen überein , ist aber 
bei weitem länger und schmächtiger. 

Unter den reichlichen Zahn- und Knoohenresten das P. hippotdes Lart. von Sansan (vgl. Blainville 
1. c.) sind Eckzähne nicht bekannt ; eben so wenig von anderen Arten aus Frankreich , deren Reste unter 
besonderen Speciesnamen aufgeführt werden (Gervais 1. c). Die Zähne von echten Paläotherien sind trotz 
sichtlicher Verwandtschaft bei weitem mehr konisch zugespitzt und vom Suinentypns im selben Maasse ent- 
fernt , als der Zahn von Eibiswald und der von Georgensmünd sich demselben nähert. Gleichwohl hat ihre 
Einfügung im Unterkiefer eine grosse Ähnlichkeit mit der Stellung , die ich dem besprochenen Zahne 
anweise. 

Allerdings ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen; dass er von einem anderen Thiere herrührte als die 
Oberkieferzähne, doch halte ich es nicht fUr wahrscheinlich und glaube durch ihn eine wesentliche Lücke in 
unserer Kenntniss von der Bezahnung des Anchühertum aurelianense ausfüllen zu dürfen. 

Schliesslich bringe ich in Erinnerung, dass Reste von diesem Dickhäuter auch in der Kohle von Tu man 
bei Ailenz in Steiermark und in dem Flötze von Lei ding bei Pitten gefunden wurden, so wie sie auch den 
älteren marinen und den sarmatischen Ablagerungen der inneren Backenränme nicht fehlen. Das merk- 
würdige kleine Thier , welches in so vielfacher Beziehung an die herrschenden Typen der alten Tertiärfauna 
erinnert , hat demnach mit grosser Ausdauer lange Zeiträume hindurch die Festlandpartien unserer Breiten 
bewohnt. 



Ltfiiktrhriften '1er mailivin.-uarurw. Ci. X>LX. Hd. 



Erklärung der Abbildungen auf Tafel I. 

• 

Fi^. 1, in V4 der natürlichen Grösse. Ein von der Seite zusammengedrückter Schädel von Rhinoeero» Sanaaniensis 
Lartet. 
e Proeeaaua eondyloideus. m Maatoideum. t Proeesstu temporo-fflenoidalis. h 0% baatlare. pt Procesaua ey^omctticua, z Oa 
»ygomatieum. l Proeeaaua (Tübereulum) laerymaZ, en^ «In' Margo ineiauras ntualia, nf Sutura naao-frofUalia, Die 
Fläche oberhalb von en und aussen von e'n' ist die untere (innere) Fläche der in ml verschmolzenen Nasen- 
beine, die durch die Quetschung umgewendet sind, r bezeichnet einen Theil des freien Randes von der abge- 
wendeten Seite, der gegen ml zur (fehlenden) Spitze convergirt. Zwischen ml und x und ober nf befinden sich 
krankhafte ^nochenwucherungen. Die Zahnreihe enthält die Molaren III, II, I und die Prämolaren 4, 3 der ab- 
gewendeten Seite; weiter vorne erscheinen die Prämolaren 3, 2, 1 der zugewendeten Seite. 

„ 2, in V4 der natürlichen Grösse. Ein im Hinterhaupt schief von unten nach oben zerquetschter, im Oberkiefer-Nasen- 
theil seitlich zusammengedrückter Schädel derselben Art. Der Unterkiefer ist durch Bruch von der Knochen- 
masse des Schädels losgelöst. Seine Backenzahnreihe der zugewendeten Seite ist von 2 bis III vollzählig. Von 
der abgewendeten Seite wurde absichtlich nur Prämolar 1 gezeichnet. — /bedeutet Fovea glenoidalt'a, pz den 
eigenthümlich zurückgestauten Proeeattia zygomaiieua dieser Seite, y bezeichnet die stärkste, zum Gclenksfortsatz 
des Unterkiefers aufsteigende Knochensäule des Ramua Mcendena ; %a den äusseren Schneidezahn dieser Seite ; 
ifi Stümpfe des inneren Schneidezahnpaares. Links von ix verläuft die obliterirte Naht zwischen dem Oa inter- 
maxUlare und dem Oberkiefer. Die übrigen Buchstaben wie oben. 

„ 3. Oberer Schneidezahn vom Schädel Fig. 2; a Ansicht der Kaufläche, b Ansicht der äusseren Fläche. 

„ 4. Zwei Ansichten eines äusseren (hinteren) Schneidezahnes vom selben Schädel. 



Pfirrs l'il.isw;,l.l 111 



DnikKrhrjfK'ii .1 b .Ik.'.il il Ki.v 



1- n XXX. Bd i«iia. 






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Erklärung, der Abbildungen auf Tafel ü. 

Fig 1. Ansicht der zwei letzten Mahlzähne (a Molar III, h Molar 11) des Oberkiefers von Rhinoeeroa Sansanten- 
89 a Lart. von innen and unten gesehen. 

„ 2. Die Kaa fläche zweier Vor der mahl zahne, a des zweiten, b des dritten, von demselben Nashorn. 

„ 3. Ansicht dieser beiden Zähne von innen. 

„ 4. Ansicht der Kaufläche des (rechten) Schneidezahnes vom Unterkiefer (Taf. I, Fig. 2). 

., 5. Derselbe Schneidezahn mit ganzer Wurzel von einem stärkeren Thiere (Steieregg). 

.„ 6, in % ^^i* natürlichen Grösse. Schädelrest von Bhinocerot (AcercaherivmJ auatriacu» Peters. Im Oberkiefer 
haften die Prämolaren 2, 3, 4. Vom Nasenausschnitt en ist ein grosser Theil des oberen und hinteren Randes 
erhalteo; bei r eine feine Rauhigkeit, möglicherweise die äusserste Zone eines Hornansatzes. an Nasen- 
beinvereinigung, zugleich symmetrische Bruchlinie. «/ Sutura n<uo fronOUit. tb Tuber »ygomaticua. 

„ 7. Ansicht der Kauflächen obiger Vordermahlzähne, ihre innere Fläche nach unten gewendet. 

„ 8. Ansicht der äusseren Hälfte der Kaufläche des Molar I. 

„ 9. Der äussere Schneidezahn des Unterkiefers von einem Thiere derselben Art (vgl. Taf. III, Fig. 3), a von der 
äusseren Seite, b von der hinteren (oberen) Seite (Kaufläche) gesehen. 



Denkschriften der mattaem.-naturw. Ol. X^X. Bd. 



Pftfrs,Kiliis-w.ilii.]II 



rjUKd tl.:- 5.iU Iirl, 

LenkschriftHi d k Aknd il Wssciisili niatb nnturw Cl XXX Bd ISfill 



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Erklärung der Abbildungen auf Tafel m. 

Fig. 1. Der letzte Unterkieferbackenzahn (Molar III) von Rhinoceroa Sansanienaia Lart. ; a Ansicht der Kau - 

fläche, b der äusseren Fläche. 

» 

f, 2. Der zweite und der erste Backenzahn des Unterkiefers (Prämolar 2 und l) Vom selben Thiere; a deren Rau- 
fläche, b äussere Fläche. 

„ 3, in V4 d^i* natürlichen Grösse. Ein Unterkiefer von BhinoeeroB ("Äcerath.j austriaeua Peters. Bei 1 ist der 
in der Alveole steckende Wnrzelstumpf des (äusseren) Schneidezahnes sichtbar; bei at erscheinen die Insertions- 
zacken ftir den inneren Kaumuskel rM. pterygoideua im.) ; die Zähne sind durch Zahlen bezeichnet. 

„ 4. Der letzte Backenzahn dieses Kiefers (Molar III), b die Kaufläche, a die äussere Fläche. 

^ 5. Der zweite und erste Backenzahn desselben CPrämolar 2 und 1), a und b wie in Fig. 4. 

n 6. Ein mittlerer Backenzahn des Oberkiefers (Prämolar 4) von Anehitherium aurelianenae Cuv. sp.; a die äussere» 
e die vordere, b die Kau-Fläche. 

„ 7. Ein Eckzahn des Unterkiefers (?), a von hinten und oben, b von aussen gesehen, isolirt, aber hart am Ober- 
kiefer desselben Thieres gefunden. 

Alle nicht mit einem anderen Fundorte bezeichneten Exemplare von Tafel I III stammen aus der Kohle von Eibis- 
wald. 






Denkichrirteii der mftthem.-natnrw. Cl. XXX. Bd 



h-liTH, Ritiiirw-ilil.IIl. 



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il..Ji(tNi4iriri..(i<lrrkiiiH. Ak;..l d.W. .ii.illi.ii^ifiii'w.Cl.XKX. B(l,l«fia. 



Zweite Abtheilung. 



Abhandlungen von Nicht-Mitgliedern der Akademie. 



HU 29 Tafeh u«l 1 laass-tabelle. 



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Zweite Abtheilung. 



Abhandlungen von Nicht-Mitgliedern der Akademie. 



Mit 29 Tafeh oil 1 laass-tabelle. 



DIE 



FAUNA DER SCHICHTEN VON ST. CASSIÄN 



EIN BEITBA& ZUR PiliOlSITOIiO&n! DER JLLPIHEir TRIAS. 

BBABBEITET ZUNÄCHST NACH DEN HATESIALIEN DBB K. K. 0B0I/06ISCHEN BBI0HSAN8TALT. 

▼OH 

Dk. GUSTAV C. LAUBE. 



IV. ABTHEILUNÖ. 

6ASTB0P0DEN. U. HÄLFTE. 



(V0R6ELE0T IN DBB SITZUNO DBB 1IATHEMATI8CH-NATUBWI86BN8CHAFTLICHBN CLASSB AM 18. FBBBUAB ISM.) 



JM achfolgende Blätter haben die Bestimmung; noch jenen Theil der Gastropodenfanna bekannt zn machen, 
welcher in der vorhergehenden Abtheilnng keinen Platz finden konnte. Ich habe zur Einleitung jener Arbeit 
bereits ein kurzes Resnmöe über den Charakter der Gastropodenfanna vorausgeschickt , worauf ich hier zu- 
rttckweisen will, und brauche wenige Worte diesem Theile voranzuschick^. 

Der im vorhergehenden Abschnitte publicirte Theil der Gastropodenfanna zeigt bisweilen mehr den Cha- 
rakter der Übergangsfauna wie der folgende, der mehr jenen Typus der localen, stationären Gastropoden- 
fanna enthält, gleichwohl aber doch eher in seiner Entwicklung der Typen mehr vorwärts greift, als sich auf 
ältere Mlche zurückfuhren lässt, da die meisten hieher gehörigen Geschlechter ihre besondere Entwicklung 
zur Blttthe erst später, manchmal sogar ziemlich spät erreichen. 

Der Beichthum der Fauna erstreckt sich nunmehr auf etwa 210 Arten, freilich bedeutend weniger als 
Klipstein und Münster zusammen angaben, deren Zahl 360 war. Nun sind mir freilich einzelne Arten 
nicht bekannt geworden , indessen war aber auch die Mehrzahl der Arten nicht zu behalten. Dennoch ist die 
Anzahl der Gastropoden die überwiegende, und das ist von einiger Bedeutung für die Beschaffenheit des 
Terrains von St. Cassian, da es vom Meere überdeckt war. Nach dem Zustande der Fauna zu urtheilen^ war 
der Theil des Trias-Meeres, welcher bei St. Cassian fluthete , in eine seichte ruhige Bucht gedrängt, in wel* 
eher sich eine reiche Uferfauna entwickelte, wie das an tangreichen Buchtstellen unserer heutigen Meere noch 
der Fall ist. Die in den Unterlagen der Schichten von St. Cassian so vielfach vorkommenden Pflanzentrttm- 
mer, die oft an Fucoiden erinnern, lassen diese Vermuthung erstarken. Es sind die vielen kleinen Formen, 
namentlich der Gastropoden , häufig angestaunt worden , aber auch dies ist nichts so Absonderliches , wenn 

DttDktehrlften d«r iiuth«m.-iiatiirw. Ol. XXX. Bd. Abhuidl. tob NiehtmltgUeden. A 



Gustav C. Laube. 



maD erwägt; dass anch grössere Individneii; wenn auch seltener, doch nicht fehlen, und dass auch nnsere 
heutigen Meere vielfach solche Localfannen kleiner Arten beherbergen, besonders da, wo ein etwas stär- 
kerer Salzgehalt sich bemerkbar macht, der das Wachsthum des Individuums wohl etwas hemmt, ohne eine 
Verkümmerung desselben zu bedingen. Wenn wir übrigens, wie ich am Schlüsse der Abhandlung darzuthun 
Gelegenheit haben werde, noch erwägen, dass die Fauna von St. Gassian sich auf mehrere Schichten vertheilt, 
so ist der vielfach angestaunte Reichthum der Schichten kein so übermässiger, selbst wenn sich die Arten im 
Laufe der Zeit noch erheblich vermehren. 

Kritik der Art, des Materiales und der Literatur habe ich redlich geübt, freilich aber wird manchmal 
mein Streben hinter der Wahrheit zurückgeblieben sein. Nun hoffe ich aber, dass solche Mängel nicht so 
gross sein werden , dass sie sich nicht leicht verbessern Hessen , und hiezu bin ich auch gerne bereit, und 
werde gewiss illr jede freundliche Unterstützung hiebei erfahrenen Freunden jederzeit zum Danke ver- 
pflichtet sein. 

Im Anschluss an die schon früher veröffentlichten Arten gruppiren sich die nachstehend beschriebenen 
f olgendermassen : 

GASTROPODA Cuvier. 



. Unterclasse Prosohranchiata M. Edwards. 
I. Ordnung Pectinihranchiata Cuvier. 

I. Unterordnung Froboscidifera H. et A. Adams 

(siehe III. Abth. dieser Abhandlung). 
II. Unterordnung Toxifera Gray. 
Fehlen noch in der Fauna, 
ni. Unterordnung Rostrifera Gray. 
aj Familie Gerühiadae Fleming. 

Genus Cerithium Adanson . . 

h) Familie Lütorinidae Gray. 

Genus Zact^na Tourton . . . 

„ Fosaarus Philippi . . . 

„ Fossartopsts Laube < . 

c) Familie Turritellidae Clarck. 

Genus Tt^rreWZa Lamarck . . . 3 „ 

d) Familie Pileopstdae Chenu. 

Genus Capulus Montfort . . . 3 „ 
ej Familie Neritopaidae Chenu. 

Genus ^ertVop^e« Grateloup . . 2 „ 
II. Ordnung ScutibranchiataCviY.Ql. etA. Adams). 
I. Unterordnung Podophthalma Gray. 
a) Familie Trochtdae Gray. 
Zunft Eutropiinae H. et A. Ad ans. 
Genus Phaaianella Lamarck . . 4 Arten 



14 Arten 

2 „ 

4 „ 
2 „ 



11 Arten 



• • • • 



• • 



1 Art 

6 Arten 
3 , 



14 



• • 



Zunft Turhmae H. et A. Adams. 
Genus Turbo Linnä .... 
Zunft Aairaltnae Ch^uxi, 
Genus Pachypoma Gray 
Zunft Rotellinae S w a i n s o n. 

Genus Rotella Lamarck . . 
-Zunft TrocAz'<iae Swainson. 
Genus De/pAmu^a Lamarck 
„ Delphinulopaia Laube 
„ Trochua Linnö • . . 
„ Monodonta Lamarck 
b) Familie Haltotidae Fleming. 
Genus TVmno^rope'^ Laube . 
II. Unterordnung Edriophthalma Gray. 
aJ Familie Füaureh'dae Risse. 

Genus Emarginula Lamarck . . 
bj Familie Dentalta Rang. 

Genus Dentalium L i n n 6 . . . . 
cj Familie ScutelUdae C^i^nvi. 

Genus Pa^ßZZoiV/eaQuoy et Gaimard 1 Art 
dj Familie Patelh'dae Gray. 
Genus Patella L i n n 6 , 



7J 



1 Art 



3 Arten 



2 Arten 



Im Ganzen 88 Arten. 



Sämmtliche 205 Arten, welche wir in dieser und der vorigen Abtheilung von St. Cassian kennen gelernt 
haben, gehören unter die Gruppe der Prosobranchialen Milne Edwards, und vertheilen sich auf alle Ord- 
nungen und Unterordnungen mit Ausnahme der aus der ersten Ordnung fehlenden Reihe der Toziferen, 
welche erst viel später auftreten. 

Sie zerfallen in 44 Geschlechter und 19 Familien, wovon 8 Familien 22 Geschlechter Proboscidiferen, 
5 Familien 7 Geschlechter Rostriferen, den Pectinibranchiaten , 2 Familien 9 Geschlechter den Podophthal- 



Die Fauna der Schichten von 8t Gassian. 3 

men, 4 Familien 4 Geschlechter Eriophthalma den Scntibranchiaten zufallen. Weitaus Dreiviertheile gehören 
den Pectinibranchiaten an^ 150 Arten; 55 Arten zählen die Scntibranchiaten. 

In den ersteren konunt demnach auch der Mischtypus der Fauna viel vollständiger zum Ausdruck , wäh- 
rend die letzteren weniger in das Gewicht fallen. ' 



Genus CERITHIUM Adanson 1757. 
Cerithium AfberH Münster. 

Tab. XXIX, Fig. 1. 

1841. CentMwn AlherH Münst Beitr. IV, p. 123, Tab. Xm, Fig. 45. 
1841. Turritaia perarmaia Münst Beitx. lY, p. 119, Tab. Xm, Fig. 28. 

1845. Cerithium AlherH Klip St. Östl. Alp. p. 181, Tab. XI, Fig. 81. 

1846. Cerithium graeile Klip st. Östl. Alp. p. 183, Tab. XIL, Fig. 2. 
1848. Cerithium AlherH d'Orb. Prodr. I, p. 196. 

1848. Cerithium iuhgracile d'Orb. Prodr. I, p. 196. 

1848. Chenrnüatia perarmata d*0 rb. Prodr. I, p. 184. 

1852. Cerithium hisertum Gieb. Deutschl. Petref. p. 496 (ex parte). 

1864. Cerithium Alherti Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Beichsanst. p. 410. 

C. testa turrita, anfractibua anguloso-rotundatis, medio nodoso-cartnatts, suturts profundis infra margtnatts, 
apertura elonffata, columella parum recitrvata. 

Schale spitz thurmförmig; Umgänge gerundet^ durch tiefe Nähte von einander getrennt, in der Mitte mit 
einem knotigen Kiel besetzt, welchem am unteren Rande ein anderer schwächerer parallel lauft und gewöhn- 
lich bei den unteren Umgängen ebenfalls schwache Knoten trägt , die durch schräge Rippen mit einander 
verbunden sind. Ein oder noch zwei feinere Spiralstreifen laufen auf der Oberseite des Umganges, während 
auf der Basis zwei den Nahtstreifen gleiche verlaufen. Über die ganze Oberfläche verlaufen sanft nach rück- 
wärts gekrümmte Zuwachslinien. Die Mündung ist schmal und ziemlich lang, die Columelle sehr schwach 
umgebogen. 

Die Arten der Gattung Cerithium , welche im vorliegenden Falle unter einander sehr verwandt sind, so 
dass sie eine eigene Untergattung zu bilden scheinen, lassen sich nach der bisher darüber bestehenden Lite- 
ratur nicht besonders leicht wieder erkennen. Die Abbildungen sind fast gar nicht zu brauchen und der Text 
karg zugemessen. Bei dieser obwaltenden Schwierigkeit habe ich mich mehr an jene Noten gehalten, die 
ich seiner Zeit in München machte, während ich, was mir damals nicht bekannt geworden war, nach 
bester Überzeugung wiedergebe ; sollte irgendwo ein kleiner Verstoss unterlaufen, so wird er leicht zu behe- 
ben sein. 

Die vorliegende Art ist durch ihre tiefen Nähte und den mittleren starken Kiel charakterisirt. Bei jün- 
geren Individuen finden sich zwei oder mehre Binden auf der oberen Seite des Umganges , welche Gruppe 
K 1 i p s t e i n als Var. subcincta unterscheidet. Die zwei anderen beigezogenen Arten gehören , wenn nicht 
hieher, um so sicherer zu C. bisertum Münst. 

Originalexemplar im kais. Hof-Mineraliencabinete. 

Grösse: Höhe 12 Millim., Dicke des letzten Umganges 4*5 Millim. 

R. Spiralwinkel 21'', Nahtwinkel 63"", Zahl der Umgänge 9. 

Cerithium hisertum Münster. 

Tab. XXIX, Fig. 2. 

1841. Cerithium hüertum Münst. Beitr. IV, p. 122, Tab. XIII, Fig. 44. 
?1845. Turrüella iuheanaliculata Klipst. Östl. Alp. p. 177, Tab. XI, Fig. 21. 
1848. Cerithium hisertum d*Orb. Prodr. I, p. 196. 

Ä* 



4 Gustav G. Laube. 

1852. C^riihkm huertum Gieb. DestscfaL Petref. p. 496 z. Till. 

1864. CenUuum hitertum Lbe. Bemerk. imJfthrb. d. geoL Beichs&nst p. 420. 

C. testa tum^, cmfractibua subplania angvloBia , stUurts non profuTtdü dütinctüf oarinis duabu$y quarum 
inferior margine proxima omata. 

Die Gestalt der Schale ist thnnnförmig spitz, die Umgänge sind eckig, doch nicht deutlich gerandet and 
von seichten Nähten getrennt, anf jedem Umgange stehen zwei Kiele, einer in der Mitte, einer dem onteren 
Rande zunächst; ersterer trägt etwas stärkere, letzterer schmälere Knoten, welche durch Bippen yerbunden 
sind, am oberen Rande zuweilen ein schwacher Spiralstreif. Darüber verlaufen schwache, gekrümmte Zu- 
wachsstreifen. Die Basis zeigt in ihrem Verlaufe zwei bis drei weitere Spiralstreifen. 

Der Unterschied der Art von der vorigen liegt in den wenigen gebogenen Umgängen und den zwei Kie- 
len, sonst sind beide Arten nahe mit einander verwandt. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt 

Grösse : Länge 8 Millim., Durchmesser des letzten Umganges 2 - 5 IGIlim. 

R. Spiralwinkel IQ"", Nahtwinkel 60"", Zahl der Umgänge 9. 

Cerithiufn MtbcanceUatuvm HUnster. 

Tab. XXIX, Fig. 3. 

1841. Cerithiwn suheaneellattm Münst. Beitr. IV, p. 123, Tab. XIII, Fig. 46. 

1848. Oerithium wbeaneeUatum d*Orb. Prodr. I, p. 196. 

1862. Canihium $ubeaneellaium Gieb. Dentschl. Petref. p. 496. 

(7. testa turrita, anfractibus bicarinatüy rotundia, BtUuria profundia marffincUis, /acte costäms rectts cancel- 
lata. 

Die Schale ist sehr schlank, spitz thurmftrmig mit eckigen Umgängen, welche oben breit ausgehöhlt, 
unten schmal bauchig sind. Gegen den Unterrand werden sie von zwei fast gleich starken Kielen bedeckt, 
welchen am letzten Umgang an der Basis noch weitere zwei folgen ; auch am oberen Rande des Umganges 
gewahrt man einen Streifen , sämmtliche sind von gleichmässigen Längsrippen geradlinig durchschnitten, 
welche sich auf den Kielen zu kleinen Knötchen erheben und der Schale ein zierlich gegittertes Äusseres 
verleihen. MUndung lang, Columella gerade. Münster's Originalexemplar findet sich in der Mttnchener 
Sammlung nicht, doch glaube ich die Species nach seiner Abbildung und Beschreibung in vorstehend be- 
schriebenen Exemplaren wieder erkannt zu haben. 

Die Art unterscheidet sich durch ihre tiefgehöhlte Oberseite und die beiden stark genäherten Mittelkiele 
von anderen. 

Originalexemplare im kais. Hof-Mineraliencabinete. 

Grösse : Länge 9 * 5 Millim., Durchmesser des letzten Umganges 3 Millim. 

R. Spiralwinkel 20^ Nahtwinkel 65', Zahl der Umgänge 9—10. 

CTerifJkltmt colon Mttnster sp. 

Tab. XXIX, Fig. 4. 

1841. Turritella eolon Münst Beitr. lY, p. 119, Tab. XIII, Fig. 20. 
1845. Turritella Goldfuui Klip st. Östl. Alp. p. 173, Tab. XI, Fig. 4. 
71845. TurnieUa spinota Klip 8 1. Östl. Alp. p. 176, Tab. XI, Fig. 15. 
1848. CeritMum eolon d*Orb. Prodr. I, p. 196. 
1852. Turritella eolon Gieb. Dentschl. Petref. p. 518. 
1864. Turritella eolon Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Beichsanst. p. 411. 

C, testa turrita, anfractibusplania bicarincUts, carinia nodosis, media parte anf r actus subttlissime feneatraia. 

Schale spitz thnrmförmig, Umgänge flach mit zwei knotigen Kielen, von denen der obere schwächer ala 
der untere , nnd welche bis an die beiden Bänder gerttckt sind , so dass hiednrch eine sehr denüiche Naht- 



Die Fauna der Schichien von 8t. Ca^sian. 5 

rinne entsteht. Die Knoten reichen mit sehwachen wolstigen Bippen gegen einander , der freie Raum zwi- 
schen den Kielen ist sehr fein durch Spiral- und Längsstreifen gegittert, Mündung und Basis unbekannt. 

Die vorstehend beschriebene Art ist mir eben so wie Münster nur in Bruchstücken bekannt geworden, 
wesshalb mir ein wesentliches Merkmal zur Fixirung des Geschlechtes, die Mundöffiiung abgeht. Nach der 
grossen Analogie, welche die Art hinsichtlich ihrer Textur mit anderen sicheren Gerithien zeigt, schliesse ich, 
dass sie selbst hieher zu stellen sei. 

Von der ihr sehr nahe verwandten Form C. Koninckeanum unterscheidet sie sich durch die stärkeren 
knotigen Kiele. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geologischen Beichsanstalt. 

Grösse: Fig. 4 a 9 Millim., 4 Umgänge; Fig. 4 & 7 Millim., 5 Umgänge. 

Cerithium BoUnum Münster sp. 

Tab. XXTX, Fig. 6 

1841. Turriteüa Bolina Münst Beitr. IV, p. 118, Tab. Xm, Fig. 11. 

1841. Twrritella troehleata Münst Beitr. IV, p. 118, Tab. XIII, Fig. 12. 

1841. Turbo troehleatut Münst. Beitr. IV, p. 115, Tab. Xu, Fig. 25. 

1848. Chemnitzia Bolina d*Orb. Prodr. I, p. 185. 

1848. Chemmtzia troehleata d'Orb. Prodr. I, p. 185. 

1848. Turho subtroehlsatus d'Orb. Prodr. I, p. 192. 

1852. TurriteUa Bolina 61 eb. Dentschl. Petref. p. 518. 

1862. Turriiella troehleata Gieb. Deutschi. Petref. p. 518. 

1852. Turho troehleatu$ Gieb. DeutschL Petref. p. 524. 

1864. Turrüella Bolina Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Beichsanst. p. 410. 

C testa turritOj anfracttbus anffulosü trtcarinatta , stUurts profundis cUstinctü, bcmcoTwexa sptrcUa^ aper- 
iura anguata dongatay parum recurvata; striia tncrementalibtM curvatia omata. 

Die Schale ist hoch thnrmfbrmig, ans knotigen Umgängen gebildet, welche dnrch tiefe Nähte von ein- 
ander getrennt werden. Auf der Mitte derselben lanft ein starker Kiel , oberhalb dessen die Schale glatt 
bleibt bis an die Naht, wo man einen sehr schwachen verlaafen sieht, nnterhalb des Mittelkiels folgt in eini- 
ger Entfernung ein schwächerer, and in gleichem Abstände diesem wieder ein stärkerer, welcher den unte- 
ren Band des letzten Umganges markirt and an den oberen Umgängen zunächst der Naht steht. Die Basis 
ist gewölbt und mit enger stehenden, nach innen zu feiner werdenden Spiralstreifen bedeckt. Die Oberfläche 
bedecken ausserdem deutliche nach rückwärts gebogene Zuwachsstreifen. Die Mtlndung ist hoch und schmal, 
an der Spitze wenig umgebogen. 

Die Art ist durch ihre vollkommen knotenlosen Kiele von anderen verschieden. Die von Münster 
weiter benannten Arten sind auf solche schlecht erhaltene Exemplare gegründet, dass von ihrem Bestände 
keine Bede sein kann, wesshalb ich sie, so weit sie zu beurtheilen sind , für zunächst mit C. Bolinum iden- 
tisch halte und hier beiziehe. Die schlecht erhaltene Mundöffiiung gab Münster auch Veranlassung zu einer 
irrthümlichen Zeichnung in dieser Bichtung. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geologischen Beichsanstalt und im kais. Hof-Mineralien - 
cabinete. 

Grösse : Länge 14 liGllim., Dicke des letzten Umganges 6 Millim. 

B. Spiralwinkel 21'', Nahtwinkel 59"*, Zahl der Umgänge 9. 



tJerW^iutn BL0Mtnckeanu9H Münster sp. 

Tab. XXTX, Fig. 6. 

1S41. Turriteäa Konindseana Münst. Beitr. lY, p. 121, Tab. Xm, Fig. 30. 

1845. Turrüeaa Könnkdksana Elipst Östl. Alpen, p. 117, Tab. XI, Fig. 80. 

1848. Chemmtzia Koninekeana d*Orb. Prodr. I, p. 186. 

1852. Turritella Koninekeana Gieb. Dentschl. Petre£ p. 518. 

1864. Turriteüa Koninekeana Lbe. Bemerk, im Jahrb. d^geoL BeiohBaaBt p. 411« 



6 Gustav C. Laube, 

C. testa turrita anfrctctihus subplants infra angulosis, suturts profundis diattnctuff cartnts htnts omatis, quo- 
rum inferior nodoaus auperior nodulosus, hasi suhplana, apertura depressa quadrata, parum recurvata. 

Schale spitz thnrmförmig, ans Umgängen gebildet, welche ziemlich eben sind nnd zwei Kiele tragen, 
von denen der obere starke rundliche Knoten trägt. Zwischen diesem nnd dem oberen Rande senkt sich der 
Umgang zu einer tiefen Nahtfurche ein. Die mittlere Partie des Umganges bleibt breit bis zu dem unteren 
Spiralkiel, welcher schwächere Knoten trägt, die durch schwache etwas bogige Rippen mit den früheren zu- 
sammenhängen, gegen die Naht verhält er sich wie der erste, nur fällt der Umgang schwächer ab. Feine 
Spiral- und Zuwachsstreifen bilden auf der Oberfläche eine sehr zierliche Gitterung. Die Basis ist klein, die 
Mündung niedrig, stark vierseitig mit zurttckgekrümmtem Ende, um dieselbe lauft ein massig starker Spi- 
ralkiel. 

Die Art unterscheidet sich durch ihre mehr ebenen Umgänge und die ungleich starken beiden Spiralgänge, 
so wie durch die Rippen, welche mit den Punkten des oberen Kieles Strichpunkt ähnliche Figuren bilden. 

Originalexemplare im kais. Hof-Mineraliencabinete. 

Grl^sse : Länge 1 1 Millim., Durchmesser des letzten Umganges 4 Millim. 

R. Spiralwinkel 19—20% Nahtwinkel 60% Zahl der Umgänge 8. 

Certthtum pygmaeum Münster sp. 

Tab. XXIX, Fig. 7. 

1841. Turrüella pygmaea Münst. Beitr. IV, p. 120, Tab. XIII, Fig. 23. 

1848. Chemnitada pygmaea d'Orb. Prodr. I, p. 185. 

1852. Turritella punctata Gieb. Deutschi. Petref. p. 518 (ex parte). 

1864. Turritella pygmaea Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. ReichBanst. p. 411. 

C teata turrita acutiaaima, anfractibua multia aubplania medio cartna nodoaa fortiaaima margtne aupen'ort 
eadem aubtiliori omatia, auturia profunde tnctais. f Apertura rhomhoidali depreaaa. 

Die Schale ist sehr schlank thurmförmig spitz, mit zahlreichen Umgängen, welche fast ganz flach sind, 
jedoch in der Mitte einen sehr starken mit grossen Knoten besetzten Kiel tragen. Ein ähnlicher, jedoch um 
sehr yiel schwächerer verlauft unter der Naht, und ist mit dem früheren durch schwache Rippen verbunden, 
am Unterrand bemerkt man an dem letzten Umgange noch einen schwachen Spiralleist. Die Oberfläche ist 
mit sehr feinen Gittern, aus Spiral- und Zuwachsstreifen gebildet, bedeckt. Die Basis ist flach. Die Mündung 
an dem vorliegenden Exemplare, leider gebrochen, dürfte niedrig rhomboidal sein. 

Die sehr kleine Art unterscheidet sich durch ihre schlanke Form und den besonders starken mittleren 
Knotenwulst deutlich von allen anderen Arten. 

Originalexemplar im kais. Hof-Mineraliencabinete. 

Grösse : Länge 8 Millim., Dicke des letzten Umganges 2 Millim. 

R. Spiralwiiikel 13"*, Nahtwinkel 6Ü^ Zahl der Umgänge 10. 

CerttMutn nodoso^pticatum Münster sp. 

Tab. XXIX, Fig. 8. 

1841. Turritella nodoeo-plicata Münst. Beitr. IV, p. 122, Tab. XUI, Fig. 39. 

1848. Chemnitzia nodoaa-plieata d*Orb. Prodr. I, p. 186. 

1852. Turritella nodoso-plieata Gieb. Deutschl. Petref. p. 519. 

1864. Turritella nodoao-pliccua Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Reicbsanst. p. 410. 

C, teata elongata turrita y anfractihua aubplania y coatibua recti'a acutia infra fortioribua omatia, svturia prO" 
fundiay apertura elongata^ rhomhoidali, columnella arcuata. 

Die Schale ist spitz thurmförmig, mit zahlreichen flachen Umgängen, auf welchen je acht starke gerade 
oder wenig schiefe Rippen stehen, welche oben schwächer, unten stärker sind, sich am ganzen Gewinde 
regelmässig über einander wiederhohlen , und so dem Gehäuse einen achtseitigen Umriss geben. Die Nähte 



Die Fauna der Schickten von 8t Cassian. 7 

sind tief eingeschnitten, die Basis ist gerundet, die Mttndung rhomboidal mit einer stark seitwärts gebogenen 
Colnmelle. 

Die Art ist durch ihre acht Längsrippen auf den Umgängen so scharf charakterisirt, dass sie mit keiner 
anderen verwechselt werden kann. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt. 

Grösse : Länge 1 1 Millim., Durchmesser des letzten Umganges 3 - 5 Millim. 

B. Spiralwinkel 17**, Nahtwinkel 58**, Zahl der Umgänge 11. 

Cerithiutn decoratum Klip stein sp. 

Tab. XXIX, Fig. 9. 

1845. Turrüella deeorata Klipst. Östl. Alpen, p. 176, Tab. XI, Fig. 12. 
1848. Ceriihium decoratum d'Orb. Prodr. I, p. 196. 
1852. Turritelia deeorata Gieb. Deutschl. Petref. p. 518. 

C. testa turritaj anfractihua subplanis supra carinatis suturis tncisiSj hast plana, btcarthata apertura qua- 
drata, parum recurvata. 

Die Schale ist spitz konisch, aus fast ganz ebenen Umgängen zusammengesetzt Der letzte Umgang 
bildet am unteren Bande einen etwas wulstigen Kiel, welcher an den folgenden Umgängen die eingravirten 
Nähte markirt. Sonst erscheint auf den Umgängen nur ein über der Mitte gelegener schwacher Kiel. Die 
Oberfläche ist sanft durch sehr feine gleichmässige Spiralstreifen verziert, welche wie die Kiele von unregel- 
mässig angeordneten, schwach nach rückwärts gebogenen Zuwachsstreifen bedeckt werden, welche sich je- 
doch zu keinem merklichen Knoten erheben. Die Basis ist flach, mit zwei gleich starken Spiralstreifen. Die 
Mttndung ist quadratisch, die Columella schwach gekrümmt. 

Die Art ähnelt im Allgemeinen dem Cerithmm Konincheanum, ist jedoch durch ihren einzigen knoten- 
freien Kiel hievon unterschieden; durch ihre wenig vertieften Nähte und die feine Gitterung unterscheidet sie 
sich auch von anderen. 

Originalexemplare in der Sammlung des kais. Hof-Mineraliencabinetes. 

Grösse: Länge 9 Millim., Dicke 4*8 Millim. 

B. Spiral Winkel 19^ Nahtwinkel 62 ^ Zahl der Umgänge 8. 

CerUhiutn Brandts Klip stein. 

Tab. XXIX, Fig. 10. 

1845. Cerithium Brandts Klipst. Östl. Alpen, p. 181, Tab. XI, Fig. 20. 

1848. Cerithium JBrandts d'Orb. Prodr. I, p. 107. 

1852. Ceriihium biaertum Gieb. Deutschl. Petret. p. 496 z. Tbl. 

C testa twrrita, anfractibus angulosis medio-carmatis ^ auturis angustüy margtnatiSj dütinctü ; apertura 
breviy facie cancellata. 

Die spitze thurmförmige Schale besteht aus eckigen wenig gewölbten Umgängen , welche durch enge 
tief eingeschnittene Nähte von einander getrennt sind. In der Mitte des Umganges erhebt sich ein scharfer 
Kiel, je ein schwächerer hart am oberen und unteren Bande. Zwischen diesem und dem mittleren schiebt 
sich ein noch feinerer ein. Über sämmtliche verlaufen scharfe Längsrippen, welche sich auf dem mittleren 
Kiele zu Knoten erheben, und sonst der Schale ein sehr zierliches Aussehen verleihen. Auf der Basis ver- 
lauft noch ein Spiralstreifen. Die Mündung ist sehr kurz , die Columelle kaum umgebogen. 

Klipstein's Abbildung zeigt wohl nicht ganz so regelmässige Ornamentik wie das vorliegende Exem- 
plar, doch war dasselbe weniger gut erhalten. Im Übrigen stimmt die Beschreibung sehr genau überein. Es 
unterscheidet sich die Art durch ihre regelmässige Gitterung von den vorhergehenden Arten wesentlich. 

Originalexemplar im kais. Hof-Mineraliencabinete. 



8 Gustav C. Laube. 

Grösse : Länge 7 Millim., Durchmesser des letzten Umganges 2 * 6 Hillüa. 
R. Spiralwinkel 17*", Nahtwinkel 60**, Zahl der Umgänge 8. 

CeritMwn quadrangulatun^ Klip stein. 

Tab. XXIX, Fig. 11. 

1845. Ceritkium guadranffulaium Klip 8 1 Östl. Alp. p. 189, Tab. XI, Fig. 32. 

1848. Ceritkium quadrcmgulaitm d'Orb. Prodr. I^ p. 195. 

1852. Ceritkium quadrangulatum Gieb. Deutscbl. Petref. p. 545. 

(7. testa turrtta, anfracttbus convexia angulosts media parte nodoso-oartnatis, euturis profundü, hast convexa 
acutO'Ctnffulata, costü subrectts parum curvatü aeque dtstanttbfis, apertura rhombotdalt. 

Schale spitz tharmförmig, mit stark convexen Umgängen, welche in der Mitte von einem starken Kiel 
besetzt sind ; am Nahtrande bemerkt man einen schwächeren solchen. Auf der Basis gewahrt man etwa 
vier bis fünf starke gleichmässige Spiralstreifen. Diese , wie auch die Streifen auf der Oberseite der Um- 
gänge werden von starken gleichweit abstehenden, schwach gebogenen Längsrippen durchschnitten , welehe 
sonach die Oberfläche in regelmässige Rechtecke ober dem Mittelkiele und in Bhomben unter diesen ab- 
theilen. 

Durch die deutlich gleichweit abstehenden Längsrippen und die stark gekrttmmten Umgänge ist die Art 
von den übrigen leicht zu unterscheiden. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geol. fieichsanstalt. 

Grösse : Länge 6 Millim., Dicke des letzten Umganges 2 Millim. 

R. Spiralwinkel 25"*, Zahl der Umgänge 7. 

CeritMum ^ubquadrangHlatun% d'Orbigny. 

Tab. XXIX, Fig. 12. 

1845. Turritella guadrangulata Klipst Östl. Alp. p. 175, Tab. XI, Fig. 13. 

1845. Turritella ÄmaZthea Klipst. Östl. Alpen, p. 177, Tab. XI, Fig. 19. 

1848. CeritMum suhquadrangulatum d'Orb. Prodr. I, p. 196. 

1848. Chemnitma Amdlthea d*Orb. Prodr. I, p. 186. 

1852. Turritella colon Gieb. DentBchL Petref. p. 518 (ex parte). 

1852. TurriteUa Ämalthea Gieb. DeutschL Petref. p. 519» 

C. testa turrtta, anfractibus planü recte costatü nodosts, suturü subttltbus tncüta, hast plana, apertura de^ 
pre88a. 

Die Schale ist spitz thurmförmig nnd ans ebenen Umgängen znsanunengesetzt^ welche durch fein einge- 
schnittene Nähte von einander getrennt werden. Sie tragen anf den Umgängen gerade starke Rippen, 
welche fast so weit von einander abstehen, als sie hoch sind; oben nnd nnten am Bande tragen sie einen 
rnndlichen Knoten , der untere ist stärker als der obere. Bei den oberen Umgängen sind die Bippen schärfer 
als am nnteren. Die Basis ist flach nnd ohne Knoten, die Mündung niedrig rhomboidal, die Colnmella wenig 
gebogen. 

Durch ihre sehr flachen Umgänge und die geraden Knotenrippen unterscheidet sich diese Art leicht von 
anderen. Ich glaube, dass die von Klip stein beschriebene Turritella Ämalthea auch hieher gehört, die, 
anf ein offenbar sehr mangelhaftes Bruchstück einer Schnecke gegründet, ohnehin kein Recht zu be- 
stehen hat. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geol. Beichsanstalt. 

Grösse: Höhe 12 Mülim., Dicke 4 Millim. 

Zahl der Umgänge 5, die oberen fehlen. 



Die Fauna der Schickten von 8t. Cassian. 9 

Certthtum fene^tratum Laube. 

Tab. XXX, Fig. X. 

1841. Turrüaia Innodoia Münst. Beitr. IV, p. 120, Tab. Xm, Fig. 2^ 

1848. ChenrnUitia binodosa d*Orb. Prodr. I, p. 185. 

1852. TurrtteUa lnnodo9a Gieb. Deatschl Petref. p. 518. 

1864. Turritella hipunetaia Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Beichsanst. p. 41J. 

C, testa tt^rrüa elongata, anfractibusy angulato roiundaiisy trtcartnatia , cartna media spinulosa prominula^ 
eostibus cartna auperiori inferiorique annexa. Basi suhplana striia spiralibus quinque omatay apertura 
humili, , 

Schale schlank, spitz thurmförmig, mit tiefen Nähten , die Umgänge sind etwas eckig-genmdet und mit 
drei Kielen besetzt. Der mittlere liegt etwas unter der Mitte des Umganges und ist mit stark vorstehenden 
Knoten besetzt, der ihm zunächst stehende untere |st etwas schwächer, ebenfalls knotig, der obere ist dem 
unteren gleich, jedoch mit schwachen Knoten besetzt. Diese selbst werden durch starke gerade Rippen ver- 
einigt, wodurch die Schale ein gefenstertes Aussehen erhSUt. Die Basis ist ein wenig ausgehöhlt und trägt am 
Sande einen starken Spiralkiel, welchem drei schwächere folgen, an die kurze Columelle lehnt sich ein ftnf- 
ter sehr schwacher an. Die Mündung scheint niedrig zu sein. 

Von dieser Species liegt mir leider nur ein Brucbstttck mit nicht wohlerhaltenem Munde vor. Es 
gestattet, zu erkennen, dass die Art von dem sehr verwandten Cerithium Itsertum durch den dritten starken 
Kiel verschieden ist. Die Mündung lässt übrigens auf eine schwach gebogene Columelle schliessen. Da der 
Name C. binodosum, wie die Art nach Münster heissen müsste, bereits vergeben ist, habe ich mich bemüs- 
sigt gesehen, einen neuen Namen dafür einzuführen. 

Originalexemplar in der Sammlung des kais. Hof-Mineraliencabinetes. 

Grösse: Länge 12 Millim., Dicke des letzten Umganges 4-5 Millim. 

Muthmasslicher Spiralwinkel 18*. 

Cerifikifftii pulehellutm Laube. 

Tab. XXX, Fig. 2. 

C testa tunrita hrevi, anfractihus media parte cartna acuta quadrinodosa crnatisy suturis marginatis, striis 
incrementalihus distantibus. 

Die Schale ist kurz thurmfbrmig, mit wenigen Umgängen, welche in der Mitte einen stark vorstehenden 
Kiel tragen und oben und unten von einem schwächeren begrenzt werden. Der mittlere Kiel trägt auf jedem 
Umgang vier starke Knoten, welche an der Schale tegelmässig über einander folgen, so dass das Oehäuse 
vier Längskanten und einen quadratischen Querschnitt erhält. Die Basis ist am Umfange mit einem scharfen 
Kiel und einem schwächeren besetzt. Über die ganze Oberfläche stehen ziemlich weit abstehende gekrümmte 
Zuwachsstreifen. Die Mündung ist kurz. 

Die Art unterscheidet sich durch ihre vier Längskanten und die vier Knoten auf einem Umgange auffal- 
lend von allen anderen. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geologischen Beichsanstalt. 

Grösse: Länge 7 Millim., Dicke des letzten Umganges 3*1 Millim. 

R. Spiralwinkel 20"*, Nahtwinkel 68 ""y Zahl der Umgänge 7. 

Genus LACUNA Turton 1827. 
Mäueuna Branni Wissmann sp. 

Tab. XXX, Fig. 5. 

1S41. Turbo Bronm Wissm. bei Mfinst Beitr. IV, p. 115, Tab. XII, Fig. 29. 
1846. MOania eanUma Klips t Östl. Alpen, p. 198, Tab. Xu, Fig* 86. 

Denkschriften der ]n»Uiem.-ttatiirw. Cl. XXX. Bd. Abhandl. tob Nlehtinitsliedera. b 



10 Gustav G. Laube. 

1848. Ri9$oa Bronni d*Orb. Prodr. I, p. 183. 

1848. Pharianella eassiana d'Orb. Prodr. I, p. 194. 

1852. Turbo Bronni Gieb. Deutschl. Petr. p. 524. 

1852. Melania casuana Gieb. Deutschl. Petref. p. 524. 

1864. Phatianella Bronni Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Reichsanst. p. 410. 

L. testaovataj spira elevata acuta , anfractihus rotundatt's ßexuoco costatis infra aptraltier striatis suturt'a 
bene disttnctt's, umbone profundo^ canahculoso protracto, aperfura ovali elongata. 

Schale eiförmig , sehr spitz , die UmgäDge genmdet , durch deutliche Nähte geschieden , der unterste 
doppelt so hoch als die übrigen zusammen. Auf der Oberfläche bis zur Basis verlaufen starke 5-förmig ge- 
krümmte Längsrippen , welche auf der Unterseite von Spiralstreifen abgelöst werden, deren man drei bis 
vier auf einem Umgange zählt. Die Basis ist gewölbt, die Mündung hoch eiförmig, die Aussenlippe scharf, 
die Innenlippe bildet auf der vorhergehenden Windung eine schwache Callosität und steht dann in einem 
scharfen Rande vor ; dahinten liegt der Nabel. Dieser wird nun durch die vorstehende Innenlippe und ande- 
rerseits durch einen Nabelwulst in einen tiefen canalartigen Fortsatz aufgezogen , welchen die MundöfFnung 
bis an den untern Rand derselben begleitet. 

In Folge der sehr undeutlichen Zeichnung Jbei Münster hat Klipstein die Art als eine neue beschrie- 
ben, und will bei ihm die Entdeckung einer Verdickung des Mundrandes gemacht haben , was ich an keinem 
Exemplare wahrnahm. Vielmehr erscheint die Aussen- wie Innenlippe immer scharf. Das für das Genus La- 
cuTia charakteristische Merkmal der canalförmigen Verlängerung des Nabels hat Münster übersehen, Rlip- 
stein nur angedeutet. In Wirklichkeit ist es aber sehr ausgesprochen vorhanden. 

Man hat zwar das Genus bisher nur aus dem Bereiche der Tertiärablagerungen kennen gelernt, und feh- 
len die Vertreter desselben in den darunter liegenden Systemen noch gänzlich, doch werden sich auch diese 
nachweisen lassen. Die jüngeren Arten, welche durch feine Spiralstreifung ausgezeichnet sind, würden zwar 
im äusseren Habitus etwas abweichen, allein die aus dem älteren Eocen bekannt gewordenen Arten nähern 
sich durch das Auftreten von sichelförmig gebogenen Längsrippen der Art schon sehr. 

Die kleine Schnecke ist eines der bezeichnendsten Fossilien für St. Cassian , da sie besonders häufig 
vorkommt. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geologischen Reichsanstalt. 

Grösse: Höhe 6 Millim., Durchmesser des letzten Umganges 4 Millim. 

R. Spiralwinkel 48 ^ Nahtwinkel 50% Zahl der Umgänge 6. 

Etacuna canaUfera Laube. 

Tab. XXX, Fig. 6. 

Z. testa ovalt) spira elevata acumtnata, anfractihus rotundatia supra canaliculatis, subtilissime striatis^ basi 
convexa, angusto-umbilicatay umbilico haud protractOy apertura rhombea. 

Die Schale ist eiförmig spitz, mit vorstehendem Gewinde, die Umgänge sind gerundet, auf der Ober- 
seite rinnenförmig ausgehöhlt, auf den Seiten spiralgestreift. Die Streifung wird auf den oberen Umgängen 
zu einem starken Kiel, während sie auf dem letzten Umgange gänzlich verschwindet, darüber verlaufen feine 
schwach sichelförmige Zuwachsstreifen. Die Basis ist hoch gewölbt, eng genabelt, der Nabel zwischen Mund 
und Nabelwulst kaum in einen Canal vorgezogen. Die Innenlippe ist breit, die äussere stark ausgebaucht, so 
dass die Mündung etwas rhomboidal ausgezogen wird. 

Die Art hat ein etwas fremdartiges Aussehen, zeigt jedoch den Charakter der Gattung Lacuna. Ich 
stelle die Möglichkeit , dass vorstehende Art der Typus irgend eines neuen Geschlechtes sein könne, nicht 
über alle Zweifel, doch besitze ich dermalen ein einziges Exemplar, welches mich nicht befähigt, irgend 
welche Fixirnngen in dieser Hinsicht vorzunehmen. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geologischen Reichssnstalt. 



Die Fauna der Schichten von 8t. Gassian. 1 1 

Grösse : Höhe 5 * 3 Millim.; Darchmesser des letzten Umganges 4 Millim. 

R. Spiralwinkel ÖO"", Nahtwinkel 56'', Zahl der Umgänge 6. 

« 

Genus FOSSARÜS Philippi 1841. 
Wo99ani» concetifrIcM« Mttnstersp. 

t 

Tab. XXX, Fig. 3. 

1841. NatieeUa eoneentriea Mfinst. Beitr. IV, p. 102, Tab. X, Fig. 23. 

1848. Turbo eoneentrieua d'Orb. Prodr. I, p. 192. 

1852. NaüeeUa eoneentriea Gieb. Deutschl. Petref. p. 649. 

1864. JUeritopM eoneentriea Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Reichsanst. p. 409. 

N. testa fflobosa, aptra vt'x prominente , anfractu ultimo expanso rotundo, ctngulia sptralibus Septem omeUa, 
quorum superiores latvua distanty quam inferiores j apertura magna semtctrculari , umbtlico profundo 
nudo. 

Die Schale ist kngelig^ mit einem wenig vorstehenden Gewinde, der letzte Umgang ist sehr ausgedehnt 
nnd viermal höher als die früheren zusammen. Die Oberfläche desselben trägt sieben Binden , von welchen 

die unteren ftlnf in gleichem Abstände verlaufen , während die oberen ziemlich um das Doppelte von einan- 

•• •• 

der abstehen. Über das ganze Äussere verlaufen feine Zuwachslinien , die in den Thälem besonders scharf 
sind. Die Mündung ist weit halbrund, die Innenlippe schmal, dahinter der tiefe enge Nabel deutlich 
sichtbar. 

Obwohl der Genus Fossarus bisher nur in wenigen und dies in sehr jung fossilen oder lebenden Arten 
bekannt wurde, sehe ich mich dennoch veranlasst, diese und die folgende Art unter dieses Geschlecht auf- 
zunehmen. Vergleicht man die Species mit tertiären, namentlich mit dem etwas grösseren Fossarus costatusy 
so ist die Analogie eine so auffallende , dass man von der Zusammengehörigkeit der Arten in ein Geschlecht 
überzeugt sein muss, und zu diesem Resultate gelangt, muss ich zugleich einen Irrthum berichtigen, womach 
ich bei einer früheren Gelegenheit bezüglich des von Chenu mit Fossarus identificirten Geschlechtes Natt- 
cella dieses geradezu in Abrede stellte. Obwohl nun wirklich die Mehrzahl der von Münster Nattcella ge- 
nannten Arten unter andere Geschlechter entfallen, gehört doch wenigstens dies eine hieher, und sonach ist 
die dort ausgesprochene Äusserung etwas zu modificiren. 

Originalexemplar im kais. Hof-Mineraliencabinete. 

Grösse : Höhe 5 Millim., Durchmesser 8 Millim. 

Zahl der Umgänge 5. « 

JPo9saru9 pprulaefornhis Klip stein sp. 

Tab. XXX, Fig. 4. 

1845. NatieeUa pyrulaeformii Klip st. Östl. Alpen, p. 199, Tab. XTV, Fig. 6. 
1848. Neritoptis pyrtUaeformis d*Orb. Prodr. I, p. 189. 
1852. Naiieella pyrtUaeformit Gieb. Dentschl. Petref. p. 549. 

N. testa depressay spira mx prominente ^ anfractu ultimo inflato supra excavata, cingulis sptralibus acutis 
novem atU decem omato, quorum supremum fortvus magis distat. Apertura semicirculari latUy umbtlico 
angusto. 

Die Schale ist oval, mit einem kaum merklich vorstehenden Gewinde. Der letzte Umgang erweitert sich 
bedeutend, um die Naht ist er flach ausgehöhlt und trägt auf dem Bande eine starke Spiralwulst, auf welche 
wieder eine breitere Furche folgt. Den übrigen Theil der Oberfläche bedecken 7 — 8 scharfe gleichweit von 
einander abstehende Spiralbinden. Die Mündung ist weit und halbrund, der Nabd tief und enge. 

Die Art unterscheidet sich durch das viel kürzere Gewinde und die stark ausgehöhlte Oberseite, so wie 
die grössere Anzahl der Spiralbinden von der früheren Art. Der generische Charakter tritt bei dieser Art 

b» 



12 Gustav G. Laube. 

noch viel mehr hervor, als dies bei der vorhergehenden der Fall war, da die scharf vorstehenden Spiralbän- 
der und die dazwischen sehr deutlich wahrnehmbaren Znwachsstreifen eine ganz besondere Analogie mit 
dem tertiären Fossarus costatus zeigen, so dass zwischen diesen Formen eine innige Verwandtschaft besteht. 

Originalexemplare in der Sammlung Nder k. k. geologischen Reichsanstalt. 

Grösse: Höhe 16-5 Millim., Durchmesser 11 Miilim. 

Zahl der Umgänge 5. 

Genus FOSSARIOPSIS Laube. 

Ch:g. Testa depressa , anfractua lati angulosi, sptra pltcs mtnusve acuta , carina plus minusve tuber culata, 
apertura expansa, ovalts, interne velo calloso angustaia, umbtltcus dectus, xnfra in canalem extractusj fa- 
ctes stdtiltsstme striata fihrosa. 

Die Schale ist niedergedrttckt, die Umgänge breit und mehr kantig, nicht zahlreich, das Gewinde mehr 
oder weniger spitz. Die Kiele sind mehr oder weniger mit Knoten besetzt. Die Mtlndung zeigt eine weite 
verkehrt eiförmige Erweiterung, an der Stelle des Nabels spannt sich eine breite concave Wand aus, welche 
von oben her den Mund einengt und andererseits an der Stelle des Nabels nur eine runde geschlossene 
seichte Grube erkennen lässt. Nach unten verschmälert sich diese Wand in einer auffallenden Weise und ver- 
schwindet in den unteren Mundrand. Innerlich ist sie durch einen schwachen Saum abgegrenzt, nach aussen 
wird sie von einer Schwiele, conform der Nabelschwiele anderer Geschlechter, begrenzt. Die Oberfläche der 
Schale zeigt ganz eigenthümliche gröbere und feinere Zuwachsstreifen, welche der Schale fast das Ansehen 
geben, als sei sie aus feinen Längsfasern zusammengesetzt. 

Dieses neue Geschlecht ist jedenfalls ein dem Genus Fossarus nahe verwandtes, nicht minder kommen 
die Geschlechter Neritopsis und Stomatia als nahe stehende in Betracht. 

Von Fossarus unterscheidet sich das Geschlecht, obwohl es ihm in seinem äusseren Ansehen zunächst 
stehen würde, durch die für dasselbe wesentliche und charakteristische Ausbreitung im inneren Mundwinkel 
und den Mangel eines Nabels. Von Neritopsis unterscheidet es sich durch die Spiralen Kanten nebst jenem 
obigen Merkmale. Von Stomatia endlich durch feine Kanten überhaupt und die viel engere Mundöffnung. 

Zu letzterem Geschlecht hat S topp an i allerdings einige hierher gehörige Formen aus dem Esino ge- 
stellt. (Vgl. Stoppani, Esino, p. 67. Stomatia coronata und St. Cocchii, Tab. 14, Fig. 19—22.) Allem 
offenbar mit Unrecht, da die Form derselben ausser mit der geringen Anzahl der Gewinde gar nichts weiter 
gemein hat, und schon ihre knotigen Kiele die Zugehörigkeit zu Stomatia ausschliessen. 

Vorläufig ist das Geschlecht auf die Trias beschränkt, und zählt ausser den bereits erwähnten Arten aus 
dem Esino noch einige Arten von St. Cassian. Als Typus würde ich Fossariopsis rugoso carinata ansehen. 

Fos9mriop9i9 rugo^O'^cartnaia Klipsteinsp. 

Tab. XXXII, Fig. 2. 



1S45. Naticella rugoso-earincualKlipst. Östl. Alp. p. 198, Tab. XIV, Fig. 2. 

1848. Turbo rugoao-earinatUB d'Orb. Prodr. I, p. 19S. 

1852. Naticella rugoBo-carincUa Gieb. DeutBchl. Petref. p. 549. 



F, testa expansa, apira depressa, anfractibus latis angulosis media parte excavatis, supra infraque nodose- 
carinaiis suturis vix distinctis, apertura semicirculari angusta, laiio excavato minuto. 

Die Schale ist niedrig Natica-föTmigy mit sehr kurzem Gewinde, kaum über einander vorstehenden Um- 
gängen und unscheinbaren Nähten. Der letzte Umgang ist stark verbreitert, die Mitte bildet ein breites fla- 
ches ausgehöhltes Band^ welches oben von einem starken knotigen Kiel umschrieben ist, dem wieder eine 
Depression der Schale bis zum Rande folgt. Die Schale wird auf der Unterseite von drei gleichweit von ein- 
ander abstehenden, schwächeren knotigen Spiralstreifen umgeben, welehen sodann der scharf hervortre- 
tende die Nabelpartie umschreibende Kiel folgt. Die Erweiterung des inneren Mnhdrakides ist sehmäler als 



Die Fauna der Schickten von 8t. Cassian. 13 

* 

bei F. Mänstert, nnd die Nabelgrube enger and tiefer ausgehöhlt. Die Mündung ist halbrund und nicht weit. 
Die Oberfläche mit feinen ungleichen Zuwachsstreifen bedeckt. 

Die Art unterscheidet sich von der früheren durch das niedrige Gewinde und die zahlreicheren Kiele 
auf der Unterseite ^ auch liefert der scharfe die Nabelpartie umschreibende Kiel ein gutes Unterscheidungs- 
merkmal. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geologischen ReichsanstalL 

Grösse: Höhe 7 Millim., Durchmesser 6 Millim. 

Zahl der Umgänge 3 — 4. 

Fo9sariop9i9 IfMunsteri Elipstein sp. 

Tab. XXXm, Fig. 1. 

1S45. Noaiedla Mürutsri Klip 8t Östl. Alpen, p. 198, Tab. Xm, Fig. 18. 

1848. Siomatia Münsieri d'Orb. Prodr. I, p. 194. 

1852. NaHeeUa Münsieri Gieb. Deutschl. Petref. p. 549. 

F, testa elongatay dcuminata sptra elevata acuta y anfracttbus angulost9^ media parte carina nodosa omatis 
8upra planisy infra excavatis, nodosa cingulatis y suturis profundis distinctts, apertura ovalt an</tcsta, 
lahio expansoy labro acuto, facie rugoso striata. 

Die Schale ist verlängert ^ mit einem spitzen vorstehenden Gewinde, die Umgänge sind von einander 
durch tiefe Nähte getrennt und durch einen starken knotigen Kiel in zwei ungleiche Hälften getheilt. Die 
obere kleinere trägt eine Reihe stumpfer Knoten, die untere ist dem Mittelkiel zunächst als ein breites tiefes 
Band ausgehöhlt , dieses von einem schärferen , schwächeren Kiel begrenzt , dem nach kurzem Zwischen- 
räume der Randwulst der Basis folgt, welcher in einem breiten Saume die keilförmig verbreiterte aus- 
gehöhlte Innenlippe umgibt. Die Mündung ist stark verlängert und schmal, die Oberfläche der Schale ist mit 
der erwähnten eigenthümlichen Zuwachsstreifung bedeckt. 

Die Art, von welcher Klip stein eine etwas undeutliche Zeichnung gibt, bei welcher er jedoch ganz 
wohl auf das eigenthtlmliche Verhältniss des inneren Mundrandes aufmerksam macht, ist durch sein spitzes 
Gewinde charakterisirt, welches ihm ein Ansehen gibt, das sehr an Delphinulopsis erinnert. Die Mundseitc 
belehrt jedoch sofort über die richtige Stellung der Art. 

Originalexemplare in der Sammlung des kais. Hof-Mineraliencabinetes und der k. k. geol. ReichsMistalt. 

Grösse : Höhe 9 Millim., Durchmesser 6 Millim. 

Zahl der Umgänge 3. 

Genus TÜRRITELLA Lamarck 1799. 
Vurrtiella carlnata Münster. 

Tab. XXX, Fi^. 7. 

1841. TwrriieUa earinata MünBt. Beitr. IV, p. 118, Tab. XIII, Fig. 9. 
1841. Twritella tulerfera Mtinst. Beitr. IV, p. 119, Tab. XIII, Fig. 16. 
1841. Turriiella tubpunctata Hünst. Beitr. IV, p. 118, Tab. XIII, Fig. 10. 
1841. Turriiella marginodosa Münst Beitr. IV, p. 119, Tab. XIII, Fig.'lS. 
1841. Turriiella nodula$a Mtinst. Beitr. IV, p. 119, Tab. XIII, Fig. 19. 
1846. Turriiella Qayiani Klipst. ÖstL Alp. p. 174, Tab. XI, Fig. 7* 
1846. TurriteUa HehlH Klipst Östl. Alpen, p. 174, Tab. XI, Fig. 10. 
1846. Turriiella Bueklandi Klipst Östl. Alpen, p. 174, Tab. XI, Flg. 6. 
1848. Chemniizia earinata d'Orb. Prodr. I, p. 186. 
1848. Ohemniima euietfera d*Orb. Prodr. I, p. 184. 
1848. OA«mni<Ma eubpundata d'Orb. Prodr. I, p. 186. 
1848. Ohemniima margine-nodosum d'Orb. Prodr. I, p. 196. 
1848. CeritMum noduloeum d*Orb. Prodr. I, p. 196. 
1848. Cerühium Qayiani d'Orb. Prodr. I, p. 196. 
1848. (Mrithium KehlH d'Orb. Prodr. I, p. 196. 



14 Gustav C. Laube. 

1848. Cerithium Bueklandi d'Orb. Prodr. I, p. 196. ; J 

1852. Turritella reflexa Gieb. Deutschl. Petref. p. 518 (ex parte). 

1852. Turritella tuleifera Gieb. Deatschl. Petref. p. 518. 

1852. TurrittUa nodtUota Gieb. Deutschl. Petref. p. 5li8. 

1852. Turritella Qaytani Gieb. Deutsch!. Petref. p. 519^ 

1864. Turritella carinata Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Reichsanst. p. 411. 

1864. Turritella eubpunotata Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geoL Reichsanst. p. 411. 

T. testa turräa acumtnata, anfractibua concavtSy margtne nodoso plicatis media parte subttlüsime canceUatis, 
suturia tncüts hast plana, apertura angulosa. 

Die Schale ist spitz thurmförmig , znsammeDgesetzt ans zahlreichen Umgängen , welche in der Mitte 
mehr oder weniger ausgehöhlt sind, je nachdem sie wdter oben oder weiter unten folgen, mit einem Wulst 
an beiden Rändern, welcher mit Knoten besetzt ist, die länglich oder rundlich sind und in ihrer Verlänge- 
rung nie die Mitte des Umganges erreichen. Die Oberfläche ist sanft mit feiner Gitterung bedeckt. Zwischen 
den beiden knotigen Wülsten verlauft die scharf eingerissene Naht. Die Basis ist eben und die Mündung 
polygonal. 

Die Art hat Veranlassung gegeben, eine ganze Reihe von Namen hervorzurufen, da man jedes belie- 
bige Bruchstück ftir eine besondere Species zu halten geneigt war. In Wahrheit gehören sie alle zusammen. 
Der Umstand, dass von der Art nur Bruchstücke vorkommen, dass diese je nach ihrem Alter oder Erhal- 
tungszustande die Enotenreihe der Kiele bald deutlicher, bald schwächer erkennen liessen, dass selbst der 
obere Knotenkiel oft unter einer Lage von Versteinerungsmassen sich dem Auge entziehen kann, ja dass 
durch ähnliche Umstände beide Kiele das Aussehen eines einzigen erlangen konnten , haben zu jener Zer- 
splitterung Veranlassung gegeben. 

Was den früheren Autoren fttr Originalien gedient haben, und wie berechtigt meine Angabe ist, geht 
schon aus der Besichtigung der Abbildungen bei Münster und Klip stein hervor. Ausserdem sind zwei 
von Münster's Typen verloren gegangen, und lassen sich aus dem Material nicht wie andere wieder sub- 
stituiren. Die verschiedenen unberechtigten Namen mögen also als unhaltbarer Ballast dermalen hier ftlr im- 
mer eine Ruhestätte gefunden haben. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geologischen Beichsanstalt. 

Grösse: Länge 13 Millim., Durchmesser 6 Millim. 

Muthmasslicher Spiralwinkel 23"*, Nahtwinkel 65 ""y Zahl der Umgänge 6, die oberen fehlen. 

Varriiella eucycla Laube. 

Tab. XXX, Fig. 8. 

T. teata muUitorqtbata, anfractzbus rotundcUis suturts pro/ufidis dtstinctis, facie cingulxa acutta aeque distan- 
Hhus sex hast guatuor omata. 

Die Schale hat ein sehr hoch ausgezogenes Gewinde, welches aus stark gerundeten Umgängen besteht, 
die solchergestalt durch sehr tiefe Nähte von einander getrennt sind. Vom Nahtrande bis zum Unterrande 
zählt man sechs gleichmässig abstehende scharfe concentrische Streifen, auf der Basis folgen ganz gleiche, 
nur etwas enger stehende, von welchen man zeitweilig in der Naht noch einen wahrnimmt. Die Mündung ist 
versteckt und konnte nicht beobachtet werden. 

Die Art ist die grösste bis jetzt von St. Cassian bekannt gewordene Turritella, und unterscheidet sich 
durch ihre zahlreichen concentrischen Streifen sehr auffallend von allen bekannt gewordenen. Bis jetzt einige 
Exemplare aus dem Coralrag von Settsass. 

O'riginalexemplare im kais. Hof-Mineraliencabinete. 

Grösse: Länge 27 Millim], Durchmesser 14 Millim. 

Muthmasslicher Spiralwinkel 18—20°, Zahl der Umgänge 9, die oberen fehlen. 



Die Fauna der Schichten von St. Gassian. 15 

Vunritella ecceat^atu Lanbe. 

Tab. XXX, Fig. 9. 

F. teata turrüa angusta, anfractibus excavaits^ suturü bene distinctü, glabrta, basi convexa, apertura qua- 
drata, columeUa parum arotiata. 

Schale sehr schlank thnrmförmig, die Umgänge in der Mitte ausgehöhlt , rinnenförmig; an den Rändern 
verdickt, die Nähte eingerissen aber deutlich, die Oberfläche der Schale sonst glatt. Die Basis ist flach ge- 
wölbt, die Mündung etwas quadratisch, die Columelle schwach gebogen. 

Von dieser Species liegen mir zwei unvollständige Exemplare vor; wenn ein drittes viel jüngeres auch 
hieher gehört, hat die Art auf dem ausgehöhlten Bande feine Spiralstreifen, da ich jedoch nicht vollkommen 
hierüber sicher bin, kann ich nur den möglichen Fall aussprechen. 

Die Art ist durch ihre ausgehöhlten Seiten sehr deutlich charakterisirt, und kann demnach mit keiner 
anderen verwechselt werden. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geologischen Reichsanstalt. 

Grösste Länge 7 MUlim., Durchmesser des letzten Umganges 3 Millim. 

Muthmasslicher Spiralwinkel 12 — 15**, Nahtwinkel 70**. 

Genus CAPULU8 Montfort 1810. 
Capulus pu9tulosu9 Münster. 

Tab. XXX, Fig. 10. 

1S34. Pileopais pustuloaus Münst. Leonh. n. Bronn's Jahrb. p. 10. 

1841. Capulus puttuloaus Münst., Goldf. Petref. Germ, in, p. 10, Tab. 168, Fig. 10. 

1841. Capulus pustuloms Münst. Beitr. IV, p. 93, Tab. IX, Fig. 12. 

1848. Capulus pustulosua d'Orb. Prodr. I, p. 197. 

1852. Capulus pustulosuB Gieb. Detitschl. Petref. p. 476. 

1864. Stomatia pustulosa Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Reichsanst. p. 410. 

C. testa plana, anfractibus paucis, apira non prominente, apertura magna, facte nodosa, strü'sgue mcremen- 
talibus subtilibus omata. 

Die Art hat ein sehr flaches kaum vorstehendes Gewinde mit sehr wenigen Umgängen , von welchem 
sich der letzte mächtig ausdehnt und die übrigen an Ausdehnung weit übertrifft, und breiter als hoch ist. Die 
dünne Schale zeigt einzelne rundliche Auftreibungen, welche eine etwas deutlichere Reihe auf dem oberen 
Rande bilden, sonst aber ziemlich regellos über die ganze Oberfläche zerstreut sind, gleichmässige scharfe 
Zuwachsstreifen yerlaufen darüber. Die Mündung ist sehr weit ausgedehnt und rund von einer kurzen gera- 
den Columelle begrenzt. 

Die Art ist durch ihre eigenthümlichen Auftreibungen der Schale sehr deutlich charakterisirt, und kommt 
nicht gerade häufig vor. 

Originalexemplar im kais. Hof-Mineraliencabinete. 

Grösse: Durchmesser 13 Millim., Höhe 8-7 Millim. 

Zahl der Umgänge 3. 

Capulus fenesiraiU9 Laube. 

Tab. XXX, Fig. 11. 

C. testa tnvoluta, anfractu ultimo expansOy apertura ovalt cUta, /acte strns rectü spiralibttsque aubtilissimts 
fenestrata* 

Die Schale ist eingerollt, das Grewinde liegt tiefer als der Rand des letzten Umganges, doch ist es deut- 
lich einseitwendig und lässt die wenigen Umgänge erkennen. Der letzte Umgang breitet sich stark aus und 
erscheint oben etwas stumpfkantig. Die Unterseite ist mehr gerundet. Die Mündung ist hoch oval, innen 



16 Gustav (7. Laube. 

gerade gerandet, mit einer schmalen umgeschlagenen Lippe. Die Oberfläche der Schale ist mit sehr feinen 
Längs- und Querlinien bedeckt , welche sich rechtwinkelig schneiden und der Art ein äusserst zierliches An- 
sehen geben. 

Die Art, welche nicht häufig yorzukommen scheint , ist durch ihre gegitterte Schale nicht allein , son- 
dern schon durch den tiefer als der letzte Umgang gelegenen Winkel charakterisirt und Ton anderen ver- 
schieden. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geologischen Beichsanstalt. 

Grösse : Durchmesser 7 Millim., Höhe am Munde 6 Millim. 

Zahl der Umgänge 3. 

CapuIdUf aiatus Laube. 

Tab. XXX, Fig. 12. 

C. testa Cornea f aptce recurvato, spira tncuspicua, anfractu ultimo Ubero expanaoy postice excavatOy lateri- 
hus brevi alcUOj strtis incrementalibua egalibus omato. 

Die Schale ist in der Weise wie Emarginula gebaut, die Spitze ist kurz, etwas einseitwendig, in einem 
unmerklichen Knötchen als jüngster Umgang vorstehend und so die Unterseite von der oberen unterschei- 
dend. Der letzte Umgang ist frei und sehr ausgedehnt, hinten stark ausgehöhlt, wird er hier zu beiden Sei- 
ten von schmalen flUgelförmigen Fortsätzen eingesäumt. Die Mündung ist verbrochen. Die ganze Oberfläche 
ist von gleichmässigen scharfen Zuwachsstreifen bedeckt, zu welchen sich an den Flügeln eine Spur von Spi- 
ralstreifen gesellt. 

Diese Art ist durch ihre eigenthümliche Aushöhlung auf der Rückseite charakterisirt, welche lebhaft an 
Cartnarta erinnert, und es liegt die Annahme nicht so ferne, dass sie möglicherweise eine Pteropode sein 
könne. Da ich nicht mehr Material als das beschriebene Exemplar besitze, kann ich mich jedoch nicht voll- 
ständig vergewissem, und lasse nach der Analogie der Schale diese Art hier einen Platz finden. 

Originalexemplar im kais. Hof-Mineraliencabinet. 

Grösse: Durchmesser 4 Millim., Höhe über den Mund 3 Millim. 

Genufi NEEITOPSIS Grateloup 1832. 
NerUopsis IWaageni Laube. 

Tab. XXXI, Fig. 1. 

N. testa ovali globosa, anfractibus rotundts, distinctts^ spira brevi elevata , apertura ctrculartj labto dupliciy 
umbtlico profundo, facie senebus nodoaum fortium sex ornata. 

Diese schöne, bisher grösste Neritopsis-kri von St. Gassian hat eine ovale Gestalt, ein kurzes Gewinde 
und gerundete Umgänge, welche durch tiefe Nähte von einander getrennt sind. Der letzte Umgang ist zwei- 
mal so hoch als die übrigen zusammen. Die Mündung ist fast regelmässig kreisrund , von einer glatten inne- 
ren und eckigen Aussenlippe umgeben. Der Nabel ist tief und bildet an der Columelle eine gekrümmte tief 
ausgehöhlte Furche. Die Oberfläche der Schale ist mit Knotenreihen verziert, und zwar stehen unter der 
Naht zwei Reihen länglicher kleiner Knötchen, hierauf folgen drei Reihen mächtiger rundlicher Knoten, und 
nach unten hin weitere drei solche Reihen , welche jedoch kleiner sind und enger an einander stehen. Die 
Knoten liegen in einer Reihe über einander, sind durch tiefe Furchen getrennt, und sind durch ihre Ausläufer 
nat einander verbunden, so dass zwischen je vieren derselben eine tiefe Einsenkung erfolgt. 

Die Art ist durch ihre Grösse und ihre starken Knotenreihen deutlich von allen anderen unterBchieden. 

Originalexemplar in der Sammlung des Herrn Hofrathes v. Fischer in München. 

Grösse : Durchmesser 28 Millim., Höhe über dem Munde 25 Millim. 



Die Fauna der Schichten von St Cassian. 1 7 

Neritopsis omata Münster. 

Tab. XXXI, Fig. 2. 

1841. NaHeella omata Münst. Beitr. IV, p. 101, Tab. X, Fig. 14. 

1848. Turbo To d'Orb. Prodr. I, p. 191. 

1852. NaHeella omata Gieb. DeatschL Petref. p. 549. 

1864. Nerüopm omata Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. ReicbsaiiBt. p. 409. 

N. teata ovali, aptra brevt prominente , suturis distinctis, anfractu ultimo expanao rotundo , apertura ovalt 
lata y lahto aimpUciy umbilico angusto , tecto , facie coatis longttudinalibua 7 — 9 , atritaque apiralibua 
18—20 omata. 

Die Schale hat einen ovalen Umfang und ein kurzes Gewinde , dessen Umgänge durch tiefe Nähte Ton 
einander getrennt sind. Der letzte Umgang ist weit und bauchig, vielfach grösser als die übrigen zusammen. 
Die Mündung ist rund, die Aussenlippe scharf, die innere schmal, den sehr engen Nabel mit bedeckend. 
Die Oberfläche der Schale ist mit 7—9 starken Längsrippen bedeckt, über welche etwa 18 — 20 scharfe Spi- 
ralstreifen verlaufen und sich auf ersterem etwas knotig erheben. Über diesen beiden gewahrt man unter der 
Lupe noch ganz feine Längsstriche, welche namentlich in den Thälern zwischen den Längs- und Querlinien 
scharf hervortreten. 

Die Art unterscheidet sich durch ihr kurzes Gewinde und die Längsrippen von anderen. 

Originalexemplare in der Sanmilung der k. k. geol. Beichsanstalt. 

Grösse des abgebildeten Exemplares : Höhe 7 Millim., Durchmesser 8 Millim. 

Zahl der Umgänge 5. 

Nertiopsis subovnaMa Münster. 

Tab. XXXI, Fig. 3. 

1841. Naticella eubomata Münst. Beitr. lY, p. 104. Tab. X, Fig. 16« 

1848. Turbo eubomatus d'Orb. Prodr. I, p. 191. 

1852. Naticella aubomata Gieb. Deutsch]. Petref. p. 549. 

1864. Neritopua aubomata Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Reichsanst. p. 409. 

N. teata ovata, apira prominente, anfractibua rotundia, auturia profundia diatinctia, apertura ovalt lairoforti] 
labto calloaOf umhilico anguato tecto , coatia tuberoata longttudinalibua octo , aptralibuaque aubtiliortbua 
mginti omata. 

Die Schale ist eiförmig, mit einem vorstehenden Gewinde ; die Umgänge sind gerundet, hoch, durch 
tiefe Nähte von einander getrennt , der letzte Umgang etwa anderthalb Mal so hoch als die übrigen zusam- 
men. Die Mündung ist oval, die Aussenlippe stark, die innere schmal, den engen Nabel fast verdeckend. 
Die Oberfläche ist mit acht sehr kräftigen Knotenrippen versehen, über welche etwa zwanzig nicht ganz 
gleiche Spiralbänder laufen, darüber nimmt man feine Zuwachsstreifen wahr. 

Münster lässt der Möglichkeit Kaum, dass diese Species eine blosse Varietät der früheren sein kann. 
Diese Annahme finde ich jedoch nicht bestätigt, da mir mehrere Exemplare der Art vorliegen, welche sich 
von N. omata Münst. durch ihr vorstehendes Gewinde, die viel kräftigere Streifung und die knotigen 
Längsrippen wesentlich unterscheiden. 

Originalexemplare im kais. Hof-Mineraliencabinete. 

Grösse : 

NerUopsis decussata Münster sp. 

Tab. XXXI, Fig. 4. 

1841. NaHeella deeuaaata Münst Beitr. IV, p. 102, Tab. X, Fig. 21—22. 

1841. NatieeUa noduloaa Münst. Beitr. IV, p. 102, Tab. X, Fig. 20. 

1845. Naticella eineta Klipst. Östl. Alpen, p. 199, Tab. XIV, Fig. 6. 

1849. Turbo aubdeeuaaatua d'Orb. Prodr. I, p. 192. 

Denksohrlft«n d«r mAthem.-iiatarw. Ol. XXX. Bd. Abhuidl. tob MichtmltgUedtn. C 



18 Gustav C. Laube. 

1849. Turbo Bubnoduloatu d'Orb. Prodr. I, p. 191. 

1852. Nattcella noduloaa Gieb. Deutschl. Petref. p. 549. 

1864. Neritopsis deeuasata Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. fieichsanst. p. 412. 

1864. Neritopti» noduloaa Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Reichsanst p. 411. 

N. testa ovah, spira vix prominente , anfractu ultimo expanso aupra subplana, marfftne tuberculatOf facie 
striis spiralihua crebrta, eostisque longitydinalibua fortthus distantihus nodosts ornata, Apertur a lata, 
vmbilico angusto. 

Die Schale ist eiförmig bauchig, mit kaum yorstehenden Gemnde^ der letzte Umgang ist aufgebläht, 
vielmal grösser als die älteren, anf der Oberseite sehr flach und etwas ausgehöhlt^ am Bande mit entfernt 
stehenden Knoten besetzt, von denen aus schiefe knotige Rippen verlaufen. Die Knoten werden durch starke 
dicht stehende Spiralstreifen verbunden ; zwischen je zwei stärkeren schalten sich zwei schwächere ein. Die 
ganze Oberfläche ist mit feinen welligen Zuwachsstreifen bedeckt. Die Mündung ist gross und rund, die 
Aussenlippe scharf, die innere schmal, ein enger Kabel ist sichtbar. 

Diese Art unterscheidet Münster in zwei, welche durch eine feinere oder gröbere Streifung verschie- 
den sein sollen. Wenn man aber viele Exemplare vergleicht, so findet man, dass man die Art unmöglich in 
zwei trennen kann , da die Verschiedenheit nur durch die Undeutlichkeit der Sculptur hervorgebracht wird, 
indem es oft vorkommt, dass durch auflagernde Kalkmasse die äussere Form der Schale entstellt wird. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geol. Beichsanstalt. 

Grösse: Höhe 5 Millim., Durchmesser 5-5 Millim. 

Zahl der Umgänge 4. 

Genus PHASIANELLA Lamarck 1804. 
Phasianella Münsteri Wissmann. 

Tab. XXXI, Fig. 6. 

1841. Phaaianella Müntteri WisBm. bei Münst. Beitr. IV, p. 118, Tab. Xm, Fig. 7. 

1848. Phaaianella Münateri d*Orb. Prodr. I, p. 194. 

1852. Phaaianella Münateri Gieb. Deutschl. Petref. p. 516. 

1864. Phaaianella Münateri Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Reichsanst p. 410. 

Ph, testa comca, anfracttbus rotundatisj suturts dtstmctis anfrctctu ultimo expansOj apertura magna ovata 
labio acuto, facie aplendida glabra. 

Die Schale ist glänzend glatt, ohne eine Spur von Streifung, mit einem ziemlich spitzen Gewinde aus, 
gerundeten Umgängen gebildet, welche durch deutliche Nähte von einander getrennt werden. Der letzte Um- 
gang ist fast zweimal so hoch als die beiden übrigen mit einander und bauchig erweitert. Die Mttndung ist 
gross eiförmig mit scharfen Lippen, die innere steht ein wenig scharf unter dem Columellarrand vor, wo sie 
sich mit der äusseren vereinigt. 

Out erhaltene Exemplare sind durch ihre glatte Schale und durch die charakteristische Mundöffhung 
leicht zu erkennen. Schwerer ist dies. bei schlechten, welche leicht ftlr Macrocheilus genommen werden kön- 
nen , doch wird auch hier die glänzende Schale ein gutes Unterscheidungsmittel an die Hand geben. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geol. fieichsanstalt. 

Grösse: Höhe 6 Millim., Durchmesser des letzten Umganges 4, Höhe desselben 4 Millim. 

R. Spiralwinkel 50**, Zahl der Umgänge 5. 

FhaHaneUa picta Laube. 

Tab. XXXI, Fig. 6. 

Ph. testa conica inflaia anfracttbus vix curvatia^ suturia aubtilisaimia diatinctia, anfractu uitimo ventricoao, 
apertura magna rotundata. 



Die Fauna der Schichten von St Cassian. 19 

Schale konisch, mehr bauchig als veriängert, spitz ; die Umgänge sehr wenig gekrümmt, dnroh feine 
aber deutliche Nähte von einander getrennt, der letzte Umgang bauchig, mehr als zweimal so hoch als die 
tlbrigen zusammen. Mündung weit oval, Aussenlippe scharf, Innenlippe an der Columelle schwach wulstig. 
Oberfläche glänzend glatt^ an dem vorliegenden Exemplare sind jedoch die Farben erbalten. Es zeigen sich 

auf licht orangegelbem Orunde blitzförmig nach rückwärts gezogene dunkel braun-violete Linien. 

* 

Die Art unterscheidet sich von der vorhergebenden sehr leicht durch die mehr bauchige Form, das kür- 
zere Gewinde und die weniger gerundeten Umgänge. Bis jetzt nur in einem Exemplare bekannt. 
Originalexemplar in der Sanmilung der k. k. geol. Reichsanstalt. 

Grösse : Höhe 5 Millim., Durchmesser des letzten Umganges 4 • 6 Millim., Höhe desselben 4 Millim. 
R. Spiralwinkel Qh""^ Zahl der Umgänge 5. 

Fhastanella coMSiana Wissmann sp. 

Tab. XXXI, Fig. 7. 

1841. Turbo ea9nanu$ Wissm. bei Mfinst. Beitr. IV, p. 117, Tab. XIII, Fig. 1. 

1848. Phasianella Kltpüeiniana d*Orb. Prodr. I, p. 193. 

1852. Turbo haudearinatuB Gieb. Deutschl. Petref. p. 524 (ex parte). 

1864. Fhananella eawiana Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Reichsanst p. 410. 

PA. testa actemtnata veTUrtcosa, anfracttbus rotundatis suturia t'neisis disttnctisy ultimo anfractu elongata, 
apertura ovali rotundatOj fade glahra» 

Die Schale ist oben zugespitzt; unten veiiängert bauchig. Die Umgänge sind gerundet und durch tief 

eingerissene feine Nähte Ton einander geschieden y der letzte Umgang ist fast doppelt so hoch als die frühe- 

.. 

ren zusammen ^ verlängert , etwas aufgebläht. Die Mttndung gross eiförmig. Das Äussere der Schale glatt 
und glänzend. 

Die Art unterscbeidet sich Ton P. Münsteri durch die schlankere Form des letzten Umganges und das 
kürzere Gewinde y von P. picta durch den weniger bauchigen Umriss und die tieferen Nähte. 

D'Orbigny hat die Art bereits zu Phasianella gestellt, ändert aber deren Namen in Kltpsteiniana, in- 
dem er eine spätere Elipstein'sche Art als Casaiana beibehält. Da jedoch die Priorität des Namens offen- 
bar Wissmann's Species zukommt, habe ich d'Orbigny's Namen wieder eingezogen. 

Originalexemplar in der Sammlung der geologischen Beichsanstalt. 

Grösse: Höhe 7 Millim., Durchmesser des letzten Umganges 4 Millim., Höhe desselben 4 Millim. 

B. Spiralwinkel 63*", Zahl der Umgänge 5. 

PhasianeUu cingulata Laube. 

Tab. XXXI, Fig. 8. 

PA. teata ovata aeuminata acuta y spira elevataj anfractihus vix curvaiis spiraliter cingulatiSy suturia mx di- 
stinctia ultimo anfractu elongata, apertura ovato rotundata. 

Schale spitz eiförmig , mit einem vorstehenden Gewinde , die Umgänge sind flach , wenig gekrümmt, 
durch kaum wahrnehmbare Nähte von einander getrennt, der letzte 'Umgang verlängert, so hoch als die 
ttbrigeü zusammen, die Mttndung ist eiförmig, verlängert. Die Oberfläche der Umgänge zeigt gleichmässige 
Spiralstreifen, von denen die oberen drei, welche die Oberseite einnehmen, stärker, die, welche die Basis 
einnehmen, die schwächeren sind. 

Die Art ist leicht erkennbar durch ihre spiralen Gttrtelstreifen. Da mir bisher nur ein Exemplar vorkam, 
welches an dem Mundrande nicht vollständig erhalten ist, kann ich meine Ansicht ttber die generische Stel- 
lung der Art nicht zweifellos fixiren, doch spricht die Form der Schale und auch die Mvndöfihung, so weit 
sie sich erhalten zeigt, sehr f&r Phasianella; auch die Spiralbinden treten, wenn auch nicht so stark ausge- 
sprochen, bei diesem Genus auf, wesshalb ich die Art hier unterbringen zu dürfen glaubte. 

Originalexemplar in der Sammlung der k. k. geol. Beichsanstalt. 



20 Gustav (7. Laube. 

Grösse: Höhe 4*5 Millim., Durchmesser des letzten Umganges 2-8 Millim., Höhe desselben 3 Millim. 
[ R. Spiralwinkel 40% Zahl der Umgänge 5—6. 

Genus TURBO Linn6 1758. 
Vurbo 9ubcarinatu9 Münster. 

Tab. XXXI, Fig. 9. 

1841. Turbo subearinatus Münst. Beitr. IV, p. 116, Tab. XII, Fig. 33. 

1841. Turho bicingtdatus Mtinst. Beitr. IV, p. 115, Tab. XII, Fig. 32. 

1841. Turbo tricarinatus Münst Beitr. IV, p. 114, Tab. XII, Fig. 22. 

1845. Turbo tricingulaius Klip 8 1. ÖstL Alpen, p. 158, Tab. X, Fig. 10. 

1845. Turbo strt'gillatus Klipst. Östl. Alpen, p. 158, Tab. X, Fig. 11. 

1848. Turbo bicingutatua (i*Orb. Prodr. I, p. 191. 

1848. Turbo subcarinatua d*Orb. Prodr. I, p. 191. 

1848. Turbo Bubtricarinatus d'Orb. Prodr. I, p. 192. 

1848. Turbo tricingulatua d'Orb. Prodr. I, p. 192. 

1848. Turbo sirigtVatus d*Orb. Prodr. I, p. 192. 

1852. Turbo tricarinatM Gieb. Dentschl. Petref. p. 524. 

1852." Turbo bictngulatus Gieb. Deutschl. Petref. p. 524. 

1852. Turbo eubcarinatus Gieb. Deutschl. Petref. p. 524. 

1852. Turbo abbreviatus Gieb. Deutschl. Petref. p. 542 (ex parte). 

1864. Turbo subcarinatus Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Reichsanst. p. 410. 

T. testa heltctformi, sptra elevata acuta, anfracttbtis rotundatia supertortbus vel bis vel ter, cartnaiis, auturis 
8ubtilibu8 distinctis y ultimo anfractu expanao vel semel vel bta cartnato , supra patdum excavato , basi 
ventricosa, umbäi'cata, apertura magna semicirculart] facte strtis incrementalibus subttlibus omcUa. 

Schale hoch kreiseiförmig, unten bauchig, oben spitz. Die Umgänge sind gerundet und durch feine 
aber deutliche Nähte von einander getrennt. Die oberen zeigen , wo sie nicht abgerollt sind, drei gleichmäs- 
sig starke Spiralstreifen, welche bis auf die mittleren Umgänge bleiben, von wo an sie verschwinden bis auf 
den untersten Umgang, nur mehr einer oder höchstens noch ein zweiter schwächerer sich zeigt. Der erhal- 
tene Spiralstreif steht bei dem letzten Umgange am oberen Rande , zwischen diesem und der Naht liegt eine 
seichte aber ziemlich breite Furche, unter demselben eine ähnliche, manchmal gewahrt man weiter unten die 
Spuren der folgenden Streifen noch erhalten. Die Unterseite des Umganges ist sehr bauchig gewölbt und 
hat einen engen tiefen Nabel. Die Mündung ist hoch und halbkreisförmig, die Aussenlippe scharf. Die Ober- 
fläche der Schale ist mit sehr feinen, scharfen, gleichmässigen Zuwachsstreifen bedeckt, welche auf der gan- 
zen Schalenoberfläche gleichartig sind. 

Von Mtlnster und K lip stein ward die Art in eine ganze Reihe von Arten zerlegt, deren Zusammen- 
gehörigkeit alsbald in die Augen fällt , sobald man sie mit einander vergleicht. Die ältesten dreistreifigen 
Windungen sind Mtinster*s T. tricarinatus. Individuen mittleren Alters sind Münster's T. bictngulatua, 
und wo noch der dritte Streifen erhalten wurde, Klipstein's T. trictnffulatus , ausgewachsene Individuen 
endlich, bei welchen die Streifen auf dem letzten Umgang vollkommen verschwunden sind, sind Münster's 
T. Bubcartnatua und Klipstein's T.'strigülaius. Die Möglichkeit, dass die verschiedenen Arten nur Varie- 
täten einer und derselben seien, hat Münster selbst zugegeben, Klipstein aber hat die weiteren zwei 
Arten als evident verschieden — freilich aus wenig stichhältigen Gründen — angegeben. Sie gehören, wie 
ich dargethan habe, alle zusammen, und dürfen höchstens als Varietäten angesehen werden. 

Die Grösse des ausgewachsenen Individuums und die eigenthümliche in allen Lebensstadien gleichartige 
Structur der Schale kennzeichnet die Art von allen anderen. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt. 

Grösse: Fig. 9 a Höhe 10-1 Millim., Durchmesser 6-8 Millim.; Fig. 9 b Höhe 17-5 Millim., Durchmes- 
ser 15 Millim.; Fig. 9 c Höhe 25 Millim., Durchmesser 17 Millim. 

Spiralwinkel 80 ""^ Zahl der Umgänge 3, 5, 6. 



Die Fauna der Schichten von St Cassian. 21 

IPurho fasdolulus Mttnster. 

Tab. XXXI, Fig. 10. 

' 1841. Turbo fascieolatus MünBt. Beitr. IV, p. 114, Tab. XU, Fig. 21. 
1848. Troehua /(ueiolatua d*Orb. Prodr. I, p. 190. 
1852. Turbo faseiolatua Gieb. DquIbcM. Petref. p. 521 (ex parte). 
1864. Turbo feueiolatua Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geoL Beichsanat. p. 410. 

T, teata globosa sptra parum prominente anfractihus rotundatts suturü mcüia, ultimo anfractu vefUrtcoso 
cthffulo lato parte auperiori strtiaque sptrah'bua ornata, hast convexa aperte unAiltcatOy apertura rotun- 
data magna. 

Die Schale ist aufgebläht, mit einem niedrigen Gewinde, gerundeten Umgängen und eingeschnittenen 
Nähten. Der letzte Umgang ist bauchig und trägt etwas unter dem Bande ein breites stark hervortretendes 
glattes Spiralband; oberhalb und unterhalb derselben ist die Schale mit feinen Spiralstreifen bedeckt, wozu 
noch oberhalb kurze Längsrippen kommen. Die Basis ist stark gewölbt, mit Spiralstreifen bedeckt, in der 
Mitte mit einem offenen engen Nabel, die Mündung hat einen gerundeten Umriss. 

Einige Bedenken^ ob vorstehende Art nicht etwa eine Pleurotomarta sein könnte, kann ich bei meinem sehr 
beschränkten Materiale nicht vollkommen beseitigen. Es muss zugestanden werden, dass der äussere Habi- 
tus vollkommen der einer Pleurotomarta ist. Bei den zwei mir zu Gebote stehenden Exemplaren untersuchte 
ich eifrigst das Band, um etwa die balbmondförmigen für Pleurotomarta charakteristischen Zuwachsstreifen 
zu entdecken, allein ich habe hievon nicht die Spur gefunden. Da ich nun auch auf der übrigen Schalenober- 
fläche die am Bande nach rückwärts gekehrten Zuwachsstreifen vergeblich suchte', mir also die wichtigsten 
Merkmale ^r Pleurotomarta fehlten^ habe ich mich entschlossen, die Art nach Münster's Vorgang bei 
Turho unterzubringen. Ich bemerke nur noch^ dass ich an meinem Exemplare deutliche Längsrippchen auf 
der oberen Schalenpartie wahrnahm^ welche Münster nicht angibt, welche aber an seinem Exemplare leicht 
verwischt sein können. 

Die Art ist durch ihre kugelige Gestalt und ihr breites Spiralband deutlich von anderen verschieden. 

Originalexemplar im kais. Hof-Mineraliencabinete. 

Grösse : Höhe 5 Millim., Durchmesser 4 Millim. 

Zahl der Umgänge 4. 

Turbo pleurotomariu9 Münster. 

Tab. XXXI, Fig. 11. 

1841. Turbo pleurotomariua Münst. Beitr. IV, p. 114, Tab. XII, Fig. 23. 

1845. Turritella tomata Klip st. Östl. Alp. p. 178, Tab. XI, Fig. 22. 

1848. Turbo plewotomarius d'Orb. Prodr. I, p. 192. 

1848. Ohemnitma tomata d'Orb. Prodr. I, p. 187. 

1852. Turbo pleurotomariua Gieb. Deutschl. Petrel p. 524 (ex parte). 

1852. Turritella tomata Gieb. Deutschl. Petref. p. 519. 

1864. Turbo pleurotomarius Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Seichsanst. p. 410. 

T. teata elevata atibturrtta, anfractibtia anguloao rotundatia media parte rugoao'carinati» auturia indaia, baai 
convexa non umbilicata atriia drculartbua fortibua omata. 

Die Schale hat ein ziemlich spitz ausgezogenes etwas thurmförmiges Gewinde, mit breiten etwas gerun- 
deten in der Mitte kantigen Umgängen. Die Mittelkante ist mit einem knotigen Wulst besetzt , welcher sich 
nach aufwärts und nach abwärts in schwache Rippen fortsetzt^ welche jedoch die Ränder nicht erreichen. 
Oberhalb des Wulstes ist die Schale glatt und nur mit Zuwachsstreifen bedeckt, unterhalb desselben folgt 
eine Reihe Spiralbänder, welche in gleicher Weise sich auf die nicht scharf begrenzte Basis fortsetzen ; der 
dem Knotenwulst zunächst stehende Streifen ist auch etwas knotig , doch hat der folgende schon diese 
Eigenschaft verloren. Die hoch gewölbte Basis besitzt keinen Nabel, die Mttndung ist, so weit sich aus dem 
Bruche restauriren lässt, gerundet. 



22 Gustav C. Laube. 

Von dieser Art gibt Münster eine sehr oncorrecte Zeichnung ^ so dass eine Verwechslang oder irrige 
Auffassung derselben leicht möglich ist. Die Art ist durch ihren starken Spiralwulst in der Mitte charakteri- 
sirt, und unterscheidet sich dadurch wesentlich von anderen. Elipstein hat ein sehr unansehnliches Bruch- 
stück einer Schnecke als Turrttella tornata beschrieben. Ein mit Elipstein's Angaben vollkommen ttber- 
einstimmendes, jedoch viel Tollständigeres Exemplar liegt vor und beurkundet deutlich, dass Elipstein's 
Art hier beizuziehen sei, da es vollkommen mit 2! pleurotomartua ttbereinstioimt, nur einem grösseren Indi- 
viduum angehört. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt 

Grösse: Höhe 13 Millim., Durchmesser des letzten Umganges 7*5 MiUim. 

B. Spiralwinkel 40% Nahtwinkel 55% Zahl der Umgänge 6. 

'Mhtrho elegant Münster. 

Tab. XXXI, Fig. 12. 

1841. Turbo elegans Hünst. Beitr. IV, p. 116, Tab. Xu, Flg. 69. 
1848. Biuoa tubeilegcmB d'Orb. Prodi. I, p. 182. 
1852. Turbo eUgan» Gieb. DeutschL Petref. p. 524. 

T. teatu elevata comca, anfracttbus rotundtSy suturü profufidia distinctüf cinfftUis btnia costtbua actUü nodo- 
818 rectia omatü, baai rotundata cingulia qucUuor aequalibua omata umbtltco ang%L8to aemt recto, aper- 
iura ovcUo rotundata. 

Schale spitz kegelförmig, mit gerundeten Umgängen, welche von sehr tiefen Nähten getrennt werden. 
Auf der Oberseite des Umganges stehen zwei starke Spiralstreifen, zwischen denen die Schale schwach aus- 
gehöhlt ist, ttber welche starke gerade Rippen verlaufen, welche sich auf ersteren knotig erheben. Die fiasis 
ist gewölbt und mit vier gleichmässigen, gleich weit abstehenden Spiralstreifen bedeckt, von denen der äus- 
serste durch die anstossenden Längsrippen der Oberseite manchmal schwach knotig wird. Die ganze Ober- 
fläche ist ausserdem mit feinen Zuwachsstreifen bedeckt. Die Mündung ist rund, oben schwach zugespitzt, 
die sehr schmale Innenlippe verdeckt etwas den Nabel, welcher sehr enge ist, die Aussenlippe ist scharf. 

Obwohl Mttnster's Originalexemplar nicht mehr in München vorfindlich, auch die sehr mangelhafte 
Zeichnung die Art nicht wieder erkennen lässt, gewährt in diesem Falle doch der Text einen so sicheren 
Halt, dass man über die Art nicht im Zweifel sein kann. Der die Art leicht von allen anderen unterscheidende 
Charakter liegt in den zwei dornigen Spiralen auf der Oberseite der Umgänge, welche in Mttnster's Zeich- 
nung stark entstellt sind. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt. 

Grösse: Höhe 7 Millim. Durchmesser des letzten Umganges 5*5 Millim. 

R. Spiralwinkel 50'', Nahtwinkel 55^, Zahl der Umgänge 5. 



Vurbo subctnciuM d'Orbigny. 

Tab. XXXI, Fig. 13. 

1841. Turbo eineiu8 Münst Beitr. IV, p. 113, Tab. XII, Fig. 28 (non Donovan). 

1845. Monodonta eincta Klipst. ÖstL Alpen, p. 133, Tab. XIY, Fig. 55. 

1848. Troehus subeindus d'Orb. Prodr. I, p. 190. 

1848. Turbo aubcinctu» d'Orb. Prodr. I, p. 192. 

1852. Turbo etnehu Gieb. Deutschl. Petref. p. 524. 

1862. Monodonta dneta Gieb. DentBchl. Petref. p. 532. 

1864. Turbo emetuB Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geoL Eeichsanst. p. 410. 

T, teata helictformiy anfractibua latia convexü, auturta bene dütmctü, cingulta acutta erebrta omatüf apertura 
ovalt rotundatOy umbtUoo nudo aperto. 

Die Schale ist niedrig kreiselfönnig, mit breiten gemndeten Umgängen, welche von scharfen Spiral- 
streifen bedeckt sind, zwischen welche sich manchmal schwächere einschieben. Aof der Mitte des Umganges 



Die Fauna der Schichten von St Cassfan. 23 

treten diese weiter von einander ^ und bilden so eine merkbar breite Zone, zuweilen schaltet sich auch hier 
ein schwächerer Streifen ein. Bei älteren Individuen verstärken sich diese jedoch mehr und mehr, und wer- 
den gleichmässiger, so dass dann die ganze Oberfläche gleich scharf gestreift erscheint. Die Basis ist ge- 
wölbt und auch auf ihr stehen Spiralstreifen , doch etwas dichter noch als auf der Oberseite. Über sämmt- 
liche verlaufen sehr feine Zuwachsstreifen. Die Mündung ist hoch gerundet , der enge, und tiefe Nabel offen, 
von einer Schwiele umgeben. 

Die Art ist durch ihre scharfen Spiralbinden ausgezeichnet, und dadurch mit keiner anderen Art zu ver- 
wechseln. Elip stein beschreibt eine Monodonta cincta, die mir trotz der Angabe eines Lippenknotens, der 
sehr leicht ein Bruch der Innenlippe sein kann, mit vorstehender Species vollkommen identisch scheint, wess- 
halb ich sie beiziehe. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geo). Reichsanstalt 

Grösse : Höhe 7 Millim., Durchmesser 6 - 5 Millim. 

Zahl der Umgänge 5. 

Hurfto Saiyrus Laube. 

Tab. XXXII, Fig. 1. 

1841. Fleurotomana anffulaia Münst. Bdtr. IV, p. 112, Tab. XII, Fig. 20. 
1848. Turbo pleurotomarioidea d'Orb. Prodr. I, p. 193. 

2\ testa comca anfracttbus angulosis media nodoso carinatisy aupra rede costattSj infra sptrcditer cingulatis, 
bcLSt convexa umbonata apertura rotundata» 

Die Schale ist konisch, mit breiten Umgängen und spitzem Gevnnde. Die Mitte nimmt ein starker Kiel 
ein, welcher mit runden, perlartigen Knoten besetzt ist. Ober diesem zeigen sich gerade kurze Längsrippen, 
unter demselben folgt eine Concavität, welcher dann ein schwächerer knotiger Leisten folgt, die Basis ist 
gewölbt, offen genabelt und mit gleichmässigen Spiralstreifen bedeckt. Die Mündung ist gerundet. 

Münster beschreibt eine Pleurotomarta angulata, welche ich im Original nicht kenne. Im Allgemeinen 
entspricht die vorstehend beschriebene Art der Mttnster'schen sehr, nur erwähnt Münster keine Bippen 
auf der Oberseite. Ob die Art eine Pleurotomarta ist, wie Münster selbst bezweifelt, weiss auch ich nicht. 
Vorliegende Species hat allerdings den Habitus einer solchen, doch war ich bei den mir zu Gebote stehen- 
den drei Exemplaren nicht im Stande, eine nähere Aufklärung über die Lage des Bandes zu erlangen. Da 
die übrigen Charaktere sehr für Turbo sprechen, fand ich mich bemüssigt, die Form hier aufzunehmen. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt. 

Grösse : Höhe 5 Millim., Durchmesser des letzten Umganges 4 Millim. 

R. Spiral Winkel 55^, Zahl der Umgänge 5. 

Vurho FhUippi Elipstein. 

Tab. XXXn, Fig. 2. 

1846. Turbo Fhüippi Klip 8 1 Östl. Alpen, p. 156, Tab. X, Fig. 1. 

1848. Turbo Phüippi d'Orb. Prodr. I, p. 192. 

1852. Turbo fiueiolaiuB Gieb. Deatschl. Petref. p. 624 (ex parte). 

7. testa glohoaa anfracttbus rotundtUUj etrüa tncrementaltbus obltguta aoutxsy suturta dtsttncHSf bast convexa, 
umbüicata, apertura circidart magna. 

Die Schale ist stark kugelig, mit kurzem Gewinde, die Umgänge sind rund, der letzte etwas weiter als 
die übrigen, sie sind mit scharfen queren Zuwachsstreifen besetzt, welche nicht alle gleich stark sind, und 
von denen zwei und zwei immer etwas genähert stehen. Die Zuwachsstreifen sind an den oberen Umgängen 
gröber als an dem letzten. Die Basis ist stark gewölbt, mit einem weiten und tiefen Nabel. Die Hündung 
ist rund. 



24 Gustav C. Laube. 

Die nächst verwandte Art ist T. mbcarincUus , welcher in der äusseren Textur sehr genau ttberein- 
stimmt, jedoch durch die Kiele und Streifen, welche er besitzt, verschieden ist. Mir liegen nur mehrere zer- 
drückte Exemplare vor, welche annäherungsweise auf die von Klip stein gegebene Figur schliessen 
lassen. 

Originalexemplar in der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt 

Grösse : Höhe 4 Millim., Durchmesser 6 Millim. 

Zahl der Umgänge 5 — 6. 

Vurbo concintitM Klip stein. 

Tab XXXn, Fig. 3. 

1S45. Turbo eoneinnus Klip 8t. Östl. Alpen, p. 157, Tab. X, Fig. 6. 
1848. Turbo aubconeinnua d*Orb. Prodr. I, p. 192. 
1852. Turbo coneinnua Gieb. Deutschl. Petref. p. 524. 

T, testa trochtforme acuta y anfractihus rotundatis glabrü^ stUurta tnctsUy hast convexa anguata utnbtltcatay 
apertura semvcirculart magna. 

Schale spitz kreiseiförmig, mit runden Umgängen und schwach vertieften Nähten. Der letzte Umgang 
ist stark erweitert, etwas bauchig, fast so hoch wie die übrigen zusammen, die Basis ist gewölbt, hoch mit 
engem Nabel und hoher halbkreisförmiger Mündung. Die Oberfläche ist glatt, nur auf der Basis gewahrt man 
um den Nabel feine Anwachsstreifen. 

Die kleine niedliche Art ist durch ihre spitze Oestalt, die glatten Umgänge und den Nabel deutlich von 
anderen verschieden. 

Originalexemplar in der Sammlung der k. k. geol. Beichsanstalt. 

Grösse : Höhe 6 Millim., Durchmesser 5 Millim. 

IPurho Burymedon Laube. 

Tab. XXXTT, Fig. 4. 

T. testa globosa anfracttbtis vefitrtcosts, auturia dtsttnctü bast convexa, lote umbth'cata, apertura rotundata, 
facie strns tncrementalt'bus fortton'bus laeviortbusque omata. 

Die Schale hat ein J?<?^2'a;-artige8 Aussehen und ein niedriges Gewinde, welches aus bauchigen, durch 
deutliche Nähte geschiedenen Umgängen besteht , welche um die Nähte eine leichte Depression zeigen, 
welche ziemlich über einander vorragen. Der letzte Umgang nimmt bedeutend an Umfang zu, die Basis ist 
stark gewölbt, in der Mitte weit und tief genabelt, und zeigt eine gerundete Mündung. Die Oberfläche der 
Schale bedecken gleichmässige, breite, scharf eingeschnittene Zuwachsstreifen. 

Die Form steht dem T. subcarinatus sehr nahe, unterscheidet sich aber constant durch das gänzliche 
Fehlen von Spiralstreifen, durch ein bei weitem stumpferes Gewinde und durch die stärkere Zuwachsstrei- 
fung. Sie ist eine von den Formen, welche durch ihre wenig verzierte Oberfläche und die scharfen Zuwachs- 
streifen einen eigenen Typus bilden, der vielleicht eine besondere Abtrennung der zusammengehörigen Arten 
nicht unräthlich erscheinen lässt. 

Originalexemplar im k. k. Hof-Mineraliencabinete. 

Grösse: Höhe 21 Millim., Durchmesser des letzten Umganges 27 Millim. 

Zahl der Umgänge 5, die oberen fehlen. 

Vurbo Stlenus Laube. 

Tab. XXXn, Fig. 5. 

T. testa elevata acuta contca^ anfractibus angulosts supra nodosis media parte cartnatiSj suturts tnetsts, bast 
convexa, apertura rotundata. 



Die Fauna der Schichten von St Gassian. 25 

Schale spitz konisch, aus zahlreichen Umgängen zusammengesetzt, welche am oberen Bande hart unter 
der Naht eine Reihe Eoioten tragen , darunter schwach ausgehöhlt sind und in der Mitte einen kantigen Kiel 
führen; welchem eine schwache Furche folgt. Die Basis ist hoch gewölbt, glatt, ohne Nabel, die Mündung 
weit und gerundet. 

Die Art ist durch ihren Enotenstreifen an der Naht und die sonst glatten Umgänge so charakteristisch, 
dass man dieselbe mit keiner anderen bisher von St. Cassian bekannt gewordenen verwechselA kann. Sie 
scheint übrigens sehr selten zu sein. 

Originalexemplar in der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt. 

Grösse: Höhe 5 Millim., Durchmesser 3 Millim. 

R. Spiralwinkel 40**, Zahl der Umgänge 5. 

Vurho JEpaphus Laube. 

Tab. XXXIV, Fig. 7. 

T. testa Cornea elevata, anfractihua subplanü binodos i's media parte excavatis, sutuns subtitibus, basi con- 
vexa, Septem cingulatay angusto umbilicata, apertura rotunda. 

Schale schlank, kegelförmig spitz, die Umgänge tragen am oberen Nahtrande wie am Unterrande je 
einen Kiel, welcher starke rundliche Knoten trägt. Die Knoten alterniren ziemlich regelmässig mit einander, 
so dass sich zwischen je zwei obere ein unterer zwischen stellt In den oberen Umgängen sind sie durch 
schwächere schräge Rippen mit einander verbunden, in den unteren dagegen erreichen die Rippen einander 
nicht. Zwischen beiden Kielen zieht sich eine breite concave Fläche hin. Die Basis ist hoch gewölbt und 
genabelt. Um den Nabel ziehen sich sieben Spiralfalten, von denen die innerste und die äusserste die stärk- 
sten, die übrigen gleich stark sind. Ausserdem gewahi*t man noch feine Anwachsstreifen. 

Die Art ähnelt im Allgemeinen dem T. elegajis und T. Silenus sehr, ist aber von ersterem durch weniger 
gerundete Umgänge, schlankere Gestalt und weniger deutliche Rippen, von letzterem durch die zweite Kno- 
tenreihe und den Nabel verschieden. 

Originalexemplare in der Sammlung des kais. Hof-Mineraliencabinetes. 

Grösse : Höhe 6 Millim., Durchmesser 3 * 5 Millim. 

R. Spiralwinkel 35**, Zahl der Umgänge 7. 

Genus PACHYPOMA Gray 1850. 
M^achypoma calcar Münster sp. 

Tab. XXXIV, Fig. 8. 

1841. Pleurotomaria calear Man St. Beitr. lY, p. 110, Tab. XI, Fig. 28. 

1848. Trochua aubcalear d'Orb. Prodr. I, p. 189. 

1852. Pleurotomaria calcar Gieb. Deutschl. Petref. p. 540. 

1864. Cirrhua calcar Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Reichsanst. p. 410. 

P. testa trochiformij spira elevata^ anfractibus latis planis, suturts profundis distinctis, anfractu ultimo dila- 
tato, margine carinis duobus spinosis ornato, basi concava, apertura obliqua, rotundata. 

Die Form der Sehale ist hoch kreiseiförmig , spitz , ans ziemlich zahlreichen breiten Umgängen zusam- 
mengesetzt, welche durch tiefe Nähte von einander getrennt sind. Der letzte Umgang verbreitert sich auf- 
fallig und ist wie die übrigen mit einem doppelten Kiel mit starken spitzen nach vom geöffneten Knoten 
besetzt Der obere Kiel steht etwas weiter vor als der untere, beide sind an den übrigen Umgängen viel 
schwächer. Von ihnen gehen bis zum oberen Band Längsrippen, welche durch eine auf der Mitte der Ober- 
seite des Umganges gelegene Spiralrippe verbunden sind. Die Basis ist concav, ohne Nabel, mit drei gleich- 
starken Spiralstreifen besetzt, zwischen welchen man feine Anwachsstreifen sieht. Die Mündung ist schräg 
gerundet, mit scharfen Lippen. 

D«ii]uGhrlft«B der mathem.-natarw. Cl. XXX. Bd. Abhandl. ron NiehtmitgUedern. d 



2C Gustav C. Laube. 

Die Art hat den Übelstand, dass sie fast durchgehends mit einer starken Ealkmasse bedeckt ist, weiche 
kaam die äusseren Umrisse der Schale erkennen lässt. Gelingt es, diese wegzaschaffen , so sieht man nnter 
derselben den oben beschriebenen Kiel, welchen Mttnster far eine Pleurotomaria-Si^BMe nahm, was es je- 
doch keineswegs ist, da ihm sowohl die halbmondförmigen Streifen, als auch die ttbrigen Charaktere fehlen. 
Eben so ist es irrthttmlich, die Art wegen der nach vorn geöffneten Dornen fttr Cirrus za halten, da die Art 
auch jeder weiteren Verwandtschaft mit diesem Geschlechte entbehrt. Dagegen besitzt sie sehr genau jene 
Beschaffenheit, welche Gray als Charakter seines aus dem Geschlechte Troehua ausgeschiedenen Packy* 
pama aufstellt, wesshalb ich sie mit diesem Geschlechtsnamen bezeichne. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt. 

Grösse: Höhe 8—21 MilHm., Durchmesser 8—18 Millim. 

Convexer Spiral winkel 55**, Zahl der Umgänge 5 — 7. 

Fachypoma Enüymion Laube. 

Tab. XXXIV, Fig. 9. 

Teeta conica trochiformts, spira elevcUa^ anfractibua aubplania, margtne alatts, basi glabra concava, umbt- 
Itca, apertura rhomboidali ctngulis duobus infetnortbus tubulatta, duobus auperioribus aessthortbuSf 
atrnaque incrementaUbua acutia reflexia omata. 

Die Schale ist konisch spitz, mit flachen Umgängen, deren unterster namentlich am Rande mit einem fltt- 
gelförmigen Anhang besetzt ist, wodurch das Gewinde etwas concav wird. Die Oberfläche der Schale ist mit 
zwei tubulirten Spiralrippen besetzt, von denen die unterste eben jenen oben erwähnten Rand ausmacht, die 
folgende ist von ihr durch eine breite Furche getrennt. Die obere Partie des Umganges wird von zwei schar- 
fen, doch weniger starken Spiralstreifen bedeckt. Die ganze Oberfläche bedecken gleichmässige nach rück- 
wärts gezogene Zuwachsstreifen, welche in den Thälern Rippchen, auf den Spiralstreifen Knoten bilden. Die 
Basis ist stark concav, in der Mitte mit einem weiten runden Nabel, welcher von 5 — 6 nach aussen hin stär- 
ker werdenden Leisten umgeben wird. Die Anwachsstreifen sind auf der Basis feiner als auf der Oberseite. 
Die Mündung ist niedrig rhomboidal. 

Charakteristisch für die Art sind die beiden unteren Spiralleisten mit tubulirten Dornen. Obwohl nickt 
selten vorkommend, hat sich doch die Art den Augen Münster's und Elipstein's entzogen, da sie keiner 
von ihnen beschrieben hat. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt. 

Grösse: Höhe 4*5 Millim., Durchmesser 6-5 Millim. 

R. Spiralwinkel 68", Zahl der Umgänge 5. 

Fachypotna Dämon Laube. 

Tab. XXXIV, Fig. lO. 

P. teatfi trochiformij apira elevata, anfractibua latCa bicartnatia, tubulatia, atUuria tnconaptcutSy baai concava 
non umbth'cataf apertura rotundata obltqua. 

Schale niedrig kreiseiförmig. Die Umgänge sind breit, durch kaum merkliche Nähte getrennt, mit zwei 
Kielen besetzt. Der obere trägt stärkere tubulirte Dornen, liegt in der Mitte des Umganges und ist von dem 
unteren durch eine breite tief ausgehöhlte Furche getrennt. Der untere Kiel trägt zahlreichere aber schwä- 
chere Knoten, und bildet den unteren Rand. Die Basis ist flach concav , mit sieben bis acht Spiralstreifen, 
ohne Nabel, am Rande von centralen Anwachsstreifen geziert. Die Mündung ist rund, schräg gestellt. 

Die zierliche kleine Art ist ausgezeichnet durch ihre beiden Stachelstreifen, welche umgekehrt wie in 
anderen Fällen, oben stärker als unten sind. In einiger Beziehung ähnelt die Art T. Endymton, unterscheidet 
dich aber durch die weniger kegelförmige Gestalt und die breite Furche zwischen den beiden Wfllsten. 

Von P. calcar unterscheidet sie leicht das niedrige Gewinde. 



Die Fauna der Schichten von St Cassian. 27 

Originalexemplar in der Sammlung der k. k. geol. Beiehsanstali 
Grösse : Höhe 3 MiUim., Darchmesser 4 Millim. 
R. Spiralwinkel ßb"": 

Genus ROTELLA Lamarck 1822. 
Hotella sphaeroidlca Klip stein sp. 

Tab. XXXII, Fig. 7. 

1845. Euomphalu* tphaercidieus Klip st. Östl. Alpen, p. 201, Tab. XIV, Fig. 11. 

1846. Euomphalu» recondiius Elipst. Östl. Alpen, p. 202; Tab. XIV, Fig. 14. 
1848. Straparolus reconditua d*Orb. Prodr. I, p. 191. 

1848. Trochu» sphaeroidieua d*Orb. Prodr. I, p. 190. 
1852. Euomphalus sphaeroidtcus Gieb. Deutschl. Petref. p. 531. 
71845. Euomphalus helieoide$ Klip st. Östl. Alpen, p. 202, Tab. XIV, Fig. 13. 

R. testa heltciformij apira lata elevata, anfractihua laita auturia aubtiltbua diatt'nctiaf apertura ovali oblxqua, 
baai plana^ facie glabra. 

Die Schale ist Helix-ürtig breit aufgewunden , die mehr breiten als hohen Umgänge sind durch feine 
Nähte Yon einander getrennt und stehen wenig über einander hervor^ bilden vielmehr in ihrer Oesammtheit 
eine sphärische Linie. Die Mündung ist breit , quer oval und wenig hoch. Die fast glatte Basis ist nur in 
der Mitte zu einer nabelähnlichen Grube eingesenkt, in welche sich der innere Mundrand zieht. Die Ober- 
fläche ist ganz glatt und lässt selbst unter der Loupe keine Anwachsstreifen erkennen. 

Ein vorliegendes Exemplar ist mit Farben erhalten und zeigt auf grauem Grunde braungelbe Ornamente, 
welche an der Naht als zwei oder drei Aste entspringen, sich hierauf zu zwei Stämmen vereinigen, die sieh 
oberhalb des Randes zu breiten Punkten verbinden, von welchen aus wieder mehrere Aste ausgehen, die 
zwischen ihre Gabeln von unten kommende aufnehmen. Auf der Unterseite bildet die Färbung einen äusserst 
zierlichen Stern von dicht stehenden /S-fÖrmigen Streifen. 

Schon Klipstein hat auf die Ähnlichkeit von einzelnen seiner Euomphali mit Delphinula hingewiesen 
and beruft sich auf Bronn's Autorität für die generische Stellung, die er ihnen anwies. In der That ist die 
tiefe breite Nabelgrube sehr täuschend, doch entspricht schon das sonstige Äussere nicht genau dem Cha- 
rakter von Euomphalua, Die blossgelegte Basis lässt über die richtige Stellung der Art keinen weiteren 
Zweifel übrig. Elipst ein hat die Art in einige unhaltbare abgetheilt , die wir hier unter der vorstehenden 
subsnmmiren wollen. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt. 

Grösse: Höhe 10 Millim., Durchmesser 15*5 Millim. 

Zahl der Umgänge 5—6. 

Genus DELPHINULA Lamarck 1803. 
ttelphtnula tae^igata Münster. 

Tab. XXXn, Fig. 8. 

1841. Delphinula laem'ffata Münst Beitr. IV, p. 104, Tab. X, Fig. 29. 

1848. Delphinula lamngaia d*Orb. Prodr. I, p. 191. 

1862. Delphinula laetigata Gieb. Deutschl. Petref p. 529. 

1864. Delphinula laevigaia Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geoL Reichsanst. p. 410. 

J). teata hehciformif anfracttbua rotundtay auturia diatinctia, ultimo anfractu eospanao, apertura rotundan 
periatomio craaao ciroumdiUa, umbilico profundo nudo. 

Die Schale ist ^e&ai-artig aufgerollt, in einem stumpfen Kegel , die Umgänge sind gerundet^ der 
unterste, der bei weitem vorwiegende viel mehr entwickelt als die oberen, die Mündung ist rund, von einem 

d* 



28 Gustav G. Lauhe. 

starken wulstigen Peristom umgeben, welches sich an den vorhergehenden Umgang anlehnt , der Nabel ist 
mittelmässigy doch nackt und tief. Die Oberseite sonst ganz glatt und ohne jedwede Verzierung, da selbst 
Anwachsstreifen nicht wahrnehmbar sind. Durch diese Eigenthümlichkeit ist die Art leicht von anderen zu 
unterscheiden. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt. 

Grösse: Höhe 6*5 Millim., grösster Durchmesser 7 Millim. 

R. Spiralwinkel 75 



• o 



BeIpMnula spitralia Münster sp. 

Tab. XXXII, Fig. 9. 

1841. Euomphalus sptralis Münst. Beitr. IV, p. 105, Tab. XI, Fig. 2. 

1848. Turbo Panopae d'Orb. Prodr. I, p. 193. 

1852. Euomphalus pygmaeus Gieb. Deutschl. Pctref. p. 531. 

1864. Delphinula spiralia Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Reichsanst p. 410. 

/>. testa heltciformi, anfractibits rotundis suturis profundis distinctis, glabrü, hast rotundata, late umhtUcaia, 
apertura circularij pertstomi'o calloso circumdata. 

Schale ^<?Zz]r-ähnlich aufgerollt, aus drehrunden Umgängen zusammengesetzt, welche durch schmale 
aber tiefe Nähte von einander gehalten werden, der letzte Umgang nimmt stärker an Umfang zu. Die Unter- 
seite ist stark gewölbt, mit einem weiten Nabel in der Mitte. Die Mündung ist kreisrund , mit einem eallosen 
Peristom umgeben. Die Oberfläche ist glatt. 

Die Art ist D. MUnstert sehr ähnlich , unterscheidet sich aber durch ein weniger spitzes Gewinde und 
einen weiteren Nabel. Münster, der das callose Peristom nicht kannte , hielt sie daher ftlr eine Euompha- 
lu8y welcher Annahme schon die übrige BeschafiFenheit der Schale entgegen treten würde. 

Originalexemplar in der Sammlung der k. k. geol. Beichsanstalt. 

Grösse: Höhe 6 Millim., Durchmesser 7 Millim. 

Zahl der Umgänge 5. 

MBelpMnnla snhdeninin Münster sp. 

Tab. XXXII, Fig. 13. 

1841. Phvrofimaria $ubdentata Mttnst, Beitr. IV, p. 111, Tab. XII, Fig. 6. 

1848. Troehus subdetatUna d'Orb. Prodr. I, p. 190. 

1852. Pleurotomaria aubcostata Gieb. DeutSchl. Petret. p. 541. 

1864. Delphinula aubdentata Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Reichsanst. p. 410. 

/). testa depressa , spira subplana , anfractihus latis media parte auperiorique carinaiis , carina 9uperior\ 
acutay media spinosa, ha^t convexa hicarinaia carims nodosiSy lata umbili'cata, apertura rotunda. 

Die Schale ist niedrig, breiter als hoch. Die Umgänge haben auf der Mitte einen starken Kiel, welcher 
mit langen starken Dornen besetzt ist. Die obere Partie ist durch einen scharfen knotenlosen Kiel nochmals 
in zwei Hälften gethcilt, wovon jene zwischen diesem und dem Mittelkiel ausgehöhlt, die obere flach ist. Die 
Unterseite ist stark gewölbt und zeigt zwei spirale tleihen, starker nach vom ohrförmig geöffneter Knoten, 
ein weiter Nabel nimmt die Mitte ein. Die Mündung ist im inneren Umfang rund und schräg gestellt, aussen 
durch die Schalenfortsätze polygonal. Der Unterrand etwas verdickt. 

Die Art ist selten deutlich und gut erhalten, da sie gewöhnlich dicht mit einer unablösbaren Kalkmasse 
bedeckt ist. Die Oberfläche entzieht sich daher vielfach einer genauen Untersuchung. 

Die Art hat im Allgemeinen viele Ähnlichkeit mit Pleurotomaria subcostata] allein es ist doch der Un- 
terschied im Baue der Unterseite ein sehr bedeutender. Jene hat sichelförniige Rippen auf der Basis, und 
folgt dem Typus der im Oolith vielfach verbreiteten Pleurotomarien, bei dieser stehen auf der Unterseite ohr- 
förmige Dornen. So weit ich die oberen Kiele beider Arten untersuchen konnte, zeigt sich bei D. aubden- 
tata durchaus keine Spur einer Bandlage , die mir doch bei Pleurotcmarta nicht entgangen igt. Vielmehr 



Die Fauna der Schichten von St. Gassian. 2$ 

deutet der an der Unterseite etwas verdickte Mündrand eines £xemplare0 deutlich auf Delpktnula. Die bei- 
den Arten sind wesentlich verschieden, nur kann bei der Misslichkeit der Untersuchun^g von ersterer die 
generisch richtige Stellung nicht ganz genau behauptet werden. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt. 

Grösse: Höhe 4 Millim., Durchmesser 7 Millim. 

Zahl der Umgänge 5. 

MfelpMnula Sichler i Laube. 

Tab. XXXII, Fig. 10. 

1). teata suhplana, heltciformi, anfractibus latts^ supra costulatis infra atriatis media parte apinosö-oariTiatiSj 
umbilico profundo expanaa, apertura ohlique-ovaia. 

Die Schale ist niedrig kreiseiförmig, ans breiten Umgängen gebildet, welche durch sehr tiefe rinnenför- 
mige Nähte getrennt werden. Die Oberseite derselben ist mit welligen Rippen bedeckt, welche nicht bis an 
den Rand reichen , darüber gewahrt man wellige Spiralstreifen , auf dem Rande des Umganges steht ein 
rundlicher Wulst vor, welcher in ziemlich weiten Abständen dünne Röhrenansätze trägt, darunter folgt eine 
seichte Furche, etwas breiter als der Wulst. Die Basis ist stark gewölbt, weit genabelt, die Schale mit feinen 
dichten Zuwachsstreifen bedeckt. Die Mündung quer oval und ziemlich weit. 

Die Art unterscheidet sich durch ihr jSi?^2^-artiges Gewinde und die Rippen auf der Oberseite der Schale 
von allen ähnlichen Formen. Bisher nur ein Exemplar. 

Originalexemplar in der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt. 

Grösse: Höhe 14 Millim., Durchmesser 15 Millim. 

Zahl der Umgänge 6—7. 

Mtelphinula spectahiUs Laube. 

Tab. XXXII, Fig. 11. 

7). testa trochiformi , anfractibus supertoribua contiguis anfractu ultimo libero, anguloso supra piano infra 
rotundatay margine tubuloso, striis incrementalibus inaequalibus crebris ornata, Umbilico expanse pro- 
funde, apertura semicirculari. 

Die Schale ist gross kreiseiförmig, die oberen Umgänge berühren einander, der letzte Umgang wird 
frei. Sie sind oben flach, ganz oder ziemlich eben, mit Spuren von Rippen, der Rand fällt beinahe rechtwin- 
kelig ab, auf dem stumpfen Kiele stehen Röhrenansätze in ziemlichen Abständen, darunter folgt eine seichte 
breite Furche. Die Unterseite ist halbkreisförmig gewölbt und hat einen sehr weiten und tiefen Nabel. Die 
Oberfläche ist mit dichten ungleich starken auf dem Kiel sichelförmig gebogenen Zuwachsstreifen bedeckt. 

Die Form dieser Schale ähnelt der vorher beschriebenen D. Pickleri in mancher Beziehung, so dass sie 
dieser sehr nahe verwandt gelten kann , doch halte ich sie durch ihre viel ebenere und schmälere Oberseite, 
durch die grössere Höhe und den viel weiteren Nabel und den sehr verschiedenen Mundumfang von jener 
verschieden, selbst wenn die Art durch deutliche Rippen auf der Oberfläche — wo das vorliegende Exemplar 
abgerieben ist — sich jener noch mehr nähern würde. 

Das einzige bis jetzt bekannt gewordene Exemplar stammt ans der Sammlung des Herrn Hofrathes 
V. Fischer in München. 

Grösse : Höhe 23 Millim., Durchmesser 28 Millim. 

Zahl der Umgänge 7—8. . 

MBelphinulm JDaris Laube. 

Tab. XXXII, Fig. 12. 

jD. t>e3ta irochtformt, anfractibus rotundisy suturü prcfundis distvnctiSy striis spiralibus costtbusque recti» 
aeutis cmata, basi ratwnddta late umbilteataf apwrtura rotunda peristamio crasao circumdato. 



so Gustav C, Lauhe. 

Die kleine Schale hat eine karze Trookus-ShnUche Oestalt, welche aus runden durch tiefe Nähte 
getrennten Umgängen zusammengesetzt sind. Diese zeigen auf der 0bei4äche 4—5 scharfe Spiralstreifen^ 
welch« Ton geraden scharfen Längsrippen , 5 — 6 auf den Umgang , gekreuzt werden. Die Unterseite ist 
stark gewQlbt und zeigt in der Mitte einen weiten tiefen Kabel. Die Mündung ist kreisförmig von einem 
breiten Peristom umgeben , welches die Ausgänge der Spiralstreifen zeigt und sich mit einem breiten Saume 
auf den vorletzten Umgang auflegt. 

Sie Art unterscheidet sich durch ihre eigentbümliche Textur von allen bekannten wesentlich ; leider ist 
dm einzige vorliegende Exemplar so stark verkalkt, dass es wenig deutlich ist, und manche vielleicht nicht 
unwichtige Einzelnheiten nicht gut erkennen lässt. Für die Stellung zu Delphinula sprach das Peristom und 
die. kurze Ereiselform des Gewindes. 

Originalexemplar in der Sammlung der k. k. geol. Reicbsanstalt. 

Grösse : Höhe 6 Millim./ Durchmesser 5 Millim. 

Zahl der Umgänge 5. 

Genus DELPHINULOPSIS Laube. 

Ch. : ff, Testa trochea j ajpira libera , anfractus non contiqui angulosi y carinatt, carinae nodosae / nodt 
apertt, apertura anguloso rotundata, facies longitudinaliter rugoso striata. 

Die Schale ist in einer freien Spirale aufgewunden, die Umgänge, welche sich nirgends berühren, sind 
kantig polygonal, die Kanten mit scharfen weit vorstehenden Kielen besetzt, welche nach vorn hin geöffnete 
Sjioten tragen. Die Mundöffnung ist gross und polygonal, etwas gerundet, stark verlängert, auf der Innen- 
seite, wo der Nabel liegt, ein scharfer Wulst, khnlich dem Nabelwulst anderer Geschlechter. Die Oberfläche 
hat ein eigenthümliches faseriges Aussehen , welches durch feinere und gröbere Längszuwachsstreifen her- 
vorgebracht wird. 

Dieses Geschlecht steht einerseits dem Genus Fossanopsts , andererseits Delphinula sehr nahe. Die 
faserige Schale und die kantigen Umgänge würden für eine Zusammengehörigkeit dieses und des erst ge- 
nannten Geschlechtes sprechen , wenn nicht das freie Gewinde und die gänzlich verschiedene Mundöffhung 
bei Delphmulopsü deren Trennung bedingte. Näher noch steht das Geschlecht manchen Delphinulen , und 
bin ich in der That geneigt gewesen , die nun hier untergebrachten Formen für Delphinula-Arten ursprüng- 
lich zu halten, allein ich glaube, dass die eigentbümliche Schalenstructur, welche der bei Delphinula beob- 
achteten vollkommen unähnlich ist; und das durchgehends frei bleibende Gewinde Unterschiede genug bie- 
ten, um ein Geschlecht als von Delphinula verschieden zu charakterisiren und dasselbe als selbstständig ab- 
zutrennen. 

Es sind mir für jetzt drei Arten bekannt geworden, welche hier ihren Platz zu nehmen haben, beide 
ans St. Cassian, und glaube ich, dass Delphinvlopsü arietma Lbe. als Typus fllr das Geschlecht ange- 
sehen werden kann. 

MBelßhinulopsi9 hinoüosa Münster sp. 

Tab. XXXm, Fig. 3. 

1841. Pleurotomaria binodaa Mfinst. Beitr. IV, p. 111, Tab. XII, Fig. 6. 
1848. Trochus Helirius d'Orb. Prodr. I, p. 190. 
1862. PUurotomaria eochUa Gl ab. Deutschl. Petref. p. 541. 
' 1864. Delphinula binodoM Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Reichsanat. p. 410. 

Z). testa apirali f anfracttbus angulosia liben's, apertura anguloso-rotundata, umhilieo profunda ^ f acte nod%9 
seme duplici striüque incrementaltbus tnaequalibus ornata. 

Die Schale i^t in einer Spirale aufgewunden, die Umgänge berühren sich nur am Anfange nnd werden 
nach und nach fr^i. Sie sind im Umfange winkelig zngerundet und tragen am ob'ero wie am untern Bande 
eine Reihe kurz ofarförmiger Dornen. Die Mündung ist gemndet, der Kabel weit niod tief schraubenförmig, 



Die Fauna der Schickten von 8t Ca^ian. 51 

von einem schwachen Riel nmgeben. Die Oberfläche der Schale ist mit nnregelmässigen Znwachsstreifen 
bedeckt, welche gegen den Mund hin stärker werden. 

Diese Art ist eine der Delphinulen mit freien Windungen. Mttnster besass davon ein weniger ^i^s 
Exemplar, und übersah das Verhältniss, wobei er sich durch die ohrförmigen Spitzen am Umgange täuschen 
liess und die Art fUr eine Pleurotomarta hielt. Die von ihm gegebene Figur ist vollkommen unrichtig , und 
wird darnach Niemand die Species wieder zu erkennen im Stande sein ; alles bis auf die beiden Ejioteoreiben 
ist unwahr. Nur die Vergleichung mit dem Original in München hat mir die Gewissheit an die Hand fegeben^ 
dass mein Exemplar die Species sei. 

Originalexemplar in der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt. 

Grösse: Höhe 10 Millim., Durchmesser 9 Millim. 

Zahl der Umgänge 3. 

neiphinuioßsi9 artnaia Mttnster sp. 

Tab. XXXIII, Fig. 4. 

1S41. NaHceila armaia Münst Beitr. IV, p. 102, Tab. X, Fig. 17, 18. 
1841. NcUicella plicata Münst. Beitr. IV, p. 101, Tab. X, Fig. 16. 
1848. Turbo aubarmatus d'Orb. Prodr. I, p. 191. 
1848. Turbo aubplieatus d'Orb. Prodr. I, p. 191. 
1848. Naticella plicata Gieb. Deutsch]. Petref. p. 594. 

D. testa glohulosa, depreaaa, spira parum elevcUa, anfraötibua aupra fere plante, coaita apintma armatia, 
atrüa aptralibua fortioribua leviortbuaque ornatia, apertura rotunda obliqua , umhilico excavato pro- 
fundo. » 

IMe Schale ist niedergediückt kugelig, mit einem kurzen Gewinde, die Umgänge sind deutlich durch 
Nähte von einander getrennt und berühren einander kaum in der Jugend, im Alter werden dieselben frei. 
Die Oberfläche ist mit starken Längsrippen, deren der letzte Umgang 6—8 trägt, besetzt, welche von star- 
ken Spiralfalten überlaufen werden. Diese letzteren wechseln stärker und schwächer ab , so dass auf der 
oberen Seite des Umganges 2 — 3 schwache auf eine den Rand bildende sehr starke kommen, es folgen dann 
wieder 3 — 4 schwache, dann eine starke, eine schwache Falte u. s. w. 

Die starken Streifen erheben sich auf den Längsrippen zu Domen , namentlich am oberen Umgange, 
nach unten werden sie schwächer, die stärksten sind ohrfbrmig nach vorn geöffnet. Die ganze Oberfläche ist 
mit feinen wellig faserigen Zuwachsstreifen bedeckt. Die Mtlndung ist etwas verschoben rund , die Aussen- 
lippe scharf, die Innenlippe eben so, hinter ihr tritt der tiefe offene Nabel hervor und endet in eine ziemlich 
lange Rinne. 

In der Jugendtorm — und das sind die häufigsten Exemplare — ist die Art ziemlich schwer zu gruppiren 
da sie eben so sehr einer Delphinula, als auch wohl gar entfernt einer Neräopats ähnelt. Erst ausgewach- 
sene Altersformen belehren, dass es eine sichere Delphtnulopaia sei, da die Umgänge im Alter frei werden, 
und die Schale jene faserige der Delphtnulopaia eigene Structur zeigt. 

Ich glaube mit Sicherheit, hieher die von Münster abgetrennte Naticella pUcata ziehen zu können, da 
diese ein junges nicht wohl erhaltenes Exemplar bezeichnet. ^ 

Die Species , welche durch ihr eigenthümliches Murex-^rtig^ Aussehen auflOUlt , ist durch ihre Längs- 
rippen und Stachelspitzen deutlich von anderen verschieden. 

Originalexemplare in der Sammlung der'k. k. geol. Reiehsanstalt. 

Grösse: Fig. 4 a Höhe 11 Millim., Durchmesser 12*6 Millim. 

Zahl der Umgänge 4. 

Fig. 4 b Höhe 8 Millim., Dorebmesser 9 Millim. 

Zahl der Umgänge 3. 



3? Gustav C. Laube. 

MBetpMnutopsis arteitna Laube. 

Tab. XXXIU, Fig. 5. 

D, teßta spiTuUa, anfraotzbua liberis angulosis qucUri-carinatiSy carinis acuta Serratia ^ strita incrementatibus 
irregularibus ornata, apertura magna rotundata. 

Die Schale ist in einer bis zu den obersten Umgängen freien Spirale aufgewunden, die Umgänge^ 
welehe weite Zwischenräume lassen, sind fünfkantig, an den vier äusseren Winkeln mit starken scharfge- 
sägten Kielen besetzt , zwischen denen namentlich auf der Oberseite die Schale tief ausgehöhlt erscheint. 
Die ganze Oberfläche ist mit starken unregelmässigen Zuwachsstreifen bedeckt, welche der Schale ein rauhes 
Ansehen geben. Die Mündung ist gross und gerundet. 

Die Art erinnert lebhaft in ihrer Gestalt an Delphinula hinodoaaj ist aber hievon durch die deutlichen 
Tier Kiele geschieden. Etwas ähnlich ist auch Klipstein's Nerttopsü mgoso-carinata , doch ist bei vorlie- 
gender Art ein freies Gewinde vorhanden, was die bei Klipstein nicht hat. Bis jetzt ist von der Art ein 
einziges doch sehr gut erhaltenes Exemplar vorgekommen. 

Originalexemplar in der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt. 

Grösse: Höhe 15 Millim., Durchmesser des letzten Umganges 12 Millim. 

Zahl der Umgänge 4. 

Genus TROCHUS Linn6 1758. 
Vrochu9 9ubconcavu0 Münster. 

Tab. XXXni, Fig. 6. 

1841. Trochus ßubconeavus MUnst. fieitr. IV^ p. 107, Tab. XI, Fig. 13. 

1845. TrochuB Maxinuliani Leuehienbergensia Klipst Östl. Alpen, p. 147, Tab. IX, PMg. 8. 

1848. Troehut aubconcavut d'Orb. Prodr. I, p. 189. 

1848. Trochus Maximiliani Leuchtenhergemü d'Orb. Prodr. I, p. 190. 

1852. Trochua aubeoncatnu Gieb. Deutschl. Petref. p. 533. 

1852. Trochua Maximiliani Gieb. Deutschi. Petref^ p. 533. 

1864. Trochua aubconcavua Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Reichsanst. 

T. testa contca, anfractus planum suturü haud dütinctü; hast plana parum excavata, nodoao-marginata, pro* 
funde umbütcata; apertura rhomboidalt; /acte costibus brevibus fortibus cinguh'sque margmalibus nodo- 
ats ornata. 

Die Schale ist spitz kegelförmig, die Umgänge flach, nicht durch deutliche Nähte von einander geschie- 
den. Die Basis ist eben, gegen die Mitte hin etwas ausgehöhlt, am Eande mit einer Knotenwulst versehen, 
der Nabel ist eng und tief, die Mündung rhomboidal. Die Oberfläche der Umgänge ist am Rande mit einer 
Knotenreibe verziert, oberhalb welcher eine zweite und dieser eine Reihe kurzer Rippen folgt. Die Basis ist 
mit feinen etwas welligen Spiralstreifen bedeckt, deren auch auf der Oberseite verlaufen, wie man unter der 
Loupe wahrnimmt. 

Die Abbildung ist bei Münster etwas zu undeutlich ausgefallen, so dass man darnach die Art kaum 
Vieder erkennen wird. Das mag auch der Grund sein, wesshalb Klip stein eine neue Art daraus machte, 
obwohl deren Beschreibung ganz genau übereinstimmt, noch mehr aber Vergleichungen von Exemplaren 
beweisen. 

Die Art ist durch ihre konische Form und die kurzen Rippen deutlich charakterisirt, und gehört zu den 
schönsten Gastropoden von St. Cassian. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt. 

Grösse: Fig. 6 a Höhe 12*3 Millim., Durchmesser der Basis 12 Millim. 

R. Spiralwinkel 60% Zahl der Umgänge 7. 

Fig. 6 b Höhe 8-5 Millim. Durchmesser 7 • 8 Millim., Spiralwinkel 50'. 



Die Fauna der Schichten von St. Cassian. 33 

Vrochu9 9ubhi9ertu9 d'Orbigny. 

Tab. XXXIU, Fig. 7. 

1841. Troehus hisertua Münst. (non Pbill.) Beitr. IV, p. 107, Tab. XI, Fig. 11. 

1845. Troehus Caumotitii Klip St. Östl. Alpen, p. 149, Tab. IX, Fig. 12. 

1848. Troehus sulbisertu» d'Orb. Prodr. I, p. 189. 

1852. Trochua hisertus Gieb. Deutschl. Petref. p. 533. 

1864. Trochua auhhiaertua Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Beichsanst. p. 409. 

T, testa conica, spt'ra protracta acuta, anfracttbus swperiorxbus nudis, inferiorihuB hinodösis, suturts dtsttn- 
ctiSy baat glahra, urnbilico nulloj ajpertura rotundata supra acuta. 

Schale bauchig konisch; die älteren Umgänge nehmen rascher an Umfang zn, wodurch das Gewinde 
gegen die Spitze hin eingezogen wird, und diese mit einem viel spitzeren Winkel schliesst, als es bei der 
Ausdehnung der unteren Umgänge sein sollte. Diese sind schwach gerundet, die obersten fttnf sind ganz 
glatt, der fUnfte Umgang von oben erhält schwache Knoten, die sich weiter unten in 'zwei über einander ste- 
hende Reihen ordnen. Die Knoten nehmen eine längliche Gestalt an und hängen durch eine Wulst zusam- 
men, die obere Reihe liegt hart an der Naht, die untere in der Mitte, der unterste Umgang zeigt unter der 
mittleren Knotenreihe noch einen stumpfen Kiel. Die Basis ist schwach gewölbt, ohne Nabel. Die MundöflF- 
nung gross, rund, oben in eine Spitze ausgezogen. Die Aussenlippe ist stark, die Innenlippe bildet eine sehr 
schmale Lamelle. Sonst gewahrt man noch feinere und gröbere Zuwachsstreifen auf der Oberfläche. 

Die Art ist durch die Knoten und die glatten Umgänge an der Spitze charakterisirt. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geologischen Reichsanstalt. 

Grösse: Höhe 14*5 Millim., Durchmesser 12*5 Millim. 

Convexer Spiralwinkel 65**, Zahl der Umgänge 6. 

TTrochus suhglaher Münster. 

Tab. XXXIII, Fig. 8. 

1841. Trochua aulglaher Man 8t. Beitr. IV, p. 108, Tab. XI, Fig. 22. 

1845. Trochua subglaher Klip 8t. Ö8tl. Alpen, p. 163, Tab. XI, Fig. 23. 

1848. Trochua aulglaher d'Orb. Prodr. I, p. 189. 

1852. Trochua aubglaber Gieb. Deutschl. Petref. p. 533. 

1864. Trochua aulgldber Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Reichsanst. p. 410. 

T, testa elev ata acummata , anfracttbus plams , supra mar gmaliSy suturts tnconspicuis , basi plana, umbili' 
cata, strtis duobus spiraltbus nudü's omata, apertura rhomboidali obh'qua. 

Die Schale hat ein ziemlich schlankes und spitzes Gewinde. Die Umgänge sind ganz eben, nur oben an 
der Naht etwas wulstig, wodurch der folgende Umgang von dem vorhergehenden in einer Weise absetzt, 
dass die Spirale treppenförmig erscheint. Der letzte Umgang biegt unter einem scharfen Winkel in die Basis 
ein, welche eben ist, einen weiten offenen Nabel trägt, welcher von zwei gleich starken spiralen Wülsten 
umgeben ist. Die Mündung ist hoch rhomboidal und schräg. Die Oberfläche in der Regel glatt, zeigt nur an 
einem Exemplare eine ungemein feine Spiralstreifung auf den Umgängen. 

Die Art unterscheidet sich leicht durch die treppenförmig absetzenden Umgänge, eben so durch die 
schlankere Form von anderen Arten. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt. 

Grösse: Höhe 6 Millim., Durchmesser 4 Millim. 

R. Spiral Winkel 63*. 

Vrochus subdecus9aius Münster. 

Tab. XXXIII, Fig. 9. 

1841. Trochua auhdecuaaatua MÜnst. Beitr. IV, p. 108, Tab. XI, Fig. 20. 
1845. Trochua interruptua Klip 8t. Östl. Alpen, p. 161, Tab. IX, Fig. 17. 

Deakschrlftan der mathera.-naturw. Cl. XXX. Bd. Abhandl. Ton Niehtmltgliedern. 



34 Gustav C. Laube. 

1848. Trochus BubdecuBMiw d*Orb. Prodr. I, p. 190. 

1848. Trochw interruptiu d*Orb. Prodr. I, p. 190. 

1852. Troehtis subdecusaattu Gieb. Deutschi. Petref. p. 533. 

1852. Troehus interruptus Gieb. Deutschl. Petref. p. 534. 

1864. Troehus subdeeuatatuB Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Reichsanst. p. 410. 

T , teata trochifo7'mi depressa j anfractihus rotundatis ^ auturis indsia y anfractu ultimo lato j hast subplana^ 
late umbüicatay apertura lata semicirculart. 

Die Schale ist breit kreiseiförmig, der letzte Umgang breiter als die vorhergehenden, alle breit gerun- 
det, durch eingegrabene Nähte von einander getrennt. Die Basis ist breit, schwach gewölbt, weit genabelt, 
mit einer grossen halbrunden Mundöffnung. Die Oberfläche scheint glatt, zeigt aber unter dem Glase deut- 
liche feine Zuwachsstreifen und eben solche Spiralen, wodurch jene gegittert wird, die Basis ist mit strah- 
lenförmigen stärkeren Zuwachsstreifen besetzt. 

Mtlnster's Angabe nach wäre die Ornamentik eine sehr deutliche, da er von erhabenen Streifen spricht, 
das ist aber nicht der Fall, sondern dieselben sind alle sehr fein. Einen Eiel habe ich weder an Mttnster's, 
noch an meinem Exemplare entdeckt. Elipstein's T, interruptus scheint mir von der Art nicht verschieden, 
da sie bis auf das, was Klipstein vom Nabel bemerkt, ganz genau übereinstimmt, doch ist auch das kein 
haltbares Trennungsmerkmal, da der Nabel sehr eng und in der Kegel nicht deutlich erhalten ist. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt. 

Grösse: Höhe 6 Millim., Durchmesser 5-8 Millim. 

R. Spiral Winkel 73% Zahl der Umgänge 5. 

Vrochu9 «emIptfitefaftM Braun. 

Tab. XXXm, Fig. 10. 

1841. Troehus semipunetatu» Braun Beitr. IV, p. 107, Tab. XI, Fig. 15. 

1848. Troehus semipunetaius d*Orb. Prodr. I, p. 189. 

1852. Troehus semipunetaius Gieb. Deutschl. Petref. p. 533. 

1864. Troehus semipunetatus Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. ReichsaBSt. p. 410. 

2\ testa elevata comcaj anfractSbus anguloais parum curvatis, supra nodulis margmatts, suturia distinctts hast 
plana angusto-umbili'cata, glahra. 

Schale spitz konisch , von flachen wenig gekrümmten Umgängen gebildet , welche durch feine Nähte 
getrennt sind. Die Oberfläche derselben zeigt unterhalb des Nabelrandes eine Reihe feiner rundlicher Knöt- 
chen , sonst ist die Oberfläche vollkommen glatt und nur mit feinen Anwachsstreifen verziert. Die Basis ist 
sehr flach, in der Mitte enge genabelt Die Mündung niedrig quer rhomboidal. 

Die einzige schwache Enotenreihe am Umgänge unterscheidet die Art wesentlich von allen anderen, 
welche durch ihr sonst glattes Auftreten damit verwandt scheinen. 

Originalexemplar in der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt. 

Grösse: Höhe 12 Millim., Durchmesser 11 Millim. 

R. Spiralwinkel 60 ^ Zahl der Umgänge 7—9. 

Vrochu9 histrioMus Münster. 

Tab, XXXIII, Fig. 11. 

1841. Troehus Ustriaius Münst. Beitr. IV, p. 108, Tab. XI, Fig. 16. 

1845. Troehus biearinatus Klip 8 1 Östl. Alpen, p. 150, Tab. IX, Fig. 16. 

1845. Troehus acuiiearinatus Klipst. Öfltl. Alp. p. 152, Tab. IX, Fig. 20. 

1848. Troehus bistriatus d'Orb. Prodr. I, p. 189. 

1852. Troehus bistriatus Gieb. Deutschl. Petre£ p. 533. 

1\ testa comca, anfracttbus planis, sutut^ profundia infra cmgtdo fortiori leviorique marginatisy baai plana 
late umbilicataj cmgults spiralibua bis. 



Die Fauna der Schichten von 8t Cassian. 35 

Schale sehr spitz kegelförmig, die Umgänge durch sehr tiefe furchenförmige Nähte getrennt, sind fast 
flach und tragen am unteren Rande einen starken Kiel, welchem noch ein zweiter schwächerer folgt, der in 
der Nahtfnrche sichtbar bleibt und am letzten Umgange den Basisrand scharf umschreibt Die Basis ist flach 
mit einem weiten tiefen Nabel, welcher eine scharfe Schwiele hat, und von einer weiteren umgeben wird, die 
Mundöfihung ist hoch rhomboidisch. Ausser sehr feinen Zuwachsstreifen gewahrt man weiter keine Verzie- 
rung der Schale. 

Die Art ist durch die beiden an der Basis der Umgänge stehenden Kiele sehr scharf charakterisirt, und 
dadurch von allen anderen Arten verschieden. Obwohl sich das MUnster'sche Originalexemplar nicht in 
München findet, glaube ich doch die Art nach Mttnster's Schrift zweifellos wieder zu erkennen. 

Originalexemplar im kais. Hof-Mineraliencabinete. 

Grösse : Höhe 7 Millim., Durchmesser 4 Millim. 

R. Spiral Winkel 45"*, Zahl der Umgänge 7. 

XVoeAff« subcostatiM Münster. 

Tab. XXXIII, Fig. 12. 

1841. Troehua tubeoatatua Münst. Beitr. IV, p. 108, Tab. XI, Fig. 18. 

1848. Trochus aubeottatua d'Orb. Prodr. I, p. 189. 

1852. Troehtu auhcoaiatua Gieb. Deutschl. Petref. p. 533. 

1864. Troehus subeoatcttua Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Reichsanst. p. 409. 

T. teata helidformiy anfractihu8 rotundatüy suturts duftmctia, costtbus nodosü recurvtUis, atrüsque bims 
fortibuSy baai inßatay anguato umhiliccUa, atrtia apiraltbua aubtilibua omata, apertura rotundata. 

Schale Helix-s^iüg aus wenigen runden durch tiefe Nähte getrennten Umgängen bestehend. Die Um- 
gänge sind auf der Oberseite mit gekrümmten Längsrippen besetzt, über welche zwei starke Spiralstreifen 
verlaufen, welche sich auf den Bippen knotig erheben. Die Basis ist gewölbt, mit feinen Spirallinien ver- 
ziert und einen kaum merklichen Nabel an der runden Mündung. Ausserdem gewahrt man noch auf der gan- 
zen Oberfläche feine Anwachsstreifen. 

Die Art ist mit T. aubbtaertua verwandt, doch durch die beiden Spiralbänder verschieden, welche die 
Knoten zusammenhalten. Münster's Abbildung ist etwas sehr undeutlich ausgefallen, daher die Art schwer 
wieder zu erkennen ist. Sie ist selten. 

Originalexemplar in der Sammlung der k. k. geologischen Beiehsanstalt. 

Grosse : Höhe 4 Millim., Durchmesser 3 * 5 Millim. 

B. Spiralwinkel ÖO"", Zahl der Umgänge 5. 

XVocJkflM nudu» Münster. 

Tab. XXXI V, Fig. 1. 

1841. Troehus nudua Münst. Beitr. IV, p. 108, Tab. XI, Fig. 22. 

1848. Troehua nudua d'Orb. Prodr. I, p. 189. 

1852. Troehua nudua Gieb. Deutschl. Petref. p. 533. 

1864. Troehua nudua Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Beichsanst. p. 410. 

T. teata trochiformi humili anfractibua latia rotundia vtx gldbrta, aubtiliastme omatis, auturta diatt'nctia, baai 
lata parum convexa umbüico tecto, apertura magna rotundata. 

Die Schale ist niedrig kreiseiförmig spitz, die Umgänge breit, gerundet, durch tiefe Furchen getrennt, 
auf der Oberfläche fast ganz glatt, nur unter der Loupe feine Längs- und Querlinien zeigend. Die Basis breit 
flach gewölbt, mit einer tiefen Nabelgrube, der Nabel selbst geschlossen. Die Mündung gross, aussen gerun- 
det, innen gerade gerandet. 

Die Art unterscheidet sich leicht durch ihr niedriges Gewinde, das auf einer sehr breiten Basis ruht. 
Münster gibt gar kein Ornament der Schale an, welches auf den ersten Blick auch nicht sofort zu erken- 
nen, wohl aber bei günstiger Beleuchtung der Schale unter der Loupe wahrnehmbar ist. 

e* 



36 Gustav G. Laube. 

Originalexemplare in der Sammlang der k. k. geol. Reichsanstalt. 
Grösse: Höhe 6 Millim., Durchmesser 6*5 Millim. 
R. Spiralwinkel 74°, Zahl der Umgänge 5. 

Vrochus MBeslongchampaii Klipstein. 

Tab. XXXIV, Fig. 2. 

1846. Trochus Deslongchampsii Klips t. Östl. Alp. p. 149, Tab. IX, Fig. 13. 

1848. Trochus Deslonffchampaii d'Orb. Prodr. I, p. 189. 

1852. Troe/tus Deslongchampsit Gieb. Dentschl. Petref. p. 533. 

7.\ testa elevata com'ca acumtnata, anfractibus plams vix curvcUis glabrts, atrtis tncrementalibus ohliquis or- 
nati'Sy suturts disttnch'Sy hast glabra angusto umbtlicaiay apertura rhomboidali. 

Die Schale hat ein spitzkegelförmiges Gewinde, dessen Umgänge ganz flach, kaum gebogen sind. Die 
Nähte sind deutlich, aber sehr fein. Die Basis ist flach, mit einem engen Nabel, die Mündung hoch rhomboi- 
dal. Die Schale ist ganz glatt, nur mit deutlich nach rückwärts gekrümmten Anwachsstreifen bedeckt. 

Die Art unterscheidet sich von anderen durch ihr hohes und spitzes Gewinde und durch die Art der An- 
wachsstreifen. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geologischen Reichsanstalt. 

Grösse : Höhe 10 Millim. , Durchmesser 7 Millim. 

Schwach convexer Spiralwinkel 57**, Zahl der Umgänge 7. 

Vr achtes 9ubpunciaMu9 Klip stein. 

Tab. XXXIV, Fig. 3. 

1845. Trochus suhpunciaius KlipBt. Östl. Alp. p. 152, Tab. IX, Fig. 21. 

1848. Trochus subpunctaius d'Orb. Prodr. I, p. 189. 

1852. Trochus. subpunciatus Gieb. Deatschl. Petref. p. 534. 

T. testa irochtformt) anfractibus plams marginibus nodulis subtilibus cinctiSy suturts mci'sts, bast plana um- 
bih'catay apertura rhomboi'dalz depressa. 

Die Schale ist regelmässig kreiseiförmig, mit einem spitzen Gewinde und ganz flachen Umgängen, deren 
oberer und unterer Rand mit einer Reihe rundlicher feiner Knötchen besetzt ist, die Reihe am Unterrand ist 
etwas gröber, die Basis ist am Rande mit einer Wulst umgeben, sonst flach, deutlich genabelt, die Mündung 
niedrig rhomboidal. 

Ähnlich wie bei T, Frometheus Lbe. zeigt die Schale zwischen den Knotenreihen lichtere und dunklere 
nach rückwärts gezogene F^förmige Zeichnungen, und am unteren Rande des letzten Umganges abwech- 
selnd braune und weissliche Flecken. 

Die Art unterscheidet sich von T, semipunctatus durch die unteren Knotenlinien, von T. Prometheus durch 
das Auftreten von zwei solchen. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geologischen Reichsanstalt. 

Grösse : Höhe 6 Millim., Durchmesser 4-5 Millim. 



Vrochngs MSupator Laube. 

Tab. XXXIV, Fig. 4. 



T. testa trochiformi spira elevata acummata^ anfractibus planis suturts vix distinctis, basi subplana, umbi- 
hco seminudo, apertura rhombotdali, fade glabra. 

Die Schale hat ein hohes und spitzes kreiseiförmiges Gemnde mit ganz ebenen nicht hohen Umgängen, 
welche durch sehr feine Nähte getrennt werden, wobei die Seiten des Gewindes eine gerade Linie bilden. 
Die Basis ist flach, kaum an den Rändern gerundet. Der Nabel ist von einer scharfen Schwiele umschrieben. 



Die Fauna der Schichten von St. Cassian. 37 

jedoch durch die stark zurückgeschlagene Innenlippe zur Hälfte verdrängt. Die Mündung ist hoch rhomboi- 
dal. Die Oberfläche ist vollkommen glatt und zeigt ausser sehr feinen Zuwachsstreifen keinerlei Verzierun- 
gen der Oberfläche. 

Diese Art ist die spitzeste unter allen Arten von St. Cassian. Ihre zahlreichen Umgänge, so wie die sehr 
flachen Umgänge und der eingeengte Nabel unterscheidet die Art wesentlich von anderen. 

Originalexemplar in der Sammlung der k. k. geologischen Reichsanstalt. 

Grösse: Höhe 11 MiUim., Durchmesser 8 Millim. 

R. Spiral Winkel bb\ Zahl der Umgänge 8. 

'Trochus Frometheu9 Laube. 

Tab. XXXIV, Fig. 6. 

T. testa comca, anfractibus margine curvatis media parte plania , hast subplana, umbihco angusto, apertura 
rhomhoidalij strits tncrementalibus subtilissimia ornata. 

Die Schale hat eine hohe spitze Kreiselgestalt, mit Umgängen, welche an den Rändern schwach gebo- 
gen, auf der Mitte ganz eben sind, so dass sie beinahe etwas treppenfbrmig aus einander heraustreten. Der 
unterste Umgang hat am untersten Rande eine schwache Wulst. Die Basis ist sehr schwach gewölbt, fast 
flach, mit einem sehr engen runden Nabel. Auf ihm verlaufen ganz feine Spiralstreifen, welche von gleich 
feinen Anwachsstreifen gegittert werden. Die Oberseite ist ganz glatt und zeigt nur sehr feine Anwachs- 
streifen; nur die obersten Umgänge sind gerippt. Die Mündung ist rhomboidal. Am vorliegenden Exemplar 
hat sich die Färbung erhalten , welche auf der Basis lichte hakenförmige Zeichnungen auf dunklem Grunde 
erkennen lässt; auf der Seite der Umgänge verlauft ein breites Band F-förmig, mit nach rückwärts gezo- 
genen lichten Streifen, welche oben und unten von einem dunklen Bande begrenzt werden. 

Klip stein beschreibt eine Art Trochus subpunctatus ^ welche nach der Zeichnung Ähnlichkeit mit der 
vorliegenden Art zu haben scheint, doch hat diese weder Rippen noch eine Knötchenreihe wie jene. Sonst 
unterscheidet sie sich durch ihren Bau wesentlich von anderen , namentlich durch den charakteristischen 
Wulst am unteren Rande des letzten Umganges. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt. 

Grösse : Höhe 8 Millim., Durchmesser 7 Millim. 

R. Spiralwinkel 64**, Zahl der Umgänge 7. 

Vt^ochu» Eßimetheus Laube. 

Tab. XXXIV, Fig. 6. 

T. testa trochiformij anfractibus planis sapra infraque subtilissime apiraliter margmatis, glabrts, suturis m- 
cisis bast glabra plana, lote umbtli'cata, apertura rhomboidali. 

Schale spitz kreiselförmig , aus flachen kaum merklich gerundeten Umgängen bestehend , welche am 
oberen wie am unteren Rande mit einem schwachen Wulst besetzt sind und die nach oben hin das Bestreben 
haben schwach knotig zu werden. Der untere Wulst tritt namentlich am untereo Umgange stärker hervor. 
Die Oberfläche ist sonst ganz glatt, nur mit schiefen Zuwachsstreifen bedeckt, die Basis flach und eben, weit 
genabelt, mit feinen sichelförmigen Zuwachsstreifen verziert, die Mündung ist rhomboidal. 

Die Art ist ein Mittelding zwischen T. semipunctatus und T. subpunctatus. Von ersterem unterscheidet 
sie sich durch den unteren Wulst, von dem zweiten, dass dieser Wulst nicht in Knoten aufgelöst ist. Von 
Trochus Prometheus endlich ist die Art durch das spitzere Gewinde und den Wulst am oberen Umfang ver- 
schieden. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt. 

Grösse : Höhe 8 Millim., Durchmesser 7 Millim. 

Convexer Spiralwinkel 55**, Zahl der Umgänge 6. 



38 Gustav G. Laube. 



VrodUiS gtandutus Laabe. 

Tab. XXXIV, Fig. 7. 

T. teata expansa, spira elevata convexa, acuta, anfractibus plante latis glabrü, suturts tnctais, hast convexa^ 
non umbtlicata, apertura rotundato-quadrata. 

Die Schale ist zugespitzt kreis eiförmig , mit einer convexen Spirale ; die sehr schwach gekrümmten 
hohen Umgänge werden durch feine Nähte getrennt^ ihre Oberfläche ist ganz glatt, nur mit ungleich starken 
Zuwachsstreifen verziert. Die Basis ist hoch gewölbt, ohne Nabel. Die Mündung fast quadratisch, mit abge- 
rundeten Ecken. Mit Farben erhaltene Exemplare zeigen nach rückwärts gekrümmte abwechselnd lichte und 
braune Längsstreifen. 

Die Art kommt in ihrem äusseren Habitus dem Trochi^ aubbüertus sehr nahe, doch ist sie durch den 
Mangel an Knoten auf der Oberfläche der Umgänge wesentlich hievon verschieden. Die stark gewölbte Basis 
und die auswärts gekrümmten Seiten des Gewindes lassen die Art nicht mit anderen glatten Arten ver- 
wechseln. 

Es möge hier darauf aufmerksam gemacht werden, dass in den schwarzen Schiefem von Raibl ein immer 
vollkommen verdrückter Trockus vorkommt, welcher im Allgemeinen mit vorstehender Species sehr nahe 
verwandt zu sein scheint. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geologischen Reichsanstalt. 

Grösse : Höhe 15 Millim., Durchmesser 12*5 Millim. 

Convexer Spiralwinkel 65*, Zahl der Umgänge 5 — 6. 

Genus MONODONTA Lamarck 1799. 
IfManodomta nodosa Münster. 

Tab. XXXIV, Fig. 11. 

1841. Monodonia nodosa Münst. Beitr. lY, p. 114, Tab. XU, Fig. 19. 
1848. Tro<^ua Eurytus d'Orb. Prodr. I, p. 190. 

1852. Monodonta Caanana Gieb. Deutschl. Petref. p. 532 (ex parte). 
1864. Monodonta nodosa Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. ReichsanBt. p. 409. 

M, testa trochiformi y anfractibus convecctuscuhs suturis tnconsptcuts , basi plana j umbone profunde , stru- 
maso, apertura ovato-rotundcUa , labro duph'ct, labto protuberculis magna mumtOj facte costulis crebris 
nodulosü ßtrüsque circulartbus quatuor, margine cingulo spinoao, basi atrtts spiralibua subtilibus Sep- 
tem unaque margtnali noduloso ornata. 

Sehale von kreiseiförmiger Gestalt, die Umgänge schwach gerundet, das Gewinde ziemlich spitz, die 
Nähte seicht und nicht besonders deutlich , die Basis eben , in der Mitte mit einer weiten und tiefen Nabel- 
öffnung, welche mit einem schwachen Randwulst besetzt ist. Die Mündung ist hoch gerundet, die Aussen- 
lippe doppelt, die innere mit einem starken Knopfe versehen, welcher gegen den oberen Rand gerückt ist. 
Die Oberseite der Umgänge ist mit zahbreichen Längsrippen besetzt, über welche vier Spiralleisten laufen, 
welche sich auf den Längsrippen dornig erheben, auf dem Unterrande des Umganges steht ein weiterer Spi- 
ralstreif, welcher mit besonders hohen Domen besetzt ist. Auf der Basis verlaufen sieben gleiche feine Spi- 
ralstreifen und ein knotiger rundlicher, zwischen denen man feine Anwachsstreifen wahrnimmt. 

Die Art ist durch ihre dornigen Bippen und ihre besonders scharfe Ornamentik von allen anderen aus- 
gezeichnet, und ist eines der häufigsten aber auch der schönsten Gastropoden von St. Cassian. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geol. Beichsanstalt. 

Grösse: Höhe 5 Millim., Durchmesser 7 Millim. 

Spiralwinkel 80**. 



Die Fauna der Schichten von St. Gassian. 39 

NMonodonta Caasiana Wissmann. 

Tab. XXXIV, Fig. 12. 



1841. Monodonfa Casaiana WiBsm. bei Münst. Beitr. IV, p. 114, Tab. XII, Fig. 18. 

1845. Monodonta Casnana Klipst. Ostl. Alp. p. 300. 

1848. Troehtu Casaanua d'Orb. Prodr. I, p. 189. 

1852. Monodonta Caasiana Gieb. Dentschl. Petret. p. 582. 

1864. Monodonta Casaiana Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Reichsanst. p. 409. 

M. testa trochiformis acumtnata, anfractibus aubplaniSy striia sptraltlnis nodoszs qmhque ornatü, hast plana y 
late et profunde umboncUa y apertura lata ovato-rotundata labto dupltci y labro protuberantta forti 
munita. 

Schale spitz kreiselförmig, aaf flachen durch wenig tiefe Nähte getrennten Umgängen zusammengesetzt. 
Die Oberfläche derselben ist mit fünf Spiralstreifen bedeckt, welche rundliche engstehende Knoten tragen. 
Die Basis ist flach, schwach gewölbt, mit einem tiefen Nabel, welcher von einem Wulst umgeben ist; sieben 
bis acht gjeichmässige Spiralstreifen bedecken sie, der rundliche trägt sehr schwache Knoten, durch dane- 
ben laufende Zuwachsstreifen wird die Schale fein gegittert. Die Mündung ist breit, gerundet, die Aussen- 
lippe doppelt , die innere trägt nahe dem oberen Bande eine starke knotige Anftreibung. Diese Art ist 
keineswegs identisch mit der vorigen Species, wie Klip stein zuerst die Meinung aussprach, sondern von 
derselben wesentlich verschieden durch die Ornamentik ihrer Schale. Die fünf Binden mit ihren gedrängten 
rundlichen Knoten sind keineswegs durch AbroUung entstanden, sondern ihre Beschaffenheit weist direct auf 
Wesentlichkeit und Ursprttnglichkeit hin , wesshalb man die Arten von einander halten muss. Sie ist übri- 
gens weit weniger häufig als die vorhergehende. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geologischen Beichsanstalt. 

Grösse: Höhe 5 Millim., Durchmesser 6-5 Millim. 

B. Spiralwinkel 74*, Zahl der Umgänge 6. 

JfMonondoHta aupranodoaa Klip stein. 

Tab. XXXIV, Fig. 18. 

1845. Monodonta Bupranodoaa Klipst Östl. Alpen, p. 153, Tab. IX, Fig. 22. 
1852. Monodonta aupranodoaa Gieb. Dentsehl. Petref. p. 533. 

M, testa trochtformty sptra elevatay anfractibus convextuscults btnodosis, auturts profundiSy boM parum con" 
vexa, strtis apiralibus nodosts bims ornata, anguato umbUicatay apertura oblique rotundata. 

Die Schale ist ziemlich hoch kreiseiförmig, mit gerundeten Umgängen, welche durch tiefe Nähte von 
einander getrennt werden, jeder Umgang trägt zwei Beihen starker Knoten, welche nach oben in kurze Bip- 
pen fortsetzen und durch zwei starke Spiralbänder zusammengehalten werden, so dass die Oberfläche sehr 
grob und tief gegittert erscheint. Die Basis ist ziemlich flach und trägt ausser dem Wulst um den sehr engen 
und tiefen Nabel noch zwei weitere knotige Spiralstreifen, welche besonders stark hervorragen. Die Thäler 
dazwischen sind mit feinen Spiralstreifen bedeckt. Die Mündung ist hoch halbkreisförmig, etwas schräge, mit 
zugeschärfter Aussenlippe. 

Klip st ein gibt auf der Basis vier bis f&nf Spiralstreifen an, was ich jedoch bei dem vorliegenden 
Exemplare nicht beobachtet habe, obwohl die Form sonst sehr genau übereinstimmt Indessen ist auch 
Klipstein's Angabe nicht ganz sicher, da ihm die Zahl nur so hoch zu sein scheint; er also wahrschein- 
lich keine genaue Zählung vorgenommen haben konnte. Dieser Umstand konnte mich nicht beirren, das vor- 
stehend beschriebene Exemplar mit Klipstein's Species identisch zu halten. 

Die Art unterscheidet sich durch ihr hohes Gewinde und ihre zwei staricen Knotenreihen wesentlich von 
anderen. 

Originalexemplare in der Sanmalung der k. k. geologischen Beichsanstalt. 



42 Gustav C. Laube. 

Genus TEMNOTKOPIS Laube. 

(rijULvco Schneide, rpomg Kiel.) 

Ch.:G> Testa auriformts depressa, aptra parum elevata, anfractus ires, apertura magna ovalts, labro mctso^ 
lahio depresso, non umbilicata. Margo anfractus aupertor cartna, eptpkragmate angusto munt'ta, ornata. 
Facies striis ci'rcularibus, tncrementah'busque aequalibus regularibtts tecta. 

Die Schale dieses neu aufgestellten Geschlechtes hat eine öhrförmige, fTaZtb^s^^-ähnliche Gestalt. Das 
Gewinde, welches nur aus drei Umgängen -besteht, ist niedergedrückt, der letzte Umgang besonders flach 
und breit und auf dem oberen Rande mit einem vorstehenden Kiel besetzt, welcher ein schmales Band ent- 
hält, welches wie bei Pleurotomana und anderen Formen mit halbmondförmigen Zuwachsstreifen bedeckt ist. 
Die Mündung ist gross und weit oval, die äussere Lippe ist scharf und hat einen Schlitz am Kiel; die innere 
bildet eine Depression an der Stelle des Nabels, von welchem keine Spur vorhanden ist, in Gestalt einer 
flach gehöhlten Rinne, welche wieder in den Unterrs^nd verschwindet. Die Ornamentik der Schale besteht 
aus feinen gleichartigen Zuwachsstreifen, welche quer über gleichmässige Spiralstreifen verlaufen. 

Das Geschlecht scheint bis jetzt auf die Trias beschränkt zu sein und seine Repräsentanten allein in 
den Schichten von St. Cassian zu haben. 

Der Typus desselben ist Temnotropts carinata, von Münster zu Sigaretus gestellt*). 

Die wenigen Umgänge, die Grösse, Mundöffnung und die ohrförmige Gestalt weisen dem Geschlechte 
offenbar eine Stellung bei den Stomatellinen zu. Der Spalt im Kiel unterscheidet es wesentlich von Stomatta, 
IStomatella, Microtis und Qena, Mit Scisurella hat es wohl Kiel und Band gemein, allein die ITt^/tb^-ähnliche 
Gestalt und der Nabel dieses Geschlechtes unterscheidet auch hier in hinreichender Weise. Auffällig nähert 
es sich dem Genus Haltotis und dessen Verwandten, denn nicht nur die flache ohrförmige Gestalt, auch die 
Textur und Ornamentik der Schale ähnelt bedeutend, und ich möchte also Temnotropts als eine Haltotis mit 
Spaltkiel statt Kiemenlöchern bezeichnen. Die äussere Form der Schale bestimmte Münster, eine schein- 
. bar richtige Anordnung der Schale bei Sigaretus zu geben, doch übersah derselbe das Band im Kiele, wel- 
ches sich, häufig mit Kalk ganz bedeckt und unscheinbar, dem Auge leicht entzieht, und nur an gut erhal- 
tenen Stücken wahrnehmbar ist. 

« 

Vemnotropi» cartnaia Münster sp. 

Tab. XXXV, Fig. 6. 

1841. Sigaretwi earinatus Münst. bei Gold f. Petref. Germ. III, Tab. XIII, Fig. 16. 

1841. Sigaretus caHnatus Münst. Beitr. IV, p. 90, Tab. IX, Fig. 16. 

1843. Sigaretus tenuieinclw KU pst. Östl. Alpen, p. 204, Tab. XIV, Fig. 20. 

1848. Stomatia carinata d'Orb. Prodr. I, p. 195. 

1862. Sigaretus earinaius Gieb- Deutschi. Petref. p. 476. 

1852. Sigaretus tenuieinctus Gieb. Dentschl. Petref. p. 477. 

1864. Stomatia carinata Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Beichsanst. p. 410. 

T, testa depressa auriformi, carina prominula angusta, striis regularibus obliguis spiralibusque texata» 

Schale flach ohrförmig, das Gewinde wenig vorstehend, der Kiel am Rande schmal, wenig erhaben, die 
Seiten in den Unterrand durch eine Wulst eingekrümmt. Mundöffnung weit. Die Oberfläche ist mit Spiral- 
streifen bedeckt, welche abwechselnd stärker und schwächer sind, darüber verlaufen starke gegen rückwärts 
gerichtete Anwachsstreifen, welche anfangs in ein Bündel gruppirt, am Rande sich in' einzelne auflösen. Die 
hiedurch entstehende Gitterung ist sehr fein und regelmässig, und die Spiralstreifen werden fein gekörnt. 

Klipstein's Sigaretus tenuieinctus halte ich nach dem, was mir bekannt wurde, für nicht verschieden 
von T. carinata, sondern nur für ein weniger gut erhaltenes Exemplar derselben Species. 

Originalexemplar im kais. Hof-Mineraliencabinet. 



1; Allem Anscheine nach gehört die von mir beschriebene P/duro/omarm drriformis auch hieher, leider kenne ich deren 
Mundrand nicht. 



Die Fauna der Schickten von St. Cassian. 43 

Grösse: Höhe 5 Millim., Durchmesser 11 Millim. 
Zahl der Umgänge 3. 

Vemnotrapt9 Mcarinaia Laube. 

Tab. XXXV, Fig. 6. 

jT. testa depressa auriformt , cartna prominente , anfractu supra excavcUo , infra obtuse carinato , apertura 
margine lato anffttstata, facie striis circularihua obliquisqtie regularibua omata. 

Die Schale ist niedergedrückt ohrförmig, das Gewinde steht nicht sehr vor, der Kiel steht weit und 
deutlich vor, oberhalb desselben ist die Schale flach ausgehöhlt, unterhalb fällt sie schräg ab, und bildet am 
Unterrande einen stumpfen Kiel. Die Basis ist flach öhrfbrmig , die weite Mündung durch einen breiten 
flachen Hinterrand eingeengt. Die Oberfläche zeigt wie die frühere Art regelmässige stärkere und schwä- 
chere Spiralstreifen, über welche quer na<5h rückwärts gerichtete Zuwachsstreifen verlaufen, wodurch die 
Schale ähnlich wie die vorige gegittert wird. 

Die Art unterscheidet sich von der früheren durch den am unteren Umfang auftretenden stumpfen Kiel 
und die eingedrückte Oberseite. 

Möglicher, ja sogar wahrscheinlicher Weise sind bisher beide Arten unter einem Namen bekannt 
geworden, da dieselben sich namentlich im verdrückten Zustande sehr ähnlich sehen ; auf die von mir abge- 
trennte Art lässt sich jedoch weder die Münster'sche noch Klipstein'sche Figur beziehen, sonach ist die 
Art jedenfalls als neu anzusehen, da sie sich von der T. cartnata sehr wesentlich unterscheidet. 

Originalezemplare in der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt. 

Grösse: Höhe 6-5 Millim., Durchmesser 17 Millim. 

Zahl der Umgänge 3. 

Genus EMAEGINÜLA Lamarck 1801. 
EmarginuMa inünsteri Pictet. 

Tab. XXXV, Fig. 7. 

?1834. Etnarginula eaneeUata Münst. Leonh. n. Bronnes Jahrb. p. 10. 
1841. Emarginula Qoldfuui Münst. (non Römer) Goldf. Petref. Germ. Tll, p. 8, Tab. 176, Fig. 15. 
1841. Emarginula Gold/tun Mttnst Beitr. IV, p. 92, Tab. IX, Fig.* 15. 
1848. Emarginula Gold/ussi d'Orb. Prodr. I, p. 197. 
1852. Emarginula? OoldJu$9i Gieb. Dentschl. Petref. p. 472. 
1856. Emarginula Müntteri Pictet Traitö Palöontol. 

1863. Emarginula Münateri Chenu Manuel comp. I, p. 872. 

1864. Emarginula Müntteri Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. ReichsauBt. p. 412. 

E, teata conica, apice retro tnclinata^ apertura rotundata, fissura media angustaj facie costis rectis transver- 
salihuaque cancellata* 

Die Schale ist konisch spitz, die Spitze nach rückwärts und gebogen eingerollt , etwas einseitswen- 
dig, die Mündung ist weit und rund, die Fissur in der Mitte der Schale eng und fein gerandet, so dass sie 
wie auf einer Rippe liegt. Rechts und links derselben zählt man 6—8 starke Längsrippen, zwische je zweien 
derselben eine feinere inserirt; über diese verlaufen horizontale Querrippen, welche sich auf den ersteren 
zu Knoten erheben, und dadurch erhält die Schale ein äusserst zierliches genetztes Aussehen. 

Die sich zwischen den Hauptrippen inserirenden schwächeren Rippen hat Münster nicht beobachtet, 
und es ist dies daraus erklärlich, dass sich zwischen den tiefen Netzmaschen viele Ealkmasse ansammelt, 
wodurch die feineren Rippen dem Auge ganz entzogen werden. Man entdeckt sie erst, sobald man den Kalk 
mit einer feinen Nadel wegnimmt. 

Die irrthümliche Identificirung der Art mit einer Species aus dem Goralrag von Hoheneggelsen hat 
Pictet beseitigt, sie war im vorliegenden Fall selbst dem scharfsichtigen d'Orbigny entgangen. 

Originalexemplar in der Sammlung der k. k. geologischen Beichsanstalt. 

Grösse : Höhe 10 Millim., Basisdurchmesser 7 Millim. 



44 Gustav C. Laube. 

Genus DENTALIUM Linn6 1740. 
MBentaUum undutaium. Münster. 

Tab. XXXV, Fig. 8. 

183i. Dentalium undtUatum Münst bei Leonh. u. Bronn Jahrb. p. 10. 

1841. Denialium undulatum Münst. Goldf. Petref. Germ. III, p. 3, Tab. 166, Fig. 8. 

1841. Denialium undulatum Münst. Beitr. IV, p. 91, Tab. IX, Fig. 6. 

1845. DentcUium canaliculaium Eli pst. Östl. Alp. p. 206, Tab. XIV, Fig. 28. 

1848. Dentalium undulatum d'Orb. Prodr. I, p. 197. 

1848. Dentalium canaliculatum d'Orb. Prodr. I, p. 197. 

1852. Dentalium undulatum Gieb. Deatschl. Petr. p. 468. 

1852. Dentalium canaliculatum Gieb. Deutschi. Petref. p. 468. 

1864. Dentalium undulatum Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Reichsanst. p. 412. 

jD. testa parum curvata rotundata, striis annularibus subtilihus recurvatia omata. 

Die Schale ist massig dick, schlank, drehrund oder schwach zusammengedrückt, wenig gekrümmt, die 
Oberfläche ist mit feinen jedoch sehr gleichmässigen Zuwachsstreifen bedeckt, welche sich an den Seiten 
aufwärts krümmen, so dass die Ringe schief auf dem Durchmesser der Röhre stehen und über die Bauch- 
seite tiefer als über den Rücken verlaufen. 

Die Art kommt nur in Bruchstücken, doch sehr häufig vor, und ist an ihren Zuwachsstreifen leicht zu 
erkennen. Durch eine seitliche geschieht es natürlich, dass auf den Seiten, oder wenigstens auf einer Seite 
eine Längsfurche entsteht. Diese Zufälligkeit hat Klip stein Anlass zur Gründung einer unhaltbaren Art, 
7). canaliculatum, gegeben, welche ich hiemit einziehe. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geol. Beichsanstalt. 

fJOenialium sttnUe Münster. 

Tab. XXXV, rig. 9. 

1841. Detifalium simile Münst Beitr. IV, p. 91, Tab. IX, Fig. 8. 

1848. Denialium simile d'Orb. Prodr. I, p. 189. 

1852. Denialium simile Gieb. Deutschl. Petref. p. 468. 

1864. Dentalium simile Lbe. Bemerk, im Jahrb- d. geol. Reiebsanät. p. 412. 

D. testa parum curvata tenui glabra. 

Die Schale ist, nach den Bruchstücken zu scbliessen, noch weniger gebogen als die frühere, dabei 
dünn, glänzend glatt und ohne jede Spur von Zuwacbsstreifen. 

Die Bruchstücke dieser Art kommen viel seltener vor als die der früheren, die glatte Schale lässt sie 
leicht erkennen , nur ist es immerhin auch möglich , dass die vorliegenden Bruchstücke stark abgeriebene 
Exemplare der vorigen Art sind, dass Dentalium simile also nicht unter die guten Arten zu nehmen ist. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt. 

MBentaUum decoraium Münster. 

Tab. XXXV, Fig. 10. 

1834. Dentalium decoraium Münst. in Leonh. u. Bronn's Jahrb. p. 10. 

1841. Dentalium decoratvm Münst. bei Goldf. Petref. Germ. III, p. 3, Tab. 161, Fig. 9. 

1841. Dentalium decoratum Münst. Beitr. IV, p. 91, Tab. IX, Fig. 7. 

1848. Dentalium decoratum d'Orb. Prodr. I, p. 197. 

1852. Dentalium decoratum Gieb. Deutsuhl. Petref. p. 468. 

1864. Dentalium decoratum Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Reichsanst. p. 412. 

JJ. testa crassa parum curvata (ptatrangulata vel quinquangulata, striis annularibus subtih'ssimis omata. 

Die Schale ist langgestreckt schlank, wenig gebogen und sehr stark, auf der Bauchseite schwach bogig 
gekrümmt , von zwei scharfen Kanten begrenzt , gegen den Kücken folgen zwei einander mehr genäherte 
Rippen , wodurch die Schale einen vier- , respective lllnfseitigen Durchschnitt erhält , wobei die Krümmung 



Die Fauna der Schichten von St. Cassian. 45 

der Bauchseite den ftlnften Winkel abgibt Die Oberfläche ist mit feinen Anwachsstreifen bedeckt, welche 
sich auf der Bauchseite schwach aufwärts krümmen, auf dem Rücken in derselben Weise abwärts steigen. 

Das äussere Ansehen, die regelmässige Streifung und die fünf Kanten geben der Schale viele Ähnlich- 
keit mit PteropodenhüUen, doch entspricht diesen keineswegs die Stärke derselben. Die Kanten lassen die 
Art leicht von den übrigen unterscheiden. Sie kommt übrigens auch nur in Bruchstücken vor. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geol. Beichsanstalt. 

Genus PATELLOIDEA Quoy et Gaimard 1832. 

(Äcmaea Eschholtz 1833 non Äcmaea Hartmann 1821.) 
PoMeUoidea campanaefomkis Klip st ein. 

Tab. XXXV, Fig. 1. 

1846. Patella eampanaeformis Klipst. Östl. Alpen, p. 204, Tab. XIV, Fig. 21. 
1848. Heleion campanaeformis d'Orb. Prodr. I, p. 197. 
1852. Paiella eampanaeformtB Gieb. Deutsch!. Petref. p. 471. 

P. testa plana, aptce obtuso medio, rugis circularihus ornata. 

Schale flach oval; nicht besonders tief, der stumpfe Scheitel liegt der Mitte ziemlich nahe , die Ober- 
fläche ist von concentrischen Ringfalten bedeckt, welche in einiger Entfernung vom Scheitel etwas stärker 
markirt sind als in dessen unmittelbarer Nähe. 

Die Art ist ganz jenen aus der Kreide und dem Jura bekannten Formen mit circulären Falten analog, 
wie sie eigentlich unter Äcmaea zusammengefasst werden. Da jedoch ein älterer Gattungsname Acmea exi- 
stirt, fand ich es räthlich, um IrrthUmern vorzubeugen, den mehr gebräuchlichen Namen Patellotdea in An- 
wendung zu bringen. 

Die Art scheint ziemlich selten zu sein , sie ist zugleich die grösste unter den verwandten Formen von 
St. Cassian. 

Originalexemplar im kais. Hof-Mineraliencabinete. 

Grösse: Höhe 5 Millim., grösster Durchmesser 16 Millim., kleinster 13 Millim. 

Genus PATELLA Linn6 1752. 
Fatella costutata Mtlnster. 

Tab. XXXV, Fig. 12. 

1841. PaieUa eostulata Münst. bei Goldf. Petref. Germ. III, p. 7, Tab. 167, Fig. 9. 

1841. Patella eostulata Münst. Beitr. IV, p. 91, Tab. IX, Fig. 9. 

1848. Heleion eostulata d'Orb. Prodr. I, p. 197. 

4 1852. Patella eostulata Gieb. Dentschl. Petref. p. 471. 

1864. Patella eostulata Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Reichsanst. p. 412. 

P. testa subco7iica, aptce medto, costibus acutis fortiortbua subtiliortbusque ornata. 

Schale mittelmässig gewölbt mit mittel ständigem Scheitel, die Oberfläche trägt 16 bis 18 scharfe starke 
Strahlenrippen, zwischen welche sich schwächere einschieben. Der Umriss ist oval, der Rand ausgezackt, 
da die primären Rippen darüber hinausragen, während die secundären kaum merklich vorstehen. 

Durch die niedrigere Form und die abwechselnd stärkeren und schwächeren Rippen von Patella granu- 
losa verschieden. Nicht sehr häufig. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt. 

Grösse: Höhe 3 Millim., grösster Durchmesser 6 Millim., kleinster 5 Millim. 

JPaiella granulata Münster. 

Tab. XXXV, Fig.. 13. 

1841. Patella granuZosa Münst. Beitr. IV, p. 92, Tab. IX, Fig. 10. 

1841. Patella capulina Braun bei Münst. Beitr. IV, p. 94, Tab. IX, Fig. 11. 



46 Gustav C. Laube. 

1&48. Heleion granulös d*Orb. Prodr. I, p. 197. 

1848. Helcion eapulina d*Orb. Prodr. I, p. 197. 

1852. Patella grantUata Gieb. Dentschl. Petref. p. 471. 

1852. Paiella eapulina Gieb. Deutschi. Petref. p. 471. 

1864. Patella granuJata Lhe, Bemerk, im Jahrb. d. geol. Reichsanst. p. 412. 

P. testa conica , apice acuto media , eostibus radiantibua aequalibua granulosis crehrut omafa , apertura 
ovalt. 

Schale spitz kegelförmig mit mittelständigem Scheitel, von welchem zahlreiche starke etwas knotige 
Rippen verlaufen, zwischen welchen feine Qaerlinien sichtbar sind. Der Umriss der Schale ist oval, der Rand 
scheint nicht wie bei P. coatulata ansgezackt, sondern ganz zu sein. 

Die Art unterscheidet sich leicht durch ihren spitzen Scheitel und die zahlreicheren etwas knotigen Rip- 
pen von der früher genannten Art. Ein wohl nur schlecht erhaltenes jugendliches Exemplar hat Braun als 
besondere Species beschrieben, welche ich hier beiziehe. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt. 

Grösse: Höhe 6 Millim., grösster Durchmesser 8 Millim., kleinster 7 Millim. 



Die Fauna der Schichten von St Cassian. 47 



ERKLÄRUNG DER ABBILDUNGEN. 

(Die natürliche Grosse ist, wo nothig, in Contur beigefügt.) 



TAFEL XXIX- 

Fig. 1. CerUhium Alberti Münst. p. 3. 

p 2. Cerithium huertum Httnst. p. 3. 

„ 3. Cerühium tuheancelltUum Münst p. 4. 

^ 4. Ceriihium eolon Münst. p. 4. 

n 5. Ceriihium Bolinum Münst p. 6. 
„ 5 b, Ceriihium BoUnum Tar. iroehlecUum Münst p. 6. 

„ 6. Ceriihium Konineheanwn Münst p. 6. 

„ 7. Ceriihium pygmaeum Münst. p. 6. 

p 8. Ceriihium nodoao-plieaium Münst p. 6. 

„ 9. Ceriihium deeoratum Klip st. p. 7. 

„ 10. Ceriihtum Brandts Klip St. p. 7. 

„ 11. Ceriihium quadrangvicaum Klip st. p. 8. 

„ 12. Ceriihium aubquadrangulatum d*Orb. p. 8. 

TAFEL XXX. 

Fig. 1. Ceriihium feneetratum Lbe. p. 9. 

„ 2. Ceriihium pulehellum Lbe. p. 9. 

„ 3. FoBsarus eoneenirieua Münst p. 11. 

„ 4. FoMarus pyrulcte/ormi» Klips t'p. 11. 

j, 5. I^euna Bronni W 1 s S m. p. 9. 

„ 6. Laeuna eanalifera Lbe. p. 10. 

„ 7. Turriieila earinaia MÜnst p. 13. 

„ 8. Turriieila eueyela Lbe. p. 14; Fig. Sb ein jüngeres Exemplar. 

„ 9. Turriieila exeavaia Lbe. p. 15. 

jf 10. Capulua puaiuloaua Münst. p. 15. 

„ 11. CapuluM fenestraius Lbe. p. 15. 

„12. Capului alaiua Lbe. p. 16. 

TAFEL XXXL 

Fig. 1. NeriiopBiB Waageni Lbe. p. 16. 

yy 2. Neriiop8i$ omaia Münst. p. 17. 

„ 3. Neriiopei» subomaia Münst. p. 17. 

„ 4. Neriiaptis decusacHa Münst. p. 17. 

„ 5. Phaaianella Müneieri Wissm. p. 18. 

„ 6. Phoiianella pieia Lbe., mit erhaltenen Farben, p. 18. 

„ 7. Phatianeüa easaiana Wissm. p. 19. 

„ 8. Phaaianella eingulaia Lbe. p. 19. 

„ 9. Turbo aubearinatua Münst; Fig. 9a jnnges Exemplar mit drei scharfen Binden; Fig. 9b mittleres Exemplar, bei 

welchem die Sch&rfe der Binde abnimmt ; Fig. 9 e ausgewachsenes Exemplar , p. 20. 

„10. Turbo faaeiolaiua Münst p. 21. 

„ 11. Turbo pleuroiomariua Münst. p. 21. 

„12. Turbo elegana Münst p. 21. 

„13. Turbo aubeinciua d'Orb. p. 22. 



18 



Gustav C. Laube. Die Fauna der Schichten von St Cassian. 



71 

n 



TAFEL XXXII. 

Fig. 1. Turho Satyrua Lbe. p. 23. 

2. Turho Philippi Klip'st. p. 23. 

3. Turho eoneinnus Klip St. p. 24. 

4. Turho Eurymsdon Lbe. p. 24. 
6. Turho Silmus Lbe. p. 24. 

6. Turho Epaphus Lbe. p. 25. 

7. Botella sphaeroidica Klip st., mit den Farben erhalten, p. 27. 

8. Delphinula laetngaia MÜnst. p. 27. 

9. Delphinula $pirdlu Münst. p. 28. 

10. Delphinula Pichleri Lbe. p. 29. 

11. Delphinula spectahilia Lbe. p. 29. 

12. Delphinula suhdentata Münst p. 28. 



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TAFEL XXXIIL 



Fig. 1. Foaaariopns Münsteri Klip Bt, p. 13. 

„ 2. Foaaariopsis rugoso-earinaia Klip St. p. 12. 

„ 3. Delphinulopaia hinodoaa Münst. p. 30. 

„ 4. Delphinulopaia armata Münst. p. 31. 

^ 5. Delphinulopaia arietina Lbe. p. 32. 

„ 6. Trochua auhconeavua Münst. p. 32. 

jf 7. Trochua auhhiaertua Münst. p. 33. 

„ 8. Trochua auhglaher Münst. p. 33. 

„ 9. Trochua auhdecuaaaiua Münst. p. 33. 

J^ 10. Trochua aemipunctcUua MÜnst. p. 34. 

„11. Trochua hiatriatua Münst. p. 34. 

;, 12. Trochua auhcoataiua Münst. p. 35. 



Fig. 1. Troehus nudua Münst. p. 35. 

jf 2. Trochua Dealongchampm Klip St p. 36. 

„ 3. Trochua auhpunctaiua Klip st. p. 36. 

„ 4. Trochua Eupator Lbe. p. 86. 

„ 5. Trochua Prometheua Lbe. p. 37. 

„ 6. Trochua Epimetheua Lbe. p. 37. 

„ 7. Trochua glandulua Lbe. p. 38. 

„ 8. Fachypoma ealcar Münst. p. 25. 

„ 9. Fachypoma Endymion Lbe. p. 26. 

„ 10. Fachypoma Dämon Lbe. p. 26. 

„ 11. Monodonta nodoaa Münst. p. 38. 

„12. Monodonta Caaaiana Wissm. p. 39. 

„13. Monodonta aupranodoaa Klip st. p. 39. 



TAFEL XXXIV. 



TAFEL XXXV. 



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Fig. 1. Monodonta auhnodoaa Klip st. p. 40. 

„ 2. Monodonta apiraia Klip St. p. 40. 

y, 3. Monodonta delicata Lbe. p. 41. 

4. Monodonta gracilia Lbe. p. 41. 

5. Temnotropia carinata Münst. p. 42. 

6. Temnotropia hicarinata Lbe. p. 43. 

7. Emaryinula Münateri Pict. p. 43. 

8. Dentalium undulatum Münst. p. 44. 

9. Dentalium aimile Münst. p. 44. 

10. Dentalium decoratum Münst. p. 44. 

11. Fatelloidea campanarformia Klip st. p. 45. 

12. Fatella coatulata Münst. p. 45. 

13. Fatella granulata Münst. p. 45. 



Laube . Paiina von St. Cassia 



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Fitf. I. Crilhhini Mhfrli Mstr. Fig. .i. frriffiitim Bolinam Matt. Pig. 9. Crrilfuum drnoralftm fWftat . 

I'i</.'X. • • hiafrlwii Mtlr. Ft'ff.G. • • honinekfaitiim Malr . fVg. fO. • - ßra^ndis lilifint. 

Fi;/. .7. • • aiiliFMnfrJlaUitH . Httr.Fii/. 7. • • piftftnafutti Matr . Fitf. II. - ifuadranyaialum fiiip^t. 

J'ig.'h ' • f«lmi .V.rlr. Fig.S. • • nodjMopUftiüitii MMr.fig.fü. • • «uhqaädmnyiilaium 



d-Ori. 



Uenksrin-men der k.Akail.d.V.niath.iialurw.a.\X\.Bd.l869. 



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raloArmü Mtlr. Fiff,i Laama Brennt K^ssm. Fig-6. Laeuna tartalifrrti Lhr.f'ij.i Ti'rri'f/f/i rnriiintii Mr/r/ufS. 7'iirrifrl 
ÄJ ruofda £be.f}'^.9Tiifritr//,i fjTai-a/a Lhf.F(^.///.Capii/fis fiusHifewi-r Mai: Fi^/fll',if,u/ii.y frnf.itrti/tig Lbr Fifj 1^ rnfiit 
lus üU^tiia Lhr 

Drnk.tchrirten d k Akait d U'is.v rrt.sih niAlli.iialiirw. CI XXX.Bil lAüS- 












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f'ig.} A'cri^^U Waifeni. Lbe. fhj.^ .VfrUa/iiii.t orimUi Aisir. Fi'j-'i Xerihipsü suhtTli 
f^.i /'fuuiianeMti MäiitUrl< Fig.fy FhattiatitiJti pirUt Lhr. Fiij i l'tuwi,i/ifila r. 
Fiij. 9 Tiirhi- sHb>:iriiielai Mifr. Fig. Ift Titrt« f',urü>t,U.M*li: KU. Turh> phiir,.(aK 
Fiij.l-i TiiHio !inhemrtu.t d'Orh 



lUi M.itr.Fiif.4 .Vrritiifixij dmistaiii Mutr. 
ssiimii Wtftm Fig.it FfmtaaneUa tingutata Utr. 
ariutMitr Füj 12 Turiut c/^^au Mxln 



[}(-nk»i4irit'lrn d.k Altnd.a.WiKHtii^ch math notiirw. Cl XX\. Bd («6». 









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Laubo. Fauna van Srt.Oiriran . 



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fif/ 7iirte Sa/ff/w Mf «y? Tui-be l'hiiipfit KIpsi t\gJ Tw-io cenriiiiiiu Kli/iM f)^'i nii-bo Hiiiyieden l.hr fig-i Tui^o .SiJrrriu I.bf ^ij-S 
7'urtt K/uifihus lir f'iy ! JlitIfUa tfiÄafimäitn hl/til FiyS IJf/fi/iiniiia Imaiyala Mitv Fig9 Dfi/iliii/ii/n sfiim/u Miii- f'iy /ff /M/ihi/iuia Pitii 
Itnhbf f'if II Urlidümtii tiiffMtlu 1^ fig n Miihmu/a Ihm l.kf. figll IMfi/iiHii/a «iMeiilata Jtj/f. 



Denkschriften d.k.Akad d.W.tnntli.iiaturw CLXXX.Ba.t8B9. 



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mala Milr. fi^i. IM/i/utmUimt arirtüia Lbr FigS Trofhia ntbmnftioui MUt: Fig. 7 Troduu nMn-fftiiM H'Orh FigS Trpiiiu» stik^fabtr 
HstrFigd'rrwhmtiibdfaiHatiaMstr FiflO Trothiu srnufliinHatm Mili: Fig II.Trefiiiii hn'iHtitiu Msir Fi^lt Trwfiai siibroilitUia Miln 

DenkKrfirini'n (l.k Akad d Wstu'KKrli malh nalurH^n XXX [td I.Sfi^ 









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/V^./. li-Br/ms iiiidiLi ffulr. Fiif. J.'. Trii: llrxliiiiiji-hiimiixii fili/ixl. Fi/j. -1. Trn. .iii/,/ii,iir/n/i/.t Ulifiil. fiff. *. TYotfavi 

Sufinittr Lbf. /■'ly.-i l^rfiu.f hvmrÜirlls lif f/y. G. 'fi-a: /i/iifiirtiin/.r l.br.h'g.7. '/Ya.g/iiiit/iilii.r t.hf.f^.A./hr/u/.. 

pama ra/mr M.^lr. Fiy.9. Parhi/p: Uniii/inion Lbr.l'ig.lO.l'adiyfi :Diinion Lhf.f'iy.ll. Mormtlonta noiiosn A/.tlr. 

FiffJlMoiioilonla fti.t.ti'/iria Wi.^i.Fiy.l.'l.,Htiii:.ii^irariPiie.ta ffJ/i.rf. 

DrnkHrhHfl'-nil.k.Aknd.il.Wi.six-ii.ii-h.iMi.lli.TiHlDrv.nXXX Bil.innS. 



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figj. Tunintivfih eahnata Mstr. Fi^S. rfmiloliv/iü iirariiiala hbr t'ig. l Hmaiyhiiila Mumlrii I'kI t'lgS Üriilalhim aiif/iUahim Milr 
f^UDtiitiiliitm liiitUfMslr fig /S //rnlaliuw defoitUniii MUr Fig.ll.PfitfUoid'n rnrnfmiurfaniui hltjut- f'ig U PairUa nw/w/s/o Mür fi^ IS 

Fatrila givnuMa M^fr 
ßunlntchriftMi dk Akad d Wixsenidi nulh.MJilurw (1 \ X X . I)d 1869 






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49 



DIE 



FAUNA DER SCHICHTEN VON ST. CASSIAN. 



Ein BEITRA& ZÜE FALiOSTOLO&IE DER ALFIHEN TRIAS. 

BEARBEITET ZUNÄCHST NACH DEN MATEBIALIEN BEB K. K. GBOLOGISCHEN BEI0H8AN8TALT 

VON 

Db. GUSTAV O. LAUBE. 



V. ABTHETLUNG. 

CEPHALOPODEN. SCHIÜS8W0RT. 

(VOKGELEOT IN DER SITZUNG DER IfATHEHATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHEN CLA88E AM 12. MÄRZ 184S.) 



Übendoht der angezogenen Literatur. 



1793. lavier Wulfen. Abhandlnng vom kärnthischeii pfauenschweifigen Helmintholith oder Muschelmarmor von Blei- 

berg. 

1834. Georg Graf lu Afinster. Über das Kalkmergellager von St Cassian in Sttd-llrol und die darin vorkommenden Cera- 

titen. In Leonhard und Bronn's Neues Jahrbuch für Mineralogie und Geologie. 

1841. Geerg Gräfin Munster. Beiträge zur Petrefactenkunde, lY. Heft. Auch unter dem Titel: Beitrage zur Geognosie 

und Petrefactenkunde des südlichen Tirols, vorzüglich der Schichten von St. Casdan, von Dr. Wissmann 
und Graf Münster unter Mitwirkung des Dr. Braun herausgegeben. 

1843. F. A. V. Kitpstrln. Beiträge zur geologischen Kenntniss der östlichen Alpen. 

1846. Frani t. Hauer. Die Cephalopoden des Salzkammergutes, aus der Sammlung Sr. Durchlaucht des Fürsten v. Met- 

ternich. 

1846. Frani t. Bauer. Über die Cephalopoden des Muschehnarmors von Bleiberg in Eämthen. Haidinger's naturwis- 

senschaftliche Abhandlung, I. Band. 
1846 — 1849. Quen&tedt. Petrefactenkunde Deutschlands. L Cephalopoden. 

1847. Frans ▼. flauer. Neue Cephalopoden aus dem rothen Marmor von Aussee. Haidinger^s natnrwissenschafrliche 

Abhandlung, I. 

1848. Enillfo Gernalla. Notizie geo-mineralogiche sopra alcune valli meridionali del Tyrolo. 

1849. Alclde d^Orbi^nj. Prodrome de Paläontologie stratigraphique universelle des animaux moUusques et rayonnds, 

Tome I. 

1849. Frans ▼. flauer. Über neue Cephalopoden aus den Marmorschichten von Hallstatt und Aussee. Haidinger's 

naturwissenschaftliche Abhandluilg. III. Band, 1. Abtheilung. 

1850. Frans ▼, flauer. Über die vom Herrn Bergrath W. Fuchs in den Venetianer Alpen gesammelten Fossilien. 

Denksclir. d. kais. Akad. d. Wissensch. II. Band. 
1862. C. G. Giebel. Fauna der Vorwelt III. Band, Cephalopoden. 

D«nktchrilten der mathem.-naturw. CI. XXX. Bd. Abhandl. von NichtmitgUedeni. g 



50 Gustav G. Laube. 

1855. Frau r. lauer. Beiträge zur Kenntniss der Cephalopoden-Fauna der Hallstfitter Schichten. IX. Band. Denkschrif- 

ten d. kais. Akad. d. Wissensch. 

1855, Koclilin-Schluniberger. Sur la formation de Saint Cassian dans le Vorarlberg et dans le Tyrol. Bulletin de laSoci^tö 

g6ol. de France. II. Serie, Xn. Band, p. 1045 ff. 

1858—1860. k. Sttppaoi. Lcs Petrifications d'Esino. 

1860. Frani f. Hauer. Nachträge zur Kenntniss der Cephalopoden-Fauna der Hallstätter Schichten. LII. Bd. Sitzungsb. 

d. kais. Akad. d. Wissensch. 

1860. Ferdinand Frelh. v. RIchtkvfen. Geognostische Beschreibung der Umgegend von Predazzo, St. Cassian und der 

Seisser Alp. 

1863. Fr. T. .4lbertl. Überblick über die Trias. 

1864. 6. C. Laube. Bemerkungen über die Münster'schen Arten von St. Cassian in der Münchener paläontologischen 

Sammlung. Jahrbuch der k. k. geologischen Keichsanstalt, Bd. 14. 

1865. Frau t. Hauer. Die Cephalopoden der unteren Trias der Alpen. LII. Band. Sitzungsb. d. kais. Akad. d. Wis- 

sensch. 
1867. E. Beyricb. Über einige Cephalopoden aus dem Muschelkalke der Alpen und über verwandte Arten. Abhandlun- 

gen der königl. Akad. d. Wissensch. in Berlin 1866. 

(Alle anderen citirten Werke sind Im Texte mit dem Tollen Titel «ngefSlirt.} 



Die älteste Abhandlung, welche wir über die Versteinerungen von St. Cassian besitzen , Mttnster's 

Aufsatz im neuen Jahrbuch für Geologie und Mineralogie von Leonhard undBronn^ 1834, ist yorzugs- 

weise der Betrachtung der Cephalopoden gewidmet, welche der gelehrte Graf bis dahin aus den Schichten 

von St. Cassian kennen gelernt hatte. So bescheiden diese Arbeit ist, so hat sie immerhin einen Werth und 

ist besonders desshalb von Interesse, weil Münster aus dem Charakter der Fauna der Cephalopoden einen 

Schluss auf die Stellung der Schichten von St. Cassian zieht, und hiebei zu einem ganz richtigen Resultate 

kommt. Man muss nämlich die Schwierigkeit bedenken , welche die durch ihre Ähnlichkeit mit der Kohlen- 

kalkfauna sehr verwirrende Fauna von St. Cassian und die sehr unvollkommenen Kenntnisse des Terrains 

dem Forscher bereiteten. Freilich schwankt die Lage ziemlich weit ; zwischen dem Kohlenkalk und Lias, 
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sagt Münster, müssen die St. Cassianer Schichten dem Charakter ihrer Cephalopoden gemäss ihre Stellung 
finden. Näher aber ist er dem Ziele doch gekommen , als er später selbst und als viele seiner Nachfolger 
waren, die durch mancherlei Umstände irre geleitet, bedeutend auf und ab schwankten. Zu solcher Unsicher- 
heit gab namentlich das Auffinden von paläozoischen Thierformen neben mesozoischen Veranlassung. 

Als man im Beginne des dritten Decenniums dieses Jahrhunderts die ersten Orthoceratiten in Gesell- 
schaft von Ammoniten in den Hallstätter Schichten beobachtete (in der vorstehend erwähnten Abhandlung 
erwähnt jedoch Münster, dass er schon damals, also 1834, das Vorkommen von Orthoceras von Aussee 
kenne) , war Leopold v. Buch zuerst geneigt, dies für ein Artefact zu nehmen (Jahrbuch von Leonhard 
und Bronn, 1833, p. 188), und es hat einige Zeit gebraucht, bis man sich von dem Factum sicher und all- 
gemein überzeugt hatte. Damals hat es überrascht, Thierformen, welche man längst abgelebt und unter den 
Trümmern einer zusammengestürzten Welt begraben glaubte, mit solchen wieder aufleben zu sehen, welche 
erst in späterer Zeit zur Entwicklung konunen. Und als nun noch Münster und Klip st ein in offenbar jün- 
geren Gebilden als der Kohlenkalk ist , wie K 1 i p s t e i n meinte , im Jura sogar , in den Schichten von St. 
Cassian, Goniatiten fanden, da meinte man, es seien die Sätze der Paläontologie, dass die Goniatiten nicht 
über den Kohlenkalk , die Ceratiten nicht über den Muschelkalk* hinausgehen , mit einem Male über den 
Haufen geworfen (Klip stein, Ostl. Alpen, p. 102). Was die vermeintlichen Goniatiten und Ceratiten von St. 
Cassian sind , das wollen wir bald kennen lernen. Wohl aber muss das Vorkonunen von sicheren paläozoi- 
schen Formen neben mesozoischen im Auge gehalten werden , es war dies ein sehr deutlicher Fingerzeig, 
dass die Theorie der gewaltsamen Umwälzung , wie sie sich so breit gemacht hatte , doch mit der Wirklich- 
keit nicht in Einklang gebracht werden könne, und heute, wo wir richtigere und der Erfahrung entsprechen- 
dere Ansichten cultiviren, haben wir uns auch damit vertraut gemacht, solche Erscheinungen nicht mehr als 
Absonderlichkeiten zu betrachten. Im Gegentheil, wenn unsere Ansicht von der allmäbligen Entwicklung der 
Faunen durch natürliche Züchtung im Kampfe ums Dasein die richtige ist, so müssen wir auf derlei Faunen 



Die Fauna der Schickten von St Cassian. 51 

stosseD, mehr noch, wir müfisen, je weiter wir in der Folge der Schichten nach abwärts steigen^ immer mehr 
Formen der früheren Periode finden , die sich mit später sich entwickelnden mengen ^ und je weiter und 
weiter wir abwärts steigen^ desto seltener werden die letzteren werden, je weiter aufwärts, um so mehr wird 
das Umgekehrte der Fall sein. Offenbar aber wird eine Reihe neben einer beträchtlichen Anzahl jüngerer 
Formen eine eben solche älterer Formen enthalten , jene Zone , welche in der Mitte oder nahe dieser liegt, 
und dies ist unserer Eenntniss nach die Trias und in entsprechender Weise die in so merkwürdiger Vollstän- 
digkeit erhaltene Fauna der St. Cassianer Schichten. 

Ich habe bei der Behandlung der früheren Thiergruppen wiederholt darauf hinweisen können , wie die 
Fauna von St. Cassian in dieser Weise unserer vorstehenden Anschauung entspreche. Untersuchen wir nun, 
inwieweit sich dieses auch bei den Cephalopoden rechtfertigen lässt. 

In der Fauna der Cephalopoden von St. Cassian sind bereits alle Formen vorhanden, welche in den fol- 
genden jüngeren Schichten von Hallstatt zur Entwicklung kommen , jefter Reichthum der Formen , wie wir 
ihn hier bei den Cephalopoden kennen , fehlt jedoch gänzlich. Von den Nautilen kennen wir aus den Hall- 
stätter Schichten noch unzweideutige Imperfecten (N. Barrandei und N, hrevts Hauer), daneben jedoch 
schon sichere Laevigaten; aus St. Cassian kennen wir bisher blos die ersteren , und an einem von ihnen 
genau die Entwicklang , welche Barrande von silurischen Nautilen aus Böhmen bekannt gemacht hat; 
freilich ist die Möglichkeit, in St. Cassian noch andere Nautilen ausser Imperfecten aufzufinden, nicht aus- 
geschlossen, aber bis jetzt ist diese Gattung ganz ihrem paläozoischen Habitus getreu geblieben. Die 
gestreckte Nautiltis-Form Orthoceras haben wir in beiden Schichtengruppen und wohl auch noch später. 
Dies sind die beiden Geschlechter, welche mit paläozoischem Charakter in diese Schichten heraufragen. Zu 
ihnen kommt jedoch in St. Cassian noch ein drittes sicheres paläozoisches Geschlecht aus der Reihe der Go- 
niatiten , das ist Bactrites , welches in zwei unzweifelhaften Arten in St. Cassian erhalten ist. Dies 
Geschlecht ragt meines Wissens nicht mehr in die Hallstätter Schichten hinauf, und ist der letzte Repräsen- 
tant dieser Cephalopodengruppe, und hiemit, wenn auch weniger deutlich wie bei den übrigen Thiergrappen, 
bei den Gastropoden namentlich, auch hier der Charakter der vorstehend ausgesprochenen Anschauung an- 
gepasst, was noch viel mehr wäre, gäbe es in St. Cassian wirkliche Goniatiten. 

Unsere älteren Forscher haben uns zwar aus den St. Cassianer Schichten auch Goniatiten bekannt ge- 
macht, was wie ich erwähnte, dieselben sehr constemirte, aber schon Quenstedt's sicherem Blicke war 
es nicht entgangen , dass jenen vermeintlichen Goniatiten das Hauptmerkmal der Goniatiten , die zwischen 
Aussen- und Scheidewand gelegene Siphonaldüte abgehe , dass man sogar bei eingehender Untersuchung 
Zacken in den Loben wahrnimmt, wenn man nur recht hinsieht. Und nun wissen wir, dass jene triadischen 
Goniatiten zum Theile Jugendformen von Ammoniten sind , wie ^rir später sehen werden ; zum Theile aber 
erkennen wir sie, nachdem uns Hauer zuerst die Clydoniten aus Hallstatt als ein sicheres Geschlecht ken- 
nen gelehrt hat , als solche wieder. Die paläontologische Erfahrung , dass die echten Goniatiten nicht über 
die Grenze der paläozoischen Schichten greifen, hat sich also bis jetzt bewahrheitet, und wenn Klip st ein 
klagt, dass ihr durch seine und Münster's Entdeckungen triadischer Goniatiten ftlr immer das Urtheil ge- 
sprochen sei, so war dies ein sehr vorschnelles Urtheil, das nur zu bald wieder ausser Rechtskraft trat. 

Die Clydoniten also, die wir durch Hauer's Forschungen aus den Hallstätter Kalken , durch Sto- 
liczka aus der Trias des Himalaja kennen lernten, fehlen uns in St. Cassian, wie vorerwähnt, auch nicht. 
Wohl aber lässt sich auffälliger Weise jenes Cephalopodengeschlecht, das noch in den Schichten, welche die 
St. Cassianer unterlagem, auftritt, die Ceratiten nicht mehr aus diesen nachweisen. 

Wohl hat die ältere Forschung auch von ihnen eine ansehnliche Zahl namhaft gemacht, und Münster's 
zuerst beschriebene Ammoniten von St. Cassian sind aUe als Ceratiten bezeichnet ; aber auch diese haben 
sich als Jagendformen echter Ammoniten bewiesen. Das Übergehen goniatitenähnlicher Jugendformen in 
ceratitenähnliche , und solcher in wahre Ammoniten ist den ersten Bearbeitern der Fauna nicht entgangen, 
sie bemerken selbst, wie schwierig es sei , Jugendformen, Goniatiten und Ceratiten und Ammoniten zu tren- 
nen, aber zur richtigen Beurtheilung gelangten sie nicht , indem sie sich fast durchgehends verleiten liessen^ 



52 Gustav C. Laube. 

nicht EntwicklungsreibeD; sondern verschiedene Gattungen in den durch die verschieden geformte Lobenlinie 
verschiedenen ungleich alterigen Individuen auch bei äusserer Übereinstimmung zu erkennen. 

Diese bei zahlreichen Arten zu beobachtende Entwicklung der Lobenlinie ist aber für unsere Kenntnis» 
der Gestaltung der ganzen Cephalopodengruppe von einiger Bedeutung , denn alle diese Arten werden Bei- 
spiele zur Erhärtung der Ansicht ^ dass sich die gekammerten Cephalopoden ganz in der Weise zu einander 
verhalten , wie wir dies in vielen anderen Thiergruppen kennen , dass die einfachste und älteste Form der 
Embryonalform am nächsten bleibt , während sich nach und nach höhere Formen daraus entwickeln , deren 
höchste in ihrer Entwicklung alle vor ihm liegenden Formen als Entwicklungsphasen durchwandert ^ so dass 
im vorliegenden Falle Goniatites, Ceratüea und Ammomtes eine aufsteigende Seihe bilden. 

Betrachtet man aber die Lobenlinie eines ausgewachsenen Ammoniten aus den St. Cassianer Schichten 
aufmerksam, so kann es kaum entgehen, dass die Anordnung derselben noch weit mehr an die Ceratitenform 
erinnert, als an die späteren jurassischen Ammoniten, da sind die tief gezackten Lobensäcke und die fast 
ganzrandigen oder doch wenig getheilten Sättel, welche sich leichter zur Ceratiten-Linie als zur Ammoniten- 
Linie umgestalten lassen ; aber auch die Lobenlinie des auftretenden ältesten Phylloceraa (P. JarbaaJ ist in 
einer auffallenden Weise der der Ceratiten ähnlich , bei weitem mehr als dieses bei den Ammoniten der Fall 
ist, und das wtlrde darauf hindeuten, dass das Genus Phylloceraa nicht durch Abzweigung von Ammo- 
nitea entstanden ist , sondern sich schon von Ceratttea aus neben Ammonttea entwickelt haben dürfte. Ver- 
gleicht man die Lobenlinie Hallstätter Ammoniten einschlägiger Art mit denen von St. Cassianer Arten , so 
wird man sich überzeugen , dass jene bei weitem entwickelter sind als diese , und dass diese in dem Cha- 
rakter der grösseren Einfachheit sohin etwas Alterthümliches bewahrt haben. Vielleicht könnte man mir hier 
den Einwurf machen wollen , dass die Lobenlinie der Hallstätter Ammoniten desshalb von weit grösserer 
Entwicklung seien , weil die Hallstätter Ammoniten offenbar erwachsene Thiere sind , und bei ihrem Leben 
auf hoher See die Kammerwände besonders ausgebildet haben. Nun kann ich hier eben antworten, dass sich 
in St. Cassian auch viele grosse Individuen finden , welche sich der Küste näherten , dort zu Grunde gingen 
und erhalten sind ^ und auch diese haben den Ausdruck der Einfachheit , während das in den Hallstätter 
Schichten vorkommende Phylloceraa von dem Cassianer nicht zu unterscheiden ist. 

Unser gelehrter Arbeitsgenosse Prof. S u e s s hat das Verdienst , zuerst einen Schritt gethan zu haben, 
um in das Heer der Ammoniten eine Classification zu bringen. Mit vielem Scharfsinne bat Suess die globo- 
sen Ammoniten der Trias von den übrigen Ammoniten geschieden. Wenn man die Clydoniten dagegen hält, 
so ist schon die äussere Form der Schale eine sehr ähnliche , wenn nun auch die Abwicklung der Bohre 
selbst bis zuletzt auffällige Abweichungen der Lobenlinie zeigt, so ist die Möglichkeit immerhin vorhanden, 
dass sich von den Goniatiten durch die Clydoniten, vielleicht durch ein noch unbekanntes Genus mit gezack- 
ten Loben zu den Arcesten eine zusammenhängende Reihe in der Weise wie die oben von den Anunoniten 
gegebene darstellen lässt. Wir hätten bis jetzt den Anfang und das Ende der Beihe , die Mittelglieder fehlen 
noch, die sich aber vielleicht finden werden , sobald wir im Laufe der Zeit über die Schichten der Trias und 
ihre Verbreitung noch mehr kennen werden als jetzt, und es wird dann gelingen, eben solche Verbindungs- 
linien zwischen den einzelnen Entwicklungsreihen der Lobenlinie zu ziehen , wie wir sie dermalen nach der 
Form der Röhre haben. 

Es ist ans der Reihe der Cephalopoden von St. Cassian eine ziemliche Anzahl von Ammoneen bekannt 
geworden , und wir wissen nunmehr auch , dass selbst die unter den St. Cassianer Schichten gelegenen Hal- 
lobienschichten noch Ammoneen enthalten, von denen wir bisher drei Formen kennen lernten; über das Ver- 
hältniss der Fauna weiter hinunter sind wir aber sehr im Unklaren , und es ist wohl wahrscheinlich , dass 
sich noch eine ganze Entwicklungsireihe von Faunen zwischen den Ceratiten ftlhrenden Schichten und den 
Ammoniten führenden einschalten mag , von denen wir bisher noch nichts kennen gelernt haben. Kennen 
wir ja noch jetzt nicht einmal jene Hochseefacies, welche zu der Uferfacies von St. Cassian gehört, mit gan- 
zer Sicherheit; denn dass dies eine solche sei, und zwar, dass wir uns dieselbe als einen ruhigen Aufent- 
haltsort kleiner oder junger Thiere denken müssen , bjeweisen gerade die vielen jungen Ammoneen , welche 



Die Fauna der Schickten von 8t. Casstan. 53 

sich in zabllosen Individuen in ganz verschiedenen Altersznständen in den Schichten von St. Gassian finden, 
dagegen vollkommen ausgewachsene Individuen zu den Seltenheiten gehören. Es ist anzunehmen, dass sich 
diese letzteren nur dann der Bucht näherten und in sie hineinkamen , wenn sie ihre Eier absetzen wollten, 
und dass die ausgewachsenen Thiere eben so gut wie die alten das Ufer verliessen , um die ihnen zugewie- 
sene Hochsee zu bevölkern. Ein ganz ähnliches, wenngleich weniger bemerkenswerthes Yerhältniss scheint 
mir die bekannte Localität in den Omatenthonen von Gammelshausen in Schwaben , wo sich gleichfalls un- 
zählige junge Ornaten und Falciferen finden; wie überhaupt die ganze Oxfordzone in Schwaben mir viel Ahn- 
liches in den Verhältnissen ihrer Fauna zu haben scheint. 

Man hat in der früheren Zeit , Und vielleicht wird man es auch noch ferner thun , viele Ammoniten aus 
den Hallstätter Schichten mit solchen aus St. Gassian identificirt. So weit ich im Stande war , mir hierüber 
ein selbstständiges Urtheil zu bilden , habe ich gefunden , dass nur die Arcesten und PAylloceras so lange 
ihre Spedes unverändert erhielten, dass sie von den St. Gassianer Schichten bis in die Hallstätter 
aufragen. Wir kennen ähnliche Erscheinungen wenigstens von Phylloceras auch aus dem Jura. Die übrigen 
Arten , welche identificirt werden , sind Äonen. Von ihnen glaube ich jedoch , dass weder die in den Hallo- 
bienschichten vorkommenden Formen, noch die Hallstätter sich auf die typischen Arten von St. Gassian zu- 
rückführen lassen werden ; ich habe mich etwas weitläufiger hierüber bei dem Artikel Trachyceras Aon aus- 
gedrückt ; ich bin der Ansicht , dass es , wie das im Jura vielfach bekannt ist , eine Gruppe gibt , welche 
durch gemeinsame Merkmale eng mit einander verbunden ist , sich aber durch feine Unterschiede wohl von 
einander in einzelnen Arten unterscheidet , und dass wir nach diesen , da wir gewiss viele Gharakter der 
Cephalopoden noch nicht kennen , jene so gut als möglich auseinander halten. Und wer die typische und 
echte Gassianer Species Trachyceras Aon genau würdigt , der wird der von mir ausgesprochenen Meinung 
gewiss beipflichten, dass die älteren wie jüngeren Äonen, mehr als Varietäten thun^ von dem typischen Aon 
abweichen. Doch das ist eine Ansicht und lange noch kein erwiesener Satz, eben so wie das Gegentheil, und 
wer weiss, wer berufen ist endgiltig zu entscheiden. 

Die älteren Autoren haben uns aus den Schichten von St. Gassian eine eben so grosse Anzahl Gephalo- 
poden bekannt gemacht, wie von den übrigen Thieren, die Zahl aber ist nach meiner Überzeugung weitaus 
zu gross gewesen, denn ich habe sie bedeutend verringert, und trotzdem ich im Stande war, eine Zahl neuer 
Arten hinzuzufügen, eiTcicht meine Zahl nicht die Hälfte der früheren. 

Schon Quenstedt hat in seinen Gephalopoden manche Form von St. Gassian verschwinden lassen, 
dem gründlichen Kenner dieser Thiere konnte es keinen Augenblick entgehen , wie schwer sich die älteren 
Autoren in der Weise versündigten, dass sie jedes Individuum, welches eine etwas abweichende Lobenlinie 
zeigte — und wie ofk ist dies bei sich entwickelnden Thieren möglich — als eine besondere Art auffassten, 
so dass wir jetzt jedes Altersstadium mit einem Namen bezeichnen können. Aber auch jedes beliebige 
Bruchstück genügte ihnen, um eine Art zu gründen, und daraus erwuchs jenes Gewirr von Namen, das wir 
in St. Gassian haben, dass wir fast jeden Ammoniten mit wenigstens drei Namen belegen können. „Es heisst 
sich die Sache leicht machen,^ so sagt Quenstedt (Gephalopoden, 236), „wenn man jeden kleinen Unter- 
schied abbildet, benennt, ohne darüber nachzuforschen, wie diese mannigfaltigen Glieder zusanunenhängen. 
Wer etwas tiefer sieht, lernt ein Solches Treiben bald missachten, und kommt zu der Einsicht, dass es nicht 
möglich ist. Alles zu bestimmen.^' — Ich habe es versucht , diesen Wulst und Ballast der Fauna zu beseiti- 
gen, und habe mit möglichster Sorgfalt und Genauigkeit geprüft und erwogen ; nun meine ich freilich , ich 
habe vielfachem Übel abgeholfen, aber es wird doch noch manches einer geschickteren Hand als meiner zu 
bessern überlassen sein. 

Bei diesem Sichten und Ordnen ist mir auch zunächst jenes eigenthtlmliche Verhältniss aufgefallen, wel- 
ches zwischen Trachyceras Aon und Brotheus besteht, die, wie schon die älteren Forscher beobachteten, in 
einander übergehen, während sie in der Jugend sehr verschieden sind ; ein ähnliches Verhältniss bietet Am- 
monites Busirü Münst., wenn auch nicht so auffällig wie Ammonites Aon. Da liegt nun die Annahme sehr 
nahe , dass wir möglicher Weise sexuell verschiedene Individuen vor uns haben , die auch äusserlich von 



54 



Gustav G. Laube. 



einander nntersebieden sind. Es sind hiednrch einige neue Belege zu älteren bekannten hinzugefügt 
worden. 

Die Entwicklungsreihen, wie ich sie gebe, sind keineswegs nach Belieben zusammengesucht, sondern 
ich habe sie nach Thunlichkeit aus typischen Exemplaren abgewickelt, und dadurch, glaube ich, erhält die 
Arbeit einigen Werth. So konnte ich Einiges ttber den Jugendzustand der Arcesten und Cljdoniten bekannt 
machen, von denen es sonst in der Kegel schwer ist, etwas in dieser Beziehung kennen zu lernen. Dass die 
Äonen eine für sich bestehende Sippe der Ammoniten ausmachen , habe ich in einer kleinen der kais. Aka- 
demie der Wissenschaften am 7. Jänner 1869. vorgelegten Abhandlung dargethan. Die übrigen Ammoniten, 
welche wahrscheinlich auch von dem Typus der echten Ammoniten abweichen, entziehen sich bis jetzt durch 
ihre mangelhafte Erhaltung einer eingehenden Untersuchung , und mussten so unter dem Namen Ammonüea 
gehalten werden. 

So weit wir derzeit die Cephalopodenfamilie gegliedert haben , finden wir für die Arten von St. Cassian 
folgende systematische Anordnung : 

CEPHALOPODA Cuvier. 

I. Ordnung Dibranchiata Owen 

(sind bisher nicht bekannt geworden). 

IL Ordnung Tetrahranchtata Owen. 

a) Familie Natuütdae Owen. 

(jenus Rhynchtdia Laube . . . . 
„ Nautilus ^rtj\i\Vi% , . . 
„ Orthoceraa Breynius . . 

b) Familie Ammomtidae Owen. 
Zunft Ooniatäae, 

Genus Äac^riVe^ San db erger . . 2 „ 44 Arten 

Von diesen gehören jedoch drei Arten nicht den eigentlichen Cassianer Schichten an , u. z. Ceratites 
Cassianus Quenst. dem untertriasischen Kalke von Livinallungo (Campiler Schichten Richthofen, obere 
Werfener Schichten) und zwei Ammoniten. Trachyceras Archelaua und Ammonitea Corvarensts gehören den 
Schichten der Halohta LommeliWisBm.^ den sogenanten Wenger Schiefem an. 

Da die Betrachtung der einzelnen Arten eine weit eingehendere Wiedergabe der Diagnose verlangt, als 
es bei den Gastropoden u. s. w. vorher geschehen konnte, so habe ich die lateinische Diagnose filr die Am- 
moniten weggelassen , da es mir nicht möglich gewesen wäre , kurz und präcis die Beschreibung der Art 
geben zu können , und ich auf die Art genöthigt gewesen wäre , den Umfang des Buches unnöthig weit aus- 
dehnen zu müssen. Diese Auslassung wird hoffentlich den Werth der Arbeit nicht herabmindern. 





Zunft Ceratäae. 






Genus Ceratites ^2L2LXi . . , 


. . 1 Art 




Zunft Clydonitae. 






Genus Clydonües WB,Xitr . . 


. . 4 Arten 


1 Art 


Zunft Ammonitae, 




3 Arten 


Genus TracÄyccrcw L a u b e . . 


■ 11 „ 


3 « 


„ Ammomtes Brngnibre . 


.12 „ 


§9 


„ Arcestes Suess • . . . 


. 6 » 




„ Phyloceras Suess . . . 


. 1 Art 



Genus RHYNCHIDIA Laube. 

Obwohl aus der älteren Zeit verschiedene Literatur vorhanden ist, welche sich mit den aus den früheren 
Erdperioden übrig erhaltenen fossilen Kieferresten von Gephalopoden beschäftigen, sind es doch namentlich 
nur zwei Abhandlungen der neueren Zeit , welche im Vorliegenden besonders in Betracht gezogen werden 

■ 

müssen; Deslongchamps: Memoire sur la couche ji Leptaena du Lias, 1859 (III. Bd. Bulletin de la So- 
ci6tö Linnöenne de Normandie) — und Rolle: Über eine neue Gephalopoden-Gattung Cycltdtä aus den Ter- 
tiärschichten von Siebenbürgen, 1862 (XLY. Bd. Sitzuugsber. d. kais. Akad. d. Wiss. Wien). Erstere Arbeit 
kannte Rolle nicht, wohl aber ein von Deslongchamps dem Wiener Hof-Mineraliencabinete geschenktes 
Exemplar von Peüarton btlobatum aus dem Lias von May. Die beiden Arbeiten bewegen sich also neben 
einander, und streben so einem gemeinsamen Ziele zu , dass nämlich die von dem einen in den Leptaena- 



Die Fauna der Schichten von St. Cassian. 55 

Schiebten des Lias der Nonnandie , von dem anderen aus den Tertiärschichten von Lapngy und aus der 
Aachener Kreide bekannt gewordenen eigenthümlichen , flachen elliptischen , concav convexen Körper die 
Oberkieferreste von uns noch unbekannten Nautilen sein, müssen^ wie sich aus der Analogie mit den durch 
Owen bekannt gemachten Kiefern des Nautilus Pompüius ergibt. Während sich Deslongchamps darauf 
beschränkt, die aus den Leptaena-Schichten bekannt gewordenen Formen zu untersuchen, und nur auf das 
von Quenstedt (Petrefactenkunde, l.Aufl. p. 630, Tab. 55, Fig. 45) als Problematicum beschriebene 
Schnabelstttck aus dem schwäbischen Coralrag bezieht, bat Rolle seiner Arbeit zugleich eine Betrachtung 
der ihm aus der Kreide von Aachen und aus dem Infra-Lias von Wildshire bekannt gewordenen Schnäbel 
eingezogen und sie als Scaphamdia beschrieben; letztere Form (Scaphamdia Moorei Rolle 1. c. Fig. 6) 
scheint mir aber wohl dasselbe zu sein, was Deslongchamps Peltarton nennt. Im Vergleiche mit den 
Exemplaren von May kann ich keinen Unterschied finden. Auch die Quenstedt'schenProblematica, welche 
in der Wiener Sammlung als Scaphamdia Suemca Rolle bezeichnet sind , weichen von Peüarion nicht ab. 
Und es ist also wohl gerechtfertigt, den Namen Scaphamdia — weil der spätere — von Peltarton weichen 
zu lassen, und etwa nur auf die durch etwas spitzen Enden des mittleren Lappens abweichenden Schnäbel 
der Kreide zu beschränken ; doch scheint dies kein hinreichender Trennungsgrnnd. 

Wir kennen also dermalen Cephalopodenschnäbel aus allen Formationen und aus vielen Gliedern der- 
selben bis herab zur Ti-ias. (Merkwürdiger Weise finde ich, dass Moore weder von der Arbeit Deslong- 
champs' noch Rolle's eine Notiz nimmt, und nach wie vor die von ihm als Chiton bezeichneten Schnäbel 
unter dieser Bezeichnung beibehält, obwohl doch ihr Charakter als Cephalopodenkiefer sehr klar dargelegt 
ist, und die Ansicht, dass es OAt^on-Schilder seien, nichts weniger als haltbar ist. So finde ich in Moore's 
mir als jüngste vor die Augen gekommene Abhandlung einen sicheren Peltarton als Chiton radiatum 
bezeichnet. (Vergleich. 1867 Quarterly Journal of the geological Society of London. On abnormal Conditions 
of secondaiy Depossites, p. 543. Chiton radiatum tab. XVI, fig. 25, 26.) 

Zu den aus den Rhätischen Schichten bekannt gewordenen Arten kann ich nun eine neue Form bei- 
fügen, welche jedoch so weit im Baue von den übrigen abweicht, dass ich sie fttr vollkommen generisch ver- 
schieden halte. Die Kenntniss fossiler Cephalopodenschnäbel, welche ursprünglich von den Rhyncholiten des 
Muschelkalkes von der Trias ausging, kehrt hiemit zu ihr wieder zurück. 

Der Umriss des ganzen Schnabels ist elliptisch, breiter als hoch, hinten in eine Spitze ausgezogen. Die 
Überseite der hinteren Hälfte ist in der Mitte stark aufgeschwollen und bildet einen breiten Wulst über den 
Körper, welcher beiderseits sich verdünnend in der Mitte eine ansehnliche Stärke erreicht und keinerlei fur- 
chen- oder rinnenartige Depression in der Mitte zeigt. Unter dem Wulste steht eine kurze flache schneidige 
Spitze vor, oberhalb welcher die erstere deutlich und rasch absetzt. Die Vorderfläche der Oberseite ist 
bedeutend niedriger als die hintere und zeigt auf der Oberfläche concentrische faserige Kreise , deren sicht- 
barer Mittelpunkt genau in die Contactstelle der hinteren Schnabelhälfte ßlllt. Am äusseren Rande der Be- 
rührungslinie zeigen sich tiefe unregelmässige Gruben , welche wahrscheinlich die Bestimmung hatten , den 
Homschnabel , welcher sich hier ansetzt , fester zu halten. Aufwärts von diesen gegen das Centrum sieht 
man hart am Rande zwei Leisten ziehen , welche wie zwei vom Centrum ausgehende diametrale Strahlen 
aussehen , gegen vom ist die Fläche ziemlich stark geneigt. 

Die Unterseite bietet folgende Ansicht. 

Der Rand der Hinterseite steigt sowohl in den mittleren schnabelähnlichen Fortsatz (Ferse bei Rolle) 
als auch in die beiden Flügel, welche der längsten Axe der Ellipse entsprechen, etwas auf, während er sich 
zwischen diesen deutlich einsenkt. Von dort fällt die Fläche sehr steil ab und zeigt auf dem mehrerwähnten 
mittleren Fortsatze eine scharfe gerade Leiste, wie einen Stütz- oder Strebepfeiler. Beiderseits desselben ist 
eine tiefere rinnenförmige Einsenkung, in ihr zugleich bricht sich die Innenfläche in zwei Felder, welche in 
einem stumpfen Winkel zusammenstossen, jedes Feld ist in der Mitte schwach gewölbt und zeigt feine paral- 
lele Längsstreifen , wie Strahlen von einem concentrischen Punkte ausgehend. An den beiden Eckpunkten 
der Flügel bricht sich die Fläche abermals in einem stumpfen Winkel , um sodann rasch in den Vorderrand 




56 



Gustav G. Laube. 



abzufallen. Die flache dünne Vorderseite zeigt sieh anf der Unterseite al9 ein hexagonales deutlich umschrie- 
benes tafelförmiges Stück , welches sich unter einem stumpfen Winkel zwischen die oberen Ränder der hin- 
teren Innenfläche einschiebt , und keinerlei wie immer gerandete Verzierungen trägt ; eine halbkreisförmige 
vordere Ausbreitung konnte ich nicht beobachten. 

Ziehen wir demnächst die verschiedenen früher beschriebenen Geschlechter in Betracht , so ergibt sich 
der Unterschied folgendermassen : 



RHYNCHIDIA. 

Schnabel mit Homansatz. 

Vorn oben flach mit halbcirculären 
Streifen. 

Hinterseite stark wulstig erhoben^ 
mit kurzem schneidigem Band- 
anhangy ohne Depression in der 
Mitte. 

Unterseite. Vordertheil scharf um- 
schrieben, sechsseitig glatt. Hin- 
tere Hälfte radial längsgestreift. 



PEtTARION. 

Schnabel mit Homansatz. 

Vom oben flach mit circulären 
Streifen. 

Hinterseite wulstig erhoben, mit 
einer breiten Depression in der 
Mitte, ohne Randanhang. 

Unterseite. Vordertheil schmal halb- 
mondförmig glatt. Hintere Hälfte 
mit circulären Linien bedeckt. 



CYCLIDIA. 

Schnabel kalkig. 

Vorn abgeflacht mit radialen Strei- 
fen. 

Hinterseite erhoben verschmälert, 
mit einer Impression in der Mitte, 
ohne Randanhang. 

Unterseite. Vordertheil halbmond- 
förmig breit glatt. Hintere Hälfte 
mit radialen Streifen verziert. 



Indem also alle drei Formen wechselweise etwas gemeinsam haben, stehen sie einander, wie nicht anders 
möglich, wohl sehr nahe, unterscheiden sich aber doch wesentlich von einander. 

Dies rechtfertigt demnach die Einführung einer neuen Bezeichnung für den von mir beschriebenen Ober- 
kiefer, welchen ich demnach als Typus für das Geschlecht unter dem Namen 

Ohynchidia ea^^iana Laube 

Tab. XXXVI, Fig. 1 

hinstelle. Bezüglich der Grösse steht derselbe den Schnäbeln von May in ihren grOssten Exemplaren etwas 
nach, gleicht aber den übrigen sonst ziemlich, nur Peltarton Jlfoom Rolle sp. ist nach ihrem Originalexem- 
plare in der Wiener Sammlung bedeutend kleiner. 

In Klip st ei n's Abhandlung findet sich nun ebenfalls ein Schnabel eines Cephalopoden als Conchorhyn- 

•• 

ch%b8 cas8%anu8 Meyer beschrieben (Ostl. Alpen, p. 145, Tab. IX, Fig. 7 a, i), die Abbildung ist jedoch so 
mangelhaft , dass ich sie ausser allem Betracht lassen musste. Eben so ist die Beschreibung wie gewöhnlich 
bei Klipstein bombastisch aber unklar. So viel ist aber sicher, dass er, wenn auch ein Kieferstück eines 
Cephalopoden, doch nicht ein in Vorstehendem beschriebenes kann gemeint haben, aber es wäre von beson- 
derem Interesse gewesen, das Schnabelstück in Vergleich bringen zu können, ob es nicht vielleicht ein zuge- 
höriger Unterkiefer sei. 

Originalexemplar in der Sammlung des kais. Hof-Mineraliencabinetes. 

Grösse : Breite 8 • 7 Millim., Höhe 6 Millim., Dicke 9 Millim. 



Genus NAUTILUS Breynius 1732. 
NautUus linearis Münster sp. 

Tab. XXXVI, Fig. 2. 

1841. Cyrfoeera$ linearia Münst. Beitr. IV, p. 125, Tab. XIV, Fig. 6. 
?1841. ÄmmoniteB Äcü Münst. Beitr. IV, p. 139, Tab. XV, Fig. 39. 
1849. Nauttloceraa linearia d'Orb. Prodr. I, p. 179. 
1852. Cyrtoeeraa linearia Gieb. Cephalopoden, p. 208. 
1864. Cyrtoeerw linearis Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Reichsanst. p. 412. 



Die Fauna der Schichten von 8t Cassian. 57 

Diese Art ist mir bis jetzt wohl in mehreren BrachstUcken und nur einmal in einem ganzen Exemplare, 
das sehr schön erhalten ist , zugegangen. Das ganze Exemplar zeigt den Charakter der Imperfecten , den 
durchbrochenen Nabel, und hat nur eine und eine halbe Windung, indem die Röhre schon nach dieser Krüm- 
mung in einer kurzen stumpfen, deutlich sichtbaren Spitze schliesst. Die Aussenseite ist mit sehr feinen äus- 
serst eleganten Linien verziert , welche vom Nabel über die Seiten fast gerade gehen ^ auf dem Bauche aber 
rasch tief nach rückwärts gezogen werden , in der frühesten Jugend gehen die Linien schräger aus einander, 
mit dem zunehmenden Wachsthum wird der nach rückwärts gezogene Bug auf dem Bauche immer steiler, 
und die anfangs im Durchschnitte kreisförmige Scheibe zeigt später eine deutliche Neigung , den Bauch ab- 
zuflachen. Die Seheidewände im Innern, welche ziemlich ausgehöhlt sind, stehen fast um ihren Durchmesser 
von einander ab ; sie zeigen einen hart am Rande gelegenen Sipho , wie ich mich sehr deutlich an mehreren 
Exemplaren überaeugt habe, nicht wie Münster will, einen medianen Sipho, und scheinen allem Anscheine 
nach auf dem Rücken in einen Lobensack abzusteigen, wodurch die Art an die Bisiphoniten Montfort mahnt. 

Von der Art kannte Münster blos ein Bruchstück. Mit diesem konnte ich nur das Fig. 2 a abgebildete 
Exemplar vergleichen , dessen Identität vollkommen sicher ist. Später kamen mir andere Exemplare zu, 
welche besser erhalten sind; bei ihnen fand ich dnrchgehends einen centralen Sipho, und sonach hat Mün- 
ster entweder zwei Species ftir eine gehalten, oder er hat sich überhaupt über die Lage des Sipho getäuscht. 
Ich werde später einen Nautilus mit fast centralem Sipho zu beschreiben haben , welcher jedoch eine 
glatte Schale zeigt. 

Aus den noch jüngeren Hallstätter Schichten hat seiner Zeit bereits Hauer einen Imperfecten beschrie- 
ben; Nautilus Barrandei (Ila.ner, Neue Cephalopoden aus dem Salzkammergute. Haidinger's Naturwis- 
senschaftl. Abb. 1847, I. Bd. 3257 ff.). Ich habe nun zu diesem noch den eben beschriebenen und die folgen- 
den zu gesellen. Und nachdem diese die einzigen bisher aus den Schichten von St. Cassian bekannt gewor- 
denen Arten sind , scheint also der Charakter der Imperfecten der allgemeine gewesen zu sein , und sonach 
sind es unter den Cephalopoden nicht die Orthoceras allein , welche den paläozoischen Charakter dieder 
Classe in die Trias verpflanzten, sondern auch Nautilus tritt in seiner ältesten Form noch auf. 

Bei der Vergleichung vorstehender Art in ihrer Entwicklung mit der von Nautilus Bohemicus Bar- 
rande, wie sie der gelehrte Forscher in seinen Cephalopoden aus dem Silurischen in Böhmen gibt (vgl. Bar- 
rande, Systeme silurien duCentre de la Boheme, I.Partie, Vol. II, tab.82), muss man billig staunen, wie sich 
die Entwicklungsform genau erhalten hat, und man könnte fast versucht sein zu glauben, dass sich sogar 
die Art bis hie herauf erhalten hätte, wenn nicht doch einzelne Ornamente dies widerlegten. Wir können an 
unserem Exemplare die Entwicklung jedoch nicht so weit verfolgen , wie es Barrande konnte, und wir 
können nur um so sicherer daraus schliessen, dass auch der vorliegende Nautilus nichts anderes sein kann 
als ein junges Individuum irgend einer noch unbekannten grösseren Form. 

Die Nothwendigkeit, etwas über die irrthümliche Stellung der Art zu Nautiloceras zu bemerken, entfallt 
von selbst , da ich schon oben die richtige Position des Sipho angegeben und sohin dieses widerlegt habe. 

Möglicher Weise gehört auch hieher ein sehr unvollständiges Bruchstück irgend eines Cephalopoden, 
welches Münster als Am. Acis beschrieb, wenigstens* würden die stark rückwärts gezogenen Linien, wie sie 
Münster angibt, und wie ich sie auf einem anderen solchen Stück gleichfalls sehe , diese Annahme sehr 
wahrscheinlich machen. Im Jahrbuch von Leonhard und Bronn (1834, Tab. II, flg. 7) bildet Münster 
ein ganzes Exemplar ab. Schon die dort deutlich nach rückwärts gehenden Zuwachsstreifen widerstreiten 
dem Ammoneencharakter, aufiällig aber ist die von Münster hiezu gegebene Lobenlinie, welche deudich 
Ceratitenform hat. Nun erfahren wir aber aus Münster's Beiträgen, p. 139, dass das was Münster 1. c. 
abbildete, nach zwei Bruchstücken gefertigt sei, wovon eines zu Ceratites Ächelous gehört, daher also die 
Lobenlinie. 

Herr v. Hauer beschreibt (1860, Sitzungsber. Wiener Akad. Bd. 41, p. 113) einen Nautilus brevis aus 
den Hallstätter Schichten , welcher vorstehender Art sehr nahe verwandt scheint , sich jedoch durch eine 
breitere Bauchseite und trapezförmigen Röhrendurchschnitt unterscheidet. 

Deaktohrlftea der'mathem.-natnrw. Gl. XXX. Bd. AbhAndl. Ton Nlolitinltflledern. h 



58 Gustav C. Laube. 

Originalexemplare im kais. Hof-Mineraliencabinete. 

Grösse : Fig. 2 a Länge der Bauchseite 10 Millim. , Durchmesser an der Mündung 4 Millim. ; Fig. 2 c 
Höhe und Breite der Röhre an der Mündung 7 * 5 Millim., 7 Millim. , grösster und kleinster Durchmesser der 
Scheibe 17 Millim., 12 Millim. 

IVautUu9 granul090^9triatu9 Klipstein sp. 

Tab. XXXVI, Fig. 3. 

.. • 

1843. Ämmonites granuloao-tiriatus Eli pst. Ostl. Alp. p. 126, Tab. VII, Fig. 8. 

1849. Ammoniiea granuloso-ttrt'atus d^Orb. Prodr. I, p. 182. 

1852. Ammonite8 grantUoso-airiaitu Gieb. Cephalopoden, p. 762. 

.. 

Die Art ist im Ausseren der vorigen sehr ähnlich^ unterscheidet sich jedoch wesentlich durch ihre äus- 
sere Verzierung. Die Schale nimmt viel rascher an Dicke zu, als dies bei K linearis der Fall ist, und bleibt 
jederzeit rundrückig, wobei der Durchmesser der Breite etwas hinter der Höhe zurückbleibt. Die Kammer- 
Scheidewände sind flacher, mit einem ziemlich tiefen Rückenlobus. Der Sipho ist ventral und weit an den 
Rand hinaus gerückt. Auf der Oberfläche der Schale zeigen sich ungemein feine Zuwachslinien , welche vom 
Nabel etwas aufwärts krümmen , dann in eine breite Bucht auf der Bauchseite heruntersteigen. Über diese 
hinweg geht ein System gleich starker Spirallinien , wodurch die Schale äusserst fein und zierlich gegittert 
wird y zugleich erheben sich auf den Durchkreuzungspunkten feine Knötchen , welche jedoch nur mit der 
Loupe zu entdecken sind. 

Von dieser Art kannte Klip st ein seiner Zeit nur ein Bruchstück und hielt es, da er weder Lobenlinie 
noch Scheidewand sah, für einen Ammoniten, obwohl ihm schon die Zeichnung der Schale leicht eines Bes- 
seren belehren konnte. Giebel hat richtig vermuthet, wenn er in der Art einen Nautilus annimmt. Der von 
Hauer aus den Hallstätter Schichten beschriebene N, Barrandt (Neue Cephalopoden aus dem rothen Mar- 
mor von Aussee, 184Z, Haidinger's Naturwissenschaftl. Abhandl. I, p. 257, Taf. 7, Fig. 16— 18) scheint 
mit der vorstehenden Art sehr nahe verwandt zu sein, unterscheidet sich aber wesentlich durch die geringere 
Umfangszunahme seiner Röhre. Da ich auf dem vorliegenden Gassianer Nautilus eine feine Gitterstreifung 
erkenne, Hauer jedoch die Ornamentik des N. Barrandt als feine Linien mit regelmässigen Knotenreihen 
anführt, so dürfte etwa hierin der Hauptunterschied beider Arten zu suchen sein. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt. 

Grösse: Höhe und Breite der Mündung 9 Millim., 8 Millim., grösster und kleinster Durchmesser der 
Scheibe 16 Millim., 13 Millim. 

NauUtus iertius Laube. 

Tab. XXXVI, Fig. 4. 

Unter diesem Namen möge es gestattet sein, ein Bruchstück eines bisher noch nicht bekannt gewordenen 
Cephalopoden zu beschreiben, welches gleichwohl solche Merkmale trägt, dass es unbedingt hinreicht, eine 
eigene Art daraus zu machen. 

Die Aussenseite des schwach gekrümmten Bogenstückes lässt gar keine wie immer geartete Ornamentik 
sehen, hat also eine ganz glatte Schale. Die Röhre ist fast kreisrund, jedoch etwas breiter als hoch, die 
Scheidewände tief, sehr glasftJrmig, der Sipho liegt der Mitte sehr nahe gerückt — dies ist der Hauptunter- 
schied von den übrigen Arten. Ein Rückenlobus ist kaum angedeutet, wenn ich als die Spitze eines solchen 
eine kleine Erhöhung an der Rückenseite auf der Unterseite der untersten Kanunerwand als von einem Rücken- 
lobus herrührend betrachten darf, da die oberste Kammer keine Auslappung zeigt. 

Auf diese Unterschiede gestützt , hatte ich das Bruchstück genügend charakterisirt , um bierin eine 
andere Art zu erkennen. Möglich, dass ein ähnliches Stück von Münster mit linearis verwechselt wurde, 
aber sicher stimmt dieses nicht mit dem, was ich für linearis halte und mit Münster's Exemplar im Aus- 
seren übereinstimmend finde. 



Die Fauna der Schichten von St Cassian. 59 

Ori^nalexQmplare in der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt. 

Grösse : Grösster und kleinster Durchmesser der Röhre 7 Millim., 6 Millim. 

Genus ORTHOCERAS Breynius 1732. 
Orthoceras eieganm Münster. 

Tab. XXXVI, Fig. 9. 

1834. Orthocera» elegans MüDst. in Leonh. u. Bronn*B Jahrb. p. 11. 
1841. Orthocera» eieffana Münst. Beitr. IV, p. 125, Tab. XIV, Fig. 2. 
1845. Orthocera» Freie»leheni Klipst. Östl. Alp. p. 143, Tab. IX, Fig. 4. 
1845. Orthoceratite» regulari» Ca»»ianu» Quenst. in Leonh. u. Bronn's Jahrb. p. 684. 
1845. Orthocera» elegan» Quenst. Cephalopoden, p. 479, Tab. 31, Fig. 3—5. 
1849. Orthoceratite» elegan» d'Orb. Prodr. I, p. 179. 
1849. Orthoceratite» Freie»lebeni d'Orb. Prodr. I, p. 179. 
1852. Orthocera» elegan» Oieb. Cephalopoden, p. 234. 
1852. Orthocera» Freie»lebeni Gieb. Cephalopoden, p. 236. 
1864. Orthocera» elegan»? Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Reichsanst. p. 412. 
? Orthocera» inducu» Braun bei Münst. Beitr. IV, p. 125, Tab. XIV, Fig. 4. 

Die Röhre schlank, langgestreckt drehrund. Die äussere Schale dick, fast porzellanartig matt aber ganz 
glatt ohne irgend solche Falten, darunter nicht selten eine Runzelscbicht wahrnehmbar. Die Kammern sind 
stark conyex, in mittelmässiger Entfernung von einander, in der Mitte vom Sipho durchbohrt und gewöhnlich 
ganz oder zum grossen Theil mit brauner organischer Substanz erfüllt. Die nicht gleichförmig gefärbte Masse 
zeigt sowohl auf der äusseren convexen als auf der inneren concaven Fläche feine marmorirte Zeichnungen, 
concentrische, wellige oder strahlige Linien, welche der Masse das Ansehen von dem bekannten Karlsbader 
Sprudelstein geben, wie dies Quenstedt (Cephalopoden, 478) sehr richtig bemerkt, auch zeigt dieselbe in 
dem faserigen Bruche sehr viele Ähnlichkeit mit dem genannten Minerale. Sonst zeigt sowohl die Innenseite 
der Röhre , so wie auch die Kammerscheidewand eine glänzend weisse Schale. Die Art unterscheidet sich 
leicht von Orthoceras poUtum durch die enger stehenden Kammein, von Orthoceras ellipticum durch den dreh- 
runden Querschnitt. Es ist das häufigste Vorkommen ans St. Cassian. 

Ein etwas stärkeres Exemplar hat Klipstein mit dem Namen 0. Freialebent belegt, wobei er auf die 
sternförmigen Linien, welche die organische Substanz um den Sipho erzeugt, besonderen Nachdruck legt; 
dass ein solches Unterscheidungsmerkmal nunmehr nicht mehr haltbar ist, ist wohl ausser Zweifel, und es 
fallen also beide Arten zusammen. 

Was Braun als Orthoceras indueus beschrieb, habe ich weder unter Mttnster's Originalien, noch 
unter dem mir zu Gebote stehenden Materiale wieder gefunden. In dem vorstehenden Falle aber glaube ich, 
dass die wie es scheint sehr zweifelhafte Art schon aus dem Grunde, weil nicht mehr vorfindlich, mit einem 
Fragezeichen hier beigezogen werde. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt. 

Orthoceram suhelttpticum d'Orbigny. 

Tab. XXXVI, Fig. 7. 

1843. Orthocera» eUipticum Klipst. (non Münst.) Östl. Alp. p. 144, Tab. IX, Fig. 5. 
1849. Orthoceratite» »ubellipticum d*Orb. Prodr. I, p. 179. 
1852. Orthocera» »ttbelliptieum Gieb. Cephalopoden, p. 234. 

Diese, die grösste von allen Orthoceras-Arten von St. Cassian, zeigt wie die übrigen keinerlei äusseres 
Ornament, sondern eine glatte dflnne Schale und eine sehr gestreckte Gestalt; der Sipho liegt in der Mitte 
der stark und gleichmässig convexen Scheidewände , welche ziemlich nahe an einander gereiht sind. Der 
Durchschnitt der Röhre ist — und hiedurch unterscheidet sich die Art wesentlich von den ttbrigen Arten — 



60 Gustav C. Laubp, 

nicht kreisförmig; sondern elliptisch. Die Wohnkammer scheint eine sehr bedeutende Länge erreicht za 
haben. Von dem Verlaufe der Normallinie habe ich jedoch nichts wahrnehmen können. 

Die Art scheint mit Orthoceraa dubium Hauer ans den Hallstätter Schichten (vergleiche Hauer, Neue 
Gephalopoden aus dem rothen Marmor von Aussee, und Hai dinge r, Naturwissenschaftl. Abhandl. Taf. 7, 
Fig. 3 — 8) verwandt zu sein, unterscheidet sich aber durch seinen elliptischen Querschnitt und die viel enger 
stehenden Kammern. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt. 

^Orthocera^ polUtnn Klip stein. 

Tab. XXXVI, Fig. 8. 

1843. Orthoeeras politum Klip St. Östl. Alpen, p. 144, Tab. IX, Flg. 6. 
1849. Orihoeeratitea polüum d'Orb. Prodr. I, p. 179. 
1852. Orthoceraa poUium Gieb. Deutschl. Petref. p. 236. 

Schlank gestreckt, von geringem Umfange mit vollkommen kreisförmigem Umrisse. Die Schale ist sehr 
dünn und lässt die Suturen der Kammern durchscheinen. Die Kammern stehen weit von einander ab und 
sind in der Mitte vom Sipho durchbohrt. Auf der Unterseite der sehr convexen Kammerwand findet sich oft- 
mals ein kleines Depot organischer Materie aufgehäuft , nach unten nimmt die Röhre gleichmässig ab und 
schliesst in ein stumpfliches Ende, von welchem ein kleines Spitzchen absteht. Der Verlauf der Normal- 
linie konnte nicht beobachtet werden. 

Die Art ist die schlankeste unter allen bisher aus den St. Cassianer Schichten bekannt gewordenen 
Arten, und unterscheidet sich sehr deutlich durch die weit von einander abstehenden Kammerscheidewände 
von den übrigen Arten. Die bei den jüngeren Exemplaren sehr starke Schale gibt ihnen bei ihrer zugespitz- 
ten fingerförmigen Gestalt das Aussehen von kleinen Belemniten. Es scheint aber, dass mit zunehmendem 
Alter die Schale dünner wird, da grössere Exemplare oben gewöhnlich zerdrückt erscheinen. 

Genus BACTRITES Sandberger 1841. 
BactrUes subundatus Münster sp. 

Tab. XXXVI, Fig. 5. 

1841. Orthoeera subundata Münst. Beitr. IV, p. 125, Tab. XIV, Fig. 3. 

1849. Orihoeeratitea auhundatua d'Orb. Prodr. I, p. 179. 

1852. Orthoceraa aubundatum Gieb. Cephalopoden, p. 256. 

1864. Orthocerßa undaium Lbe. Bemerk, im Jahrb. d, geol. Beiohsanst. p. 412. 

Die Röhre schlank drehrnnd, Schale unbekannt. (Nach Münster's nicht sehr genauen Angabe mit wel- 
lenförmigen Linien bedeckt, was ich nicht sah.) Die Steinkerne vertieft, fast glatt, wie mit einem dünnen 
Häntchen überzogen. Die Wohnkammer unbekannt. Die Querscheidewände sehr convex , Sipho enge. Die 
Normallinie bildet auf der dem Sipho entgegengesetzten (Rücken-) Seite eine sehr feine unter der Loupe 
deutlich wahrnehmbare stumpfe Doppellinie , bei grösseren Individuen tritt sie auf den Steinkemen stärker 
markirt hervor. Sutur schwach^ an den Seiten gekrümmt^ auf dem Rücken schwach aufwärts gekrümmt, auf 
der Bauch- (Siphonal-) Seite in einem schmalen tief herabreichenden Lohns eingesenkt, welcher beinahe die 
vorhergehende Kammerwand erreicht. 

Von dieser Species besass Münster ein kleines unscheinbares Bruchstück, das jedoch hinreichend ist, 
eine Species genau zu fixiren. Ich habe nach genauem Vergleiche mit dem Münster'schen Exemplare gefun- 
den, dass das beschriebene dasselbe ist, uqd dass Münster's Angabe von einem centralen Sipho ein Irr- 
thum sei, was übrigens schon aus der Zeichnung hervorgehen würde, da die vom abwärts gebogenen Sutur- 
riiige die Excentricität des Sipho i^nzeigen. Wir haben es also mit einem Cephalopoden zu thun, welcher 
gestreckt ist und einei) randlichen Sipho hat. Verfolgt man mit einiger Aufmerksamkeit die Sutur, so kann 



Die Fauna der Schickten von 8t. Casstan. 6 1 

dem Ange die wellige Erttmmnng derselben, noch weniger der tiefe Sfj^onallobus entgehen, was schon hin- 
reichen möchte, die Art als Bactrttes erkennen zn lassen. Es kommt hi6tn jedoch noch das weitere Charak- 
teristiken des Geschlechtes, nämlich die dem Sipho gegenüber liegende Normallinie, nnd es ist somit anleag- 
bar geworden, dass auch jenes bisher von Sandberge r nur auf die Devonischen bekannt gemachte 
Greschlechi bis herauf in die Trias reicht. 

Vergleicht man die Art mit Sandberge r's Bactrüea gr acuta (vergl. Sandberger, Versteinernngen 
des nassanischen Ubergangsgebirges, Taf. XVII, Fig. 5), so ist die Übereinstimmung der beiden Arten eine 
äusserst frappante, nnd der einzige Unterschied, der sich ergibt, ist die etwas mehr gebogene Lobenlinie 
und der tiefere Siphonallobus bei Bactrttes subundatus. 

Originalexemplare in der Sammlang der k. k. geol. Reichsanstalt. 

HaciHMe9 socius Laube. 

Tab. XXXVI, Fig. 6. 

Das Bruchstück eines von B. subundatus wesentlich verschiedenen Bactriten gibt mir Veranlassung, 
dieses als selbstständige Art aufzustellen. Es besteht dasselbe aus sechs Kammern, welche sich sehr eng an 
einander reihen^ so dass sie nicht das Dritttheil ihres Durchmessers von einander abstehen. Diese Kammern 
sind ziemlich tief und haben schräge Suturen, so dass die Rückenseite viel tiefer steht als die Bauchseite, 
und dergestalt ist auch die Krümmung der Kammerscheidewände eine weniger sphärische, da ihr höchster 
Punkt nicht mit dem Centrum zusammenfallt, sondern eine mehr parabolische. Ausser der schrägen Inclina- 
tion nach hinten lässt die Saturallinie nur noch einen sehr kurzen engen Siphonallobus erkennen , welcher 
jedoch bei den nabestehenden Kammerwänden fast die vorhergehende erreicht. Die Normallinie ist auf der 
Dorsalseite deutlich sichtbar, indem sie als stumpflicher Kiel an den oberen Rändern der Kammerwände 
erscheint, jedoch nach unten hin verschwindet. Die äussere Schale blieb unbekannt, und lässt der Kieskern 
nur eine der {füheren ähnliche membranartig dünne durchsichtige Hülle erkennen. 

So unbedeutend das Bruchstück ist, muss es dennoch als einer deutlich unterschiedenen, wohl charak- 
terisirten Art zugeschrieben werden. Die schiefe Stellung der Kammerscheidewände, die eng stehenden Kam- 
mern und der kurze Siphonallobus berechtigen gewiss zu einer Trennung von B, subundatus. Viel auffälliger 
nähert sich die Art Sandberge r's Bacträes carinatus (vergl. Sandberger L c. Taf. XVII, Fig. 3), von 
der sich die Art vielleicht nur durch die weniger schrägen und hinten nicht so anfgekrümmten Saturallinien 
und den Mangel eines Kieles unterscheiden lässt, und somit auch dieser Tjrpus noch in den St Cassianer 
Schichten mit erhalten ist. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt. 

Genus CERATITES Haan 1825. 
Cer aUtes Cassianus Quenstedt. 

Tab. XXXVn, Fig. 1. 

1845. AmmonüeM Cai9ianus Quenst in Leonh. n. Bronn*8 Jahrb. p. 681. 

1846. Ammofutea Caasianw Quenst. Cephalopoden, p. 231, Tab. XVIII, Fig. 11. 

1847. Ammonitea Cassianua Buch Ceratiten, p. 14. 

1849. Ceratüea Qeiniizii d'Orb. Prodr. I, p. 171. 

1850. Ammonitea (Cer.) Caaaianua Haner W. Fuchs Petref. d. Venetianer Alpen, p. 6, Tab. II, Fig. 5. 
1860. Oeraiitea Caaaianus Richth. Predazzo, p. 52. 

1865. Ceratitea Caaaianua Hauer Cephalopoden der unteren Trias der Alpen, p. 3, Tab. II, Fig. 12. 

Obwohl Ceratites Casstanus nicht mehr in die Schichten von St. Cassian gehört , nnd obwohl wir von 
^demselben wiederholt Abbildungen besitzen, möchte ich doch von der Art eine solche neuerliche geben, da 
es mir daran liegt, eine möglichst vollständige Übersicht von dort bekannt gewordenen Petrefacten zu geben, 
nnd von St. Johann im Livinallongo , von wo meine Exemplare stammen , bisher noch keines abgebildet 



62 Gustav C. Laube. 

wurde, und zu den von Qnenstedt und Hauer gegebenen Formen eine neue Varietät zu liefern scheint. 
Der von Qnenstedt gegebenen Abbildung nähert sich die Art im Ganzen sehr, zeigt aber einen ungleich 
flacheren Bauch; die Rippen, welche Qnenstedt etwas gebogen angibt, sind hier gerade. Die von Hauer 
in den Sitzungsberichten der kais. Akademie mitgetheilte Abbildung einer Varietät von Anaba, welche sieh 
durch auffallend vorstehende Dornen auf den ziemlich entfernten Rippen auszeichnet, kommt mit dieser Art 
gemeinsam vor und geht wohl auch in diese über. 

Es ist dies ttbrigens der einzige wahre Ceratit, der bei St. Cassian vorkommt, da die früher als Cera- 
titen beschriebenen Arten von St. Cassian alle Jugendformen sind , deren ceratitenartige Lobenlinie in die 
eines Ammoniten übergeht. 

In d'Orbigny's Conchylien (Prodrome I, p. 171) figurirt als Nr. 11 ein Ceratües Geinttzü d'Orb. fol- 
gendermassen beschrieben: „Esp^ce a tours enti^rement däcouverts, pourvu de deux pointes externes dans 
le jeune äge, mais lisse ensuit et comprim^es. M^m. Iscbara (Corfara?) Campillberge. ^ — Das deutet 
unzweifelhaft auf einen Ceratües Cassianus hin, und es ist wohl erlaubt, die Art, die ohnehin nicht weiter 
bekannt wurde, wenigstens mit einem Fragezeichen hier beizuziehen. 

Originalexemplar in der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt. 

Grösse: Durchmesser 45 Millim., Nabelweite 20 Millim., Dicke 13 Millim., Mundhöhe 17 Millim. 

Genus CLYDONITES Hauer 1800. 
Ciydonttes nauttUnu^ Münster sp. 

Tab. XXXVII, Fig. 2. 

1841. Bellerophon nautiiinus MUuBt. Beitr. IV, p. 124, Tab. XIV, Fig. 1. 

1841. Ooniaiitea piaum Münst. Beitr. IV, p. 127, Tab. XIV, Fig. 6. 

1843. Ooniaiites aequilobatus Klip St. Östl. Alpen, p. 139, Tab. VIII, Fig. 14. • 

1845. AmmoniteB nautilinua Qaenst. Cepbalopoden, p. 231, Tab. XVIII, Fig. 1. 

1849. Aganidea piaum d'Orb. Prodr. I, p. 180. 

1849. Aganidea aequilobatna d'Orb. Prodr. I, p. 180. 

1852. Ammonitea piaum Gieb. Cephalopoden, p. 449. 

1852. Ammonitea bicarinatua Gieb. Cephalopoden, p. 445 (ex parte). 

1860. Clydonitea piaum Hauer Nachträge z. Cephalopoden-Fauna Hallstatt, p. 12 (124). 

1864. Ammonitea nautilinua Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Keichsanst p. 412. 

Die Art, welche häufig in St. Cassianer Schichten auftritt, hat einen sehr auffallenden Charakter schon 
darin, dass die Schale vollkommen glatt bleibt. Die Äufrollung der inneren Windungen ist eine vollkommen 
regelmässige , ganz verschieden hievon ist die YTohnkammer gebaut. Vor der Mündung zeigt dieselbe eine 
starke Auftreibung, die jedoch nach unten zu abnimmt, wodurch die Gestalt galeatenförmig wird, in dersel- 
ben Weise biegt auch die Schale rasch gegen vorne um , wodurch der Umfang sehr aus dem Verlaufe einer 
regelmässigen Spirale gerissen wird. Die Kapuze über der Mundöffhung ist nicht stark gewölbt, sie sendet 
gegen vorne einen schirmähnlichen flachen abgestumpften Lappen aus , welcher mit dem Seitenrande ver- 
lauft, an der Seite sind die Ränder der Kapuze etwas eingedrückt, wodurch die Mundö£fhung ein wenig ein- 
geengt wird , und ziemlich weit zurückgezogen. Dort wo sich der Rand an den vorhergehenden Umgang an- 
lehnt, springt er in einem ziemlich langen dreiseitigen Zahne vor, unter welchem die Randlinie zum Nabel 
wieder eine solche Krümmung macht, wie vom Ventrallappen zum Zahnfortsatz, und endlich an dem kleinen 
ganz unansehnlichen Nabel mit der Schale verlauft. Die so beschriebene Mundpartie ist leider seltener gut 
erhalten, doch oft genug wahrnehmbar, um genau gekannt zu werden. Wickelt man den äusseren Umgang, 
welcher die Wohnkammer bildet, ab, so erhält man eine Form , welche einem Arcestes sehr ähnlich sieht. 
Der etwas erweiterte Nabel zeigt gewöhnlich auch einen vorstehenden Stiel, welcher die Aushüllangsmasse^ 
der Nabelhöhle ist, oft ist er jedoch auch ganz offen. Man bemerkt ferner, dass die Lobenlinien am Beginne 
der Wohnkammer viel dichter stehen , als weiter nach hinten , also jene Eigenthttmlichkeit wiederholen, 



Die Fauna der Schichten von St. Cassian. 63 

welche man bei Ceratiten beobachtet hat. Eben so sieht man auf den inneren Windungen die Sporen der 
früher vorhanden gewesenen Kapuze in einem deatlichen Eindruck. 

Die Lobenlinie zeigt einen an der Spitze eingebogenen und sonach etwas herzförmigen Bauchsattel mit 
zwei sehr schmalen zungenförmigen Seitenloben , einen längeren ersten und einen kürzeren zweiten Sattel 
mit entsprechendem jedoch durchgehends schmäleren zungenförmigen Loben; ein schmaler fünfter Seiten- 
sattel trennt zwei breitere Htilfsloben. Der Charakter liegt zunächst in den abwechselnd langen und kurzen 
Sätteln. Am Schlüsse der Wohnkammem ragen sie fast in einander hinein ^ später rücken sie weiter ausein- 
ander. Wickelt man noch einen Umgang ab , so kommt man auf noch entfernter stehende Lobenlinien, und 
der Nabel erweitert sich noch mehr, so dass der Jugendzustand dem ausgewachsenen völlig fremd ist. Solche 
jugendliche Exemplare kommen auch einzeln vor y und es zeigt sich an einem derselben der Ansatz der 
Wobnkammer bei nicht genäherten Lobenlinien ; man könnte also veranlasst sein , diese Erscheinung mit 
Klipstein für eine selbstständige Art zu halten, doch kann man sich von der Richtigkeit meiner Angabe 
leicht überzeugen, wenn man ein Exemplar etwas sorgfältig abwickelt. 

Diese im Vorhergehenden geschilderten Entwicklungsformen sind von den früheren Bearbeitern der 
Fauna von St. Cassian als gänzlich verschiedene Arten aufgefnsst worden. Erstlich glaubte Münster in 
dem ausgewachsenen Thiere einen Bellerophon erkennen zu müssen , weil er keine Scheidewände in den 
Umgängen finden konnte. Die Münster'schen Originalexemplare aber zeigen gerade so gut — obwohl sehr 
schlecht erhalten — wie andere die Lobenlinie, wie ich es mit eigenen Augen bemerkte. Den inneren Kern 
nannte er Gontatitea ptsum , wie ihn auch Hauer bezeichnet. Die Jugendform , die er dergestaltermassen 
durch Abwicklung erhielt, ward von Klip stein als Oomatites aequtnodosus beschrieben. Dass letztere nicht 
eine Jugendform von einem Arcesten sein kann , lehrt schon die Lobenlinie , und schon der Vergleich mit 
jener Form, welcher sie Giebel beizieht, müsste dies Beginnen als ungerechtfertigt widerrathen haben. 

Die auf diese Weise erhaltene Entwicklungsgeschichte scheint mir ftir das Studium der Cephalopoden 
sehr lehrreich, da man dieselbe in wenigen Fällen so gut beobachten kann, und dieselbe sich besonders durch 
die auffallende Verschiedenheit ihrer einzelnen Punkte auszeichnet. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt. 

Grösse: Fig. 2 a Höhe 12 Millim., Dicke 8 Millim.; Fig. 2 b Höhe 10 Millim., Dicke 7 Millim. 

Ctydonttes elUpiicolde^ Laube. 

Tab. XXXVII, Fig. 3. 

Es Scheint für den ersten Anblick vielleicht ungerechtfertigt ftir einen Clydoniten, welcher dem Clydo- 
nttes ellipttcus EsLuer aus den Hallstätter Schichten so ähnlich sieht, dass man ihn ftir identisch halten 
kann, einen neuen Namen aufzustellen, und obwohl ich kein Freund von dergleichen Häufungen bin, sah ich 
mich endlich doch in der Weise vorzugehen veranlasst. Bei der im Allgemeinen sehr gleichen Form der Cly- 
doniten muss man wohl auch auf minutiösere Unterschiede sehen, und diejenigen, welche sich im vorliegen- 
den Falle finden, scheinen mir doch ausreichend, wenigstens sind oft noch viel geringere Merkmale als Arten- 
unterschiede bemerkt worden. 

Die Gestalt ist fast kreisförmig, wenig verschoben, vor der Mündung ist die Schale mittelmässig ange- 
schwollen, nach unten hin verschmälert, am dünnsten gegen die Kapuze zu. Die Kapuze selbst zeigt keine 
Ausbauchung, sondern nur eine schirmförmige Erweiterung nach vorne. Der Rand ist stark nach rückwärts 
ausgebuchtet und sanft eingedrückt, springt aber wieder vor und legt sich als ein sehr breiter Lappen auf 
die Schale. Dieser Lappen verlauft in einer ganz geraden Linie bis zum Nabel und biegt dort in diesen 
hakenförmig um, eine seichte, breite aber sehr deutliche Impression auf dem Lappen selbst umschreibt 
den Nabel in einiger Entfernung. Die Schale ist grob aber ziemlieh gleich gerippt, die Rippen lassen sich 
bis nahe an den Nabel verfolgen, und sind vorne über den Bauch am stärksten, während sie oben auf der 
Kapuze fast ganz verschwinden. 



64 Gustav C. Laube. 

Die LobeDÜnie ist mir bis jetzt leider meht bekannt geworden. Was ich nnn als Unterschiede zwischen 
C. elltpttcua and ellipticoides hinstellen möchte, ist Folgendes. Jener ist erstlich darchgehends feinrippiger, 
weiter ist der Lappen, womit sich dieEapnze an den Körper anlegt, bei dem ersteren viel kürzer und schliesst 
sich in einer schön geschwungenen nicht geraden nnd rasch nmgebogenen Linie an den Nabel an, und zeigt 
hiebei auch durchwegs nicht jene Impression um den Nabelrand. Endlich hat der C. elltpti'cotdes auch jenen 
breiten Band an der Kapuze nicht, wie C. eUtpticiis, und ist auch dort bisweilen mehr ausgebuchtet. Nach 
diesen Unterschieden glaube ich beide Arten auseinander halten zu können, da sie weiter auch auf körperlich 
gleich grosse Individuen bezogen sind. 

Originalexemplare im kais. Hof-Mineraliencabinete. 

Grösse: Durchmesser über die Kapuze 31 Millim., über den Rücken 28 Millim., hintere Dicke 13 Millim., 
vordere 14 Millim. 

Ctydonttes monUis Laube. 

Tab. XXXVII, Fig. 4. 

Auch diese Form möchte man für den ersten Anblick für eine mit Glydomtes delphinocepholua identische 
Form halten, wenn sich nicht ein constanter Unterschied zwischen beiden Arten geltend machte. 

Die Gassianer Art zeigt ebenfalls jene elliptisch yeri&ngerte Form des letzten Umganges. Unter der 
Mundöffnung steht eine scharfe schneidige Querrippe vor, hinter welcher sich die Schale stark einsenkt und 
glatt ist, und über welchen Theil sich die stark geschwollene Kapuze entfaltet*^ die Kapuze lässt vor ihrer 
Auftreibung — wenigstens an keinem mir vorliegenden Exemplare — eine stark schirmförmige Entwicklung 
wahrnehmen, und vereinigt sich in einer ziemlich gesenkten Linie mit dem Nabelrande, der nach einer klei- 
nen Erweiterung in die Bippe unter der MundöfFhung übergeht und so den Umriss eines nicht weit geöffneten 
Zirkels nachahmt. Die Seitenpartie um den Nabel ist weithin ganz glatt, und nur über den Bauch gehen 
scharfe kurze Rippen. 

Die Lobenlinie zeigt zungenförmige Sättel und zugespitzte Loben. Der Bauchsattel kurz , die Loben- 
Säcke schmal, hierauf folgen drei gleiche Sättel und zwei gleiche Loben; der vierte Sattel ist kürzer und 
etwas breiter, der vierte und fünfte Lohns gleich und schmal; der fttnfte Sattel ist so breit wie zwei vorher- 
gehende zusammen, hierauf folgt noch ein enger Lohns und ein schmaler schräger Halftsattel hart am Nabe). 
Wenn die von Fr. v. Hauer in seinen Nachträgen zur Fauna der Hallstätter Schichten Taf. V, Fig. 7 gege- 
bene Abbildung der Lobenlinie des (7. delphmocephalua richtig ist, so weicht die der Cassianer Art wesent- 
lich dadurch von ihr ab, dass der 4. — 6. Sattel verändert sind, der vierte ist schmäler, der fünfte viel 
breiter, der sechste wieder schmäler. Die nach innen sich von einander entfernenden Lobenlinien zeigen auch 
diese Art. 

Zwischen der St. Gassianer und Hallstätter Art finde ich nun folgenden Unterschied: Der Hallstätter 
Glydonit hat scharfe Bippen, welche bis an den Nabel reichen, der St. Cassianer dagegen ist um den Nabel 
glatt. Diesen unterscheidenden Charakter habe ich an sämmtlichen mir zu Gebote stehenden Exemplaren 
beobachtet, und ich glaube ihn als Trennungsunterschied annehmen zu dürfen. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geol. Beichsanstalt. 

Grösse : Durchmesser über die Kapuze 99 Millim., über den Bücken 8 Millim., Dicke 6 Millim. 

Ctydonites M^risei Münster sp. 

Tab. XXXVII, Fig. 5. 

1841. GonioH'teB Fn'nei Hünst. Beitr. IV, p. 129, Tab. XIV, Fig. 13. 
1841. QonicUiteB apurius Münst. Beitr. IV, p. 127, Tab. XIV, Fig. 7. 
1843. OoniatiteM Blvmii Klip 8t. Östl. Alpen, p. 157, Tab. VIII, Fig. 13. 
1845. Ammonitet Fn'sei Quenst. Cephalopoden, p. 349. 
1845. Ammomtes spuriu» Quenst. Cephalopoden, p. 374. 
1849. AganideB Fn'sei d'Orb. Prodr. I, p. 180. 



Die Fauna der Schichten von 8t. Ctzsstan. 65 

1849. A^anitU» ^imtw d*Orb. Prodr. I, p. ISO, 

1852. Ammontt«9 Friaei Gieb. Cephalopoden, p. 486. 

1852. Ammonite» tpurius Gieb. Cephalopoden, p. 486. 

1864. Ammoniiea Frisei Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. ReichsanBt. p. 412 

1864. Ammamte* spurius Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Beichaanst. p. 412. 

Dieser kleine Clydonit ist, so weit wir ihn bis jetzt kennen, dadurch ausgezeichnet , dass er einen sehr 
weiten Nabel hat „Ein weit genabelter Pisnm" charakterisirt ihn knrz und treffend Qnenstedt. Es ist also 
immerhin möglich und sogar wahrscheinlich, dass der weite Nabel sich später verengert und eine echte Cly- 
donitengestalt zum Vorschein kommt, die wir bis jetzt noch nicht kennen. 

Die Schale dieses Clydoniten ist vom Anfang an bei weitem nicht so kuglig , wie C. pentütnua ^ er 
bleibt durchgehends mehr flach, hat eine schmale gerundete Bauchseite, ebene Flanken und einen weit offe- 
nen sehr tiefen Nabel , der alle früheren Umgänge deutlich erkennen lässt. 

Die Lobenlinie zeigt einen sehr kurzen vorne eingedrückten Banehsattel, mit kurzen Loben, von denen 
aus die Seitensättel ziemlich steil und auffallig hoch emporsteigen, dann sich in einen weiten parabolischen 
Hauptlobus herabsenken, der nicht so tief wie die Bauchloben herabstürzt, und nach der Bildung von einem 
stumpfen Hilfssattel unter dem Rande verschwindet. Diese sehr einfache Lobenlinie wiederholt sich auch an 
jüngeren Individuen, nur erscheinen hiebei die von den Seitenloben des Bauchsattels aufsteigenden Linien des 
Seitensattels weniger steil, sondern etwas schräge, welche je jünger je weiter auseinander gehen. 

Obwohl wir nun wohl die Jugendform zu der vorstehend beschriebenen kennen , müssen wir dennoch 
annehmen , dass sie selbst keine ausgewachsene ist und wohl schliesslich in eine solche übergeht. So weit 
wir die Charaktere der übrigen Clydoniten kennen , können wir freilich C. eüiptCcoidea und C. monilü nicht 
in Betracht ziehen, da wir deren Inneres nicht kennen, so viel aber ist gewiss, dass ausser dem sehr offenen 
^abel auch die flachere Oestalt und die viel einfachere Lobenlinie einen Unterschied bietet 

Münster hat aus der Art zwei gemacht, die Jugendform nannte er Oanuuües Mpurtua, Da er die 
Lobenlinie weniger genau wiedergab, sah sich Klipstein veranlasst, die Form neuerlieh als O. Blumn zu 
beschreiben. Ein dem vorhergehenden äquivalentes Exemplar hat Münster als Oonuuües Früei beschrie- 
ben. Nach dem Vorstehenden ist die Entwicklung einer Art aus der anderen leicht zu übersehen. 

Originalexemplar im k. k. Hof-Mineraliencabinete. 

Grösse: Durchmesser 7 MilliuL, Dicke 3 '5 Mitlim., Nabelweite 2*2 Millim. 

Genus TRACHYCERAS Laube. 
' Vrachyceras Aon Münster. 

Tab. XXXVm, Fig. 1-7. 

1834. Ammoniie$ (Ceraiite$) Aon Mttnst. in Leon h. u. Bronn*« Jahrb. p. 13, Tab. I, Fig. 4. 
1834. Ammom'fes (CeraiitesJ Aon var. punetaiu» Münst. in Leonh. u. Bronn*8 Jahrb. p. 13. 
183^ Ammofiitet fCeratftesJ Aon var. bipunetaivM MÜnst. in Leonh. u. Bronn*8 Jahrb. p. i:i. 
1841. Ammonitet Aon Mflnst. Bellr. IV, p. 130, Tab. XV, Fig. 27. 
1841. Ammom'tes bipune€atu$ Mttnst. Beitr. IV, p. 131, Tab. XIV, Fig. 17. 
?1841. Coratites Oeeani Münst Beitr. IV, p. 132, Tab. XV, Fig. 19. 
1841. Ceraiitea suici/er Münst Beitr. IV, p. 134, Tab. XV, Fig. 22. 
1841. AmfHonitea rimosu8 Mttnst Beitr. IV, p. 184, Tab. XV, Fig. 31. 
1843. Ammom'u tpinido»o-ooHaim Klip st Östl. Alpen, p. 112, Tab. V, Fig. 6. 
1843. OontatüöB omatus Klip st ÖstL Alpen, p. 138, Tab. VII, Fig. 12. 
1843. Ammonites Deeheni Klipst Östl. Alpen, p. 118, Tab. VI, Fig. 6. 
• 1843. Ceratitet Zeutchneri Klip 8 1 Östl. Alp. p. 181, Tab. VII, Fig. 2. 
1848. CeraiiteB hremeostatUB Klipst Östl. Aipen, p. 131, Tab. VII, Fig. 6, 
1843. Ammomte$ noduIoso-eoBtatm Klipst Östl. Alpen, p. 123, Tab. VII, Fig. 5. 
1843. Ammonüe» Credneri Klipst Östl. Alpen, p. 119, Tab. VI, Fig. 10. 
1843. Ammonite» nodoeoUatus Klipst Östl. Alpen, p. 120, Tab. VI, Fig. 12. 
1843. Ammonite» Uumboldtn Klipst Östl. Alpen, p. 112, Tab. V, Fig. 5. 
1848. Ammonitee •pinuloeo-eostatue Klipst ÖstL Alpen, p. 112, Tab. V, Fig. 6. 

D«Bk«ehriAen d«r mathem.-natarw. Cl. XXX. Bd. Abhandl. Ton NichtmitgUcdtni. j 



66 Gustav C Laube. 

1845. Ämmonitet Aon puneiaiua Quenst. Petrefactenk. Deutschi. Cephalop. I. Bd. p. ^2a<>, Tab. XVIII, Fig. 6. 

1849. Affanides omatus d'Orb. Prodr. I, p. 181. 

1849. Ceratitea hipunetatui d'Orb. Prodr. I, p. 181. 

1849. Ceratitea Okeani d'Orb. Prodr. I, p. 182. 

1849. Ceratitea euleifer d'Orb. Prodr. I, p. 181. 

1849. Ceratitea brevieoatatva d*Orb. Prodr. I, p. 181. 

1849. Ammonitea Aon d'Orb. Prodr. I, p. 181. 

1852. Ammonitea Aon Gieb. Cephalopoilen, p. 579. 

1852. Ammonitea (Gouiatitea) ornatua Gieb. Cephalopoden, p. 763. 

1852. Ammonitea (CeratiteaJ Okeani Gieb. Cephalopoden, p. 764. 

1852. Ammonites floridua Gieb. Cephalopoden, p. 761 (ex parte). 

1852. Ammonitea Aon Gieb. Deutschi. Pctref. p. 574. 

1855. Ammonitea Aon K eh lin-Schlumb erger Bull. Soc. g6oI. de Fr. p. 1056. 

18 '>8. Ammonitee Aon Pictet Traitö de Palöont. Bd. II, p. 685, Tab. 53, Fig. 13. 

1860. Ammonitea Aon Richthofen Umgebung von Predazzo, p. 84. 

1SC4. Ammonitea Aon Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Keichsanst. p. 412 (ex parte*). 

1864. Ammonitea aulcifer Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Keichsanst. p. 412. 

1864. 'Amnnoniiea bijpunetafua Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Reichsanst. p. 412. 

1868. Ammonitea Aon Lbe. Sitzungbber. d. kais. Akad. d. Wissensch. 

1869. Trachyceraa Aon Lbe. Sitzungsber. d. kais. Akad. d. Wissensch. 

Unter den zaerst yon St. Cassian bekannt gewordenen Ammoniten , welche Oraf Münster 1834 im 
Jahrbache für Mineralogie und Geognosie von Leonhardt und Bronn beschrieb, findet sich auch eine 
eigenthttmliche, sehr discoide Form mit Sichelrippen, die mit spitzen Knoten besetzt sind, welche Mttnster 
Ammonites (Ceratttea) Aon nennt, und von der er mehrere Varietäten unterscheidet In seinen Beiträgen zur 
Petrefacteiiknnde ist diese Species schärfer charakterisirt , und es werden einige neue Arten dazu genannt, 
die nach ihrer beobachteten Lobenlinie theils Ammoniten, theils Ceratiten genannt werden. Klip st ein ver- 
mehrt die Zahl der Arten um ein beträchtliches, freilich genügte ihm das erste beste Bruchstück, um eine 
neue Ali; zu begründen, so dass von St. Cassian allein mehr als zwanzig Aon-Formen bekanntwurden. Quen- 
stedt in seinen Cephalopoden (p. 234 ff.) macht auf diese ungerechtfertigte Zersplitterung und zugleich auf 
die eigenthümliche Lobentheilnng bei älteren und jüngeren Individuen aufmerksam. Es ist dies die erste kri- 
tische Untersuchung von der hier beregten Gruppe , die seiner Zeit zu einem Resultate führte, welchem das 
von mir aus eigenen Studien erlangte sehr nahe liegt. Zur selben Zeit wurden auch von Quenstedt und 
Hauer die ersten Äonen ans den Hallstätter Schichten bekannt gemacht, und mehrere mit St. Cassianer 
Arten identificirt. Ich werde am geeigneten Orte hierüber meine Meinung darlegen. D'Orbigny hat gleich- 
falls wie Quenstedt eine Reihe Klipstein'scher Namen verschwinden lassen, so auch Giebel ; eben so 
lehrreich ist Köchlin-Schlumberger's Erfahrung über diesen Ammoniten und seine Verwandten, aber 
einige Formen , die ebenfalls hieher gehören , haben sich den Augen der Forscher entzogen bis in die 
heutige Zeit. 

In Anbetracht ihrer Abweichung in der äusseren Form und ihrer eigenthümlichen Lobenlinie trennt sie 
Pictet als selbstständige Gruppe unter dem Namen GemnuuL Ich bin noch einen Schritt weiter gegangen 
und habe versucht, auf der von Suess vorgezeichneten Bahn weiter schreitend , die Gruppe der Äonen als 
eine selbst ständige Sippe darzustellen (vergl. Laube, Über Ammonites Aon Münst. und dessen Verwandte. 
Sitzungsber. d. kais. Akad. d. Wiss. 1869). Indem ich auf den Inhalt jener Abhandlung verweise, möge es 
hier genügend sein, die ursprüngliche und wahre ^on- Form sichergestellt zu haben, wodurch, wie ich glaube, 
für die Geologie ein besonderer fester Haltpunkt geschaffen werden möchte. 

Der typische Trachyceras Aon ist stark discoid, mit flachen breiten Seiten, engem, scharfkantigem und 
tiefem Nabel, schmaler Bauchseite, deren Mitte eine tiefe, schmale Rinne einnimmt, welche beiderseits von 
queren, starken zwei- und dreitheiligen Knoten begrenzt ist. Die Seitenflächen sind mit starken, gerundeten 
Sichelrippen bedeckt , welche sich auf dem Bauche sehr stark nach vorne krümmen , während sie auf der 
Mitte des Umganges kaum noch einmal das Bestreben zeigen , sich nach vorne aufzubiegen , sondern fast 
gerade verlaufen. Es kommt häufig vor, dass die Rippen dichotomiren, viele aber bleiben auch durchaus ein- 



Die Fauna der Schickten von St. Cassia^i. 67 

fach. Vom Nabelrande bis zur Banchrinne zählt man eine Beihe von scharfen Knoten, welche sich in regel- 
mässigen Reihen folgen , daher sie fast parallele Spirallinien bilden ; die Anzahl derselben nimmt mit dem 
Alter des Thieres zu , und sie erscheinen gegen die Bauchrinne zu mehr gehäuft , man zählt deren oft zehn 
bis zwölf, die älteren unterscheiden sich von den jüngeren durch ^ auffallendere Stärke. 

Die Lobenlinie, wie ich dieselbe von einem grösseren Individuum ablesen konnte, zeigt folgende 
Gestalt: Siphonalsattel lang, zungenförmig, vorne stumpf, jäh in den tiefen Siphonalloben einfallend. Der 
Siphonallobus bildet eine tiefe scharfe Spitze neben dem Siphonalsattel, dann sanft ansteigend schwach 
eingeknickt und vor dem Seitensattel noch einmal in einen stumpfen nicht tiefen Sack eingebogen. Erster 
Seitensattel zungenförmig , ziemlich lang, mit welligen Rändern, den vorhergehenden nicht bertthrend. 
Hauptseitenlobus breit, mit sehr tiefen, schräg divergireoden spitzen Säcken, welche sich ziemlich symme- 
trisch gegenttberstehen. Zweiter Seitensattel lang zuiigenförmig, mit welligen Rändern weit in den vorderen 
hineinragend und diesen an manchen Stellen bertthrend. Zweiter Seitenlobus dem ersten der Form nach ähn- 
lich, jedoch in verkehrter Stellung, neben dem zweiten Seitensattel zwei kurze stumpfe Spitzen, vor dem 
dritten Seitensattel ein sehr tiefer Sack , am Sattel noch ein schwächerer und ein stärkerer stumpfer kurzer 
Sack. Dritter Seitensattel kurz , vorne zungenförmig , fast ganzrandig. Erster Hilfslohns kurz stumpf zwei- 
zackig; erster Hilfssattel stumpf dreiseitig, liegt gerade an der Nabelkante, folgender Hilfslohns tiefer ein- 
gezackt, zweispitzig. Den Rttckenlobus blosszulegen gelang nicht. 

Nach dieser mit möglichster Sorgfalt gegebenen Beschreibung, welche eine genaue Zeichnung. noch 
besser unterstätzt , werden die EigenthUmlichkeiten und auffälligen Abweichungen dieser Linie von anderen 
solchen deutlich in die Augen fallen, und es wird sich darnach manche irrthttmliche ältere Auffassung besei- 
tigen lassen. Von den älteren hieher gehörigen Zeichnungen sind jene von Quenstedtl. o. gegebenen noch 
die besten und genauesten. 

Die bis hieher gegebene Beschreibung des Trachyceras Aon bezieht sich auf ein Individuum , welches 
dem von Münster in seinen Beiträgen abgebildeten Exemplare auf das vollkommenste gleicht. Zu dieser 
Entwicklungsstufe führen nun eine ganze Reihe von Mittel- und Jugendformep , welche ein lehrreiches Bild 
über den Gang der Entfaltung des Thieres gewähren , und unter welche die Eingangs citirten verschiedenen 
Mtinster'schen und Klip st ei naschen Arten zu siibsummiren sein werden, die ich an der gehörigen Stelle 
namhaft machen will. 

Die jüngste Form (Tab. XXXVIH, Fig. 1 — 3) , welche man zu beobachten Gelegenheit hat , die man in 
vielen Fällen bequem aus einem grösseren Individuum herausschälen kann , zeigt einen verhältnissmässig 
grossen Nabel und ist weniger involut. Die Seiten sind um den Nabel herum mit kurzen dicken Falten be- 
deckt , die etwas gekrümmt erscheinen , in dem jugendlichsten Alter aber ganz gerade sind , die Bauchseite 
ist gemndet und zeigt in der frühesten Jugend nur zwei Reihen kleiner Knötchen , welche ein verhältnisi^- 
massig breites Band begrenzen. Nicht lange und zu den ersten Reihen gelangen beiderseits noch je eine 
Reihe rundlicher Knötchen, gegen welche hin die Rippen sich nicht immer erstrecken, und welche sie erst in 
späterem Alter erreichen. Die Lobenlinie zeigt eine ganz cigenthümlich an Goniatiten mahnende Entwick- 
lung. Ein sehr kurzer Bauchsattel, neben welchem beide Lobensäeke, die in ihrem Grunde kaum wahruehm-. 
bar gekerbt sind, während die Sättel ganzrandig bleiben. Dies ist jenes Altersstadium, welches Klipstein's 
OonüUites omatus und Münster's Ammoniies rimosua bezeichnen. 

Im weiteren Altersstadium, das nun leicht in seiner Fortentwic'^lnng beobachtet werden kann, bis es die 
als typisch beschriebene Gestalt erreicht , sehen wir zunächst , wie die anfangs angedeuteten Rippen sich 
nach und nach über die ganze Flanke ausdehnen , bis sie den Rand der Bauchbinde erreichen ; hiebei nimmt 
die Involubilität bedeutend zu und der Nabel bleibt verhältnissmässig eng, hat aber nicht jene scharfkanti- 
gen Ränder , wie in dem ausgewachsenen Znstande. Man sieht dann das Erscheinen einer dritten Knoten- 
reihe zwischen dem Nabel und der randlichen , dann eine weitere zwischen den beiden am Rande, die mehr 
oder minder scharf hervortreten , aber die ursprünglichen an Grösse^doch nie erreichen. Selbst zwischen den 
beiden das Bauchband begrenzenden Reihen schieben sich ihnen zunächst schwächere ein, und dadurch wer- 

i* 



68 Gustav C. Laube. 

den diese nach nnd nach mehrtheilig ; nebenher tieft sich das Anfangs flache Band mehr nnd mehr ein , and 
wird immer mehr rinnenförmig. Während dieser Entwieklnngsphase schreitet auch die Lobenlinie in ihrer 
weiteren Entwicklung stetig fort. Wir sehen bei den jüngeren Individuen die Lobensficke immer tiefer nnd 
im Grande deutlicher gezackt werden , i^ei die typische Form der Lobenlinie immer mehr hervortritt. An- 
fangs bleiben die Sättel noch ganzrandig , sie werden jedoch aach nach und nach schwach kerbrandig , bis 
sie endlich vollkommen ausgebildet sind. In diese Entwicklungsreihe gehören die von Httnster und Klip- 
stein als Ceratttes btjmnctatusy Ceratttes Zeuscknert) Amtnomtea Humholdtii ete. bezeichneten Arten. Nun 
hat aber seiner Zeit auch Klip stein auflöse Bruchstücke bestimmte Species begründet, die man nicht haU 
ten kann und die er sogar selbst zweifelhaft genug findet ; solche der einen oder der anderen Art zugehörige 
Stücke müssen sachgemäss yerschwindeu y und ich habe daher eine grossere Reibe derselben hiermit ein* 
gezogen. 

Es muss von vornherein schon aufifallend erscheinen , dass ich unter der vorstehenden Literatur durch- 
aus vermieden habCi den vielfach aus den Hallstätter Kalken citirten Atm mit aufzunehmen, um so mehr, als 
ich Varietäten einziehe, welche mit Hallstätter Vorkommnissen identifieirt werden. Dieser Vorgang erscheint 
dadurch gerechtfertigt , wenn ich erkläre, dass ich zu der Überzeugung gekommen bin, dass wohl der 
Typus des Trachyceras Aon, nicht aber die Species in den Hallstätter Schichten erhal- 
ten ist. 

Unterstützt von verehrten Fachgenossen habe ich möglichst viel Material untersucht und da gefunden, 
dass die Identität von Hallstätter und Cassianer Formen eine nur scheinbare ist. Schon Qu en st ed t L c. be- 
merkt, dass die Hallstätter Äonen viel evoluter sind als die von St Cassian , nnd hiezu mochte ich betftlgen, 
dass bei den evoluten Formen die Rippen viel grober, viel dicker gerundet sind, und viel weniger gedrängt 
stehen, dass selbst die Form eine viel verschiedene ist, indem die meist sehr gerundete Bauchseite breiter als 
bei Aon ist. Es ist aber noch eine andere Reihe vorhanden, welehe mehr diseoid, enger genabelt und fein 
gerippt ist , und dadurch eben so wie die frühere vom wahren Aon verschieden erscheint. Nun geht nach 
Allem , was ich gesehen habe , meine Ansicht dahin , dass die Aon-Form in Hallstatt nach zwei Seiten hin 
variirt auftritt, die zwar der Stammform ziemlich nahe konmien, dieselbe aber nicht erreichen, nnd die wirk- 
lich in den jüngeren Hallstätter Schichten sich nicht mehr erhalten hat Die von Fr. v. Hauer nnd in neue- 
ster Zeit von v. Dittmar beschriebenen und mit St Cassianer Äonen identificirten Formen sind keineswegs 
richtig. Durch die von Klip stein abgebildeten Bruchstücke sind beide Autoren irregeftlhrt worden , denn 
weder der von Hauer identificirte Ammonües Credneri ist mit Klipstein's Species identisch, noch Ditt- 
mar's Ammomtes noduloso-costatus , die beiden sind den genannten Autoren rechtmässiges Eigenthum und 
geboren in die oben citirten beiden Reihen, in welche Aon variirt; A. Orednen in die disooide, A. noduloao- 
costatus in die evolute Reihe, nnd so dürfte es sich auch mit anderen Formen verbalten, welche aus missver- 
standenen geologischen Verhältnissen in der früheren Zeit und durch ungenaue Abbildungen in der älteren 
Literatur mOglich waren. 

Eine grossere Verwandtschaft , ja wie ich glaube Identität , zeigen die Äonen aus den unteren Raibler 
Schichten mit jenen von St. Cassian. Ich will aber dies Factum nicht vollkommen sicher hinstellen, da mir 
aus den Raibler Schichten ein gutes Materiale fehlt, was ich wohl sehr bedauern muss. 

Originalexemplare in der Sammlung des kais. Hof-Miueraliencabinetes. 

Grosse : 

Fig. l.Scheibendnrchmesser8'8Millim., Dicke 2-5 MiUim., MundhOhe 2-0 Millim., Nabelweite 1*2 Millim. 



f) 



r 



3. „ 7-3 „ „ 4-0 „ „ 8-8 „ „ 2-0 , 

5- « 13-6 „ » ? » „ 7-8 „ „ 8-0 „ 

7. „ 46-0 „ „ 17-Ö „ „ 202 „ „ 9-0 „ 



Die Fauna der Schichten von 8t. Cassian. 69 

Vrachycera^ Broiheu9 Mttoster. 

Tab. XXXVIII, Fig. 8— U. 

1834. AmmomiM Brpiketu MQDBt. iü Leotth. v. Brono'8 Jahrb. p. 13, Tab. II, Fig. 6. 

1834. Ammon9te$ Aon var. dffformis Münst. in Leonh. u. Bronn't Jahrb. p. 13, Tab. II, Fig. 6. 

1841. Ammonttei Brotheut Münst. Beitr. IV, p. 137, Tab. XIV, Fig. 28. 

1845. Ammonäe9 Larva RHpst. Östl. Alpen, p. 127, Tab. VII, ¥\g. 9. 

1843. Ammonite» armaio-ein^aiuB Eli pst. ÖstL Alpen, p. 128, Tab. VII, Fig. 10. 

1848. Ammonitea m'raMü Klip 8t. Östl. Alpen, p. 108, Tab. V, Fig. 2. 
1843. Ammonit0$ nodocostaius Klip st. Östl. Alpen, p. 120, Tab. VI, Fig. 12. 
1843. Ammanites Veltheimi Klip st. Östl. Alpen, p. 122, Tab. VII, Fig. 8. 

1845. AmmtmitM Aon nodoiw Quenst. Cephalopoden, p. 236, Tab. XVIII, Fig. 7 (ex parte). 

1849. Ammonttes Aon d'Orb. Prodr. I, p. 181 (ex parte). 
1849. Ammonite* Uuppeli d*Orb. Prodr. I, p. 182 (ex partej. 
1849. Ammanites mirabilit d'Orb. Prodr. I, p. 1S2. 

1849. AmmomreM armato-eingfüeaut d*Orb. Prodr. I, p. 182. 

1849. Amimonii49 Larva d'Orb. Prodr. I, p. 182* 

1852. Ammonium Aof^ Gieb. Cephalopoden, p. 579 (ex parte). 

1852 Ammonües Larva Gieb. Cephalopoden p. 7<>2. 

1855. AmmoniteM Aon Köchlin-Schlumberger Bull. Soc. göol. de Fr. p. 1057. 

1864. Ammonitۤ Aon Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Reichsanst. p. 412 (ex parte). 

1868. Ammonües Broikeut Lbe. ^itaungsber. d. kaia. Akad. d. Wissenscb. 

Es ist eine bekannte nnd seit d'Orbigny, ihrem Begründer^ vielfach erhirtete Thatsache, dass man bei 
den Ammoniten drei anffiiliig Terschiedeue Altersznstände y einen embryonalen , den der Aecrescens nnd den 
der Deerescens unterscheiden kann, nnd dass die yollkommenste Entwicklung der Schale im mittleren Alters- 
Stadium zu suchen ist. 

Diese an vielen Ammoniten nachgewiesene Erscheinung lässt sich in einer sehr aufiFUUigen Weise an 
Trachyceras Brotheti» nachweisen, u. z. so, dass es fast schwer wird, die eigentliche Form desselben zu fixi- 
ren , und es nothwendig ist , die ganze Reihe der Entwicklung vom Anfange an zu betrachten bis an den 
Schluss, wobei sich dann von selbst die typische Mittelfomi ergeben wird. 

Der Embryonalzustand, wie ich den bei Ä. Brotheu» kennen lernte, ist sehr jenem analog, welchen ich 
bei A. Aon schilderte. Der kleine Körper ist wenig involat, zeigt einen tiefen Nabel, dessen Bänder mit kur- 
zen Falten besetzt sind , auf der Bauchseite ein Band, das beiderseits von einer Enotenreihe besetzt ist, der 
sich bald je eine zweite zugesellt. Die Loben sind Goniatiten-ähnlich , ein kurzer Bauohsattel, tiefe nur im 
Grunde fein gezackte Loben und ganzrandige Sättel. Wir würden also in dieser Beschreibung kaum einen 
rechten Unterschied zwischen beiden obigen Arten finden. Es stellen sich jedoch bei Trachyeera» Brotheus 
bald sehr wesentliche Abweichungen ein. Die erste ist die, dass die kurzen Falten um den Nabel in stumpfe 
Domen übergehen , und sich unter diesen sodann zu stumpfen Rippen bis an die Bauchrinne erweitern. 
Diese dicke Rippe wird immer auffälliger , so dass sie endlich in einen dicken Wulst Übergeht , welcher an 
den Seiten je einen sehr langen spitzen Dom trägt. Die Entwicklung der kurzen Domen um den Nabel, 
während selbst die zwei Knotenreihen neben der Bauchrinne mächtiger anschwellen. Die letztere wird da- 
durch bedeutend markirt Zwischen die eben beschriebenen Wttlste schieben sich nun schwächere ein , an 
welchen jene Nabeldornen ganz fehlen, und nur die Bauchknoten vorhanden sind. Wie mich ein vorliegendes 
Exemplar belehrt, scheint sich diese starke Faltung durch eine AufstUlpnng des Mundrandes zu bilden, wo- 
bei seitlich die um den Nabel stehenden Domen nach rückwärts geschiokt werden , während sich die Mund- 
wnlst selbst über die Bauchrinne fortsetzt , welche nur als ein tieferer Einschnitt zwischen beiden Randknöt- 
chen erscheint, und selbst diese sind in der Weise modificirt, indem sie nach rückwärts verlängert sind. 

Die Lobenlinie ist um diese Altersperiode vollkommen Ceratiten-ähnlich geworden , doch beginnen die 
Sättel bereits Kerbränder zu zeigen. Ist nun einmal diese Entwicklungsstufe erreicht , so bleibt das Verhält- 
niss ziemlich stationär, doch treten alle die Merkmale noch viel deutlicher hervor. Wir haben dann stark auf- 
geblähte Individuen mit ungemein wulstigen Rippen , welche mit sechs und mehr langen nach rückwärts 



70 Gustav C. Laube. 

gekrümmten Dornen besetzt sind und die Banchrinne nnr wie eine tiefe Incision zwischen sich darchlassen, 
namentlich bilden die Nabeldoruen stark znrückgekrümmte Homer. Zwischen diesen starken Knotenwülsten 
zeigen sich schwächere der vorhergehenden Enotenwnlst genäherte (vom Munde ans gerechnet) nur vier 
spitzige Enötchenreihen. Der enge Nabel wird durch die mächtigen Knoten fast ganz ausgefüllt und hiedurch 
bedeutend eingeengt. Hat der Trachyceraa diese Gestalt angenommen , dann können wir ihn als die ent- 
wickelte Form von Brotheua ansehen, denn nur durch ein kurzes Übergangsstadium nimmt der Ammonit fast 
plötzlich einen entschieden anderen Charakter an. Dieses Obergangsstadium besteht xtarin, dass jene Un- 
gleichheit zwischen den schwächeren und stärkeren Knotenreihen aufhört; jene werden kräftiger, diese klei- 
ner y die Bauchrinne tritt wieder stark hervor , die Rippen stehen enger an einander , werden immer gleich- 
artiger y die anfänglich starken und dichten Knoten breiten sich aus und werden mehrtheilig , noch später 
nehmen die Rippen eine deutliche Sichelform an und dichotomiren hin und wieder, es gestaltet sich nunmehr 
eine Form , welche mit Aon ganz übereinstimmt , und welche in Bruchstücken nicht hievon zu unterscheiden 
ist. Eigenthümlich ist in diesem Alter noch , wie die jüngeren Umgänge sich auf die vorhergehenden alten 
stützen , indem ihnen jene stark entwickelten Homer , wie die Arme eines Lehnstuhles zum Träger dienen. 
Die Spitzen dieser Homer bleiben dann nur noch im Nabel sichtbar, und wenn die Entwicklung des Thieres 
so weit und weiter gediehen ist, hat man zur Unterscheidung von IVachyceras Aon keine andere Hilfsquelle 
mehr, als den durch die Hörnerspitzen sehr eingeengten Nabel. Die Lobenlinie ist, wie ich sie an einem ab- 
geätzten Exemplare sehe, von jener eines Aon nicht zu unterscheiden, sie zeigt genau jenen zungenförmigen 
Bauchsattel, die tiefen zweispitzigen Loben, den zungenförmigen ersten Nebensattel, den fingerig getheilten 
sechsspitzigen Hauptlobus , die sich berührenden Nebensättel und so weiter alle folgenden Loben und Sättel 
in genauer Übereinstimmung mit Trachyceraa Aon. 

Diese vorstehend beschriebene auffällige Erscheinung ist schon von den früheren Autoren über die St. 
Cassianer Fauna nicht unbeachtet geblieben. So schreibt Münster (Beiträge IV, p. 137): „Auffallend ist 
es, wie zwei so abweichende Species, nämlich Aon und Brotheua in einander übergehen können. Man findet 
nämlich bei St. Cassian nicht selten Ammoniten , von welchen die vorderen zwei Dritttheile oder auch drei 
Yiertheile der äusseren Windungen zu Aon zu gehören scheinen , während das letzte Dritttheil nicht vom A. 
Brotheua zu unterscheiden ist u. s. w.^ Dieselbe Bemerkung macht Klip stein bei seinem mit A. Brotheus 
identischen Am. armato-ctnyulatua (Ostl. Alpen, p. 128) und Quenstedt hat beobachtet, dass A. Brotheua 
in Ammonttea Aon zu stecken pflege , so dass man ersteren von letzterem abwickeln könne (Gephalopoden, 
p. 234), eine Ansicht, die auch in GiebeFs Gephalopoden, und in späteren Werken wiedergegeben ist, der 
auch ich anfangs beipflichtete, indem ich Brotheua für eine Jugendform von Aon hielt. 

Wenn man nun aber vergleicht, was ich im vorhergehenden Artikel über Trachyceraa Aon sagte, wie 
ich durch eine ganz andere und, wie ich glaube, ganz sichere Reihe zur ausgewachsenen ^on-Form gelangte, 
so tritt hier der Fall ein, dass wir durch zwei gänzlich verschiedene Entwicklungsreihen zu einer und dersel- 
ben Form gelangen, was eine sehr auffällige Erscheiunng ist, und sich auf zweierlei Art erklären lässt 

Vor allem Anderen kann doch — um selbst noch dieser Möglichkeit zu gedenken — von einer Monstro- 
sität nicht die Bede sein , da eine so oft und an so vielen Exemplaren beobachtete , ganz regelmässige Aus- 
bildung den Charakter nicht hat. Es kann also sein : 

1. Dass vorliegende zwei Formen Aon und Brotheua vrirklich verschiedene Species sind, und wir wer- 
den als unterscheidendes Merkmal anführen , dass Aon einen kantigen , Brotheua einen knotigen Nabel hat^ 
und die Übereinstimmung der älteren Umgänge weniger beachten, oder schon durch weniger discoide Form 
verschieden finden, und eben so gut wie auch bei der folgenden Annahme, die Veränderung der Form im 
Alter als eine Erscheinung der Periode der Decrescenz hinstellen , und hiemit die Verschiedenheit beider 
Species genügend rechtfertigen. 

Es kann aber auch sein : 

2. dass wir eine bisher weniger beachtete Erscheinung vor uns haben — und ich möchte von 
vornherein bemerken, dass mir diese die wahrscheinlichere zu sein scheint — dass nämlich beide Arten 



Die Fauna der Schichten von 8t Gassian. 7 1 

eine und dieselbe sind^ und dass sie nnr nach dem Gesehlechte, nach sexuellen Unterschieden geän* 
dert sind. 

Wir sehen beide Arten in ihrem embryonalen Zustande übereinstimmend , in der folgenden Lebens- 
periode verschieden, im Alter wieder einander genähert und wohl endlieh übereinstimmend. Diese Erschei- 
nung rechtfertigt die Annahme, dass also die Formen zusammen gehören, und dass man wohl berechtiget ist, 
in der Entfernung derselben von einander in der mittleren Lebensperiode keinen hinreichenden Gi-und für 
eine specielle Trennung finden zu können. Es scheint mir im hohen Grade wahrscheinlich , dass die Thiere 
im geschlechtsreifen Zustande auch im Ausseren verschieden waren — das ist auch heute noch bei den 
lebenden Cephalopoden in einer absonderlichen Weise der Fall — und dass sie erst im Alter , wo ihre 
geschlechtliche Tbätigkeit sich verminderte, einander wieder ähnlich wurden. Dieser Annahme würde selbst 
das relative Verhältniss ihrer Grösse entsprechen, denn während Trachycercuf Aon offenbar viel grösser wird, 
bleibt Trachyceras Brotheus bedeutend zurück (dasselbe Verhältniss bei den lebenden Cephalopoden) und es 
möchte der Ansieht n^c^i Trachyceras Aon dem weiblichen, Trachyceras Brotheus dem männlichen Geschlechte 

entsprechen. 

• *• 

Die Idee von der Möglichkeit, dass die Geschlechtsverschiedenheit bei den Ammoniten auch im Ausse- 
ren zum Ausdruck komme, ist gewiss keine neue. Sie hat sich schon Leopold v. Buch (Über Geratiten, 
p. 11) aufgedrängt, auch Beynäs, Eöchlin-Schlumberger und Fr. v. Hauer hat an sie gedacht, und 
sie wird sich noch öfter ausprägen. Parallele Entwicklnngsreihen sind ja doch nicht vereinzelt. Ich will nur 
auf die auffällige Seihe von Ammonites Jason Reinicke vl\A Ammonites omatus Park, aus dem Oxford, auf 
Ammonites mamtllattis d'Orb. aus dem Neocom aufmerksam machen, und bei letzterem nur noch die Bemer- 
kung hinzuftlgen, dass dieser die Phasen, wie sie Trachyceras Brotheus durchläuft, in einer wahrhaft auffäl- 
ligen Weise wieder zeigt. Es wird auch weiter keine grossen Schwierigkeiten machen, noch andere solche 
Reihen zu finden. 

Ich selbst fühle mich, nach dem was ich gesehen habe und was mir die Reihe der Aone ergibt, noch 
nicht autorisirt, die Schlussfolgerung auf geschlechtliche Verschiedenheit im Ausseren als apodiktisch sicher 
hinzustellen, ich glaube aber, dass ich wenigstens auf solche auffällige Thatsachen aufmerksam machen «oH, 
aus deren öfterer Wiederholung etwa erst eine grössere Sicherheit für eine Schlussfolgerung in dem gedach- 
ten Sinne resultiren würde. 

Originalexemplare in der Sammlung des kais. Hof-Mineraliencabinetes. 

Grösse : 

Fig. 8. Scheibendurchmesser 25 Millim., Dicke 11-2 Millim., Mundhöhe 13 Millim., Nabelweite 6 Millim. 

» 1^' n ^^ r) ) T> ^ n ) r) ^ t) n "* n 

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Vrachyceru^ dichoto^num Münster sp. 

Tab. XXXIX, Fig. 1. 

1841. CertUitm diehotofnua Münst. Beitr. IV, p. 132, Tab. XIV, Fig. 18. 

1845. Ceratitea Jäjferi Klip 8t. Östl. Alpen, p. 138, Tab. VUI, Fig. 4. 

1849. Ceraiites dichotomuB d*Orb. Prodr. I, p. 181. 

1852. Ammoniie» dtchotomus Gieb. Cephalopoden, p. 581 (ex parte). 

1864. Ämmonttea diehotomus Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. g^eol. Reicheanst. p. 412. 

1868. Ammomtea dt'ehtftamu$ Lbe. Sitzangsber. d. kais. Akad. d. WiasenBch. 

Obwohl ich mit Bestimmtheit annehmen zn können glaube, dass aaeh dieser IVachyceras nichts anderes 
als eine Jngendform ist, welche noch nicht vollständig entwickelt ist, muss ich sie doch als eine selbststSn- 
dige Form anffassen. Grund hiezn bietet mir ihre eigenthümliche Ornamentirung. 



*; Zwischen den Knoten gemessen. 



72 Gustav C. Laube. 

• » 

Die Form ist eine gaox ^on-artige , flaeh mit engem Nabel und mfosig gewölbtem B&eken , um den 
Nabel stehen keine Kerben oder Knötchen , nnd die Rippen bleiben ttber die ganze Seite davon frei , sie 
sind mittelstark nnd dichotomiren von der Nähe des Nabels weg Kiemlich regelmässig. Die Baaehrinne ist 
schmal und tief nnd von starken Knotenreihen begrenzt, zu welchen die Enden der Rippen anschwellen. Ich 
kann hieran keine Mehrtheilung erkennen, wie bei anderen Äonen. Nor etwas darunter nimmt man eiit^ sehr 
schwache zweite Knotenreihe wahr. 

Di^ Lobenlinie zeigt den Charakter der Äonen in der Entwicklung ohne besondere merkliche Abwei- 
chung in der von Münster dargestellten Weise, nur werden nach oben hin die Sattellappen kerbrandig. 

In ihrer Totalität betrachtet liegt demnach der Unterschied in dem knotenfreien Bauche , während bei 
Trachyceras Catbdauha die Knoten am Bauche gehäuft war^n, und sind m% hier gänzlich bis auf eine starke 
und eine undeutliche Reihe verschwunden, wodurch sie sich leicht von allen anderen Arten unterscheiden« 

Klip stein hat die etwas ausgewachsenere Form als eine andere Species anfgefasst, welche schon d'Or- 
bigny am gehörigen Platze eingezogen hat. Giebel subsummirt eine Reihe gar nicht hieher gehöriger For- 
men unter diese Art, was vollkommen unstatthaft ist. Die von ihm untergeordneten A. Baaäeua nnd Bu9irü 
gehören gar nicht in dieses Geschlecht und sind bei ihrer bedeutenden evoluten Form nicht zu verwechseln. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geol. Keichsanstalt. 

Grösse : Durchmesser 12 Millim., Dicke ö MUUm.| Ii|undhö}ie 6 Millim., Nabeldnrcbmesser 3 Millim. 

Vraehyeera^ MwkHSieri W i s s m a n n sp. 

Tab. XXXDC, Fig. 2. 

1841. Ceraiites MünHeri Wis^m. bei Mttnst Beitr. IV, p. 133, Tab. XV, Fig. 21. 

1845. Ceratite» Uenani Klip 8t. Östl. Alpen, p. 134, Tab. VIII, Fig. 5. 

1849. Ceraiites Mänateri d*Orb. Prodr. I, p. 181. 

1849. Cerah'ies Mertani d'Orb. Prodr. I, p. 181. 

1802. Ceraiite$ (A.) Milutteri Gieb. Cephalopoden, p. 763. 

18G4. Ammont'te$ Jon Lbc. Bemerk, im Jahrb. d. geoL Reichsanst p. 412 (ex parte). 
1808. AmmonHeB Münsi^ Lbe. Sitzungsber. d. kais. Akad. d. Wissensch. 

Die Form dieses kleinen Trachycertis ist etwas weniger involut als Aon, obgleich die beiden Arten ein- 
ander sehr nahe stehen. Ein Unterschied »acht sich jedoch schon vom jugendlichsten Stadium an geltend, 
das ist nämlich die Tendenz auf den kurzen Bippen der Seite Knoten zu bilden , wodurch wir dann vier 
Reihen solcher erhalten. Wie bei Aon stehen nSrnJich beiderseits der Bauchrinne je zwei Beihen Knoten, 
dazu kommen noch jene auf den Flanken. Die Rippen , obwohl eben so wie bei Aon manchmal dichotomi- 
rend ^ bleiben durchgehends gröber und stehen weiter von einander ab. 

Die Lobenlinie behält den Charakter der Äonen , ledoch erscheinen die Sättel etwas weniger lan^, was 
namentlich vom zweiten Seitensattel gilt, der nur mit der Spitze den vorhergehenden berührt. 

Diese Art ist wie eine Zwischenform zwischen den früheren beiden, und doch möchte ich sie verschie- 
den halten; sie unterscheidet sich von Aon durch die knotigere Form, von Brotheuit durch die nie wahr- 
nehmbaren Hörner, und wird in raschem Verlaufe so grobrippig, dass sie wieder weder der einen noeh der 
anderen Art nahe kommt. Auch gibt das Verhalten des Nabels einen guten Anhaltspunkt. Variationen in 
etwas flachere und etwas dickere Formen kommen gleichwohl vor. 

Münster hat eine Abbildung gegeben, die leicht miss verstanden werden kann. Darnach sieht man 
auf der Ventrallinie eine Knotenreihe und daneben je eine seitliche. Dieses Verhältniss existirt jedoch in der 
Begel durchaus nicht , sondern es ist die Zeichnung entweder nach einem monströsen Individuum , wie 
Fig. 2 d darstellt, abgebildet, oder die eine seitliche Knotenreihe ganz übersehen worden, und demnach flUlt 
richtiger auf die mittlere Knotenreihe bei der Zeichnung die Binne. Von den späteren Entwicklungsstufen ist 
noch keine Abbildung ausgegeben gewesen , ich gebe nun die Beihe so vollkommen, als ich sie eben kennen 
lernte. 



Die Fauna der Schichten von 8t. Gassian. 73 

Originalexemplar in der Sammlung des kais. Hof-Mineraliencabinetes. 

Grösse: Durchmesser 7 Millim.^ Dicke 5-5 Millim., Mnndhöhe 3 Millim., Kabelweite 2 Millim. 

Vrachyceras infiindthuUfortne Klip stein sp. 

Tab. XXXIX, Fig. 3. 

1343. Ammonüea infundibult/ormü Klipst. Östl. Alpen, p. 130, Tab. VIII, Fig. 1. 

1849. CertUitea tn/undibuli/ormi» d*Orb. Prodr. I, p. 181. 

1852. Ammonitea irtfundibuHformia Gieb. Cephalopodeo, p. 696. 

1868. Ammoniies ittfundibuUformtB Lbe. SitzuDgsber. d. kais. Akad. d. Wissensch. 

Die Aufrollung dieses Ammoniten ist in den alten Cassianer Arten eine von den aller evolutesten, in 
einer solchen Weise, dass die Röhre im Durchschnitt breiter als hoch erscheint. Es resultirt hieraus dem- 
nach eine sehr breite BauchflächC; schmale Seiten und auf der anderen Seite ein auffallend tiefer Nabel, der 
sich kratei'förmig oder trichterartig einsenkt. Die schmalen Seiten sind mit Knoten besetzt in der Weise, 
dass immer ein sehr starkes Paar Knoten , von welchem der äussere besonders hervorragt , mit einer 
Reihe schwächerer in der Weise abwechselt, dass dem starken Paare vier sehr schwache in einer Querreihe, 
dann ein mittelstarkes Paar folgt, welches wieder ein paar schwächere hinter sich hat, endlich wieder ein 
sehr starkes Paar folgt u. s. f. Die starken randlichen Knoten stehen auch, wenn man die Art von der Bauch- 
seite betrachtet, weit vor. Die wenig gewölbte Bauchseite zeigt vier Reihen von Knoten, von welchen jene, 
welche die Rinne begrenzen , die stärkeren sind , während die äussere Reihe viel schwächer bleibt und 
schräg gegen die Knoten der ersten Reihe steht. 

Die Lobenlinie hat den Charakter der Äonen, sie zeigt jedoch durchgehends viel kürzere Sättel, so dass 
der zweite gewöhnlich sehr lange Seitensattel den vorhergehenden gar nicht erreicht. 

Die von Klipstein gegebene Abbildung ist in der Beziehung ungenau, als sie auf der Bauchseite 
durchaus keine Knoten erkennen lässt, deren vorhandene Doppelreihen er jedoch im Texte anführt, ergänzt 
man diese in gehöriger Weise, so erhält man das richtige Bild der Art. Auch die Lobenlinie ist nach meiner 
Wahrnehmung nicht vollkommen genau, da sie allerdings bei Klipstein sehr ceratitenartig aussieht, was 
mein Exemplar nicht zeigt, es ist aber wohl möglich, dass es sich hier um ein stark abgeriebenes Exemplar 
handelt, an welchem mau die Details nicht so gut sehen konnte, wie an meinem Exemplare. 

Welche von den einzelnen Jugendformen hieher gehört, bin ich nicht im Stande zu bestimmen ; doch ist 
wahrscheinlich^ dass sich auch solche dazu finden lassen. 

Originalexemplar in der Sammlung des kais. Hof-Mineraliencabinetes. 

Grösse: Durchmesser 15 Millim., Dicke 9 Millim., Höhe der Mündung 7 Millim., Nabelweite 5 Millim. 

Vrachycenas aequinodomum Klip stein sp. 

Tab XXXIX, Fig. 6. 

1843. Ammonitea aequinodoaua Klip 8t. Östl. Alpen, p. 121, Tab. VII, Fig. 1. 

1845. Ammonitea Aon nodoaua Quenst. Cephalopoden, p. 236. 

1849. Ammonitea Aon d^Orb. Prodr. I, p. 181 (ex parte). 

1862. Amnonitea Aon Gieb. Cephalopoden, p. 579. 

1868. Ammonitea aequinodoaua Lbe. Sitzungsber. d. kais. Akad. d. Wisseasch. 

Obwohl diese Species als solche wenig Anklang gefunden hat, and seit d'Orbigny's Prodrome allge- 
mein unter Aon eingezogen wurde, glaube ich nach einem vorliegenden Exemplare — wenn gleich Bruch- 
stück — dass die Art eine von Aon verschiedene ist. Das Bruchstück zeigt einen sehr schmalen Bauch, auf 
welchem neben der Rinne nnr die etwas länglich kantigen Knoten Platz haben , während von da ab die Sei- 
ten beiderseits flach abfallen. Zwischen der Nabelkante und der Rückenlinie zählt man sechs fast gleich weit 
von einander abstehende Reihen stumpfer Knoten , durch welche stumpfe ziemlieh getrennte gerundete 
Sichelrippen laufen , die sich am Banche stark aufkrttnimen und zuweilen dichotomiren. Nach Allem zu 
schliessen ist die Form nicht besonders involut und besitzt einen flachen Nabel. 

DenkacbriAen der laAthem.-nilimr. Ol. XXX. Bd. Abhandl. Ton NlchtmltgUedem. \f 



74 Gustav C. Laube. 

Die Lobenlinie hat den ^oTi-Charakter, besitzt aber einen merkwürdig stnmpfen kurzen Baachsattel nnd 
Hehr stark gesägte nicht sehr lange Seitensättel. 

Bei der auffälligen Grösse der Art ist es wohl möglich, dass sie eine im Stande der Decrescens befind- 
liche sein könne. Vom eigentlichen Aon unterscheidet ihn aber — wie ich meine — die schmale Bauchseite, 
die flache Form nnd der weite Nabel. Auf die Lobenlinie mit den verhältnissmässig kurzen Sätteln möchte 
ich ebenfalls hinweisen, und darin eine weitere Bestätigung der EigenthOmlichkeit der Art finden. 

Originalexemplar im kais. Hof-Mineraliencabinete. 

Grösse : Höhe der Mündung (vom Nabel zum Bauch gemessen) 41 Millim., Dicke 18 Millim. 

Vrachyceru^ hre%^ieo9tatu9 Klip stein sp. 

Tab. XXXIX, Fig. 7. 

1843. öeraiäea brevicostaUit Klip st. Östl. Alpen, p. 134, Tab. VlII, Fig. 6. 

1849. CeratiteB hretieoBiatus d'Orb. Prodr. I, p. 181. 

1852. Ammoniiea brevicostcttus Gieb. Cephalopoden, p. 763. 

1868. Ammonites irevicoatatus Lbe. Sitzungsber. d. kais. Akad. d. Wissensch. 

Es ist dies eine durch ihre stark aufgeblähte Form sehr auffällige Äonen Art. Die Umgänge sind breiter 
als hoch und zeigen einen sehr engen und tiefen Nabel , in welchem man nur den Verlauf des vorhergehen- 
den Umganges zum Theil verfolgen kann, um den Nabel stehen kurze Bippen, welche anfangs zwei, dann 
drei schwache Knoten tragen. Die Bauchseite zeigt eine kaum angedeutete Furche und beiderseits zwei Rei- 
hen schwacher Knoten, welche auf einer kurzen mit der Nabelrippe correspondirenden Rippe sitzen. Beide 
Rippen erreichen sich jedoch nicht vollständig. 

Die Lobenlinie ist vollkommen die eines Äonen, fällt aber bei dem vorstehend beschriebenen Exemplare 
dadurch besonders auf, dass sie ungleichmässig entwickelt ist, während die rechte Seite im Hauptlobus drei 
tiefe Spitzen und eine vierte gegen den Sipho gerichtete nur angedeutet hat, der folgende Seitenlobus nur 
zwei Spitzen zeigt, bemerkt man auf der linken Seite einen deutlich vierspitzigen Haupt- und einen regel- 
mässig dreispitzigen Seitenlobus, auch der rechte Bauchlobus zeigt einen Zahn weniger als der linke. Diese 
individuelle Abnormität dürfte eben so wie abnorme Schalenbildungen fllr die Geschichte der Ammoniten von 
Interesse sein. 

Die Art hat zwar den deutlichen Charakter der Äonen, wie schon bemerkt, lässt sieh aber unter keine 
der oben geschilderten Reihen unterbringen, sondern fordert für sich einen selbstständigen Platz, da sie durch 
ihren auffällig dicken Körper nnd das sehr glatte Äussere von den übrigen Arten wesentlich abweicht. 

Originalexemplar im kais. Hof-Mineraliencabinete. 

Grösse: Durchmesser 9 Millim., Dicke 6 Millim., Höhe der Mündung 4 Millim., Nabelweite 2-5 Millim. 

Vraehycetrms A^rchelaus Laube. 

Tab. XL, Fig. 1. 

Mit diesem Namen belege ich ein grosses Exemplar eines Trachyceras aus den Tuffschichten der Halo- 
hia Lomineli, also aus einem tieferen Horizont als die Schichten vou St. Cassian, welches ebenfalls eine 
Aonen-Form ist, jedoch ebenfalls vom echten Aon vielfach abweicht. 

Das Exemplar, welches nur zum Theil aus dem umgebenden Gestein gelöst werden kann , zeigt einen 
sehr weiten und tiefen Nabel , dessen Kanten mit kurzen stumpfen Knoten besetzt sind , von welchen aus 
sehr grobe ziemlich gerade Rippen auslaufen, die auf dem Bauche kurz dichotomiren. Die Rippen tragen auf 
den Seiten drei Reihen stumpfer Knoteu. Die Bauchseite zeigt eine tiefe Rinne , begrenzt von zwei Reihen 
schräger länglicher, stumpfer Knoten. An einer Stelle, wo der Körper noch fest im Gesteine steckt, sieht man, 
dass auf den Knotenreihen des Bauches lange spitze Dornen sitzen , welche demnach hohl gewesen zu sein 
scheinen, wie das ebenfalls bei den Knotenhörnern von 71 Brotheus der Fall ist, und demnach würden alle 



Die Fauna der Schichten von 8t Cassian. 75 

Bauchknoten in einer sehr aufTälligen Weise bewohnt gewesen sein — ein Merkmal, das gewiss sehr deutlich 
von allen anderen Äonen unterscheidet. 

Es ist dies zugleich jenes Exemplar, von welchem ein ganzer Mundrand der Äonen bekannt geworden 
ist. Obwohl schon einmal von Professor Suess beschrieben (Suess, Über Ammoniten, p. 15), will ich es 
der Vollständigkeit halber hier noch einmal in Kürze thun. Der Mundrand zeigt einen stampfen schmalen 
wenig vorgezogenen Ventrallappen, welcher auf den Seiten in eine schön geschwungene, sanft gekrümmte 
Linie verläuft. Die Knotenreihen, welche neben der Bauchrinne stehen und diese begrenzen, nehmen auf dem 
Ventrallappen auffallend ab, so dass der vorderste Band fast frei davon erscheint, und nur eine Menge dem 
Rande parallel laufender Runzeln zeigt. Auf keiner der beiden Seiten ist hiebei irgend eine Andeutung von 
einer vorhandenen Myothek oder Myolobe wahrzunehmen, der vorstehende Ventrallappen ist also ein Analo- 
gon desselben Organs bei den Falciferen, und dies widerspricht demnach jener Ansicht, wonach man die 
Äonen zu den Dentaten stellte, bei denen eine lang vorgestreckte Myothek bekannt ist. Professor Suess 
macht darauf aufmerksam , dass der beschriebene Mundrand einem sehr grossen Individuum angehöre, also 
leicht degenerirt sein könne, und ich will ebenfalls nicht allzu viel Gewicht auf diesen einzig bekannten Fall 
legen , doch scheint mir überhaupt eine Dentaten-ähnliche Entwicklung einer Myothek nicht wohl wahr- 
scheinlich zu sein, da hiezu der Ventrallappen zu weit vorgezogen wäre, träte aber noch eine beiderseitige 
Myothek hinzu , so wäre die Beschaffenheit des Mundrandes schon allein ausreichend , aus den Äonen ein 
eigenes Geschlecht zu machen. 

Die Länge der Wohnkammer beträgt etwa etwas mehr als einen halben Umgang, auf den Luftkammem 
war ich nicht im Stande eine Lobenlinie blosszulegen, da gerade von da an sich der Körper in hartes Gestein 
versteckt. 

Aber selbst bei Abgang dieses wichtigen Merkmales glaube ich doch von der factischen Verschiedenheit 
dieser Art von Aon sicher überzeugt sein zu können, um so mehr als schon das ganz verschiedene Lager 
dieses heischen könnte. Ausser den RUckendornen gibt aber auch der gekerbte und knotige Nabelrand ein 
deutliches Unterscheidungsmerkmal an die Hand, so dass man auch darnach die Arten unterscheiden 
könnte. 

Es hat mir Herr Bergrath D. Stur einige Exemplare eines kleinen Trachycercu mitgetheilt, welche aus 
den äquivalenten Schichten der Wengener Schiefer von Kaltwasser bei Raibl stammen. Nach eingehender 
Vergleichung habe ich zwischen dem vorstehend beschriebenen Exemplare und jenen von Kaltwasser keinen 
anderen Unterschied als einen bedeutenden Unterschied in der Grösse gefunden , und glaube darnach sicher 
annehmen zu können, dass die Art auch bei Raibl vorkommt. 

Originalexemplar im kais. Hof-Mineraliencabinete. 

Grösse : Durchmesser des letzten Umganges 2 Millim., Nabelweite 30 Millim., Dicke 40 Millim. 

'MHrachifcera9 Sautus Laube. 

Tab. XXXIX, Fig. 4. 

Dieser Trachyceraa weicht von dem eigentlichen Aon dadurch ab , dass er einen besonders weiten 
Nabel zeigt; dabei ist die Form ziemlich aufgebläht, mit einer breiten gerundeten Bauchseite, welche eine 
schmale tiefe Rinne trägt. Die Rinne vrird von sehr starken Knoten eingefasst, die einzigen, welche beson- 
ders vorstehen. Die Rippen der Seiten beginnen am Nabel mit einem rundlichen Knoten, wodurch der Nabel- 
rand gekerbt wird , sie verlaufen dann bis über die Mitte der Seite ziemlich gerade und knien dann ziemlich 
stark um, von ihnen werden nur einzelne dichotomisch ; sie sind dnrchgehends stark und mit kaum merk- 
lichen Knoten besetzt. Der äusserste Theil des letzten Umganges lässt eine eigenthümliche abweichende Bil- 
dung erkennen, welche darin besteht, dass die Rippen viel häufiger dichotomiren, feiner aber auch ungleicher 
werden, auch auf diesem Theile des Umganges sind die Knoten blos angedeutet, lassen sich aber in ihren 
Reiben wohl verfolgen. 

k* 



76 Gustav C. Laube. 

Da dieses einzige gute Exemplar, welches ich besitze, an der Kehrseite beschädigt ist, konnte ich des* 
sen Lobenlinie nicht wohl präpariren, sie ist mir unbekannt geblieben. Zwei jtlngere Exemplare sind noch 
unvollständiger. Gleichwohl glaube ich aber, dass sich zwischen Trackyceras Saulus und anderen verwand- 
ten Arten genugsam Unterschiede finden lassen, welche ihre Trennung rechtfertigen. 

Der auffallendste Unterschied ist nun schon der weite Nabel , man hat den T, ArcheUms wohl auch, 
allein dieser ist bedeutend grobrippiger als jener. Die besonders glatte Form unterscheidet ihn weiter auch, 
doch möchte ich hierauf weniger Gewicht legen , da diese leicht abgewischt sein kann , und die Schale an 
vielen Stellen sehr beschädigt ist. 

Originalexemplar im kais. Hof-Mineraliencabinete. 

Grösse: Durchmesser 22 Millim., Dicke 13 Millim., Mundhöhe (vom Nabelrande zum Bauche) 16 Mil- 
lim., Nabelweite 9 Millim. 

Vraehyceras Fontius Laube. 

Tab. XXXIX, Fig. 6. 
1869. Ämmonites Po9itius Lbe. Sitznngsber. d. kais. Akad. d. Wissensch. 

Diese Art ist mir zunächst nur in einem einzigen Exemplare zugekommen, welches sich jedoch so auf- 
fällig von allen anderen Arten unterscheidet, dass ich es fttr eine selbstständige Speeies halte. 

Die Scheibe ist sehr breit, die Form sehr flach, so dass auf der Bauchseite kaum die tiefe Rinne Platz 
hat, welche von je einer Reihe runder starker Knötchen besetzt wird. Die breiten Seiten zeigen ungewöhn- 
lich feine Sichelrippen, welche sich am Bauche stark vorwärts krümmen und unterhalb der Bauchknoten je 
ein sehr feines Knötchen tragen. Die Rippen sind durchgehends einfach. Der Nabel ist sehr enge und tief. 
Die Lobenlinie, obwohl sie deutlich den Charakter der ^on-Linie bewahrt, weicht dennoch merklich ab, ob- 
wohl sie mir noch nicht vollkommen entwickelt scheint. Sie zeigt einen kurzen zungenförmigen Bauchsattel, 
einen zweispitzigen Bauchlobus, zungenförmigen gekerbten Seitensattel, sehr breiten flachen , kurz fingeri- 
gen Hauptlobus, einen kurzen zweiten Seitensattel von zungenförmiger Gestalt, welcher die eine Spitze des 
vorhergehenden ersten zweispitzigen Hilfslohns berührt u. s. w. 

Obwohl ich die Form keineswegs fllr eine vollkommen entwickelte halte, kann ich sie doch in keine der 
mir bekannt gewordenen Reihen unterbringen , ich muss also annehmen , dass es eine bis jetzt nicht 
bekannte Art ist, welcher dieses Exemplar angehört. Die stark entwickelte Scheibenform föllt zunächst auf, 
und lässt sie zunächst von allen Jugendformen des Aon und Brotheus unterscheiden. Es wäre nun freilich 
denkbar, dass sich der kleine Ammonit zuletzt in die ihm etwa nächst verwandte Art T, aegutnodosus ent- 
wickelte — aber zwischen jener kleinen und dieser grossen Art fehlen uns bisher alle Mittelglieder, und es 
wäre gewiss zu weit gegangen, wollte man an eine Vereinigung der beiden Arten denken. Es hat mir aber 
weiter auch den Anschein, als ob die Lobenlinie eine Form annehmen wollte, welche mit jener des Aequmo- 
do8U8 und anderer nicht sonderlich genau übereinstiainien wollte; was mir auffällt, sind die vielen Zacken 
des Hauptlobus, während bei anderen deren nur 6 und 7 gezählt werden, zähle ich deren hier 9. Der sehr 
enge Nabel, welcher an seinem Rande nicht eine Spur von Knotung oder Kerbung zeigt, scheint mir auch 
ein unterscheidendes Merkmal an die Hand zu geben , wonach sich die Form von anderen unterscheiden 
lässt. 

Originalexempiar im kais. Hof-Mineraliencabinete. 

Grösse: Durchmesser 12 Millim.» Dicke 5 Millim., Mnndhöhe vom Nabelrande zum Bauche 7 Millim., 
Nabelweite 2-8 Millim. 

VrachyceraM Candauiem Laube. 

Tab. XLI, Fig. l. 

Der Ammonit hat eine sehr deutliche Äonen -Gestalt, einen engen tiefen Nabel, welcher jedoch keinen 
gekerbten Rand hat, flache Seiten und einen massig gewölbten Bauch. Die Bauchrinne ist sehr schmal und 



Die Faunader Schickten von St Cassian. 77 

Dicht tief. Die Seiten sind von gleichmässigen , hin und wieder dichotomirenden Bippen bedeckt. Diese zei- 
gen an dem Nabel einen fast gar nicht bemerkbaren Knoten, 'en man nur bei sehr sorgfiLltiger Besichtigung 
unter der Loupe wahrnimmt Auch im weiteren Verlaufe bleiben sie von Knoten frei bis auf den Bauch , wo 
neben den die Knne begrenzenden Reihen noch beiderseits je drei bis vier dichtstebende, nach den Seiten 
hin immer kleiner werdende Knotenreihen folgen. 

Im Weiteren glaube ich hieher ein Exemplar im Jugendzustande rechnen zu können y welches auffiUlig 
schwache Falten auf den Seiten zeigt, und nur auf der Bauchseite Knotenreihen, welche sich mit schwächeren 
Tergesellscbaften , wovon man auf den Seiten nicht eine Spur bemerkt. Wie es mir namentlich scheint, lässt 
das früher beschriebene grössere Exemplar ein solches kleineres in seinen fast glatten inneren Umgängen 
wieder erkennen. 

Da bei dem grösseren Exemplare die Wohnkammer vorbanden ist , kann ich dessen Lobenzeichnung 
nicht wahrnehmen. Das junge Exemplar zeigt eine auißlllige Abweichung der Lobenlinie darin , dass sich 
vom Hauptlobns nur drei Säcke fingerförmig spitz absenken. 

Der auffallende Unterschied der Art liegt in der Art, wie bei ihr die Knoten auftreten, während sie bei 
anderen Arten über die ganze Oberfläche in Reihen vertheilt erscheinen , sehen wir sie hier auf der Bauch- 
seite zusammengedrängt und in einer grossen Minderzahl der Reihen auftreten. Die knotenfreien Rippen 
geben der Art schon für den ersten Anblick einen auffälligen Charakter, welcher durch die Betrachtung der 
Bauchseite zu der Annahme filhrt, dass dieses eine von anderen Formen wesentlich abweichende Art sei, 
und als solche von Aon getrennt werden müsse. Zunächst verwandt scheint mir Mttnster's T, dichotomum 
zu sein, doch fallt mir als Unterscheidungsmerkmal sogleich die Verschiedenheit der Bauchseite auf, welche 
dort nur zwei Knotenreihen hat. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt. 

Grösse: Durchmesser 15*5 Millim., Dicke 7 Millim., Höhe der Mündung 7 Millim., Nabelweite 4 Millim. 



AMMONITES (Bruguieres) Autorum. 
Atnwnanites HuppeUi Klip stein. 

Tab. XL, Fig. 2. 

lS4d. Ammoniie» Rüppelii Klipst. Östl. Alpen, p. 130, Tab. IX, Fig. 2. 
1849. Ammonite» Rüppelii d'Orb. Prodr. I, p. 182 (ex parte). 
1852. Ammonitös Büppelii Gieb. Cephalopoden, p. 584. 

Die Schale ist ziemlich aufgebläht , aber dabei ist die Form stark involut , so dass der Nabel verhält- 
nissmässig eng erscheint. Die Bauchseite zeigt eine tiefe schmale Rinne , an deren Randern sich die Rippen 
stark aufwärts krümmen, und indem sie sich mit den Spitzen berühren oder zu berühren suchen, bilden sie 
eine fast durchgehende scharfe Rinnenwulst. Die sehr kräftigen Sichelrippen , welche die Seiten besetzen, 
sind abwechselnd schwächer und stärker. Die letzteren beginnen am Nabel mit einem kleinen Knoten, die 
ersteren schliessen sich oft in kürzerer oder längerer Entfernung vom Rande an die ersteren an. 

Die Lobenlinie zeigt einen sehr kurzen Bauchsattel, einen zweispitzigen ersten Lobos, einen sehr kur- 
zen breiten kerbrandigen ersten Seitensattel, einen mittelmässig breiten, kurzfingerigen Hauptlobns, einen 
etwas dreiseitigen zweiten Seitensattel , einen einspitzigen stumpfen Seitenlobus und zwei sehr auffallend 
kleine Hilf sieben. 

Obwohl Klip stein von seinem Exemplar eine „dem Kugelförmigen^ genäherte Form angibt, was ich 
von dem vorliegenden Exemplare nicht behaupten kann , glaube ich doch in diesem die Art sicher wieder zu 
erkennen, da die sonstigen Angaben Klipstein's genau stimmen, und dessen abgebildetes Exemplar vom 
,, Kugelförmigen^ selbst sehr weit entfernt bleibt. Der enge Nabel und die scharfen dichotomirenden Sichel- 
rippen geben dem Ammoniten ein sehr charakteristisches Aussehen. 



78 Gustav C. Laube. 

Klipstein's Ämmomtea Bou^i (Ostl. Alpen, p. 123, Tab. VII, Fig. 4) sieht mir zwar sehr verwandt 
aus , da ich jedoch kein demselben entsprechendes Exemplar zu Gesicht bekam , mnss ich es dahingestellt 
sein lassen, eine nähere Kritik der Art zu geben. 

Was Franz y. Hauer als Ammonües (Ceratttea) if!«pj>eZw beschreibt (Über neue Cephalopoden aus den 
Marmorschichten von Hallstatt und Aussee, Haidinger's natnrwissenschaftl. Abhandl. IH, p. 14, Tab. III, 
Fig. 7, 9) kann gar nicht mit der St. Cassianer Art vereinigt werden. Die beiden Formen haben nur die 
Siehelrippen gemein und die scheinen bei der Hallstätter Art schwächer zu sein. Dabei ist diese aber evo- 
luter, und wenn anders die von Hauer gegebene Lobenlinie die richtige ist, unterscheidet diese allein schon 
die beiden Arten vollkommen. 

Originalexemplar in der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt. 

Grösse: Durchmesser 16 Millim., Dicke 7 Milliro., Mundhöhe 8 Millim., Nabelweite ö Millim. 

Ammonites Sesostris Laube. 

Tab. XLI, Fig 2. 

Der Ammonit ist im Ganzen dem A. Rüppelii sehr ähnlich, unterscheidet sich jedoch durch sehr wesent- 
liche Merkmale. Die Form ist sehr evolut und die Windungen sehr wenig dick, sie lassen einen sehr weiten 
flachen Nabel sehen, wie er bei A, Rüppelü nicht vorkommt. Die Seiten sind mit scharfen Sichelrippen be- 
deckt , welche abwechselnd stärker und schwächer sind , die ersteren beginnen mit einem starken Knoten 
am Nabel und dichotomiren von da an. Auf der Bauchseite sind die Spitzen sämmtlicher Rippen durch eine 
starke sie überragende Leiste verbunden, welche die Bauchrinne, die im vorliegenden Falle sehr schmal ist, 
begrenzt, wodurch die Art weiter von A. Rüppelii verschieden ist. 

Die Lobenlinie ist in der allgemeinen Anlage dieselbe wie bei A, Rüppeln, unterscheidet sich jedoch 
wesentlich durch mehrere Kennzeichen. Erstlich sind bei ihr durchgehends die Loben viel tiefer, demnach 
auch die Sättel viel weiter ausgestülpt und bei weitem tiefer gezackt. Einen sofort in die Augen fallenden 
Unterschied bietet aber namentlich der dritte Seitenlobus, welcher einen schmalen tiefen Schlitz bildet, wäh- 
rend er bei der anderen Art nur eine stumpfe Spitze bildet. 

Eine ganz eigenthümliche Deformität lässt das abgebildete Exemplar auf dem Ende des letzten Umgan- 
ges wahrnehmen. Etwa ein Viertel vom Ende hören die Rippen plötzlich auf, indem sie vom Bauch her rasch 
verschwinden , die vier letzten werden immer kürzer und plötzlich ist die letzte Spur derselben bis auf ganz 
vereinzelte Andeutungen derselben verschwunden. In gleicher Weise merkt man auch auf dem Bauche keine 
Spur einer Rinne und der sie begrenzenden Leisten mehr, obwohl diese etwas weiter noch als die Rippen 
fortzusetzen scheint. Diese Deformität ist nicht etwa die Wohnkammer , sondern zeigt die Lobenlinie in un- 
veränderter Entwicklung , und die Spuren auf dem Rande des Umganges lassen erkennen , dass ein gutes 
Viertel der Schale abgebrochen sei. Diese plötzliche Veränderung der Form ist eine Analogie der oben be- 
schriebenen Veränderung des Ammonttes Brotheus, und würde vielleicht zu eben so interessanten Resultaten 
fllhren , wie diese , wenn man im Stande wäre die entsprechende Reihe dazu zu finden , wozu leider das 
Materiale fehlt. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt. 

Grösse: Durchmesser 16 Millim., Dicke 6 Millim., Höhe der Mündung 8 Millim., Nabel weite 6 Millim. 

Aunnonites Busirts Münster sp. 

Tab. XLI, Fig. 3-7. 

1834. AmmonüeB CCeratite$) Butirü Man st. in Le onh. u. Bronn'8 Jahrb. p. 12, Tab. I, Fig. 3. 
1834. Ammonitea Bretua Mtinst. in Leonh. u. Bro nn's Jahrb. p. 12, Tab. I, Fig. 2. 
1841. Ceratttea Buain'a Mllnst. Beitr. IV, p. 130, Tab. XIV, Fig. 15. 
1841. Ceratttea irreffutari'a Münst. Beitr. IV, p. 135, Tab. XV, Fig. 15. 
1841. Ceratitea Baaüeua Münst. Beitr. IV, p. 131, Tab. XIV, Fig. 16. 



Die Fauna der Schichten von St. Gassian. 79 

1841. Ceraiitea Bretu» Mtinst. Beitr. IV, p. 129, Tab. XIV, Fig. 14. 

1841. Qoniatües fureaiua Mnnst Beitr. IV, p. 128, Tab. XIV, Fig. 11. 

1843. Ceratäea Agaasizii Klipst Östl. Alpen, p. 135, Tab. VIII, Fig. 7. 

1843. Ceratitea Kanteni Klipst. Östl. Alp. p. 132, Tab. VIII, Fig. 3. 

1843. Ämmonitss bidentieulatua Klipst. Östl. Alp. p. 113, Tab. V, Fig. 7. 

1843. QoniatÜM BoBthorni Klipst. Östl. Alpen, p. 152, Tab. VIII, Fig. 19. 

1845. Amvn(miie8 Busiris Quenst. Cephalopoden» p. 233, Tab. XVIII, Fig. 3. 

1847. Ammonites curvicosicUus Cornalia Tyrol. merid. p. 47, Tab. III, Fig. 16. 

1849. Ceratt'tes Bretus d'Orb. Prodr. I, p. 181. 

1849. CfTotites Busiris d'Orb. Prodr. I, p. 181. 

1849. C(traiites irregtUaris d'Orb. Prodr. I, p. 181. 

1849. Ceratites Baaleus d'Orb. Prodr. I, p. 181. 

1849. Aganides Bostkomi d'Orb. Prodr. I, p. 181. 

1849. Aganides furcatus d'Orb. Prodr. I, p. 180. 

1849. Cercttites Agassitzii d'Orb. Prodr. I, p. 181. 

1852. Ammonites Bretus Gieb. Cephalopoden, p. 581. 

1852. Ammonites dichoiomus Gieb. Cephalopoden, p. 581 (ex parte). 

1864. Ammonites irregularis Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Reichsanst. p. 412. 

1864. Ammonites Busiris Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Reichsanst. p. 412. 

1864. Ammonites Brettu Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Reichsanst p. 412. 

Die Schale dieses Ammoniten ist in hohem Grade evolnt , so dass man sämmtliche innere Windungen 
fast zur Gänze übersehen kann. Die Windungen sind flach, auf den Seiten schwach gewölbt, der Bauch ist 
mit zwei Reihen feiner Knötchen besetzt, welche eine längliche Form haben. Der äusserste Umgang zeigt 
nur schwache fast knotenartige Rippen um den Nabel herum, welche gegen den Rücken hin verschwinden, 
während die inneren Windungen ziemlich scharfe gerade, nicht sehr gedrängt stehende Rippen zeigen. 

Die Lobenlinie ist in der Jugend sehr Ceratiten-ähnlicb, und behält auch die Eigenthümiichkeit bei, vor 
dem Beginne der Wohnkammer sehr gedrängt zu stehen, so dass also die Luftkammem dort sehr kurz sind. 
Aber an dieser Stelle hat die Linie ihr Ceratiten-ähnliches Aussehen ganz verloren und ist vollkommen Ammo- 
niten-artig, indem sie auch die ziemlich langen Sättel mit Eerbrändern versehen zeigt. Der Bauehsattel erin- 
nert in seiner niederen breiten Form ebenfalls an Ceratites, sonst aber hat die Linie sehr viel Ahnliches mit 
der Linie der Äonen, indem auch bei ihr ein fttnfspitziger Hanptlobus und zweispitzige Nebenloben vor- 
kommen. 

Die hieher gehörigen verschieden benannten Formen hat schon Quenstedt seiner Zeit eingezogen; 
die von mir noch hinzugefügten beziehen sich auf jugendliche Formen, welche sich leicht durch Abwicklung 
eines Exemplares ergaben. GiebeTs Irrthum, welcher die Art und andere mit einer ^o?t-Form zusammen- 
wirft, habe ich schon weiter oben berührt. 

Die starke evolute Form und die mehr breiten als schlanken Rippen können selbst im weitgehendsten 
Falle eine Vereinigung nicht zulassen. 

Entfernt man nämlich den letzten Umgang , welcher ziemlich an Höhe zugenommen hat , stückweise 
von den übrigen , so erhält man Formen , welche der früheren wenig ähnlich sehen. Die Umgänge werden 
nach und nach immer runder und die Enotenlinien verschwinden immer mehr , bis sie zuletzt nicht mehr 
sichtbar sind, auf den Seiten jedoch gewahrt man immerzu kurze unregelmässig stehende Rippen, bis in 
dem innersten jugendlichsten Stadium auch diese verschwinden. Zu dieser letzteren Zeit nun zeigt sich die 
Lobenlinie als ganz Goniatiten-ähnlich und erhält sich in diesem Zustande ziemlich lange ; Loben und Sattel 
bleiben ganzrandig bis etwa vier Umgänge aufgewickelt sind, dann zeigt zuerst der Hauptlobus einen Zahn, 
zu welchem sich nach und nach weitere gesellen. Die Enotenrinnen des Bauches sind anfangs kaum ange- 
deutet und wahrnehmbar, nehmen aber dann bald an Stärke zu, und damit fängt auch der Umgang an, nach 
der Höhe rascher als nach der Breite sich zu entfalten , das ist das , was wir Ammonites Bustrü nennen. 
Dieser Gang der Verwandlung ist von einiger Bedeutung für die Arten Ammonites Eryx und Ammonites 
Buchii, welche bis jetzt nur mit ganzrandigen Lobenlinien bekannt wurden. Nachdem auch hier der Ammo- 
nit eine ziemliche Grösse erlangt hat , bis er die Lobenlinie zu zacken anfängt , ist es auch dort wohl am 



80 Gustav G. Laube. 

wahrscheinlichsten^ dass auch jene Formen nur jugendliche Entwicklungsstadien einer bis jetzt noch nicht 
bekannten grösseren Art sind. 

Eine extreme Form , welche dadurch charakterisirt ist , dass die Scheibe längere Zeit den jugendlichen 
Charakter beibehält^ indem die Umgänge wenig an Breite zunehmen, und darnach die Windung stark evolut 
bleibt, hat Münster als Ammomtes Boetus beschrieben. Ich kann nach Allem was ich gesehen habe, beide 
Formen nur als Eine Art in zwei Varietäten bezeichnen, aber es drängt sich auch hier wie bei Ammoiiitea 
Aon yyvABrolhem die Vermuthung auf, dass solche extreme, von einer Jugendform nach zwei Seiten hin 
variirende Formen als sexuell verschiedene Individuen einer und derselben Art betrachtet werden mttssen, 
dass Bu9%r%8 die weibliche, Boetus die männliche Form derselben sei. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geol. Keichsanstalt. 

Grösse : 

Fig. 3. Durchmesser 5 Millim., Dicke 2 Millim., Mundhöhe 2 Millim., Nabelweite 2 Miilim. 

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Ammöntte^ Mir^chi Laube. 

Tab. XLI, Fig. 9. 

Diese Art nähert sich etwas dem A. Buairis Münst., die Windungen sind nicht besonders involut, auch 
ist die Dicke keine besonders erhebliche. Der Nabel ist ziemlich weit und lässt die jüngeren ziemlich scharf- 
rippigen Umgänge etwa ein Yiertheii erkennen. Die Seiten zeigen auf dem letzten Umgange sehr schwache 
Rippen , die aber sehr breit sind und gegen den Bauch deutlicher vortreten und dichotomiren. Auf dem 
Bauche verläuft eine schmale Rinne, welche beiderseits von den in einen stumpfen Knoten ausgehenden Rip- 
pen begrenzt wird. 

Die Lobenlinie ist am Ende der letzten Windung in dem Zustande, wo sie ans der Ceratiten-Form in die 
Ammoniten-Form übergeht, während dieLobensäcke stark gezähnelt sind, zeigen die Sättel den ersten Beginn 
einer Randfältelung. In der Anlage zeigt die Linie einen breiten Hauptlobus und zwei ebenfalls breite, sehr 
seichte Nebeuloben. 

Obwohl sich die Form dem Am, Busiria sehr nähert, ist sie doch durch ihre breiten Sichelrippen davon 
weit verschieden, und steht dadurch auch den Äonen näher. Von Ammomtes Büppelt KW'pHU unterscheidet 
sich die Art gleichfalls durch ihre stumpfen und breiten Rippen. Ich habe mir erlaubt, die Art nach meinem 
verehrten Freunde Dr. Rudolf Hirsch zu benennen. 

Originalexemplar in der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt. 

Grösse: Durchmesser 13 Millim., Dicke 5 Millim., Mundhöhe 5-6 Millim., Nabelweite 3-5 Millim. 

iAmiitimife« JEryx Münster sp. 

Tab. XXXVII, Fig. 7. 

1834. Ammoniies Eryx MfliiBt. in LeoDh. u. Bronn's Jahrb. p. 75, Tab. II, Fig. 10. 

1841. Qoniaiites Witsmanm Münst. Beitr. IV, p. 124, Tab. XIV, Fig. 12. 

1841. Oontati'tea Eryx Mtinst. Beitr. IV, p. 128, Tab. XIV, Fig. 9. 

1843. QoniaHiea Beaumcmtii Klipst. Östl. Alpen, p. 136, Tab. VIII, Fig. 8. 

1845. Goniatites Dufrenoyi Klip 8t. Östl. Alpen, p. 142, Tab. VIII, Fig. 20. 

1848. Qoniatüu Bronni Klipst. Östl. Alpen, p. 141, Tab. VIII, Fig. 18. 

1843. Goniatites infrafurcatua Klip St. Östl. Alpen, p. 136, Tab. VIII, Fig. 9. 

1843. Goniatitea tenuiaaifnua KlipBt. Östl. Alpen, p. 143, Tab. VIII, Fig. 21. 



Die Fauna der Schichten von 8t Cassian. -81 

1848. Ooniaiii9$ supra/ureatu* Klipst. Öfltl. Alpen, p. 137, Tab. VI, Fig» 10. 
1845. Amma7ute$ Eryx Quenst. Cephalopoden, p. 232, Tab. XVIII, Fig. 2. 

1849. Aganide» Eryx d'Orb. Prodr. I, p. 180. 
1849. Äganid4B Wiumanni d*Orb. Prodr. I, p. 180. 
1849. Affanid— Du/rtnoyi d*Orb. Prodr. I, p. 181. 
1849. Aganide9 infrafureaiUB d'Orb. Prodr. I, p. 180. 
1849. Aganide* Beaunumtn d*Orb. Prodr. I, p. 180. 

1868. Ammonite» Eryx Stoppani Petref. d'Esino, p. 117, Tab. XXVI, Fig. 1—2. 
1852. Ammonüe» Eryx Gieb. Cephalopoden, p. 511. 

1863. Ammoniies Pteudo-Eryx Gümbel Geogr. Beschr. Bfidbair. Alpen, p. 182. 

1864. Afnmonites Eryx Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. BeichsanBt. p. 412. 

1856. Ammanäa9 Eryx KOchlin-Schlumberger BulL de Soc. göol. de Fr. XII. Bd. 2. Ser. p. 1067. 
1867. Ammonite» Eryx Beyr. Cephalop. d. MuBchelk. d. Alpen, p. 139. 

Dieser ^ einer der häufigsten Ammoniten von St. Cassian , ist deatlich durch die runden , durch scharf 
eingerissene Thäler getrennten, gewöhnlich sehr dicht stehenden sichelförmigen Rippen zu erkennen, welche 
sich auf der zugeschärften Bauchseite nicht berühren, ohne dass sieh hier irgend ein Kiel bildet. 

Die Windungen sind stark evolut und lassen die inneren Umgänge ttber Dreiviertheile erkennen , die 
ältesten derselben sind ziemlich glatt , erst mit dem zunehmenden Alter tritt eine schärfere Bippnng ein ; es 
kommen auch zuweilen Exemplare vor, welche wenigere aber um so stärkere Rippen zeigen. 

Die Lobenlinie zeigt hiebei eine äusserst auffällige Erscheinung. Sie ist nämlich durchgehends Goniati- 
ten-artig, d. h. ganzrandig, ein stumpfer breiter Bauchsattel wird beiderseits von zwei schmalen Seitenloben 
begrenzt , hierauf folgt ein halbzirkelförmiger Seitensattel , ein tiefer sackförmiger HaapÜobus und kleine 
mehr gleichartige Nebensättel, der letzte stumpfeckige Nebensattel, welcher schon auf der Rttckenseite liegt, 
steigt , nachdem er einen kleinen Zacken gebildet hat , in einen sehr tiefen scbmf^len , unten abgestutzten 
Rttckenlobus hinab. 

Diese Lobenlinie ist so eigenthttnüich^ dass sie gewiss zu eingehenderer Betrachtung auffördert Sie ist 
einmal Goniatiten-ähnlich, weil ganzrandig, und daher die älteren Autoren die Art und die naturwidrig hie- 
ven abgetrennten übrigen för Goniatiten hielten. Nun hat schon Quenstedt in sehr klarer Weise dargethan, 
dass dieses kein Goniatit sein kann, nachdem die Lobenlinie die Anordnung der Falciferen zeigt, nachdem 
sie ganz und auf dem Bauche nicht unterbrochen ist , und nachdem es nicht schwer wird , eine nach Tom 
genickte Siphonalnaht auf der Kammerscheidewand blosszulegen. In neuerer Zeit wurden aus der Trias 
mehrere Geschlechter bekannt , welche ganzrandige Lobenlinien haben , wie Clydonüea und Chorütoceras. 
Zu ersterem Geschlechte zählt ihn Herr y. Hauer als möglicherweise gehörig, nun aber ist die Involubilität 
des fraglichen Ammonen doch eine allzu sehr von Clydonites abweichende, und es ist wohl kaum zu recht- 
fertigen, den Begriff der Gattung Clydonites auf eine solche extreme Form auszudehnen. Was Choristoceras 
anbelangt, so will mich bedttnken, es herrsche eine weit grössere Ähnlichkeit zwischen der Lobenlinie die- 
ses Geschlechtes und des Eryx, aber obwohl ich widerholt Wohnkammerstücke dieser Art hatte, zeigen sie 
durchwegs auf der Rttckenseite den Eindruck der vorhergehenden Windung, es ist also an ein Freiwer- 
den der Spirale nicht zu denken. Ein anderer Fall aber Ist der , dass Btyx eine Jugendform irgend eines 
grösseren noch nicht bekannten Ammoniten sei und als solche vielleicht länger al^ eine andere Form die 
ganzrandigen Loben beibehalten hat, ähnlicher Weise, wie es bei vielen Lias- Ammoniten der Fall ist, und 
diese Erklärung scheint mir die aller entsprechendste zu sein, und es ist leicht mBglieh, dass die Art in ähn- 
licher Weise wie die Übrigen Formen später durch Einzackung der Loben nach und nach in die Form eines 
echten Ammoniten Übergeht. 

Ober die vielfache Zersplitterung der Form, welche Quenstedt in seinen Cephalopoden gewissenhaft 
beseitigte, ist es wohl nicht nöthig ein Wort weiter zu verlieren. 

Von einiger Wichtigkeit erscheint die Art desshalb, als sie Beyrich aus dem Muschelkalk von Sint- 
wang bei Beute wieder gefunden haben will. Zwar hat dieser Art Gümbel einen neuen Namen — Pseudo^ 
Eryx — gegeben, doch findet Beyrich sein Exemplar nicht verschieden vom echten Eryx der Cassiauer 

D«akaehrlft«B dtr iiMth«m.-nfttnrw. Gl. XXX. Bd. AbhAsdl. tob Nichtmitglicd^ra. 1 



82 Gustav C. Laube. 

Schichten (vergl. Beyrich a. a. 0.); während Franz v. Hau er die unvollständige Erhaltang von GümbeTs 
A. Pseudo'Eryx and damit dessen Unsicherheit bemerkt (vergl. Hauer, Die Cephalopoden der unteren Trias 
der Alpen, Sitzungsber. d. kais. Akad. d. Wiss. LH. Bd.). Es mtlsste also diese Auffassung genau untersacht 
werden, um einen sicheren Halt bieten zu können, und das ist mir im Augenblicke, wo ich weder Gürabers 
noch Bey rieh's Original kenne, nicht möglich. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geol. Beichsanstalt. 

Grösse: Fig. 7 a. Durchmesser der Scheibe J5 Millim., Dicke 4 Millim., Höhe der Mtlndung 7 Millim., 
Nabelweite 5 Millim. 

Fig. 7 b. Durchmesser der Scheibe 1 1 Millim. , Dicke 4 Millim. , Höhe der Mttndung 6 Millim. , Nabel- 
weite 4 Millim. 

Fig. 7 c. Durchmesser der Scheibe 8 Millim., Dicke 3 Millim., Höhe der MQndung 7 Millim., Nabel- 
weite 3 Millim. 

Amn^onites glaucu9 Münster sp. 

Tab. XXXVn, Fig. ». 

1834. Anmonites Cüeratiies) glaueuB Mflnst. in Leonh. n. Bronn's Jahrb. p. 11, Tab. I, Fig. 1. 

1841. GoniaHte* glaueu» Mflnst Beitr. lY, p. 11, Tab. XIV, Fig. 10. 

1843. Goniatites tenuiuimw Klip st. Östl. Alpen, p. 143, Tab. VIII, Fig. 21. 

1843. Goniatites Iris Klipst. Östl. Alpen, p. 141, Tab. VIII, Fig. 17. 

1845. Ammonites glaueus Quenst. Cephalopoden, p. 234, Tab. XVIII, Fig. 4. 

1849. Aganides glaueus d*Orb. Prodr. I, p. 180. 

1849. Agatudes Iris d*Orb. Prodr. I, p. 180. 

1852. Amtnonites glaueus Gieb. Cephalopoden, p. 485. 

1864. Amtnonites glaueus Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Reichsanst. p. 412. 

Diese , eben so gut wie die frtlher erwähnte Brutform eines Ammoniten ist sehr leicht an ihrem ganz 
glatten Ausseren zu erkennen , dessen dünne Schale manchmal den Perlmutterglanz behalten hat und dann 
schwach irisirt. Die Schale lässt nur auf den äussersten Umgängen ganz feine Zuwachsstreifen erkennen. 
Die Windung ist stark evolut und lässt die inneren Windungen fast vollkommen frei. Die Röhre nimmt an 
Dicke schnell zu und ist sehr flach^ um ein bedeutendes höher als breit. 

Die Lobenlinie, welche sehr gleichmässige Sättel und Loben zeigt , steht sehr genähert ^ so dass die 
Loben in den folgenden, die Sättel in den vorhergehenden hineinreichen. Schon bei massig grossen Indivi- 
duen bemerkt man den Beginn der Zahnung des Haiiptlobus, und, wenn ich mich in der Bestimmung einiger 
grösseren Bruchstücke nicht irrte, zeigen dieselben später ganz dieselben Entwicklungsphasen, wie ich die- 
selbe bei Bustrts u. s. w. angegeben habe. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geologischen Reichsanstalt. 

Grösse: Durchmesser der Scheibe 11 Millim., Dicke 3 Millim., Höhe des letzten Umganges 5*3 Millim., 
Nabelweite 5 Millim. 

Ammonites Achelo^w Mttnster sp. 

Tab. XLI, Fig. 11. 

* 

1834. Ammonites CCeratites) Aekdous Mtinst. bei Leonh. n. Bronn Jahrb. p. 14, Tab. IL Fi^. 8. 

1841. Oeratites Aehelous Mün St.. Beitr. IV, p. 134, Tab. XV, Fig. 23. 

1845. Amtnonites Aehelous Quenst. Cephalopoden, p. 234. 

1849. Oeratites Aehelous d*Orb. Prodr. I, p. 181. 

1852. Ammonites Aehelous Gieb. Cephalopoden, p. 484. 

1864. Ammonites Aehelous Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Reichsanst. p. 412. 

Dies ist ebenfalls eine Jugendform, welche sich noch nicht in die Ammoniten« Form vollkommen ent- 
wickelt hat. Sie nnterscheidet sich von allen anderen wesentlich dadnrch, dass sie weniger involut ist. Die 
Schale zeigt knrze Sichelfalten nm den Nabel nnd eine RUckenfurche, der Steinkern ist fast ganz glatt. Das 
erstere unterscheidet sie von Am. glaueus , das andere von den anderen Arten. Die Scheibe ist nieder- 



Die Fauna der Schichten von St Cassian. 83 

gedrückt, ziemlich flach, der Bauch schwach gewölbt, die Seiten flach, der Nabel sehr weit offen, die frü- 
heren Umgänge etwa zur Hälfte sichtbar, der letzte Umgang setzt am Nabel ziemlich scharf ab. 

Die Lobenlinie ist sehr einfach und zeigt nur neben einem breiten Hauptlobus einen durch einen kurzen 
breiten Sattel getrennten Seitenlobns, welcher bereits den Nabelrand berührt. Beide sind im Grunde 
gezähnt. Bei einem grösseren Stück sieht man deutlich wie die Lobenzacken anfangen ungleich zu werden, 
und wie sich die Ränder des ersten Seitensattels bereits kerben, woraus hervorgeht, dass die Art ebenfalls 
in einen Anmioniten übergeht , obwohl sie in ihrem häufigsten Auftreten die Ceratitenform am deutlichsten 
unter allen Cassianer Arten zeigt. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geologischen Reichsanstalt. 

Grösse: Durchmesser 12 Millim., Dicke 4-3 Millim., Mnndhöhe 7 * 5 Millim., Nabel weite 4 Millim. 

Ammoftife# hopMophorus Giebel. 

Tab. XXXVII, Fig. 8. 

1841. QoniaHie* armatuB Mfinst. Beitr. IV, p. 127, Tab. XIV, Fig. 8. 

1845. Ammonitea armatuB Quenst. CephalopodCD, p. 329. 

1849. Aganidet armatus d*Orb. Prodr. I, p. 180. 

1852. AfftmoniteB hoplophortu Gieb. CepfaalopodeQ, p. 486. 

1864. Ammonitea hoplophorua Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Reichsanst p. 412. 

Diese kleine zierliche Art , ebenfalls eine Jugendform , hat ein äusserst charakteristisches Aussehen. 
Während der Bauch ganz glatt ist, sind die Flanken mit starken Rippen bedeckt, welche sich auf der Mitte 
zu abwechselnd zu je einem stärkeren und schwächeren Dorn erheben, die sich in einer Spirallinie folgen. 
Seitenwttlste jedoch, welche die stärkeren Knoten tragen, setzen über den Bauch fort, und bilden sonach 
eine Labialimpression , welche sich auch auf den Steinkernen als schwäche breite Furche zeigt: Obwohl der 
Kabel weit und offen ist, lassen die inneren Umgänge doch nichts von ihren Domen wahrnehmen, welche 
sich also unter dem folgenden Umgang verbergen, sondern zeigen blos die von diesen ausgebenden scharfen 
geraden Seitenrippen. 

Die Lobenlinie ist noch nicht sehr ausgebildet, zeigt jedoch schon einen weit höheren Fortschritt als 
jener Funkt ist, welchen Münster wiedergibt, indem ich an einem Exemplare die beginnende Zackung der 
Loben wahrnehmen kann. 

Obwohl diese kleine Form sehr an A Brotheua erinnert, kann sie damit doch nicht verwechselt werden, 
da sie durchaus nicht den Aonen-Charakter annimmt, vielmehr durch die deutlichen über die Buckeln gehen- 
den Wülste einen entschieden abweichenden Charakter zeigt. Eben so unterscheidet sie sich durch die sehr 
spitzen Dornen der Seiten von allen sonstigen Jugendformen von St. Cassian. 

Da die vorstehende Art kein Goniatit, aber auch kein Clydonit ist, sondern sich zu einem echten Ammo- 
niten entfaltet, so muss nothwendig der Name geändert werden, was Giebel bereits gethan hat. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geologischen Reichsanstalt. 

Grösse: Durchmesser der Scheibe 9 Millim., Durchmesser des Nabels 3 Millim. 

Amtnonttes BUtpHeinianu^ Laube. 

Tab. XXXVn, Fig. 6. 

1843. QomaHtu Buehii Klipst Östl. Alpen, p. 137, Tab. VIU, Fig. 11 (non Verneuil). 
1849. Aganidea Klfpaieini d*Orb. Prodr. I, p. 181 (non MflUer, teste Giebel). 

Es ist vorliegende Art eben so wie Ammonites Eryx eine Art , bei welcher man gezackte Lobenlinien 
noch nicht wahrgenommen hat. Die Art ist ebenfalls sehr evolut aufgerollt und lässt die früheren Umgänge 
ganz frei, so dass sie kaum die Ränder umfassen. Die Röhre ist wenig höher als breit, fast vierseitig im 
Querschnitt, da die Seiten flacher sind als der gerundete Bauch. Letzterer ist ganz frei von Rippen, während 
die ersteren mit starken gleichmässig von einander stehenden Rippen besetzt ist, welche ganz gerade ver- 
laufen und nur am äussersten Rande schwach nach vorn gekrümmt sind. 



84 Gustav G. Laube. 

Die Lobenlinie zeigt, wie schon oben erwähnt, dasselbe Verhalten wie bei Ammonvtes Brymj man ge- 
wahrt an den meisten Exemplaren eine ganzrandige Lobenlinie , welche einen kurzen stampfen Banehsattel, 
einen eben solchen Loben , breite rnnde Nebensättel , schmälere und tiefere Hauptloben , einen schräg nach 
rückwärts gerichteten Nebenlobus. Der Nahtlobus ist ebenfalls gezackt wie bei Eryxy ehe er in den tiefen 
Rttckenlobus hinabsteigt. 

Damach hätte man also auch hier eine Goniatiten-Linie. Bekommt man jedoch grt^ssere Stücke in die 
Hand , was jedoch nicht oft möglich ist , so bemerkt man daran wohl , wie die Linie am Grunde der Loben 
anfängt wellige Krümmungen zu zeigen , und darnach ist es wohl auch hier zweifellos, dass man es im vor- 
liegenden Falle mit einem jungen Individuum einer seither nocht nicht gefundenen grösseren Art zu thun 
habe. 

Was übrigens die Benennung dieses Ammoniten anbelangt , so lässt sie sich in ihrer ursprünglichsten 
Form weder als Oomatttes noch als Ammonvtes aufrecht erhalten. D'Orbigny hat den Namen bereits in 
ZZtjp^f^m umgewandelt; da ich jedoch finde, dass auch dieser Name schon verbraucht ist, habe ich densel- 
ben neuerlich umändern müssen. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geologischen Reichsanstalt. 

Grösse: Durchmesser 11 MiUim., Dicke 4 MillioL, Höhe des letzten Umganges 4 Millim.| Durchmesser 
des Nabels 4 * 5 Millim. 

AtmnonUes phUopater Laube. 

Tab. XU, Fig. 10. 

Dieser Ammonit ist unter allen von St Cassian der flachste, da der Bücken desselben geradezu schnei- 
dig ist und der Körper an Dicke wenig zunimmt. Bei dieser 2>Mcte«-ähnliehen Form ist der Nabel sehr enge, 
läist jedoch die Umgänge bis zu innerst verfolgen, wenn auch die Involubilität eine sehr bedeutende ist Die 
Selten sind ganz glatt and lassen nur gegen den Bauch hin einige schwache Bippen , die man nur bei gün- 
stigem Lichte bemerkt, unterscheiden, welche in ziemlich grossen regelmässigen Abständen von einander 
stehen. 

Die Lobenlinie, welche sich besser in der Zeichnung als in der Beschreibung wiedergeben lässt, ist die 
eines echten Ammoniten. Besonders eigenthümlich erscheint es mir daran, dass der erste Seitensattel sich 
in zwei Arme spaltet, was weder der folgende noch der nächstfolgende thut, wohl aber der erste HUfssattel 
deutlich wiederholt , die folgenden Hilfssättel sind an der Spitze alle stumpflich eingedrückt und damaeh 
etwas herzförmig. 

Diese Art, welche bisher gar nicht in St. Cassian beobachtet wurde, sieht dem Ämmonüea ßoridus Wul- 
fen sehr ähnlich, allein der weitere Nabel und die viel complicirtere Lobenlinie zeigt doch die Verschieden- 
heit beider Arten offenbar. 

Auch aus den Hallstätter Schichten ist bis jetzt noch kein so scharf kieliger Z)t«cK«-ähnlicher Ammonit 
bekannt geworden, dessen Verwandte wir erst im Jura wieder treffen. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geologischen Reichsanstalt. 

Grösse : Durehmesser 9 Millim., Dicke 2 Millim., Mundhöhe 4*6 MiOim., Nabelweite 2 Millim. 

Afiimoftife« CorrareiMi« Laube. 

Tab. XL, Fig. 8. 

Diese höchst interessante Form hat Richthofen in den Halobienschichten von Corfara gesammelt, 
und ist dies der dritte Ammonit, welcher aus diesen Schichten bekannt wurde, wenn man nicht noch unbe-^ 
Htimmbare Aonen-Reste weiter hinzuzählt. 

Die äussere Form des Ammoniten erinnert an A, flortdus^fvAi.] er ist sehr discoid, hat einen sehr 
engen Nabel und am Banchkiele in weiten Abständen von einander auftretende längliche, schief stehendd 
Knoten. Die Seiten zeigen stumpfe breite Sichelrippen , welche in der Mitte der Seite schwach nach vom 



Die Fauna der Schichten von 8t. Cassian. 86 

gekrümmt sind. Der Yollkömmen erhaltene Mnndrand entspricht den bei Falciferen yorkommenden; er bildet, 
eine schön geschwnngene Linie, welche sich anf der Mitte der Seite schwach nach aussen krümmt nnd auf 
dem Baachkiel einen kurzen spitzen Haken nach vorne sendet 

Da der Körper sehr flach ins Gestein gedrückt ist, konnte nicht die Spar einer Lobenlinie wahrgenom- 
men werden. 

So ähnlich die Form nun im Allgemeinen mit A.ßortdus Wulf, ist, so verschieden hievon zeigt er sich 
durch die an seinem Bauchkiele auftretenden Rippenknoten, kann also selbst mit dieser ihm so nahe stehen- 
den Art nicht verwechselt werden, um so weniger wie mit irgend einem anderen. 

Originalexemplar in der Sammlung der k. k. geologischen Reichsanstalt. 

Grösse: Durchmesser 38 Millim., Mundhöhe 13 Millim., Nabelweite 4*5 Millim. 

Genus PHYLLOCERAS Suess 1865. 
JPAyf locerif# ^Warba^ Münster sp. 

Tab. XLI, Fig. 12. 

td4I. Oeratites Jarhas Mfinst. Beitr. IV, p. 125, Tab. XY, Fig. 25. 
?1841. Ceratitet Ägenor Münst. Beitr. IV, p. 1H5, Tab. XV, Fig. 24. 
1843. Ämmoniies umbilieatus Klipst. Östl. Alpen, p. 117, Tab. VI, Fig. 5. 
184.^. Ammonites Jarbas Quenst Cephalopoden, p. 240, Tab. XVIII, Fig. 12. 

1846. Ämmonite$ Jarhas Hauer in Haidinger'B NatorwiBS. Abbandl. I, p. 196 (26). 

1847. Ämmonitea Jarbiu Haner in Haidinger^s Naturwiss. Abbandl. I, p. 15 (217). 
1849. Ceratitea Jarbas d*Orb. Prodr. I, p. 181. 

1849. Ämmonites umbüieatus d'Orb. Prodr. I, p. 182. 

1852. Amtnonite* Jarbas Gieb. Cephalopoden, p. 434. 

1852. Atnmanües Jarba» Gieb. Cephalopoden p. 762. 

1864. Ämmonites Jarbas Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Beichsanst. p. 412. 

Die Form des Ammoniten ist stark discoid , die Dicke eine geringe , doch ist die Bauchseite schön 
gerundet. Die Windungen sind dergestalt inyolut, dass der Nabel sogar versteckt erscheint und an dessen 
Stelle eine Ansatzstelle für die Windungsränder wahrnehmbar ist, welche beiderseits knopfartig hervorragt; 
ähnlich ist in dieser Beziehung Ämmonitea ßon'dus Wulf., wie ihn Franz v. Hauer in seinen Versteinerun- 
gen des Bleiberger Muschelmarmors, Tab. I, abbildet. An der Schale selbst, welche ohne merkliche Erha- 
benheiten ist, gewahrt man zwei Schalenschichten — eine äussere, welche dadurch auffällig ist, dass sie 
mit vielen feinen runzeligen Linien bedeckt ist , welche zum Nabel streben , und darunter eine sehr feine 
glänzende Schichte, welche namentlich perlmutterartig ist, auf welcher man feine Wachsthumsllnien von 
schlank iS-förmiger Gestalt wahrnimmt. 

Die Lobenlinie ist ziemlich complicirt. Im Allgemeinen hat sie den Charakter des Geschlechtes sehr 
deutlich, hat jedoch noch einen sehr einfachen Charakter, indem sich weder Sättel noch Loben bedeutend 
ausbreiten, und letztere noch ein sehr an Ceratttes erinnerndes Aussehen dadurch haben, dass sie tief ftinf- 
und sechsfingerig im Orunde gezackt sind. Die Loben und Sättel werden immer einfacher, je mehr sie sich 
dem Nabel nähern, so dass die letzten Hilfsloben ganz an Clydonües in ihrer Form erinnern. 

Die Zeichnung Mttnster's ist in der Art unrichtig, als sie einen Nabel erkennen lässt, dessen Vorhan- 
densein selbst Mflnster im Texte ausdrücklich negirt. In Folge dieses Irrthums wahrscheinlich kam es, 
dass Klipstein die Art neuerlich als Ämmonites umbiltcatus beschrieb. Die Abbildung ist die bessere. 

Was Münster als Oeraif^es Ägenor beschreibt, ist nach den in der Münster'schen Sammlung befind- 
lichen Stücken nicht wohl zu erkennen, da dies ein paar schlechte Exemplare sind, die dort liegen. Der Text 
stimmt übrigens mit der Abbildung nicht besonders genau, und ich glaube, dass die in Innsbruck nicht mehr 
vorfindliche Art am besten als eine unhaltbare eingezogen werden möge. 

Es ist dies eine von den wenigen Arten, deren Auftreten in den Hallstätter Schichten nicht geleugnet 
werden kann; ieh wenigstens vermag die Formen nicht zu trennen, wenn nicht etwa eine kleine Abweichung 



86 Gustav C. Laube. 

an den Sätteln der Lobenlinie als Trennungsmerkmal benutzt werden sollte. Es ist jedoch hinreichend 
bekannt, wie die Phylloceras-Avien des Jnra ebenfalls dnrch mehrere Schichten durchgehen, so dass sie nur 
mit Hilfe sehr künstlicher Mittel auseinander gehalten werden können. In dieser Hinsicht hätte also dieses 
Geschlecht den Charakter seiner Langlebigkeit oder Unveränderlichkeit auch schon in der Trias besessen, 
und reicht im Fh. Jarbas von St. Cassian bis in den Hallstätter Kalk hinauf. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt. 

Grösse: Fig. J 2 a Durchmesser 21 Millim., Dicke 11 Millim., Mundböhe 10-8 Millim.; Fig. 12 b Durch- 
messer 10 Millim., Dicke 5 Millim., Mundböhe 5 Millim. 

Genus ARCESTES Suess 1865. 
Avce9te9 bicarinaiu^ Münster sp. 

Tab. XLI, Fig. 13-17. 

1841. Ammonites birarinaius Münst. Beifr. IV, p. 138, Tab. XV, Fig. 30. 
1843. Ammonites Maoamtltant Leuchienbergensia Klip st. Östl. Alpen, p. 114, Tab. VI, Fig. 1. 
1843. Ammonites labiatus Klipst. Östl. Alpen, p. 119, Tab. VI, Fig. 9. 
1843. Ammonites quadrilabiatus Klipst. Östl. Alpen, p. 116, Tab. VI, Fig. 3. 
1843. Ammonites latilabiatus Klipst. Östl. Alpen, p. 119, Tab. VI, Fig. 8. 
1845. Ammonites biearinatus Cassianus Quenst. Cephalopoden, p. 242, Tab. XVIII, Fig. 10. 
?1846. Ammonites biearinatus Hauer Cephalopoden d. Mctternich*scben Sammlung, p. 34. 
1849. Ammonites Maximiliani Leuchtenbergensis d*Orb. Prodr. I, p. 182. 
1849. Anunonites laiilabiaius d'Orb. Prodr. I, p. 182. 
1852. Ammonii€s biearinatus Gieb. Cephalopoden, p. 445. 
1852. Ammonites latilabiatus Gieb. Cephalopoden, p. 446. 

1855. Ammonites biearinatus Köchlin-Schlumberger Bull. Soc. g^ol. de Fr. XII. Bd. 2. Ser. p. 1077. 
1864. Ammonites biearinatus Lbe. Bemerk, im Jahrb. d. geol. Reichsanst. p. 412. 

Dieser Arcest ist sehr leicht an seiner kugeligen Gestalt, wodurch er sich von allen anderen wesentlich 
nnterscheidet, zu erkennen. Die Umgänge, welche sich so vollkommen umfassen, dass kaum die Andeutung 
eines Nabels vorhanden ist, der mehr eine blinde seichte Grube darstellt, zeigen in Abständen, die nicht 
ganz einen halben Windungsdurchmesser betragen, Wülste, welche eine kaum gekrümmte Linie bilden, 
welche auf den Steinkernen als geradlinige Furchen wieder zu erkennen sind. Obwohl |man in der Begel 
deren nur zwei auf einem Umgänge zählt, finden sich doch auch Individuen , bei welchen man deren drei 
wahrnimmt. 

Die Schale selbst zeigt zwei Schichten, eine äussere rauhe mit nnregelmässigen feinen queren Runzeln 
verzierte, und darunter eine sehr feine, oft glänzend weisse Perlmutterschale. 

Die Lobenlinie zeigt den bekannten Charakter der Arcesten-Linie. Ein kurzer Bauchsattel ist vorhan- 
den, welcher nach vorn sehr an Breite zunimmt und löfTelftrraig wird. Die Seitenloben werden durch einen 
gegen den Bauchsnttel gerichteten Ast des ersten Seitensattels sehr eingeengt, sonst wird die Lobenlinie 
nicht auflfällig. 

Obwohl Münster von dieser Art, welche häufiger in mittleren nnd kleineren Exemplaren als in grös- 
seren vorkommt , welche noch dazu gewöhnlich von der Vorderseite her zerdrückt sind , nur ein kleines 
Exemplar besass, und bei dessen Abbildung eine sehr ungenaue Lobenlinie gab, welche kaum den Charak- 
ter derselben annähernd wiedergibt, kann es doch nicht schwer werden, dieselbe von den übrigen Arcesten 
zu unterscheiden, nnd zugleich die Überzeugung zu erlangen, wie auch hier wieder Klip stein nnnöthiger- 
weise eine Menge Species aus einer einzigen ableitete, die durchgehends Jugendformen, wie selbst das Mün- 
ster'sche Exemplar sind. 

Wickelt man ein Exemplar von vorne an ab — und es wird dieses Geschäft oft ziemlich leicht anszuftih- 
ren sein , da die kleineren Individuen meist verkiest sind — so kommt man nach und nach auf Formen, 
welche von der ausgewachsenen darin abweichen, dass sie beinahe breiter als hoch sind und seitlich einen 



Die Fauna der Schichten von St. Casstan. • 8 7 

tiefen Nabel zeigen. Die Labialimpressionen auf den Umgängen lassen sich jederzeit wahrnehmen ^ und es 
fehlen selbst Individuen nicht, welche mit dem abgewickelten Kerne ttbereinstimmen , aber hiebei noch die 
Wohnkammem zeigen. 

Die Lobenlinie, welche lange zurück einen constanten Charakter behält, wird in den innersten Windun- 
gen immer einfacher, die im ausgewachsenen Zustande so vielfach und schön getheilten Loben nehmen mehr 
und mehr einen Charakter an, welcher nur noch Grundlinien des vorhergehenden enthält. So sieht man die 
Spitzen der Sättel nach und nach abstumpfen , bis sie auf einen znngenförmigen randlich gekerbten Körper 
zurückgeführt sind, hiebei zeigt der erste Seitensattel jedoch immer noch die Anlage des gegen den Sipho 
zu abstehenden Astes, die Loben sind auf einfache tief fingerförmig eingelappte drei- und vierspaltige Säcke 
reducirt. In der jugendlichsten Entwicklung jedoch , in welcher ich noch eine Lobenlinie wahrnehmen 
konnte, waren die Sättel ganzrandig, die Loben jedoch zeigten noch einen mittleren tieferen und zwei seit- 
liche stumpfere Spitzen und die Art des ersten Seitensattels nur leicht angedeutet. 

Obwohl es mir gelang, ein noch viel kleineres Individuum abzuschälen, welches mikroskopisch klein, 
im Innern immer noch Kammerwände zeigte, war es mir nicht möglich, daran irgend welche Lobenlinien zu 
erkennen, und konnte ich nur wahrnehmen, dass die Bauchstellen der abgelösten Stücke ganzrandige Cur- 
ven zeigten, und daraus schliessen, dass die Bänder der Lobenlinien endlich ganzrandig werden. Das em- 
bryonale Individuum zeigte sich verhältnissmässig sehr breit, fast walzenförmig, die letzte Lobenlinie daran 
zeigte eine sehr breite Einsattelung auf dem Bauche, während die Lobenlinie nur an den Bändern wie bei 
einem Clydoniten aussehen. 

Man wird aber nie in die Lage kommen, selbst sehr junge Thiere mit Clydoniten zu verwechseln, da 
der unterscheidende Charakter leider durch die sich frühzeitig verschieden entwickelnde Lobenlinie schon 
bei so jungen Individuen deutlich genüg hervoiiiritt. Man kann aber auch in der Species genug Formen unter- 
scheiden, wenn man die sich noch verändernde Lobenlinie oder die in der Zahl und Lage nicht ganz con- 
stanten Labialimpressionen für besondere Arten als bezeichnende Merkmale annimmt. 

Von diesem Gesichtspunkte aus müssen also jene Klipstein'sehen Formen, die ich vorstehend anführte, 
versehwinden. 

Herr v. Hauer hat die Art aus den Hallstätter Schichten als fragliche Art citirt; ich kann weder dafür 
noch dagegen sprechen. Eine sehr verwandte und wohl auch schon für identisch erklärte ist was Herr 
v. Hauer als Ammonttes Auaseeanus beschreibt (Neue Cephalopoden von Aussee, I, p. 18, Tab VIII, 5 — 8). 
Wenn es gestattet ist, auf ganz minutiöse Unterschiede ein Gewicht zu legen, so wären die beiden Arten da- 
durch verschieden, dass die globose Gestalt bei Arcestea Ausseeanua noch viel mehr auffallt und ein verhält- 
nissmässig engerer Nabel auftritt, auch hat es sehr das Aussehen, als ob die Lobenlinien etwas variirten. 

Mir steht im Augenblicke kein hinreichendes Vergleichsmaterial zu Gebote, wesshalb ich hieraus keine 
weitereu Schlüsse ziehen will,^ und die beiden Arten neben einander stehen lasse, um so mehr als man ja bei 
Ammoniten gewohnt ist, möglichst feine Unterschiede zu berücksichtigen. 

Originialexemplare in der Sammlung der k. k. geol. Beichsanstalt. 

Grösse : 

Fig. 13. Durchmesser 41 Millim., Dicke ;)2 Millira., Mundhöhe Jl Millim., Nabelweite 5 Miliim. 



n 

17 Ar 4. 1 l'^l 

Avce9te9 cy^nMforn9t9 Wulfen sp. 

Tab. XLll, Fig. 1, 2. 

1793. NaulüuB eymbiformi$ Wulf. Kärnth. Heminthol. p. 121, Tab. XXLX, XXX. 
1843. Ammonites Joannis Ausiriae Klipat. Östl. Alpen, p. 108, Tab. V, Fig. 1. 
1843. Ammoniut Part$rhi Klip 8t. Östl. Alpen, p. 129, Tab. V, Fig. 3. 



n 



88 * Gustav C. Laube. 

1843. AmfMmite$ multilohcUus Klipst. Östh Alp. p. 129, Tab. XIX, Fig. 1. 

1845. Atnmonitei Joannü Au9trtae Qoenst. Cepbalopoden, p. 245. 

1846. Ammomies JoanntB Austriae Hauer, Cephalopoden des Salzkammergutes, p. 32. 

1847. Ammonitei eompltcatus Corn. Tyrol. merid. p. 46, l'ab. III, Fig. 13. 

1847. Ammontte» Joannis Austrias Haner in Haid. Naturwiss. Abhandl. I, p. 25. 

.1849. Ammonites Joannin Austriae Haner in Haid. Naturwiss. Abhandl. III, p. 19. 

1849. Ammonites cymhiformis d*Orb. Prodr. I, p. 182. 

1852. Amnumües Joannis Austriae Gieb. Dentschl. Petref. p. 444. 

1858. Ammonites Joannis Austriae Stopp. Eöino, p. 119, Tab. XXVII, Fig. 1—11. 

1860. Ammonites Joannis Austriae Richth. Predaaso, p. 84. 

Dieser Arcest hat in dem aaf der beigegebenen Tafel abgebildeten Individuum nicht nur daa grösste In- 
dividnam der Petrefacten von St. Cassian geliefert, sondern ist auch gewiss neben A. ^aZea^i^ Hauer d«r 
grösste bis jetzt bekannte Arcest und wohl auch der allenrerbreitetste. 

Die Form des Arcesten ist bei weitem flacher als bei dem vorhergehend beschriebenen. Die Flanken 
sind sanft gewölbt, während der Bauch eine schmale Krümmung zeigt, so dass ein Durchschnitt durch den 
ganzen Körper ein ziemlich langgezogenes schmales, beiderseits ziemlich spitzes Ellipsoid zeigen wttrde. 
Ein enger aber deutlicher offener Nabel ist vorhanden. Fast diametriail gegenüber finden sich auf der Schale 
die Wülste von ziemlich starken Labien, welche auf den Steinkernen einen tiefen Fureheneindmck hinter- 
lassen. Bei dem grossen Individuen ist jedoch von irgend welchen Wülsten auf der Schale nichts wahrzu- 
nehmen, wohl aber auf dem Steinkerne der deutliche Eindruck zu sehen. Die Schale ist wie bei allen ande- 
ren, eine äussere opake Schichte mit sehr feinen etwas welligen unregelmässigen radialen Runzellinien, 
und darunter eine mehr oder weniger dicke Perlmutterschichte, unter welcher noch eine feine dünne Schichte 
von porzellanartiger Structur zu erkennen ist, welche die Lobeniinie durchschimmern lässt. 

Im Baue der Lobeniinie zeigt sich zwischen dieser Art und der vorigen sehr viel Ahnliches. Doch ist der 
sehr lange Bauchsattel an der Vorderseite auffilllig breiter, der erste Nebensattel ist dem des A. bicarinatu^ 
sehr analog, und wenn sonst noch ein besonderer Unterschied hervorzuheben ist, so bestellt er darin, dass 
bei A. hicartnatus die Loben und Sättel an ihren Enden bei weitem abgerundeter sind als bei A. oyunbifor- 
m%8 , bei welchem diese Theile besonders spitz und scharf sind , und wie die au£fällig verschiedene Form 
schon bedingt, die gegen den Nabel hin folgenden Nebenloben viel zahlreicher sind als bei jenem. 

Jugendliche Exemplare zeigen , so weit ich es nach vorliegenden Exemplaren beurtheilen kann , genau 
jene Entwicklungsphasen der Lobeniinie, wie A. bteartnatus , von dessen Jugendformen sie sich übrigens 
durchgehend s durch eine weit flachere Gestalt unterscheiden. 

Schon 1793 beschrieb Abb6 Wulfen in der Abhandlung über den kämtnerisehen pfanensehweifigen 
Helmintholiten diese Art aus der Bleiburger Muschelbreccie unter dem Namen Nantüus cymhiformis* 
1843 ward dieselbe Art von Klip stein als Ammonites Austriae beschrieben. Franz v. Hau er, welcher die 
Identität der Art von St. Cassian mit jener von Bleiberg feststellte (vergl. Über die Cepbalopoden des 
Muschelmarmors zu Bleiberg in Kärnten, 1846, Haidinger's naturwiss. Abhandl. 1. Bd.), behielt gleiehwobi 
den Namen Joannis Austriae bei, während ihn d'Orbigny im Prodrome unter A. cymbiformis einzieht. Der 
Name A, Joannis Austriae ist im Laufe der Jahre sehr geläufig geworden, und fast könnte dies berechtigen, 
diesen Namen beizubehalten als einen allgemein eingebürgerten. Wenn nun aber das Prioritätsrecht gelten 
soll — und das verlangt ja doch jeder Autor — dann niuss man auch Wulfen's Verdienst als den ersten 
Kenner der Art nicht schmälern, und eben so gut wie der Name des Ammo7iites ßoridus von ihm erhalten 
ist, eben so gut muss auch der Name A. cymbiformis bestehen. 

Was die von v. Hauer mit Arcestes cymbiformis aus den Hallstätter Schichten identificirte Form anbe- 
langt, so bin ich nicht im Stande sie von den Cassianer Stücken zu unterscheiden, und da nun die Art eben 
so in den Schichten von Raibl und Bleiberg vorkommt, sich auch nach Stoppani in den Esino-Kalken fin- 
det, so ist wohl eine sehr grosse verticale Verbreitung der Art anzunehmen, ja es ist wohl wahrscheinlich, 
dass die Arcesten ähnlich wie Phylloceras sich eine lange Periode unverändert erhalten haben mögen , da 
auch andere Formen dasselbe Verhältniss zeigen. 



Die Fauna der Schichten von St Cassian. 89 

Was Klip st ein yon Äroestea cymbtfonnes trennte, sind Jngendformen , welche keinen Ansprach auf 
Selbstständigkeit haben, wie es selbst d'Orbigny, der in solchen Fällen äusserst vorsichtig war, schon 
anerkannt hat, und die also ohne Bedenken unter dem Namen A. cymbiformis verschwinden müssen. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geol. Beichsanstalt. 

Grösse: Taf. XLII, Fig. 1. Durchmesser 160Millim., Dicke 75 Millim., Mundhöhe 42 Millim. , Nabel- 
weite 15 Millim. 

Arcestea Gag/iani Klip stein sp. 

Tab. XLin, Fig. 5. 
1841. AmmontteB striatulus Münst. Beitr. IV, p. 139, Tab. XV, Fig. 33 (non Sow.). 



1843. Ammonites Qaytan 

1845. Ämmoniie$ Oaytan 

1846. Ammonites Qaytan 

1847. Ammonites Qaytan 
1847. Ammonites Qaytan 
1849. Ammonites Qaytan 
1849. Ammonites Qaytan 
1852. Ammonites Qaytan 
1858. Ammonites Qaytan 



Klip 8t. Ostl. Alpen, p. llO, Tab. V, Fig. 4. 

Quenst. Cephalopoden, p. 246, Tab. XVIII, Fig. 14, 18 (ex parte). 
Hauer Cephalopoden d. Mettemich'schen Sammlung, p. 19. 
Hauer, Cephalopoden von Aussee, p. 266. 
minor Cornalia Tyrol. merid. p. 45, Tab. III, Fig. 12. 
Neue Cephalopoden, p. 17, Tab. IV, Fig. 13. 
d'Orb. Prodr. I, p. 181 (ex parte). 
Gieb. Cephalopoden, p. 443. 
? Stoppani Petref. d'Esino, p. 119, Tab. XXVI, Fig. 14, 15. 



Die vorstehende Art ist mir jetzt nur in einem einzigen Exemplare zugegangen, welches viel kleiner als 
das von Klip stein abgebildete ist, doch aber die unterscheidenden Merkmale sehr genau zeigt. In der 
äusseren Form steht die Art zwischen A. bicartnatua und A. cymbtformis , indem es einen gerundeten 
Racken mit sehr flachen Seiten verbindet, und verhältnissmässig stärker als der erstere und flacher als der 
letztere ist; auf den flachen Seiten zeigt sich deutlich ein sehr euger tiefer Nabel, und auf je einem Umgange 
zwei ziemlich diametral gegenüberstehende Labialwülste. 

Die Lobenlinie bietet in so weit ein auflUlliges Unterscheidungsmerkmal, als sowohl die Bauchloben als 
auch der erste Hauptlobus in besonders lauge Spitzen — ersterer in zwei, letzterer in drei — im Grunde 
ausgezogen sind. Hiedurch wird die Lobenlinie von allen anderen wesentlich verschieden, und gibt so auch 
einen Unterschied zwischen der mehrfach mit ihr vermischten Hallstätter Form A. mbumbilicatua Bronn sp. 
an die Hand. 

Ammonites Qaytani ist ein Arcest, welcher ebenfalls bis in die Hallstätter Schichten sieh erhalten bat, 
oder wenigstens sich so wenig verändert hat, dass von einer Trennung der Species nicht die Rede sein 
kann. 

Münster hat einen kleinen Ammoniten als strtatulus beschrieben , welcher Name schon vergriffen war. 
Das Original des fraglichen Ammoniten findet sich in München nicht vor, es hat aber den Ansehein, als ob 
die Münster'sche Art wirklich nichts anderes als die von Klip stein Qaytani genanute sei, wesshalb ich 
d'Orb igny's Vorgang beipflichte, die ohnehin sehr unsichere Münster'sche Art hier beizuziehen. 

Originalexemplar in der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt. 

Grösse: Durchmesser 17 Millim., Dicke 11 Millim., Mundhöhe 7 Millim., Nabelweite 2 Millim. 

Arcestea Mayeri Klipstein sp. 

Tab. XLIII, Fig. 4. 

1843. Ammonites Mayeri Klip St. Östl. Alpen, p. 121, Tab. VIT, Fig. 2. 
1843. Ammonites Qoldfussi Elipst. Östl. Alpen, p. 116, Tab. VI, Fig. 4. 
1849. Ammonites Mayeri d'Orb. Prodr. I, p. 182. 
1849. Ammonites Mayeri d*Orb. Prodr. I, p. 182. 
1852. Ammonites Mayeri Gieb. Cephalopoden, p. 764. 
1852. Ammonites Qoldfussi Gieb. Cephalopoden, p. 761. 

Die Form dieses Arcesten ist dadurch eine äusserst aufifällige, weil sie einen ungemein weiten und tie- 
fen Nabel zeigt, welcher alle vorhergehenden Windungen deutlich übersehen lässt, die niedrigen aber unge- 

DenkschriftoB der mathem.-natarw. Cl. XXX. Bd. Abhandl. Ton KichtmitgUede». m 



90 Gustav C. Laube. 

mein an Breite zunehmenden Umgänge umfassen sich zwar vollständig , lassen aber immer den Nabelrand 
des vorhergehenden Umganges frei. Die Bauchseite, welche in der geschilderten Weise sehr ausgedehnt ist, 
zeigt eine mit zunehmendem Alter wachsende Zahl schwacher aber breiter Zuwachsstreifen, welche in weiten 
Abständen durch starke Labialeindrücke unterbrochen werden ; solche Labialeindrücke zählt man zwei, drei 
und vier auf dem Umgange. 

Nach der Lobenlinie , welche das grösste mir vorliegende Exemplar zeigt , zu urtheilen , ist diese Art 
eine Jugendform einer bisher noch nicht bekannt gewordenen grösseren Species. Die Loben sind natürlich 
alle noch sehr wenig gezackt, und auch die Sättel noch nicht stark entwickelt. Obwohl die Linie den Cha- 
rakter der jungen Arcesten sehr deutlich zur Schau trägt, lässt sie aber auch schon deutliche Unterschiede 
zwischen den früher beschriebenen Formen und dieser erkennen. Hieher gehört namentlich der Umstand, 
dass die auf die Bauchseite zu liegen kommenden Loben und Sättel auffallend gleich gegliedert sind. 

Auch aus dieser Art hat Klip stein zwei Arten gemacht, indem er ein junges nicht einmal vollkommen 
deutliches Exemplar als Am. Ooldfussi beschrieb, ein älteres A. Meyeri nannte. Sie müssen beide zusam- 
menfallen. 

Originalexemplare in der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt. 

Grösse : 

Fig. 4 a. Durchmesser 11 Millim., Dicke 6 Millim., Mundhöhe 2-5 Millim., Nabel weite 5 Millim. 

ArceaMes iingeri Klipstein. 

Tab. XLIII, Fig. 3. 

1843. Ammonites üngeri Klipst. Östl. Alpen, p. 118, Tab. VI, Fig. 7. 

1849. Ämmonitea Ungeri d'Orb. Prodr. I, p. 182. 

1852. Ämmonites Ungeri Gieb. Cepfaalopoden, p. 447. 

1868. ? Ämmonites Ungeri Stopp ani Petref. d'Esino, p. 118, Tab. XXVI, Fig. 8—10. 

Der kleine Arcest zeigt sehr gewölbte Windungen , deren Umfangslinie vom Nabel über den Bauch fast 
kreisförmig ist, indem auch die Seiten merklich gerundet sind und ziemlich rasch, jedoch nicht scharfkantig 
in einen engen aber sehr tiefen Nabel abfallen. Die Schale ist ganz glatt, die äussere, rauhe konnte nicht 
beobachtet werden, die untere zeigt schwache nach vorn gekrümmte Anwachsstreifen und zwei sehr 
schwache wellig gekrümmte Labialwttlste, welche auf dem Steinkerne keine wahrnehmbaren Spuren zurück- 
lassen. 

Die Lobenlinie an dem grössten mir vorliegenden Exemplare zeigt die charakteristischen Eigenschaften 
der Arcesten^ ist jedoch noch nicht vollkommen entwickelt, und es geht hieraus hervor, dass auch diese Art 
unter die Jugendformen zu stellen ist. 

Gleichwohl ist sie jedoch wesentlich von allen bekannten verschieden , ich finde sie durch den engen 
Nabel von A, Mayen' und durch die grössere Weite desselben und den Mangel an Labialimpressionen von 
A. btcartnatus verschieden. Eben so leicht trennen sich von ihr die anderen Arten. 

Obwohl Elipstein's Zeichnung und Beschreibung der Art auch in diesem Falle viel zu wünschen 
übrig lässt, glaube ich sie doch mit Sicherheit wieder zu erkennen, da der enge tiefe Nabel und die stark 
gerundete Form auffällig genug sind, um auch in einer minder guten Darstellung wieder erkannt zu werden. 

Originalexemplar in der Sammlung der k. k. geol. Beichsanstalt. 

Grösse: Durchmesser 11 Millim., Dicke 7 Millim., Mundhöhe 3 Millim., Nabelweite 3 Millim. 

ArceHea Barrandei Laube. 

Tab. XLin, Fig. 2. 

Die Schale stark involut, mit einem sehr engen aber tiefen Nabel. Die Seiten sind stark aufgebläht, um 
den Nabel am höchsten, gegen die Bauchseite rasch abnehmend, so dass dieser dann ziemlich schwach ist, 



Die Fauna der Schichten von St. Ca^sian. 91 

and nur vor der Mündung eine Cljdoniten-ähnliche Anftreibung zeigt , so dass die entgegengesetzte Seite 
des Umfanges merklich dünner ist. Er erinnert also in seiner äusseren Form sehr an A. galeatus Han«r. Die 
Schale ist ganz glatt und zeigt nur an einer Stelle den undeutlichen Eindruck einer Labialwulst. 

Die Lobenlinie nähert sich etwas der von Ammomtes Gaytani , doch sind die Zacken des Hauptlobns 
sehr kurz und spitz und stehen nicht gerade über einander, sondern sind auffällig gegen den Sipho hinge- 
dreht, also einwärts gestellt, auch der folgende zweispitzige Nebenlobus kehrt seine längere äussere Spitze 
gegen den Sipho hin , als ob die Loben den darunter folgenden weit vorgestreckten Sätteln Baum geben 
wollten, eine Erscheinung, welche ich an keiner anderen Form wahrgenomen habe. Die Sättel sind durch- 
gehends breiter als bei anderen Arten und nehmen gegen den Nabel besonders auffallend an Breite zu. Die 
auffällige äussere Form genügt schon, die Art von den bekannten St. Cassianer Arcesten zu unterscheiden, 
aber auch die Lobenlinie gibt ein deutliches Unterscheidungsmerkmal an die Hand, in dem sie in ihren spe- 
cifischen Eigenheiten wesentlich von anderen abweicht , was sich leichter aus der Vergleichung der Zeich- 
nungen als aus der trockenen Beschreibung ergibt. 

Von den Hallstätter Arten wären etwa A, galeatus und A, s^ibumhilicatus Bronn in Vergleichung zu 
ziehen. Von ersterem unterscheidet sich die Art im Ausseren schon durch die weniger an den Bändern zuge- 
spitzte Form; in der Lobenlinie ist A, galeatus durch weit breitere Sättel und viel schmälere Loben leicht zu 

unterscheiden. A, subumbih'catus ist mehr discoid und hat ebenfalls eine wesentlich abweichende Loben- 

.« 

linie, es ist also auch hier eine Übereinstimmung der Formen nicht zu erzielen, und es lässt sich darnach mit 
guter Sicherheit die Art als eine neue bisher noch nicht gekannte aufstellen. 

Originalexemplar in der Sammlung des kais. Hof-Mineraliencabinetes. 

Orösse: Durchmesser 52 Millim., Dicke 33 Millim., Mundhöhe 13 Millim., Nabelweite 5 Millim. 



SCHLUSSWORT 0. 

Nachdem wir in den vorstehenden Blättern die letzte Beihe der bisher von St. Cassian bekannt gewor- 
denen Thierformen kennen gelernt haben, möge es nun gestattet sein, am Schlüsse noch einige Betrachtun- 
gen anzuknüpfen und einige Bückblicke auf die Schichten und ihre Fauna zu werfen. 

Seit durch Münster's und Klipstein's Arbeit die reiche Fauna von St. Cassian bekannt geworden 
ist, ist jene Gegend häufig und vielfach der Zielpunkt der Wanderungen von Forschem gewesen, und es ist 
über die Verhältnisse der Ablagerungen ziemlich viel publicirt worden und mancherlei Ansichten wurden 
laut , die nun alle widerlegt sind. Es kann meine Absicht nicht sein , eine geologische Beschreibung der 
Gegend zu geben, da wir Ferdinand v. Bichthofen's treffliche Arbeit: „Geognostische Beschreibung der 
Umgegend von Predazzo, St. Cassian und der Seisser Alpe, 1860" besitzen , deren eingehende gründliche 
Darstellung der dort obwaltenden geologischen Verhältnisse mich solcher Mühe überhebt, und wo der ge- 
neigte Leser zugleich alle früher geäusserten Ansichten über St. Cassian mit Sorgfalt zusammengetragen 
findet. 



•^) Die hier folgende geologische Skizze ist nach den Erfahrungen wiedergegeben, welche ich 1867 durch meine Unter- 
suchungen an Ort und Stelle gewann. Ich hoffte in den folgenden Jahren dieselben erweitern zu können , was mir 
jedoch im vorigen Jahre durch eingetretene widerwärtige Verhältnisse , dieses Jahr durch meine Betheiligning an der 
deutschen Nordpol-Expedition nicht möglich war. Meines lieben Freundes Bergrath Stur's treffliche Arbeit über St. 
Cassian und den Schiern im Jahrbuche der geol. Reichsanstalt, 1868, und seine hoffentlich fortg'esetzten Arbeiten in 
jener Gegend lassen zwar meine eigene kurze Darstellung eher genfigen, dennoch fühle ich mich veranlasst, meinen 
verehrten Leserkreis um Nachsicht Hir die mehr skizzenhafte Darstellung, so wie ffir den Umstand zu bitten, dass ich 
nunmehr nicht im Stande bin, auf die bisher erschiene Literatur von Stur und Herrn Dr. Mojsisowid an betref- 
fenden Stellen verweisen zu können. 
Vor meinem Abgang zur Nordpol-Expedition. Gustav C. Laube. 

m* 



92 Gustav C. Laube. 

Um jedoch das Verständniss der loealen Verhältnisse etwas zu erleichtem , sei es gestattet , hier eine 
ganz kurze geologische Skizze der Umgebung von St. Cassian zu geben. 

St. Cassian selbst ist ein kleines unansehnliches Pfarrdorf in einem Seitenthale des Abteithaies oder 
Badia mit einer Seehöhe von 4905 Fuss , am Fnsse des südlichen Zuges der 9000 Fuss hohen Heiligen- 
kreuzwand gelegen. Südlich desselben erheben sich die Dolomitmassen des Settsass und die 6809 Fuss hohe 
etwa 4 Stunden breite Buchensteiner Grasalpe , welche im Volke die verschiedensten Namen (Prelogei, 
Monte Stores, Satrages etc.) hat. Diese Alpe bildet das Centrum zwischen dem St. Cassianer, Buchensteiner, 
Campolungo und Colfoscer Thal, welche sich vor derselben in das ziemlich breite Badia vereinigen. Jenseits 
des Campolungo ragt der hohe Campolungo-Dolomit empor, welcher durch das Grödner Jöchel (6700 Fuss) 
von dem noch viel mächtigeren Dolomitstock des Guerdarazzo getrennt ist. Westwärts davon dehnt sich die 
grosse viel genannte und beschriebene Seisser Alpe bis zum Schiern hinaus. Der Guerdarazzo mit dem ver- 
einzelten Putja oder Peutler Kofel bildet die linke (von Süd nach Nord gesehen) , die noch viel weiter vorge- 
schobene Heiligenkreuzwand die rechte Thalseite des Abteithaies , welches seiner Länge nach durch die 
Gader, die sich aas den Bächen des Colfosco und St. Cassian bildet, durchströmt wird. Die Gehänge des 
Thaies bilden Grasmatten und zahlreiche Wälder von Pirma Larix , dem bald weiter oben am Fusse der 
Dolomite Fimts cembra und Pi'nus nrnghua folgt; nur im vorderen Abteithaie trifft man noch einzelne Eschen 
an, sonst ist der ganze Waldbestand Nadelholz. Die Thalsohle ist durchwegs mit mächtigem Geröll, Blöcken 
von Dolomiten bedeckt, während die auf den Abhängen der Grasalpen gelegenen Matten häufig sumpfig und 
vertorft sind ; auch geben die weiter unten zu beschreibenden thonigen Schichten der Thalgehänge häufig 
Gelegenheit zu Erdabrutschungen , welche seinerzeit dem Thale sehr gefährlich werden können. 

Die pittoresken Dolomite , welche um St. Cassian auftreten und die grünen freundlichen Thalgründe 
machen die Gegend zu einer der schönsten, die man sehen kann. Wandert man vom Pusterthal aus gegen 
Süden, um St. Cassian zu erreichen, so führt der Pfad von dort aus lange Zeit durch das vordere Gaderthal 
aufwärts an dicht bewaldeten Glimmerschiefermassen hin — jenem Gebirgsgestein, welches den Mittelstock 
Tirols bildet — und eine breite Zone gegen Norden des zu beschreibenden Gebietes bildet. Die Landschaft 
ist eine ziemlich eintönige bis man zum Eintritt in das Enneberger Thal gelangt , welches sich plötzlich vor 
den überraschten Augen des Wanderers in überwältigender Schönheit aufthut. Zur Rechten eröfiiiet sich ein 
tiefes, waldiges Thal, zur Linken ein breites offenes, in dessen Hintergrunde man die zackigen Formen des 
Rauchkogels, Col dai Latsch , Pares di Buda u. s. w. sieht. Man hat dann nicht mehr weit zu gehen, um mit 
der Veränderung der Landschaft auch die der geologischen Formation beobachten zu können. 

Bei St. Martin im vorderen Abteithaie bemerkt man zunächst, nachdem man die Glimmerschieferzone ver- 
lassen hat , das Auftreten eines rothen oder braunrothen Sandsteines , welcher diesseits und jenseits des 
Thalgehänges fortsetzt und durchaus versteinerungsleer ist. Dieser rothe Sandstein , welchen Richthofe n 
Grödner Sandstein nennt, lagert unmittelbar dem Glimmerschiefer auf, und lässt sich als ein breites Band 
ostwärts und westwärts und hier mit wenigen Unterbrecliungen auch südwärts verfolgen , wo er sich den 
Porphyren des Bozener Stockes nach Richthofen's Beobachtungen auflagert. Der Gader aufwärts treten 
bald am rechten Thalgehänge graue Kalke auf, die rechts und links bald stärker werden und dem Grödner 
Sandsteine aufgelagert sind. Es sind dünngeschichtete Kalke mit glimmerigen Zwischenlagen, die manchmal 
ziemlich dunkel und bituminös werden, und ziemlich viele undeutliche Zweischalersteinkeme enthalten, die 
gleichwohl unter dem liameii Posydonomta ClaraiEm. wohl bekannt sind. Diese unter dem Namen der 
Seisser Schichten bekannte Ablagerung folgt in ganz conformer Weise auch allenthalben dem Zuge des 
Grödner Sandsteines , und tritt in der Mitte des Terrains zwischen Colfosco und dem Orte Stern (Laiila) aus 
den Ufern des Pissada -Baches einmal inselartig hervor. Auch am südlichen Rande des Terrains kommen sie 
einzeln wieder zum Vorschein. Ein dritter Zug, welcher sich jenen conform anlegt und in einem schmalen 
Bande die Bucht von St. Cassian umfasst, sind jene Schichten, welche Richthofen als Campiler Schichten 
bezeichnet. Man sieht dieselben weithin, da sie durch ihre charakteristische rothe Farbe leicht zu erkennen 
sind ; sie sind namentlich an den Steilwanden bei Campil und Pederova bei Wengen entwickelt , und in der 



Die Fauna der Schichten von 8t. Casstan, 93 

Mitte des Gebietes bei Stern siebt man sie an dem Abstürze der Bnebensteiner Alpe gegen das Thal von 
Badia wieder hervortreten; wo sie auf den Seisser Schichten auflagern. Diese Schichten bestehen ans rothen 
Conglomeraten und Sandsteinen und dazwischen geschichteten Kalksteinen. Die Wand oberhalb Pederova 
in der Wengener Schlacht zeigt an der Stelle, wo sie entblösst ist, folgende Schichtenbaue von unten nach 

oben : 

2 Klafter rothes thonig-glimmeriges Conglomerat mit dunklen Kalkbrocken, 

8 j^ rothe thonige Schichten , 

2 Fuss graue knollige Kalke, 

2 Klafter grünliche weiche Schichten, sehr glimmerig, 

1 „ geschichtete graue Kalke. 

Sehr bituminöse schwarze Schiefer, ähnlich den Baibier Fischschiefern. 

Es folgen hierauf graue brockige Tufife , welche ich schon zu einer anderen Schichtenreihe zählen 

möchte. 

In ähnlicher Weise treten die Schichten in unmittelbarer Nähe von Campil auf, und kommen am süd- 
lichen Bande des Terrains bei Piere in Livinallongo wieder zum Vorschein. 

Die Schichten enthalten an einzelnen Stellen sehr zahlreiche Petrefacten, welche ein bestimmtes Niveau 
nicht überschreiten, und also einen festen Horizont bilden. Es ist dieses Ceratües Cctsstanus Quenst. von 
Campil, St. Johann im Buchenstein, Andraz u. s. w., und die allgemein verbreitete Narica costata Münst^ 
welche namentlich gegen oben hin sehr häufig wird und die Schichten der grauen Kalke bevölkert , nebst 
einigen undeutlichen Steinkernen. Dieses Schichtensystem wird nun von jenem überlagert, welches fast das 
ganze Terrain überdeckt und das die Grundlage der eigentlichen Schichten von St. Cassian bildet. Steigt 
man über das Biedjoch von St. Vigil im Enneberg nach Wengen herüber, so passirt man vom Bauthale aus 
zuerst Schichten, welche den früher genannten Systemen angehören, gegen die Schneide des Joches stellen 
sich lichte grüne , feste Schiefer ein , welche verhärteten Tuffen ihren Ursprung zu verdanken scheinen , die 
bekannte Pietra verde der Italiener imd die eine ziemliche Mächtigkeit erlangen. Oben auf dem Joche selbst 
kommt man in das Gebiet einer Ablagerung mächtiger schwarzer Schiefer von sehr dünnplattiger Absonde- 
rung, welche voll stecken von Abdrücken der Halobta Lommelu MViuBt^ Postdonomya Wengensts Wissm. 
und undeutlichen Pflanzenresten. Diese Schichten, welche unter dem Namen der Wengener Schichten 
bekannt sind, stehen überall zu Tage, wo das Terrain entblösst ist. Sie fallen ziemlich rasch gegen Süden 
ein , und während sie bei Wengen noch das Joch bedecken (5996 Fuss hoch) , treten sie an dem Abhänge 
der Heiligenkreuzwand wenig oberhalb St. Cassian vielleicht 5000 — 5100 Fuss hoch wieder zu Tage. Sie 
liegen übrigens auch auf dem ganzen Nordabhang von der Buchensteiner Alpe bis hinab nach Corfera, und 
bilden eben so deren südlichen Abhang. Dort erheben sie sich wieder, und der 7884 Fuss hohe Col di Lana 
besteht in seiner oberen Partie ganz daraus. Sie reichen im Süden bis Colle di St. Lucia , und lagern längs 
der Erruptivtuffe des Sasso diMezodi, bilden eine breite Schichtenfläche über die Seisser Alpe und reichen bis 
an die Dolomite des Schlemzuges , unter welchen sie westlich verschwinden. Ausser den oben genannten 
Halobien und Posydonomien kennen wir daraus auch noch einige Ammoniten — Ammom'tes Wengenaü 
Klip St., Ammomtea Corvarensü Lbe. , Trachyceras Archeloua Lbe. — Äonen, welche daraus angeführt 
werden, sind kaum sicher solche. 

Diese Schichten von Wengen werden obenhin überlagert von grauen Tuffen und Tuffconglomeraten, 
welche eben so wie die Schiefer Halobien und zertrümmerte Pflanzenreste zeigen. Oftmals sind die Tuff- 
schichten ziemlich weich und dünnschieferig, und zeigen in ihren Zwischenlagen zuweilen schwache Gyps- 
lagen , oft enthalten sie auch feine Schwefelkieskörner und wechsellagem mit grauen mergeligen Kalken, 
welche ebenfalls Pflanzenreste in zahlreichen Einlagerungen tragen. 

Obwohl diese Schichten ohne besondere Störung sich durch das ganze Terrain verfolgen lassen, 
erscheinen sie doch auf dem Gipfel des Col di Lana steil aufgerichtet, und fallen in einem sehr offenen Win- 
kel gegen das Livinallongo ab. In der Weise stehen sie am linken Thalgehänge des Abteithaies am Abhänge 



94 Gustav G. Laube. 

des Gaerdarazzo gegen Campil an, die thonigen weichen Schiefer haben dort durch ihr Weichen eine 
bedeutende Erdab rutschung veranlasst; welche, wenn sie weiter fortsetzt, fUr das Gaderthal sehr gefährlich 
werden kann. Diese Schichten sind die unmittelbare Unterlage des Terrains von St. Cassian , oder gehören 
wohl schon selbst dem Terrain an. Obwohl man am linken Thalabhange an der beschriebenen Stelle vor dem 
Campiler Joche, und eben so auf der rechten Seite des Thaies, namentlich an der Crista di Verellis, die Gas- 
sianer Schichten deutlich diesen Schichten eingelagert sieht, so sind sie doch hier allenthalben nicht reich 
an Petrefacten, und lassen nur die charakteristischen Glieder von Encrimua Casstanus, Stacheln von Ctdarü 
dorsatüj Kontnckma Leonhardi und anderen erkennen ; selten finden sich Gastropodenschalen. 

Das Hauptlager der Schichten von St. Cassian bildet das Boo da Curreti auf der Buchensteiner Alpe, 
dessen ich später näher zu gedenken haben werde. 

Auf der rechten Thalwand des Abtei- und Cassianer-Thales sieht man die Cassianer Schichten unter der 
Verella von einem System grauer, gelbwerdender Kalke überlagert, welche sich weithin verfolgen lassen 
und unter den oberen Dolomiten fast aller Orts zum Vorschein kommen , und darnach ein gutes Mittel zur 
Hand geben, den unteren (Schiern) Dolomit von dem jtlngeren Dolomit zu unterscheiden. Der Schlem-Dolo- 
mit tritt mit Ausnahme der oben citirten Localität an allen Dolomitstöcken als Unterlage auf; so am Guerda- 
nazzo- und Campolungo -Stock und an dem Zuge des Settsass und Tresass und so weiter. Einen eigenthUm- 
lichen Charakter nimmt dieses Gestein hier an , da es am Fasco Strada degli tre Sassi ein eigenthttmliches 
o.olithisches Geftige zeigt. Die trennende schmale Ealkzone wird nun von Bichthofen als Baibier Schicht 
bezeichnet; sie entsprechen den von Suess als Thorer Schiebten bezeichneten, da man Myophorui Kefer- 
steint darin gefunden hat. Diese dünnplattigen Kalke , welche die Schichten von St. Cassian nach oben hin 
eben so gut begrenzen, wie die Halobienschiefer nach unten, sind es zugleich, welche jene ganz eigenthüm- 
liche Schichtengruppe von den St. Cassianer Schichten abtrennen, welche bisher unter dem Namen Heiligen- 
kreuzer Schichten bekannt wurden. 

Ein kleiner Schichtenzug, welcher sich zwischen dem jüngeren Dolomit und den grauen Kalken ein- 
schiebt , tritt auf den Höhen von Badia hart unter der Heiligenkreuzwand um die heilige Kreuzcapelle auf, 
der eben so eigenthUmliche Petrefacten enthält. Von unten nach oben folgen : 

4 — 5 Klafter mergelige Kalke m\i Anoplophora MUnstert y Bayrtdt'a cylindrica Sandb. und Ptycho- 
stomen 

2 Fuss Crinoidenkalke plattig, voll Pentacrinua-Gliedem und CiÜarM-Stacheln. 
Bräunliche feste Kalke mit Crinoiden. 

y, Fuss grünliche Mergel mit undeutlichen Petrefacten. 

3 „ Tu£fe mit Kalkbrocken. 

1 „ Tuffe mit Kohlenschmitzen. 

Schichte mit Ostrea Montü Caprilü Klip st. 

Ya Fuss plattige wellige Kalke, ähnlich dem Wellenkalk der Ebene. 

5 Klafter Schichten von festen weiss und roth gefleckten Kalken mit 3 — 6 Zoll mächtigen rothen oder 
grünen thonigen Zwischenlagerungen ohne Petrefacten. 

Dolomit der Heiligenkreuzwand. 

Bichthofen glaubte diese Schichtenreihe dem Lias zuzählen zu sollen; wir wissen nun, dass sie ge- 
wiss mit den Thorer Schichten Suess' identisch sind. 

In viel rascherer Folge» als man zur Kenntniss der Unterlage der St. Cassianer Schichten gelangt, wenn 
man von Norden nach Süden wandert , stellen sich die verschiedenen Schichten dar , wenn man von der 
Bnchensteiner Alpe gegen Piere in Livinallungo hinabsteigt, oder umgekehrt von hier aus St. Cassian zu er- 
reichen sucht. 

Von der Buchensteiner Alpe aus, wo sich die Schichten von St. Cassian auf Boo Ak Curreti in ihrer be- 
deutendsten Mächtigkeit aufgeschlossen finden , gelangt man abwärts steigend , zuerst wieder auf Pflanzen 
ftihrende Schiefer mit einzelnen Halobien , Tuffconglomerate und echte sehr mächtige Wengener Schiefer- 



Die Fauna der Schichten von 8t. Cassian. 95 

lager. Nach unten zu werden diese Schichten knolliger und fester, lichter und kalkiger, die Halobia Lom- 
»icZ* verschwindet, welche weiter oben noch Zwischenlager darin bildete. Diese Schichten hat Richthofen 
als Buchensteiner Schichten abgetrennt, im Ganzen jedoch sind sie wohl nach unten hin nicht so scharf be- 
grenzt, wie er meint. Es sind dieselben Schichten, welche auch bei Wengen unter den eigentlichen Halo- 
bienschiefem liegen. Es folgen dann abwärts die Conglomerate und rothen thonigen Schichten der Campiler 
Schichten , und darunter die Glieder der untersten Trias , die glimmerigen Werfener Schiefer mit Myacitea 
Fassaensts, dann Pietra verde und graue Kalke (Guttensteiner Kalke) mächtig entwickelt. 

Die südliche Grenze im westlichen Zuge bilden die Augitporphyrtuffe des Sasso di mezodi , während 
die südöstliche Grenze die Schlern-Dolomite des Monte Nuvalan bilden. In der Strata di tre Sassi, im Val 
Costearu bis Cortina lassen sich die Spuren der Wengener Tuffe in der Thalsohle und die Schichten von 
St. Cassian an der linken Thalwand (Lagazuoi) verfolgen. Bichthofen nimmt den Schlern-Dolomit als 
gleichzeitig mit der Ablagerung der Cassianer Schichten an. In der That findet man auf dem Strada di tre 
Sassi in jenem vorerwähnten knotigen oder oolithähnlichen Schlern-Dolomite häufig Korallen und Gidariten- 
reste , welche , so weit sie bestimmbar sind , dem Charakter der St. Cassianer Arten sehr entsprechen. Im 
westlichen Terrain treten die St. Cassianer Schichten noch einige Male, jedoch in bei weitem weniger ent- 
wickelter Weise am Monte Cipit und am Westhange des Blattkogels auf, und gleichen dem Korallenniveau 
wie es am Settsass vorkommt zumeist. 

Diese kleine Skizze, welche ich über die geologischen Verhältnisse von St. Cassian und seiner Umge* 
bung mitzutheilen mir erlaube, möge genügen, um die Art und Weise der Ablagerung darzuthun. Die aus- 
führliche und gründliche Arbeit Bichthofen's überhebt mich der Mühe, hierüber an diesem Orte mehr zu 
sagen. 

Nachdem also aus vorstehender kurzer Schilderung das Verhältniss der Lagerung der Schichten von 
St. Cassian klar geworden sein dürfte, wonach sich in der von Glimmerschiefer nördlich vom Porphyr des 
Botzener Plateaus westlich begrenzten Bucht zuerst die Glieder der unteren Trias , Grödner Sandstein, 
Seisser und Campiler Schichten randlich auflagern, welchen dann die Schichten der oberen Trias als Wen- 
gener, St. Cassianer und Torer Schichten folgen, denen sich der Dachsteindolomit auflagert, möge es mir 
nun noch gestattet sein, über die Verhältnisse der Schichten von St. Cassian , wie sie sich auf dem mehrfach 
erwähnten Plateau der Buchensteiner Alpe zwischen St. Cassian und Livinallongo (Buchenstein) am Roo Ak 
Curreti, auf Monte Stores und Prelongei etc. entwickelt zeigen. 

Verlässt man das PfaiThaus von St. Cassian , den gewöhnlichen Wohnplatz der Fremden , da es bis 
heute noch an einem eigenen Gasthause daselbst fehlt , und der Curat zugleich als Schenkwirth und Her- 
bergsvater fungirt , so führt der Weg anfangs über mächtige Geröllmassen und Dolomitblöcke aufwärts über 
die unteren Alpenmatten , welche je weiter und weiter hinauf von tiefen Wassergräben zerfurcht sind , und 
allenthalben in weiten Rissen und Klüften früher erfolgte Abrutschungen verrathen ; in den beschriebenen 
Wasserrissen, die von beträchtlicher Tiefe sind, sieht man weiche thonige, dünnschieferige Massen, welche 
keine Spur von Petrefacten enthalten, und nur hie und da sehr schwache Zwischenlagen von Gyps erkennen 
lassen. Weiter aufwärts werden diese thonigen Schiefer von Mergelthonen überlagert , welche ursprünglich 
grau, an der Luft gelb werden und eine Menge Pflanzenreste enthalten, welche jedoch bis zur Unkenntlich- 
keit zertrümmert sind. Weiter aufwärts folgt dann wieder eine zusammenhängende weite Alpenmatte , die 
die Wahrnehmung der Schichtenfolge verhindert , aber zweifelsohne auch auf gleichartigen thonigen Schich- 
ten gelagert ist. Von der äussersten Spitze des Alpenplateaus kann man nun den langen Zug einer Lehne 
verfolgen, welche die Köpfe von westlich einfallenden, südlich verflachenden Schichten zeigt. Dieser 
Schichtenzug, welcher an seinem äussersten obersten Ende unter dem Namen Roo da Curreti (Curretilehne) 
bekannt ist , reicht herab bis Monte Stores am nordwestlichen Fusse des Abfalls des Settsass , und ist der 
Hauptfundort der Petrefacten von St. Cassian. Auf der weiten Buchensteiner Alpe kommen einzelne Schich- 
tenglieder ebenfalls zum Vorschein, am Settsass verschwinden sie unter den mächtigen Ablagerungen von 
Geröll und Schutt der Dolomite, und es scheint die jetzt wellige Oberfläche der Alpe einmal gleichmässig mit 



96 Gustav C. Laube. 

den Schichten bedeckt gewesen zu sein , während die vielen Abrutschungen dermalen ihr ein verändertes 
Ansehen geben. Auch die untersten Glieder der Schichtenreihe auf Roo da Curreti sind leider so stark mit 
Schutt bedeckt, dass sie über die Beschaffenheit des unmittelbar Liegenden der entblössten Schichtenreihe 
keinen Aufschluss gewähren, wie überhaupt die Terrainstörungen das Studium sehr erschweren. 

So weit nun das Terrain eine Beobachtung gestattet, las st sich annehmen, dass auf die thonigen Lagen 
über den Pflanzen ftlhrenden Schiefern eine feste Kalkzone folgt, auch dürften schwarze feste Schiefer, wie 
sie aus einzelnen Punkten der Buchensteiner Alpe und auch auf der Cassianer Seite zum Vorschein kommen, 
in ziemlicher Nähe von den Schichten auftreten. Jene Zone von dichtem grauen Kalkstein nun ist das Lie- 
gende einer tuffig-brockigen Schichte, welche zahlreiche Versteinerungen von St. Cassian führt, von welchen 
ich folgende an Ort und Stelle kennen lernte : 

Trachyceras Aon M ü n 8 1. 
Ammonüea Btisi'ris M ti n s t. 
Natica cassiana M ü n 8 1. 
Pleurotomaria radians Wissm. 
Dentalmm undulatum M ü n s t. 
Myophorta ornata M Ü n s t. 
Nucula cordata M ü n 9 1. 
Casaianella gryphaeata M ü n s t. 
Cassianella decussata Münst. 
Casaianella striata Münst. 
Ltma sp. 
Pecten sp. 

Terebratula tndüttncta Beyr. 
Apicigera hemisphaerotdica K 1 p S t 
Spirigera quinquecostata Münst. 
Komnckina Leonhardi Münst. 
Amphiclina Suessi L b e. 
Ctdaris alataAgdiSB, 
Cassianocrinus varians Münst. 

Es folgt dieser , durch ihr eigenthümlich rauhea Aussehen , als ob kleine Gesteinsstücke durch eine 
oolithische Masse zasammengekittet wären, leicht petrographisch unterscheidbaren Schichte nunmehr eine 
neue Kalkschichte, welche wie die erste ebenfalls keine Spur von Petrefacten zeigt. 

Nun tritt eine ziemlich mächtige Zone auf von deutlicher Oolithenstructur und weissgrauer Farbe , die 
eine Menge Anthozoen und Spongien enthält, und auch an Petrefacten sonst nicht arm ist. Ausser Ammonües 
Aon Münst. und Natica brunea Lbe. gehören ihr noch 

Eudea gracüts Münst. 
Omphalophyllia capitata Münst. 
Montlivaultia obli'qua Münst. 

an. Ihr sind auch alle jene durch ihr anhaftendes Gestein leicht erkennbaren Petrefacten einzureihen. 

Diesen Schichten folgt ein fester grauer Kalk , abermals ohne Petrefacten , und hierauf eine ziemlich 
mächtige Schichte, die mergelig und thonig ist und eine Menge Petrefacten enthält : 

Trachyceras Aon, 
Ammonites Eryx, 
Arcestes bicarinatuSf 
Orthoceras ellipticum, 
Orthoceras elegans, 

Hieher gehören wohl auch zahlreiche Gastropoden , die ich aus der Schichte direct wohl nicht kennen 
lernte, dann aber 



4 



Die Fauna der Schichten von St Cassian, 



97 



Cardita crenata M U n 8 1. ^ 

Nucula lineata Gold f. 
Nucula striata G o 1 df. 
Cassianella gryphaeata Mü n s t. 
RhynchoneUa semiplecta M tt n 8 1. 

Auf diese Schiebte kommt dann wieder eine feste fast sandsteinartige Ealksteinzone ; welche einzelne 
Stacheln von Cidaria hastata MUnst. enthält, sonst aber ganz leer von Petrefacten ist. 

Diesem endlich folgt eine weitere oolithische Schiebte , welche sich von der unteren schon im Äusseren 
dadurch unterscheidet , dass das Bindemittel der Oolithkörner nicht grau, sondern eisenschüssig braun ist. 
Die Schichte ist namentlich reich an sehr kleinen Arten, von welchen ich folgende unterscheiden konnte. 



'Ammonites Candaules Lbe. 
^Ammonites Brotheus Eli pst. 
iAmmoniles Busiris Mtlnst. 



NcUica cassiana M tl n s t. 

Loxonema sp. 

Patella granulata M ü n 8 1. 

Scalaria trinodosa M ü n 8 1. 

Neritopsis decussata M tt n 8 1. 

Cassianella striata M ü n s t. 

Myophoria costata Mttnst. 

Mytilus Münsteri E 1 i p s t. 

Myoconcha sp. 

Oervillia sp. 

Area sp. 

Cidaris Hausmanni W i s s m. 

Cidaris catenifera W i s 8 m. 

An einer Stelle liegt hierauf noch ein sehr fester blauer Ealk^ aus welchem ich eine J7a2oi«a und einen 
Abdruck einer unbestimmbaren Chemnitzia erhielt. 

Das ungeheuer feste Gestein, aus welchem es vollkommen unmöglich ist ein Petrefact heraus zu schla- 
gen, so dass man nur auf das angewiesen ist, was gerade herausgewittert auf einem Schichtenbrocken liegt, 
und nur ein durch Jahre wiederholtes Besuchen der Localität nach und nach ein deutliches Bild ttber die Ver- 
hältnisse der Faunen der einzelnen Schichten geben vnrd. 

Doch kann das einstweilen Mitgetheilte schon genügen , darzuthun , dass die Petrefacten von St. Cas- 
sian nicht aus einer einzigen Schichte stammen , sondern dass wir es mit einer Reihe von Schichten zu thun 
haben, welche in ihrer Aufeinanderfolge durch zwischengelagerte versteinerungslose Ealksteine von einander 
geschieden sind, und welche nicht nur petrographisch ^ sondern auch durch verschiedene Arten ^ welche sie 
beherbergen, von einander geschieden sind. 

Zu den drei vorstehend erwähnten Faunen kommt jedoch noch eine weitere vierte, welche etwas entfernt 
von Roo da Curreti und viel höher gelegen sich auf der Forcella di Settsass erhalten hat. 

Verfolgt man die westliche Lehne des Settsass bis zu dessen steilem. südlichen Absturz^ oder bis zu 
jener Stelle, welche mir als Forcella di Settsass bezeichnet wurde, so sieht man hier zwischen dem Abstürze 
des Settsass einerseits und der Spitze der Forcella anderseits eine Schichtenmasse eingekeilt, welche sich 
als der Rest eines gewaltigen Eorallenriffes zu erkennen gibt. Von diesem Fundorte stammen folgende Arten: 

Turritella eucycla Lbe. 

Cochlearia carinata Braun 

Loxonema sp. 

Pleurotomaria Joannis Austrtae E 1 i p s t. 

Pleurotomaria Münsteri Eli pst. 

Temnotropis bicarinata Lbe. 

Denksohriflta dar mitham.-natnnr. Cl. XXX. Bd. Abhudl. Ton NlehtmltfU«d«n. n 



98 Gustav C. Laube. 

GervMta sp. 
Pecten tubifer M n 8 1. 
Cidarts doraata Bronn 
Cidarü Römert W i S 8 m. 
Calamophyllia Casstana Lbe. 
Ciadop hy Uta subdichodoma Mttnst. 
Rhabdophyllia recondita Lbe. 
Elyaastrea Fischeri Lbe. 
Jsastrea splendida Lbe. 
Epttheles capttcUa Lbe. 
JEpitheles astrotdes MUnst. 
Stellispongia Manon MUnst. 
Stelliapongta atellarvs K 1 i p 8 1. 
SteÜiapongia variabilü MUnst. sp. 

Mächtige Eorallenblöcke und Platten, die ganz voll Gidaritenreste nnd Gervillien «tecken, liegen dort 
herum, doch konnte ich nirgends eine deutliche Schichtung sehen. Wohl aber lässt sich das Eorallriff un- 
zweifelhaft auf der Strata di tre Sassi an den Gehängen der Lagazuoi yerfolgen, wie es einzelne am Wege 
liegende Blöcke deutlich beweisen, wie überhaupt das Terrain von St. Cassian ausser der von Richthofen 
bekannt gemachten westlichen Verbreitung am Monte Cipit und an den Gehängen der Bosszähne, wohl auch 
gegen Osten hin unter den Dolomiten weiter verbreitet ist , so belehrt mich ein mächtiger Block aus den 
unteren oolithischen Kalken, welchen ich lose Angesichts von Cortina d' Ampezzo fand, der sicherlich nicht 
hieher von St. Cassian getragen wurde. 

Obwohl nun auch die Schichten von Boo di Curreti auf der linken Thalwand von St. Cassian an der 
Crista di Yerellis und auch in der Nähe von Campil auftreten , gelingt es doch nirgends ein so klares Bild 
über die Folge der Überlagerung zu erhalten, wie auf Boo di Curreti und auf der Forcella di Settsass. Diese 
Localitäten sind zugleich die Hauptfundorte der Petrefacten von St Cassian, alle anderen Schichten sind 
weit ärmer als diese. 

Von hier werden auch die meisten Petrefacten in die Welt gebracht , und die vielfach verbreitete Mei- 
nung, dass gar mancherlei Fremdartiges denselben beigemengt werde, ist nur in der Weise richtig, dass 
die den Heiligenkreuzer Schichten angehörige Anoplopkoria Münstert W issm. und die Ptychostomen, dann 
Nartca costata MUnst. und einige lose Steinkeme aus den unteren Triaskalken, die man alle leicht von den 
eigentlichen St. Cassianer Sachen unterscheiden kann, darunter vorkommen. Die typischen Versteinerungen 
von St. Cassian vertheilen sich auf die vorstehend beschriebenen SchichtenzUge, und wenn auch jetzt eine 
ganz erkleckliche Anzahl derselben bekannt wurde, so wird man, vertheilt man dieselbe auf fünf resp. vier 
verschiedene Schichten, die einzelnen Faunen nun nicht mehr allzu bedeutend finden. 

Die in vorstehenden Listen gegebenen Aufzählungen von Petrefacten aus den einzelnen Schichten las- 
sen sich, wie unvollständig sie auch sind, ans den bekannt gewordenen dennoch nicht leicht vervollständi- 
gen. Der Grund hievon liegt in der Art und Weise, wie die Petrefacten vorkommen. 

Es ist an Ort und Stelle selbst nicht leicht möglich , Gesteinsstttcke aus den Schichten mit erhaltenen 
Petrefacten zu erlangen. Was nun herauswittert, wird vom Regen und Schneewasser hinunter gewaschen an 
den Fuss der Lehne , und daselbst von den Hirten und Grasscheuern sorgftlltigst aufgelesen , natürlich ver- 
mengt, und so dem vorüberziehenden Fremden zu ganz anständigen Preisen angeboten. Die Stellen sind so 
abgesucht, dass es selbst dem eifrigsten Sammler schwer gelingt, in einem Tage des mühsamsten Suchens 
eine kleine Ausbeute heim zu bringen, wesshalb es auch mir nicht gelingen konnte, eine vollständigere Liste 

■ 

von Petrefacten bekannt zu machen, und nur nach und nach dieses durch öfteres Wiederbesuchen von Boo di 
Curreti möglich sein wird. 

Demungeachtet ist aber doch die Thatsache festgestellt , dass die Petrefacten von St. Cassian nicht aus 
einer einzigen Schichte , sondern aus wenigstens vier verschiedenen stammen , was inmierhin einiges Licht 



Die Fauna der Schickten von 8t Caasian. 99 

aaf die Verhältnisse wirft. Da wir nach unserer Kenntniss von den Lagerangsverhältnissen anderer 
Schicbtensysteme wissen , dass je eine petrefactenreiche Schichte einer Senkung , eine arme einer Hebung 
des Bodens entspricht, so mtlssten wir für den Absatz der Schichten von St Cassian vier solche Undulatio- 
nen, and also bedingungsweise ziemlich lange Zeiträume annehmen, in welchen sich die Sedimente gebildet 
haben , woraus dann eine Veränderung der Fauna durch neue Arten leicht erklärlich ist. 

Von den drei Schichten, welche Boo da Curreti zusammensetzen, finden wir die unterste und die oberste 
oolithisch, die mittlere thonig, es ist also wohl anzunehmen, dass die unterste wie die oberste unter gleichen 
Verhältnissen abgelagert wurden. Eben so ist es auffällig, dass die Schichte der obersten wie der untersten 
zumeist sehr kleine Individuen enthält , während die mittlere grössere besitzt. HiefÜr könnte man etwa gel- 
tend machen, dass das Niveau der mittleren Schichtenablagerung jedenfalls ein anderes, und wie es scheint 
tieferes gewesen sei, als das der oberen und unteren. 

Was nun die Fauna am Settsass anbelangt , so vermag ich im Augenblicke nicht mehr mit Sicherheit 
anzugeben , als dass ich sie nach den Petrefacten y die sie enthält , zu den St. Cassianer Schichten rechnen 
muss; ob sie aber, wie sie den Anschein hat, das jüngste weil oberste Glied der Fauna ist, wage ich nicht 
mit Bestimmtheit zu behaupten , da mir auch anderwärts Blöcke mit Cidarü d(>r9ata unterkamen , welche ein 
anderes Niveau anzudeuten scheinen, und eine Schichtenstörung am Settsass von Bichthofen genau nach- 
gewiesen wurde. Nach Bicbthofen's Angaben jedoch, wonach das Korallenriff von Settsafis auch gegen 
Westen bis an die Bdsszähne, Monte Cipit und Seisser Alpe fortsetzt, möchte eigentlich das Eorallenlager 
die Orundlage von St. Cassian sein, wahrscheinlicher der Damm, hinter welchem sich die Ablagerung der 
Schichten entwickelte. 

In der That stellt sich die Gesammtheit der Fauna von St. Cassian als eine Uferfauna oder eine Koral- 
lenfacies dar, und stimmt in ihrem Gesammtbilde sehr gut mit dem ttberein, was wir von dergleichen Faunen 
anderwärts kennen. Alle die mit den Korallenriffen der heutigen und älteren Meere vergesellschafteten For- 
men finden wir auch in St. Cassian wieder. Zahlreiche Cidariten, Grinoiden, uferbewohnende Brachiopoden, 
unzählige Gastropoden und eine verbältnissmässig geringe Anzahl Acephalen, welche fttr ihre Entwicklung 
kein günstiges Terrain fanden , da auch unter ihnen zumeist Formen vorkommen , von denen wir wissen, 
dass sie die Ufer und seichteren Tiefen bevölkern. Besonders charakteristisch fttr die localen Verhältnisse 
der Fauna aber erscheinen mir die Jugendformen der Cephalopoden, welche sich so häufig finden. 

Es ist häufig und vielfach hervorgehoben worden , dass die Schichten von St. Cassian so kleine Petre- 
facten enthalten. Nun haben sich zwar im Laufe der Zeit auch ziemlich grosse Individuen vorgefunden , aber 
der herrschende Charakter ist denn doch geblieben. 

Nach dem vorhergehend Gesagten lässt sich annehmen , dass das Terrain von St. Cassian eine durch 
Korallenbänke geschützte Bucht von nicht bedeutender Tiefe war. Solche Stellen , in welchen sich noch 
Tange und wohl aach Schwämme ansiedeln, bilden in den heutigen Meeren noch den Zufluchtsort kleinerer 
Weichthiere , und zugleich eine Brutstelle fttr solche , welche sonst femer der Küste leben. Darauf weisen 
nun die Verhältnisse von St Cassian hin , und wenn wir der Ansicht auch noch Bechnung tragen wollen^, 
dass die Formen in ihrer Entwicklung anderen gegenüber an Grösse viel nachstehen, wie selbst die einzel- 
nen grossen Exemplare von St. Cassian nachweisen, so lässt sich dies etwa dadurch erklären, dass man an^ 
nimmt , es sei in der beschriebenen Bucht von St. Cassian der Salzgehalt des Meeres ein so bedeutender 
gewesen, dass er auf die ständigen Bewohner derselben ihre Entwicklung hindernd einwirkte, und die ver- 
einzelten grossen Individuen seien möglicherweise von aussen dahin eingewandert, oder dahin verschlagen 
worden. Auch diese Erklärung lässt sich aus den Verhältnissen abstrahiren , und die geistreichen Unter- 
suchungen Professor Beuss' über die Steinsalzlager von Wieliczka zeigen in der dortigen Fauna ein höchst 
merkwürdiges Bild der gehemmten Entwicklung durch die gleiche Erscheinung. Doch ist es bei den Verhält- 
nissen von St. Cassian weithin ausreichend anzunehmen, dass der Salzgehalt des Wassers ein bedeutender 
war , ohne weiter etwa Ablagerungen von Salzstöcken , die wieder ansgewasehen sein könnten , anxn- 
nehmen. 



100 



Gustav C. Laube. 



Diese, wie mir scheint sehr plansiblen Gründe zur Erklärung der Lebensverhältnisse der Fauna machen 
es nun auch anschaulich , dass die Ablagerungen von St. Cassian sehr local sind , und daher die Schwierig- 
keit; in ferner gelegenen Schichtengruppen den Horizont von St. Cassian zu fixiren. 

Einen bedeutenden Werth ftlr die richtige Einreihung der Schichten von St. Cassian in das System der 
alpinen Trias haben in der neuesten Zeit die Arbeiten von Professor Suess und Bergrath Stur über die 
geologischen Verhältnisse von Raibl in Kärnten. (Vergleiche Suess' und Mojsisovics' Studien Über die 
Gliederung der Trias- und Jura-Bildungen in den östlichen Alpen. I. Raibl von Eduard Suess. Jahrb. der 
k. k. geol. Beichsanstalt; 17. Bd. p. 553 ff. 1867 — und D. Stur Beiträge zur Kenntniss der geologischen 
Verhältnisse der Umgebung von Raibl und Kaltwasser; ibid. 18. Bd. p. 71 ff. 1868.) Wenn schon früher 
die Auffindung von Petrefacten, welche sich als mit St. Cassianem identisch erwiesen, die nahe Verwandt- 
schaft der Ablagerungen von Raibl und St. Cassian erwiesen , so haben die trefflichen Forschungen oben 
genannter Gelehrter , wenn sie auch in einem Punkte von einander divergiren , neuerlich den Beweis gelie- 
fert , dass die Gliederung der Schichten von Raibl eine merkwürdige Analogie mit der von St. Cassian be- 
sitzt, so dass es nicht schwer wird, dieselben zu parallelisiren. 

Wenn man die Darstellung des Liegenden der Raibler Schichten bei Suess mit jener der Cassianer 
Schichten vergleicht , so ergibt sich hieraus , dass bei letzteren ausser dem noch hinzutretenden GrOdner 
Sandsteine die Reihenfolge eine ganz gleiche ist, bis herauf zu dem Lager des erzfUhrenden Kalkes, der nach 
Suess unter, nach Stur ttber den fischftthrenden Schiefem von Raibl liegt. 

Vergleicht man weiter die Reihenfolge von oben herab , vom Dolomit bis zu den typischen Raibler 
Schichten , so findet sich auch unter ihnen eine merkwürdige Übereinstimmung der Folge. Zwischen den 
fischftthrenden Schiefem von Raibl, die Stur als Wengen-Schiefer bezeichnet, und welche den Halobien- 
schiefem entsprechen , und den Raibler Schichten geben beide Autoren eine Schichte mit Korallen und Cida- 
riten an, welche mit Cassianer Arten identisch sind. Dieser Schichte nun muss die allerdings mächtigere 
und petrefactenreichere Ablagerung von St. Cassian entsprechen, vielleicht mit Zurechnung der von Suess 
taube Schiefer, von Stur Mergelschiefer und Mergelkalk bezeichneten Schichten, welche sich zwischen der 
Cassianer petrefactenftthrenden Schichte und den Schichten mit Myaphorta Keferstetni einschalten , die 
sich aber vielleicht bei St. Cassian nicht so scharf von ärmeren darüber liegenden Raibler Schichten ab- 
trennen. 

Über die Stellung des erzführenden Kalkes ist nun auch bei St. Cassian keine Klarheit zu erlangen , da 
kein Glied dort auftritt, welches man mit demselben direct vergleichen kann. Ist die Ansicht von Suess die 
richtige, dann fällt der erzführende Kalk von Raibl in den Bereich der Buchensteiner Kalke, während nach 
Stur die ganze Masse desselben als Äquivalent der St. Cassianer Schichten und des Schlem-Dolomites an- 
gesehen werden müsste. Nach diesen Andeutungen glaube ich, dass es vollkommen hinreichen dürfte, wenn 
iehmich darauf beschränke, die Folgenreihe der Schichten bei Raibl und St. Cassian neben einander zu stel- 
len, indem ich in der Richtung von unten nach oben vorwärts schreite. 



Raibl nach Sueaa 


Raibl nach Stur 


8t. Cassian 


1. Rothe Schieferes Werfener Schiefer. 




1. GrOdner Sandstein, Riohthofen. 


2. Schwarzgraue glimmerige Kalke mit 




2. Werfener Schiefer. 


KcUica cottcua. 






3. Lichtgrauliche und sehr dolomitische 




3. Campiler Schichten mit Ntuiea eo- 


Kalke. 




tiaia. 


4. Schwarzer Kalk. 






5. Dunkelgrüner Erruptivtuff. 




Pietra verde. 


6. Rother Porphyr. 




Fehlt. 


7. Erzführender Kalk von Raibl. 


• 


Buchensteiner Kalk. 


8. Pflanzen- und fischführende Schie- 


W enger Schiefer mit Halohia Lommeli 


Schiefer von Wengen mit Haiohta 


fer. 


und Pflanzenresten. 


Lommeli und Pflanzenresten. 



• • 



• ••_ 



Die Fauna der Schichten von 8t. Cassian. 



101 



Raibl nach Sness 


Baibl nach Star 


8t. Cassian 


• 

9. Schwangraner Kalk mit Caasianer 


Ersf&hrender Kalk. 


• 


Cidariten und KorallexL 


St. Caasianer Schichten. 


J 


. 


Korallenschichten. 


> St. Cassianer Schichten. 


10. Taabe Schiefer. 


Mergelschiefer und Hergelkalk. 


J 


11. Schichten mit Myophoria Kefentmmi. 


Baibier Schichten. 


Raibler Schichten mit Myophoria Ke- 




• 


ferUeiniL 


12. Korallenkalke. 




Fehlt 


13. Dolomitmassen. 




Fehlt. 


14. Torer Schichten mit 


Cbrau/a-Sehichten . 


1 4. Heiligenkrenzer Schichten mit 09tt9a 
Monüs caprtlü. 


15. Plattenkalk. 




15. Both und grünfleckige Kalke am 
Heiligenkreuz. 


16. Dolomit des Alpels. 


Dolomit des Alpeis. 


16. Dolomit des Heiligenkreuz. 



Aus VorsteheDdem erhellt, dass bis auf den strittigen erzführenden Kalk von Baibl, welchen Stur dem 
Sehlem-Dolomit parallelisirt , die Aufeinanderfolge der Schichten bei Baibl und St. Cassian vom ältesten bis 
zum obersten Gliede eine vollkommen übereinstimmende ist. Wenn wir nun femer noch weiter hinzunehmen, 
dass schon in der nächsten Nähe von St. Cassian die Mächtigkeit der Schichten , wie sie auf dem Boo da 
Curreti aufgeschlossen ist, um ein sehr Beträchtliches gemindert ist, so gelangen wir zu dem Schlüsse, dass 
die Ablagerung von St. Cassian localer Natur sei, und dass sie selbst nur ein Glied des als System von Baibl 
bekannten Gliedes der alpinen Trias angesehen werden kann. 

Nach diesem aber wird es auch leichter, in der oberen Trias eben so gut wie in den nördlichen Kalk- 
alpen ein näheres Äquivalent zu den Schichten von St. Cassian zu finden. 

Hey rieh hat am Lech bei Fttssen in einem grauen Kalke Petrefacten entdeckt, welche in ihrer Ge- 
sammtheit die Annahme nahelegen , dass der Horizont von St. Cassian auch in den Nordalpen vertreten ist. 
(Vergl. Beyrich, Das Vorkommen der St. Cassianer Versteinerungen bei Fttssen. Monatsber. d. königl. 
Akad. d. Wiss. Berlin, 1862.) Pichler's Cardüa-Schiehten aber scheinen einem höheren Horizonte anzu- 
gehören, und den Torer Schichten wenn selbst nicht ganz, so doch zum Theile zu entsprechen. Die Gleich- 
altrigkeit des Lunzer Sandsteines mit den eigentlichen Baibier Schiefem mit Myophoria Keferstemt weist 
Stur nach. Und ttber die Parallelisirang der Schichten von Baibl und St. Cassian mit der ausseralpinen 
Trias haben wir Sandberger's und Nies' treffliche Arbeiten. (Vergl. Sandberger, Die Gliederung der 
Würzburger Trias und ihre Äquivalente, Wttrzburg. Naturw. Zeitschr. VI, 1868, p. 128, 158, 192 ff. — und 
Nies, Beiträge zur Eenntniss des Eeupers im Steigerwald, 1868.) Während schon Alberti aus den Mer- 
geln von Cannstadt mehrere Arten mit Cassianer Petrefacten identificirt (vergl. Alberti, Überblick ttber die 
Trias. 1863), hat der letztgenannte Autor auch in Franken im sogenannten Grenzdolomit einige St. Cassia- 
ner Arten aufgefunden. Die von Sandberger den typischen Baibier Schichten parallelisirte Bleiglanzbank 
mit Myophoria Raibliana von Httttenheim verhält sich zum Grenzdolomit genau so, wie die älteren Baibier 
Schichten zu den Cassianer Ablagerungen. So hätten wir denn nach dem heutigen Stande unserer Eenntniss 
im Grenzdolomit Frankens und in den diesen parallelen Mergeln von Cannstadt die den Cassianer Ablage- 
rangen entsprechenden Glieder zu suchen. 

Die wenigen Petrefacten aber, welche uns die Parallelisirang der ausseralpinen und alpinen Schichten 
ermöglichen können , reichen aber bei weitem nicht aus , eine andere Frage zu beantworten , nämlich die : 
Wenn die St. Cassianer Ablagerangen deutliche, unzweideutige Uferbildungen sind, welches ist nun hiezu die 
Hochsee-Facies? Wo haben wir Ablagerungen , welche die Hochseebewohner jener Periode enthalten? Die 
Antwort auf vorstehende Frage wird jedenfalls sein , dass man auf die Hallstätter Schichten hinweisen 
wird. 



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102 



Gusiav C. Laube. 



Altwe Geologien und so aaeh.Alberti in seinem Überblick ttber die Trias haben die Hallstiitter Schieb* 
ten geradezu den RaiUer und Cassianer Schichten parallelisirt ; in der ganzen Gegend von St. Cassian aber 
hat sich bis jetzt nichts gefhnden (ausser den italienischen, yiel sttdlieher auftretenden Esinokalken) , was 
der Ansicht, dass dort solche Schichten auftreten — wie auch Dittmar in setner Arbeit ttber Hallstatt ver- 
muthet — nur den geringsten Anhalt gibt. Wir haben im vorliegenden Falle bis heute nur die durch paläon- 
tologische Gründe ermöglichte Parallelisirung , and das dürfte bei den eigenthUmlichen Verhältnissen ^ wie 
sie in St Cassian stattgehabt haben mögen , immer sehr schwierig sein. Bei der grossen Aufmerksamkeit 
imd Sorgfalt, welche man der Erforschung der nördlichen Kalkalpen zuwendet, ist jedoch zu erwarten, dass 
anch hierüber Licht verbreitet wird. Ich selbst jedoch will nur das zusammenfassen , was sich mir aus der 
Vergleichung der Faunen von St. Cassian und Hallstatt erschlossen hat. 

Man hat lange Zeit die Fauna der Hallstätter Schichten ftlr eine der Cassianer Fauna entsprechende 
gehalten. In der That ist man erstaunt, bei Betrachtung der Hallstätter Petrefacten eine Menge Analoga zu 
finden , und wird in Folge dessen nicht abgeneigt sein , sich jener Ansicht zuzuneigen. In der That aber 
glaube ich, mich nach dem was mir zum Vergleiche zu Gebote stand, überzeugt zu haben, dass eine Reibe 
von Formen wohl noch eine bedeutende Ähnlichkeit, aber keine Identität besitzen. Wenige Arcesten, Phyl- 
loceras und einige Gastropoden ausgenommen , die ich nicht unterscheiden konnte. Was nun erstere zwei 
Geschlechter betrifft , so wissen wir wenigstens von dem letzteren , dass sich dessen Arten auch im Lias 
durch eine Reihe von Schichten unverändert erhalten ; es ist also möglich , dass auch Arcestes in seinen 
Arten sehr stationär bleibt, oder wir sind dermalen noch nicht im Stande, Merkmale anzugeben, welche die 
Arten entschieden trennen. Die wenigen Gastropoden sind durchaus solche , welche , wenn sie die äussere 
Farbe verlieren, alles verlieren, und sehr selten Charaktere zeigen, welche eine Trennung möglich 
machen. 

Wären aber selbst mehr Arten, als bisher identificirt wurden, wirklich mit St Cassianer Arten identisch, 
und würden noch mehr dazu gefunden , so wäre die Anzahl derselben für die grosse Zahl verschiedener 
Arten, welche wir jetzt kennen, immerhin eine sehr unbedeutende, wir würden faiedurch wohl eine Anzahl 
sehr stationärer Formen kennen lernen, aber noch immer nicht zu dem Schiasse auf eine besonders gleiche 
Fauna berechtiget werden. Die grosse Ähnlichkeit der Formen zeigt eben nichts weiter als die nicht fem 
von einander liegende Elntwicklung der Schichten , und wir können wohl nur mit Bestimmtheit sagen, es 
haben sich die Typen von St. Cassian in den Hallstätter Schichten in einer fortgeschrittenen Entwicklung 
erhalten. Immerhin ist aber auch möglich , dass vielleicht ein den Cassianer Schichten äquivalenter Horizont 
mit den Hallstätter Schichten zusammengeworfen wird. 

Werfen wir nun noch einen Blick rückwärts auf die Verhältnisse der St. Cassianer Fauna zu den Fau- 
nen älterer Ablagerungen. Wir finden fast in allen Gruppen der beschriebenen Thiere Geschlechter, welche 
wir bisher oder vordem nur aus den älteren paläozoischen Schichten kennen lernten , so unter den Spongita- 
rien ein Geschlecht Stromatopora , die vielarmigen CJM^ianocrtn«»- Arten maJmen an die älteren Crinoiden- 
formen des Kohlenkalkes , unter den Brachiopoden sind es eine grössere Anzahl von Geschlechtern, eben so 
unter den Gastropoden , welche paläozoischen Habitus erhalten haben , und die Cephalopoden haben eben- 
falls einen paläozoischen Charakter behalten. Die Anthozoen zeigen jedoch schon den Charakter der Lias- 
Korallen , die Echiniden — die ältesten Repräsentanten nach dem Verschwinden der Tesselaten — und die 
Bivalven haben weniger einen ausgesprochenen Charakter. Auf def anderen Seite sehen wir wieder unzwei- 
deutige Typen sich in solchen Gruppen , welche zahlreiche paläozoische Formen zeigen, mischen, die erst 
in späteren Perioden ihre Entfaltung zeigen. Ich habe am Eingange der Betrachtung der einzelnen Thier- 
gruppen die Verhältnisse näher auseinandergesetzt, und glaube sonach nicht nöthig zu haben, hierauf im 
speciellen noch einmal weitläufiger zurück zu kommen. Diese Mischung von Typen der paläozoischen 
Zeit mit solchen aus der mesozoischen hat die älteren Forscher sehr erstaunt gemacht Wie ist es möglich, 
GjuBtropoden, welche jenen des Kohlenkalkes so merkwürdig ähnlich sind, neben jenen zu finden, die wir 
erst viel später begegnen? und ähnliche Fragen mehr wurden aufgeworfen. Das ist nun auch der Grund, 



Die Fauna der Schichten von 8t. Cassian. 108 

wesshalb die Heinnngen Aber das Alter der Scbicbten in einer so grossartigen W^se Bobwankten^ wie dies im 
keinem anderen Falle stattgefunden hat 

Heute sind wir über die Stellung der Sobiebten ron St. Cassian vollkommen im Klaren, und es wird Nie- 
manden einfallen , nocb einmal jene längst überwundenen Ansiebten erwägen zu wollen. Wir sind aber aneh 
dessen gewiss, dass es eine Fauna geben müsse, worin sieb die Typen der mesozoisehen SebdpAingsperiode 
mit jenen der paläozoiscben berühren müssen , neben einander vorkommen müssen. Eine solebe Fauna kön- 
nen wir aber nur in der Trias sueben ; in den flallstätter Schiebten haben sich noch eine ansebnlicbe Anzahl 
älterer Typen erhalten, die noch vor dem Lias verlöschen, eine beträchtlich grössere Anzahl finden wir in St 
Cassian wieder , und wären uns aus den ältesten Triasschichten eben so viele Formen bekannt wie aua St 
Cassian, so würden wir nocb viel mehr Analogien mit den älteren Faunen darin finden müssen. Die Beschaf- 
fenheit der Fauna allein würde uns also heute dahin führen, dass wir, selbst wenn wir die Lage der Schichten 
nicht kennen würden, denselben in der Trias einen sicheren Platz anweisen müssten. Die Beschaffenheit der 
Fauna würde auch allein hingereicht haben, den längst überwundenen Standpunkt der Umwälzungs- und Ver- 
nichtungstheorie zu widerlegen; heute, wo wir sie zu diesem Zwecke nicht mehr brauchen, ist sie uns ein 
wichtiges Beispiel für die Veränderung der Typen neben einander, für den allmähligen Übergang einer Fauna 
in die andere. 

Zu diesen in Kürze mitgetheilten Ergebnissen flibrt die Betrachtung der Fauna der Schiebten von St 
Cassian. Welchen Werth sie für die Entwicklungsgesehiebte einzelner Thiergruppen hat, ergibt sieh wohl aus 
dem Vergleiche einzelner Geschlechter mit anderen, — späteren und früheren — und es gelang hie und da 
eine früher noch bestandene Lücke zwischen einzelnen auszufüllen, da die Fauna an Übergangsformen durch- 
aus nicht arm ist. Die zahlreichen Jugendformen der Cephalopoden sind für die Entwicklung dieser Classe 
von bedeutender Wichtigkeit , und kaum eine andere Localität wird das zu lehren im Stande sein , was St. 
Cassian in dieser Beziehung lebi-t 

Wenn der geehrte Leser in dem Bereiche der Abhandlung die Berücksichtigung einiger Thierclassen, wie 
der Foraminiferen , Bryozoen, Crustaceen und Wirbelthiere vermisst, so hat dies hierin seinen Grund, dass 
erst in der allerletzten Zeit in den Thonen von St. Cassian Foraminiferen und die ersten kleinen Crustaceen 
in nocb unbedeutender Anzahl nachgewiesen wurden. Auch die Bryozoen schienen minder wichtig , und ihr 
Material wenig bedeutend, letzteres gilt auch von den Wirbelthieren, deren Beste zwar in besser erhaltenen 
und zahlreicheren Exemplaren als zur Zeit Münster's und Klips tein's vorliegen, die sich aber immer nur 
auf einige Zäbne und Flossenstacheln von Fischen und die Wirbelkörper eines Nothosaurus beschränken. 

Es kann keineswegs mit der vorstehenden Publication die Fauna von St Cassian vollständig bekannt 
gemacht worden sein, da jedes Jahr etwas Neues liefert, und wohl mancherlei noch Unbekanntes in die ein- 
zelnen Sammlungen gewandert sein mag, so werde auch ich hoffenüicb noch Gelegenheit haben, zu meiner 
Abhandlung noch mancherlei Nachträge und Verbesserungen fügen zu können. Doch im Augenblicke glaube 
ich die mir gestellte Aufgabe gelöst zu haben : ich habe was bisher aus den Schichten von St Cassian 
bekannt geworden ist^ nach Thunlichkeit kritisch beleuchtet und gesichtet, und mit gewissenhafter Sorgfalt 
die schöne Fauna von allen jenem Ballast zu befreien gesucht, der ihr durch unverstandenes und unberech- 
tigtes Vorgehen aufgebürdet wurde, und glaube nun, dass es dem Freunde der Wissenschaft leicht sein wird, 
die Verstösse, die ich mir selbst zu Schulden kommen Hess, oder die Fragen, die ich unbeantwortet lassen 
musste, zu verbessern und zu lösen. 

Es war eine mühsame und beschwerliche Arbeit , an welche ich meine schwachen Kräfte wagte, nun sie 
beendet ist, empfehle ich sie der freundlichen Aufnahme geehrter Fachmänner, deren Wohlwollen mir bis 
jetzt so reichlich zu Theil ward. Von nah und fern mit freundlichem Rath unterstützt , ward es mir vielfach 
leichter, das Werk zu liefern, und die stets wachsende Theilnahme Hess mir immer neue Kraft erwachsen. 
Aus dem von Jahr zu Jahr sich erweiternden Kreise thätiger Freunde sind leider zwei zu früh geschieden ; mein 
theurer unvergesslicher Lehrer Oppel, dessen treuer Hand ich die Grundlage meines Wissens verdanke, 
und der bis zu seinem Tode meine Arbeit eifrig fördern half, und Director Dr. Moriz Börnes, welcher 



104 Gustav G. Laube. 

Anregung zu vorliegender Arbeit gab und onennttdlich half und förderte bis zu dem Tage, wo ihn ein plötz- 
licher Tod von uns zu früh für Alle rief. Ihr Andenken bleibt gewahrt in einem dankbaren Hcfrzen. 

Möge aber auch die kaiserliche Akademie der Wissenschaften meines innigsten Dankes versichert sein 
ftlr die grossherzige Unterstützung, die sie mir angedeihen liess, der ich es allein verdanke, dass ich heute 
im Stande bin die umfassende Arbeit in die Hände der gelehrten Welt zu legen. 

Nicht minder gilt mein Dank der Leitung der k. k. geologischen Reichsimstalt und des kais. Hof-Mine- 
raliencabinetes fttr das werthvolle Material, welches beide Anstalten in liberalster Weise fttr mich besorgten, 
und eben sq allen werthen Freunden in Nähe und Feme , denen ich fttr freundliche Unterstützung ver- 
pflichtet bin. 



Die Fauna der Schichten von St. Cassian. 105 



ERKLÄRUNG DER ABBILDUNGEN. 



(Di« üAtGrllehe Orotse ist, wo es nothig sohlen, in Contour beigefügt.) 



TAFEL XXXVI. 

Fig. 1. Hhynehidia datiiana Lbe. 1 Bückseite, la Innenseite, Ih Vorderansicht, p. 56. 
„ 2. NauHlu» linearis Münst. 2 a Jngendzastand, 2 h etwas älteres Individuum, 2e ein noch älteres Individuum, p. 56. 
„ 3. Nautilus ffranuloiO'Striaiua Klip St. 3 ein vollständiges jüngeres Exemplar, 3 a ein Bruch eines älteren Individuums, 

letzteres zeigt die Einlappung der Lobenlinie auf dem Bücken, p. 58. 
„ 4. Nautilus t&riius Lbe., Bmchstflck, p. 58. 

„ 5. Bactrites subundatus VL^iiBt. ba zeigt den Banchlobus, bh die NormalUnie, be eine abgewickelte Lobenlinie, p. 60. 
„ 6. Baetrites soeius Lbe. 6a zeigt die Loben, 6 5 die Normallinie, 6e eine Seitenansicht, p. 61. 
„ 7. Orthoeeras subetltptiewn d*Orb. 7 5 Durchschnitt einer Bohre, p. 59. 
„ 8. Orthoeeras poliium Klip st. 8 a Wohnkammer zerdrückt, 8 5 Luitkammerstück durchgeschliffen, 8 e Endstück, 

p. 60. 
„ 9. Orthoeeras elegans Münst 9 a Wohnkammer, 95 Durchschnitt von Lnftkammem, 9 c organisches Depot, p. 59. 

TAFEL XXXVn. 

Fig. 1. Ceratites Cassianus Quenst, p. 61. 

„ 2. Clydonites nautilinus Münst. 2 a Individuum mit stark aufgeblähter Kapuze, 2 5 mit schwacher Kapuze, 2e ein In- 
dividuum ohnodie Wohnkammer, 24 ein solches in einem anderen noch inneliegend, 20 ein noch jüngeres Indi- 
viduum mit weitem Nabel, nebst den dazu gehörigen Lobenlinien, p. 62. 

„ 3. Clydonites eUiptieoides Lbe., p. 63. 

„ 4. Clydonites monilis Lbe., p. 64. 

„ 5. Clydonites Friesei Münst. 5 5 ein junges Exemplar, nebst den dazu gehörigen Lobenlinien, p. 64. 

„ 6. Ammonites Klipsieinianus Lbe., nebst der abgewickelten Lobenlinie* p. 83. 

„ 7. Ammonites Eryx Münst. 7 a älteres Exemplar mit vielen Bippen , 7 5 Varietät mit wenigen und stärkeren Bippen, 
7 e jüngere Form, anfangs rippenlos, nebst der Lobenlinie, p. 80. 

„ 8. Ammonites hoplophorus Gieb., nebst Lobenlinie, p. 83. 

„ 9. Ammonites glaueus Münst, nebst Lobenlinie, p. 82. 

TAFEL XXXVIIL 

Fig. 1. Traehyeeras Aon (Stadium Ammonites rimosus Münst), nebst Lobenlinie, p. 65 — 67. 

„ 2. Traehyeeras Aon (Stadium A, b^unetatum Münst), nebst Lobenlinie, p. 68. 

f, 3. Traehyeeras Aon (Stadium A, Zeusehneri Klip st), nebst Lobenlinie, p. 68. 

n 4. Traehyeeras Aon (Stadium A, Zeusehneri Klip st), nebst Lobenlinie, p. 68. 

„ 5. Traehyeeras Aon (Stadium A. Humholdti Klip St.), p. 68. 

„ 6. Traehyeeras Aon {A. Humboldti Klip st), p. 68. 

„ 7. Traehyeeras Aon^ typische ausgewachsene Form und Lobenlinien, p. 68. 

„ 8. Traehyeeras Broiheus Münst, ausgewachsene Form, p. 69—71. 

„ 9. Traehyeeras Brotheus Münst, jüngere Form, die abgebrochene letzte Kammer zeigt die Aufstülpung der Wand auf 
die Homer des vorhergehenden Umganges, p. 69—71. 

„10. Traehyeeras Brotheus Münst, p. 69—71. 

„ 11. Traehyeeras Brotheus Münst, p. 69—71. 

9 12. Traehyeeras Brotheus (Stadium A. mirabilis Klip St.), p. 69 — 71. 

„13. Traehyeeras Brotheus Münst {A, mirabilis), p. 69 — 71. 

„ 14. Traehyeeras Brotheus Münst (A. mirabilis), p. 69 — 71. 

Denkschriften der metbem.-netarv. Cl. XXX. Bd. Abhendl. von Nichtmitg liedem. O 



106 Gustav C. Laube. Die Fauna der Schichten von 8t. Gassian. 

TAFEL XXXIX. 

Fig. 1. Traehyeeras diehotomwn Münst., nebst Lobenlinien, p. 71. 
„ 2. Traehyeenu Mümteri Wissm. 2 a, 5,0 verschiedene Alterszustände , 2(1 monströses Individuum mit scheinbar nur 
drei Knotenreihen, nebst den Lobenlinien, p. 72. 

„ 3. Traehyceras infundihuliforme Klip st, nebst Lobenlinie, p. 26. 
„ 4. TraehyeeroB SatUua Lbe., p. 76. 

„ 6. Traehyeerat aequinodotum Klip st., nebst Lobenlinie, p. 78. 
„ 6. TraehycerM Pontius Lbe. 6a Lobenlinie, p. 76. 

„ 7. Traehyeeras hretneostatum Klipst. 7 a die Lobenlinie ist monstrOs und zeigt rechts einen Lobenzacken weniger als 
links, p. 74. 

TAFEL XL. 

Fig. 1. Traehycßraa ArehelauB Lbe. mit erhaltenem Mnndrande, welcher in Fig. 1 a von der Bauchseite dargestellt ist, 
Fig. 1 h zeigt die Domenreihen auf der Bauchseite, p. 74. 
„ 2. ÄmmoniteB l^fipptf/ti Klipst., nebst der dazu gehörigen Lobenlinie, p. 77. 
„ 3 AfwmoniteB Carvarenns Lbe., p. 84. 

TAFEL XLL 

Fig. 1. Traehyceras Candaüles Lbe., ein jüngeres und ein älteres Exemplar, nebst der dazu gehörigen Lobenlinie, p. 76. 

„ 2. Ammonites Sesostris Lbe., nebst der dazu gehörigen Lobenlinie, p. 78. 

,) 3. Ammonüea Bxisiri» {Am, irreyulan» Münst.), Jugendform, p. 78 — 80. 

„ 4. Ammonitea Btutris {Am, irregularis Münst.}, Jugendform, p. 78 — 80. 

„ 6. Ammoniies Buairis (Am. JBanleus), schmale Varietfit, p. 78 — 80. 

„ 6. Ammonite» Buatris {Am. BasOeus), schmale Varietät, p. 78—80. 

„ 7. Ammomtes Busiris {Am. Busiris), breitere Varietät, p. 78 — 80. 

„ 8. Ammoniies Busiris {Am. Busiris), breite Varietät, p. 78—80. 

„ 9. Ammoniies Hirsefdi Lbe., nebst Lobenlinie, p. 80. 

„10. Ammoniies phUopaier Lbe., nebst der Lobenlinie, p. 84. 

„11. Ammoniies AeMous Münst, nebst Lobenlinie. IIa Exemplar mit Schale und Nabelrippen, 11 & glatter Steinkern, 

p. 82. 

„ 12. Phyloeeras Jarhas Münst, ein grosses Exemplar mit der Lobenlinie, 12 a ein jüngeres, p. 86. 

„13. Areesies üearinatus Münst, ausgewachsenes Individuum, nebst Lobenlinie, p. 86, 87. 

„ 14. Areesies Uearinaius Münst, jüngeres Individuum, p. 86, 87. 

„16. Areesies hiearinatus Münst, jüngeres Individuum, nebst Lobenlinie, p. 86, 87. 

„16. Areesies biearinatus Münst, jüngeres Individuum, nebst Lobenlinie, p. 86, 87. 

„17. Areesies üearinaiua Münst, jüngeres Individuum, nebst Lobenlinie, p. 86, 87. 

„18. Areesies hiearinaius Münst, Embryonalform, nebst Lobenlinie, p. 86, 87. 

TAFEL XLH. 

Fig. 1. Areesies eywUnformis Wulfen. Grosses Individuum, p. 87—89. 
„ 2. Areesies eymbiformis Wulfen. Jüngeres Individuum, p. 87—89. 
„ 3. Areesies eymbiformis Wulfen. Jüngeres Individuum, mit der dazu gehörigen Lobenlinie, p. 87—89. 

TAFEL XLin. 

Fig. 1. Areesies eymbiformis Wulfen, nebst der dazu gehörigen Lobenlinie, p. 87^89. 
„ 2. Areesies Barrandei Lbe., nebst der dazu gehörigen Lobenlinie, p. 90. 
„ 3. Areesies -Unyeri Klipst, nebst der dazu gehörigen Lobenlinie, p. 90. 

„ 4. Areesies Meyeri Klipst, ein älteres und ein Jüngers Individuum, nebst der dazu gehörigen Lobenlinie, p. 89. 
„ 6. Areesies Oayiani Klipst. Sp., p. 89. 
„ 6. Areesies biearinaius Münst. 



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107 



DIE 



SCHÄDELFORM DER RUMÄNEN 



VON 



Db. A. WEISBACH, 



OBEBARZT AM K. K. 08TSRBBICHUCHEV NATIONALSPITALB IK OALATA ZV COHSTAMTIlfOPEL. 



(3KL\Jt 3 6af«Ci» tu/ib 4 SftLa«^6'^€i&€iU,^ 



(VOROBLGGT IN DBB SITZUNG DER MATHBHATI8CU-NATUBWI8SBNSCHAFTLICHBN OLASSE AM 93. APRIL ISeS.) 



l/as für Racenstadien so günstige Gebiet des österreichischen Staates nnd die mir durch Herrn Prof. Engel 
mit der dankenswerthesten Bereitwilligkeit znr Verfttgang gestellte, reiche kraniologische Sammlang der 
k. k. Josephsakademie machten es mir mOglich , die Schädelformen der so mannigfaltigen , innerhalb der 
Grenzen unseres Vaterlandes wohnenden Völker an möglichst zahlreichen Exemplaren neuerdings eingehend 
zu untersuchen, damit auch unsere Völker dem Forschungskreise der Anthropologen einverleibt werden kön- 
nen, von welchen bis jetzt nur wenige und noch dazu nur selten Gelegenheit hatten, ausgedehntere Messun- 
gen an österreichischen Schädeln anzustellen. Der Grund davon dürfte darin zu suchen sein, dass bei uns 
ausser der oben erwähnten Sammlung bis jetzt keine kraniologischen Museen bestehen , welche unsere Völ- 
kerstämme in zahlreicher Vertretung aufweisen ; und doch wäre es für die Anthropologie höchst erwünscht, 
dieselben, wenigstens in den Museen, in möglichster Centralisation und Reichhaltigkeit vorzufinden. 

In meiner früheren Abhandlung ^) war ich bei Besprechung des Rumänenschädels in Folge der wenigen 
Repräsentanten dieses Volkes , welche zu messen ich damals Grelegenheit hatte , zu Resultaten gekommen, 
deren Richtigstellung und Verbesserung durch Ausdehnung der Messungen auf 40 Schädel von den nachfol- 
genden Untersuchungen angestrebt wird, was der Anthropologie um so weniger unerwünscht kommen dürfte, 
als meines Wissens die Rumänen bisher in ^anthropologischen Schriften durchaus vermisst werden. 

Die 40 benützten Schädel stammen von 20- bis 30jährigen Soldaten ab , welche weit überwiegend aus 
den südlichen Theilen Siebenbürgens , nur einzelne aus Ungarn (Biharer Comitat und Marmaros) und der 
Bukowina gebürtig waren. — Die Rumänen, die in Mitteleuropa östlichsten Vorposten des romanischen Stam- 
mes (auch Walachen genannt) werden als Abkömmlinge der alten Dacier (welche einige gleichbedeutend mit 



1) Beitrage zur Kenntniss der Schädelformen österr. Völker. Medicinische Jahrbücher der k. k. Gesellschaft der Ärzte ia 
Wien, 1864 u. 1867. 



108 Dr. A. Weisbach. 

Qeten, als zum thracischen Stamme gehörig nehmen) angesehen, dürften jedoch wahrscheinlich schon znr Zeit 
der Römerherrschaft in jenen Gegenden, später durch die Wogen der Völkerwanderung, mannigfache Bei- 
mischungen erfahren haben. 

Desto interessanter muss die Untersuchung ihrer Schädelform werden, indem dadurch vielleicht Anhalts- 
punkte geliefert werden , um auf Verwandtschaft und Kreuzung nach irgend welcher Richtung hin einstens 
schliessen zu können. Freilich mttsste hiebei die Vergleichung der Schädelformen aller die Rumänen umwoh- 
nenden Völkerschaften die besten Aufschlüsse geben^ was besonders in Bezug auf die Bewohner der Balkan- 
halbinsel seine Wichtigkeit hat, von welchen man ja die Albanesen als die Überbleibsel der alten lUyrier, 
die vielleicht auch stammverwandt mit den Urbewohnem der jenseitigen Donauläuder gewesen sind^ betrach- 
tet. Bis jetzt ist dies leider nicht möglich, da mir nur einige wenige Messungen an Epirotenschädeln von 
Nicolucci zu Gebote stehen. 

Von eben solcher Wichtigkeit wäre ihre Vergleichung mit den Schädeln finnischer und slavischer Völker- 
schaften , von welchen ersteren es nur mit den Magyaren , dagegen in ausgedehnterer Weise mit den öster- 
reichischen Slaven und den Grossrussen durch das vorhandene Materiale gestattet ist. Der blos sprachlichen 
Verwandtschaft wegen wurden auch die früher zu unserem Staatengebiete gehörigen Norditaliener , so wie, 
insoweit es die gleichartigen Messungen erlauben, der Düentü-Typtis von His berttcksichtigt. Bei der Ver- 
gleichung mit den österreichischen Völkern musste ich mich vor der Hand grösstentheils auf meine frühere 
Arbeit beziehen , welche erst später durch Verarbeitung möglichst zahlreicher Einzelmessungen ergänzt wer- 
den soll, bis zu welchem Zeitpunkte auch die summarische Hervorhebung der den Rumänenschädel von den 
übrigen Volksstämmen unterscheidenden Merkmale aufgespart bleiben möge. 

Für die Erkenntniss des Werthes der Resultate der kraniologischen Untersuchungen und über- 
haupt der anatomischen Anthropologie wird es jedenfalls von unbestreitbarer Tragweite sein, die Verän- 
derungen, welche von der Individualität bedingt sind, zu bestinmien, mögen sich dieselben nun auf Grösse 
überhaupt oder auf die Gestaltung einzelner Theile des Körpers beziehen; dieses Abändern und Schwanken 
der einzelnen Maass- und Formverhältnisse in Bezug auf Individuen desselben Volkes können wir kurz als 
individuelle Variabilität bezeichnen, im Gegensatze zu welcher dann die Racenvariabilität, die 
Grösse der Veränderungen , welche zwischen den verschiedenen Racen an den einzehien Körpertheilen Statt 
findet , zu stellen käme. Das Verhalten beider zu einander würde , wenn es einmal möglich sein wird , die 
Variabilität der Racen auszurechnen , so wie jene der Individuen , wahrscheinlich die interessantesten Auf- 
schlüsse über Fragen ertheilen, welche wir bis heute aufzuwerfen, nicht aber zu beantworten fähig sind, wo- 
hin z. B. mindestens die Arteinheit oder Nichteinheit des Menschen, Bastardirung und vielleicht selbst die 
nach manchen Seiten sehr heikle Frage der Abstammung gehören. Als Ausdruck für die Variabilität lassen 
wir die auf Procente des Mittelwerthes berechnete Differenz zwischen dem Maximum und Minimum desselben 
Maasses gelten. 

In der Meinung, dass die so complicirte Form des Schädels auch nach den verschiedensten Richtungen 
untersucht werden muss , um eindringende , allseitig zu verwerthende Ergebnisse zu erhalten , wurde nach 
einem eigenen schon früher bekannt gegebenen Systeme vorgegangen, welches wohl mit jenen anderer Auto- 
ren viele gleiche Ausgangspunkte besitzt , aber auch auf die Krtlmmungen der einzehoien Knochen Rücksicht 
nimmt und einer Ausdehnung ohne complicirte Messapparate, blos mit einfachem, mit Tastirzirkel und Band- 
maass, sich erfreut, welche vielleicht bei manchem Anstoss erregt, jedoch wenigstens das ftlr sich hat, das 
benützte Materiale möglichst ausgebeutet zu haben. Übrigens kann eine Vergleichung der Schädel verschie- 
dener Racen zweckentsprechend nie auf blos wenige Maasse sich stützen, sondern sie muss den Gegenstand 
in alle seine Einzelheiten verfolgen ; ein Weg , der wohl mühsam und zeitverschlingend , aber vielleicht doch 
durch die erreichten Ziele genugsam belohnt ist. 

Die vorgenommenen Messungen sind nun die folgenden : 

1. Rauminhalt der Schädelhöhle durch sorgfältigstes Ausfüllen mit Gries bestimmt. 

2. Gewicht des Schädels ohne Unterkiefer, natürlich im vollkommen macerirten, getrockneten Zustande. 



Die Bchädelform der Rumänen. 109 

3. Umfang über die Glabella hinweg zum vorragendsten Tbeile des Hinterhauptes. 

4. Länge von der Mitte der Glabella zu demselben Punkte. 

5. Breite, wo immer sie am grössten ist. 

6. Höhe, Ton der Mitte des vorderen Randes des Foramen occipüale magnum zum höchsten Punkte des 
Scheitels. 

7. Abstand der Nasenwurzel (Mitte der Naht zwischen Stirn- und Nasenbeinen) von der Basis der Tubero- 
sitas occtpüahs externa ; 

8. Bogen zu dieser Sehne längs der Pfeilnaht. 

9. Breite der Schädelbasis an der Jochleiste oberhalb der Mitte der äusseren Ohrlöcher; 

10. Querumfang zwischen denselben Punkten in senkrechter Richtung über den Scheitel. 

11. Yorderhauptslänge, Zirkelabstand der Nasenwurzel vom Vereinigungspunkte der Pfeil- und 
Kranznaht ; 

12. sagittaler Stirnbogen zwischen denselben Punkten. 

13. Vorderhauptsbreite an den beiderseitigen Vereinigungspunkten der Kranz und Keilbein - 
flügelnaht; 

14. horizontaler Stirnbogen zwischen denselben Punkten über die Glabella hin gemessen. 

15. Stirnbreite, zwischen den vordersten Theilen der Schläfengruben knapp hinter dem Processus 
zygomatünis des Stirnbeines (Zirkel). 

16. Gegenseitiger Abstand der Stirnhöcker (Zirkel). 

17. Vorderhauptshöhe, von der Mitte des vorderen Randes des Foramen occtpttcUe magnum zum 
Vereinigung spunkte der Pfeil- und Kranznaht. 

18. Mittelhauptslänge von dem letzteren Punkte zur Vereinigungsstelle der Pfeil- und Lambdanaht 
(Zirkel); 

19. sagittaler Scheitelbogen zwischen denselben Punkten. 

20. Ohrenbreite zwischen den beiderseitigen Vereinigungsstellen der Schläfenschuppen- und Warzen- 
naht (Tasterzirkel). 

21. Scheitelbeinbreit^ in der Mitte derselben von der Schläfen- zur Pfeilnahtmitte (Zirkel); 

22. Querer Scheitelbeinbogen zwischen denselben Punkten. 

23. Scheitelhöckerabstand (linea pp. Welcker). 

24. QuererScheitel bogen, zur vorhergehenden Sehne, zmHchen den Tubera parietalta. 

25. Scheitelhöckerhöhe, Zirkelabstand zwischen Tuber parietale und der Spitze des Processus 
mastotdeus derselben Seite. 

26. Scheitellänge, Zirkelabstand zwischen Tuher frontale xand parietale derselben Seite (linea fp. 
Welcker). 

27. Seitlicher Scheitelbogen zwischen denselben Punkten. 

28. Scheiteldiagonale, Abstand zwischen Stirn- und Scheitelhöcker der entgegengesetzten Seiten 
(Tasterzirkel). 

29. Schräger Scheitelbogen zwischen denselben Punkten. 

30. Länge der Keilschläfen fläche, vom Vereinigungspuukte der Stirn- Joch- und Keilbeinflttgel- 
naht zum hinteren untersten Ende der Schläfenschuppennaht , wo sich die Warzennaht mit ihr verbindet 
(Zirkel). 

31. Schläfenhöhe, oberhalb des äusseren Gehörganges von der Jochleiste aus, in senkrechter Richtung. 

32. Länge der seitlichen Wand des Schädeldaches, von der Vereinigungsstelle der Kranz- 
und Keilflttgelnaht zu jener zwischen Warzen- und Lambdanaht (Zirkel). 

33. Bogen zu dieser Sehne. 

34. Hinterhauptslänge, vom Vereinigungspunkte der Pfeil- und Lambdanaht zur Mitte des hinteren 
Randes des Foramen magnum (Zirkel). 



110 Dr. A. Weishach. 

35. Sagittaler Hinterhauptsbogen zwischen denselben Punkten. 

36. Länge des Interparietalbeines, Zirkelabstand des Lambdawinkels von der Basis der Tvhero- 
sitaa occipüalis externa ; 

37. Länge des Beceptaculum cerebelh', von dieser zum hinteren Rande des Hinterhauptsloches 
(Zirkel). 

38. Hinterhanptsbreite zwischen den beiderseitigen Vereinigungsstellen der Lambda- and Warzen- 
naht (Zirkel). 

39. Querer Hinterhauptsbogen zwischen denselben Punkten , gleich oberhalb der Tuberosum 
occtpttalü externa verlaufend. 

40. Hinterhauptshöhe von der Mitte des vorderen Randes des Foramen occipttale magnum mit 
Tasterzirkel zur Pfeil-Lambdanahtvereinigung. 

41. Hinterhauptsdiagonale, vom Scheitelhöcker der einen zum Lambda- Warzennahtwinkel der 
anderen Seite (Tasterzirkel). 

42. Schräger Hinterhauptsbogen zwischen denselben Punkten über die Wölbung dea Hinter- 
hauptes. 

43. Warzenabstand zwischen den Spitzen der Processtte maatotdei. 

44. Länge der Schädelbasis« von der Mitte der Nasenwurzel zu jener des vorderen Randes des 
Foramen occipttale magnum (Tasterzirkel; linea nb. Welcker). 

45. Länge des Grundstückes von dem letzteren Punkte zur hinteren oberen Ansatzstelle des Pflug- 
scharbeines. 

46. 47. Länge und Breite des Foramen occipttale magnum, letztere gleich hinter den Oelenks- 
fortsätzen. 

48. Gegenseitiger Abstand der Foramina stylomastoidea, 

49. Gegenseitiger Abstand der Foramina ovalia an deren vordersten Enden. 

50. Gesichtshöhe von der Mitte der Nasenwurzel zum unteren Rande des Oberkiefers zwischen den 
inneren Schneidezähnen. 

51. Jochbreite zwischen den ausgewölbtesten Stellen der Jochbrücken. 

52. Jochbeinlänge Zirkelabstand ihres vorderen Endes am unteren Augenhöhlenrande von der Wur- 
zel der Jochbrücke oberhalb der vorderen Umrandung des Ponia acustictcs externus. 

53. Jochbeinbogen zwischen denselben Punkten. 

54. Obere Gesichtsbreite Zirkelabstand zwischen den Vereinigungsstellen des Jochfortsatzes des 
Stirn- und des Stimfortsatzes des Jochbeines und zwar vom äusseren Rande aus. 

55. Oberkieferbreite zwischen den Vereinigungsstellen der Jochbeine mit den Jochfortsätzen der 
Oberkiefer an deren unterem Rande (Zirkel). 

56. Oberkieferlänge von der Mitte des vorderen Randes des Foramen occipitale magnum zum Al- 
veolarrande des Oberkiefers zwischen den inneren Schneidezähnen (Zirkel). 

57. Gaumenbreite zwischen den inneren Lamellen des Zahnfächerfortsatzes am hinteren Ende. 

58. Gaumenlänge in der Mittellinie ohne die hintere Spina. 

59. 60. Orbitalbreite und Höhe in der Mitte des betreffenden Randes, bei der ersteren die Thränen- 
grube mit eingerechnet. 

61. Orbitaltief e, vom hinteren Rande des Foramen opticum zur Mitte des unteren Augenhöhlenrandes. 

62. Nasenwurzelbreite beiderseits zwischen den Vereinigungspunkten der Oberkiefer -Thränen- 
und Stirnbeinnaht. 

63. BreitederChoanen in der Höhe der Ansatzleiste der unteren Nasenmuscbel (beide Choanen zu- 
sammen). 

64. Höhe der Choanen (in der Mitte einer jeden). 

65. UntereGesichtsbreite, Abstand der Unterkieferwinkel von einander. 






Die Schädelform der Bumänen. 111 

66. Unterkieferlänge, der Bogen Tom hinteren Bande des einen Winkels längs des unteren Randes 
tlber das Kinn bin znm anderen. 

67. Kinnbreite zwischen den vorderen Rändern der Foramiria mentcdia antenora (Zirkel). 

68. Unterkiefer Winkel zwischen Körper nnd hinterem Rande des aufsteigenden Astes. 

69. A s t h ö h e von der tiefsten Stelle des halbmondförmigen Ausschnittes bis an den unteren Rand des 
Winkels. 

70. Astbreite oberhalb der Vereinigung mit dem Unterkieferkörper. 



L GehirnschädeL 



Der Innenraum des rumänischen Schädels aus der Altersstufe zwischen dem 20. und 30. Jahre, 
berechnet aus dem Gewichte des sorgfaltigst eingeflillten Grieses^ macht im Durchschnitte von 38 Wägungen 
1478-87 K.-C. aus; diese Grösse der Schädelhöhle findet sich annähernd nur bei 6 Schädeln und ist über- 
haupt sehr bedeutenden Abänderungen unterworfen, indem sie von 1261*43 bis 1674*50 K.-C.; im Ganzen 
um 413*07 K.-C. y d. h. um 27*93 Procent des Mittelweilhes schwankt Unter diesen 38 Schädeln haben 
nämlich drei eine Höhle von weniger als 1300, acht eine solche von 1300 — 1399 , eilf die von 1400 , sieben 
jene von 1500 und die übrigen neun eine solche von 1600 K.-C. Rauminhalt, wonach also, wenn wir die 
unter 1400 K.-C. haltenden Schädel als kleine , jene von 1400 K.-C. als mittelgrosse und die von mehr als 
1500 K.-C. als grosse bezeichnen, unter den Rumänen grosse Schädel viel häufiger (42*1 Proc.) vorzukommen 
scheinen, als mittelgrosse und kleine (je 28 - 9 Proc.). 

Wenn wir die anderen Völker des österreichischen Staates und einiger Nachbarländer in den Vergleich 
ziehen, bemerken wir, dass unsere Rumänen an Grösse der Schädelhöhle nur den Zigeunern (1433*03K.-C.), 
Magyaren (1487*31 K.-C.) und Slowenen (1463*88 K.-C.) vorausgehen, allen übrigen Stämmen aber, beson- 
ders den Norditalienem (1501-02 K.-C), Deutschen (1501 -66 K.-C), Czechen (1515*61 K.-C.) und Ruthe- 
nen (1537*99 K.-C), so wie den Slaven überhaupt, welche nach Messungen an 172 Schädeln eine Schädel- 
höhle von 1500*28 K.-C besitzen, nachstehen, sich übrigens den Südslaven (nach 45 Schädeln =» 1480*66 
K.-C.) ^) am meisten annähern, Sie stehen also in der Reihe unserer Völker in dieser Beziehung mit den drei 
oben genannten am tiefsten. 

Die Grossrussen haben nach Landzert') eine um wenig (1471 K.-C.) , der so ausgezeichnet brachy- 
cephale Disentü-TypuB nach His eine viel kleinere Schädelhöhle (1377 K.-C), was wohl auf Rechnung der 
mit inbegriffenen Weiberschädel zu setzen sein dürfte ; selbst die antiken und modernen Griechenschädel 
(erstere 1407, letztere 1458 K.-C) erreichen nach Nicolucci's *) sehr lehrreicher Abhandlung nicht unsere 
Rumänen. 

Das Gewicht des Schädels beträgt im Mittel 580*22 Grm., gleicht jenem der Ruthenen (579*66 Grm.) 
und der 20jähriger deutscher Männer (576*87 Grm.) fast genau, wird aber von dem der Magyaren 
(596 • 62 Grm.), Tolen (628 * 30 Grm.), Slovaken (641 • 38 Grm.), Czechen (605 • 95 Grm.), Kroaten (599*53 Grm.) 
und Slowenen (594 - 55 Grm.) , daher von fast allen Slaven übertroffen , wogegen nur die Norditaliener 
(525-74 Grm.) und die Zigeuner (517*59 Grm.) ein ansehnlich kleineres Schädelgewicht aufweisen. 

Trotzdem, dass bei diesem Schädelgewichte auch das des Gesichtes mit in Rechnung kommt, dürfte 
doch das Verhältniss zwischen demselben und dem Innenraume einen Wahrscheinlichkeitsausdruck für die 
Dicke der Knochen abgeben^ u. z. einen jedenfalls besseren, als das Verhältniss zwischen Umfang und Kubik- 
inhalt, weil das letztere nur eine Durchschnittsebene des Schädels berücksichtigt, dessen Höhen aber ausser 



1) Diese Angaben beruhen auf zahlreichen, noch nicht veröffentlichten, eigenen Messungen. 

') Beiträge zur Craniologie. Senkenberg'sche Gesellschaft. VI. Bd. 1S67. 

<) Soll* antropologia della Grecia. Napoli 1S67. Atti della B. Accademia delle Scienze Fisiche e Matematiche. 



112 Dr. A. Weiahach. 

Acht lassen mnss. Von der Voraossetzung ausgehend, dass die Grösse eines Knbikcentimeters das Unverän- 
derliche , das Gewicht des darauf entfaUenden Enochenantheiles aber je nach der Dicke der Knochen das 
Veränderliche in dieser Berechnung darstellt, muss ein Schädel ftlr um so dickknochiger gebaut gehalten 
werden , je weniger auf die Gewichtseinheit der Knochen yom Innenraume entfällt. Es verhält sich nun das 
Schädelgewicht zum Rauminhalte bei den Bumänen »1:2- 548 ; da unter unseren Völkern dieses Verhält- 
niss bei den Magyaren (2-382), Slovaken (2-288), Czechen (2-402), Polen (2-415), Kroaten (2-443) und 
Slowenen (2-498) eine mehr oder minder geringere, dagegen nur bei den Italienern (2-801), Zigeunern 
(2-673), Deutschen (2-666) und Buthenen (2-615) grössere Zahlen liefert, müssen die Bumänen offenbar 
dünnere Schädelknochen als die Slaven, ausser den Buthenen, und besonders die Magyaren, jedoch immer 
noch dickere als die Italiener, Deutschen und Zigeuner besitzen. 

Die einzelnen Schädel sind in ihrem Gewichte ungemein veränderlich, indem der kleinste und zugleich 
leichteste blos 433-11 Grm., der schwerste, jedoch keineswegs grösste 870*62 Grm. wi^, also mehr als 
doppelt so schwer wie der leichteste und zugleich um 290 Grm. schwerer als der Mittelschädel ist, was eine 
Schwankungsgrösse von 75*44 Proc. des Mittelwerthes , also eine viel grössere als jene des Kubikinhaltes 
ergibt. Jedoch erreicht ein Gewicht von 800 Grm. nur dieser einzige , 4 das von 700 Grm. , 12 jenes von 
600, 14 das von 500 und 9 das von 400 Grm. ; mehr als die Hälfte (23 Schädel = 57-5 Proc.) wiegen also 
unter und nur 17 (42-5 Proc.) über 600 Grm., während Gewichte von mehr als 700 Grm. blos durch 5 Schä- 
del (12-5 Proc.) vertreten sind. 

Beim Bauminhalte sahen wir, dass grosse Schädel häufiger als kleine vorkommen; nichts destoweniger 
sind doch die schweren Schädel viel seltener als die leichten, was uns dahin führt, das Gewicht des Schä- 
dels im Zusammenhange mit dessen wachsender Grösse zu betrachten. Behufs dessen seien die Schädel in 
4 Gruppen abgetheilt, von welchen die I. Gruppe 11 Schädel mit einer Höhle von weniger als 1400 K.-C., 
die n. Gruppe ebenfalls 11 mit einer solchen von 1400 — 1499 K.-C, die IH. 7 Schädel mit einer Höhle von 
1500 — 1599 und die IV. Gruppe 9 mit einem Kubikinhalte von 1600 K.-C. aufwärts enthält. Berechnen wir 
aus den einzelnen Schädeln für jede Grappe die Durchschnittszahlen des Kubikinhaltes , (Gewichtes und das 
Verhältniss zwischen beiden, so finden wir: 

I. Gruppe 1340-81 K.-C. 536-31 Grm =1:2-500 

IL „ 1459-41 „ 598-47 „ = 1 : 2-438 

III. „ 1531-08 „ 606-07 „ =1:2-526 

IV. „ 1630-78 „ 607-50 „ =1:2-684. 

Diese Zahlen weisen deutlich nach , dass mit der Grösse des Schädels auch sein Gewicht , jedoch nicht 
gleichen Schrittes wächst, indem dessen Zunahme von den kleinsten (I. Gr.) zu den mittelgrossen (II. Gr.) am 
grössten (62 Grm.) ist, späterhin aber immer mehr sich verringert, so dass während der Kubikinhalt von den 
kleinsten bis zu den grössten Schädeln um 21 - 64 Proc. (seines Werthes bei den kleinsten) zugenommen hat, 
das Gewicht der Knochen nur um 13 - 24 Proc. steigt. Der ungleichen Zunahme beider muss demnach eine 
bei verschiedener Grösse des Schädels verschiedene Dicke der Knochen entsprechen , wie es auch die ange- 
führten Verhältnisszahlen darthun, aus welchen hervorgeht, dass die mittelgrossen Schädel der IL Gruppe, 
bei welchen die Verhältnisszahl zwischen Schädelgewicht und Rauminh^ am kleinsten ist, die dicksten, die 
kleinsten und noch mehr die über mittelgrossen (HI.) viel dünnere und endlich die grössten Schädel, deren 
obige Verhältnisszahl am grössten ist, die dünnsten Scbädelknocben besitzen. 

Mit zunehmender Grösse des Schädels nimmt daher die Dicke der Ejiochen, u. z. von der Mittelgrösse 
an, beständig ab , so dass alle mehr als mittelgrossen Schädel immer einen dünneren Knochenbau haben als 
die kleineren. Dieses Ergebniss stimmt vollkommen genau mit ähnlichen Untersuchungen am deutschen 
Weiberschädel überein. 

Der Umfang des Schädels schwankt innerhalb viel engerer Grenzen als die beiden früheren, näm- 
lich in den äussersten Gliedern zwischen 493 und 531 mm. (um 7*43 Proc.) und misst im Mittel 511 mm.; 



Die Sckädel/orm der Humanen. 113 

einen Umfang yon weniger als 500 mm. haben nur 5, von 500 mm. 10, von 510 mm. 14 , von 520 mm. 10 
and von 530 mm. blos 1 Schädel. Mit seiner dorchschnittlichen Grösse ttbertrifft er anter anseren Völker- 
schaften nar den Eopfamfang der Zigeaner (503 mm.) and Italiener (508 mm.) and bleibt hinter allen ttbri- 
gen, besonders hinter den Deutschen , Polen , Slovaken and Czechen (519 mm.) zarttck; von allen diesen 
nähert er sich den Slowenen (512 nmi.) and Ruthenen (513 mm.) am meisten and gleicht dem der Gross- 
nissen vollkommen; der männliche Disentiskopf (517 mm.) and der ligarische Schädel (nach Nicolacci ^] 
513 mm.) haben einen grösseren Umfang. Aaf 1 mm. des Umfanges entfallen 2*894 K.-C. der Schädel- 
höhle, fast genau so viel wie bei 20jährigen Deutschen (2-892), viel mehr als bei den Magyaren (2*759), 
nur wenig mehr als bei den Grossrussen (2*878), dagegen ansehnlich weniger als bei den Norditalie- 
nern (2 • 938). 

Wenn wir nachschauen, wie sich der Umfang bei zunehmender Grösse des Schädels gestaltet: 

I. Gruppe 504 mm. : K.-C. = 1 : 2-660 

n. « 511 ^ =1 : 2*855 

m. „ 517 « =1 : 2-961 

IV. „ 519 „ =1 : 3*142, 

so bemerken wir neben der Yergrösserung der Schädelhöhle gleichzeitig auch eine stetige, jedoch in abneh- 
mender Steigerung begriffene Zunahme des Umfanges von den kleinsten zu den grössten um 15 mm. oder 
2 - 97 Proc. , welche also weit hinter der Zunahme des Gewichtes und Rauminhaltes zurückbleibt. Das Ver- 
hältniss des Umfanges zu diesem letzteren wechselt ebenfalls mit der Grösse des Schädels, u. z. derart, dass 
der auf 1 mm. desselben entfallende Antheil mit der Grösse des Schädels zunimmt. £in directer Rück- 
schluss ans dem Umfange auf den Innenraum des Schädels ist desshalb nicht gestattet, weil sich das Ver- 
hältniss beider zu einander stets ändert, wiewohl im Aligemeinen ein geringerer Umfang auch einer kleineren 
Schädelhöhle entspricht; schon die beigefügte Maass-Tabelle lässt die grossen individuellen Verschiedenheiten 
hierin hervortreten, indem z. B. von den drei Schädeln mit dem gleichen Umfange von 517 mm. jeder einen 
anderen , fast um 100 E.-C. verschiedenen Rauminhalt besitzt und Schädel bei einem grösseren Umfange 
geringeren Rauminhalt als andere, mit kleinerem Umfange ausgestattete auf«veisen. Dies hängt sicher nur von 
der verschiedenen Dicke der Knochen und der Höhe des Schädels ab. 

Die von Welcker*) für den deutschen Schädel entworfene Wahrscheinlichkeitstabelle des Innenraumes, 
geschlossen aus dem Horizontalumfange, stimmt mit den bei unseren vier Grössengrnppen des Rumänen- 
schädels gefundenen Werthen nicht überein, indem die drei grösseren Gruppen einen viel kleineren Umfang, 
als in jener Wahrscheinliehkeitstabelle angegeben, besitzen, was übrigens durch die grössere Höhe des rumä- 
nischen Schädels sich aufklären lässt. 

Die Länge des Schädels erreicht im Mittel die geringe Grösse von 175 mm., wiewohl sie an den ein- 
zelnen zwischen 165 und 184 mm., d. h. um 10-85 Proc. mehr als der Umfang wechselt; jedoch wird eine 
Länge von 180 nun. und mehr nur an sechs , jene von weniger als 170 mm. blos an drei Schädeln beobach- 
tet. Mit dieser durchschnittlichen Länge gleichen die Rumänen den Norditalienem und Slowenen vollkommen, 
mit welchen sie unter allen unseren Völkern die absolut geringste besitzen; die Grossrussen, so wie unsere 
Ruthenen zeigen eine wiewohl nur wenig grössere Schädellänge (176 mm.), dagegen der männliche Disentis-, 
der Ligurer- (172 mm.) und der Epirotenschädel (nach Niccolucci's Messungen an 3 = 171 mm.) eine an- 
sehnlich geringere. 

Während der Schädel eine so geringe Längenentwicklung besitzt, zeigt er der Breite nach insoferne 
eine grössere Ausbildung, als er hierin noch die Norditaliener (144 mm.) und Zigeuner (137 nmi.) übertrifft, 
den Slowenen gleicht, jedoch ebenfalls hinter den übrigen österreichischen Völkern , selbst den Deutschen 



1) La stirpe Ligure in Italia ne' tempi anticbi e ne* moderni. NapoU 1864. Atti della R. Accademia, Vol. II. 
3) Wachsthum und Bau des menschlichen Schädels, I. 1862. 

Denkschriften der mathem.*natunir. Cl. XXX. Bd. Abhandl. von Nlchtmitgliedeni. n 



114 Dr. A. Weisback. 

(146 mm.) znrttckbleibt , indem seinö Breite darchschnittlich nur 145 mm. ausmacht Den Grossrnssen 
(144 mm.) stehen die Rumänen hierin eben so nahe wie den Italienern, dem Disentistypus (148 mm.) , den 
Ligurem (148 mm.) und den Epiroten (150 mm.) noch entfernter als den Slaven. Die Breite ist ttbrigens sehr 
bedeutenden u. z. grösseren Schwankungen (von 135 bis 154 mm., 13-10 Proc.) als die Länge unterworfen; 
an 6 Schädeln beträgt sie weniger als 140 nmi., an 25 von 140 — 149 mm. und an 9 Schädeln 150 mm. und 
darüber. 

Da sich die Länge zur Breite = 1000 : 828 verhält, gehören die Rumänen zu den ausgesprochen bra- 
chycephalen Völkern und ähneln hierin nach meinen bisher veröffentlichten Messungen am meisten den Slo* 
wenen (828) , Kroaten und Buthenen (829) , wogegen die Czechen , Slovaken (836) und Polen (835) noch 
ansehnlich breitere, die Norditaliener (822), Magyaren (819), Deutschen (815 im Alter der 20ger Jahre) und 
ganz besonders die Zigeuner (769) schmälere Köpfe haben. Der Schädel der Grossrussen (818) ist schmäler, 
der männliche Disentis-, Ligurer- (860), Epiroten- (872), ferner der Türken- (832 nach Pruner-Bey), Kal- 
mücken- (835 nach Baer) und Lappenschädel (852 nach Retzius ^]) breiter. 

Durchmustert man die einzelnen Schädel bezüglich ihres Längenbreitenindex, so findet man eine Reihe, 
welche als geringsten Werth desselben mit 737 beginnt und mit 900 schliesst : 



730 


1 


Schädel, 


800 


— 1 


Schädel, 


850 


— 1 Schädel, 


760 


2 


n 


810 


— 7 


n 


860 


- 5 „ 


770 


— 2 


V 


820 


— 4 


n 


870 


- 3 „ 


780 


2 


rt 


830 


3 


rt 


880 


- 2 „ 


790 


— 1 


n 


840 


— 6 


n 


900 


- 1 » 



Also haben 8 einen Index von weniger als 800, eben so viele einen solchen zwischen 800 und 819 
alle 24 übrigen den von mehr als 820. Diese weiten Schwankungen des Index, welcher aber trotzdem immer 
noch bei 60 Proc. aller Schädel innerhalb der ausgesprochensten Brachycephalie bleibt und nur bei 20 Proc. 
die obere Grenze der Dolichocephalie (790) überschreitet, ähneln fast genau jenen am Grossrussenschädel 
von Landzert beobachteten (730 — 890), en'cichen jedoch nicht die noch viel grösseren Indexschwankungen 
am deutschen Männerschädel (bei 123 Schädeln von 711 — 924, nach Welcker von 69 — 89), während die 
des deutschen Weiberschädels (745 — 913) ihnen gleichkommen. 

Wenn man diese Abänderungen vielleicht einer Mischung mit anderen Racen zuschreiben wollte, so ent- 
stünde bei den Rumänen^ welche von slavischen Stämmen, den Magyaren, Zigeunern und Deutschen umge- 
ben oder mit ihnen untermischt wohnen , die Frage , welche derselben hiezu beigetragen hätten. Nach der 
dolichocephalen Seite hin könnte dies nur durch die Zigeuner und Deutschen — denn die Siebenbürger Sach- 
sen sind nach meinen Beobachtungen vorherrschend dolichocephal — verursacht worden sein ; der Schädel 
Nr. 16, welcher in der ganzen Reihe den kleinsten Index aufweist, gehörte wohl einem Soldaten an, dessen 
Kopf und besonders das schön ebenmässig gebaute lange Gesicht sehr zigeunerähnlich aussah, ohne dass 
aber seine Haut die den Zigeunern eigenthümliche bräunliche Färbung besass. Man könnte hier sogar die 
Vermuthung Platz greifen lassen , dass die Langköpfe unter den Rumänen vielleicht die Spuren der einstigen 
römischen Ansiedler darstellen , wiewohl der Index dieser acht Schädel (770) viel mehr jenem des Sion- 
(768 5) *l8 <lö8 Hohbergtypus (703 5) gleicht. Gegen die brachycephale Seite, also bezüglich der Bei- 
mischung von Slaven und Magyaren mangeln bisher die Anhaltspunkte , um auch nur Vermuthungen aufzu- 
stellen. Höchst interessant wäre die Vergleichung der Völkerschaften südlich der Donau und Save, und ganz 
besonders der Albanesen, die von Pruner-Bey (Krankheiten des Orients, 1847) als brachycephal angeführt 
werden und es nach Nicolucci's wenigen Messungen auch sind. 

Die Höhe dieser Schädel wechselt von 128 (bei einem der kleinsten) bis 148 mm. (beim grössten) und 
ist daher, so wie am deutschen Weiberschädel, viel veränderlicher (im Ganzen um 14 -70 Proc.) als die Länge 



1) Die drei letzteren Angaben nach Welcker: Craniologische Mittheilungen im Archiv für Anthropologie. I. Bd. p. 138. 



Die Schädelform der Rumänen, 115 

und Breite. Im Durchschnitte misst sie 136 mm., mit welcher Zahl sie jene des Magyaren-, Polen-, Slovaken- 
nnd Kroatenschädels erreicht, und nur hinter jener des Ruthenenschädels (139 mm.) zurückbleibend, grösser 
als bei den tlbrigen österreichischen Stämmen , wiewohl der des norditalienischen Schädels (135 mm.) sehr 
nahestehend ist. Die absolute Höhe des Grossrussenschädels hat dieselbe Grösse, die der Ligurer (131 mm.) 
eine geringere, wogegen die Epiroten- (138 mm.) und Disentisschädel (141 mm.) viel höher sind. Unter die 
durchschnittliche Höhe fallen gerade die Hälfte der Schädel, die andere Hälfte über dieselbe; nur einer ist 
niedriger als 130 mm., 29 sind 130 — 139 mm., alle übrigen 140 mm. und mehr hoch. 

In Betreff des Längenhöhenindez ergibt sich aus den Mittelzahlen beider Maasse das Verhältniss von 
1000 : 777, welches jedoch, so wie der Längenbreitenindex an den einzelnen Schädeln, wenn auch nicht so 
bedeutend wechselnd ist; am relativ niedrigsten Schädel (Nr. 16), der zugleich den kleinsten Breitenindex 
hat , sinkt der Höhenindex auf 726 , beträgt bei 4 Schädeln 730—739 , bei zweien 740—749 , bei vieren 
750—759, bei acht 760—769, bei flinf 770—779, bei vieren 780—789, bei zweien 790—799, bei einem 
800, bei vieren 810—819, bei je zweien 820 und 830 und steigt am höchsten Schädel, der aber keineswegs 
auch den grössten Breiienindex besitzt, bis auf 840. 

Welcker bezeichnet nach seiner reichen Yölkertabelle ^) die typischen Doüchocephalen (L. 100, B. 69, 
H. 74) als Hochsebädler, die typischen Brachycephalen (L. 100, B. 82, H. 76) als Flachsehädler , offenbar 
eigentlich das Verhältniss zwischen Breite und Höhe im Auge behaltend. Betrachten wir unsere 40 Rumänen- 
schädel in dieser Beziehung, indem wir die mit einem Index von weniger als 800 als dolicho-, jene mit einem 
solchen von 820 an als brachycephal bezeichnen, so bemerken wir: 

8 Dolichocephali, Breitenindex von 73 — 79, Höhenindex von 72 — 76 , 

24 Brachycephali, „ „ 82—90, „ „ 76—84, 

8 Mesocephali, „ „ 80—81, „ „ 73—82, 

dass die Langköpfe mit ihrem Maximalhöhenindex gerade den Minimalhöhenindex der exquisiten Kurzköpfe 
erreichen, während der letzteren Maximum weit über dem der ersteren liegt; die Zwischenformen mit dem 
Breitenindex von 80 und 81, die yielleicht am besten als Mittelköpfe bezeichnet werden dürften, liegen auch 
mit ihrem Höhenindex innerhalb der Grenzen desselben bei den zwei anderen Formen, dieselben jedoch nach 
beiden Seiten hin überschreitend. 

Die angegebenen Zahlen sprechen zweifellos dafür, dass je breiter und kürzer ein Schädel wird, auch 
seine Höhe desto mehr zunimmt , dass flache Brachycephali wenigstens bei den Rumänen nicht vorkommen, 
und hohe Dolichocephali nur wenig vertreten sind. 

Rücksichtlich des Längenhöhenverhältnisses gleichen die Rumänen am meisten den Norditalienern (771), 
Kroaten (772), Grossrussen (772) und ganz besonders den Türken (777 nach Welcher) ; die Magyaren, 
Slovaken, Polen (768), die Slowenen (760), Epiroten (765) und Ligurer (761), vorzüglich aber die Deutschen 
(737), Czechen (745) und Zigeuner (730) haben niedrigere und nur die Ruthenen (789) und der Disentis- 
typus (819) höhere Schädel. 

Bisher haben wir diese drei Hauptmaasse des Schlfdels nur ftlr sich allein betrachtet ; wir wollen sie 
nun im Zusammenhange mit der Orösse des Schädels ins Auge fassen, um zu sehen, welche VeränderuDgen 
an ihnen sich bei den vier Grössengruppen einstellen. Auch für die wechselnde Körpergrösse , die bei voll- 
ständigen Racenstudien nothwendig immer berücksichtigt werden mnss , wenngleich es bis jetzt bezüglich 
des kraniologischen Materiales noch nicht möglich ist, können die unten stehenden Ergebnisse desswegen 
benutzt werden, weil schon dargethan wurde, dass mit der Grösse des Individuums auch die absolute Grösse 
der Kopfdimensionen wächst. 



1) Archiv für Anthropologie. I. Bd. p. 154 u. ff. 



P* 



116 



Dr. A. Weisback. 











Index 


9 












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I. 


174 


140 


132 


804 


758 


II. 


174 


145 


136 


833 


781 


III. 


176 


147 


138 


835 


784 


IV. 


176 


149 


139 


846 


789 



Die vorstehenden Mittelzahlen lassen nun Folgendes ableiten : Die Länge des Schädels wächst von den 
kleinsten zu den grössten Schädeln nur um 2 mm. (1 - 14 Proc. ihres Werthes bei den kleinsten) j bleibt je- 
doch in den zwei Mittelgruppen den zunächst angrenzenden Extremen gleich; die Breite dagegen wächst 
von den kleinsten stetig durch alle Gruppen bis zu den grössten Schädeln y und zwar um viel mehr (9 mm. 
= 6*42 Proc.) als die Länge. Desshalb finden wir auch, entsprechend dem ganz ungleichen Zunehmen bei- 
der Maasse , den Breitenindex sich derart verändernd , dass er bei den kleinsten (804) am geringsten , bei 
den mittelgrossen (833) und Übermittelgrossen (835) schon bedeutend gewachsen , und endlich bei den 
grössten Schädeln (846) am grössten ist, dass also die Schädel um so mehr brachycephal werden, je grös- 
ser ihr Innenraum ist. 

Die Höhe ähnelt rllcksichtlich ihrer ununterbrochenen Zunahme (im Ganzen um 7 mm. oder 5*30 Proc.) 
der Breite, welcher sie auch darin gleicht, dass der Längenhöhenindex ebenfalls mit der Grösse des Schädels 
wächst, nämlich von 758 bei den kleinsten, durch 781 und 784 bei den mittleren Gruppen, bis auf 789 bei 
den grössten Schädeln. Die kleinsten Schädel unter den Rumänen sind daher durchschnittlich die schmälsten 
und niedrigsten, die grössten die höchsten und breitesten. 

Das bisher über die Veränderungen der Schädeldurchmesser und des Gewichtes in Rücksicht auf die 
Grösse Gesagte ergibt nun, dass bei den Rumänen der Schädel mit Zunahme seiner Grösse 
einen dünneren Knochenbau, eine immer mehr ausgesprochen brachycephale Form und 
grössere Höhe erhält, dass also auch hier mit Steigerung der Brachycephalie Zunahme der Höhenent- 
wicklnng sich einstellt. 

Der Abstand der Nasenwurzel von der Tuberoaitas occip. externa schwankt an den ein- 
zelnen Schädeln von 161 bis 179, um 18 mm. oder 10*71 Proc. des Mittelwerthes, ist daher fast genau den- 
selben individuellen Einflüssen unterworfen, wie die Länge des Schädels, und mit dieser viel weniger als 
Breite und Höhe veränderlich; sein Durchschnittswerth beziffert sich auf 168 mm. und ist um 7 mm. kleiner 
als die Länge, zu welcher er im Verhältnisse von 960 : 1000 steht. Nach dieser Dimension ist der Rumänen- 
schädel eben so wie nach seiner absoluten Länge unter allen unseren Völkern am wenigsten entwickelt ; er 
gleicht hierin den Norditalienern und Slovaken , während ihn alle übrigen übertreffen (Deutsche 172 mm., 
Zigeuner und Magyaren 171 mm. und Slaven im Allgemeinen 170 mm.). 

Zu dieser Linie gehört ein sagittaler Bogen, welcher im Mittel 312 mm. (295 — 343 mm.), mehr als bei 
den Zigeunern, Magyaren, Slaven, Norditalienern und nur weniger als bei den Deutschen (316 mm.) misst. 
Aus dem Verhältnisse seiner Sehne zu ihm berechnen wir die Krümmung des ganzen Schädeldaches; es ist 
» 1 : 1*857, eine Zahl, wie wir sie bei keinem österreichischen Stamme wieder beobachten , deren Längs- 
wölbungen durchaus unter diesen Werth fallen; nur die Norditaliener (1 *853), viel weniger schon die Ruthe- 
nen (1*847) und Slovaken (1*845) nähern sich den Rumänen an. Die Längswölbung ist demnach, im Ein- 
klänge mit der geringen Länge und bedeutenden Höhe des Schädels , stärker als bei allen anderen österrei- 
chischen Völkern. 



Die Schädelform der Bumänen. 



117 



An der Basis hat er die durchschnittliche Breite von 127 mm., welche jener des Magyaren-, Polen-, 
Sloyaken- und Slowenenschädels gleich, nur kleiner als bei den Czechen und Kroaten (128 mm.) ist; die in- 
dividuelle Veränderlichkeit dieses Durchmessers (zwischen 117 und 138 mm., 16-53 Proc.) ttbertrifil jene 
der Länge, Breite und Höhe und gleicht jener der Deutschen. Wenn wir das Verhältniss der Scbädellänge 
zur Basisbreite (1000 : 725) ins Auge fassen, erscheint die letztere sehr bedeutend, der Schädel also auch 
an der Basis sehr breit; nehmen wir nun auf jenes zwischen der grössten Schädel- und der Basisbreite 
(1000 : 875) Bedacht, so finden wir ganz dieselbe Verhältnisszahl wie bei Magyaren und Slowenen, welche 
bei den Kroaten (876) nur sehr wenig grösser ist , also unter unseren Völkern die Schädel der Rumänen 
unten mit am breitesten, d. h. gegen die Basis herab am wenigsten yerschmälert. Die Grossrussen (1000: 868) 
haben gegen die Basis herab mehr, die Epiroten (1000 : 793) noch viel beträchtlicher verschmälerte Schädel 
als die Rumänen. 

Der Querbogen oder Querumfang des Schädels misst im Mittel 314 mm. (289 — 332 mm.), tibertriflft den 
Längsumfang um 2 mm., ist länger als bei den Deutschen (309 mm.), Magyaren (308 mm.), Italjenern, Slo- 
vaken (310 mm.), Slowenen (313 mm.) und Zigeunern (295 mm.), kürzer als bei den übrigen Slaven ausser 
den Czechen (314 mm.) und nach dem Verhältnisse von 1 : 2*472 (die Basisbreite als Sehne) gekrümmt. Der 
Rumänenschädel hat daher in querer Richtung eine stärkere Wölbung als jener der Magyaren (2-425), SIo- 
vaken (2-433), Czechen (2-444), Slowenen (2-453), Kroaten (2-469) und Deutschen (2-457), und steht 
hierin nur den Italienern (2-502), Ruthenen (2-524), Polen (2*496) und Zigeunern (2-489) nach, diesen 
letzteren und den Kroaten übrigens am nächsten. Sowohl der Schädel der Grossrussen (2-480), als auch 
jener der Epiroten (2 * 882) besitzt eine stärkere Querwölbung. 











Länge 




Laage 








« 




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= 1000 




= 1000 






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I. 


168 


307 


1«827 


965 


125 


718 


303 


2-424 


II. 


168 


312 


1-857 


965 


125 


718 


316 


2-528 


m. 


170 


313 


1-841 


965 


129 


732 


319 


2-472 


IV. 


170 


320 


1-882 


965 


130 


738 


321 


2-469 



Wenn wir die Abhängigkeit der eben yorgeftlhrten Maasse von der Grösse der Schädelhöhle unter- 
suchen, bemerken wir, dass sowohl die Sehnen, als auch die zugehörigen Bögen mit der Schädelhöhle 
zunehmen, u. z. der Kasenhinterhauptsdurchmesser gleichwie die Schädellänge weniger (um 1*19 Proc.) als 
die Breite der Schädelbasis (4 Proc.) und ähnlicher Weise auch der Längsnmfang (4-28 Proc.) weniger als 
der quere (5 * 94 Proc). Vermöge dieser ungleichen Wachsthumsgrössen müssen sich auch die gegenseitigen 
Verhältnisse dieser Linien ändern, wovon nur die bemerkenswerthe Ausnahme stattfindet, dass das Verhält- 
niss zwischen Schädellänge und Nasenhinterhauptslinie (1000 : 965) in allen Gruppen dasselbe bleibt; dage- 
gen gestaltet sich die Breite der Schädelbasis insoferne anders, als sie relativ zur Schädellänge ähnlich wie 
die Breite des Schädels, von den zwei kleinsten Gruppen (718 : 1000) zu den ttbermittelgrossen (732) und 
grössten Schädeln (738) stetig zunimmt. 

Die beiden Wölbungen gehen nicht parallel mit einander , indem die Längenwölbung mit der an den 
ttbermittelgrossen Schädeln eintretenden Unterbrechung (1*841), von den kleinsten (1-827) und mittelgros- 
sen (1*857) bis zu den grössten (1*882) sich steigert, die Qnerwölbung aber nur von den kleinsten (2*424) 
bis zu den mittelgrossen (2*528) , wo sie am stärksten ist , wächst , und nachher fortwährend sich abflacht, 
obgleich sie an den grössten Schädeln immer noch stärker bleibt, als sie an den kleinen gewesen. Mit 



118 Dr. A. Weisbach, 

zunehmender OröBse des Schädels wird also die Basis breiter, der Schädel in der Sagittalrichtung stärker, 
in der queren, wenigstens von der Mittelgrösse an, stets flacher gewölbt. 

Der Rumänenschädel ist also mittelgross, etwas stärkeren Knochenbaues als bei 
Deutschen und Italienern, dtlnneren als bei Slaven und Magyaren, ausgesprochen bra- 
ch yeepbal und hoch, an der Basis sehr breit, in sagittaler Richtung stärker als bei allen 
anderen l^ st err eichischen Völkern, und auch in querer stark gewölbt. 

Von den bisher abgehandelten Maassen verändert sich das Gewicht nach den individuellen Eigenthtlm- 
lichkeiten am meisten, der horizontale Umfang am wenigsten; dem ersteren scbliesst sich zunächst der Raum- 
inhalt an, welchem die Breite der Schädelbasis, die Höhe, Breite, Länge und die Nasenhinterhauptslinie mit 
abnehmender individueller Variabilität folgen. 

1. Vorderhaupt. 

Das Vorderhaupt hat die an den einzelnen Schädeln zwischen 101 und 121 mm. (18*18 Proc.) schwan- 
kende durchschnittliche Länge von 110 mm., welche also in ihrer Veränderlichkeit die vorausgegangenen 
Maasse übertrifft und zur Länge des Schädels im Verhältnisse von 628 : 1000 steht; sie gehört unter den an- 
geftihrten Völkern mit der gleichen der Kroaten und Zigeuner zu den kleinsten , obgleich sie an allen nur 
um 3 mm. schwankt. 

Relativ ist das Vorderhaupt der Rumänen länger als das der Deutschen (620), ktlrzer als bei den Nord- 
italienern (634) und fast eben so kurz wie bei den Magyaren (627). 

Dieser Sehne entspricht der sagittale Stirnbogen (126 mm. im Mittel, 115 — 143 mm.), welcher an 
Länge dem der Kroaten und Slovaken gleicht, den der Ruthenen, Magyaren (125 mm.) und Zigeuner 
(124 mm.) übertrifft und eine Krümmung (1 : 1-145) besitzt, die nach den Slowenen (1-162) mit der ganz 
gleichen der Kroaten, femer jener der Italiener (1-144) und Polen (1-144) eine der stärksten unter allen 
bildet und besonders weit von der flachen sagittalen Stirnwölbung der Ruthenen (1-116), Slovaken (1-125), 
Magyaren (1-126) und Zigeuner (1-127) sieh entfernt. 

Die Breite des Vorderhauptes erreicht durchschnittlich 114 mm. mit Schwankungen zwischen 
101 — 127 mm., ist daher noch mehr veränderlich (22-80 Proc.) als dessen Länge. Nur bei Deutschen und 
Czechen (115 mm.) ist das Vorderhaupt breiter, bei den Kroaten, Slovaken und Polen von derselben Breite, 
bei den anderen Slaven, den Magyaren und Italienern (113 mm.) schmäler. Nach dem Verhältnisse zur 
Schädellänge (651 : 1000) und zur grössten Breite (786 : 1000) erscheint das Vorderhaupt breiter als bei den 
Italienern (784), Magyaren (779), Ruthenen (767), Slovaken (777), Polen (782) und Zigeunern (781), nur 
schmäler als bei den Kroaten (787) , im Ganzen also von sehr bedeutender Breite , der Schädel nach vorne 
hin sehr wenig verschmälert, ähnlich wie gegen die Schädelbasis. 

Der horizontale Stirnbogen (166 mm. im Mittel, zwischen den Extremen von 150 und 188 mm.) 
hat eine solche Länge, wie sie, ausser bei den Slowenen (167 mm.) bei keinem der österreichischen Völker 
wieder zur Beobachtung kommt, und jener der Ruthenen (165 mm.), Magyaren und Italiener (164 mm.) noch 
am nächsten steht. Bezüglich der Wölbung der Vorderhauptes in horizontaler Richtung , welche nach dem 
Verhältnisse von 1 : 1-456 stattfindet, kommen wir nicht zu demselben Ergebnisse , wie bei jener in sagit- 
taler Richtung, indem den Rumänen an Stärke der ersteren die Zigeuner (1-459), Magyaren (1-462), Ruthe- 
nen (1 - 458) und Slowenen (1 * 469) vorausgehen , die übrigen aber ein flacher gekrümmtes Vorderhaupt 
besitzen; Zigeuner, Ruthenen und Italiener (1-451) gleichen in dieser Wölbung den Rumänen am 
meisten. 

Die durchschnittliche Grösse der Stirnbreite beziff'ert sich auf 95 mm. und konunt ihre individuelle 
Veränderlichkeit (von 88 — 103 mm., 15-78 Proc.) fast jener der Schädelhöhe gleich, bleibt aber doch 
geringer als die der Vorderhauptslänge. An absoluter Grösse derselben stehen die Rumänen mit den 20jäh- 
rigen Deutschen, Italienern und Ruth«aen auf derselben Stufe, während alle übrigen , besonders die Südsla- 
ven (97 mm.) einen breiteren Stirntheil haben. Sie verhält sich zur Scbädellänge » 542 , zur Breite 



Die 8ckädelfo7*m der Humanen. 



119 



« 655 : 1000 und erscheint demnach nur grösser als bei den Deutschen (650); Polen (653)^ Ruthenen (650), 
Czechen und Slovaken (648), kleiner als bei den anderen Stämmen. 

Die beiden Stirnhöcker fassen zwischen sieh einen Abstand von 61 mm., der in der Reihe unserer 
Völker nur noch von den Ruthenen, sonst von keinem anderen erreicht wird ; ausser diesen kommen ihnen 
die Südslaven (60 mm.) und Grossrussen (60 mm.) am nächsten ; da er sich zur Länge und Breite des Schä- 
dels » 348 und 420 : 1000 verhält , ist er in beiden Beziehungen grösser als bei den Grossrussen (340 und 
416) und Norditalienem (331 und 402). Trotz seiner geringen Grösse hat dieser Abstand an den einzelnen 
Schädeln (51 — 76 mm., 40-98 Proc.) doch eine viel beträchtlichere Veränderlichkeit als alle vorausgegan- 
genen Maasse. 

Die Höhe des Vorderhauptes misst 134 mm. im Mittel bei einer Veränderlichkeit (125—144 mm., 
14-17 Proc), welche jener der Schädelhöhe entspricht, allein die der Vorderhauptsbreite (22-80 Proc.) bei 
weitem nicht erreicht; der Schädelhöhe (136 mm.) steht sie um 2 mm. nach und zu ihr im Verhältnisse von 
985 zur Länge von 765 : 1000, nach welchem ersteren sie jener der Magyaren, Italiener, Polen, Ruthenen 
und Slovaken vollkommen gleicht, grösser als bei den Zigeunern (969), den Deutschen und Czechen (984), 
aber kleiner als bei den SUdslaven (1000) ist. 

Das Vorderhaupt der Rumänen ist bei grosser Breite und geringer Länge in sagit- 
taler Richtung sehr stark, in horizontaler nur massig gewölbt; sein mittelbreiter Stirn- 
theil hat sehr weit auseinander liegende Höcker. Seine individuellen Schwankungen sind bezüg- 
lich des Stimhöckerabstandes am grössten , viel geringer an seiner Breite , Länge und Stirnbreite und am 
geringsten an der Höhe, an den Breitendurchmessern also im Allgemeinen grösser als an den Längen- und 
besonders den Höhenmaassen, während am ganzen Schädel die Höhe der Breite und diese der Länge in die- 
ser Rücksicht vorausgehen. 



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626 


752 


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111 


126 


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116 


169 


1-456 


133 


61 


637 


666 


764 


350 


m. 


111 


126 


1-135 


116 


168 


1-448 


137 


62 


630 


659 


778 


352 


IV. 


113 


129 


1*141 


116 


166 


1-431 


137 


63 


642 


659 


778 


357 



Die Veränderungen, welche das Vorderhaupt je nach der Grösse des Schädels erleidet, sind nach vor- 
stehender Tabelle die folgenden : 

Seine Länge, so wie auch die Breite, Höhe und der Stirnhöckerab stand vergrössem sich mit Zunahme 
der Schädelhöhle, jedoch keineswegs gleichmässig und constant, besonders nicht die Breite, welche auf der 
Grösse, die sie in der Gruppe der mittelgrossen Schädel erreicht hat, stehen bleibt. Der Stimhöckcrabstand 
erfShrt die grösste Zunahme (um 6 mm. = 10-52 Proc.) , nach ihm die Breite (um 7 mm. =6-42 Proc), 
eine geringere die Länge (6 mm. = 5 • 60 Proc.) und schliesslich die Höhe (6 mm. =4-58 Proc), die 
geringste. Im Verhältnisse zur Länge des Schädels wird das Vorderhaupt im Allgemeinen , wiewohl nicht 
ununterbrochen länger , indem es bei der H. Gruppe eine grössere Länge (637) als bei der HL (630) , bei 
der IV. jedoch die grösste Länge (642) besitzt , und constant auch höher (von 752 bis 778) ; seine Breite 
aber, wohl gleichfalls bei der kleinschädeligen I. Gruppe (626) am geringsten, hat schon an den mittelgros- 
sen Schädeln (666) ihre grösste Zahl erreicht, um bei den grösseren Gruppen wieder schmäler (659) zu wer- 
den , so dass dieselbe von der Mittelgrösse an wieder kleiner wird , ohne jedoch auf einen so niedrigen 



120 Dr. A. Weishach. 

Wertb wie bei den kleinsten herabzusinken. Der Stimhöckerabstand vergrössert sieb nnant erbrochen (327 
bis 357). 

Die zwei Bogenlinien nehmen wohl auch an Länge zu , der horizontale Stirnbogen aber von der Mittel- 
grösse (169 mm.) an wieder ab bis zu den grössten Schädeln (166 mm.) y wo er immer noch länger als bei 
den kleinsten (161 mm.) gefunden wird, — ihre Verhältnisse zu den Sehnen jedoch ändern sich derart, dass 
man im Allgemeinen sagen kann , die Wölbungen des Vorderhauptes werden mit Zunahme der Grösse des 
Schädels immer flacher , wiewohl dies nur in der horizontalen Sichtung gleichmässig , in der sagittalen aber 
insoferne unterbrochen stattfindet, als die zwei mittleren Gruppen eine flachere sagittale Stirnwölbung zeigen 
als die extremen. 

Das Vorderhaupt wird demnach mit wachsender Grösse des Schädels länger, breiter und höher (von 
der Mittelgrösse an aber wieder schmäler) , seine Stimhöcker rücken weiter nach aussen und seine Wölbun- 
gen flachen sich ab. 

2. Mittelhanpt 

Die Länge desselben, welche jener des Vorderhauptes gleich (110 mm.) ^ aber noch mehr veränder- 
lich (98—124 mm., 23*63 Proc.) als diese ist, übertrifft mit Ausnahme der Deutschen, Buthenen (111 mm.), 
Polen und Slovaken (112 mm.) die aller anderen österreichischen Völker, und hat mit den Deutschen, Slo- 
vaken und Kroaten das Gemeinsame, dass sie der Vorderhauptslänge gleicht; dagegen gehört der sagit- 
tale Scheitelbogen, dessen durchschnittliche Länge 124 mm. beträgt, zu den kürzesten in unserer Völ- 
kerreihe, unter dessen Länge nur noch die Kroaten (123 mm.), Czechen (122 mm.) und Zigeuner (117 nmi.) 
fallen. Wie bei den meisten ist er kürzer als der sagittale Stirnbogen und hat eine Krümmung (=r 1 : 1 • 127), 
welche viel flacher als jene des Stirnbeines, zugleich aber auch eine sehr flache unter unseren Völkern ist, die 
nur bei deikKroaten (1-118), Slovaken (1-116) und Zigeunern (1-114) geringer, bei allen übrigen, beson- 
ders bei den Italienern, Slowenen und Magyaren (1 - 146) viel stärker erscheint. Mit dieser flachen sagittalen 
Scheitelwölbung , entgegengesetzt der sehr starken sagittalen Stirnkrümmung , nähern sie sich den brachy- 
cephalen Czechen (1 • 129) und Polen (1 • 183) am meisten. 

Die Ohrenbreite beträgt 135 mm., gleicht fast der Schädelhöhe, ferner demselben Maasse der Deut- 
schen, Polen und Magyaren, ist nur kleiner als bei den Czechen (137 mm.), Kroaten und Slovaken (136 mm.), 
grösser als bei den übrigen Stämmen, und nach dem Verhältnisse zur Breite (931 : 1000, wie bei Magyaren 
und Kroaten) und zur Länge des Schädels (771 : 1000, bei den Deutschen blos 750) eine der grössten unter 
allen, was mit der grossen Breite der Schädelbasis, mit der nach abwärts sehr wenig verschmächtigten Gestalt 
des Schädels genau zusammenhängt. An individueller Veränderlichkeit (von 126 bis 145 mm., 14-07 Proc.) 
ähnelt sie der Schädel- und Vorderhaupthöhe, übertrifft jedoch die Breite. 

Das Scheitelbein hat in seiner Mitte eine Breite von 103 mm., wie bei Italienern und Slowenen, ist 
daher schmal, wiewohl dessen Breite an den einzelnen Schädeln von 93—113 mm. (19-41 Proc.) schwankt; 
sie steht zur Länge des Schädels im Verhältnisse von 588 : 1000 (zur Breite 710 : 1000) und daher an rela- 
tiver Grösse über den Deutschen (577). Nehmen wir dazu den queren Scheitelbeinbogen in Betracht, 
welcher (117 mm.) jenem der Italiener und Magyaren gleicht , länger als bei den Slowenen und Zigeunern 
(116 mm.), kürzer als bei allen anderen Slaven ist, so finden wir, dass die Scheitelbeine, wie in sagittaler, 
auch in querer Richtung eine sehr flache Wölbung (1 - 135) besitzen und hierin den Italienern (1 - 134) und 
Slowenen (1 - 132) am ehesten gleichen , während die übrigen Slaven, die Deutschen und Magyaren , beson- 
ders aber die langköpfigen Zigeuner (1-178) sich durch viel stärker gekrümmte Seitenwandbeine vor ihnen 
auszeichnen. 

Der gegenseitige Abstand der Scheitelhöcker, die Scheitelbreite, schwankt an den einzelnen Schä- 
deln zwischen den sehr weiten Grenzen von 113 mm. beim schmälsten bis 141 mm. (um 21-53 Proc), er- 
reicht im Mittel blos 130 mm. und verhält sich zur Schädellänge = 742 : 1000, ist also vrie die anderen 
Breitenmaasse relativ grösser als bei den Deutschen (727) und den Grossrussen (129 mm., 732 : 1000) ; 



Die Schädelform der Eumänen. 121 

dagegen bleibt er in jeder Hinsiebt kleiner als beim männlicben Disentissehädel (139 mm. und 808). Unter 
unseren Völkern ist er blos bei den Magyaren eben so gross, bei den Zigeunern (122 mm.) kleiner, bei allen 
übrigen aber, yorzttglich bei den Nordslaven grösser. 

Der zu dieser Sehne genommene quere Scbeitelbogen misst 158 mm., ist gleiehfalls einer 
der kleineren und nach dem Verhältnisse von 1 : 1-215, d. h. wohl flacher gekrümmt, als bei den 
Norditalienern (1-224) und Polen (1-218), die den Rumänen am nächsten stehen, wogegen er aber 
alle übrigen, besonders die Südslaven (1-188 Kroaten und 1-199 Slowenen) an Stärke der Wölbung 
übertrifft. 

Die Höhe der Scheitelhöcker (107 mm.) ist eben so wie der vorhergehende Abstand sehr ansehn- 
lichen Schwankungen (95 — 121 mm., 24-29 Proc.) unterworfen und mit jener der Czechen (107 mm.) und 
Suthenen (109 mm.) die grösste in der Reihe unserer Völkerstämme ; blos im Verhältnisse zur Höhe des 
Schädels (786 : 1000) haben die Rumänen tiefer unten gelegene Scheitelhöcker als die Czechen (810), höher 
liegende als alle anderen , besonders die Italiener (770) ; verhältnissmässig zur Länge des Schädels 
(611 : 1000) stehen ihre Scheitelhöcker viel höher oben als bei den Deutschen (577). Die Schädel der Gross- 
russen haben absolut (106 mm.) und relativ (zur Höhe = 779, zur Länge =» 602 : 1000) niedriger gelagerte 
Scheitelhöcker. 

Die Länge des Scheitels (110 mm.) ist gerade so gross wie die des Mittel- und Vorderhauptes, 
allein viel veränderlicher (97 — 128 mm., 28-18 Proc.) als beide und im Vergleiche zu unseren Völkern nach 
jener der Kroaten (108 mm.) die absolut kleinste , welche aber relativ zur Länge des Schädels (628 : 1000) 
doch noch etwas grösser als bei den Kroaten (613) und Slovaken (627) erscheint; die Italiener (640) und 
Ruthenen (645) haben einen verhältnissmässig viel längeren Scheitel. Der Bogen zu dieser Sehne umfasst 
blos 115 mm., ist wie diese neben den Kroaten (114 mm.) der kürzeste und nach dem Verhältnisse von 
1:1: 045 gekrümmt, demnach die seitliche Wölbung des Scheitels bei den Rumänen unter allen unseren Völ- 
kerschaften die geringste; die Magyaren (1-047) und Czechen (1-046) stehen ihnen zunächst und gegen- 
theilig die Italiener und Kroaten (1*055) am fernsten. 

Das zwischen den Stirn- und Scheitelhöckem gemessene Scheitelviereck hat einen Umfang von 
411 mm., ist dem zufolge kleiner als bei den Ruthenen (422 mm.), Polen (421 mm.), Slowenen (418 mm.), 
Czechen (417 mm.), Slovaken (414 mm.), Norditalienem (413 mm.) und Magyaren (412 mm.), welchen letz- 
teren, so wie den Kroaten und Deutschen (410 mm.) es am meisten gleicht, aber insoferne von allen diesen 
verschieden, als es nachTorne, gegen die Stime hin, wie das Verhältniss des gegenseitigen Abstandes der 
Scheitel- zu jenem der Stimhöcker (1000 : 469) darthut, am wenigsten unter allen verschmälert ist. Die 
berechneten Winkel an den Stirn- und Scheitelhöckem, von welchen die ersteren je 113*", die letzteren je 
öö"* betragen, sind sehr verschieden von jenen des deutschen Männer- (106 "* und 73"*) und Weiberschädels 
(HO** und 69°) u. z. die Stirnwinkel viel grösser, dagegen die Scheitelwinkel kleiner als bei den genannten. 
Bei den Italienern zeigt das Scheitelviereck gegen die Stime hin (1000: 442) eine viel stärkere Verschmäch- 
tigung ; nur die Ruthenen (465) nähern sich hierin den Rumänen an. 

Bei den Grossrussen ist die Entfernung zwischen Stim- und Scheitelhöcker (117 mm.) absolut und auch 
relativ zur Schädellänge (1000:664) beträchtlich grösser, ihr Scheitelviereck im Ganzen umfangreicher 
(423 mm.) und länger, aber auch zwischen den Scheitelhöckem (129 mm.) etwas enger und nach vorne hin 
(1000.: 465) etwas mehr verschmälert zulaufend als bei den Rumänen, dagegen dem der Ruthenen in dieser 
Beziehung ganz gleich gestaltet. 

Die Länge der Scheiteldiagonale beträgt durchschnittlich 143 mm. und schwankt an den einzelnen 
Schädeln (132 bis 159 mm., 18-88 Proc.) nicht so sehr wie die eben besprochenen Linien, obwohl mehr als 
die Länge, Breite und Höhe; der Schädelbreite steht sie blos um 2 mm. nach und zur Länge im Verhältnisse 
von 817 : 1000; sie hat dieselbe absolute Grösse wie bei den Zigeunern, Magyaren, Italienern und Czechen. 
Die Diagonal Wölbung des Schädels gibt uns das Verhältniss dieser Sehne zum diagonalen Scheitel- 
bogen, welcher mit 166 mm. in unserer Völkerreihe blos eine mittlere Grösse erreicht, die von den Italie« 

D«iik«chrlften dar mftthem.-natorw. Gl. ZXX. Bd. Abhandl. von Niehtmltf liedern. n 



l22 -ö^- -4- Weishach. 

nern (169 mm.), Polen (168 mm.), Ruthenen (172 mm.) und Slowenen (171 mm.) tibertroffen wird, und dem- 
gemäss nur eine mittelstarke Krümmung (1 : 1-160) besitzt. Bei den Italienern (1-178), Ruthenen (1-179), 
Polen (M69) und Slowenen (1-171) ist der Scheitel in diagonaler Richtung stärker, bei den übrigen Völker- 
iBchaften flacher gewölbt , von welchen die Kroaten (1 • 156) die den Rumänen ähnlichste diagonale Scheitel- 
Wölbung besitzen. 

Die Keil Schläfen fläche hat die unbeträchtliche Länge Yon 87 mm., welche jener der Italiener und 
Kroaten gleicht, kleiner als bei den Magyaren (89 mm.), Ruthenen (88 mm.), Czechen (90 mm.), Slowenen 
und Deutschen (88 mm.) ist und rücksichtlich der geringen Länge des Schädels (497 : 1000) ebenfalls so 
gross wie bei den Italienern , kleiner als bei den aufgezählten Völkern , ausser den Deutschen (491) 
erscheint. Es hat im Allgemeinen den Anschein, dass die Keilschläfenfläche relativ um so länger wird, je 
kürzer der Schädel , obwohl dies nicht bei allen unseren Völkern zutrifil. Ihre individuelle Veränderlichkeit, 
sie misst an den einzelnen Schädeln zwischen 81 und 97 mm. (18-38 Proc), ist jener der Vorderhauptslänge 
und Scheiteldiagonale fast ganz gleich. 

Trotz der ansehnlichen Höhe des Schädels ist die Schläfen schuppe doch blos 44 mm. hoch, aber 
ungemein veränderlich an den einzelnen Schädeln (von 38 — 52 mm., 31-81 Proc); die Magyaren, Italiener 
(46 mm.), Polen (45 mm.) und Ruthenen (47 mm.) haben höhere, alle übrigen Völker mit den Rumänen gleich 
hohe und nur die Zigeuner (42 mm.) niedrigere Schläfenschuppen. Nach dem Verhältnisse zur Höhe des 
Schädels (323 : 1000) ist sie sogar niedriger als bei den Deutschen (330). 

Die seitliche Wand des Schädeldaches misst der Länge nach 99 mm. und ändert sich an den 
einzelnen Schädeln (91 — 107 mm., 16-16 Proc.) weniger als alle Durchmesser des Mittelhauptes, die Ohren- 
breite ausgenommen. Sie verhält sich zur Schädellänge » 565 : 1000, hat also dieselbe Länge wie bei den 
Südslaven, blos eine geringere als bei den Magyaren (100 mm.), Ruthenen (101 mm.) und Czechen (100 mm.), 
eine grössere als bei den übrigen Völkern. Der Bogen dazu umfasst 105 mm.; die aus beiden Linien berech- 
nete horizontale Schläfenwölbung (1 : 1-060) zeigt sich viel flacher als alle bis jetzt besprochenen Krüm- 
mungen , ausser der seitlichen Scheitelwölbung , und muss auch unter diesen Völkern , indem sie nur jene 
der Ruthenen (1-059), die ihnen mit den etwas stärker gewölbte Schläfen aufweisenden Kroaten (1-061), 
Polen (1-061) und Norditalienern (1-062) am nächsten stehen, und die der Deutschen (1-056) an Stärke 
übertrifft, zu den flachen gezählt werden; besonders weit entfernen sich hierin die Magyaren, Zigeuner 
(1-070) und Slowenen (1-072) von den Rumänen. 

Das Mittelhaupt der Rumänen, das durch seine grosse Breite an der Brachycephalie 
des ganzen Schädels betheiligt ist, hat dieselbe Länge wie das Vorderhaupt, eine an- 
sehnliche Breite oberhalb der Warzenfortsätze, sodass esvonoben nach unten, imEin- 
klange mit der ganzen Schädelgestalt, nur eine relativ geringe Breitenabnahme zeigt, 
eben sowie es auch gegen das Vorderhaupt hin nur wenig sich verschmälert. Trotz der so 
brachycephalen Schädelgestalt sind die Scheitelbeine nur relativ breit, in querer, noch mehr in 
sagittaler Richtung sehr flach, viel flacher als das Vorderhaupt, gekrümmt. Seine 
Scheitelhöcker liegen hoch oben, weit auseinander, und ist der ganze Scheitel, welcher 
eine geringe Ausdehnung und ebenfalls eine nach vorne weniger verjüngt zulaufende 
Form besitzt, in querer und sehräger Richtung stark, seitlich aber blos sehr flach ge- 
wölbt. Die Längenausdehnung der Keilschläfenfläche ist von mittlerer Grösse^ die 
Schläfenschuppe sehr niedrig, die seitliche Wand des Schädeldaches lang, jedoeh blos 
flach gewölbt. 

Rücksichtlich der Veränderlichkeit der einzelnen Dimensionen, welche im Ganzen genommen viel gerin- 
ger als bei den den ganzen Schädel betreffenden Maassen , aber auch noch kleiner als am Vorderhaupte ist, 
lässt sich im Allgemeinen sagen, dass die Höhendimensionen, so wie am Schädel als Ganzes und im Gregen- 
satze zum Vorderhaupte den meisten, die Längenmaasse geringeren, und endlich die Breitendimensionen den 
geringsten individuellen Schwankungen anterliegen, dass also das Mittelhaupt weder mit dem Vorderhaupte, 



Die Schädelform der Humanen. 



123 



zn welchem es in dieser Beziehung in fast vollem Gegensatze sich befindet, noch auch mit dem Schädel als 
Ganzes übereinstimmt. 



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II. 


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158 


1-215 


469 


107 


786 


III. 


109 


120 


1-100 


137 


105 


118 


1-123 


134 


161 


1-201 


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109 


789 


■V. 


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1-135 


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II. 


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619 


505 


IV. 


113 


87 


630 


784 


613 


755 


642 


494 



In Bezug auf die von der Grösse des Schädels abhängigen Veränderungen der einzelnen Maasse des 
Mittelhauptes lässt vorstehende Zusammenstellung eine im Allgemeinen mit jener wachsende Länge aller 
Linien erkennen , welche Zunahme wohl nicht gleichmässig und auch nicht mit derselben Stärke überall ein- 
tritt, indem sie bei der Scheitclbeinbreite (8 Proc.) und nach dieser bei der Höhe der Scheitelhöcker 
(7-76 Proc.) am grössten, beim Scheitelhöckerabstande (4-72 Proc.) und der Ohrenbreite (4-54 Proc), noch 
mehr bei der Scheitellänge (3-66 Proc.) und Keilschläfenfläche (2-35 Proc.) geringer und endlich bei der 
Länge des Mittelhauptes (0*9 Proc.) am geringsten ist; die Zunahme schwankt also in weiteren Grenzen 
(0-9 — 8 Proc.) als beim Vorderhaupte (4 — 10 Proc). Vermöge dieses ungleichmässigen Wachsthumes 
ändern sich die einzelnen Dimensionen im Verhältnisse zur Länge des Schädels derart, dass das Mittelhaupt 
von den mittelgrossen Schädeln an, wo es seine grösste Länge (637) erreicht hat, kürzer als bei den klein- 
sten (632) wird ; dass es oberhalb der Warzentheile , entsprechend der zunehmenden Breite der Schädel- 
basis, sich verbreitert (von 758 — 784) und eben so die Breite der Seitenwandbeine u. z. beständig von den 
kleinsten (574) bis zu den grössten Schädeln (613) zunimmt; dass femer die Scheitelhöcker, wiewohl nicht 
ununterbrochen, weiter auseinander, von den Stimhöckern weg und zugleich höher nach oben rücken, und 
dass endlich die Keilschläfenfläche von den mittelgrossen Schädeln an , wo sie die grösste Längenausdeh- 
nung (511) besitzt, wieder kürzer wird, bei den grössten (494) aber immer noch länger bleibt, als bei den 
kleinsten Schädeln (488). 

Das Seh eitel Viereck wird dem zu Folge in seiner Gestalt insoferne beeinflusst, als es relativ länger, breiter, 
nach vorne hin weniger verschmälert und im Ganzen grösser wird (402 mm. L, 411 mm. II., 414 mm. III. 
und 422 mm. IV.). 



124 -Dr. A. Weisback 

So wie die VerhältniBse zur Länge ändern eich aber auch die Erümmnngen der einzelnen Knochen- 
abtheilnngen : die sagittale Scheitelwölbung nimmt nämlich y mit alleiniger Unterbrechung an den Übermittel- 
grossen Schädeln (1 • 100), wo sie ungewöhnlich flach erscheint, an Stärke immer zu , während die Scheitel- 
beine in querer Richtung (1-140 L, 1-123 III.), jedoch nicht regelmässig abnehmend, im Allgemeinen sich 
verflachen ; ihnen ähnlich , nur in steigender Stärke , wird auch die quere Scheitelwölbung zwischen den 
Scheitelhöckern immer flacher. 

Das Mittelhaupt wird also bei zunehmender Grösse des Schädels im Gegensatze zum Vorderhaupte kür- 
zer, nach unten zu breiter, seine Scheitelhöcker rücken weiter auseinander, mehr in die Höhe, und entfer- 
nen sich mehr von den Stirnhöckern, so dass der ganze Scheitel grösser, breiter und nach vorne hin weniger 
verschmälert wird, ausserdem aber noch in sagittaler Richtung eine stärkere , in querer eine flachere Wöl- 
bung, so wie die sich verbreiternden Scheitelbeine erhält. Die Ansatzfläche des Schläfemuskels wird von der 
Mittelgrösse an kürzer. 

3. Hinterhaupt. 

Die Hinterhauptsschuppe hat eine Länge von 94 mm., schwankt an den einzelnen Schädeln (von 86 
bis 109 mm., 24-46 Proc.) noch etwas mehr als jene des Mittelhauptes, hinter welcher sie weit zurückbleibt, 
und verhält sich zur Länge des Schädels = 537 : 1000. Jener der Italiener, Slovaken, Kroaten und Zigeu- 
ner ist sie gleich, jener der Magyaren, Deutschen, Czechen (93 mm.) und besonders der Slowenen (90 mm.) 
überlegen und nur kleiner als bei den Polen (95 mm.) und Ruthenen (97 mm.) ; auch nach obigem Verhält- 
nisse ist sie viel grösser als z. B. bei den Deutschen (522). Der dieser Sehne entsprechende sagittale 
Hinterhauptsbogen (111 mm.) ist in der ganzen Reihe unserer Völker nach den Slowenen (108) der 
kürzeste ; seine Krümmung ist nach dem Verhältnisse von 1:1* 180 gebildet, das Hinterhaupt der Rumänen 
hat daher in sagittaler Richtung eine auflallend flache, viel flachere Wölbung als alle österreichischen Völ- 
ker, mit einziger Ausnahme der Ruthenen (1-175); von den anderen nähern sich ihnen die Polen (1-189) 
und Norditaliener (1-191) am meisten an, wogegen sich die Magyaren (1-204), so wie auch die Südslaven 
(Kroaten 1-212, Slowenen 1-200) mehr oder minder weit von ihnen entfernen. 

Die Länge des Interparietaltheiles der Hinterhauptsschuppe beträgt durchschnittlich 59 mm., 
womit sie den Slowenen (57 mm.) zunächst die geringste unter diesen Völkern ist, und auch relativ zur 
SchädelläDge (337 : 1000) ansehnlich kleiner als bei den Deutschen (350) erscheint. Der Kleinhirn theil der- 
selben, das Eeceptaculum cerebelli, gehört mit zu den längsten, indem seine, gerade die Hälfte der 
Schuppe darstellende Länge (47 mm.) nur von den Zigeunern (51 mm.) übertroflfen, freilich auch von den 
Deutschen, Magyaren, Czechen und Slowenen erreicht wird; jenes der Italiener (46 mm.) ist etwas kürzer; 
die Schädellänge steht zu ihm im Verhältnisse von 1000 : 268. Die Längen beider KnochenstUcke sind sehr 
beträchtlichen Schwankungen unterworfen, so jene des Interparietaltheiles von 52—74 mm. (37-28 Proc), 
des Eeceptaculum von 36 — 58 mm. (46 - 80 Proc.) , wie sie ähnlich nur noch bezüglich des Schädelgewichtes 
und Stirnhöckerabstandes zur Beobachtung kommen. 

Die Breite des Hinterhauptes (110 mm.) beträgt so viel wie die Länge des Vorder-Mittelhauptes 
und des Scheitels, welchen sie jedoch an individueller Veränderlichkeit (103 — 121 mm., 16-36 Proc), so 
wie auch den vorangehenden Hinterhauptsmaassen ansehnlich nachsteht. Bios die Slowenen , Italiener 
(109 mm.) und Zigeuner (100 mm.) haben ein absolut schmäleres , die Ruthenen ein gleich breites , alle 
anderen österreichischen Stämme aber ein breiteres Hinterhaupt. Im Verhältnisse zur grössten Breite 
(758 : 1000 , zur Länge = 628 : 1000) erscheint das Hinterhaupt der Rumänen sehr breit , breiter als bei 
allen Slaven, ausser den Kroaten (760), Polen (761) und den Italienern (756), welchen es übrigens gleich- 
wie den Magyaren (758) am nächsten steht. 

Der quere Hinterhauptsbogen, 132 mm. im Mittel, an den einzelnen Schädeln 117 — 142 mm. 
lang, ist mit dem gleich kurzen der Magyaren , Italiener und Ruthenen der kürzeste und, nach dem Verhält- 
nisse von 1 : 1-200, nicht viel stärker, als der sagittale gekrümmt. Von den genannten Völkern haben nur 



Die Schädelform der Rumänen. 126 

die Magyaren und Rnthenen und zunächst noch die Kroaten (1 * 201) ein in querer Richtung eben so flaches, 
alle anderen, besonders die Italiener (1-215), Slowenen (1-217), Polen (1-219) und Deutschen (1-238) 
ein viel gewölbteres Hinterhaupt. 

Die an den einzelnen Schädeln nur etwas weniger als die Hinterhauptslänge veränderliche Hinter- 
hauptshöhe (100 bis 125 mm., 22-32 Proc.) erreicht mit 112 mm. eine Grösse, welche, jener der Italic- 
ner gleich, von den meisten Völkerschaften Österreichs, die Südslaven (Kroaten 111, Slowenen 108 mm.) 
ausgenommen, übertroiBfen wird, jedoch im Verhältnisse zur Schädellänge (1000 : 640) viel bedeutender als 
bei den Deutschen (622), genau so gross wie bei den Norditalienern erscheint. 

Die Hinterhauptsdiagonale (140 mm.) zeigt sich um 3 mm. kürzer als die Scheiteldiagonale und 
steht an «Länge in der Mitte zwischen der Höhe und Breite des Schädels, zu dessen Länge im Verhältnisse 
von 800:1000, wornach sie grösser als bei den Deutschen (783) ist; ihre individuelle Veränderlichkeit 
(130—151 nm., 15 Proc.) ist unter den Hinterhauptsmaassen die geringste, allein grösser als jene der drei 
Hauptdimensionen des Schädels. Wird der zugehörige schräge Hinterhauptsbogen, dessen Länge 
von 179 mm. jener der Italiener und Ruthenen gleicht, im Ganzen aber eine geringe ist, bezüglich seines 
Krümmungsverhältnisses (1 : 1*278) untersucht, so ergibt sich für das rumänische Hinterhaupt auch in dia- 
gonaler Richtung, wie in den beiden anderen, eine sehr flache Wölbung, welcher jene der Magyaren (1-279) 
und Kroaten (1-275) am nächsten stehen und alle Stämme, ausser den Ruthenen (1-269) und Slowenen 
(1-260) vorausgehen; das Hinterhaupt der Norditaliener (1-296) besitzt eine viel stärkere Diagonalkrüm- 
mung. 

Der gegenseitige Abstand der Spitzen der Warzenfortsätze (105 mm.) gehört zu den grössten in 
unserer Völkerreihe, ist nur kleiner als bei den Slowenen (107 mm.), grösser als bei den Italienern 
(103 mm.), Deutschen, Kroaten (104 mm.) und Slovaken (102 mm.); die Magyaren, Polen, Ruthenen und 
Czechen stimmen hierin mit den Rumänen überein. Die Länge und Breite des Schädels verhalten sich zu 
ihm = 1000 : 600 : 723; die Grossrussen, bei welchen Landzert diese Linie 106 mm. lang findet, haben 
nach denselben Verhältnissen (1000 : 602 : 736), noch mehr die Epiroten (112 mm. = 1000 : 654 : 746) viel 
weiter auseinander liegende Warzenfortsätze. Bei den Deutschösterreichern ist dieser Abstand relativ viel 
kleiner (1000: 577 : 712). Seine Schwankungen an den einzelnen Schädeln (98 — 115 mm., 16-19 Proc.) 
dehnen sich etwas weiter aus, als jene der Diagonale, der Hinterhanptsbreite fast vollständig sich annä- 
hernd. 

Das Hinterhauptsviereck, zwischen den Scheitelhöckem und Warzenspitzen, hat im Ganzen einen 
Umfang (449 mm.), welcher grösser als der des Scheitelviereckes (411 mm.), jenem der Slovaken und Kroa- 
ten (448 mm.) am ähnlichsten und grösser als bei diesen, den Magyaren, Slowenen (447 mm.), Deutschen 
(443 mm.) und Norditalienern (442 mm.) ist. Nach dem Verhältnisse seiner Scheitel- (Scheitelhöckerabstand) 
zur Basisseite (Warzenabstand = 1000 : 807) zeigt es dieselbe geringe Verschmälerung nach abwärts wie 
am Magyarenschädel und damit eine geringere als bei allen, ausser den Slowenen (810), in welcher Bezie- 
hung es mit dem Scheitelvierecke nahezu übereinstimmt. Seine Winkel an den Scheitelhöckern lassen sich 
auf 83"*, die an den Warzenspitzen auf 96"* berechnen, wovon erstere grösser, letztere kleiner als bei den 
Deutschen (82** und 97**) sind. 

Die Rumänen besitzen daher ein hohes, breites Hinterhaupt, welches durch seine 
flache Wölbung in jeder Richtung ausgezeichnet ist, ein kurzes Interparietalbein und 
langes Beceptaculum hat, und dessen Warzen weit auseinander stehen. 

Die individuelle Veränderlichkeit der einzelnen Maasse ist eine sehr bedeutende, grösser als am Vor- 
der- und besonders dem Mittelhaupte ; die grösste zeigt das lieceptaculum und Interparietalbein, eine gerin- 
gere die Länge und Höhe , welchen die Hinterhauptsbreite , der Warzenabstand und mit der geringsten die 
Diagonale folgt , so dass am Hinterhaupte im Allgemeinen die Längenmaasse am meisten , die Breiten am 
wenigsten variiren, was weder mit dem ganzen Schädel, noch auch mit dem Vorder- und Mittelhaupte über- 
einstimmt. 



126 



Dr. A. Weisbach. 



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132 


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113 


107 


545 


352 


267 


636 


642 


607 


IV. 


97 


113 


1164 


61 


47 


113 


136 


1-203 


114 


107 


551 


346 


267 


642 


647 


6or 





































Die Grösse des Schädels bleibt auch nicht ohne Einflnss anf s Hinterhaupt, wie diese Tabelle wahrneh- 
men lässt. Obwohl mit Ausnahme der Länge des Receptaculum alle ttbrigen Maasse sich verlängern, ändern 
sich doch deren Verhältnisse derart , dass das Hinterhaupt von den kleinsten (528) bis zu den grössten 
Schädeln (551) relativ länger, eben so constant steigend breiter (626 bis 642) und höher (626 bis 647) wird, 
wobei nur noch zu bemerken ist ein vortretendes Überwiegen der Höhe über die Breite, indem beide an den 
kleinsten Schädeln die gleiche Grösse besitzen , nachher aber zu Gunsten der ersteren auseinander gehen. 
Ausser diesem stellt sich im Gegensatze zum Mittel- in Übereinstimmung mit dem Yorderhaupte ein, wenn- 
gleich nicht constant zunehmendes Flacherwerden der Wölbung in sagittaler Richtung ein (1-206 — 1-164), 
während die Wölbung in querer Richtung von den kleinsten (1-220) bis zu den Übermittelgrossen (1-178) 
beständig flacher, bei den grössten Schädeln (1-203) aber wieder stärker wird, jedoch immerhin noch fla- 
cher bleibt als bei den kleinsten; in allen Gruppen ist die quere der sagittalen Hinterhauptswölbung an 
Stärke überlegen, der Unterschied zwischen beiden in der in. Gruppe am geringsten, in der lY. Gruppe am 
bedeutendsten. 

Während das Interparietalbein im Allgemeinen relativ länger wird, obgleich es schon in der IIL Gruppe 
(352) seine grösste Länge erreicht hat , verkürzt sich dagegen das Receptaculum von den mittelgrossen 
Schädeln (275) an, wo es am längsten (275), das Interparietalbein (333) dagegen am kürzesten ist, bis zu 
den nächsten Gruppen (267). Die Warzenfortsätze rücken gleichzeitig, übereinstimmend mit der Yerbreite- 
rung der Schädelbasis, mehr auseinander (591—607). Die kleinsten Schädel haben demnach das kürzeste, 
schmälste , niedrigste und stärkstgewölbte Hinterhaupt , wogegen die grössten das längste , breiteste und 
höchste Hinterhaupt mit flachen Krümmungen , dem kürzesten Receptaculum und dem weitesten Warzen- 
abstande besitzen. 

Der Zuwachs, welchen die einzelnen Maasse erfahren, ist im Ganzen (2-12— 5*43 Proc.) geringer als beim 
Yorder- und Mittelhaupte, an der Länge (5*43 Proc.) am grössten, etwas kleiner an der Höhe (4-58 Proc), 
dem Warzenabstande (3*88 Proc), der Breite (3*66 Proc.) und dem Interparietalbeine (3-38 Proc), und am 
geringsten am Receptaculum (2-12 Proc). 

Das Hinterhaupt wird daher mit wachsender Grösse des Schädels länger, breiter, höher, flacher ge- 
krümmt, das Interparietalbein länger, dagegen diS^B Receptaculum kürzer und der Warzenabstand vergrös- 
sert, stimmt demnach in den ersteren Beziehungen mit dem Yorderhaupte vollkommen überein. 

4. Schädelbasis. 



Bei den Rumänen erreicht die Schädelbasis wie bei den Polen und Grossrnssen eine Länge von 
100 mm., welche nur kleiner als bei den Ruthenen (102 mm.), Magyaren und Kroaten (101 mm.), grösser 
als bei allen anderen Yölkem Österreichs ist; nach dem Yerhältnisse zur Schädelläiige (571 : 1000) hat der 
Rumänenschädel eine lange Basis , der die Magyaren (570) und Kroaten (573) am nächsten , die Ruthenen 



Die Schädelform der Humanen. 127 

(579) entfernter, die Zigenner (544) nnd Deutschen (547) am fernsten stehen. Die Basis des norditalieni- 
schen Schädels (98 mm. nnd 560) ist absolut nnd relativ bedeutend ktlrzer, gehört zu den kürzesten in un- 
serer Völkerreihe und auch die der Grossrussen (568) ist relativ kurzer als jene der Rumänen. An den ein- 
zelnen Schädeln besitzt sie eine im Vergleiche zu den übrigen Maassen geringere Veränderlichkeit (90 bis 
107 mm., 17 Proc), die jener der Basisbreite (16-53 Proc.) sehr nahe kommt. 

Die Länge des Grundstückes der Schädelbasis beträgt innerhalb der Schwankungsgrenzen von 
25 und 33 mm. (28-53 Proc), wie bei der Mehrzahl unserer Völker 28 mm., erscheint aber im Verhältnisse 
zur Länge der Schädelbasis (280 : 1000) als die geringste nach den Czechen (274) , so dass also bei den 
Bumänen ein relativ kleinerer Theil der Schädelbasis frei liegt, ein grösserer als Gesichtsbasis (in der Län- 
genrichtung) dient, das Gesicht daher eine grössere Tiefe als bei den meisten obigen Völkern besitzt. Die 
Norditaliener haben ein relativ etwas längeres Grundstück (285) und somit eine kürzere Gesichtsbasis als die 
Bumänen. 

Das in seiner Länge an den einzelnen Schädeln sehr veränderliche (32 — 41 mm., 25 Proc.) grosse 
Hinterhauptsloch ist durchschnittlich 36 mm. lang, blos kürzer als bei den Magyaren und Buthenen 
(37 mm.); seine noch mehr variable (27 — 36 mm., 29-03 Proc.) Breite, welche im Mittel 31 mm., nur 
5 mm. weniger als die vorige beträgt, ist mit jener der Magyaren und Kroaten die grösste unter allen, und 
verhält sich zur Länge = 861 : 1000 , die Länge des Schädels zur Länge und Breite des Hinterhauptsloches 
= 1000: 205: 177. Die Bumänen haben daher ein sehr grosses und entsprechend ihrer brachycephalen 
Schädelform auch ein sehr breites Hinterhauptsloch, in welch' letzterer Beziehung (auf seinen Index) es nur 
dem der Kroaten (911) nachsteht, jedoch breiter, rundlicher als bei allen anderen österreichischen Völkern 
ist. Bei den Italienern hat mit derselben Länge eine geringere absolute (30 mm.) nnd relative Breite 
(833 Index) ; auch das Foram, occ. magn, der Ligurer hat mit dem der Bumänen die gleiche Länge, 
allein eine etwas grössere Breite (32 mm.), wesshalb es auch nach seinem Index (888) rundlicher erscheinen 
mnss. 

Der gegenseitige Abstand der Griffelwarzenlöcher zeigt fast dieselbe Veränderlichkeit (80 bis 
95 mm., 17-44 Proc.) wie die Länge der Schädelbasis , und hat dieselbe durchschnittliche Grösse (86 mm.) 
wie bei den Magyaren , welcher nur die Buthenen und Slowenen (87 mm.) vorausgehen , während alle übri- 
gen näher beisammenliegende For. »tylomaatoidea haben. Die Breite der Schädelbasis verhält sich zu die- 
sem Abstände = 1000 : 677 , was so viel bedeutet, als dass die For. stylomaatotdea am Bumänenschädel, 
gleichwie beim Zigeuner und Magyaren , weiter auseinander gerückt sind als bei den Polen (661), Slova- 
ken (669), Czechen, Kroaten (664) und Deutschen (674), dagegen näher beisammen liegen, als bei den Ita- 
lienern (680), Buthenen (690) und Slowenen (685). 

Der Abstand der Foram. ovalia von einander (46 mm.) ist gleichfalls einer der grösseren , nur bei 
den Magyaren, Buthenen, Czechen und Slowenen (47 mm.) bedeutender, jedoch verhältnissmässig zur Breite 
der Schädelbasis (362 : 1000) einer der kleineren , indem er bei allen ausser den Italienern (360) , Kroaten 
(359) und Polen (354) relativ grösser gefunden wird; er schwankt im Einzelnen (43—54 mm., 23-90 Proc.) 
viel mehr als der vorige. 

Die breite und zugleich lange, im Ganzen relativ grosse Basis des Rumänenschädels 
hat ein sehr kurzes Grundstück, eine lange Gesichtsbasis, ein grosses, sehr breites, 
rundliches Hinterhanptsloch und Foram. stylomaatotdea nnd ovalta^ von welchen die er- 
steren weit auseinander liegen, die letzteren nahe aneinander gerückt sind. An individuel- 
ler Veränderlichkeit steht die Schädelbasis im Allgemeinen den übrigen Abtheilungen des Gehirnschädels 
nach, und sind ihre Breitenmaasse so wie am ganzen Schädel und Vorderbaupte mehr veränderlich an die 
Längen. 



128 



Dr. A. Weishach. 



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166 



178 



17p 



170 



Die DimensioDen der Schädelbasis nehmen Theil an den durch die Grösse der Schädelhöhle veranlass- 
ten Gestaltsverändernngen, indem sie alle sieh yergrössem, nur mit dem Unterschiede, dass die Breite des 
For, occ. moffn, (6*89 Proc), und nach ihr der Abstand der For. ovah'a (6-66 Proc.) die grösste, die Länge 
der Schädelbasis (5-10 Proc.) eine ebenfalls sehr beträchtliche, die Länge des For. occ. magn.y aber nur bis 
zur Mittelgrösse (2-77 Proc.) und der Abstand der For, atylomastoidea (2-32 Proc.) die geringste Zunahme 
erfahren, welche übrigens nur bei den wenigsten gleichmässig eintritt, und im Allgemeinen dem Hinterhaupte 
entsprechend sich gestaltet ; die Länge der Schädelbasis erfährt eine stärkere Vergrösserung als deren Breite 

(4 Proc). 

Nach dem gegenseitigen Verhalten und im Vergleiche zur Schädellänge wird die Schädelbasis , so wie 
breiter auch länger , indem sie an den kleinsten Schädeln zu jener sich = 536 , an den ttbermittelgrossen 
= 585 und an den grössten = 573 : 1000 verhält, daher schon jenseits der Mittelgrösse ihre grösste Länge 
erreicht hat ; das grosse Hinterhauptsloch , welches an den mittelgrossen Schädeln am grössten und breite- 
sten (sein Index =^ 837) , an den kleinsten auch am kleinsten und längsten (Index 805) ist, wird gleichfalls 
im Allgemeinen grösser , breiter und rundlicher , wiewohl dies nicht parallel mit der steigenden Brachyoe- 
phalie stattfindet; und endlich, während die For. atylomastoidea in Rücksicht auf die Breite der Schädel- 
basis bei den kleinsten Schädeln (1000: 688) am weitesten auseinander, bei den grössten (676) und Über- 
mittelgrossen (674) am nächsten aneinander liegen , also im Ganzen näher an einander rücken , fassen die 
For. ovah'a, sie fitehen an den kleinsten Schädeln (360) am engsten beisammen, an den Übermittelgrossen 
(372) am weitesten auseinander, einen immer sich vergrössernden Abstand zwischen sich. 

Mit Zunahme der Grösse des Schädels finden wir demnach eine Verlängerung der Schädelbasis, Ver- 
grösserung und Verbreiterung des Hinterhauptsloches, ein engeres Zusammenrücken der Griffelwarzenlöcher 
und ein Auseinanderweichen der For. ovah'a sich einstellen. 



n. OeslchtsschädeL 

Bei der Untersuchung des Gesichtsskeletes fallt vor Allem die geringe Höhenentwicklung desselben in 
die Augen, indem wir die Gesichtshöhe (67 mm.) so klein wie bei den Slovaken und damit am gering- 
sten unter den österreichischen Völkern finden , besonders auch im Verhältnisse zur bedeutenden Höhe des 
Hirnschädels (492 : 1000), in welcher Beziehung den Rumänen die Italiener (511), Kroaten, Magyaren (507), 
Rutbenen (503) , ganz besonders aber die Deutschen (533) und Zigeuner (546) sehr weit vorangehen. Die 
Länge des Schädels verhält sich zur Gesichtshöhe = 1000 : 382 (bei den Deutschen 394). Trotz ihrer so 
geringen mittleren Grösse zeigt die Gesichtshöhe doch sehr ansehnliche Schwankungen, fällt bei einem Schä- 
del, wo nicht etwa die Zahnfächer verschwunden sind, sogar auf 58 mm., steigt jedoch auch bis auf 77 mm., 
wiewohl die Zahl 70 nur von 13 Schädeln erreicht oder überschritten wird; ihre individuelle Veränderlichkeit 
(28*35 Proc.) ist daher sehr beträchtlich, ähnlich jener des Grundstückes und der Scheitellänge. 



Die Schädelform der ßuTnäneti. 129 

Etwas anders gestaltet sich die grösste Breite des Gesichtes ^ die Jochbreite, die im Gegensatze zur 
geringen Höhe mit ihrem Durchschnittswerthe von 133 mm. nach jener der Magyaren (134 mm.) nnd Slowe- 
nen (136 mm.) mit der gleichen der Rnthenen die grösste in dieser Reihe ist. Betrachten wir die Jochbreite 
im Vergleiche zur Schädelbreite (917 : 1000) nnd Länge (755 : 1000), so sehen wir, dass die Rumänen ein 
relativ breiteres Gesicht besitzen, als die meisten österreichischen Völkerstämme, mit Ausnahme der Zigeu- 
ner (941) , Slowenen (937) und Magyaren (924). Die Jochbreite der männlichen Disentisschädel beträgt 
131 mm. und ist auch rücksichtlich deren grosser Breite (ICOO : 885 mm.) viel geringer als bei den Rumänen. 
An individueller Variabilität — sie schwankt zwischen 125 — 145 mm. um 15-03 Proc. — steht sie der Schä- 
delhöhe am nächsten, ist jedoch den drei Hauptdnrchmessem des Schädels überlegen. 

Die Länge der Jochbeine (80 mm.), welche an den einzelnen Schädeln nur wenig mehr als die 
Jochbreite variirt (72 — 87 mm., 18-75 Proc.) gehört unter unseren Männerschädeln mit der gleichen der 
Italiener, Kroaten, und der noch geringeren der Zigeuner (77 mm.) zu den kleinsten, und ist um 7 mm. 
kürzer als die Länge der Eeilschläfenfläche ; zur Länge des Schädels verhält sie sich = 457 : 1000. 
Der Jochbeinbogen (92 mm.) ist nach dem Verhältnisse von 1 : 1-150, sehr stark gekrümmt, u. z. stär- 
ker als bei allen österreichischen Slaven (1-130 Ruthenen bis 1 -144 Slowenen), den Deutschen (1129) 
und Norditalienern (1-133), so dass nur bei den Magyaren (1-158) und Zigeunern (1-157), welchen 
die Rumänen näher als den anderen Völkern hierin stehen, noch stärker gekrümmte Jochbeine beobachtet 
werden. 

Mit ihrer oberen Gesichtsbreite (106 mm.) gleichen die Rumänen den Magyaren, Ruthenen, Slo- 
vaken und Czechen, blos bei den Slowenen (107 mm.) ist sie grösser, bei allen übrigen, besonders den Ita- 
lienern (104 mm.) kleiner. Im Vergleiche zur Jochbreite (796 : 1000) finden wir sie genau so gross wie bei 
den Ruthenen und zunächst den Kroaten, Polen und Deutschen (795), grösser als bei den Magyaren (791), 
Italienern (793) und Slowenen (786) , so dass das kurze breite Gesicht der Rumänen gegen die Stirne hin 
nur wenig verschmälert erscheint. Die obere Gesichtsbreite bleibt an den einzelnen Schädeln viel beständi- 
ger (101 — 114 mm., 12-26 Proc), als jedes der bisher besprochenen Gesichtsmaasse. 

Die Breite der Oberkiefer zeigt sich gegentheilig viel mehr schwankend (84 — 106 mm., 
23-65 Proc), erreicht wie bei den Ruthenen im Durchschnitte die ansehnliche Grösse von 93 mm. und ist 
nach dem Verhältnisse zur Jochbreite (699 : 1000), worin sie gleichfalls mit den Ruthenen übereinstimmt, nur 
geringer als bei den Kroaten (719), Zigeunern (705), Italienern (702) und Magyaren (701). Nicolucci's 
drei Epirotenschädel männlichen Geschlechtes haben viel breitere Oberkiefer (98 mm.). 

Die Kieferlänge (94 mm.) ist um 6 mm. kleiner als die Länge der Schädelbasis nnd wenig grösser 
als die Breite der Oberkiefer; sie gleicht jener der Deutschen und Zigeuner, ttbertrifit die der Norditaliener 
(92 mm.) und Slaven (93 mm.) und bleibt nur hinter jener der Magyaren (97 mm.) zurück. Wird mit Hilfe 
der drei Linien : Schädelbasis- , Kieferlänge und Gesichtshöhe ein in sagittaler Ebene liegendes Gesichts- 
dreieck gebildet, so ergibt die Berechnung für dessen Winkel am Ende der Schädelbasis 40'', an der Nasen- 
wurzel 65"* und am Zahnfache 74^. Diesen letzteren zwischen Gesichtshöhe und Kieferlänge gelegenen 
Gesichtswinkel wollen wir als Ausdruck für Oi'tho- und Prognathie gelten lassen, weil er jedenfalls durch die 
Stellung der Kiefer , freilich auch durch die Länge der das Gesichtsdreieck bildenden Linien , in seiner 
Grösse beeinflusst, bei Hervortreten der Kiefer — ceterü pan'bus — verkleinert, bei deren Zurückweichen 
vergrössert werden muss. Ob er in allen Fällen dieser Aufgabe entspricht , muss eingehende Untersuchung 
an exquisit prognathen und orthognathen Schädeln darthun ; jedenfalls scheint er als Ausdruck der Kiefer- 
stellung viel zweckentsprechender zu gelten , als der Winkel am Türkensattel , welcher beispielsweise bei 
faemicranischen Schädeln sehr klein, mitunter einem rechten gleich, bei den verschiedensten Thierschädetn 
sehr gross, an welchen ja die Schädelbasis eine fast horizontale Ebene bildet, in beiden Reihen aber immer 
mit der entschiedensten Prognathie gepaart ist. 

Nach der Grösse unseres Gesichtswinkels, welchen schon Swaving früher zur Bestimmung der Kie- 
ferstellung benützte, sind nun die Bumänen mehr orthognath als die Deutschen (73^), weniger als die Ita- 

DankBchriften der mathem.-natarv. Ol. XXX. Bd. Abhandl. Ton Nichtmitgliedem r 



130 



Dr. A. Weishach. 



liener (75'') und Czechen (ll""). Bei exquisit prognathen Völkern beträgt dieser Winkel im Mittel 70** (Am- 
boinesen) and 71^ (Javanen, Banjaresen und Chinesen). 

Mittelst einiger bisher gegebenen Maasse 
lässt sich das nebenstehende Profilsyieleck 
des Hirn- und Gesichtsschädels zusammen- 
setzen , welches für das Gesicht das eben be- 
sprochene Dreieck , für den Gehimschädel 
aber ein ungleichseitiges Sechseck darstellt. 
Dazu dienen die Längen des Vorder-, Mittel-, 
Hinterhauptes , Interparietalbeines , Becepta- 
cultem, des For. oco. magn. und der Schädel- 
basis und die Vorder- und Hinterhauptshöfae. 

NB. In der nebenstehenden, auf die halbe natür- 
liche Grösse reducirten Figur stellen die ausgezoge- 
nen Linien das Profilspolygon des Rumänen-, die 
punktirten das des Norditalienerschädels dar, welches 
der Vergleichung halber mit eingezeichnet wurde; 
hn ist die Schädelbasis; nx die Gesichtshöhe; e der 
Berührungspunkt der Kranz- und Pfeilnaht , / jener 
der Lambda- und Pfeilnaht, t die Tub^ontat oee. exuma 
und 9» der hintere Band des Fcramen oee, magnum. 




XI 



Der harte Gaumen hat eine Breite von 38 mm., wie bei den Italienern, Polen, Slovaken, Czeehen 
und Slowenen, während die Kroaten (40 mm.), Buthenen, Magyaren und Deutschen (39 mm.) einen breite- 
ren Gaumen besitzen ; im Verhältnisse zur Joohbreite (285 : 1000) ist er jedoch schmäler als bei den Italie- 
nern (290) und Deutschen (295). Seine Länge (46 mm.) ist die geiiiigste upter allen diesen Völkern und 
steht zur Länge des Schädels im Verhältnisse von 262 : 1000, zur Gatwenbrc^ite yon IQOO : 826, so dass die 
Rumänen den (fttr sich betraehtet) kürzesten und breitesten Gaumen hs^beu, worin sie den Magyaren 
(Gaumenindex 750) ganz entgegengesetzt sind. Die individuelle Veränderlichkeit beider Maasse ist eine sehr 
grosse, jene der Breite (33 — 42 mm., 23-68 Froc.) kleiner als die der Länge (40 — 56 mm., 34*78 Proc). 
Bemerkenswerther Weise stimmt der Längenbreitenlndex des Gaumenp mit jenen» des ganzen Schädels fast 
genau ttberein. 

Die Orbitalbreite misst blos 38 mm., weniger als bei den Übrigen Vfilk^n, genau so viel wie die 
Breite des Gaumens und ist auch relativ zur Joohbreite (285 : 1000) geringer als bei den Deutsehen (295) ; 
ähnlicher Weise ist auch die Orbitalhöhe (31 mm.) die. kleinste unter allen und bleibt dies auch, sowohl 
im Verhältnisse zur Gesichtshtthe (462 : 1000) als zur Orbitalbreite (815 : 1000). Die Ligurerschädel haben 
wohl etwas schmälere (37 mm;.), dafür aber viel höhere Orbitae (34 s(un.) mit eiqem grösseren Breitenhöhen- 
verhältnisse (918) als die Rumänen. 

Die dritte Dimension , die Tiefe der Augenhöhlen, hat ebenfalls eine geringe Grösse (48 mm.), 
welche, jener der Italiener und Kroaten gleichend, nur über der bei den Zigenjuem (47 mm.) beobachteten 
steht; sie verhält sich zur Länge des Schädels » 274 : 1000. Was di^ Variabilität dieser drei Orbitaldimen- 
sionen anbelangt, zeigt sich dieselbe bei der Tiefe (16*66 Proc, 44—52 mm.) am kleinsten, etwas grösser 
bei der Breite (18*42 Proc, 35 — 42 mm.), am grössten bei dem kleinsten Durchmesser, bei der Höhe 
(25*80 Proc, 29 — 37 mm.); übrigens sohwanken alle drei im Allgemeinen weniger als die Gaumenmaasse. 

An Breite der Nasenwurzel, im Mittel beträgt dieselbe ^2 nun., bei ßcbwankungen von 19 — 27 mau 
(36-36 Proc), kommen sie den Magyaren, Slovaken, Czechen und Slowenen gleich; im Bücksicht auf die 
Jochbreite (1000 : 165) haben die Rumänen eine breitere Nasenwurzel als die meisten Völker, blos die Cze- 
chen (166) und Slovaken (167) ausgenommen, ohne dass übrigens der Unterschied von diesen ein bedeuten- 
der wäre. 



Die Schädelform der Rumänen. 



131 



Mit den Magyaren haben sie die gleiche ^ in der Reihe unserer Völker nach den Zigennem (28 mm.) 
geringste Breite der Choanen (29 mm.) gemeinsam and erscheint dieselbe auch relativ lint Jochbreite 
(218 : 1000) viel kleiner als bei den Deutschen (227) und Italienern (229), wiewohl noch grösser als bei den 
Magyaren (216). Auch ihre Choänenhöhe (25 mm.), welche sie mit den Italienern theilen, gehört, def 
Gesichtsböhe entsprechend, zu den kleinsten ; blos die Sttdslaven (24 mm«) haben noch niedrigere Choanen ; 
dagegen zeigt ihr Verhältniss zur Gesichtshöhe (378 : 1000), dass die Rumänen doch, im Gegensatze zu den 
Italienern (362) und Sttdslaven (346 und 347), relativ hohe ChoaAen, blos niedrigere als die Magyaren (387) 
und Slovaken (386) , höhere als die anderen Völker besitzen, von welchen ihnen die Polen, Ruthenen und 
Czechen (371) am nächsten stehen. Die Choanenbreite verhält sich zu deren Höhe » 1000 : 862. An indivi- 
dueller Veränderlichkeit steht die Breite (27—36 mm., 27-58 Proc.) der Höhe (20—29 mm., 36 Proc.) sehr 
weit nach, und hält diese mit der Nasenwurzelbreite, jene mit der Gesichtshöhe fast gleichen Schritt; beide 
sind veränderlicher als Orbital- und Gaumenmaasse. 

Nach diesen Untersuchungen ist das Gesicht der Rumänen sehr niedrig und zwi- 
schen den auffallend stark gebogenen Jochbeinen sehr breit, nach oben hin wenig ver- 
»chmälert, vollkommen orthognath, durch kleine, mittelst einer breiten Nasenwurzel 
von einander geschiedene, niedrige und wenig tiefe Augenhöhlen, einen kurzen, sehr 
breiten Gaumen und durch kleine, schmale, nicht hohe Choanen ausgezeichnet. 

In seinen einzelnen Maasscn hat das Gesicht eine grössere Variabilität (Min. : 12 Proc, Max. : 36 Proc), 
als die Schädelbasis, mit welcher es sich so ziemlich jener des Mittelhauptes, wenigstens in den Extremen 
annähert ; seine Breiten sind im Allgemeinen weniger als Längen und Höhen veränderlich. 



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Orbita- 


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1 


Länge 
s 1000 




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• 


Breite 
= 1000 


5 
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1 


Breite 
= 1000 


• 


• 
Ig 


1 

n 


Breite 


I. 


65 


181 


104 


37 


47 


787 


88 


81 


48 


815 


29 


25 


862 


n. 


68 


133 


107 


38 


46 


826 


38 


32 


48 


842 


29 


25 


862 


in. 


67 


135 


108 


38 


45 


844 


39 


31 


48 


794 


28 


24 


857 


IV. 


70 


133 


107 


39 


45 


866 


38 


32 


48 


842 


30 


24 


800 



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I. 

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H8he 
= 1000 



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Breite 
= 1000 



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Joebbreite = 1000 



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§ 


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OesichtBbohe a 1000| 


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§ 


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Hohe 



Lange = 1000 






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6 



793 



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800 



804 



282 


290 


221 


476 


384 


270 


285 


285 


218 


470 


367 


264 


281 


288 


207 


462 


858 


255 


293 


285 


225 


457 


842 


255 



275 



275 



272 



272 



Der Einj9usS| welchen die Vergrösserung der Schädelhöhle auf die Maasse des Gesichtes ausUbt, offen- 
bart sich bei den meisten in constanter Zunahme , bei einigen aber sogar in einer Abnahme , wie bei der 
Länge des harten Gaumens und der Höhe der Choanen , während wieder andere Maasse durchaus gleich 
bleiben (Augentiefe und nahezu auch die Breite der Orbita) , was bisher an keiner Abtheilung des Schädels 



132 Dr. A. Weisbach. 

zur Beobachtung kam. Die Zunahme erscheint im Allgemeinen bei den Höhenmaassen grösser als bei den 
Breiten , ist bei der Gesichtshöhe (7-69 Proc), nach ihr bei der Gaumenbreite (5*40 Proc.) am grössten, 
kleiner bei der oberen Gesichtsbreite (3-84 Proc), Choanenbreite (3*44 Proc), Orbitalhöhe (3-22 Proc) 
und Jochbreite (3*05 Proc.) und am geringsten bei der Orbitalbreite (2 - 63 Proc.) ; die Abnahme der beiden 
angeführten Durchmesser beträgt 4 * 25 Proc. (Gaumenlänge) und 4 Proc 

Die gegenseitigen Verhältnisse erleiden nun solche Veränderungen, durch welche das Gesicht in Rück- 
sicht auf die Höhe des Himschädels im Allgemeinen höher (492 : 1000 bei den kleinsten , 503 bei den 
grössten Schädeln) , wiewohl nicht gleichmässig , indem d^e ttbermittelgrossen das niedrigste Gesicht (485) 
haben ; ferner die Jochbreite im Vergleiche zur grössten Breite des Schädels kleiner wird (935 : 1000 L, 
892 IV. Gruppe) ; und endlich die obere Gesichtsbreite im Verhältnisse zur Jochbreite von den kleinsten 
(793 : 1000) bis zu den grössten Schädeln (804), jedoch unterbrochen bei den ttbermittelgrossen (800), sich 
vergrössert. 

Der harte Gaumen wird so wie absolut, um so mehr auch relativ zur Schädellänge (270:1000 L, 255 IV.) 
kürzer , daftlr aber beständig breiter , wie sein Längenbreitenverhältniss darthut , welches bei den kleinsten 
787, bei den zwei Mittelstufen 826 und 844, bei den grössten Schädeln aber 866 beträgt, so dass die Form 
desselben mit jener des Schädels parallel zu gehen scheint. Die Augenhöhlen verlieren im Gegensatze zum 
Gaumen allraählig an Breite (relativ zur Jochbreite = 290 : 1000 I. , 285 IV.) , Höhe (zur Gesichtshöhe 
= 476 : 1000 I., 457 IV.) und Tiefe (zur Schädellänge = 275 : 1000 L, 272 IV.) , ändern sich aber in ihrer 
Gestalt in so ferne, als ihr Breitenhöhenindex im Allgemeinen ein grösserer (815 L, 842 IV.), ihre Form an 
der Gesichtsöffnung eine mehr quadratische wird, obgleich dies nicht gleichmässig stattfindet. 

Was die Choanen anbelangt, so nimmt deren Breite relativ zur Jochbreite von den kleinsten (221 : 1000) bis 
einschliesslich zu den ttbermittelgrossen (207) beständig ab, nachher aber bei den grössten Schädeln (225) wieder 
zu, während ihre Höhe im Verhältnisse zur Gesichtshöhe constantsich verringert (384 — 342:1000), so dass ihr 
Breitenhöhenindex entgegen jenem der Augenhöhlen beständig auf eine kleinere Zahl herabsinkt (862 1., 800 IV.). 

Kurz zusammengefasst wird also das Gesicht bei zunehmender Grösse des Schädels länger, schmäler, 
gegen die Stirn hin weniger verschmächtigt, der harte Gaumen kürzer und breiter, die Augenhöhlen verkleinern 
sich in allen Richtungen, werden dabei an der Gesichtsöfihung höher, die Choanen ebenfalls kleiner, nied- 
riger und schmäler. 

Unterkiefer. Zwischen den Unterkieferwinkeln hat das Gesicht der Bumänen die Breite von 
102 mm., wie bei den Kroaten, ist aber um 3 mm. breiter als bei den Italienern, schmäler als bei den Zigeu- 
nern, Ruthenen, Slovaken und Slowenen (103 mm.); verhältnissmässig zur Jochbreite (766:1000) finden 
wir ihr Gesicht gleichwie nach oben hin auch nach abwärts wenig verschmälert, breiter als bei allen ausser 
den Zigeunern (798), Ruthenen (774), Slovaken (786) und Kroaten (772); an den Ligurerschädeln beträgt 
die untere Gesichtsbreite genau so viel wie bei den Rumänen. Ihre Veränderlichkeit (92 bis 113 mm., 
20*58 Proc.) ist fast so gross wie am Scheitelhöckerabstande. 

Der Unterkiefer ist durchschnittlich 205 mm. lang, kttrzer als bei allen österreichischen Völkern 
ausser den Zigeunern (204 mm.) und ähnlicher Weise auch am wenigsten gekrttnmit, indem sich die Sehne, 
die untere Gesichtsbreite, zu diesem Bogen = 1:2*009 (fast genau der queren Hinterhauptswölbung gleich) 
verhält; bei den Italienern ist er etwas länger (208 mm.) und stärker gekrtlmmt (2*090), bei den Magyaren 
noch viel länger (215 mm.) und stärker gebogen (2*128). Im Vergleiche zum Horizontalumfange des Schä- 
dels (401:1000) ist er ebenfalls kleiner als bei den Italienern (407). Übrigens zeigt er an den einzelnen 
Schädeln eine Veränderlichkeit (192 — 228 mm., 17*56 Proc), welche, obwohl im Vergleiche zu jener der 
meisten ttbrigen Maasse gering, doch die des Horizontalumfanges weit ttbertriflft, aber hinter jener des Ober- 
kiefers beträchtlich zurttckbleibt. 

Die Breite des Kinnes (44 mm.), die etwas grösser als bei denlalienem, Polen und Zigeunern 
(43 mm.) und an den einzelnen Schädeln mehr als die vorigen veränderlich (38—48 mm., 22-72 Proc.) ist, 
steht zur Jochbreite im Verhältnisse von 380: 1000« 



Die Schädelform der Rumänen, 



133 



Der Unterkieferwinkel misst durchschnittlich 122 ^^ schwankt jedoch zwischen 110 und ISö"", 
um 20*49 Proc, fast genau so viel wie die untere Gesichtsbreite; in der Reihe unserer Völker übertrifft er alle 
an Grösse, von welchen sich nur die Slowenen (120"*) den Rumänen annähern^ die Italiener IIb"* aber weit 
entfernen. 

Die aufsteigenden Äste haben die mit den Italienern, Slowenen gleiche, im ganzen nur geringe Höhe 
von 49 mm., welche aber im Einzelnen viel mehr als die früheren Unterkiefermaasse abändert (26*53 Proc, von 
43—56 mm.) ; im Vergleiche zur Gesichtshöhe (731: 1000) ist sie grösser als bei den Italienern (710). Die 
Breite der Aste (31 mm.) ist ebenfalls, mit jener der Deutschen und Czechen eine geringe, allein noch viel 
mehr individuellen Schwankungen (27 — 39 mm., 38*70 Proc.) als die Höhe unterworfen; nach dem Verhält- 
nisse zwischen ihrer Höhe und Breite (1000:632) erscheinen die Unterkieferäste nur schmäler als bei den 
Magyaren (660), Ruthenen , Slovaken und Kroaten (640), breiter als bei den übrigen Stämmen. 

Der im Ganzen kleine Unterkiefer der Rumänen umschliesst eine relativ grosse 
untere Gesichts breite, hat aber eine sehr flache Krümmung, ein breites Kinn und kleine 
aber breite Aste, die mit dessen Körper den grössten Winkel unter allen unseren Völkern 
einschliesscD. In Bezag auf indiduelle Veränderlichkeit, welche im Allgemeinen jener der Gesichtskno- 
chen viel mehr als jeder Abtheilung des Hirnschädels ähnelt , gehen die Breitenmaasse den Längen 
etwas voraus. 





Untere Gesichte- 
breite 


Joch- 
breite 
= 1000 




1 

P 


Um- 
fang 
= 1000 


Unterkiefer- 


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slehts- 

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= 1000 


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Ast- 

höhe 
= 1000 


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III. 

IV. 


99 

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102 


766 
736 
740 
766 


206 
206 
203 
203 


406 
403 
392 
391 


2-035 
2*102 
2-030 
1-990 


119** 
121* 
124« 
124- 


49 
49 
60 
48 


763 
720 
746 
686 


30 
31 
81 
32 


612 
632 
620 
666 



V. 



Am Unterkiefer wiederholt sich ein ähnlicher Vorgang wie am übrigen Gesichtsskelet, nämlich mit stei> 
gender Grösse des Schädels die Zunahme einiger und die Abnahme anderer Maasse, zu welch' letzteren die 
Unterkieferlänge (Verlust 1-45 Proc.) und Asthöhe (Verlust 2-04 Proc.) gehören; die Zunahme bewegt sich 
in engeren Grenzen als an den übrigen Gesichtsdimensionen, indem die Breite der Aste einen grösseren Zu- 
wachs (6-66 Proc.) erfährt, als der Unterkieferwinkel (4-20 Proc.) und die untere Gesichtsbreite (4-08 Proc.) 
und diese überhaupt mehr zunimmt als die obere (3-84 Proc). 

Verhältnissmässig zur Jochbreite wird die untere Gesichtsbreite von den kleinsten (755) zu den mittel- 
grossen (736) beträchtlich geringer, um hierauf aber durch die Übermittelgrossen (740) bis zu den grössten Schä- 
deln (766), wo sie ihr Maximum erreicht, fortwährend zuzunehmen. Den absoluten Zahlen entsprechend ver- 
ringert sich die Länge des Unterkiefers rücksichtlich des horizontalen Schädelumfanges von den kleinsten 
(406) ununterbrochen bis zu den grössten (391); seine Krümmung wächst von den kleinsten (2-035) bis zu 
den mittelgrossen Schädeln (2-102) , an welchen man die stärkste Unterkieferkrümmung findet, ver- 
flacht sich aber nachher beständig, so dass die grössten die flachesten (1*990) Unterkiefer besitzen, was mit 
der Zunahme der unteren Gesichtsbreite bei gleichzeitiger Abnahme der Unterkieferlänge gut überein- 
stimmt. 

Der Unterkieferwinkel vergrössert sich fast stetig, misst bei den kleinsten 119, den mittelgrossen 121 
und bei den zwei grössten Gruppen 124"*. Die Höhe der Unterkieferäste nimmt im Vergleiche zur Höhe 
des Gesichtes von den kleinsten (753), wenn auch nicht gleichmässig bis zu den grössten Schädeln (685) 
ab, während ihre Breite im Verhältnisse zur Asthöhe im Gegentheile sich steigert 



134 Dr. A. Weisbach. 

Die Unterkieferwinkel rücken also mit steigernder Grösse des Schädels von der Mittelgrösse an weiter 
anseinander , wodurch das Gesicht outen sich verbreitert , der Unterkiefer selbst wird kleiner^ kürzer, 
flacher gekrttmmt, nnd seine Aste erhalten bei geringerer Höhe eine grössere BreitC; neigen sieh aber nnter 
einem immer stärkeren Winkel zam Körper. 

Die VeränderuDgen, welche die zunehmende Grösse des Schädels mit sich bringt, sprechen sich nun 
zasammengefasst in Folgendem ans : 

Der Schädel wird wohl schwerer, erhält jedoch einen dünneren Knochenbau, sein Umfang, seine Länge, 
Breite und Höhe werden grösser, allein derart, dass, da die beiden letateren mehr als die Länge zunehmen, 
der Schädel immer mehr brachycephal und hoch sich gestaltet, eine breitere Basis gewinnt, also von oben 
nach unten immer weniger sich verschmälert, ferner in sagittaler Richtung entsprechend der bedeutenden 
Höhenzunahme eine stärkere, in querer aber wegen der gleichzeitig sich einstellenden Verbreiterung eine 
flachere Wölbung erlangt. 

Sein Vorderhanpt wird länger und höher, im Allgemeinen auch breiter und daher grösser, unter gleichr 
zeitiger Abflachung seiner Wölbungen in horizontaler und sagittaler Richtung; die StimhödLer rücken weitör 
auseinand^. 

Das Hittelhaupt dagegen verkürzt sich, nimmt an Breite auch gegen die Warzen herab zu, verstärkt 
seine sagittale, verflacht aber seine quere Wölbung; es erhält breitere und flachere Seitenwandbeine, deren 
Höcker höher nach oben und hinten und weiter auseinander weichen, wodurch die ganze Scheitelfläche 
grösser, breiter und nach vorne hin weniger verschmälerf wird ; die Ansatzfläche des Schläfemuskels ver- 
längert sich nur im Allgemeinen, indem von der Mittelgrösse an wieder eine allmählige Verkürzung derselben 
eintritt. 

Das Hinterhaupt erreicht wie das Vorderhaupt eine grössere Länge , Breite und Höhe , flacht sich aber 
in sagittaler Richtung ab, während es in querer stärker gewölbt wird ; es erhält ein längeres Interparietalbein 
auf Kosten des sich verkürzenden Receptaculum cerebellt und weiter auseinanderrückende Warzen- 
fortsätze. 

Die Schädelbasis wird im Ganzen grösser, nämlich breiter und länger, ebenso das grosse Hinterhaupts- 
loch, dieses jedoch nur auf Rechnung seiner Breite, wodurch es eine mehr rundliche Gestalt im Einklänge 
mit der Schädelform annimmt; &\^ Foramina styhmaBtoidea treten näher aneinander, die ovalta dagegen weiter 
auseinander. 

Das Gesicht wird, ganz im Gegensatze zum Himschädel, länger und zwischen den Jochbeinen schmäler, 
nach auf- und abwärts von denselben aber breiter, gewinnt daher im Ganzen eine mehr gleichmässige Breite; 
die Augenhöhlen verkleinern sich in jeder Richtung, gleich wie die Ghoanen, erstere werden jedoch rücksicht- 
lich ihrer Breite höher, letztere trotz der Zunahme der Gesichtshöhe niedriger; der Gaumen erhält eine 
kürzere aber breitere Gestalt. Der Unterkiefer verliert allmählig an Grösse und Stärke der Krümmung, seine 
Äste erhalten eine grössere Neigung zum Körper, werden niedriger und breiter, so dass das Skelet des Kau- 
apparates im Allgemeinen kleiner zu werden scheint. 

Diese von der Grösse des Schädels allein abhängigen Gestaltsveränderungen entsprechen keineswegs jenen, 
welche wir aus den höchst verdienstvollen Measungen der DDr. v. Scherzer und Schwarz^) an lebenden 
Chinesen und Nikobarem in Rücksicht auf die zunehmende Körpergrösse ableiten konnten, vielmehr stehen 
si£ zu diesen in den Hauptergebnissen im vollkommenen Gegensatze, indem bei diesen beiden Völkern mit Zu- 
nahme der Körperlänge, wobei natürlich auch fast alle Maasse des Kopfes nach ihrem absoluten Werthe 
sich vergrössern, der Kjopf niedriger und mehr dolicho- oder weniger brachycephal, eben so das Gesicht 
niedriger und schmäler wird. 

Die vorstehenden Untersuchungen lieiem die folgenden, hervortretenden Eigenthümlichkeiten des 
Rumänen Schädels: 



1) Heise der öaterreichiBchen Fregatte Novara. Anthropologisober Theil» II, p. 29 a. 7 3. 



Die Schädelform der RumJänen. 135 

Bei mittlerer Grösse seiner Höhle und niebt starkem Knochenbaue besitzt er eine aus- 
gesprochen hooh-bracbycephale, gegen die Stirn e und Basis wenig verschmälerte Form 
und in sagittaler und coronaler Richtung eine starke Wölbung; — sein Vorderhaupt ist 
breit und kurz, in sagittaler Bichtung sehr stark gewölbt und hat sehr weit auseinander 
liegende Stirnhöcker; sein ebenfalls sehr breites und kurzes Mittelhaupt hat breite, 
flache SeitenwandbeinC; hoch nach oben und weit auseinander gerückte Scheitel hocke r 
und einen in querer und schräger Bichtung stark gewölbten Scheitel, der nach vorne nur 
wenig sich verschmälert, niedrige Schläfen schuppen und eine lange flache Seiten wand ; 
— das breite Hinterhaupt ist hoch, durch seine Abflachung in jeder Bichtung ausgezeich- 
net, und von einem kurzen Zwischenscheitelbein, aber einem langen Beceptaculum 
gebildet. 

Er hate ine grosse, langeund breite Basis mit grossem, sehr breitem rundlichen For. 
maffnum, weit auseinander liegenden For. stylomaatoidea und nahe an einander gerück- 
ten For, ovalta. 

Sein Gesicht ist auffällig durch die geringe Höhe, dafür aber sehr breit, nach oben 
unduntenvon den sehr stark gebogenen Jochbeinen blos wenig verschmälert, im Ganzen 
also mehr gleichmässig breit, hat eine sehr breite Nasenwurzel, kleine niedrige und 
seichte Augenhöhlen, kleine, schmale Choanen und einen kurzen, sehr breiten Gaumen; 
der ebenfalls kleine Unterkiefer ist flach gekrümmt und hat kleine, breite, aber sehr 
stark geneigte Aste. 

Hiezu seien noch die in den verschiedenen Projectionen sich darbietenden Besonderheiten geftlgt, wobei, 
wie zu bemerken, die Schädel derart gestellt wurden, dass der obere Band der Jochbrücken in der horizonta- 
len Ebene zu liegen kam. 

Scheitelansicht (norma verticalü): überwiegend breit und rundlichoval mit stark gewölbten Schlä- 
fen und flacher Hinterhauptsgegend; die Nähte gewöhnlich reich, und feinzackig, besonders seitlich in der 
Kranznaht. 

Hinterhauptsansicht (norma occtpttalü) : weit verherrschend rundlich bis abgerundet itlnfeckig, nur 
in wenigen Fällen (9) fUnfeckig, unten meistens breit ; die Hinterhauptsschuppe breit dreieckig, sehr flach, 
die Tuherosüaa occ. exty SO wie die Muskelleisten entweder nur schwach ausgeprägt oder ganz verwischt. 

Die untere Ansicht {norma basilarü) zeigt ein flachbogig begrenztes, breites Hinterhaupt, ein rundli- 
ches, weit hinten gelegenes For. magnumy kleine Flügelgaumenfortsätze mit meistens schmaler äusserer Platte, 
einen kleinen breiten Gaumen und niedrige Zahnfächerfortsätze. 

In der Seitenansicht {norma lateralis) erscheint er sehr kurz und hoch, die Umgrenzungslinie nach 
vorne und hinten steil abfallend, die Stime durchgehends senkrecht, die Zitzenfortsätze wohl kurz, aber breit, 
der Stimfortsatz des Jochbeins dünn und schmal, das Gesicht orthognath, nur in einigen wenigen Fällen durch 
Schiefstellung der Alveoli des Oberkiefers prognath. 

Vorderansicht {norma facialis): im ganzen Umrisse breitoval, die Stime glatt, flach, die arcua supra- 
ciliares blos angedeutet, in sehr wenigen Fällen (Nr. 36 und 37) stark ausgeprägt; Nasenwurzel häufig tief 
eingezogen, die Nasenbeine meist gross^ breit, im Verlaufe des scharfen Bückens stark vortretend ; nur in zwei 
Fällen liegt ihre Vereinigung mit dem Stirnbeine beträchtlich oberhalb der Naht zwischen Stirnbein und Ober- 
)uefer, wie es bei Chinesenschädeln z. B. sehr häufig zu beobachten ist; die apertura pyrtformis gross, breit, 
der vordere Nasenstachel und der untere Band des Nasenbodens immer deutlich entwickelt, ersterer so- 
gar meistens gross, nur an einem einzigen Schädel (Nr. 29) fast fehlend. Der Jochbeinkörper meist schwach 
und niedrig, der Unterkiefer massig stark gebaut, das Kinn meist abgerundet. 

Bezüglich der individuellen Variabilität lässt sich im Allgemeinen sagen , dass dieselbe zur Grösse der 
|l>etreffenden Dimension im Gegensatze steht, nämlich um so kleiner ist, je grösser diese, und umgekehrt, und 
flass der Umfang und das Gewicht des Schädels die beiden Extreme, ersterer die Minimal-, letzterer die Maximal- 



136 Dr. A, Weisback. Die Schädelform der Humanen. 

Variabilität aufweisen ; ferner, dass die Haasse des Hinterhauptes grösseren Schwankungen als die der 
Übrigen Schädelabtheilungen unterliegen, unter welchen wieder das Vorderhaupt und Gesicht mit grösserer 
Variabilität dem Mittelhaupt und der am wenigsten veränderlichen Schädelbasis vorausgehen. Von allen 
Maassen scheinen die in der Höhenrichtung gelegenen die grössten, die Breiten geringere und endlich die Län- 
gen die geringsten Schwankungen zu erfahren, wiewohl hierin ausserdem, dass das Mittelhaupt mit dem 
Gesichte ttbereinstinmit, keine Schädelabtheilung der anderen gleich sich verhält. Auch bei den deutschen 
Männern und Weibern besitzt das Hinterhaupt unter den Abtheiinngen des Hirnschädels die grösste, bei den 
letzteren Mittelhaupt und Schädelbasis, so wie bei den Rumänen (bei den Männern das Vorderhanpt) die ge- 
ringste individuelle Variabilität. 



ErklSroag der Maasstabelle vnd ibbilduagea. 

Die Maasse sind nach dem Eingangs angeführten Systeme geordnet, in Millimetern , bezttgiicb in Eubik-Centimetem 
und Grammen angegeben und die einzelnen Schädel nach der zunehmenden Grösse des horizontalen Umfanges an einander 
gereiht 

Tafel I, II, III : Perspectivische Abbildungen des Schädels Nr. 32 (der Maasstabelle) in natürlicher Grösse, bei hori- 
zontal gestelltem oberen Rande der Jochbrücke. 



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BEITRAG 

ZUR 

KENNTNISS DER GONCHYLIENFAUNA 

DES 

VICENTINISCHEN TEßTIÄRGEBIRGES. 

VON 

TH. FUCHS, 



I. ABTHEILTINO. 

DIE OBERE SCHICHTENGEÜPPE, ODER DIE SCHICHTEN VON GOMBERTO, LAVERDA UND SANGONINL 

VOBGELEOT IN DXB SrTZUHQ DBB lUTBBHATISCE-HATDBWISSKHSOHArTLICHEN CLASSE AU ii. JULI 1868. 



Einleitung. 

Oeit längerer Zeit mit der Besrbeitang der ConchylicDfanna der Ticentiniscben Eoceobildnogei 
Qbergebe ich im Kachfolgenden der Öffentlicbkeit die erste BSlfte meiner Arbeit , welche die 
der CoDcbylicD der oberen Schicbtengroppe oder der Schiebten von Oomberto, Laverda nnd Sangonini nm- 
faast. Die bisher ans diesen an gnt erhaltenen organischen Resten so Hberreicheti Gebtrgsbildnngen bekannt 
gewordenen Conchylienarten ist keine besonders grosse. Die ersten branchbaren mit Abbildnngen ver- 
sehenen Beschreibnngen davon finden wir in Brongniart's bekanntem Werke „M£moires stir les ter- 
rains de Sediments snpärienrs calcareo-trappäens dn Vicentin", worin ans den erwähnten 
Schichtengrnppen beilSn^ 40 Arten namhaft gemacht nnd theilweise abgebildet wurden. Freilich ist ein 
grosser Tbeil der Arten, nfimlich fast alle ans den basaltischen Tnffen von Sangonini stammenden Sttlcke irr- 
ihUralieher Weise als ans Ronca herstammend beschrieben, ein Irrthnm, der fUr das ganze Stndinm der alpinen 
Eocengebilde eine so Terhängnissvolle Wirkung haben sollte. Nach Brongniart war es erst wieder Micbe- 
lotti, welcher io einer im Jahre 1861 erschienenen Arbeit: „Stndes snr le miocine inf^r. de l'Italie 
septentrionale" einige neae ans den Gombertoschichten stammende Fossilien abbildete, bei welchem 
Werke es nnr zn beklagen ist, dass viele Abbildnngen nach so ganz nngenflgenden Exemplaren angefertigt 
wnnlen. In nenester Zeit endlich hat Schanroth in seinem „Verzeichniss derVersteinernngen im 
berzogl. Natnraliencabinete zn Coburg" eine nicht geringe Anzahl vicentinischer Versteinemngen 
abgebildet nnd beschrieben, welche znm grössten Tbeile aus den Schiebten von Gomberto nnd Sangonini 

r muliim.-DUarw. Ct. ZXX. fid. Abhindl, tob KlcbtaHtgUcdera. a 



138 Th. Fuchs. 

stammen , und in welchem Werke zum ersten Male in der Literatur die Vorkommnisse von Sangonini unter 
der Bezeichnung „Lugo" mit grosser Sorgfalt von den übrigen getrennt werden. 

Was die Ansichten über die chronologische Stellung der in Rede stehenden Schichtengruppe anbelangt, 
so ist es gewiss merkwürdig, dass Bronn bereits im Jahre 1831, ohne das vicentinische Tertiärgebirge aus 
eigener Anschauung zu kennen , und nur auf Grundlage einer ihm vorliegenden Suite von Conchylien die 
Verschiedenheit der Fauna von Castel Gomberto von derjenigen des Mt. Postale und Mt. Bolca hervorhob, 
so wie auch den Umstand betonte , dass erstere viele Analogien mit der Fauna des Beckens von Bordeaux 
und Montpellier zeige. 

In neuerer Zeit hat H6bert in einer im Jahre 1865 im Bulletin de la soci6t6 göol. de France, tom. 23 
erschienenen Arbeit „Note sur le terrain nummulitiqne de Tltalie septentrionale et des 
Alpes, et sur Toligocfene d'Allemagne*' nach einer ihm vorliegenden Suite von Petrefacten eine 
Gliederung des vicentinischen Tertiärgebirges versucht, und darin die Schichten von Castel Gomberto mit 
den Mergeln von Gaas und der unteren Abtheilung der Sables de Fontainebleau parallelisirt. Unter den Fund- 
orten von Fossilien der Gombertoschichten flihrt er unter anderen auch Sangonini an, während er unglück- 
licher Weise die zwei einzigen von ihm citirten Sangonini-Arten , welche zugleich zu den für diese Localität 
bezeichnendsten gehören , nämlich Turrttella incisa und Cardita Laurae , als aus älteren Eocenschichten 
stammend, anführt. 

Da jedoch alle diese Ansichten nur auf dem Studium eines verhältnissmässig geringen Materiales beru- 
hen , und da ausserdem die so reiche und wichtige Fauna von Sangonini hiebei entweder gar nicht in Be- 
tracht gezogen, oder irrthümlicher Weise sogar zu der um vieles älteren Fauna von Ronca gerechnet wurde, 
glaube ich die Frage über die geologische Stellung der in Rede stehenden Schichtengruppe, gestützt auf das 
mir vorliegende reiche Material , einer nochmaligen genauen Untersuchung untei-ziehen zu sollen , und ich 
thue dies , indem ich zur grösseren Vereinfachung der Sache mit Beiseitelassung der weiteren Unterabthei- 
lungen die Faunen von Gomberto, Laverda und Sangonini einstweilen als ein einheitliches Ganzes auffasse, 
und auch die Gesammtheit des älteren Tertiärgebirges bloss in zwei grosse Gruppen , eine ältere und eine 
jüngere, sondere. Um jedoch keinen Zweifel darüber zu lassen, in welcher Weise ich mir diese Zweitheilung 
vorgenommen denke, halte ich es zur Vermeidung von Missverständnissen ftlr zweckmässig, eine kurze sche- 
matische Übersicht darüber zu geben. 

Ich rechne demnach zur Gruppe der älteren Bildungen (Alteocen) : 

1. In Belgien. Die Systeme Landinien, Yprösien, Bruielliens, La^kcnien. 

2. In England. Den Thanet Sand , die Woolwich- und Reading-Series, den London-clay, den Bagshot- 
Sand, den Sand von Brackelsham und den Barton-Thon. 

3. Im Beoken der Seine. Die Sables infSrieurs, den Grobkalk und die Sables moyens. 

4. In der Gegend von Bordeanx. Den Calcaire de Blaye. 

5. Am Nordrande der Pyrenäen. Die Eocenbildnngen von Biaritz, Bos d'Arros und der Corbieren (so weit 
die Fauna der letzteren durch Leymerie bekannt geworden). 

6. Im Bereiche der Alpen und Apenninen. Die Nummulitenbildungen von Nizza und den Grünsand des Kres- 
senberg. 

7. In Ungarn. Forna und die eocenen Mergel von Piszke ^) und L&batlau bei Gran. 

Zur Gruppe der jüngeren Bildungen (Obereocen, Oligocen) rechne ich : 



J) Zittel führt aus Piszke unter einer grossen Anzahl echt nlteocener Conchylien auch Cer^tkium trochlenre und ph'eatum 
an. An der Richtigkeit der Bestimmung kann nicht gezweifelt werden , doch glaube ich darauf aufmerksam machen 
zu müäsen , dass bei Piszke in der Nähe der alteocenen Mergel auch obereocene (oligocene) Sandsteine anstehen, 
aus welchen z. B. nach einer mündlichen Mitthi'ilung Herrn von Hantken's die von Zittel ebenfalls aus Piszke ange- 
führte PUoladomya Puach'i stammt, und es bliebe demnach noch in.mer die Möglichkeit offen, dass auch oben erwähnte 
zwei Cerirhien aus diesen jüngeren Sandsteinen und nicht ans den älteren Mergeln st^immcn. 



Beitrag zur Kenntniss der Conchylienfauna des Vicentinischen Tertiär gehirges. 139 



1. In Norddentschland and Belgien. Das gesammte Oligocen (Beyr.). (Syst. Tongrien und Ruppelien, 
Dumont.) 

2. In England. Die Headon-SerieS; Osborne-Series , den Bembridge- Kalkstein und Mergel und die 
Hempstead-Series. 

3. Im Becken der Seine. Die Sables de Fontaineblean. 

4. In der ümgebnng Yon Bordeaux. Die Molasse de Fronsadais und den Asterienkalkstein. 

5. Am Kordrande der Pyrenäen. Die Mergel von Oaas und Lesbarritz. 

6. Am Nordrande der Apenninen. Die Schichten von Dego , Carcare , Belferte , Mornese. (Mioc^ne inf. 
Michelotti.) 

7. Im Bereiche der Alpen. Die Nammalitenbildangen von Gap, Fanden, Entreyernes, St Bonnet, Diable- 
rets (terrain nnmmulitiqnes supörienr. H6b. et Renev.), die Schichten von Häring und Reit im Winkel und 
die Schichten von Polschitza und Oberburg in Steiermark und Erain. 

Indem ich nun im Nachfolgenden ein Verzeichniss sämmtlicher mir aus den Schichten von Gomberto, 
Laverda und Sangonini bekannt gewordener Conchylien gebe , theile ich sie Behufs einer grösseren Über> 
sichtlichkeit, mit Bezug auf die vorhergehende Eintheilung in 4 Gruppen : 

1. Solche Arten, welche bisher nur aus dem Vicentinischen bekannt sind. (Grössten- 
theils neue Arten.) 

2. Arten, welche auch aus anderen Gegenden, bisher aber ausschliesslich aus ober- 
eocenen (oligocenen) Bildungen bekannt sind. (Es sind dies die zur Beurtheilung der chronolo- 
gischen Stellung der Fauna wichtigsten Arten.) 

3. Arten, welche wohl auch anderwärts aus obereocenen (oligocenen) Bildungen 
bekannt sind, die aber auch bereits in älteren Schichtengruppen auftreten. (Zum grössten 
Theile Arten des norddeutschen Unteroligocens.) 

4. Die vierte Gruppe endlich umfasst solche ältere Eocen-Arten, welche bisher im 
Obereocen noch nicht gefunden worden sind. 

1. Arten, welche bisher bloss ans der oberen Schichtengmppe des vicentiniscben £ocengebirge8 bekannt sind : 



Valuta Suessi Fuchs 
„ Itah'ca Fuchs 
Mttra regularw S c h a u r. 
Cypraea marginata Fuchs 

„ angusta Fuchs 
Marginella gractlis Fuchs 

„ amphiconus Fuchs 

„ Lugensta Fuchs 

„ obtusa Fuchs 

„ jBra^o Fuchs 

„ paucispira Fuchs 

Oltva aequalis Fuchs 

„ Zitteli Fuchs 
Ehurna Caronis Brong. 
Gas 818 Vialen8t8 Fuchs 
„ Vicentma Fuchs 
„ 8cabrtda Fuchs 
Strombus irregularia Fuchs 
ff radtx Brong. 
n Vialensis Fuchs 
„ rvgifer Fuchs 
Chenopu8 pe8 carbonü Brong. 



Conua al8io8U8 Brong. 
Pleurotoma ambtgua Fuchs 

„ obeliacoides Seh aar. 

„ Qnatae Fuchs 

„ inaapecta Fuchs 

„ plebeja Fuchs 

Bor8onia Lugensis Fuchs 
„ pungena Fuchs 
Murex defenaua Fuchs 
„ subapinicoata Fuchs 
jf aimilis Fuchs 
„ amoenua Fuchs 
„ pumilia Fuchs 
Ranella Hörneai Fuchs 
Tritoniufn denudatum Fuchs 
Turbinella rugoaa Fuchs 
Fuaua devexua Fuchs 

„ terea Fuchs 
Faaciolaria Lugenata Fuchs 
Edwardatä naaaaeformta Fuchs 
Ceritkium Meneguzzot Fuchs 
- Trmitenae Fuchs 



Certthmm Stroppua Brong. 
f, ampulloaum Brong. 
f, Vt'alense Fuchs 

jf ovot'deum Fuchs i 
„ Fo^^mot Michel. 

„ omatum Fuchs 
„ puppoidea Fuchs 
„ foveolatum Fuchs 
„ breve Fuchs 
„ Delboat Mich eh 
„ Weinkauffi Fuchs 
„ niaoidea Fuchs 
„ trochoidea Fuchs 
Nertta Caronia Brong. 
Trochua Renevieri Fuchs 
Phaaianella auturata Fuchs 
Turbo elatua Fuchs 
„ Aamodet Broug. 
f, clauaua Fuchs 
„ nanua Fuchs 
„ Sandbergert Fuchs 
modeatua Fuchs 



) 



8* 



140 



Th. Fuchs. 



1. 



Turbo plebejus Fachs 
„ creacens Fuchs 
Delphmula muUistrtata Fuchs 
Monodonta Cerbert Brong. 
Bulla Fortisi Brong. 
jf regularis Fachs 
Simplex Fuchs 
amphiconus Fuchs 



f) 



Aurtcula Vtcenttna Fuchs 
Melania tnaegualts Fuchs 
BtsBotna svmtlia Fuchs 
TurrtteUa incisa Brong. 
Turritella asperulata Brong. 
„ Archtmedts Brong. 
Corbula stmtlts Fuchs 
Venus Lugensis Fuchs 



Cyprina brevts Fuchs 

„ compressa Fuchs 
Chama Vtcenttna Fuchs 
Pectunculus Lugensis Fuchs 
Area Pändorae Brong. 

„ laevtuscula Fuchs 
Cucullaea tenuütrtata Fuchs. 



2. Arten der Schichten von Gomberto, Laverda und Sangonini, welche anderwärts in obereocenen und jüngeren Bil- 
dungen vorkommen , bisher jedoch noch niemals in filteren Schichten gefunden worden sind. (Die Arten , welche in den 
Sables de Fontainebleau , so wie im norddeutschen Oligocen zu Hause sind, sind im nachfolgenden Verzeichnisse ihres 
besonderen Interesses wegen mit gesperrten Lettern gedruckt.) 



Voluta modesta Merlan 
Cypraea spendens Grat. 
Ancillaria anomala Schlth. 
Terebra Speyeri Fuchs 
Cassis Tnammtllaris Grat. 
Terebellum subconvolutum d'Orb. 
Strombus aurtculatu^ Grat. 
Ficula condita Brong. 
Conus procerus Beyr. 
Pleurotoma ramosa Bast. 
Murex Lamarckii Grat. 
Tritonium Delbosi Fuchs 

„ subclathratum d'Orb. 

„ Gratelo upi Fnchs 
Pyrula Tarbelliana Grat. 
Fusu^ aequalis Michel. 

„ Carcarensts Michel. 
Cerühium cochlear Fuchs 

„ elegans Brug. 

„^ trochleare Lam. 

„ gibberosum Grat. 



7» 






Cerithium plicatum Brug. 
„ Ighmai Michel. 

^ calculosum Bast. 

„ Boblayt Desh, 

dtssitum Desh. 
perversum Sandb. 
Deshayesia cochlearia Brng. 
Natica auriculata Grat. 
gibberosa Grat. 
crassattna Lam. 
„ angustata Grat 
„ Nystii d'Orb. 
Trochus Lucastanus Brong. 
Boscianus Brong. 
subcarinatus Lam. 
„ multicingulatus 

Sandb. 
Delphinula Scobina Brong. 
Turbo Fittoni Bast. 
Turbonilla Nystii d'Orb. 
Melania semidecussata Lam. 



7) 



Diastoma Testasii Gr Sit, 
Rissoina ptufilla B r o c c. 
Turritella strangulata Grat. 
Calyptraea striatella Nyst. 
Psammosolen Philippii 

Speyer 
Panopaea angusta Nyst. 
Corbula subpisum d'Orb. 
Tellina Haimei H£b. et Rene v. 
Venus Aglaurae Brong. 
Cytherea splendida Merian 
Cardium fallax Michel. 

y, anomalum Math. 
Hemicardium difficile Michel. 
Crassatella neglecta Michel. 
„ trigonula Fuchs 

Cardita Arduini Brong. 

j9 jLaurae Brong. 

^ Omaliana Nyst. 
Spondylus cisalpinus Brong. 



3. Arten der Schichten von Gomberto, Laverda und Sangonini , welche anderwärts in obereocenen Bildungen vorkom- 
men , die aber auch bereits in alteocenen Schichten auftreten. (Die Arten , welche in den Sables de Fontainebleau , so wie 
dem englischen und norddeutschen Oligocen vorkommen, sind auch hier mit gesperrten Lettern gedruckt. Die Arten, denen 
ein Sternchen vorgesetzt ist, kommen speciell auch in den alteocenen Bildungen des Vioentinischen , d. L in den Bildun- 
gen von Mte. Postale, von Ronca, Ciuppio, Gast Zics, Priabona u. s. w. vor. 



VoltUa elevata Sow. 

„ harpula Lam. 
* Mitra plicatella Lam. 
Marginella ovulata Lam. 
Cassidaria ambigua Brand. 
Bostellaria ampla Brand. 

(Brockenhurst.) 
Ficula nexilis Brand. 
Conus diversiformis Desh. 
Pleurotoma turbida Brand. 

„ lyra Desh. 

j, rostrata Brand. 



Pleurotoma terebralis Lam. 
Typhis pungens Desh. 
Murex asper Brand. 
Tritonium expansum Sow. 
Fusus unicarinatus Desh. 

* „ costellatus Grat. 
Fasciolariafuniculosahsixn, 

* Cerithium semigranulosum Lam. 

* Natica sigaretina Lam. 

* ^ Studeri Q,rxQii^i. 
y, spirata Lam. 

^Natica Hantoniensis Pilk. 



Bifrontia patellata Sow. 

* Diastema costeüata Lam. 
Corbula cuspidata Sow. 
Pholadomya Puschii Goldf. 
^Psammobia pudica Brong. 
*Cardium verrucosum Lam. 
Crassatella sulcata Brand. 
^Arca biangula Lam. 

* yf rudis Desh. 
Pecten arcuatus Brocc. 



Beitrag zur Kenntniss der Conckylienfaiina des Vicentinischm Terttärgebirges. 141 

4. Arten der Schichten von Oomberto, Laverdn nnd Sangonini, velche anderwärts noch nicht aus obereoecocu, wohl 
sbet aus alteocenen Büdingen bekannt sind. (Die in den alteocenen Bildungen des Vicentinischen vorkommenden Arten 
sind auch hier durch ein Sternchen heseiohnet.) 



Martfinella cnuntla Desh. 
*Anciliaria canaUfera Lam. 
Pleurotoma ßloaa Lam. 

B lineolata Lam. 

Tritonium colubrinum Lam. 
*Fvaus 9uicarinatu8 Lam. 
Cerü/iium costulatum Lam. 
Triforia plicatus D e B h. 
Natica Blainvillei Desh. 
* „ Deahayesiana Nyet. 
Xenophora cumulana BroDg. 
Dtlphinula striata Lam. 
*Turbo ttriatulua Deab. 



Twbo denticulatue Lam. 

"Solanum pU'catum Lam. 

'Bulla atriatella Lam. 
„ coronata Lam. 
„ laevia Defr. 

Turhonilla pulchra Desh. 
Keilostoma minor Desh. 
Riasoa nana Lam. 
Riaaoina discreta Desh. 
Litorina aubangulata Desh. 
Serpulorbis conicua Lam. 
• Thracia rugoaa Beil. 
Teilina biangularia Desh. 



Paammobia HoUotoayaii So w. 
*Venue acobineÜata L&m. 
Cytherea Ueberti Desh. 
Cyprina Morriai S W. 
"Cardium Pariaienae Orb. 
Lucina Defrancei Desh. 
* „ pulchella Agass. 
*Cardita imbricata Lam. 
"Limopaia acalaria S w, 
*Pectunculua pulvinatua Lam. 

„ mediua Desh. 

Lithodomua cordatua Lam. 
'Ostrea gigantica Brand. 



Nach diesem Verzeichnisse ergibt sich nun folgcDdes Resoltat : 



Tfi 221 aiB At* Schlehlei Tta «•■bcrl* , Laferda aad Saagvaial bekaiot gewtrdem CaachrllM slid 132 
bereits aas aaderea flegeadei bekaiat. PaTta keaaea itr i 

in •bercscoi 93) darti bfsher aastehlleailieh ii dieser VfnaatUi gefaidea (•, 
„ ilteeeei 73 „ „ „ „ „ „ „ 39. 



In aardcarepAluhei SbereMea , 
bekaaat 26. 



resf. •HgaeeB ktMaea rar 49 , daTta bisher ais Uterca Sebtehtea alcbt 



Weon sich non anch hieraus ein bedeatendes Vorwiegen der obereocenen (oligocencn) Arten Über die alt- 
eocenen erkennen lässt, so ist die Anzahl der letzteren doch immerhin so beträcbtlicb, dass man vielleicbt 
Anstoss nehmen könnte, die Fanna so nnbedingt mit den Pannen von Gaas und Leaharritz, so wie mit den 
nordischen AqaiTaleDten derselben, mit den oligocenen Pannen Frankreichs, Englands nnd N 
za parallelisiren. Diese Zweifel, welche sich anfangs mir seihst lebhaft genng aufdrängten, s< 
jedoch bei weiterer Uberlegnng wesentlich zu rermindem. 

So scheint mir Tor Allem der Umstand erwägenawerth zu sein, dass, wie die nähere Ken 
eocenen Faunen Überhaupt noch neueren Datums ist , ihr Studium in den südlicheren Breite 
näen nnd in den Alpen bisher ein noch gar za ongenUgendes ist. Von der reichen, sch<$nen CoDchylienfanna 
von Gaas kennen wir eigentlich bloss die Gastropoden, und auch hier vorzugsweise nor die grossen, anfial- 
lenden Arten. Die von Hubert nnd Renevier untersuchten Localitäten von Diablerets, Cordaz, Entre- 
vemes , Gap etc. tragen tbeilweise einen so entschieden brakiecben Charakter, daes ihre Fauna natur- 
gemäsB keine besonders reiche sein kann, nnd was schlieselicb die von Michelotti unter dem Titel „Mio- 
cöne införiear*' beschriebeneQ Conchylieo von Dego, Carcare, Belferte etc. anbelangt, so sind hier die 
Abbildungen doch gar za angenügend. Ein eingehenderes , genaueres Studium aller dieser Bildangen, 
namentlich aber deijenigen von Ghiaa , wird nnn gewiss die oben erwähnten Zweifel wesentlich mildern, 
nicht nur werden sich viele der Scrupel erregenden alteocenen Arten schliesslich ancb an diesen Localitäten 
finden , sondern , nnd darauf lege ich ein bedeutend grosseres Gewicht , es werden sich an diesen Punkten 
auch bestimmt immer mehr und mehr jener Arten finden, welche bisher nur aus dem Vicentinischen bekannt 
sind, und ein wie weites Feld sich hier den berechtigten Erwartungen eröffnet, zeigt der Umstand, dass die 
Anzahl solcher den Schichten von Gomberto, Laverda nnd Sangonini bisher eigenthUmlichen Arten bereits 
die stattliche Hohe von 91 erreicht hat. 



142 



Th. Fuchs. 



Es gibt jedoch noch ein zweites Moment, welcbes mir sehr geeignet erscheint, die oben angeregten Be- 
denken zu beheben ; es ist dies das Verhältniss der Fauna der in Rede stehenden jüngeren Schichtengruppe 
zu der Fauna des älteren Theiles des vicentinischen Eocengebirges , mit Beiseitelassung der Beziehun- 
gen zu den äquivalenten Bildungen anderer Länder. Hier ist nun der Unterschied ein wahrhaft überraschen- 
der. Es ist mir bisher gelungen, in der unteren Abtheilung des vicentinischen Eocengebirges gegen 300 ver- 
schiedene Conchylien arten zu unterscheiden; aus der oberen kenne ich 221. Von diesen sind beiden Abthei- 
lungen gemeinsam bloss 25 Arten — eine gewiss verschwindend kleine Anzahl. 

Um jedoch den Eindruck dieser Verschiedenheit noch zu erhöhen , will ich , der zweiten Hälfte meiner 
Arbeit vorgreifend, schon hier eine kleine Auswahl von Arten anftlhren, welche den Charakter dieser älteren 
Fauna bestimmen. 

Es mögen als solche folgende gelten : 



Cerühium giganteum L a m. 
„ Pariaiense D e S h. 
„ decussatum D e fr. 
„ lamellosum B r u g. 
„ striatUTn Brug. 

(== C, nudum Lam.) 
„ aerratum Lam. 
„ btcalcaratum Brong. 

(= C. mixtum Defr.) 
„ conotdeum Lam. 
(= (7. baccatum Brong.) 
Nerütna Schmtdeh'ana Chem. 

(= Nertta conotdea D e 8 h.) 
Natica acalariformia D e S h. 
;, hybrida Lam. 
„ disstmth'a Desh. 
„ caepacea Lam. 



Trochua mttratua D e s h. 
Delphtnula Oervillet D efr. 
Solarium patulum Lam. 
Cypraea (Ovula) tuberculoaa D u c 1. 
„ aulcoaa Lam. 
„ elegana Desh. 
Olvoa mttreola Lam. 
„ mtidula Desh. 
Voluta murtcina Lam. 

„ turgtdula Desh. 
Conua deperditua Desh. (Brug.?) 

jf Calvimontanua Desh. 
Roatellarta fiaaurella Lam. 

^ mterrupta D e s h. 

Fuaua Noae Lam. 
Pleurotoma catenata Lam. 
;, granulata Lam. 



Firn b ria aubpectu n cu lua d ' r b . 

(= Cotbis pectunculua Desh. 
non Lam.) 
„ lamelloaa Lam. 
Cardium gigaa D e fr. 
Lucina gigantea Desh. 
„ mutabilia Desh. 
Cythcrea trigonula Desh. 
Corbula gallica Lam. 
Cardita acuticoata Lam. 
„ anguaticoata Desh. 
„ decuaaata Lam. 
Oraaaatella plumbea D e 8 h. 
y, lamelloaa Lgrfn. 

Arcaßligrana Desh. 
„ aculptata Desh. 
Spondylua radula Lam. 



Wenn ich nun schliesslich noch bemerke, dass sich unter den 300 Conchylienarten der älteren Fauna 
nicht eine einzige Art gefunden hat, welche bisher ausschliesslich in obereocenen (oligocenen) Schichten 
bekannt gewesen wäre, und nun an die 60 ausschliesslich obereocenen (oligocenen) Arten erinnere, welche 
die jüngere Fauna beherbergt, so wird sich wohl Jedem die Überzeugung von der ausserordentlichen Ver- 
schiedenheit aufdrängen, welche hier zwischen diesen beiden Faunen existirt, einer Verschiedenheit , die 
eine viel tiefer greifende ist als diejenige, welche zum Beispiel im Becken von Hampshire zwischen der alt- 
eocenen und der oligocenen Fauna besteht , und man wird schliesslich in Erwägung aller erwähnten Verhält- 
nisse zu der Überzeugung gelangen, dass was Bronn und H6bert für die Gombertoschichten speciell 
ausgesprochen , für die gesammte obere Schichtengruppe des vicentinischen Tertiärgebietes seine Geltung 
habe, dass diese ganze Scbichtengruppe oligocen oder, wie ich zu sagen vorziehe, ober- 
eocen sei. 

Nachdem ich es im Vorhergehenden versucht habe, die Stellung zu bestimmen, welche die Faunen der 
oberen Scbichtengruppe des vicentinischen Tertiärgebirges im Ganzen betrachtet in der Reihenfolge der geo- 
logischen Formationen einnehmen , gehe ich nun auf die Beurtheilung der Verschiedenheiten über , welche 
sich innerhalb dieses weiten Rahmens unter den Faunen der verschiedenen hieher gerechneten Schichten gel- 
tend machen. 

Die Frage, welche sich hier aufwirft, besteht darin, ob man die Verschiedenheiten , welche man unter 
den Faunen der Schichten von Gomberto , Laverda und Sangonini wahrnimmt, als den Ausdruck eines all- 
gemeinen Wechsels in der Bevölkerung des Meeres aufzufassen hat , oder ob man in ihnen nur die nach 



Beitrag zur Kenntniss der Conchylienfauna des Vicentinischen Tertiär gehirges. 143 

Massgabe der verschiedenen äusseren Verhältnisse mannigfach abgeänderten aber zusammengehörigen Glie- 
der einer und derselben grossen Meeresfauna vor sich sieht. 

Ich glaube der Lösung dieser Frage am besten dadnrch näher zu treten , dass ich vor allen Dingen in 
gedrängter Kürze die Grundztige des Charakters angebe , welcher in4en Pannen der verschiedenen Locali- 
täten ausgesprochen ist. 

Man kann der Hauptsache nach folgende wesentlich verschiedene Faunen unterscheiden : 

1. Fauna der Gombertoschichten. Der Grund zug in dem Charakter dieser Fauna liegt in der aus- 
serordentlichen Mannigfaltigkeit, welche das organische Leben in ihr entfaltet, so wie in dem 
häufigen Auftreten grosser, reich verzierter Thierformen — Eigenthtimlichkeiten , welche mau 
in der Regel unter der Bezeichnug des „tropischen Charakters" zusammenfasst. Wir treffen hier eine 
erstaunliche Fülle grosser rasenbildender Korallen, eine Menge verschiedener Echino dermen, 
80 wie eine überraschende Mannigfaltigkeit im Reiche der Concbylicn. Von Bivalven sind es hauptsächlich 
grosse dickschalige Formen, welche durch ihr häufiges Auftreten bezeichnend sind. So grosse 
dickschalige Arten votl Ilemicardtum , Chama, Pectunculus ^ Spondylusy Ostrea, wozu sich noch einige 
verzierte Vemis- und Lucina- Arien gesellen. Unter den Gasteropoden treffen wir grosse reich ver- 
zierte CaasiS' und Strombtis-kriQH, so wie grosse dickschalige iVa^tba-Arten, vor allem aber eine 
fast unerschöpfliche Menge von Cerithien und Trochiden. Indem unter den letzteren auch viele kleine 
Formen vorkommen, leiten uns dieselben hinüber zu einer Welt kleiner winziger Conchylien, welche, haupt- 
sächlich den Gattungen Margmella, Risaoinay Rissoa und Bulla angehörend, allenthalben in grosser 
Masse vorkommen, und die einen ganz eigeuthümlichen Zug in diesem reichen Bilde org<inischen Lebens 
bilden. 

2. Ein von dem vorhergehenden vollständig verschiedenes Bild zeigt uns die Fauna der Schiehten- 
gruppe von Laverda. War es in der vorhergehenden die Mannigfaltigkeit der Organismen, welche uns in 
Erstaunen setzte, so ist hier gerade die Einförmigkeit der bestimmende Grundzug. Der grösste Theil der 
Fauna besteht aus einigen wenigen Arten von zumeist sinupalliaten Bivalven, namentlich aus Patamn^obia Hol- 
lowaysii Sow., Panopaea anfjtista Nyst. und Pholadomya Puschi GoXAi., welche in einer, alles Übrige ver- 
drängenden Massenhaftigkeit auftreten. 

3. In gewisser Hinsicht den Gegensatz zur Fauna der Schichten von Laverda bildet die Fauna der 
basaltiselien Tuffe von Sangoninl. Waren es in jener sinnpalliate Bivalven , welche alles Übrige 
dominirend auftraten , so sind es hier gerade canalifere Gastropoden , zumeist aus den Geschlech« 
tem Fuatis , Pleurotoma , Boraonta , Murex , Trüonium , Valuta , Conua , AnciUaria , welche durch 
die Häufigkeit ihres Vorkommens den Charakter derselben bestimmen, während die fttr die Gomberto- 
schichten bezeichnenden Formen; als: die rasenbildenden Korallen, die Echinodermen, die schweren dick- 
schaligen Muscheln , so wie namentlich die Cerithien, Trochiden und Rissoiden eben so wie in den Schich- 
ten von Laverda, so auch hier in den Hintergrund treten oder vollständig verschwinden. Eine. weitere 
Eigenthümlichkeit der Fauna von Sangonini besteht endlich in dem häufigen Vorkommen von einigen Einzel- 
korallen. 

Vergleicht man diese verschiedenen Faunen nun mit denjenigen, welche man in dem viel jüngeren Ter- 
tiärbecken von Wien unterscheidet, und welche unter dem Namen der Fauna des Leithakalkes, des Sandes 
von Pötzleinsdorf und des Badner Tegels bekannt, zu wiederholten Malen Gegenstand eingehender Bespre- 
chungen waren, so ist man erstaunt über die vollständige Analogie, welche diese zwei räumlich und zeitlich 
so weit von einander entfernten Faunengebiete in den wesentlichen Charakteren ihrer einzelnen Glieder 
zeigen. 

Genau so wie in den Gombertoschichten haben wir hier in den Schichten des Leithakalkes die 
grossen rasenförmigen Korallen , die vielen Echinodermen , die grossen dickschaligen Ckama- , Pectun- 
culua-, Spcndylua- und Austern-Arten, so wie die verzierten Venua und Lucinen; genau so die grossen 



144 Th. Fuchs. 

schönen Caasts- und Strombus-Arien , die Menge von Cerithien und Trochiden , so wie die ganz unglaub- 
lichen Anhäufungen kleiner winziger Gastropoden aus den Geschlechtern Margmeüaj Risso^ Rüaotnaj 
Bulla u. 8. w. 

So findet man in den Sandablagerungen von Pötzleinsdorf eine Fauna begraben , welche sich ganz in 
derselben Weise durch das vollständige Dominiren von Bivalven und zwar zum grösseren Theil von sinupal- 
liaten Bivalven auszeichnet, wie dies in der Schichtengruppe von Laverda der Fall ist. 

So haben wir schliesslich in der Fauna des Badner Tegels das vollständige Analogen zur Fauna der 
Tuffe von Sangonini; auch hier fehlen die rasenförmigen Korallen , die Echinodermen , die grossen dick- 
schaligen Bivalven , die Cerithien und Trochiden , auch hier haben wir die grosse Menge von canaliferen 
Gastropoden und namentlich von Fusua- und Pleurotoma-Arten , auch hier haben wir das häufige Auftreten 
von Einzelkorallen. 

Diese drei bei ihrer typischen Ausbildung so wesentlich von einander verschiedenen Faunen des Wiener 
Beckens werden gegenwärtig von einem grossen Theil von Forschem nicht für allgemeine, chronologische, 
sondern flir locale, oder, um einen gegenwärtig immer mehr in Aufnahme konmienden Ausdruck zu gebrau- 
chen, für Faciesunterschicde gehalten. Die Gründe, welche zu dieser Ansicht drängten, sind sehr verschie- 
dener Art. Einer der wesentlichsten davon ist die Erfahrung , dass die erwähnten verschiedenen Faunen 
stets an ein gewisses Sediment geknüpft sind, so zwar, dass überall dort, wo sich grössere zusammenhän- 
gende Ablagerungen von Sand befinden , dieselben , wofern sie überhaupt Conchylien enthalten , nur die 
Fauna von Pötzleiusdorf und Neudorf, dort wo sich grössere zusammenhängende Thonablagerungen befin- 
den , dieselben die Gastropodenfauna des Badner Tegels enthalten , während sich allenthalben , wo 
grössere Kalkbildungen auftreten , in denselben auch die Fauna von Steinabrunn einstellt. Dagegen ist 
noch niemals in grösseren zusammenhängenden Ablagerungen von Thon die Fauna von Neudorf und 
Pötzleiusdorf mit ihren Panopaeen , Lutrarien , Teilinen , Psammobien , Pecten und Austern , oder die 
Fauna von Steinabrunn mit ihren Gryphaen-, Spondylus-y Carditen-, Pectunculus- und Ventcs- Arten , mit 
ihren Cerithien-, Turbo-, Trochus- und Phastanella-Arien , mit ihren massenhaft auftretenden Rissoinen 
und Risso^n gefunden worden, niemals in Kalkbildungen die Fauna des Badner Tegels gefunden wor- 
den u. s. w. 

Ein weiterer Anhaltspunkt zur Begründung dieser Ansicht bietet sich im Folgenden: Faciesunterschicde 
können der Natur der Sache nach niemals einen höheren Grad von Schärfe zeigen. Nicht nur werden sieh 
immer Ablagerungen finden, welche unter schwankenden Bedingungen abgelagert, eine Vergesellschaftung von 
Organismen beherbergen, welche unter den extremen Verhältnissen von einander getrennt bleiben, sondern 
es werden sich auch unter der Bevölkerung typischer Localitäten immer mitunter als Seltenheiten Bestand- 
theile einer fremden Fauna einstellen. Diese Voraussetzungen finden sich nun im Wiener Becken nach allen 
Richtungen hin im vollsten Masse bewahrheitet. So bilden die Faunen von Baden, Vöslau, Gainfahren, 
Steinabrunn eine ununterbrochene Kette, welche ganz allmählig von der Fauna des Badner Tegels zu der- 
jenigen des Leitbakalkes hinüberführt, und eben so stellen die Localitäten Baden, Grund, Niederkreuzstät- 
tcn, Pötzleiusdorf, Neudorf einen allmähligen Übergang von der Fauna des Badner Tegels zu derjenigen der 
typischen Sandbildungen dar. Eben so findet man an den typischen Localitäten des Badner Tegels immer 
wieder von Zeit zu Zeit vereinzelte Conchylien, welche sonst in den Bildungen des Leithakalkes zu Hause 
sind , nicht zu gedenken des ziemlich häufigen Auftretens von Leitbakalkfossilien in den Sauden von 
Neudorf. 

Wenn man nun von diesen Betrachtungen wieder zu den Faunen des vicentinischen Tertiärgebirges zu- 
rückkehrt und ihr gegenseitiges Verhalten in diesen Richtungen untersucht, so findet man, dass dasselbe in 
jeder Beziehung abermals genau dasselbe ist, wie bei den einzelnen Gliedern des Wiener Beckens. Es zeigt 
sich nämlich Folgendes : 

Genau so wie dies im Wiener Becken der Fall ist, sind auch hier die Faunen immer an ein gewisses 
Sediment gebunden. So finden wir die Fauna von Laverda stets nur in Conglomeraten, Sauden und sandigen 



Beitrag zur Kenntniss der Conchylieivfaufha des Vicentinüchen Tertiärgebirges. 145 

Mergeln , die Fanna von SangoniDi in weichen basaltischen Tnffen , welche hier die Stelle des Thones ver- 
treten ^)y die Fauna von Gk>niberto hingegen stets nur in Ealkbildnngen *). 

Was den zweiten Punkt, nämlich die gegenseitige Verwandtschaft der Faunen anbelangt, so bietet uns 
gleich die Schichtengruppe von Laverda einige sehr lehrreiche Verhaltnisse dar. Von den 16 mit Sicherheit 
darin bestimmten Arten sind ihnen nur 4 eigenthttmlich, alle anderen sind auch aus den Gomberto- und San- 
goninischichten bekannt; dabei zeigt sich noch folgende Eigenthttmlichkeit. In der einen Abtheilung dieser 
Schichtengruppe, in den sandigen Mergeln treten fast ausschliesslich solche Arten auf, welche den Sango- 
ninischichten angehören, als: Voluta elevata Sow., Natica spirata Lam., Turrüella asperulata Brong., 
7Wr. tneisa Brong., Psammobia pudtca Brong., Cardita Arduini und Card. Laurae Brong., ja wenn 
man die Sache näher ins Auge fasst , überzeugt man sich , dass es eigentlich diese Schichten allein sind, 
welche die oben charakterisirte Sandfauna enthalten, während in der zweiten hauptsächlich aus Conglome- 
raten gebildeten Abtheilung vorwiegend Oombertospecies auftreten , so in grosser Menge die Natica craaaa- 
^»na Lam., ferner Centhium Stroppus aflF., Cerithium trochleare äff., Melania aemidecuaaata äff.; eine Er- 
scheinung, welche vollkommen ttbereinstimmt mit der auch im Wiener Becken gemachten Erfahrung, dass 
die Fauna der Conglomeratbildungen am nächsten steht derjenigen des Leithakalkes '). 

Was nun jedoch das Verbältniss der Fauna von Snngonini zu derjenigen von Gomberto anbelangt, wel- 
ches hier vor Allem interessiren muss , so scheint sich hier auf den ersten Blick die Verwandtschaft aller- 
dings weniger innig zu gestalten , indem beide Faunen nach den bisherigen Untersuchungen nur 27 Arten 
mit einander gemein haben, eine Anzahl, welche vielleicht bei der grossen Anzahl von beiderseits bekann- 
ten Conchylien als eine geringe erscheinen könnte. Bei näherer Untersuchung und weiterer Überlegung wird 
dieser Zweifel jedoch sehr wesentlich gemildert. Vor allen Dingen bemerkt man , dass sich unter jenen 
27 Arten gerade diejenigen befinden , welche in der einen oder der anderen Gruppe zu den bezeichnendsten 
gehören. So fand ich von Arten, welche an allen Localitäten der Sangoninischichten in grosser Häufigkeit 
der Individuen auftreten, folgende als grosse Seltenheiten in den Gombertoschichten : Vohua elevata, Ancil- 
laria anomala, Ebuma Caronis, Contuf diveraxformiSy Contis Alstosusy Natica apirata, Turritelia asperulata 
Tur. tnctaa'y — SO wie umgekehrt von bezeichnenden Gomberto-Arten als Seltenheiten in den Tuffen von 
Sangonini : Natica craaaatinaj Cerithium Meneguzzoi, Caaaia mammillaria. Ein Moment anderer Art, welches 
ebenfalls wesentlich dazu beiträgt, die oben erwähnte Kluft zu ttberbrttcken besteht darin, dass wir, freilich 
in ziemlich weiter geographischer Entfernung, eine Fauna kennen, welche in sehr lehrreicher Weise eine Ver- 
mittlung der Faunen von Gomberto und von Sangonini herstellt, ich meine die Fauna der blauen Mergel von 
Gaas und Lesbarritz. In der That bemerkt man bald, dass trotz der grossen Ähnlichkeit, welche sich in den 
Gastropoden mit denjenigen von Gomberto zeigt, in dieser Fauna doch bereits mehrere wesentliche Elemente 
einer echten Ealkfauna , nämlich die grossen rasenförmigen Korallen , die vielen Echinodermen , so wie die 
grossen dickschaligen Bivalven sehr zurtlcktreten , ja vielleicht vollständig verschwinden , während anderer- 



^) Bei Altavilla kommt ein zarter blauer Thon vor, welcher in grosser Menge die ftir Sangonini bezeichnenden Einzel- 
koraUen enthält. Eine Anzahl leider sehr schlecht erhaltener Conchylien (Oani$t Fu$ub) Hess sich gleich&lls auf San- 
gonini-Arten zurückführen. 

^) Neben den Kalkbildnngen treten aach mergelige Tuffe auf, und es ist interessant, wahrzunehmen, wie sich diese Ver- 
schiedenheit im Sediment auch sogleich in einer kleinen Verschiedenheit der Fauna wiederspiegelt. In dem reinen 
Kalke (Mt. Carlotta, Mt. Rivon) ist der Charakter der Kalkfauna am reinsten ausgeprägt; hier findet sich zu Bänken 
angeh&nft das grosse Hemeardium, hier finden sich in grösster Menge die grossen Cerithien. In den Tuffen hingegen 
(Mt. Grumi, Mt. Carriole, Mt. Castellaro, Mt. Viale, Santa Trioita) tritt das Hemicardium immer nur vereinzelt auf und 
bleibt meist ganz klein, auch sind es ausschliesslich diese Tuffe, in denen bisher vereinzelte Exemplare von Sango- 
nini- Arten angetroffen wurden. 

^) Nach einer nachträglichen Erklärung von Prof. Suess sind diese beiden TheUe der Laverda-Schichten nicht in unmit- 
telbarer Verbindung, sondern es liegen die sandigen Mergel mit den vielen Bivalven ober den Tuffen von Sangonini, 
die Conglomerate hingegen unter denselben, und bilden letztere demnach das tiefste Glied der in Rede stehenden 
Schichten gruppe. Der Umstand, dass in diesem tiefsten GHede vorwiegend Gomberto-Species auftreten, wird hiedurch 
nur noch bedeutnngsvoUer. 

D«nluelirifteii der mAthem.-natnnr. Ol. XJOi. Bd. Abhandl. ron KlchtxnltgUederQ. * t 



Ii6 Th. Fuchs. 

seits eine ganze Reihe von Formen dazatritt, welche im Vicentinischen zn den bezeichnenden Arten der San- 
goniniscbichten gehören, nämlich: Valuta elevata ^ Conus diveraiformia ^ Trttontum Delbost, Fuaus costellor 
tusy Turrttella atrangukua, wodurch der Fauna von Oaas und Lesbarritz unter der Voraussetzung der Rich- 
tigkeit meiner Anschauungsweise innerhalb der Reihe der obereocenen Faunen eine ähnliche zwischen San- 
gonini und Gomberto vermittelnde Rolle zufallen würde , als dies in der Reihe der neogenen Faunen des 
Wiener Beckens die Fauna von Gainfahren oder Grinzing als Vermittlerin zwischen Baden und Steinabrunn 

einnimmt. 

Nachdem ich auf diese Weise im Vorhergehenden in einer Parallele zwischen der obereocenen Fauna 
des Vicentinischen und den Neogenfaunen des Wiener Beckens die Anwesenheit vollkommen analoger Glie- 
der und ein vollständig analoges Verhalten derselben zu einander und zu dem sie einschliessenden Sediment 
dargethan zu haben glaube, kann ich es mir nicht versagen, zur Begründung meiner Anschauungsweise noch 
ein anderes Moment in den Kreis der Betrachtung zu ziehen, welches von der früher angewendeten Methode 
wesentlich verschieden ist. 

Wenn man nämlich die Faunen von Gomberto und die von Sangonini nicht als Facies, sondern als chro- 
nologische Unterschiede auffasst , so müsste die Fauna von Sangonini die ältere , diejenige von Gomberto 
die jüngere Meeresbevölkerung darstellen, denn allenthalben bilden dort, wo beide Bildungen in Überlage- 
rung getroffen werden , die Tuffe von Sangonini das Liegende , die Gtombertoschichten dagegen das Han- 
gende. Unter dieser Voraussetzung muss es nun gewiss äusserst auffallend sein , dass in den Tuffen von 
Sangonini, also in der älteren Meeresfauna, die Anzahl von Species der Sables de Fontainebleau, des eng- 
lischen und norddeutschen Oligocens eine weitaus grössere ist , als in der Fauna der Gombertoschichten, 
also der jüngeren Meeresbevölkerung. Es konunen nämlich in den Gombertoschichten bloss 15, in den 
Schichten von Sangonini hingegen nicht weniger als 82 nordeuropäische Oligocenspecies vor. Dieser 
bedenkliche Widerspruch findet in meiner Auffassungsweise eine vollständige Lösung , und es ist dies ein 
Vortheil derselben , auf welchen ich zur Unterstützung ihrer Richtigkeit ein ganz besonderes Gewicht lege. 
Es verhält sich damit folgendermassen : Es wird im Wiener Becken die Fauna des Badner Tegels als eine 
Fauna der Tiefsee betrachtet, und folgerichtiger Weise muss man diese Auffassung auch auf die Fauna der 
Tuffe von Sangonini übertragen , womit ihre Lagerangsverhältnisse denn auch auf das beste übereinstimmen. 
Nun ist es aber eine durch die Studien über die horizontale und verticale Verbreitung der Meeresconchylien 
bekannt gewordene Thatsache , dass die Conchylien nördlicher Breite gegen Süden zu in immer grösseren 
Tiefen vorkommen , während sich allmählig in den oberen bathymmetrischen Meereszonen die südlichere 
Fauna einstellt. Diese Thatsache stimmt nun aber vollständig mit den erwähnten Verhältnissen überein, wo- 
nach die oligocenen Conchylien des nördlicheren Frankreichs und Deutschlands im Vicentinischen vorzugs- 
weise in den Tiefseebildungen, d. i. in den Tuffen von Sangonini auftreten, während sich in der Fauna gerin- 
gerer Meerestiefe , d. i. in der Fauna der Ealkbildungen von Gomberto , der neue tropische Charakter zeigt, 
und der oben erwähnte scheinbare Widerspruch löst sich auf diese Weise sehr naturgemäss, und wird so zu 
einer kräftigen Stütze der Anschauungsweise , welche in den Verschiedenheiten der Faunen von 
Gomberto, Laverda, Sangonini nicht chronologische, sondern nur Faciesunterschiede 
vermuthet, analog den Faunen des Leithakalkes, des Badner Tegels und derSandevon 
Pötzleinsdorf. 

Ich verhehle mir nicht die Misslichkeit der Lage, in welcher sich derjenige befindet, welcher über die 
Vorkommnisse einer Gegend ein Urtheil abgibt, die er aus eigener Anschauung nicht kennt. Wo indessen die 
Thatsachen so laut und eindringlich sprechen, wo die Analogien nach allen Richtungen hin so überraschend 
zusammenstimmen, da glaube ich die Grenzen wissenschaftlich gestatteter Conjectur nicht zu überschreiten, 
wenn ich aus einer Übereinstimmung der Erscheinungen auf eine Übereinstimmung in den Ursachen schliesse, 
und überlasse es der Zukunft, über die Richtigkeit derselben zu entscheiden. 

Zum Schlüsse kann ich nicht umhin , allen jenen Männern meinen wärmsten Dank zu sagen , deren 
wohlwollender Theilnahme und zuvorkommendster Unterstützung ich mich während meiner ganzen Arbeit zu 



Beitrag zur Kenfiinias d^r Conchylienfauna des ViceiUinischen Tertiärgebirges. 147 

erfreuen gehabt , so vor Allem dem Director des kais. Hof-Mineraliencabinetes Herrn Dr. Horiz Börnes, 
Prof. Sness, meinem verehrten Lehrer ^ so wie nieht minder dem Leiter der geologischen Reichsanstalt 
Herrn Fr. Ritter v. Haner, so wie den Bergräthen Dr. Stäche und D. Stnr, welche mir nicht nur das 
ttberans schöne Material der Reichsanstalt in liberalster Weise znr Verftlgang stellten , sondern mich 
auch bei meinen Arbeiten in der ihrer Leitung unterstehenden Sammlung stets auf das Bereitwilligste unter- 
stützten. 

Wien, 17. Juli 1868. Th. Fuehs. 



L Fauna der Schichten Ton Gomberto. 

A. Honte Onuni bei Castel Oomberto. 
1. NtUra plicaMeUa Lam. 

1824. Miira plieateüa (Lam.) Desh. Env. Paris, II, p. 667, pl 88, Fig. 7, 8. 
1855. 9 9» Hob. et Renev. Nnmmal. snp. p. 189. 

1866. 9 » » Desh. Base. Paris, ni, p. 568. 

Calc. gross. (Desh.) — Fandon, Gaas (Hob. etBenev.). 

>• tttarginelta graciUs Fuchs. 

Taf. IV, Fig. 6—8. 

Gehäuse schlank spindelförmig, ungefähr dreimal so hoch als breit, Gewinde fast eben so lang als der 
letzte Umgang , aus vier wenig gewölbten, durch eine undeutliche Naht getrennten Umgängen bestehend. 
Mundöffiiung schmal lineal. Rechter Mundrand stark verdickt. Spindel mit vier Falten versehen. 

Höhe 8 Millim., Breite 8 Millim. 

Diese Art steht der M. arctata Desh. aus dem Grobkalke, von welcher mir leider keine Exemplare vor- 
liegen, so nahe, dass sie mit derselben vielleicht wird vereinigt werden müssen. Nach der Abbildung und 
Beschreibung zu urtheilen, unterscheidet sie sich von derselben nur durch den Mangel einer sechsten Win- 
dung, so wie durch den stärker verdickten Mundsaum. 

a. JMargineUa erasBula Desh. 

1866. Deshayes Bass. Paris, III, p. 647, pl. 104, Fig. 9—11. 
Calc. gross. — Hanteville bei Valognes (Desh.). 

41« nMargineUa ohHua Fuchs. 

Ta£ I, Fig. 11—18. 

Gehäuse länglich oval, ungefähr doppelt so hoch als breit Das Gewinde kurz, stumpf kegelförmig, bei- 
läufig ein Yiertheil der Gesammthöhe betragend. Die Stelle der Nähte durch eine seichte Depression ange- 
zeigt. Der letzte Umgang dreimal so hoch als das Gewinde, nach unten verschmälert. Mundöfinung schmal. 
Der rechte Mundrand verdickt, der linke mit vier schiefen Falten versehen. 

Höhe 7 Millim., Breite 4 Millim. 

Diese unscheinbare Art kommt mit der vorhergehenden ziemlich häufig vor, und lässt sich durch das 
constant bedeutend kürzere Gewinde leicht von derselben trennen. Eben so ist sie von sämmtlichen bekann- 
ten eocenen Formen verschieden. Sehr grosse Ähnlichkeit hingegen zeigt sie mit der Abbildung , welche 
Grateloup, Conchyl. du bass. de l'Adour, pl. 42, fig. 86, 37 von einer aus Gaas stammenden Art gibt, 
welche er Marg. splendens Grat, nennt. Da jedoch die Abbildungen bei Grateloup bekanntlich viel an 
Genauigkeit zu wünschen tibrig lassen, und mir Originalexemplare dieser Art aus Gaas nicht vorliegen, ziehe 
ich es vor, dieselben einstweilen mit einem besonderen Namen zu belegen. 

t* 



148 Th. Fuchs. 

Der Name „obtuea'^ scheint yielleicbt nicht ganz glücklich gewählt, da die Marginellen aas der Gruppe 
der Marg. ovtdaia ein noch viel kürzeres Gewinde besitzen. Es soll damit jedoch nnr der Unterschied von 
den zunächst verwandten Arten der Marg, ebumeay crassula etc. angedeutet werden, unter denen die in Rede 
stehende allerdings das kürzeste (Gewinde besitzt. 

3. IfMarginella eratoides Fuchs. 

Taf. I, Fig. 14—16. 
Gehäuse länglich oval, nicht ganz doppelt so hoch als breit. Das Gewinde sehr kurz, stumpf kegelför- 

9 

mig, kaum ein Fünftheil der Gesammthöhe betragend. Die Nähte kaum durch eine schwache Depression an- 
gezeigt, häufig durch den Schmelz vollständig verwischt. Der rechte Mundrand stark verdickt, der linke mit 
vier Falten versehen , von denen die erste ziemlich horizontal , die übrigen allmählig immer schiefer gestellt 
sind. In der äusseren Gestalt hat diese Form die grösste Ähnlichkeit mit einer Erato^ doch überzeugt man 
sich leicht von dem Vorhandensein der Falten. 

Mit der Marg. crassula die häufigst vorkommende Art. Durch ihre kurze gedrungene Form und das kurze 
stumpfe Gewinde von allen übrigen leicht zu trennen. 

Höhe 7 Millim., Breite 4 Millim. 

6. BMargineUa ovulaia Lam. 

1824. Deshayes £nv. Paris, II, p. 709, pl. 95, Fig. 12, 13. 
Calc. gross., Sables moy. — Brackelsham (Desh.). 

Die mir vorliegenden Exemplare sind sämmtlich etwas kleiner, schlanker und mehr cylindrisch, als die 
ausgewachsenen typischen Pariser Formen , und gleichen in dieser Beziehung vollständig einer Anzahl von 
Exemplaren aus Farnes, welche das k. k. Hof-Mineraliencabinet von Deshayes mit der Bezeichnung Marg. 
intermedia Desh. eingesandt erhielt. Da dieser Name jedoch in Deshayes neuer Auflage nicht vorkommt, 
scheint er selbst diese Unterschiede für nicht genügend zur Begründung einer neuen Art gehalten zu haben, 
welcher Ansicht ich mich auch anschliesse. 

7. Ca9Sis VicenUna Fuchs. 

Taf. I, Fig. ö, 6. 

Gehäuse rundlich oder etwas in die Länge gezogen oval, aufgeblasen, mit einem kurzen nach rückwärts 
au gebogenen Ganal versehen. Gewinde treppenförmig abgesetzt, bald mehr niedergedrückt, bald etwas in 
die Länge ausgezogen. Die Umgänge längs der Naht mit einer Reihe kleinerer, auf der Kante mit einer Reihe 
grösserer Knoten verziert. Das Dach der ersten Umgänge ist einfach ausgehöhlt, während sich auf dem letz- 
ten zwei Reihen kleiner Kömer einstellen. Die Seitenwand des letzten Umganges trägt mit Einschluss der 
Knoten an der Kante fünf Reihen Knoten , die in den auf einander folgenden Reihen ziemlich regelmässig 
alterniren, und nach unten zu zuweilen zu unregelmässigen Längsrunzeln verschmelzen. 

Diese Knoten werden gekreuzt von zahlreichen ziemlich starken Querstreifen, welche namentlich in den 
Vertiefungen zwischen den Knoten stärker entwickelt, der Oberfläche des Gehäuses dadurch ein grubiges 
Ansehen verleihen. Die Mundöfihung halbmondförmig, oben mit einem Ausschnitt versehen. Der rechte Mund- 
rand verdickt , gezähnt , der linke als breite callöse Platte den Spindelrand bedeckend , in seiner ganzen 
Länge mit queren Runzeln versehen. 

Diese Art steht den von Speyer ans Cassel alsCassts JSa$idberger%\ multtnodosOf crasstnodosa y elon- 
gaia und ventrtoosa beschriebenen Formen sehr nahe, ohne jedoch mit einer von ihnen wirklich übereinzu- 
stimmen. 

S. VerebelHun MtftGOftveltftent d'Orb. 

1840. Terebaium convolutwm Grat. Conoh. foss. Tereb. AnciU. etc. pl. I (pl. num. 42), Fig. 1. 
1852. „ iubeonvoluttm d*Orb. Prodrome, tomein, p. 9, 140. 

Gaas, Lesbarritz. 



Beitrag zur Kermtniss der Conchylienfauna des Vicentinischen Tertiär gebirges. 149 

Diese am Mt. Orami ziemlieh häufig vorkommende Art scheint sich von dem im Pariser Orobkalk so 
häufigen Terebellum sopüum Brand. (js=:Ter. convolutum Lam.) constant durch geringere Grösse und schlan- 
kere Gestalt zu unterscheiden , und stimmt in diesen beiden Punkten mit der in Gaas und Lesbarritz vor- 
kommenden Terebellum- kri Uberein, mit welcher ich sie dessbalb unter dem d'Orbigny'schen Namen Tere- 
bellum subconvolutum als eine selbstständige von der Pariser verschiedene Art vereinige. 

O. Stron^bu0 aurtcutatus Grat. 

Taf. IV, Fig. 1, 2. 
1840. Grateloup Concbyl. foBB. Supplement (univalves foBsileB de Dax), pl. I (pl. num. 46), Fig. l. 
Gaas, Lesbarritz (Grat). 

Gehäuse länglich eiförmig, höchst nnregelmässig, nach unten in einen kurzen dicken gedrehten Ganal 
ausgehend. Das Gewinde bei ausgewachsenen Exemplaren aus neun Umgängen bestehend, vollkommen flach, 
zuweilen selbst leicht eingesenkt und nur in der Mitte einen kurzen kegelförmigen Zapfen bildend. Die 
einzelnen Umgänge legen sich oben ein wenig über das Gewinde des vorhergehenden Umganges und bilden 
eine äusserst unregelmässige Naht. Der letzte Umgang an der, dem rechten Mundsaume diametral entgegen- 
gesetzten Seite, bauchig aufgetrieben und etwas weiter nach vorne an seiner oberen Kante mit einer starken, 
von oben nach unten zusammengedrückten, gesimseartig vorspringenden Schwiele versehen. Die Mundöffnung 
ist länglich , in ihrem oberen Theile durch die beiden stark callös verdickten Mundränder zu einer schmalen 
Rinne verengt. Der rechte Mundsaum flügelartig verbreitet, mit schneidendem Rande, ohne Ausschnitt, der 
linke als callöser Überzug die Spindel bedeckend, oberhalb des kurzen gewundenen Canals schwielig verdickt. 

Da Grateloup nur ein unvollständiges Exemplar dieser sonderbaren Art besass, hielt ich es für 
zweckmässig, dieselbe nach einem mir vom Mte. Castellaro vorliegenden ziemlich vollständigen Stücke von 
Neuem zu beschreiben und abzubilden. Auffallend ist der Mangel des sonst für die Stromhus-krie^Ti charakte- 
ristischen Sinus im rechten Mundrand, eine Eigenthttmlichkeit, die noch bei mehreren vicentinischen Strom- 
bus-krteiiy so unter anderen auch bei Strombus Fortist Brong. wiederkehrt, und es wohl nöthig machen wird, 
dieselben als eigenes Genus von den echten Strombis abzutrennen. 

lO. StrombH9 irregulari9 Fuchs. 

Taf. II, Fig. 1; Taf. IH, Fig. 1. 

Eine Anzahl leider grösstentheils sehr defecter Stücke eines Strombus scheinen bei aller Ähnlichkeit mit 
dem vorhergegangenen Str. auricukuus doch genügende Anhaltspunkte zur Aufstellung einer neuen Species 
zu bieten. 

Das Gehäuse ist unregelmässig fassförmig, nach unten in einen geraden (?) Canal verschmälert. Das 
kegelförmige Gewinde zeigt neun Umgänge, von denen sieben unregelmässig stufenförmig abgesetzt, die 
zwei letzteren aber verflacht sind und mit ihrem oberen Rande stellenweise auf die Gewindfläche des vorher- 
gehenden Umganges hinübergreifen. Der letzte Umgang ist ähnlich wie bei der vorhergehenden Art aufge- 
trieben und mit einer knotigen Wulst versehen. Die Spindel ist von dem callösen linken Mundrand bedeckt, 
und die Mundöfihung scheint ebenfalls durch die beiden verdickten Mundränder zu einem schmalen Canal 
verengt gewesen zu sein. 

Das aus Gaas und Lesbarritz stammende Fossil, welches Grateloup in seiner Conchyl. foss. du bas- 
sin de TAdour, pl. 24, flg. 6 als Fusus longaevus Lam. abbildet, scheint mit der in Rede stehenden Strom- 
bus-kri ident zu sein. 

11« Strombus radiär Brong. 

Taf. IV, Fig. 3. 
1823. Pteroeera rculias Brong. Vicent. p. 74, pl. 4, Fig. 9. 

Ein mir vom Mt. Grumi vorliegendes Exemplar ist etwas vollständiger erbalten, als das von Bron g- 
niart abgebildete, wesshalb ich eine Abbildung davon gebe. 



150 Th. Fuchs. 

Sehr selten. Siehe Sangonini. 

M3. Conu9 Ai9io9um Brong. 
Sehr selten. Siehe Sangonini. 

14f. Fleurotoma UneolaMa Lam. 

1823. FlmAr<a<ma elatneularis (Lam.) Brong. Vicent. p. 73. 

1824. 9 lineolata (Lam.) Desh. Coqo. foss. des env. d. PariSy p. 440, pl. 69, Fig. 11—14. 
1824. aemiatriata (Desh.) Desh. Coqu. foBS. des env. d. Paris, p. 443, pl. 69, Fig. 6, 6. 
1866. n linBolata (Lam.) Desh. Descript des anim. s. vertöbres, p. 408. 

Calc. gross., Sables moy. — Hauteville (Desh.). — Gap (d'Aroh.). 

Die schlankere Form , welche sich der PL clamcularü Lam. oder noch bezeichnender der PL evulsa 
Desh. nähert, von der sie sich jedoch noch immer durch die gröbere Streifnng an der Basis des letzten Um- 
ganges unterscheiden lässt. 

MS. BMureac Mäan%arckU Grat. 

1840. Grateloup Gonchyl. foss. RaneUes, pL 2 (pl. num. 30), Fig. 27, 36. 

1863. Sandberger Gonchyl. d. Mainzer Tertiärbeckens, p. 209, pl. 18, Fig. 4, 4 a. 

Gaas. — Weinheim, Welschberg bei Waldböckelheim (Sandb.). 

Ein mir vom Mt. Grumi vorliegendes ziemlich vollständig erhaltenes Sttlck stimmt sehr gut mit der Ab- 
bildung und Beschreibung tiberein , welche Sandberger L c. von dieser Art gibt; viel weniger dagegen 
mit der Abbildung und Beschreibung, welche Grateloup von seinem Murex Lamarckü gibt, der eine stär- 
kere, unregelmässigere und vor allen Dingen glatte Form zu sein scheint. Da die Abbildungen bei Grate- 
loup jedoch nicht sehr verlässlich sind, und mir Originalexemplare aus Gaas nicht vorliegen, muss ich mich 
wohl dem Urtheile Sandberger's anschliessen, der im Besitze von solchen war. 

10. 7ryphi9 pungen9 Desh. (Brand, pars). 

1776. Murex pungeiM Brander Foss. Hant. pl. 3, Fig. 82 (non Fig. 81). 

1776. 9 fiatfOowB (Brocc.) Sow. Min. Conchol. pl. 189, Fig. 1, 2. 

1824. „ . „ Desh. Env. Paris, II, p. 605, pl. 80, Fig. 1—3. 

1840. n n » Grat. Conch. foss. Ranelles 2. (pl. nom. 30), Fig. 12. 

1866. TyphU pungeM (Brand er) Desh. Bass. Paris, III, p. 335. 

Gaas, Lesbarritz (Grat.). ^ Calc. gross., Sables moy. (Desh.). — Barton (Sow.). 

Die mir aus Gaas und Lesbarritz vorliegenden Exemplare haben einen etwas längeren Canal als die 
englischen , und bei dem Exemplare aus Castel Gomberto ist ausserdem auch das Gewinde etwas höher, 
doch halte ich diesen Unterschied bei der sonst vollkommenen Übereinstimmung in ihrem so eigenthümlichen 
Baue für nicht hinreichend, um darauf eine Trennung in verschiedene Arten zu grtlnden. 

17. Vritonium Orateloupi Fuchs. 

Taf. IV, Fig. 9—11. 

Zwei mir vorliegende Exemplare eines kleinen Trüomum stimmen vollkommen mit einer Trttontum' Art 
Itberein , welche das kais. Hof-Mineraliencabinet unter dem Namen Trtt. Hütngert Grat, aus Gaas besitzt. 
Die Abbildung und Beschreibung, welche Grateloup (Conch. foss. pl. nr. 30, fig. 25) von dieser Art 
gibt, ist jedoch so abweichend, dass ich es für gerathener halte, die mir vorliegenden Exemplare neu zu 
benennen. 

Gehäuse länglich oval, spitz, aus 7—8 massig wachsenden unregelmässig höckerigen Umgängen beste- 
hend. Letzter Umgang etwas kürzer als das Gewinde, in einen kurzen geraden Canal verschmälert. Zwi- 
schen je zwei Mundwttlsten stehen knotenförmige Längsrippen, deren Zahl zwischen 5 — 8 schwankt. Von 
diesen Rippen sind die 2 — 3 dem Mundsaume zunächst liegenden schwächer , die weiter folgenden stärker 



Beitrag zur Kenntniss der Conchylienfauna des Vicentiniscken Tertiär gehirges. 151 

entwickelt. Die Oberflücbe des Gehäuses ist mit zahlreichen, feinen, dicht gedrängten Qaerlinien bedeckt, 
von denen zuweilen einige stärker hervortreten. Mundöfihnng oval. Bechter Mnndsaum stark verdickt, innen 
gezähnt; linker als dünnes Blättchen den Spindelrand bedeckend, in seiner unteren Hälfte ebenfalls mit fal- 
tenartigen Zähnen besetzt. 

Hohe 17 Miilim., Breite 8 Millim. 

Die Abbildung ist nach einem Exemplare von Gaas angefertigt. 

IS. Edwardmia nasmaefonni^ Fuchs. 

Taf. I, Fig. 17, 18. 

Gehäuse oval, zugespitzt, aufgeblasen, mit wahrscheinlich kurzem geradem Canal. Die Umgänge ge- 
wölbt , der letzte etwas länger als das Gewinde. Die Verzierung besteht in regelmässigen Längsrippen, 
welche ungefähr um die eigene Breite auseinander gerückt sind , und von denen ich auf dem letzten Um- 
gange des einzigen mir vorliegenden Exemplares 13 zähle. Diese Längsrippen sind sehr regelmässig 
gekreuzt durch feine Querstreifen, zwischen welchen noch äusserst zarte, nur unter der Loupe erkennbare 

Linien verlaufen. Der rechte Mundrand ist leider weggebrochen , der linke bedeckt als verdickter callöser 

.* 

Überzug die Spindel und trägt drei ziemlich gleich starke, schiefe Falten. 

Die bisher bekannt gewordenen Arten der Sippe Edwardstä besitzen sämmtlich nur zwei Spindelfalten, 
und würde daher unsere Form strenge genommen nicht dazu gerechnet werden dürfen. Da man jedoch in 
diesem Falle fllr dieselbe ein neues Geschlecht schaffen müsste, halte ich es bei der Übereinstimmung in allen 
übrigen Punkten i\lr zweckmässiger , den Begriff der Sippe Edwardstä dahin zu erweitern , dass auch die 
Formen mit drei Spindelfalten in dieselbe aufgenommen werden. 

Höhe 20 Millim., Breite 10 Millim. 

MO. VurhiueUn mgosa Fuchs. 

Taf I, Fig. 9, 10. 

Gehäuse länglich eiförmig, zugespitzt, mit kurzem gedrehtem Canal und offenem Nabel. Umgänge 
wenig gewölbt, der letzte mit dem Canale eben so lange oder wenig länger als das Gewinde. Die Sculptur 
besteht in dicken Längsrippen , welche sich auf den einzelnen Umgängen entsprechend, 7 — 8 von der Basis 
des Gehäuses aus gerade oder etwas schief gegen die Spitze zulaufende Rippen darstellen. Diese Rippen sind 
gekreuzt von ebenfalls ziemlich dicken Querleisten, die sich namentlich auf dem Canal zu einigen dicken Fal- 
ten entwickeln, und zwischen denen je eine feinere Linie verläuft. Bei gut erhaltenen Stücken sieht man 
ausserdem das ganze Gehäuse, den Zuwachsstreifen entsprechend, mit dichtgedrängten zarten Lamellen be- 
deckt, die namentlich zwischen den Querlinien und an den Nähten eine zierliche Schuppung hervorbringen. 
Die Spindel ist mit dem linken Mnndsaume bedeckt und mit drei gleich starken, wenig geneigten Falten ver- 
sehen. 

•O« #%f#tM aequaUa Michelotti. 

Taf. II, Fig. 14, 16. 

1840. Fateiolarta polygonata Grat. Conchyl. foBB. Turbinelles pL 1 (pl. nam. 22), Fig. 18, Tnrb. pl. 2 (pl. num. 23), 

Fig. 12. 
1840. „ auhearinata Grat Conchyl. foss. Tarbinelles, pl. 2 (pl. nnm. 2S), Fig. 13. 

1856. Fu9u$ polygonatu$ H^b. et Renev. Terrain nnrnmnl. sap. p. 188. 
1861. V aegualia Michelotti Mioc6ne inför. p. 116, pl. 12, Fig. 10. 
1861. Murex amhiguu» Michelotti Miocöne inför. p. 120, pl. 13, Fig. 22. 

Oaas (Grat.). — Fanden, Pemant, Diablerets, La Cordaz (Hob. et Renev.). — Montecchio (Michel.). 

Die Synonymik dieser vielfach verkannten Art ist eine ziemlich complicirte. In Gratelonp's bekann- 
tem Werke finden wir zwei Gastropoden abgebildet und beschrieben, von denen der eine den Namen Fascio- 
laria polygonata , der zweite den Namen Faseiolarta subcarinata trägt. Eine sorgf&ltige Vergleichung der 
Abbildungen und Beschreibungen mit Originalexemplaren aus Gaas brachten mich nun zur Überzeugung : 



152 Th. Fuchs. 

1. dass diese vermeintlichen zwei Arten in der That nur eine darstellten; 

2. dass diese Art nicht eine Fasctolaruiy sondern vielmehr ein Pusua sei. 

Mit Zuhilfenahme der einschlägigen Literatur gelang es mir femer, mich zu überzeugen , dass diese Art 
verschieden sei sowohl von Fusus subcarinatu» Lam., als auch von Fuaua polygonus Broug., ident dage* 
gen mit dem von Michelotti aus Montecchio beschriebenen und abgebildeten Fusus aegualü^ wenngleich 
freilich derselbe Autor dieselbe Art, aus derselben Localität, gleich hinterher als Murex ambt^juus abbildet 
und beschreibt. 

Da indessen Abbildung und Beschreibung bei Michelotti Vieles zu wünschen übrig lassen, wieder- 
hole ich dieselbe im Folgenden nach Exemplaren, welche das kais. Hof-Mineraliencabinet von Gaas besitzt, 
und mit welchen das mir vorliegende Stück vom Mte. Grumi vollständig übereinstimmt. 

Gehäuse länglich oval, nach unten zu in einen breiten, geraden, etwas gedrehten Canal zusammengezo- 
gen. Der letzte Umgang ungefähr doppelt so hoch als das Gewinde. Die Umgänge treppenförmig abgesetzt, 
durch einen Kiel in zwei ziemlich gleiche Partien getheilt , von denen die obere horizontal oder schwach 
dachförmig geneigt ist, während die untere steil einwärts fällt. Die Scniptar besteht in starken Längsrippen, 
welche an der Naht beginnend an der ganzen Seite des Gehäuses herablaufen und erst auf dem Canale ver- 
schwinden. Ausserdem ist die ganze Oberfläche des Gehäuses mit zahlreichen aber unregelmässig bald stär- 
keren,- bald schwächeren, bald dichter aneinander gedrängten, bald weiter auseinander geschobenen Quer- 

9 

linien bedeckt. Der rechte Mundrand ist innen durch stark erhabene Querlinien regelmässig gestreift , der 
linke bedeckt als dünner callöser Überzug den Spindelrand. 

Diese Art zeigt die meiste Verwandtschaft mit dem Fusus subcartnatus Lam. und namentlich mit der 
schlanken, stark gerippten Varietät desselben, welche Deshayes pl. 77, fig. 7, 8 abbildet. Doch ist selbst 
diese Varietät von dem echten Fusus aequalts bei einiger Aufmerksamkeit leicht durch folgende Merkmale zu 
unterscheiden : 

1. Der Canal ist nicht gerade, sondern stets deutlich gebogen. 

2. Die Bippen, wenn sie auch längs der ganzen Seitenwand aushalten, sind doch auf dem Dache ent- 
weder gänzlich verwischt oder doch viel schwächer entwickelt. 

3. Die Querstreifung des Gehäuses ist eine viel regelmässigere. Auf den Seitenwänden sieht man regel- 
mässig zwischen stärkeren Querstreifen mehrere feinere Linien verlaufen , während das Dach der Umgänge 
meist gleichmässig durch zahlreiche feine Linien gestreift erscheint. 

4. Die Streifung der Innenfläche des rechten Mundrandes, bei Fusus aequalts regelmässig und stark her- 
vortretend, ist bei Fusus subcartnatus immer viel unregelmässiger und wie verwischt. 

Fusus aequalts Michel, kommt nur in den Gombertoschichten , niemals hingegen in Bonca vor, wo da- 
für der echte Fusus subcartnatus Lam. häuflg gefunden wird. 

91. CerttMum UMeneguzxoi Fuchs. 

Taf. V, Fig. 11. 
1865. Cerithium Lejeunü (Ron aalt) Schanroth Verz. d. Verst. d. herzogl. Gab. zu Coburg, p. 245, pl. 26, Fig. l. 

Gehäuse gestreckt kegelförmig, aus zahlreichen flachen, niederen eng an einander schliessenden Um- 
gängen bestehend. Die Basis flach. Der Canal kurz und gedreht Die Sculptur besteht auf den obersten Win- 
dungen aus drei Beihen von Knoten, von denen die der obersten Beihe die stärksten, die der mittleren Beihe 
die schwächsten sind. Sehr bald stellt sich aber unterhalb der mittleren Enotenreihe eine zweite ebenfalls 
schwache ein, so dass wir nun auf dem Umgange eine starke obere, eine etwas schwächere untere und zwei 
feine mittlere Knotenreihen haben. Diesen Charakter behält die Sculptur auch auf dem ganzen übrigen Ge- 
häuse , und die Veränderung , welche sie erleidet , besteht nur darin , dass die Knoten der obersten Beihe 
nach abwärts zn rasch unverhältnissmässig zunehmen , und indem sie zugleich weiter auseinanderrücken, 
schliesslich kurz kegelförmige, von oben nach anten leicht zusammengedrückte, spitze Domen dar- 
stellen. 



Beitrag zur Kenntniss der Conchylienfaurui des Vicentinischen Tertiärgehirges. 153 

Diese in den Gombertoschichten häufige Art steht am nächsten dem Cer. CkarpenttertBsLSt. aus Gaas, 
unterscheidet sich aber von demselben auf den ersten Blick durch die starken weit auseinander gerückten 
Dornen, welche sich bei Cer. Charpentieri niemals entwiekeln. 

Schauroth identificirte diese Art mit dem Cerithtum Lejeunn Ronault aus Bos d'Arros, von dem 
sie vollkommen verschieden ist. Bd Cer. Lejeunn sind die einzelnen Umgänge viel niedriger und tragen 
ausser der obersten Dornenreihe nur zwei , nicht aber drei Enotenreihen. Es kommt ttl^rigens im vicentini* 
sehen Eocen auch das echte Cer. Lejeunü Ron lt. vor, jedoch immer nur in den viel älteren Tuffen von 
Ciuppio* 

IcA erlaube mir, diese auffallende, schöne Form Herrn Jos. Meneguzzo, dem eben so unermüdlichen 
als genauen und zuverlässigen Aufsammler der vicentinischen Eocenpetrefacten, zu widmen, von dessen Auf- 
sanmilungen auch der bei weitem grösste Theil des mir vorliegenden Materiales herstammt. 

99. CerifMutn Siroppu^ Brong. 

Taf. V, Fig. 1—3. 
1SS3. Brong. Vicent. p. 71, pl. III, Fig. 21 o, 5. 

Die Abbildung und Beschreibung, welche Brongniart von dieser Art gibt, lassen den Charakter der- 
selben nicht genügend hervortreten, wessbalb ich dieselbe in Folgendem wiederhole. 

Gehäuse kegelförmig, aus beiläufig 12 flachen Umgängen bestehend, mit flacher Basis, kurzem gedreh- 
ten Canal und unförmlich verdickten rechtem Mundsaum. Die oberen Umgänge tragen drei Eörnerreihen, 
von denen die oberste die stärkste , die mittlere die schwächste ist. Nach unten zu nehmen die Kömer der 
obersten Reihe rasch an Grösse zu und bilden schliesslich dicke rundliche, oder von oben nach unten etwas 
zusammengedrückte Knoten , welche von zwei bis drei quer über sie hinwegziehenden verdickten Leisten 
gekreuzt werden und dadurch wie zerschnitten erscheinen. 

Unterhalb dieaes Kranzes dicker Knoten schalten sich nach unten zu, allmählig 1 — 3, gekömelte oder 
auch glatte Querreifen ein , so dass schliesslich die Gesammtzahl der unterhalb der obersten Knotenreihe 
gelegenen Querreifen bis fttnf steigen kann. 

Diese Art bietet mancherlei Analogie mit Cer. elegana Brug. dar, und kann als eine viearirende Form 
dieser in den vicentinischen Tertiärbildungen bisher noch nicht aufgefundenen Art aufgefasst werden. 

93. CerUMutn trochleare Lam. 

1823. Cerithtum Diaboli Brong. Vicent. p. 72, pl. 4, Fig. 19 a, h. 

1824. ^ trochleare Desh. Eny. Paris, II, p. 388, pl. 55, Fig. 10, 11. 
1824. „ eonjunetum Desh. £nv. Paris, II, p. 387, pl. 73, Fig. I, 2, 3. 
1840. . Diaboli Grat. Conch. foss. Cörites, pl. 2 (pl. num. 18), Fig. 10. 
1852. » BurdigcUinum d'Orb. Prodrome III, p. 80, 1472. 

1855. « troehleara Hob. etBeDCv. Ter?, num. snp. p. 178, pl. tj t\g, 7. 

1863. „ , Sandb. Mainzer Becken, p. 102, pl. 8, Fig. l. 

1866. ff » Desh. Baas. Paris, III, p. 129, pl. 80, Fig. 1^8, 14. 

1866. 9 eanjuncttm Desh. BasB. Paris, III, p. 123, pl. 80, Fig. 19—21. 

Faudon, St. Bonnet, Diablerets. — Gaas. — Versailles, Pont chartrain, Jeurre, Ormoy, Morigny. — Weinheim, 
Waldböekelheim, Stetten bei Lörrach, Dölömont 

Ich fasse diese ftir die oligocenen Bildungen so überaus bezeichnende Art in dem Sinne Häbert's und 
Benevier's auf, indem mir die Hiteinbeziehung des Cer. conßinetum Desh. nach dem mir vorliegenden 
Materiale ebenfalls sehr wUnschenswerth und gerechtfertigt erscheint. Die am Mt Grumi am häufigsten 
vorkommende Form trägt auf jedem Umgange zwei starke leistenfbrmig hervortretende Kiele mit entfernt 
stehenden ELnoten. Die correspondirenden EJnoten der beiden Kiele sind häufig durch kurze Leisten verbun* 
den (Cer. Dtaboli Brong.). 

Eine zweite ebenfalls häufig vorkommende Varietät trägt auf jedem Umgange zwei ziemlich gleich starke 
zierliche Perlreihen , zwischen welchen eine schwächere glatte oder fein gekömelte Linie verläuft. Indem 

Denkschriften der mathem.-nftturw. Gl. XXX. Bd. Abhandl. ron NlchtmitgUedern. U 



154 TL Fuchs. 

nun von dieser Form aasgehend die Knoten der mittleren und oberen Reihe alimählig stärker werden , so 
dass schliesslich die mittlere mit der dritten gleich, die obere aber stärker als die beiden unteren ist^ gelangt 
man zu Formen , welche vollständig mit dem echten Cer. conjunctum Desh. aus Jeurre und ^tampes über- 
einstimmen. 

Zittel (Die obere Nummulitenformation in Ungarn, p.377) citirt das Cer.trochleare aus Piszke bei Gran, 
und in der That lassen die mir aus dieser Localität vorliegenden Stücke über die Richtigkeit dieser Bestim- 
mung kaum einen Zweifel übrig. Es wäre dieses Vorkommen in einer um so vieles älteren Bildung, zusam- 
men mit ii^t^^t«« ^oae, maximtitiy ntgoaua ^ Voluta subsptnoaa , Cerühiutn serrcUumy bicalcaratum ^ corvinum 
u. s. w., eine auffallende Thatsache, und drängt mich zu der Vermuthung, dass die Stücke nicht sowohl 
aus dem eigentlichen Piszkeer Mergel , der Fundstätte der oben citirten Grobkalkpetrefacten , sondern viel- 
mehr aus einer in der Nähe anstehenden Sandbildung stammen, welche früher fttr gleichalterig mit dem Pisz- 
keer Mergel gehalten , nach den sorgfaltigen Untersuchungen des Herrn v. Handtken nach der in ihr ent- 
haltenen Foraminiferenfauna bestimmt von viel geringerem , wahrscheinlich oberoligocenen Alter ist Es 
liegt mir diese Vermuthung um so näher, als dies nach einer mündlichen Mittheilung des Herrn v. Handt- 
ken bestimmt mit der von Zittel ebenfalls aus Piszke citirten Pholadomya Puschtt dtr Fall ist. 

99. Cerithtunm awnpuUomm Brong. 

Taf. V, Fig. 4, 6. 
1823. Brong. Vicent. p. 71, pl. 3, Fig. 18. 

Gehäuse länglich kegelförmig , mit vollkommen flachen Seiten und enge anschliessenden Umgängen. 
Die Mundöffhung oben mit einer Ausbuchtung wie mit einen kurzen Ganal versehen. Der rechte Mundsaum bei 
den mir vorliegenden Stücken leider weggebrochen , der linke als callöse Platte den Spindelraud deckend. 
Der Ganal scheint kurz und gewunden, aber ziemlich gerade gewesen zu sein. Die Oberfläche des Gehäuses 
ist mit zahlreichen aber stets flach bleibenden Varicositäten versehen. Die Sculptur besteht in zahlreichen 
Längsrippen , welche nngeiUhr um die eigene Breite auseinandergerückt sind , und von denen ich auf dem 
vorletzten Umgange 23 zähle. Diese Längsrippen werden regelmässig von drei Querreifen gekreuzt, die auf 
den Rippen zu runden Knoten anschwellen. Zwischen diesen drei stärkeren Querreifen sieht man zwei feinere 
Linien verlaufen , welche auf der Rippe zwei schwächere Knoten hervorbringen. Die Basis des letzten Um- 
ganges ist mit mehreren Knotenreihen verziert. 

Brongniart gibt diese Art ausser von Castel Gomberto noch aus der Umgebung von Dax an , woher 
sie mir nicht bekannt ist. Die von Grateloup (Concbyl. foss. Cirites, pl. 2, fig. 2) unter diesem Namen 
abgebildete Form scheint mir eine selbstständige , dem miocenen Cer. Ugnüarum zunächst stehende Art 
zu sein. 

9S. CeriUUum VogUnot Michel. 

Taf. V, Fig. 6. 

1861 CeriOUum Voglinoi Michelotti Miocöue inför. p. 122, pl. 12, Fig. 17. 
1861. „ Brongniarti Michelotti Miocöne inför. p. 123, pl. 12, Fig. 19, 20. 

Die von Michelotti 1. c. unter den Namen Cer. Voglinoi und Brongniarti abgebildeten und beschrie- 
benen zwei Cerithium-kriQn scheinen mir in Wahrheit nur eine Art darzustellen , welcher der erstere Name 
bleiben muss, da der zweite bereits vergeben ist. 

Das Gehäuse hat wie bei der vorhergehenden Art eine sehr in die Länge gezogene, zugespitzte Eiform. 
Die Umgänge sind flach , der letzte etwas abgezogen , mit schief gestellter Mundöffnung. Die Mundöffnung 
oben mit einem ausgussförmigen Ausschnitte versehen. Der linke Mundsaum als dicke callöse Platte den 
Spindelrand bedeckend. Das Gehäuse trägt zahlreiche, aber stets sehr flache, unregelmässige Varicositäten. 
Die Sculptur besteht in zahlreichen Längsfalten, ähnlich denen bei Cerithium striatum Brug. (=s Cer. nu- 
dumhdkm,), nur dass sie hier viel kräftiger sind. Diese Längsfalten werden unterhalb der Naht von einer 






Beitrag zur Kenntniss der Conchylienfawna des Vicentinischen Tertiär gebirges, 155 

leichten Depression eingeschnürt nnd von zahlreichen feinen Qnerlinien gekreuzt. An der Basis des letzten 
Umganges verschwinden die Längsfalten, nnd ist dieselbe nur von den Querstreifen bedeckt. 

•0* Cerithium aroideuwn Fuchs. 

Taf. V, Fig. 7, 8. 

Das Gehäuse hat eine sehr in die Länge gezogene , zugespitzte Eiform. Die Umgänge nur unbedeutend 
gewölbt, der letzte herabgezogen mit sehr schief, fast horizontal gestellter Mundöffhung. Die Sculptur be- 
steht in starken Längsrippen, welche ungefähr um die eigene Breite auseinandergerückt sind, und von denen 
ich auf dem letzten Umgange 18 zähle. Diese Längsrippen sind in ihrer Mitte durch eine Depression in zwei 
Hälften getheilt, die obere ist glatt, die untere durch eine oder zwei Querlinien gekreuzt. An der Basis des 
letzten Umganges lösen sich die starken Längsrippen in mehrere schwächere auf, welche durch zahlreiche 
Querfurchen in feine Knoten zerschnitten erscheinen^ 

99. Cerithium plicatum Brug. 

1824. DeshaycB Env. Paris, II, p. 389, pl. 65, Fig. 5—9. 

1863. Sandberger ITainzer Becken, p. 96, pl. 8, Big. 6, pl. 9, Fig. 1—7. 
1866. Deshayes Baas. PariB, ni, p. 196, pl. 80, Fig. 18, 19. 

De|:o, Caroare (Michel.). — Faudon, St. Bonnet, Pemant, Entrevemes, Diablerets (H6b. et Renev.). — Saint 
Paul bei Dax, Saucata bei Bordeaux. — VersaiUes, Pont cbartrain, Onnoy, Jeures, Morigny (De eh.). — 
Hempstead (Morris). — Tongres, Lethen, Eleinspauwen, Hoesselt, Looz, Vieux-Jone (Nyst. Cer. Oaieotti). 
— Weinbeim, Kleinkarben, Hochheim, Oppenheim (Sandb.). — Coeuve, Nuccule. — Miesbach (Gümbel).— 
Molt, Nonndorf, Pielach (Börnes). — Piszke bei Gran (Zittel). 

Diese in den oligocenen und untermiocenen Schichten allgemein verbreitete, überaus variable Art findet 
sich nicht selten in den Oombertoschichten, und zwar zumeist in der Varietät C intermedtum Sandb. (Main- 
zer Becken, Taf. 9, Fig. 4). Niemals kommt sie in Bonca vor. Zittel erwähnt diese Art aus Piszke bei Gran. 

Es gilt rttcksichtlich dieses Vorkommens dasselbe was von Cer. trochleare. 

9Sm CeriU^ium catcutom$n% Bast. 

Taf. V, Fig. 12—16. 

1825. Basterot Env. d. Bord. p. 58, pl. 3, Fig. 5. 

1840. Gratelonp Conchyl. foss. Cörites, pi. 8 (pl. num. 15), Fig. 18, 27. 

Gaas, St. Paul bei Dax, La Bröde, Leognan, Saucats (Grat.). 

Gehäuse eikegelförmig zugespitzt, mit zahlreichen, stark hervortretenden, nnregelmässigen Varices be 
deckt. Umgänge flach oder wenig gewölbt. Mundöffnung oval, oben mit einem kleinen Ausgusse versehen. 
Der rechte Mundsanm verdickt, innen glatt oder mit einigen seichten Furchen, niemals mit Zähnen versehen ; 
der linke als callöse Platte die Spindel bedeckend, mit deutlich begrenztem Saume. Canal kurz, gedreht und 
rückwärts gebogen. Die Sculptur ist sehr unregelmässig und veränderlich. Sie besteht in zahlreichen Längs- 
rippen , die von ebenfalls zahlreichen stärkeren und feineren Querlinien gekreuzt werden , von welchen die 
stärkeren auf den Längsrippen zu Knoten anschwellen. 

In der Begel sind drei stärkere Enotenreihen vorhanden , von denen die mittlere meist wieder stärker 
ist als die beiden anderen , und in excessiven Fällen auf Kosten der übrigen zu kurzen dicken Domen an- 
schwellen, wodurch diese Formen dann einigermassen an Cer. vulgatum erinnern. 

Diese Art hat manche Analogien mit dem in den Sables de Fontainebleau, so wie bei Weinheim häufig 
vorkommenden Cer. intradentatum Desh. (=» Cer. dentatum Defr. von Brug.) und kann als eine vicari- 
rende Form desselben angesehen werden. Die Unterschiede zwischen beiden Formen sind folgende: Bei Cer. 
tntradentatum Desh. sind die Körnerreihen feiner, zahlreicher und gleichmässiger. Der rechte Mundrand 
trägt innen zwei bis drei Zähne; der linke ist dünn und verschmilzt allmählig ohne deutliche Grenze mit der 
Basis des letzten Umganges. Der Canal ist etwas länger und mehr gerade. 

u* 



156 Th. Fuchs. 

90. Ceriihium pupoide^ Fuchs. 

Taf. VI, Fig. 18, 19. 

Gefaäase länglich kegelförmig, zugespitet» aebmal mit %iMk hervortretenden Varicositäten bedeckt. Um- 
gänge flach. Mandöfihung oval^ oben mit einem kleinen Ansgusse versehen. Rechter Mandsanm verdickt; 
linker als callöse Platte die Spindel bedeckend mit scharf abgegrenztem Saume. Canal knrz, gedreht und 
rückwärts gebogen. Die Sculptur ist sehr regelmässig ; sie besteht in zahlreichen Längsrippen ^ welche von 
drei Querreifen begrenzt werden, die auf den Rippen regelmässige, zügerundete Perlen erzeugen. Zwischen 
diesen drei Reifen verlauft je eine feinere Linie , die sich zuweilen ebenfalls in eine feinere Perlenschnur 
auflöst. 

Diese Art bietet mancherlei Analogien mit der vorhergehenden dar. Sie ist aber stets viel kleiner und 
schlanker, und in dem Detail der Sculptur sehr constant. 

Höhe 19 Millim., Breite 7 Millim. 

30. Ceriihium foreolaium Fuchs. 

Taf. VI, Fig. 24—27. 

Von dieser Art liegen mir leider nur einige Bruchstücke vor, welche über die Beschaffenheit der Spitze 
und des Mundes im Unklaren lassen. Die Gestalt dieser Art ist länglich kegelförmig. Die Umgänge gewölbt, 
durch tief eingeschnürte Nähte getrennt. Die Sculptur besteht in starken, dicken Längsrippen, welche unge- 
fähr um die eigene Breite von einander getrennt sind, und die von zwei starken Querlinien gekreuzt werden, 
wodurch die Oberfläche ein grubiges Ansehen erhält. Die Basis des letzten Umganges ist mit einigen star- 
ken Linien verziert. 

Sf . CerUhium Mghimui Michel. 

Taf. VI, Fig. 20-23. 
1861. Ceriihium Ighinai Michel. Miocöne inf<6r. p. 125, p1. IS, Fig. 8, 4. 

Cassinelle, Dego, Mioglia, Saasello (Michel.). — Lesbarritz (k. k. Hof-Mineraliencabinet). 

Gehäuse thurmförmig , mit zahlreichen , zerstreuten Varicositäten versehen. Umgänge gewölbt , gerippt. 
Rippen um die eigene Breite auseinander geschoben, von drei Querleisten gekreuzt, welche auf ihnen eben 
so viel Enotenreihen erzeugen. Zuweilen stellt sich längs der oberen Naht noch eine vierte ein, wodurch die 
Anzahl der Enotenreihen ebenfalls auf vier steigt. Nach oben nimmt die Zahl der Querleisten ab, und zeigen 
die Umgänge der Spitze nur zwei scharfe Querlinien. Die Basis ist mit drei starken Querleisten versehen, 
ähnlich wie bei Cer, lamellosum Brug. und die ganze Oberfläche des Gehäuses ausserdem zart quergestreift. 
Über die Beschaffenheit der Mundöffnung konnte ich an den mir vorliegenden Stücken keine Beobachtungen 
machen, da die Mundränder und der Canal bei allen weggebrochen waren. Bei Michelotti heisst es jedoch : 
„apertura ovata^ canali retortOy profundo, subplano,^ 

Höhe 30 Millim., Breite 12 Millim. 

Abgebrochene Spitzen dieser Art kommen am Mte. Grumi ausserordentlich häufig vor, sehr selten da- 
gegen findet man vollständigere Exemplare. Originalexemplare der Cer, Ighinai Mich., welche das Cabinet 
von Dego besitzt, gestatteten es, die Identität mit dieser Art festzustellen, was nach der von Michelotti 
gegebenen Abbildung allein wohl kaum hätte gewagt werden können. Ausserdem besitzt das Cabinet noch 
ein sehr gut erhaltenes Exemplar dieser Art aus Lesbarritz, welches auch zur Anfertigung der Fig. 20, 21, 
benutzt wurde. Fig. 22, 23 stellen Spitzen dieser Art vom Mt. Grumlvor. 

3%. CerUMuan coHniaiHm Lam. 

1824. Cerithium tubulatum (Lam.) Desh. Env. Paria, p. 364, p1. 63, Fig. 19, 20, 21. 
1866. ,, cotiuimum (Lam.) Desh. BaBB. Paris, p. 164. 

Calc. gross., Grignon, Parnes. — Hauteville (Desh.). 



Beitrag zur Kenntniss der Conchylienfauna des Vicentinischen Tertiärgebirges. 157 

Mehrere Exemplare vom Mt. Grami stimmen mit Originalexemplaren dieser zierlichen Form , welche 
das kais. Hof-Mineraliencabinet aus dem Grobkalkc von Grignon besitzt , in allen Punkten so vollkommen 
liberein, dass mir über die Identität dieser beiden Formen kein Zweifel ttbrig bleibt. 

33. Cerithium hrere Fuchs. 

Taf. VI, Fig. 16, 17. 

Gehäuse eiförmig zugespitzt , mit einigen unregelmässigen Varicositäten versehen. Die Umgänge ge- 
wölbt, die vier obersten mit schmalen enggestellten Bippen verziert^ welche hierauf plötzlich dick, beinahe 
knotig werden und von zwei starken stumpfen Querlinien gekreuzt sind. Die Mundöfinung oben mit einem 
kleinen Ausgusse versehen. Der linke Mundsaum als dünne callöse Platte die Spindel bedeckend. Canal 
stark gedreht Die Basis des letzten Umganges ist mit einigen stftrkeren Linien gestreift, und ausserdem, so 
wie auch das ganze übrige Gehäuse, mit zahlreichen zarten, nur unter der Loupe erkennbaren Querlinien 
verziert. 

Höhe 20 Millim., Breite 10 Millim. 

3Ü. CerUMum OelboH Michel. 

Tat VI, Fig. 5—8. 
1861. Miohelotti Mloctoe inför. p. 129, pl. 13, Fig. 1, 2. 

Gehäuse sehr unregelmässig gebildet. Die acht oberen Umgänge bilden einen kurzen stumpfen Kegel ; 
sie sind flach oder wenig gewölbt, an der unteren Naht mit entfernt stehenden dicken, stumpfen Knoten be« 
setzt. Diese Knoten stülpen zuweilen den oberen Rand des folgenden Umganges etwas hervor , wodurch 
derselbe einen unregelmässig welligen Verlauf nimmt. Der letzte Umgang ist plötzlich stark abwärts gezo- 
gen, gewölbt, beinahe so breit als das übrige Gewinde hoch, und mit einem einzigen in der Nähe des lin- 
ken Mundrandes befindlichen unförmlichen Knoten versehen. Mundöfinung rundlich , oben mit einem kurz 
canalförmigen Ausschnitte versehen. Der rechte Mnndsanm unregelmässig verdickt. Der linke als dünne cal- 
löse Platte die Spindel bedeckend. Der Canal verhältnissmässig lang und gerade. Die Oberfiäche des gan- 
zen Gehäuses ist durch zahlreiche Querlinien gestreift. 

Diese auffallende Form hat viel Ähnlichkeit mit dem Cer. tuberosum Grat, aus Gaas (Univ. foss. d. 
Dax, pl. 3, Fig. 10). Doch wage ich sie in Ermanglung von Originalexemplaren, bei der immerhin etwas 
abweichenden Abbildung, nicht damit zu identificiren. 

33. Cerithium ^Vetnktmfß Fuchs. 

Taf. VI, Fig. 12—14. 

Gehäuse kegelförmig zugespitzt, mit fiach gewölbten Umgängen und zugernndeter Basis. Die Umgänge 
an der unteren Naht mit stumpfen, oft bis zur Unkenntlichkeit verflachten Knoten und hie und da mit eben 
solchen Varicositäten versehen. Die Mundöfinung rundlich , ziemlich gross. Der linke Mundsaum als kaum 
unterscheidbare dünne Platte der Spindel aufliegend. Der Canal, leider bei allen Exemplaren weggebrochen, 
scheint sehr kurz gewesen zu sein. Die Oberfläche des ganzen Gehäuses mit zahlreichen dicht gedrängten 
Querlinien bedeckt. 

Höhe 11 Millim., Breite 6 Millim. 

3Sm CerUhiuvn nimoide^ Fuchs. 

Taf. VI, Fig. 9—11. 

Gehäuse kegelförmig, aus breiter Basis zugespitzt. Basis abgeflacht, durch einen stumpfen Kiel von der 
Seite des letzten Umganges geschieden. Umgänge flach , an der unteren Naht mit stumpfen, oft bis zur Un- 
kenptlichkeit verflachten Knoten besetzt. Mundöffiiung ziemlich gross, rundlich. Die Oberfläche des ganzen 
Gehäuses mit zahlreichen feinen QuerUnien verziert. 



158 Th. Fuchs. 

Diese Art hat sehr viel Ähnlichkeit mit der yorhergebenden, unterscheidet sich aber von ihr leicht durch 
den gekielten letzten Umgang und die etwas abgeflachte Basis. 
Höhe 7 Millim., Breite 4-5 Millim. 

S9m Certihium irochoMem Fuchs. 

Taf. VI, Fig. 28—30. 

Gehäuse kurz kegelförmig, Umgänge darch einen scharfen, glatten oder gekOmelten Kiel in einen obe- 
ren breiteren dachförmig abgeflachten, und einen unteren schmäleren, schief gegen die Axe des Gehäuses 
einfallenden Theil geschieden. Die Basis mit einem zweiten stets glatten Kiel versehen. Mundöflhung gross 
rundlich. Die Oberfläche mit zahlreichen dicht gedrängten Querlinien verziert. Die Mundränder, so wie der 
Canal sind leider an keinem der zahlreichen mir vorliegenden Exemplare erhalten , so dass selbst die gene- 
rische Stellung dieser Form nicht über alle Anfechtung erhaben erscheint, und es eigentlich nur die grosse 
Ähnlichkeit mit mehreren häufig in den Gombertoschichten vorkommenden , unzweifelhaften Cerel^Amm- Arten 
ist, die mich bewogen hat, sie diesem Genus unterzuordnen. 

Höhe 8 Millim., Breite 5 Millim. 

Es scheint mir dieses Fossil ident mit demjenigen zu sein, welches Brongniart (Vicent. p. 57, pl. VI, 
Fig. 10) als Trochua excavatua abbildet und beschreibt, indem er zugleich anführt, dass dieser Name von 
Schlotheim einem mit der Gomberto-Species identen Conchyl aus dem Mainzer Becken gegeben worden 
sei. Ich konnte weder in den Schlotheim'schen Werken den Namen Trochua excavahia auffinden, noch ist 
mir überhaupt aus dem Mainzer Becken ein Conchyl bekannt, welches mit dem vorliegenden verwechselt wer- 
den könnte. Da überdies der Name Cerithium excavatum schon im Jahre 1832 von Brongniart einer 
Kreidespecies gegeben wurde , sah ich iflich genöthigt , für die vorliegende Form einen neuen Namen zu 
schaffen. 

aS. CertOkium Boblayi Desh. 

1824. Cerithium Bohlayi Desh. £nv. d. Paris, p. 423, pl. 66, Fig. 1—4. 

1824. » eonoidaie (Lam.?) Desh. £nv. d. Paris, p. 428, pl. 56, Fig. 6 — 8. 

1863. n Boblayi Sandb. Mainzer Becken, p. 109, pl. 10, Fig. 5. 

Versailles, Pont chartrain , £trechy, Jeorre, Morigny (Desh.). — Coeuve (Sandb.). — Weinheim, Wald- 
böckelheim (Weinkauff). 

30. Certihtum ais^itun^ Desh. 

1863. Cerithium dissitum Sandb. Mainzer Becken, p. 112, pl. 9, Fig. 9. 

1866. „ „ Desh. Bass. Paris, III, p. 173, pl. 80, Fig. 29—31. 

1867. n minuiiseimum Speyer, Cassler Tertiärbild. p. 135, pL 19, Fig. 12. 

Gaas (kais. Hof-Mineraliencab.). — Jeorre, £trechy (Desh.). — Niederkanfungen {Cer. minutiuimum Speyer). 
^ Weinheim, Waldböckelheim (Weink.). 

4IO« Vrtforim pUcatus Desh. 

1824. Desh. £nv. Paris, II, p. 431, pl. 71, Fig. 13—17. 
Sables moy. (Desh.). 

411. Mte^hayesla cocJlleorio Brong. 

1823. AmpuUaria coeMearia Brong. Vicent p. 58, pl. 2, Fig. 20. 

1844. Deshayena Parieiensis Raul in, Mag. zool. II, Sör. 14, pl. 111. 

1840. Natieella neritoide» Grat. Conchyl. foss. Natices, pl. 6 (pl. nnm. 10), Fig. 27, 28. 

1855. Deshayeeia eoehfearia (Brong.) Hob. et Rene v. Numm. snpör. p. 166, pl. 1, Fig. 3. 

1866. Veshayesia ParititfiM (Raul.) Desh. Bass. Paris, III, p. 85, pl. 69, Fig. 14, 19. 

Faudon, Saint-Bonnet, Diablerets (Hob. et Renev.). — Gaas, Lesbarritz (Grat.). — Sables supör. de Fon- 
tainebleau, Jenrre, £treohy, Morigny (Desh.). 

Deshayes hält die in den Sables de Fontaineblean vorkommende Deahayeata f&r verschieden von der 
von Castel Gomberto und Gaas. Doch scheinen mir die von ihm angeführten geringen Unterschiede in der 



Beitrag zur Kenntruss der ConchyUenfanna des Vicentinischen Tertiärgebirges. 159 

Zahnbildang and der Callosität des Spindelrandes am so weniger die Aafstellang einer selbstständigen Art za 
rechtfertigen, als dieselbe ja in einem viel wesentlicheren Punkte, nämlich in der Beschaffenheit des Nabels, 
der bald vollständig geschlossen , bald ziemlich weit geöffnet ist , sich als so variabel erweist , and ich 
schliesse mich daher der Ansicht Höbert's and Benevier's an, welche die Pariser and Gaaser Formen ver- 
einigen. 

Diese Art scheint in den Gombertoschichten nicht sehr häafig za sein. Niemals kommt sie in Ronca vor. 

49. iVofica gihheroma Grat. 

1840. Naüea gibberoBa Grat Concbyl. fo88. Natices, pl. 4 (pl. nom. 9), Fig. 1—4. 
1855. „ Beaumonti Hob. et Rene V. Nnmmul. supör. p. 165, pl. 1, Fi^. 2. 

St Bonnet (Hob. etRenev.). — Gaas, Lesbarritx (Grat). 

Eine Vergleichnng der Beschreibnng and Abbildang , welche Hubert and Renevier I.e. von ihrer 
Not. Beaumonti geben , mit Originalexemplaren der Nat. gtbherosa Grat aas Gaas lassen keinen Zweifel 
Ober die Identität dieser beiden Formen. 

43« Naitca cram^attna Lam. 

1804. Ampullaria enuiaiina Lam. Ann. Mus. V, p. 33, et YIU, pl. 61, Fig. 8. 

1823. n obesa Brong. Vicent p. 58, pl. 2, Fig. 19. 

1824. Natiea eroMotina Desh. £nv. d. Paris, pl. 171, pl. 20, Fig. 1, 2. 

1840. 9 Grat. Conchyl. foss. Natices, pl. 1 (pl. num, 6), Fig. 3. 

1840. , maxima Grat Conchyl. foss. Natices, pl. 1 (pL nam. 6), Fig. 1, 2; pl. 2 rpl. num. 7), Fig. 1. 

1855. « era—cUina Hob. etRenev. Nnmm. snp. p. 162. 

1861. « „ Michel. Miocöne inför. p. 87. 

1863. « 9 Sandb. Mainzer Becken, p. 161, pl. 13, Fig. 1. 

1866. « n Desh. Bass. Paris, III, p. 58. 

Dego, Sassello, Stella (Michel.). — Diablerets (Hob. et Renev.). — Gaas, Larrat, Lesplaces, Lesperon 
(Grat). — Versailles, Pontchartrain, l^trechy, Jeurre, Ormoy, Neuilly (Desh.). ~ Weinheim, Welschberg 
bei Waldböckelheim, Kemberg bei Kreuznach, Geisenheim, Brislach bei Dölömont, Pruntrut, Coeuve, Nen- 
cul (Sandb). — Diös Jenö in Ungarn (kais. Hof-Mineraliencab.). 

441. NaUea Siudert Quenst 

1823. Ampullaria depre9§a Brong. Vicent p. 58 (nonLam.). 

1824. Natiea mutahlis Desh. £nv. Paris, II, p. 175, pL 21, Fig. 11, 12 (non Brand.). 

1839. Ampullaria Studeri Quenst Leonh. Jahrb. VII, p. 65. 

1850. Naiiea Parisie^ui» d*Orb. Prodr., 11, p. 344 {N, mutabilis Desh.). 
1866. „ „ (d'Orb.) Desh. Bass. Paris, III, p. 66. 

St. Bonnet, Faudon, Pemant et Entrevernes (Hob. etRenev.). — Galc. gross, sup^r., Sables moy. (Desh.). 

HS. IVatica anguatata Grat 

1840. Natiea ferrvginea Grat. Conchyl. foss. Natices, pl. 1 (pl. num. 6), Fig. 4; pL 2 (pl. num. 7), Fig. 4. 
1840. „ pondero»a Grat Gonchyl. foss. Natices, pl. 2 (pl. num. 7), Fig. 2, 3, 5, 6. 

1840. f, anguBtata Grat Gonchyl. foss. Natices, pl. 3 (pl. num. 8), Fig. 1—5. 

1849. . Delbom H6b. Bull. Soc. göol. 2. sör. VI, p. 446. 

1855. a , Hob. etRenev. Nummul. sup. p. 160. 

1865. « »uhturrita Schaur. Verz. Verst Nat Gab. Goburg. p. 253, pl. 27, Fig. 2. 

Fandon, St Bonnet, Diablerets (Hob. etRenev.). — Gaas, Tartas, Abesse (Grat). 

4f6« IVerita Caronis Brong. 

1823. Brong. Vicent p. 60, pl. 2, Fig. 14. 

417« JKenophora cutmulans Brong. 

1823. Troehtu cumulan» Brong. Vicent p. 57, pl. 4, Fig. 1. 

1824. „ eone^yliophorus (Born.) Desh. Env. Paris, II, p. 242, pl. 31, Fig. 1, 2. 
1864. Xenophora eumtUan» (Brong.) Desh. Bass. Paris, U, p. 962. 

Sables moy. (Desh.). 



160 Th. Fuchs. 

48. SVocJktM täucamianum Brong. 

Taf. III, Fig. 19-51. 

1825. Trochuß Lueasianut Brong. Vicent. p. .^5, pl. 2, Fig. 6. 

1840. , monilifer (Lam.) Grat. Conchyl. foss. Trogues, pl. i (pl. num. 13), Fig 9. 

1855. ^ Luea9ianu9 (Brong.) H^b. et Kenev. p. 174. 

Diablerete (Hob. e^Renev.). — G>aas, Lesbarritz (Grat). 

Gebäase verkürzt kegelfbrmig. Die oberen WkdsnigeQ flaob, die unteren etwas gewölbt, wodurch das 
Gehänse in der Jugend streng kegelförmig, später unregelmässig bauchig wird. Basis flach. Mnndöffnung 
sehr schief und schmal. Spindel zu einem callösen Knoten verdiekt. Die oberen Windungen zeigen an ihrer 
unteren Naht flache, von oben nach unten zusammengedruckte Knoten; diese Knoten werden nach unten zu 
allmählig rundlieh, und es schiebt sich ober ihnen eine zweite und schliesslich zu oberst eine dritte Knoten- 
reihe ein. Die beiden unteren Knotenreihen sind einander immer mehr genähert und verschmelzen in seltenen 
Fällen sogar zu einer einzigen. Die Knoten der obersten Reihe, im Anfange rundlich, strecken sich später 
zuweilen etwas in die Länge und bilden dann kurze dicke Längsleisten. — Die Basis ist kräftig gestreift. 

Brongniart hatte zu seiner Beschreibung und Abbildung ein Exemplar vor sich, an welchem die beiden 
unteren Knotenreihen zu einer einzigen verschmolzen waren, und gibt daher nur zwei Knotenreihen an. Es 
ist dies jedoch der seltenere Fall, in der Regel sind drei verbanden. 

49« XVocJktf« Boscianua Brong. 

1823. Triichu9 Boaeianui Brong. Vicent. p. 56, pl. 2, Fig. 11. 

1825. tt , (Brong.) Bast. Env. Bord. p. 33. 

1840. „ „ (Brong.) Grat. CoBcfayl. foss. Trogues, pl. 1 (pl. num. 13), Fig. 10, 11. 

1850, „ „ (Brong.) d'Orb. Prodrome, II, p. 31«, num. 280. 

1852. » Noe d*Orb. (Gaas) Prodrome, III, p. 7, num. 101. 

1861. , „ (d'Orb.) Michel. Mioc. inför. p. 90. 

GinsTalla (Michel.). — Gaas, Tartas (Grat.). 

AO« Tr^chma gUfne^^ieri Fuchs. 

Taf. n, Fig. 4—6. 

Gehäuse niedrig kegelförmig, ungefUhr so hoch als breit; von der Basis gegen die Spitze sich rasch 
verjüngemd zugespitzt. Basis stark gewölbt Umgänge gekielt. Der Kiel mit der Naht zusammenfaUend, 
mit Knoten versehen. Mundöffnung viereckig. Nabel sehr enge, schlitzförmig. Die Oberfläche des ganzen 
Gehäuses von der Spitze bis zum Nabel mit zahlreichen stärkeren und feineren Querlinien bedeckt. 

Höhe 9MilIim., Breite 8 Millim. 

Diese Art hat in Grösse, Gestalt und selbst der Sculptur die grösste Aehnlichkeit mit dem Trochiis Des- 
hayeai E€h, et Kenev. aus St. Bonnet (Terr. numm. sup. pag. 174, pl. 1, Fig. 6), nur dass nach der Zeich- 
nung bei dieser Art die Knoten nicht auf dem Kiel, sondern an der oberen Naht stehen. 

Auffallend ist es jedoch, dass in der Beschreibung im Wider&pruch mit der Abbildung und ganz in Über- 
einstimmung mit unserer Art die Knoten auf den Kiel versetzt werden (La snrface conique de la coqnille est 
s^paröe de la base par une carine, tr6s-proDonc6e, orn6e de tubercules qui deviennent quelquefois trös-pro- 
^minents), und es demnach fast den Anschein gewinnt, als wenn die Zeichnung durch irgend einen Zufall 
missglückt wäre, in welchem Fall un3er Troehus Eetievüri wohl mit dem TrochtM Deshayest ident und in 
die Zahl der Synonyme zu rechnen sein würde. 

Jjf« 7Pt^chn9 suhcarinutus Lam. 

1823. Trorhus tubcarinattu Lam. Coquilles foss. Env. Paris, pl. 7, Fig. 7. 

1824. 9 „ (Lam.) (dnrch Irrtbum im Texte Tr. uniangulant Desh.) Desfa. Envir. Paris, II, p. 238, 
pl. 29, Fig. 19—22; pl. 30, Fig. 6—9. 

1824. Trochus cyclostoma Desh. II, p. 237, pl. 29, Fig. 9, 10, 14. 



Beitrag zur Kenntniss der ConchyUenfauna des Vicentirdschen Tertiärgebirges. 161 

1863. Troehvs troehUaria Sandb. Mainzer Becken, p. 147, pl. 10, Fig. 11. 

1864. „ •übearinatu9 (Lam.) Desh. BasB. Paris, II, p. 956. 

Sables de Fontaineblean, Versailles, Longjiimeaa, Jenrre, £treehy (De ah.). — Wainheim (Sandb.)- 

S9. Mtelphinula Scohina Brong. 

1823. Ttirho 8eMna Brong. Vicent p. 63, pl. 2, Fig. 7. 
18^6. Delphinula Beobina (Brong.) Bast. Env. Bord. p. 27. 

1840. * n (Brong.) Grat Conch. foss. Seal. Danph. 1 (pl. num. 12), Fig. 12 — 14. 

1861. Turbo SüMnus (Brong.) Michel. Mioc. infär. p. 93. 

Carcare, Dego (Michel.). — Cazordite, CanneiUe (Grat). -^ Gaas (Hof-Mineraliencab.). 

Diese Art steht der Delphinula calcar. Lam. ans dem Grobkalke so nahOi dass ich ttber ihre Selbst- 
ständigkeit sehr im Zweifel bin. 

Im Allgemeinen ist bei ihr die Enotenbildnng auf den ersten Umgängen eine stärkere. 

S3. DeIpMnuMa striata Lam. 

1824. Desh. £ny. Paris, II, p. 207, pl. 34, Fig. 8—11. 
1864. Desh. Bass. Paris, II, p. 933. 

Calc. gross., Sables moy. (Desh.). 

jm. MtelptUnula muUtHrtatm Fachs. 

Taf. m, Fig. 22—24. 

Gehänse kreiseiförmig niedergedrückt, ans fllnf massig rasch wachsenden Umgängen bestehend. Um- 
gänge anschliessend, gewölbt, darch eine deutliche Naht getrennt. Gewinde halb so hoch als der letzte Um- 
gang. Basis zngernndet, genabelt, Nabel von einem gekerbten, schwieligen Bande umgeben. Mnndöffnnng 
kreisrund, Hundsanm zusammenhängend stark verdickt. Oberfläche des Gehäuses gleichmässig mit dicht 
gedrängten, feinen Querreifen bedeckt, zwischen denen zuweilen noch je eine fernere Linie verläuft 

Durchmesser des Gehäuses 8 Millim., Höhe des Gehäuses 8 MillinL 

Diese Art ist nahe verwandt mit Delphinula marginata Lam., unterscheidet jedoch sich von derselben 
auf den ersten Blick durch das gestreifte Gehäuse. 

SS. FhuMimtäeitm ^utMrata Fuchs. 

Taf. II, Fig. 10, 11. 

Das Gehäuse ist eiförmig zugespitzt. Letzter Umgang ungefähr so hoch als das Gewinde. Umgänge ge- 
wölbt, durch canalförmig vertiefte Naht getrennt 

Mundöffnung breit oval. Linker Mundsaum als callöse Platte den Spindelrand bedeckend, oben dflnn 
und häutig, nach unten zu allmählig verdickt. 

Höhe 30 Millim., Breite 20 MilUm. 

SB. Vurbo MPlUoni Bast 

1825. Turbo Fiuom Bast Env. Bord. p. 27, pL 1, Fig. 6. 

1840. , variabilU Grat Conch. foss. Monod. Turb. pl. 1 (pL num. 14), Fig. 6, 7, 8, 10. 

Cazordite (Grat.). 

S9. Vurho eimumu9 Fuchs. 

Ta£ n, Fig. 23, 24. 

Gehäuse kreiseiförmig, aus sechs rasch zunehmenden Umgängen bestehend« Umgänge gewölbt Mund- 
öflEhung gross, rundlich, schief. Linker Mundsaum verdickt Nabel durch eine schwielige Spindelleiste ge- 
schlossen. Das ganze Gehäuse von der Spitze bis zum Nabel mit zahlreichen, gedrängten, verdickten Quer- 
reifen verziert. Diese Querreifen sind glatt, nüt Ausnahme des obersten zunächst der Naht gelegenen, der 
bei den mir vorliegenden Exemplaren gekömelt erscheint 

DankMhrift«n der m«th«in.-natarw. Ol. XXX. Bd. Abhaadl. Ton NiehtmltgUtden. y 



162 Th. Fuchs. 

SS. ÜVirfto sirlaiHlus Desb. 

1824. Turbo BtriaitUui Desb. Env. Paris. II, p. 253, pl. 30, Fig. 10 — 18. 
1864. „ n Desh. Bass. Paris, II, p. 897. 

Calc. gross. (Des h.). 

SO. Vurbo nanuM Fachs. 

Taf. II, Fig. 7-9. 

Gehäuse kreisel-kegelfbrmig , aus fünf gewölbten Umgängen bestehend. Naht tief eingeschnürt. Mund- 
Öffnung gross, rund. Nabel geschlossen. Die oberen Umgänge mit drei, der letzte bis zum Nabel mit ftlnf 
zierlich aber stark geschuppten Querreifen verziert. 

Höhe 5 Millim. , Breite 4 Millim. 

OO. Viirbo fnodeHus Fuchs. 

Taf. II, Fig. 16-19. 

Gehäuse stark, dickwandig, kreiseiförmig, aus fünf gewölbten Umgängen bestehend. Letzter Umgang 
etwas herabgezogen. MundöfEhung gross , rundlich, schief. Nabel vollständig geschlossen. Spindel mit zwei 
kleinen , stumpfen Falten versehen. Das ganze Gehäuse von der Spitze bis zum Nabel gleichmässig durch 
zahlreiche Querlinien gestreift. 

Höhe 5 Millim., Breite 5 Millim. 

Diese kleine unscheinbare Form hat in Gestalt, Grösse uud Sculptur die grösste Ähnlichkeit mit dem im 
Grobkalk von Haute ville häufigen Turbo Euffenn Desh. (Bass. Paris, 11, pag. 905, pl. 60, Fig. 28 — 30), unter- 
scheidet sich jedoch von demselben durch den vollständig geschlossenen Nabel und die zwei Zähne auf der 
Spindel, während Turbo Ettgem'i Desh nur einen besitzt. 

Ol. Vnrho Sandhergert Fuchs. 

Taf. m, Fig. 10—12. 

Eine kleine zierliche Art, welche die Mitte hält zwischen Turbo crattculatus Desh. und Turbo sexangu- 
larü Sandb. Das Gehäuse ist kreisel-kegelförmig, nngeföhr eben so hoch als breit, aus sechs langsam wachr 
senden Umgängen bestehend. Umgänge treppenförmig abgesetzt, durch eine scharfe Kante in einen hori- 
zontalen oder wenig geneigten Dach- und einen flachen Seitentheil getrennt. Letzter Umgang auch an der 
Basis mit einem Kiele versehen und in Folge dessen zweikantig. Basis gewölbt, genabelt. Mundöffnung kreis- 
rund, Mundsaum fast vollständig zusammenhängend. 

Die ganze Oberfläche des Gehäuses mit feineren Querreifen versehen, von denen 2— Sauf das Dach, 
ebensoviel auf den Seitentheil und mehrere auf die Basis des letzten Umganges kommen. 

Durchmesser des Gehäuses 5 Millim., Höhe des Gehäuses 5 Millim. 

Von Turbo crattculatus Desh. unterscheidet sich diese Art durcli die nicht canalförmig vertiefte Naht 
und den Mangel der gitterförmigen Sculptur der Oberfläche; von Trochus sexangularü Sandb. durch die 
gröberen Querreifen, etwas grösseren Nabel und den mehr zusammenhängenden Mundsaum. 

0S« Vurha pleft^tM Fuchs. 

Taf. U, Fig. 20—22. 

Gehäuse niedrig kegelförmig, aus fttnf rasch zunehmenden Umgängen bestehend. Umgänge gewölbt, 
mit einem stumpfen Kiel versehen, sonst vollständig glatt. Nähte stark eingeschnürt. Mundöffiiung gross, 
rundlich. Nabel schmal, schlitzförmig. 

Di^se kleine sehr unscheinbare Art kommt am Monte Grumi häufig vor. 

Höhe 6 Millim., Breite 5 Millim. 



Beitrag zur Kenntniss der Conchylienfauna des Vicentinischen Tertiärgebirges, 163 

SS. HuUu #firiofeffa Lam. 

1884. BuUa ttrüaella (Lam.) Desh. £ny. Paris, II, p. 43, pL 6, Fig. 7—9. 
1864. f, . (Lam.) Desh. Baas. Paris, U, p. 646. 

Sables inför., Calc. groBB., Sables moy. (Des h.). — Higbcliff (Hof-Mineralieneab.)- 

OÜ. Bulla regutaris Fuchs. 

Tat I, Fig. 19, 20. 

Gehäuse ziemlich regelmässig cylindrisch, nach oben und unten unbedeutend verschmälert, ungefähr 
doppelt so hoch als breit Spitze abgestutzt. Gewinde eingesenkt, einen schmalen Nabel bildend. Mundöff- 
nang schmal, in der unteren Hälfte erweitert, oben und unten etwas über die Grenzen des Gehäuses verlän- 
gert. Die Oberfläche des Gehäuses ist bei dem mir vorliegenden Exemplare leider stark angegriffen , scheint 

.« 

nur unten fein gestreift, im Übrigen aber vollständig glatt gewesen zu sein. 

Diese Art hat in der Gestalt viel Ähnlichkeit mit der BuUa glaphyra und cincta D e s h. (Bass. Paris, II, 
pl. 39, Fig. 16 — 18, 19 — 21), unterscheidet sich von ihnen aber sowohl durch bedeutendere Dimensio- 
nen als auch dadurch, dass sie nur unten gestreift, im Übrigen aber glatt ist 

Höhe 14 Millim., Breite 7 MilUm. 

OA. BuUa Simplex Fuchs. 

Taf. I, Fig. 21, 22. 

Gehäuse eiförmig, nach oben und unten gleiehmässig zusammengezogen, ungefähr doppelt so hoch 
als breit. Spitze abgestumpft, mit einem sehr engen Nabel versehen. Mundöffhung schmal, nach unten etwas 
erweitert. Gehäuse unten zart quer gestreift, im Übrigen glatt. 

Höhe 13 Millim., Breite 7 Millim. 

60« BuUa amphiconus Fuchs. 

Taf. I, Fig. 23, 24. 

Gehäuse ungefähr doppelt so hoch als breit, nach unten und oben verschmälert, von der Gestalt zweier 
stumpfer, mit der Basis aneinander stossender Kegel , von welchen der obere ein, der untere zwei Drittheile 
der Gesammthöhe beträgt. Spitze abgestutzt. Gewinde eingesenkt. Mundöffnung schmal, nach unten etwas 
erweitert. Oberfläche der Schale unten fein gestreift, im Übrigen glatt. 

Höhe 15 Millim., Breite 9 Millim. 

67« BuUa coroftafa Lam. 

1824. Bt^la cor&naia (Lam.) Desh. Env. Paris, U, p. 42, pl. 5, Fig. 18—20. 
1864. 9 „ (Lam.) Desh. Bass. Paris, II, p. 631. 

Sables inf(&r., Calc. gross., Sables moy. (Desh.). 

Die Exemplare yom Monte Gmmi sind etwas kürzer und dicker, als die mir aus dem Pariser Grobkalk 
vorliegenden und nähern sich dadurch mehr der Form der Sables inför. 

es. BuUa laerls Defr. 

1824. BuUa laevii (Defr.) Desh. Env. Paris, II, p. 40, pl. 6, Fig. 25, 26. 
1864. « 9 (Defr.) Desh. Bass. Paris, II, p. 643. 

Calc. gross. (Desh.). 

69. VurboniUa pulchra Desh. 

1864. Turbonilla pulchra Desh. Bass. Paris, II, p. 667, pl. 20, Fig. 24, 25. 
Calc. gross. (Desh.). 



164 Th Fuchs. 

90* Mielamia inueqHuU^ Faehs. 

Tä£ m, Fig. 16—18. 

Von dieser eigenthttmlichen Art liegen mir leider nur beschädigte Exemplare vor, doch genügen dieselben 
vollkommen, nm darauf eine neue Art gründen zu können. Das Oehäase ist ei-thurmförmig, ans beiläufig 7 bis 
8 langsam wachsenden Umgängen bestehend. Umgänge flach , Basis fugerundet. Mundöffhung oval. Die 
Sculptur besteht aus Längsrippen, welche von zahlreichen feinen Querlinien gekreuzt werden. Diese Längs- 
rippen auf den oberen Umgängen fein, faltenförmig, dicht gedrängt, rücken auf den beiden letzten plötzlich 
weiter auseinander, indem sie zugleich sehr stark und dick, zuweilen fast knotig werden. Dieser Gegensatz 
in der Sculptur der oberen und unteren Umgänge ist nicht immer gleich stark entwickelt, doch stets deutlich 
ausgeprägt. 

Höhe igmilim., Breite 8 Mfllim. 

91. Melanim «einlcle€;tf«Mifa Lam. 

1824. Melania setnidecMaata (Lam.) Desh. Env. Paris, II, p. 106, pl. 12, Fig. 11, 12. 
1855. Chemniima senndeeuMsata (Lam.) Hob. et Ben ev. Nummn). Bup. p. 171. 
1864. Melania semidecuttaia (Lam.) Desh. Baas. Paris, II, p. 554. 

Saint Bonnet, Diablerets, La Cordaz (H6b. et Benev.). — Gaas (May). — Sables de Fontainebleaa, NenlUy, 
Versailles, l^trechy, Jeurre, Marigny, Pootchartrain (Desh.). 

99. MHasioma cosielltaia Lam. 

1823. Melania eo$tellata (Lam.) var. Boncana Brong. Vicent p. 59, pl. 2, Flg. IB. 

1823. n elongata Brong. Vieent p. 59, pl. 3, Fig. 13. 

1824. „ eosiellata (Lam.) Desh. Env. Paris, II, p. 113, pl. 12, Fig. 5, 6, 9, 10. 
1840. „ „ (Lam.) Grat. Conch. foss. M61aniens, pl. 1 (pl. nmn. 4)» Fig. 1. 
1852. Chemnitma Oraieloupi d*Orb. Prodrome, III, p. 5, nam. 66. 

1855. n eo9teUata (Lam.) H6b. et Benev« Numm. snp. p. 169. 

1861. . Oraielotipi (d*Orb.) Michel. Mioc. inför. p. 86. 

1864. Düutoma eotiellaia (Lam.) Desh. Bass. Paris, II, p. 413. 

Mioglia (Miehel). — Faadon, St Bonnet, Diablerets (Hob. et Renev.). ^ Gaas, Tartas (Grat). ~< Valognes 
Calc. gross., Sables moy., Brackelsham, Selsey (Desh.). — Biyöt und Piszke bei Gran in Ungarn (Hof- 
Mineraliencab.). 

Deshayes hält die aus Gaas als Duzstoma ooatellata Lam. beschriebene Form fttr eine selbstständige, 
von der echten Pariserform verschiedene Art, während er die bei Oomberto und Sangonini vorkommende 
Form unbedenklich mit ihr identificirt. Er motivirt diese Anschauung damit, dass man in Gaas niemals mit 
Pariser Formen vollständig idente Exemplare finde. So richtig dies nun auch sein mag, so muss man ande- 
rerseits zugestehen , dass man ebensowenig allgemeine Unterschiede zwischen den Formen der beiden Ge- 
genden aufzufinden im Stande ist, und da nun vollends die Schichten von Gast Gomberto und Sangonini die 
genauesten Zeitäquivalente der Schichten von Gaas und Lesbarritz sind, so entfällt damit gewiss auch jedes 
Bedenken, auch die Gaaser Art mit der Pariser Düml costellata Lam. zu identificiren, 

93. Ri99oa nana Lam. 

1S24. Paludma nana (Lam.) Desh. Env. Paris, U, p. 132, pl. Uf Fig. 17, 18. 
1864. Bütoa nana (Lam.) DeSh. Bass. Paris, II, p. 409. 

.Calc. gross., Sables moy. (Desh.). 

99. Hi99oina discreta Desh. 

1864. BüBoina dUereta Desh. Bass. Paris, p. 394, pL 22, Fig. 10, 12. 
Calc. gross. (Desh.). 

Die Exemplare vom Monte Grumi sind stets um ein Drittheil grösser, und die Umgänge etwas gewölbter. 



Beitrag zur Kenntruss der ConchyUev^cmrui des VicenÜnischen Tertiärgdnrges. 165 

1856. BüMoina punüa (Brocc.) HOrnes Foss. Mollask. p. 557, pl. 48, Fig. 4» 
1860. „ , (Brocc) Schwartz Bissoina, p. 65, pl. 4, Fig. 29. 

Neogen and lebend bei Mauritius und den SandwichBinseln (Schwartz). 

Trotzten minnziösten Untersnchangen gelang es mir nicbt» diese am Monte Orami häufig yorkommende 
Form von der neogen und lebend vorkommenden Rüaoina pustlla Brocc. zu trennen, und liegen mir na- 
mentlich ans Forchtenan eine Reihe von Exemplaren vor, welche mit solchen vom Monte Grnmi die vollstän- 
digste Identiät zeigen. 

70« Hi99oina 9hnUls Fuchs. 

Taf. m, Fig. 18—15. 

Oehänse tharmförmig, ans acht stark gewölbten Umgängen bestehend. Naht tief eingeschnürt. Umgänge 
mit zahlreichen feinen aber stark hervortretenden Längsrippen versehen, die nm etwas mehr als ihre eigene 
Breite auseinander gerückt sind, ohne Querstreifung. Mundöffnung klein, halbmondförmig, oben und unten 
mit einem Ausgüsse versehen. Letzter Umgang an der Basis mit einer Spiralen Falte versehen. 

Höhe 5 Millim., Breite 1 Millim. 

Diese Art hat manche Ähnlichkeit mit der neogenen Eiaaotna Burdigalenna d'Orb., unterscheidet sich 
aber von derselben leicht durch die zwar durch stark eingeschnürte Nätbe getrennten, keineswegs aber trep- 
penförmig abgesetzten Umgänge, die weniger scharfen und dichter gestellten Längsrippen, sowie schliesslich 
durch den Mangel von Querstreifen. 

99. Mjtttorina ^ubanguInMm Desh. 

1864. Littorina BuhangtUata Desh. Bass. Paris, II, p. 362, pl. 13, Fig. 21—23. 
Sables moy., Anvers, Valmondois (Desh.). 

9Sm VurrUeUa tectea Brong. 

1823. Brong. Vicent p. 54, pl. 2, Fig. 4. 

St. Jean de Marsac (Grat). 

Es ist mir nicht möglich, diese Art von den Spitzen einer sehmalen Varietät der Turritella sulctfera 
Desh. zu unterscheiden. Da sie jedoch niemals dieOrösse derselben zu erreichen scheint, die typische Turr. 
mlctferaVLberäieB um vieles breiter ist, ziehe ich es vor, sie einstweilen noch als selbstständige Art zu behalten. 
Viele Ähnlichkeit besitzt sie femer mit der im Oberoligocen von Cassel häufig vorkommenden und von 
Philip pi mit der Turr cammunü Bisse identificirten Form, doch scheint dieselbe weniger tiefe Nähte so 
wie zahlreichere und feinere Querstreifen zu besitzen. 

Diese Art kommt sehr selten in den Gomberto-Schichten, ausserordentlich häufig hingegen in den Tuffen 
von Sangonini, niemals in Bonca vor. 

1824. DelphintOa eoniea (Lam.) Desb. £nv. Paris, II, p. 205, pL 24, Fig. 14, 15. 
1864. n n (Lam.) Desh. Bass. Paris, II, p. 944. 



SO. VelUnn biangularU Desh. 

1824. TOiim hiangvlanB Desh. £nv. Paris, I, p. 82, pl. 12, Fig. 1, 2. 
1860. „ „ Desh. Bass. Paris, I, p. 347. 

Calc. grose. (Desh.). 

91« Venu» Agtaurae Brong. 

Tat. XI, Fig. 6, 7. 
1B23. Corüt Aglawrae BfOUg. Vicent. p. 80, pl. 5, Fig. 5. 



166 Th. Fuchs. 

St. Venu9 scoblneitmta Lam. 

1824. Venu» $eolnnellata (Lam.) Desh. Env. Paris, p. 145, Fig. 19^21. 
186'0. „ n (Lam.) De ab. Bass. Paris, p. 424. 

Calc. gross., Sables moy., Valognes (Desh.). 

S3. CarMufn verrueo9um Lam. • 

1823. Caräium atperulum (Lam.) Brong. Vicent. p. 79, pl. 6, Fig. 13. 

1824. „ verrucoBum (Lam.) Desh. Env. Paris, I, p. 173, pl. 29, Fig. 7, 8. 
1851. „ ffau9manni Phil. Magdeburg, p. 49, pl. 7, Fig. 5. 

1860. n verrucoium (Lam.) Desh. Bass. Paris, I, p. 560. 

Calc. gross., Sables moy. (Desh.). — Latdorf (Hof-Mineraliencab.). 

Mehrere Stücke des Cardmm Hatismanm Pfail. aus Latdorf lassen mir keinen Zweifel darttber, dass 
diese Art ident mit Cardmm vermcomm Lam. sei, und nur auf Exemplaren beruhe, an welchen die Knoten 
abgefallen waren. 

64f« Carüium anon%ale Math. 

Taf. VII, Fig. 7—10. 

1842. Cardium anomale Math. Catal. Corps org. foss. p. 194, pl. 32, Fig. 11, 12. 
1864. » Pattm Schaur. Verz. Naturaliencab. Coburg, p. 210, pl. 20, Fig. 1—8. 

Carry, Mollasse coquilliöre (Math.). — Gaas (Hof-Mineraliencab.). 

Schale ziemlich gleichseitig mit nahezu kreisförmigem Umriss, stark aufgeblasen, allseits zugemndet 
Schlossrand vor dem Wirbel schwielig verdickt, umgekrempt, hinter dem Wirbel zu einer schmalen Platte 
aufgebogen. Das Schloss besteht in der rechten Klappe aus einem starken Schlosszahn , Tor welchem ein 
zweiter sehr kleiner zu stehen kommt, so wie aus zwei gleich starken, leistenförmigen Seitenzähnen. In der 
linken Klappe sind ebenfalls zwei Schlosszähne vorhanden, hier ist aber der vordere der stärkere, und der 
hintere der schwächere. Von den Seiten zahnen ist der vordere stark, leistenförmig dreieckig, der hintere 
hingegen sehr schwach. 

Schalenrand gekerbt. Die Oberfläche der Schale ist mit zahlreichen feinen Längsstreifen bedeckt, 
welche namentlich auf der hinteren Schalenhälfte stärker entwickelt sind, und von da aus sowohl gegen den 
hinteren Schlossrand als auch gegen die vordere Hälfte der Schale zu abnehmen oder gänzlich verschwinden. 
Die vordere Hälfte der Schale ist mit zahlreichen parallelen, schief gestellten Querfalten versehen. Solche 
Querfalten finden sich zuweilen auch auf der hinteren Hälfte der Schale, doch sind sie hier stets kürzer und 
weniger zahlreich. 

Höhe 24 Millim., Breite 24 Millim. 

Diese Art steht dem Card, Parüiense d'Orb. (= Card, dücors Lam.) sehr nahe, unterscheidet sich 
jedoch von demselben durch grössere Gleichseitigkeit und den mehr kreisförmigen Umriss. 

SS. Hemicardtutn Mf fidle Michel. 

Taf. VII, Fig. 1-3. 
1861. Cardium difficile Mi c hei. Mioc. inf(6r. p. 73, pl. 8, Fig. 18. 
Gaas, Lesbarritz (Midoc.) (Hof-Mineraliencab.). 

Schale sehr dick und schwer, durch einen vom Wirbel zum unteren Rande verlaufenden scharfen Kiel 
in zwei sehr ungleiche Hälften getheilt. Von vorne betrachtet erscheint sie regelmässig herzftirmig. Die vor- 
dere Seite ist sehr verkürzt, abgeflacht, wenig gewölbt, mit zahlreichen, dem Kiel entsprechend concentri- 
sehen, enge aneinander gerUckten, flachen Rippen verziert. Die hintere Hälfte hat die Foim eines ziemlich 
gleichseitigen Dreieckes, dessen 3 Seiten von dem Kiel, dem Schloss und hinteren Schalenrand gebildet 
werden. Der Schlossrand ist zuweilen etwas verkürzt. Der eigentliche Flügel durch eine breite flache 
Depression von der Seite der Schale getrennt. Flügel mit 2 — 3, Seite der Schale mit 4—6 flachen breiten 



• » 



Beitrag zur Kenntniss der Conchylienfauna des Vicentinücheii Tertiärgebirges. 167 

Badialfalten versehen. An einer rechten Klappe ist der vordere Theil des Schlosses sichtbar. Man sieht einen 
starken dreiseitigen, von oben nach nnten zusammengedrückten Schlosszahn und etwas weiter nach vorne 
einen kleinen rundlichen Seitenzahn. Unmittelbar vor dem Schlosszahn liegen drei Gruben, von denen die 
erste grösser, tiefer, die beideren vorderen kleiner und seichter sind. 

86« Chmna VicenUna Fuchs. 

Taf. VII, Fig. 4, 6. 

Schalen dick, blättrig, ungleichseitig, unregelmässig. Bei normal gebildeten Exemplaren ist die linke 
Scliale queroval, vorne verkürzt, unregelmässig aufgeblasen, mit nach vorne gebeugtem, auswärts gerolltem 
Wirbel. Oberfläche durch entfernt stehende, breite concentrische Lamellen blättrig. Lamellen am Rande ge- 
faltet, gezähnt und in rinnenförmige Dornen ausgezogen. Die rechte Klappe folgt dem Umrisse der linken, 
ist aber am Rande abgeflacht und nur gegen den Wirbel zu aufgetrieben. Die Lamellen sind im Allgemei- 
nen kürzer, und es laufen von ihrer unteren Fläche kurze radiale Falten aus, wodurch die Oberfläche der 
Schale maschig erscheint. Die Innenfläche beider Schalen ist vollständig glatt. Die allgemeine Form der 
Schale ist mehr rundlich, zuweilen aber auch mehr verschmälert, nach hinten ausgezogen, mytilusförmig. 

Diese Art hat sehr grosse Ähnlichkeit mit der Chama calcarata Lam., unterscheidet sich aber von der- 
selben wesentlich durch die vollkommen glatte, nicht punktirte Innenfläche der Schalen. Von der Chama la- 
mellosa Lam. unterscheidet sie sich durch ihre unregelmässige Form so wie namentlich durch die aufgetrie- 
bene rechte Klappe. 

S9. Cardita imbricoMa Lam. 

1824. Venert'eardia imhricata (Lam.) Desh. Env. Paris, I, p. 162, pl. 24, Fig. 4, 6. 
1860. Cardita imbrieata (Lam.) Desh. Bass. Paris, p. 759. 

Sables inf^r., Calc. gross. (Desh.). 

Die Exemplare vom Monte Grumi erreichen die doppelte Grösse der Pariser, ohne dass ich indessen an- 
dere Unterschiede aufzufinden im Stande gewesen wäre. 

88. JPecfifficiilfM pulvtnaU%9 Lam. 

1824. Feetuneulus pulvinatus (Lam.) Desh. Env. Paris, I, p. 219, pl. 36, Fig. 16—17. 
1860. 9 n (Lam.) Desh. Bass. Paris, I, p. 853. 

Calc. gross., Sables moy. (Desh.). 

SO. FeciHnculu9 medtus Desh. 

1860. Feduneulu» mediua Desh. Bass. Paris, p. 861, pl. 71, Fig. 1—3. 
Sables moy. (Desh.). 

OO. Area Fandorae Brong. 

Ta£ VII, Fig. 6. 
1823. Area Pandorae Brong. Vicent*. p. 76, pl. 6, Fig. 14. 

Schale quer verlängert, ungefähr doppelt so lang als hoch, ungleichseitig, allseits zugerundet gewölbt, 
vorne und hinten abgerundet. Wirbel im vorderen Drittheil der Schale gelegen. Schlossfeld sehr schmal, 
gestreift, Schloss gerade, unter dem Wirbel verschmälert, nach den Seiten verbreitert. Zähne gerade, die 
vordersten schief. Oberfläche der Schale mit zahlreichen radialen Rippen verziert. Bippen häufig zweitheilig, 
vorne und hinten stärker, in der unteren Hälfte der Schale durch ziemlich regelmässig eingeschaltete secun- 
däre Rippen vermehrt Die Rippen von concentrischen Zuwacbsstreifen gekreuzt, welche auf ihnen knotige 
Schuppen hervorbringen. 



168 Th. Fuchs. 

Bl. Areu ruM9 Desli. 

1824. Area rudis Desh. Env. Paris, I, p. 210, pl. 33, Fig. 7, 8. 

1860. f, „ Desh. Bass. Paris, I, p. 874. 

1863. „ , (Desh.) Sand b. Mainser Becken, p. 36«, pL 29, Fig. 1. 

Calcaire gross, supör., Sables moy., Valognes (DeslL). — Weinheim und Welscbberg bei Waldbdckelheim 
(Sandb.). — Touraine, Angers (Desh.). 

99. Area laeviuMcula Fachs. 

Tat Vn, Fig. 13, 14. 

Eine kleine^ glatte, unscheinbare Art ans der Verwandtschaft der Area lactea and prettosf^ die indess 
gleichwohl eine selbststindige Art darstellt. 

Schale qaer verlängert, ungefähr doppelt so lange als hoch, angleichseitig glatt. Wirbel im vorderen 
Drittheil der Schale gelegen, klein, wenig hervorspringend. Vorderseite abgerandety die hintere schief abge« 
statzt mit zagerundeten Ecken. Seitenwand vom Wirbel gegen die untere Kante leicht eingedrückt, einen 
schwachen Sinus bildend, durch eine vom Wirbel zur hinteren anteren Ecke laufende zagenmdete, stampfe 
Kante vom hinteren Theil geschieden. 

Höhe öMillim., Breite 8 Millim. 

93. tjUhndomu9 eardatum Lam. 

1824. Modiola eordaia (Lam.) Desh. £nv. Paris, I, p. 268, pl. 39, Fig. 17—19. 
1864. « „ (Lam.) Desh. Bass. Paris, U, p. 19. 

9^. SpondyluM dsatptnum Brong. 

Tat vn, Fig. 11, 12. 

1823. Spondylus eüdlpinu» Brong. Vicent p. 76, pl. 5, Fig. 1. 

Die Beschreibang undAbbildung, welche Brongniart von dieser amMonteGrami sehr häniigen Species 
gibt, sind so wenig zutreffend , dass man nach denselben die Art wohl kaam wieder erkennen würde. 

Schalen schief eiförmig. Die nntere massig gewölbt, mit stets ziemlich grossem dreieckigem Schlossfelde. 
Die obere Klappe ist flach, gegen den Wirbel zu etwas aufgeblasen, selten in ihrer ganzen Ausdehnnng 
massig gewölbt. Die Sculptnr der Unterklappe ist ziemlich variabel. Bei normalster Ausbildung besteht sie 
in ausserordentlich zahlreichen, feinen, dichtgedrängten, feinkörnig geschuppten Radiallinien, zwischen wel- 
chen sich eine grössere Anzahl stärkerer, mit entfernt stehenden Domen versehener Rippen erheben. In man- 
chen Abänderungen werden nun die feinen Radiallinien stärker und sparsamer , und in noch anderen Fällen 
nimmt die Schale eine so blättrige Structur an, dass die feinere Scalptnr darttber in den Hintergrund tritt. 

Die Zeichnung der Oberschale ist eine der Unterschale ähnliche aber etwas constantere. Auch hier finden 
sich zahlreiche, feine, geschuppte Radiallinien und dazwischen eine grössere Anzahl entfernt gedornter 
Rippen. 

Diese Art steht dem oligocenen ßpondt/ltia tenuüpma Sandb. aus dem Mainzer Becken so nahe, dass 
ich es nicht fbr unmöglich halte, es werde sich noch die Identität dieser beiden Arten nachweisen lassen. Der 
einzige Unterschied, welchen ich nach dem mir vorliegenden Materiale aufzufinden im Stande war, besteht 
darin, dass bei Spondylus tenuüptna die Oberklappe in der Regel viel gewölbter ist. Von dem älter eocenen 
Spondylua radula Lam. und btfrons MUnst. unterscheidet sich der Spondj/lus cücdptnus durch das grosse 
Schlossfeld, welches bei jenen Arten niemals in dem Maasse entwickelt vorkommt. 

BS. OHreu gigmnMeu Brand. 

1824. Ostrea laiüsima Desh. Env. Paris, I, p. 336, pl. 52, 63, Fig. 1. 
1S61. 9 $igantmi (Sow.) Wood. Eooene MoUusca, p. 28, pL 2. 
1864. » figatuiea (Brand.) Desh. Bass. Paris, II, p. 108. 

Calc. gross., Sahles moy. (Desh.). — Bognor, Barton (£dw.). 



Beitrag zur Kermtnisa der Conohylienfauna des Vtcentinischen Tertiärgebtrges. 169 

Eine grosse^ ansserordentlich dickschalige Auster mit breitem verlängertem Schlosse, seichter Eörperhöhle 
und kleiner, rundlicher oberflächlicher Muskelnarbe steht unter allen beschriebenen und abgebildeten Austern 
dieser Art am nächsten, wesshalb ich sie auch vorläufig mit derselben identificire. 

B. Monte delle Carioli bei Poleseüa. 

1. Wolula eMevata Sow. 
(VobOa ambtgtta Lam. non Brander.) 

Ssbles inför., Laon, Cnise la Motte, Retbueü, Layersine (Desh.). — Sonthampton, Brackolsbam Bay, High- 
gate (Edw.). — Gaas, Lesbarritz (Hof-Mineraliencab.). — Bob d'Arroa (Bon aalt). 

Sehr selten. (Siehe Sangonini). 

9. Ntarginena cra99uta Desh. 

3. 99 obtusa Fuchs. 

41» 99 erofoide« Fuchs. 

a. AncUUtria anofnala Schlth. 
Selten. (Siehe Sangonini). 

6. VereheUum Mtbeon^otulufn d'Orb. 
9. CerifMum Meneguzzoi Fuchs. 
S. 99 ^SUropptM Brong. 

O* 99 frocJbf eare Lam. 

10. 99 emMcMOMwnh Bast 

11. 99 jiUeolMtii Brug. 

19. 99 netboH Michel. 

13. 99 mukoides Fuchs. 

lü. NaUea eramsaUna Lam. 

'^* 99 giVbero9u Grat. 

lO. 99 auricuMoMa Orat. 

19. 99 oüytMfafa Grat. 

IS. 99 Jpi^oia Lam. {Ampttüarui spiratahd^m.) 
Sehr selten. (Siehe Sangonini). 

IB. JTeitOffJboro emimmMmnm Brong. 
•O« XVocIkiM Mtueamimnu9 Brong. 
91. IPhamimnenu mUwrata Fuchs. 
tt. Vmrbo tWfmi Bast 
93. 99 «»oile«fhf# Fuchs. 
141. 99 pieb^ßnm Fuchs. 

Donkscliriften dor mathem.^natarw. Ol. XXX. Bd. Abhaadl. tob NlehtmltgUedeni. W 



170 Th. Fuchs. 

9S. Vurbo ere9cen9 Fachs. 

Taf. m, Fig. 4—6. -f 

Gehäuse flach niedergedrückt^ glatt , ans vier rasch zunehmenden Umgängen bestehend. Letzter Um- 
gang am Bande zugernndet, Basis etwas abgeflacht. Mundöfinung gross, rundlich, sehr schief. Nabel offen. 
Mundrand gegen den Nabel zu verdickt Diese Art stellt in GrQsse und Gestalt dem Turbo strtatulus D e s h. 
(Env. Paris, n, p. 253, pl. 30, Fig. 10 — 13; Bass. Paris, p. 897) sehr nahe, unterscheidet sich aber von 
demselben durch den Mangel jeglicher Sculptur. 

Höhe 4 Millim., Breite 6 MilUm. 

SO« Solariufn umhro9utm Brong. 
(Siehe Sangonini.) 

99 • H.eilo9tonui miitor Desh. 

1824. Env. de Paris, II, p. 114, pL 16, Fig. d, 4. 
1864. Bass. de Paris, n, p. 426. 

Sables inför., Calc gross. 

9S. MHoMloma eosteUata Lam. 

99. Vurrttella usperulaMa Brong. 
Selten. (Siehe Sangonim.) 

ao. HemicarMum difflcile Michel. 

aim fjhafna VicenUma Fuchs. 

39. FectuneuHu pulvinaiug Lam. 

C. Honte flutoUaro. 
M. €}gfiraem ^ßienAens Grat. 

1840. Grat ConchyL foss. Porcellaines, pl. « (pl wu^ 4|), fig, 9, 14. 
Oaas, Tartas (Grat). 

9. Buednum ICaronis Brojig. 

1823. Ka»$a Oaronü Brong. Vicent p. 64, pl. 3, Fig. 10. 

Diese Art , in den Gombertoschichten eine grosse Seltenheit , kommt sehr häufig in den basaltischen 
Tuffen von Sangonini, niemals hingegen in Bomoa vor, 

3. SIrot m hf M üttrlettiaiN« Grat 

Ü. Verebetlum MtfreoitrolacfiMm d'Orb. 

S. CeriOkium Meneguzzoi Fuchs. 

0. f» Mh^oppmm Brong. 

9m ff iiHMlhteiV*^ Lan. 

8« '»f fc t ^ MHC Fnchfl. 

B. MMeBhayeHm eocMliama Broitg. 
lO. IWaUeu gibb er mm m flrat. 
IM. ff ermmaaUnm LBm. 



Beitrag zur Kenntniss der ConchyUenfauna des VicentinUchen Tertiärgebirges. 171 

19« NaUca auriculaia Grat. 

1845. Naüea auriculaia Grat Couch, foss. Naticae, 4, Fig. 6—8. 
St Paul, Vielle, FaL bl. sables, 2. öt inför. (Grat.) 

ta. IVaUea stgmreUmm Lam. 

1824. Natiea •igareiina (Lam.) Desh. £nv. PariSt p. 170, pL 21, Fig. 6, a. 
1866. , (Lam.) Hob. et Renev. Namm. snp. p. 166« 

1866. « , (Lam.) De ab. Baas. Paris, p. 6a. 

Calc. gross., Sables moy., Montmartre dans le gypse (Desh.). —St Bonnet, LcisJSssets (Böb. et Benev.). 

t^. IVattea angmtstaia Grat. 

MSm Xenaphora aunulans Brong. 

IB. Vroehu9 MjucaHanus Brong. 

17. 9t Boscimmum Broog. 

MS. MBetpMnwda Seoftltta Brpng. 

IB. V%fr6o MWoni Bast. 

%0. MBiastama eosteUata Lam. 

91. MMastmna VeHnsU Grat. sp. 

Taf. V, Fig. 17, 18. 

1840. Oerithium Teßtam Grat Conchyl. foss. Snppl. (UniT. fioss. de Dax) pL J (p1. nom. 48), Fig. 3. 
1866. . psmtdoeorruffatum (d*Orb.) Seh aar. Yerz. Verst. Nat Gab. Coburg, p. 246, pl. 26, Fig. 6. 

Gaas, Tartas (Grat.). 

Gehäuse thnrm-kegelförmig, ans 11 flachen oder wenig gewölbten Umgängen bestehend , mit zugemn- 
deter Basis nnd schiefem, länglich eifi5rmigem ganzrandigem Mnnde. Der rechte Mnndrand ist leider bei 
allen Exemplaren weggebrochen^ der linke ist stark verdickt. Gehäuse mit zahlreichen flachen Yaricositäten 
versehen. Die Umgänge mit starken, geraden, um ihre eigene Breite auseinander gerückten Längsrippen 
besetzt, welche von 5 — 6 stärkeren Qnerreifen gekreuzt werden, zwischen welchen sich in der Regel noch je 
eine feinere Querlinie befindet Die Basis ist mit starken Qnerreifen bedeckt. 

Mehrere Bruchstttcke dieser in den Gombertoschichten nicht eben seltenen Form hielt ich anfangs fttr 
ein Certthium, und schien mir dieselbe dem Cer. ampullosum Brong. so nahe zu stehen , dass ich sie trotz 
der etwas abweichenden Sculptur mit demselben identificirte. Ein besser conservirtes Exemplar vom Monte 
Rivon, an welchem namentlich die Mundränder theilweise erhalten waren, Überzeugte mich jedoch, dass die- 
ses Conchyl keinen Canal besessen und in Folge dessen kein Cerühtum,, sondern eine der Dütstoma coatel- 
lata zunächst stehende Form sei. 

Die Übereinstimmung in allen wesentlichen Punkten mit der Abbildung und Beschreibung, welche Gra- 
teloup von seinem Cerühium T^^^o^tV gibt , lässt die Identifijcirui^ mit dieser Art wohl als gerechtfertigt 
erscheinen. 

99. JBemicardtum MffieUe Michel. 

93. €7hama VicetMna Fuchs. 

9^. Feclunculua ptflrlitafiM Lam. 

9S. SpomdyluM cteo^piiMW Brong. 



172 Th. Fuchs. 



D. Monte Viale. 
M. VohUa harpnla Lam. 

1824. Vduia harpula (Lam.) Desh. Env. Paris, 11, p. 702, pl. 91, Fig. 10, 11. 

1840. , eytharßlla (Brong.) Grat ConofayL foBS. Volntea» pl. 2 (pl. nmn. 89), Fig. 16, 16. 

1840. • harpula (Lam.) Grat. Conchyl. foss. Volotes, pL 2 (pl. nom. 89), Fig. 13, 14, 17. 

1852. , •uheyihartlla d*Orb. Prodrome, III, p. 9, nnm. 146. 

1862. n auhharpula d*Orb. Prodrome, lü, p. 9, nnm. 144. 

1866. 9 harpula (Lam.) Desh. Bass. Paris, in, p. 604. 

Calc. gross. (Desh.). — Lesbarritz (Hof-Mineraliencab.). 

Ein mir vom Monte Viale vorliegendes Exemplar, weicht von der typischen Grobkalkfbrm nur in so ferne 
ab; als sie etwas schlanker erscheint , nnd stimmt darin vollständig mit einem zweiten Exemplare ttberein, 
welches das Hof - Mineraliencabinet aus Lesbarritz besitzt (VoltUa cythareUa bei Grat, VoL subcytha- 
reUa d'Orb.). Ich wage es jedoch am so weniger, auf diesen Unterschied hin eine specifische Trennung 
vorzunehmen , als einerseits die Pariser Exemplare in diesem Punkte ausserordentlich variabel sind , ande- 
rerseits auch in Gaas und Lesbarritz eine bauchigere Form vorkommt (Voluta harpula bei Grat., VoL sub- 
harpula d'Orb.). Demnach würden die von Grateloup aus Gaas und Lesbarritz als zwei verschiedene 
Arten beschriebenen Formen in der That nur eine einzige darstellen und ident mit der Voluta harpula 
Lam. sein. 

Auf den Umstand , dass Grateloup die eine dieser Formen ("V. harpula) mit vielen, die andere (V. 
cytharellaj dagegen nur mit drei Spindelfalten abbildet, glaube ich um so weniger Gewicht legen zu sollen, 
als auch bei der Pariser Vobua harpula die oberen Falten häufig so schwach werden , dass sie leicht über- 
sehen werden können. 

•• Cypraea «piettdetM Grat. 

3 • Cu9sis Vialensis Fuchs. 

Ta£ I, Fig. 1, 2. 

Gehäuse kugelig oval. Gewinde niedergedrückt kegelA^rmig. Umgänge flach, mit drei Reihen stumpfer 
dicker Knoten besetzt , durch eine stumpfe mit der äussersten Enotenreihe besetzte Kante von den Seiten- 
theilen geschieden. Diese Knoten an der Seite des Gehäuses nach abwärts zu unregelmässig'en flachen 
Längsrippen ausgezogen, welche stellenweise zu flachen Knoten anschwellen. Die Mundränder sind leider 
sehr stark beschädigt, man sieht nur einen Theil des zu einer dicken breiten Platte verbreiterten linken Mund- 
randes mit starken queren Falten. 

Diese Art hat viele Ähnlichkeit mit dem Cassts elegans Grat, aus Gaas und Lesbarritz (Conch foss. Cas- 
sid. 1 [pl. num. 34J, Fig. 1) und wird sich vielleicht mit der Zeit als mit demselben ident herausstellen, einst- 
weilen glaube ich ihn in Folge der abweichenden Seulptur als selbstständige Art auffassen zu sollen. 

4« Sttrombum auriculat9U Grat. 
S. ff trretfulart^ Fuchs. 

6. Strotnhus Vialensia Fuchs. 

Taf. IV, Fig. 4, 6. 

Gehäuse conusförmig, ungefähr doppelt so hoch als breit. Gewinde stumpf kegel^rmig , ein Drittheil 
der GesammthOhe betragend. Umgänge treppenfSrmig abgesetzt , regelmässig knotig , ohne Yaricositäten. 
MundOffiiung länglich. Rechter Mundsaum einen schmalen Flügel bildend, oben über den vorletzten Umgang 
hinaufgezogen , unten mit einem Ausschnitte versehen , der auf dem unteren Theile des letzten Umganges 
einen queren Wulst erzeugt. Die Innenfläche des Flügels mit verzweigten queren Furchen versehen. Die 



Beitrag zur Kenntniss der Conckt/lienfauna des Vicentinischen Tertiärgebirges. 173 

Oberfläche des ganzen Gehäuses mit Zuwachsstreifen , so wie mit zahlreichen Qaerlinien bedeckt, die 
namentlich anf dem letzten Umgange den Charakter von Rnnzeln annehmen. 

Höhe 75 Millim., Breite 37 Millim. 

Diese Art hat manche Ähnlichkeit mit dem Strombus nodosus und deperditus Sow. (Trans. Geol. Soc. 
n. ser. vol. V, pl. 26, Fig. 19, 20, und D'Arch. Ann. foss. de Finde, p. 316, pl. 30, Fig. 18—21) aus den 
Tertiärbiidungen Indiens, ohne indessen mit ihnen identisch zn sein. 

9. Stromibum rugifer Fachs. 

T»f. in, Flg. 26. 

Gehäuse dickschalig, plump und unregelmässig conusfönnig. Gewinde stumpf kegelförmig. Umgänge 
in der oberen Hälfte flach ausgehöhlt , an der unteren Naht mit starken Knoten besetzt , die von starken 
Varicositäten unterbrochen werden. Letzter Umgang mit unregelmässigen breiten, flachen, von den Knoten 
auslaufenden Rnnzeln versehen. Die Oberfläche des ganzen Gehäuses mit dicht gedrängten , erhabenen 
Querreifen bedeckt, die auf dem letzten Umgange den Charakter von dicken Runzeln annehmen. Der rechte 
Mundsaum sammt dem Canale sind an dem einzigen mir vorliegenden Exemplare leider weggebrochen. 

Es wäre bei der grossen Variabilität der Strombus-ktttu nicht unmöglich , dass diese mir nur in einem 
einzigen Exemplare vorliegende Form nnr eine stumpfe, stark varicöse Varietät des Strombus radtx B r o n g. 
wäre. 

9« JFj/ruta VarheUiana Grat. 

Taf. II, Fig. 2, S. 

1840. Fyrvda Tarbelliana Grat Conchyl. foss. Pyniles, pl. 2 (pL num. 27), Fig. 1. 
Gaas, Lesbarritz (Grat). 

Gehäuse länglich oval , ungefähr doppelt so hoch als breit Gewinde kurz kegelförmig , beiläufig ein 
Drittheil der Gesammthöhe betragend. Umgänge regelmässig treppenförmig abgesetzt, mit dicken um ihre 
eigene Breite auseinander gerückten Längsrippen besetzt, welche regelmässig von der oberen bis zur unte- 
ren Naht verlaufen , und am Kiel durch die über sie hinweglaufende Kante scharfe Ecken erhalten. Der 
letzte Umgang ist einfach gekielt, ohne Rippen, oben etwas aufgeblasen, nach unten zu einem kurzen brei- 
ten, etwas gedrehten und schwach nach rückwärts gebogenen Canal verschmälert. Die Sculptur ist eine sehr 
eigenthttmliche. Sie besteht in dicken zugerundeten, dichtgedrängten Querreifen , welche von ausserordent- 
lich dichtgedrängten stark hervortretenden wellenförmigen Zuwachsstreifen gekreuzt werden. Ausserdem 
sieht man zahlreiche stärkere Absätze in der Schale, hervorgerufen durch einen periodischen Stillstand in 
der Entwicklung. Die Mundöffnung ist leider durch Steinmasse zum grössten Theile überdeckt, doch sieht 
man den rechten Mundsaum scharf auslaufend und den einzelnen Querreifen entsprechend auf das regelmäs- 
sigste zierlich wellenförmig gekräuselt. 

Die Abbildung, welche Grateloup von dieser Art gibt, stimmt nicht vollständig mit dem mir vorlie- 
genden Exemplare überein. Es erscheint die Figur im Ganzen etwas breiter und die Rippen auf dem Ge- 
winde seitlich zusammengedrückt, scharfkantig und weiter auseinander gerückt. Trotzdem zweifle ich um so 
weniger an der Identität dieser beiden Formen , als die so eigenthttmliche Schalensculptur auch auf der in 
den zarteren Details so unvollkommen ausgeführten Grateloup'schen Abbildung noch immer deutlich zu 
erkennen ist. 

&• Certthtum SMeneguzzoi Fuchs. 
JfO. M Strappus Brong. 

11. 99 troehlemre Lam. 

19. 99 amputlosHm Brong. 



174 Th. Fuchs. 

la. Cerithium Viatem&e Fuchs. 

Taf. V, Fig. ». 

Ein leider nur sehr aiivollständiges Brnchstllek eines ziemlich ansehnlichen, höchst eigenthümlichen 
Cerithinms gibt mir Anlass zar Aufstellang dieser neuen Art. 

Das aus sieben Mittelwindungen bestehende Bruchstück hat eine Länge von 68 Millim. und eine nach 
Oben zu sich nur sehr allmählig verschmälerade fast cyliadrische Gestall» Die Umgänge sind nieder, gewölbt 
und mit 3 — 4 Enotenreihen verziert, welche mit schwächeren Linien altemiren, die auf den oberen Umgän- 
gen glatt, auf den unteren alhnählig gekömelt erscheinen. 

Die einzige wirkliche Verwandtschaft scheint mir diese sonderbare Art mit dem Cer. decussatum D e fr. 
zu besitzen; doch sind bei dieser Art die Umgänge höher und flacher, die Enotenreihen zahkeicher, und ausser- 
dem sind Varicositäten vorhanden, die bei Cer. Vtalenae vollkommen fehlen. 

ISi. CerUhium caiculosumn Bast. 
IS. »9 MteiboH Michel. 

16« Natica cras^atina Lam. 
iSf. ^9 gtbbero^a Grat. 
IS. Xemophotru cwmuliU$s Brong. 

MB. T^ochuM MdUCiUftnnus Brong. 
90. furbo elatH9 Fuchs. 

Taf. n, Fig. 12, 18. 

Gehäuse kegelförmig, vollkommen glatt, nicht ganz doppelt so hoch als breit, aus acht Umgängen be- 
stehend. Die oberen Umgänge leicht gewölbt, die unteren allmählig flacher. Häufig erscheint ein Theil des 
Gewindes sich in den unteren Theil des Gehäuses gleichsam eingesenkt zu haben, wo dann der obere Rand 
des folgenden Umganges als wulstige Treppe hervortritt. Der Umgang, an welchem dies eintritt, variirt nach 
den einzelnen Exemplaren, es kann auch an demselben Exemplare zweimal vorkommen , wo dann die ganze 
Gestalt etwas verkürzt erscheint. 

Letzter Umgang durch eine abgerundete Eante von der leicht abgeflachten Basis getrennt. Mundöffiiung 
rundlich, wenig schief. Rechter Mundrand schneidend. Die Oberfläche des ganzen Gehäuses ist vollkom- 
men glatt. 

Höhe 30 Millim., Breite 17 Millim. 

9M. fJhama VieenUna Fuchs. 
<•• ^€€Muncuiu9 puhHnatum Lam. 
93. Area Fandorae Brong. 

D\ Monte Viale (Kohlenschurf). 
1. IVtMcu cr€W#«fifta Lam. 
•• ,9 antfu^tata Grat. 



Beitrag zur Kenntniss der Conchylienfauna des Vicentinischen Tertiärgebirges. 175 

E. Santa Trinitä. 
1. Ca99i9 mamnMtmris Orat 

Taf. I, Fig. 3, 4. 

1840. CaB9i9 mammillarü Grat. Conchyl. foss. Cassidaire, pl. 1 (pl. nnm. 34), Fig. 4, 19. — Snppl6m. (Univ. foss. Dax; 
pl. 2 (pl. nnm. 47), Fig. 2. 

Gaaa, Lesbarritz, St. Panl, Vielle, Fal. bl. 2. 6t gr. in£ (Grat). 

Die mangelhafte Abbildung, welche Gratelonp von seinem Casaia mammillaris gibt, veranlassten 
Hörnes diesen Namen auf eine in den Neogenbildungen des Wiener Beckens vorkommende CcLssts-kri an- 
zuwenden, welche bei aller Ähnlichkeit im Habitus doch auf das Bestimmteste von derOaaser Art verschieden 
ist. Die Unterschiede bestehen in Folgendem : Die neogene Art hat stets ein glattes Gewinde und eine unten 
ausgehöhlte Spindel, während bei dem echten Cassis mammillaris Grat, aus Gaas, Lesbarritz und den oli- 
gocenen (nicht neogenen) Schichten von St Paul die Umgänge stets mit Enotenreihen besetzt sind und die 
Spindel unten einen dicken, knotigen, mit starken Querrunzeln versehenen Wulst trägt. Um jedes Missverständ- 
niss über diesen Punkt f&r die Zukunft möglichst vorzubeugen, gebe ich eine Abbildung des echten Caasis 
mammtllaria Grat, nach einem schönen, mir vom St Trinitä vorliegenden Exemplare, mit welchem meh- 
rere in der Sammlung des Hof-Mineralienc^bipetQS befindliche Exemplare aus Gaas vollständig tiberein- 
stimmen. 

9. Ca9st9 VicenUna Fuehs. 

a. Strombu9 irreguimriB Fuchs. 

4f. 91 rudtüc Brong. 

S. €f0num atolOMM Brong. 

O. ,9 di^yerstforfnts Desh. 

9m JPiemroWMHu ftlosa Lam. 

1S24. Pleuroioma fil09a (Lam.) Desh. Env. Paris, ü, p. 448, pl. 68, Fig. 26, 26. 
1866. n 9 (Lam.) Desh, Bmb. Pai^is, III, p. 407. 

Calc. gross. •«- HautevUle (Desh.). 

Die mir vom St Trinitä vorUegendenfixemplare haben em etwas kürzenss Gewinde> als es die Grobkalk- 
Exemplare in der Regel besitzen, stimmen aber sonst vollständig mit denselben ttberein. Die von Gratelonp 
aus Gaas und Lesbarritz als Pleur^^twna fitoaa abgebildete Art soheii^ von derselben vollkommen ver- 
schieden zu sein. 

Tab. I, Fig. 7, 8. 

1840. THton elaihraium (Lam.) Grat. Conchyl. foss. Ranelles, pl. 1 (pl. nnm. 29), Fig. 12. 
1852. Triton subclaikrtUum d'Orb. Prodrome, III, p. 77^ nymi. 1420. 

Gaas, Lesbarritz (Grat.). 
Gehäuse ei-kegelförmig zugespitzt, aus neuii gewMbten UmgftBgen bestehend. Die ersteren regelmässig 
gebildet, die späteren regelmässig alteroirend nach rechts und links abweichend, wodurch das Gehäuse ein 
eigenthttmlich monströses Aussehen erhält. Die Umgänge der Spitze durch zahlreiche feine, gedräpgte Längs- 
rippen und drei Querlinien gegittert, welche an den Ereuzungspunkten feine Knötchen bilden. Nach abwärts zu 
werden die Längsrippen stärker und rücken weiter auseinander. Die zwei unteren Querlinien bilden enge 
aneinander gerückt auf dem Bauche der Windungen ein knotiges Band, während die obere Querlinie an der 
oberen Naht fortlaufend daselbst eine EnotenreiJ^e erzeugt. Der let^e Uiqgang trägt unter dem Bande noch 



176 Th. Fuchs. 

mehrere Querreifen, und setzt sich diese Gitterscnlptur auch noch aaf den kurzen gedrehten Canal fort. 
Ausser dieser stärkeren Sculptur ist die Oberfläche des Gehäuses noch von einer feineren Gitterung bedeckt, 
welche durch zarte dichtgedrängte Zuwachsstreifen so wie durch zahlreiche feine Querlinien hervorgebracht 
wird. Die Mundöffhung unregelmässig -dreiseitig, oben mit einem Ausgüsse versehen. Rechter Muudrand 
verdickt, linker als äusserst dünnes häutiges Blättchen sich über den Bauch des letzten Umganges verbreitend, 
am Beginne des Canals eine starke Varix erzeugend, der, so wie die ganze Umgebung der Mundöffnnng, mit 
warzenförmigen Knoten besetzt ist. 

Diese Art hat so grosse Ähnlichkeit mit dem neogenen Trü<m%um personatum Serres, dass sie in der 
Folge vielleicht mit demselben wird vereinigt werden mttssen. Nach dem mir vorliegenden Material scheint 
sich mir jedoch noch immer in der Beschaffenheit des linken Mundsaumes ein ziemlich constantes Unter- 
scheidungsmerkmal zu bieten. 

Dieser linke Mundsaum bildet bei allen mir aus Neogenschichten (Lapugy, Turin , Asti, St. Jean de 
Marsac, Millias bei Perpignan) vorliegenden Exemplaren eine callös verdickte Platte mit deutlich umschrie- 
benem Rande, während er bei allen Exemplaren aus Gaas, Sangonini und St. Trinitä dünn, häutig ist und 
mit dem Bauche des letzten Umganges vollständig verschmilzt. 

Höhe 40 Millim., Breite 23 Millim. 

O. Tterftlftelfa rugosa Fachs. 
MO. CeritMutH VHmttefue Fuchs. 

Taf. V, Fig. 10. 

Gehäuse thurm-kegelförmig, spitz, aus zahlreichen schmalen, flachen Umgängen bestehend. Die oberen 
Umgänge mit drei Enotenreihen versehen, von denen die oberste Reihe, die stärkste, aus stumpf kegelförmigen 
Knoten besteht, während die zweite, schwächste, hart unter ihr eine feinkörnige Perlenschnur darstellt. 
Diese Sculptur bleibt auch auf allen folgenden Umgängen dieselbe, nur dass sich zwischen der zweiten und 
dritten Enotenreihe allmählig eine vierte anfangs glatte, später fein gekOmelte Querlinie einstellt. 

Diese Art steht dem Cer. Meneguzzoi Fuchs so nahe, dass sie sich bei einem grösseren Materiale viel- 
leicht als eine blosse Varietät desselben herausstellen wird. Einstweilen liegt für mich das unterscheidende 
Moment in der Beschaffenheit der obersten Enotenreihe. Bei Cer. Meneguzzot besteht dieselbe aof den 
oberen Umgängen aus kleinen dichtgedrängten, stumpfen Ejioten, welche auf den unteren Umgängen allmählig 
weit auseinanderrttcken und sehr stark und kegelfttrmig werden. Bei Cer. Trmitense besteht ein solcher 
Unterschied zwischen den oberen und unteren Umgängen nicht, und es besteht die oberste Reihe am ganzen 
Gehäuse ans massig starken, enge aneinandergerttckten kegelförmigen Knoten. 

Das mir verliegende Brtlchsttlck beträgt in der Länge 80, in der Breite 28 Millim. 

11. Cerithiun% Irochleare Lam. 
19. 9» cochlear Fuchs. 

13. ,9 Voglinoi Michel. 

jf 41. CerUhUun gibberoMnn Grat 

1840. Cerithium gihheromm Orat. Conchyl. foss. CMtes, pl. S (pl. nnm. 18), Fiie^. 3, SS. 
Gaas (Grat). 

Durch die gewölbten Umgänge, die feineren, dichter gedrängten Längsrippen , so wie die zahlreichen 
Enotenreihen von den verwandten Arten verschieden. 

IS. Certthium pUeatutn Brug. 



Beitrag zur Kenntniss der Conchylienfauna des Vicentinüchen Tertiär gehirges. 177 

lO. CerUhium omaimn Fuchs. 

Taf. VI, Fig. 16. 

Gehäase tharru-kegelförmig, mit zahlreichen Varicogitäten versehen, aus 11 gewölbten Umgängen beste- 
hend. Die oberen Umgänge mit Längsrippen versehen^ welche in der Mitte einen Knoten tragen und von 
mehreren Querreifen gekreuzt werden. Nach unten zu verschwinden allmählig die Rippen, und es bleiben 
nur die Knoten, welche längs der oberen Naht einen Kranz bilden und hier ebenfalls von 2 — 4 Querreifen ge- 
kreuzt werden. Unter diesen Knoten sieht man noch 1 — 2 glatte oder gekörnelte Querreifen; der letzte Um- 
gang trägt deren 4. Ausserdem sieht man in den Vertiefungen allenthalben zahlreiche feine Qnerlinien. 

19. CerUhium pupoldes Fuchs. 
MS. 99 Mtelbosi Michel. 

M 9. ÜVaiica angustaia Grat. 

90. 9 9 gtbberosa Grat. 

91. Xenophora cumulans Brong. 
99. Vrochus Etucaeiauus Brong. 
93. Vurbo elatHS Fuchs. 

9^. UMelania semidecussaMa Desh. 
9S. 9 9 tnaeqtiaU9 Fuchs. 

90. VtirrUella asperulaia Brong. 
97. Hemicai'dtum difflcUe Michel. 
S8« Area rudis Lam. 

F. Monte Bivon bei Monte Viale. 

1. Cerithium ItMeneguzzoi Fuchs. 

9. Certthiuvn cochlear Fuchs. 

Taf. VI, Fig. 1—4. 

Cerithium noduloaum (Lam.) var. monstrosa Grat. Conchyl. foss. Supplöm. (Univ. fosB. Dax) pl. 1, Fig. 13. 
Caneux prös de Mont de Harsan. 

Gehäuse thurm-kogelfbrmig^ bald mehr cylindrisch, bald mehr pyramidal. Umgänge nieder^ schwach 
gewölbt, mit entferntstehenden dicken Längsrippen versehen , welche etwas unter der oberen Naht vor 
einer Querlinie gekreuzt werden^ die beim Übergang über die Rippen daselbst ein stumpfes Eck erzeugt 
Der letzte Umgang ist dem rechten Mundsaum entgegengesetzt, mit einer starken Varicosität versehen und 
auch im Übrigen unregelmässig knotig. Die Basis ist flach, der Canal kurz. Das Auffallendste an dieser Art 
ist aber die Beschaffenheit des Mundrandes. Der rechte Mundrand ist nämlich zu einem breiten, monströs 
verdickten Saume ausgebreitet, welcher sich über den Canal bis an den linken Mundrand verbreitet, mit 
welchem er auf das Innigste verschmilzt. Indem der Canal auf diese Weise vollkommen verdeckt wird, hat 
das Conchyl von vorne betrachtet vollständig das Ansehen einer Cochlean'a. 

Es kann wohl keinem Zweifel unterliegen, dass diese auffallende Form identisch ist mit der von Grate- 
loup 1. c. abgebildeten und beschriebenen Art, welche er irrthtimlicher Weise mit dem lebenden Cer. nodu- 
losum Lam. identificirt. 

3. NaUca angustata Grat. 

41. MBeIpMnuta Scobina Brong. 

Denkaehriften der mftthem.-nAtnrw. Cl. XXX. Bd. Abhandl. Ton Nlchtmltgliedern. X 



178 



Th. Fuchs. 



S. Vurho #Vffoni Bast. 
O. 99 elatus Fuchs. 
9. MHa^ioma VestasU Grat. 
S. ,9 co€tellata Lam. 

0. HemicarMum Mfßcile Michel. 

lO. Eiucina pnichella Agass. 

1860. Lucina pulchella (Agass.) Desh. Bass. Paris, I, p. 629. 
Calc. gross. (Des h.). 

Ml. Mjucina Defrancei Desh. 

1860. Lueina Defrancei Desh. Bass. Paris, I, p. 644, pl. 39, Fig. 9, 10. 
Sables inför., Calc. gross. (Desh.). 

19. Fectunculus puhoinaMus Lam. 

G. Monte di Carlotta. 

1. CeritMun^ lIMeneguzzoi Fuchs. 
9. 9f cochiear Fuchs. 

3. Mte9hay€9ia cochlearea Brong. 

4f. Natica angustata Grat. 

S. Belphinula calcav Lam. (Delph. Scobma Brong.) 

O. Turbo Piitoni Bast. 

9. Cardiutn anomale Math. 

S. Hewnicardium difflcile Michel. 

O. Feciunculus pulvinaMu9 Lam. 



Fauna der Schichten von Gomberto. 



TIceDtlnUche Localltlten 







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Ter8chie4ene Locallt&ten 



1 Valuta elevata Sow. 



2 9 harpula Lam. . . . 

3 Mitra plieaiella Lam. . . . 
4tMargindla cra$$ula Desh. 

5 t, ffracilis Fuchs 

6 „ obtusa Fuchs . 

7 „ eratoidet Fuchs 

8 . ovtüaia Lam. . 



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4- 



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4 



Sables inf., Southampton, Bra- 
ckelshamBay, Highgate, Bos 
d*ArroB 

Calc. gross. 

Calc. gross. 

Calc. gross., Valognes 



Calc. g^oss., Sables moy., Bra 
ckelsham 



Beitrag zur Kenntniss der Conckylienfauna des Vicentinischen Tertiärgehirges. 179 



S5 Typhit pun^eni Desb. 

2$ iluraz Lamareii Orat 
ST Tritonium »nbelalkraiam d'Orb. 
SS . Grateloapi Fachs 

29iVuta Tarbtlliana Grat. . . 

30 TurbineUa mgota Fuchs. . 

31 Fuiut aegudlit Hichel. . . 

32 Edaardtia ntutaeforJaii Fach 

33 CoräAium Meneguttoi Pnohs 

34 , Triniiarue Facht 

35 „ eoc/Uear Fuchs 

36 . Stroppu* BroDgf. 

37 , troehlear Lam. . 

38 . ampuUoium Brong. 

39 , ricütnu Fochs 

40 , OBoideum Fnchs 

Voglinoi U\o)\e\. 

, gibbBroium Grat. 

, plitalum Brong. 

, ornalum Fachs 

„ ealevJotum Bsst. 

, pupoide» Fuchs 

n foeeolaium Facht 

„ Ighinai HJchel. 

r eottulatum Lam. 

50 , breva Fuchs . , 

M . De/iwt- Michel. 

58 ^ Weinia«.ffi F«ch 

63 „ niioidei Fachs 

51 , troehoidtt Fucfas 

55 . Boblayi Desh. . 

56 , diititum Deeh. . 
67 Triföri» plieatai D e S h. . . 
bS Dathayetia eochlearia Bron^. 
M Natiea gibberata Grat. 

60 , auricaliua Orat 

61 , ngarttina Lam. 



62 



Lam 
Studtri Qaeae 
anguitata Grat 

tpirata Lam. . 



uHic. groaa., saDies moy., 

Haateville 
Calc gross-, Sablea 11107., B""- 



La Br^de, Leognu, Saacats 
Calc. gross., Haateville 



Calc. gross-, äables moy., 
HoDtmartre dans le gyps 

Calo. gross, sap., Sables moy. 

Calo. gross. 



180 



Th. Fuchs. 



66 Nerita Caronia B r o n g. . . 

67 Xenop/u}ra cumulans Brong. 

68 TrochtM Lucaeianua Brong. 

69 „ Boacianua Brong. 

70 j, Reneviert Fuchs . 

71 „ aubcarinatus Lam. 

72 Delphinula Seobina Brong. 

73 n atriata Lam. . 



74 „ muUiatriata Fuchs 

75 Phaaianella auturata Fuchs 

76 Turbo elcUua Fuchs . . 

77 „ Fiitoni Bast. . . 

78 M clauaua Fuchs . 

79 n Sandbergeri Fuchs 

80 „ airiaiulua Desh. . 

81 „ fMnua Fuchs . . 

82 „ modeatm Fuchs . 

83 n plebejtia Fuchs . 

84 „ ereacena Fuchs . 

85 Solarium ph'caium L n m. 

86^u//a atriatella Lam. . 



87 
88 
89 
90 



I» 



regularia Fuchs . 
Simplex Fuchs . 
amphiconua Fuchs 
eoronata Lam. 



91 „ laevia Defr 

92 Turbonilla pulchra Desh. 

93 Melania aemidecuaaata Lam 

94 f, inaequalia Fuchs 

95 Keiloatoma minor Desh. 
^6 Diaaioma eoatellata Lam. 

97 n Teataaü Grat. 

98 Riaaoa nana Lam. . . . 

99 Biaaoina diaereta Desh. 

100 n puailla Brocc. 

101 r, aimilia Fuchs . 

102 Turritella inciaa Brong. 

103 n aaperulata Brong 

104 Littorina aubangulata Desh. 
101^ Serpulorbia eom'cua Lam. . 

106 Tellina biangtUaria Desh. . 

107 Venua Aglaurae Brong. . 

108 n aeobinellaia Lam. . 

109 Cardium terrueoaum Lam. 

110 » anomale Math. 

111 Hemieardium difficüe Miche 

112 lALcina Defrancei Desh. . 

113 „ pulehella Agass. . 
IIA Chama Vieentina Fuchs . 
115 Cardita imbrieata Lam. . . 
116 Peciuneulua pulvinatua Lam. 

117 „ mediua Desh. 

1 18 Area Pandorae Brong.. . 

119 . rudia Desh 



1. 



ficentlnisehe Ucalititen 





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Versfhledene Localltäten 



Sables moy. 



Calc. gross., Sables moy., 
Hauteville 



Calc. gross. 



Calc. gross., Brackelsham, Bar 

ton 
Sables inf., Calc. gross., Sables 

moy., Highcliff 



Sables inf., Calc. gross., Sables 

moy. 
Calc. gross. 
Calc. gross. 



Calc. gross., Sables moy., Bra 
ckelsham 

Calc. gross., Sables moy. 
Calc. gross. 
Neogen, lebend 



Sables moy. 

Calc. gross., Hauteville 

Calc gross. 

Calc. gross., Sables moy., Va- 

lognes 
Calc. gross. 
Carry (Molasse coqu.) 

Sables inf., Calc. gross. 
Calc. gross. 

Sables inf., Calc. gross. 
Calc. gross., Sables moy. 
Sables moy. 

Calc gross., Sables moy., Neo- 
gen. 



Beitrag zur Kenntniss der Conchylienfauna des Vicentinischen Tertiär gebirges. 181 



1^0 Area laeviwcula Fuchs . . . 
l^X Lithodomus eordoitus Lam. 

X^2 Spondylus eiiolpinus Brong. . 

128 0$traea gtgantica Brander. . . 



Vicentlnlsche LoctIitIteD 






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Verschiedene Locallt&ten 



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Calc. gross. 

Calc. gross., Bognor, Barton 

Sables inf. 5 

Calc. gross 33 

Sables moy 18 

Neogen 2 



, (Sangonini). 



(Sangonini.) 



n. Fauna der Mergel Ton Layerda. 

1. Foffifo elerata Sow. 



9. Natica sptrata Lam. 



3m MHastotna costellatu Lam. 



Ü. VtirrtteUa a^perulata Brong. 
(Sangonini.) 

S» 9* tnclsa Brong. 

(Sangonini.) 

6« Fanopaea angusta Njst. 
Sehr häufig. (Sangonini.) 

9. Fholadomya i*ii«cJkll Goldf. 
Sehr häufig. 

S. Thracta vugosa Bell« 

1852. Nnmm. Comtö de Nioe, p. 233, pl. 16, Fig. 14. 
(Palarraea.) 

9« JP«aifimobla puMca Brong. 
(Sangonini.) 

tO. „ HollowaysU Sow. 

Sehr häufig. — (Sangonini.) 

Mi. Cyiherea B^., cf. Cyther. tncrassata Sow. 

M9. Cardtta Arduini Brong. 
(Sangonini.) 

13. .,9 £atfrae Brong. 
(Sangonini.) 



182 Th. Fuchs. 

ni. Fauna der Tuffe you Sangouini. 

A. Sangonini bei Lugo. 
1. Voluta eievoMa Sow. 

Taf. VIU, Fig. 12-18. 

1823. Valuta crenulata (Lam.) Brong. Vicent. p. 63. 

1824. r, ambigua (Brander.) Desh. Env. Piiris, II, p. 691, pl. 43, Fig. 10, 11. 

1840. n n (Brander.) Grat. Conch. foss. Volutes, pl. 1 (pl. num. 38), Fig. 14, 15. 

1852. n suhambigua d*Orb. Prodr. III, p. 10, num. 150. 

1856. „ elevata (Sow.) Edw. Eoc. Moll. p. 153, pl. 20, fig. 2. 

1865. „ imhrieata Schaur. Verz. Verst. Naturaliencab. Coburg, p. 241, pl. 25, Fig. 4. 

1866. y, elevata (Sow.) Desh. Baas. Paris, III, p. 591. 

Gaas, Lesbarritz (Grat.). — Bos d'Arros (Rouault). — Sables inf&r. (Desh.). - Brackelsham Bay, Sout- 
hampton, Highgate (Edw.). 

D'Orbigny und nach ihm Deshayes halten die in Gaas vorkommende Form für verschieden von der 
Pariser. Ich kann mich dieser Ansicht durchaus nicht anschliessen, und scheinen mir eine Anzahl von Exem- 
plaren aus Gaas und Lesbarritz mit solchen aus Laon in allen Punkten auf das vollständigste übereinzustim- 
men. In Sangonini kommt diese Art ausserordentlich häufig vor. Sie varirt ziemlich stark in Bezug auf die 
Höhe des Gewindes und die Stärke und Entfernung der Längsrippen und schliesst sich in dieser Beziehung 
enge an die englischen Vorkommnisse an. Da Edwards nur eine Form abbildet, gebe ich auf Taf. VIII die Ab- 
bildung der wichtigsten in Sangonini vorkommenden Varietäten. Von Valuta crenulata Lam., mit welcher sie 
Brongiart identificirte , bleibt unsere Art auch in den am dichtesten gerippten Abänderungen noch immer 

sehr deutlich geschieden. 

9. Valuta lialtca Fuchs. 

Taf. VIII, Fig. 2—5. 

Gehäuse länglich-eiförmig, ungefähr doppelt so hoch als breit. Gewinde niedrig kegelförmig, continuir- 
lich abgedacht. Die inneren Umgänge tragen an dem einen mir vorliegenden Exemplare (Fig. 4, 5) drei Reihen 
kleiner spitzer Knoten, während an dem zweiten (Fig.^2, 3) blos eine Reihe kurz-kegelförmiger Dornen längs der 
unteren Nath vorhanden zu sein scheint. Auf dem letzten Umgange ist dies bei beiden Exemplaren der Fall 
und entwickeln sich von ihnen aus ziemlich starke zugerundete Längsrippen, welche est gegen die Basis des 
Gehäuses verschwinden, ja gegen den Mundrand zu bis vollständig hinabreichen, und welche von zahlrei- 
chen Querlinien gekreuzt werden. Der linke Mundsaum breitet sich als breite callöse Platte über den Bauch 
des letzten Umganges. 

Der Spindelrand zeigt in der Mitte eine Anschwellung, welche die zahlreichen unregelmässig stärkeren 
und schwächeren Falten trägt. Diese Art hat in der äusseren Form so wie in der Beschaffenheit des linken 
Mundsaumes grosse Ähnlichkeit mit der neogenen Voluta fioultna Lam., unterscheidet sich aber von dersel- 
ben leicht durch die starken Längsrippen so wie durch die callöse Anschwellung an der Spindel. 

Es finden sich bei den Autoren Voluten aus verschiedenen italienisehen Localitäten, unter verschiedenen 
Namen abgebildet und beschrieben, welche die grösste Ähnlichkeit mit der so eben beschriebenen Art haben 
und theilweise mit derselben identisch sein dürften. Bei der Mangelhaftigkeit der Abbildungen ziehe ich es in- 
dessen vor, bis auf Weiteres davon zu abstrahiren. 

Diese Voluten sind folgende: 

1814. Voluta coronata Brocc. Conch. foss. p. 306, pl. XV, Fig. 7. — Von Belforte. 

1823. n affinia (Brocc.) Brong. Vicent. p. 63, pl. III, Fig. 6. — Aus Eonca und Turin. (Ronca wird wohl auch 

hier, wie bei Brongniart so häufig, eine Verwechslung mit Sangonini sein i]). 
1861. r, negleeta Michel. Miocöne inför. p. 100, pl. XI, Fig. 1, 2. — Sassello. 

«) Brongniart bemerkt in seinem Werke bei F. afßniai „Je ne doute pas que Tespöce que je cite, et qui, par le 
sable m616 de grains de Serpentine qu' eile renferme , indique qu* eile vient de la montagne de Turin, ne puisse §tre 



Beitrag zur Kenntniss der Conchylienfauna des Vicenthiischen Tertiarrjebtrffes. 183 

3. imtra pUcaiella Lam. 
41* mtra regularis Sc haar. 

Taf. VIII, Fig. 33, 34. 
1865. Miira reffularü Schattr. Verz. Verst. Nat. Gab. Coburg, p. 239, pl. 24, Fig. 9. 

Gehäuse konusförmig, bald mehr gestreckt, fast dreimal so hoch als breit, bald mehr verkürzt. Gewinde 
ungefähr '/^ der Gesammthöhe betragend. Umgänge gewölbt. Das ganze Gehäuse mit glatten zugerundeten, 
um ihre eigene Breite auseinandergerückten Längsrippen besetzt, die auf dem letzten Umgange gegen die 
Basis zu verschwinden. Bechter Mundrand schneidend. Spindel gerade, mit 4 — 5 starken Falten versehen. 
Trotzdem, dass die von Schauroth gegebene Abbildung etwas von den mir vorliegenden Stücken ab- 
weicht, glaube ich doch nicht zu irren, wenn ich sie auf diese Form beziehe. 

S. €^praea splendens Grat. 

Taf. VIII, Fig. 23, 24. 
1840. Cyprasa splenderu Grat. Conchyl. foss. Porcell. 2 (pl. num. 41), Fig. 9, 14. 
Gaas, Tartas (Grat.), Lesbarritz (Hof-Mineraliencab.). 

Gehäuse von hinten betrachtet eiförmig, hoch gewölbt, allseits regelmässig zugerundet, nur an der Spitze 
an der Stelle des Gewindes mit einer seichten Grube versehen, nach unten verschmälert. Von vonie betrachtet ist 
das Gehäuse durch die Mundspalte in zwei ungleiche Hälften getheilt, welche sich zu einander ungefähr 
verhalten, wie 3 zv 2. Beide Theile sind gewölbt. Die Mundspalte ist schmal, schwach S-ibrmig gebogen, 
nach unten unbedeutend erweitert. Die beiden Mundränder in ihrer ganzen Länge gleichmässig dicht gekerbt, 
an ihrem oberen Ende ziemlich gleich hoch, oder der rechte den linken unbedeutend überragend. 

Länge 31 Millim., Breite 20 Millim., Höhe der VTölbung 18 Millim. 

Es liegen mir aus Gaas und Lesbarritz eine grössere Anzahl von Stücken vor, welche mit Cypr. aplen- 
dens Grat, bezeichnet sind, und mit denen die unsrige Form sehr gut übereinstimmt. Die Abbildung bei 
Grateloupist freilich so mangelhaft, dass man nach ihr allein es nicht hätte wagen können eine Bestim- 
mung vorzunehmen. Sehr ähnlich unserer Form und vielleicht mit derselben ident ist eine Gypraea^ 
welche Edwards in seinem Werke über die englischen Eocen-MoUusken p. 130, pl. 17, Fig. 6 als Cypr. 
Bartonenaia abbildet und beschreibt. 

In Sangonini ist diese Art sehr häufig, doch sind die Exemplare meist verdrückt, und ist desshalb die 
Abbildung nach einem schönen Stücke aus den Gomberto-Schichten vom Monte Viale, wo sie übrigens nur 
selten vorzukommen scheint, angefertigt. 

O, €}ypraea angu^ta Fuchs. 

Taf. VIII, Fig. 2t, 22. 

Gehäuse von hinten betrachtet länglich oval, massig gewölbt, mit einem schmalen aber deutlich aus- 
gesprochenem Rande versehen. Von vorne betrachtet durch die Mundspalte in zwei ungleich breite Hälften 
getheilt, welche sich zu einander verhalten wie 3 zu 2. Beide Hälften gewölbt. Mundspalte schmal, fast 
gerade. Bechter Mundsaum an der Spitze den linken beträchtlich übeiTagend, in seiner ganzen Länge gleich- 



rapportöe k cette Volute de Brocchi.'' Nach dieser Bemerkung Bcheint es kaum einem Zweifel unterliegen zu können, 
dasB das Original zu der Abbildung von Turin stammte , und mithin ein Jugendexemplar der bekannten F. fictUina 
Lam. sei, und wird die Sache auch von den meisten Autoren so aufgefasst. Unter den zahlreichen Exemplaren der 
Voluta fieulina Lam. jedoch, welche mir von den verschiedensten Localitaten und so auch von Turin selbst vorlie- 
gen, konnte ich niemals jene zweite Enotenreihe auf dem Dache der Umgänge beobachten, welche an der Bron- 
gni arischen Figur so deutlich angegeben ist, so wie auch eine Entwicklung der Längsrippen zu den Ausnahmen 
gehört. Beide Charaktere kommen jedoch der von mir beschriebenen Voluta aus Sangonini zu, und ich halte es dem- 
nach für wahrscheinlicher, dass das von Bronguiart Taf. III, Fig. 6 abgebildete StQck nicht von Turin, sondern 
aus den basaltischen Tuffen von Sangonini stammte und die in Rede stehende V. Jtalica darstellt. 



184 Th. Fuchs. 

massig mit breiten Kerben versehen. Der linke Mundrand ist an dem einzigen mir vorliegenden Exemplare 
leider verdruckt, scheint aber ebenfalls breit gekerbt gewesen zu sein. 
Länge 26 Millim., Breite 14 Millim., Höhe der Wölbung 11 Millim. 

9. Cypraea tnarginata Fuchs. 

Taf. VIII, Fig. 25, 26. 

Gehäuse von hinten betrachtet eiförmig, hoch gewölbt, mit einem Bande versehen. Von vorne betrach- 
tet durch die Mundspalte in zwei ungleich breite Hälften getheilt, die sich zu einander verhalten, wie 2 zu 1. 
Mundspalte iS'-förmig gebogen, in ihrer ganzen Länge nahezu gleich weit. Rechter Mundsaum an seinem 
oberen Ende den linken tiberragend ; in seiner ganzen Länge gleichmässig weit gekerbt. 

Am linken Mundsaume sind die Zähne in der oberen Hälfte schwächer und werden erst unten stärker. 

Länge 18 Millim., Breite 12 Millim., Höhe der Wölbung 9 Millim. 

S. IfMarginella amphiconus Fuchs. 

Taf. X, Fig. 28, 20. 

Das Gehäuse hat die Gestalt von zwei mit der Basis auf einander gestellter Kegeln, von denen der obere 
von dem Gewinde gebildete der kürzere ist. Die Höhe des Gehäuses verhält sich zur Breite ungefähr wie 
2:1. Das Gewinde besteht aus 5 — 6 gewölbten Umgängen. Mundöffhung schmal, rechter Mundrand ver- 
dickt. Spindel mit 4 Falten versehen. 

Höhe 18 Millim., Breite 10 Millim. 

B. Iftarginetia Mtugefi^ts Fuchs. 

Taf. VIII, Fig. 19, 20. 

Gehäuse länglich eiförmig, ungefähr doppelt so hoch als breit, nach unten verschmälert. Gewinde 
stumpf kegelförmig, wenig tiber ein Fünftheil der Gesammthöhe betragend. Mundöfinung schmal. Bechter 
Mundsaum verdickt. Spindel mit vier Falten versehen, von denen die oberen horizontal, die unteren allmäh- 
lig schiefer stehen. 

Höhe 16 Millim., Breite 9 Millim. 

Von der in den Gombertoschichten häufigen Margmella eratotdes Fuchs unterscheidet sich diese Art 
durch ihre bedeutendere Grösse (sie ist nahezu dreimal so gross), so wie durch ihre etwas schlankere Gestalt. 
(Sie ist nach unten mehr verschmälert und das Gewinde ist etwas höher.) 

* 

lO* NMarginella pauctsptra Fuchs. 

Tab. X, Fig. 11—13. 

Gehäuse länglich cylindrisch, etwas über doppelt so hoch als breit, beiderseits verschmälert. Gewinde 
wenig sichtbar, kaum ein Siebentheil der Gesammthöhe betragend, stumpf kegelförmig. Mundöfl&iung lang 
und schmal, nach unten zu unbedeutend erweitert. Rechter Mundrand verdickt. Spindel mit vier schwachen 
schiefen Falten versehen. 

Höhe 9-5 Millim., Breite 4 Millim. 

11. Ancillarta auovnala Schlth. 

Taf. VUI, Fig. 8, 9. 

1820. Volutites anomalua Schlth. PetrefacteDkunde, p. 122. 

1853. Ancillarta glandifomiis (Lam.) Beyr. Nordd. Tert. p. 43, pl. 2, Fig. ö. 

1862. „ „ (Lam.) Speyer Gasseier Tert. p. 9, pl. l, Fig. 9, 10. 

Freden bei Alfeld (Beyr.). — Ahnegraben bei Cassel (Speyer). 

Gehäuse cylindrisch eiförmig, doppelt so hoch als breit. Obertheil kurz kegelförmig geschlitzt, durch 
eine stumpfe wulstige Kante vom Untertheile getrennt. Mundöffnung länglich oval, nach oben verschmälert. 



Beitrag zur Kenninüs der ConchyUenfauna des Vicentinischen Tertiärgebirges. 185 

Spindelrand in der oberen Hälfte in der Regel etwas bauchig, nach unten zu ausgebuchtet. Spindelwulst ge- 
dreht , fein gestreift. Der Sehmelzttberzug des Obertheils links vom oberen Mundende einen kleinen deutlich 
umschriebenen Polster bildend. 

Diese Art gehOrt in den Tuffen von Sangonini zu den häufigsten Conchylien (es liegen mir über 
80 Exemplare vor) und stimmt vollständig mit der im Oberoligocen von Cassel und Freden vorkommenden 
Ancillaria ttberein, welche von Beyrich so wie neuerdings auch von Speyer mit der neogenen Ancillarta 
glandtformisLsLm. identificirt wurde. Diesen beiden Forschem entging es indessen bereits nicht, dass die 
Gasseier Ancillaria in ihrer äusseren Gestalt sehr constant , durchaus nicht jenen Polymorphismus zeige, 
welcher der Ancillaria glandiformis so eigenthUmlich ist, und sprach desshalb Beyrich die Vermuthung aus, 
dass man bisher unter dem Gesammtnamen Ancillaria glandiformis mehrere verschiedene neogene Arten 
zusammengeworfen hätte , mit deren einer sodann die Casseler Art ident sein würde. Nach einer genauen 
Untersuchung des so reichen Materiales des kais. Hof-Mineraliencabinetes kann ich mich dieser Ansicht 
durchaus nicht anschliessen. Ich glaube vielmehr , dass man allerdings am besten thun wird , die neogene 
Ancillaria glandiformis im Sinne Börnes' als eine einzige Art aufzufassen, dass dagegen die Casseler Art 
auf das bestimmteste davon getrennt werden muss, und schlage ich für dieselbe den alten Schlotheim'- 
schen Kamen Ancillaria anomala vor. Der wichtigste unterschied zwischen diesen beiden Arten bildet der 
bei Ancillaria anomala constant verhältnissmässig kleine Schmelzpolster an der Seite des oberen Mund- 
endes , während bei Ancillaria glandiformis sich diese Sehmelzbildung auch schon bei den jüngsten Exem- 
plaren constant um vieles weiter nach links ausbreitet. Ausserdem zeichnet sich Andllana anomala noch 
durch die constante Form und Grösse, die schmälere Mundöfihung, so wie durch das immer sehr spitze Ober- 
theil aus. 

Länge des grössten Exemplares 39 Millim., Breite 20 Millim. 

19. Ancitlarta canalifera Lam. 

1824. Aneülaria canalifera (Lam.) Desh. Env. Paris, 11, p. 734, pl. 96, Fig. 14, 15. 
1866. n » (Lam.) Desh. Bass. Paris, III, p. 637. 

Sables inför., Calc gross., Sables moy. — Brackelsham, Selsey, Hordwcll, Barton (Desh.). 

M3m OUva aeqt%aUs Fuchs. 

Taf. Vm, Fig. 27, 28. 

Gehäuse eiförmig cylindrisch, über doppelt so lange als breite nach unten wenig verschmälert. Gewinde 
kurz kegelförmig, spitz , ein Drittheil der Gesammthöhe betragend. Mundöffiiung schmal, nach unten wenig 
erweitert. Rechter Mundrand schneidend. Spindel gerade , mit vier ziemlich gleich weit entfernten Falten 
versehen , welche ttber die Basis des letzten Umganges bis zur Mündung verlaufen. Die zwei oberen Falten 
sind schwächer, die nnteren stärker. Letztere stellen offenbar die Spindelschwiele dar, welche hier indessen 
durchaus nicht besonders verdickt ist. Durch letztere Eigenthümlichkeit unterscheidet sich diese Art sehr 
leicht von sämmtlichen ähnlichen Pariser Arten {Oliva ambigua Desh., Laumontiana Desh. etc.), welche 
sämmtliche eine verdickte mit 3 — 4 feineren Falten versehene Spindelscbwiele besitzen. 

Höhe 19 Millim., Breite 8 Millim. 

lü. Verebra Speyert Fuchs. 

Taf. X, Fig. I, 2. 
1866. Terehra fuBcaia (Brocc.) Speyer, Oberolig. Lippe-Detmold, p. 13, pl. I, Fig. 7, 8. 
Göttentrnp (Speyer). 

Gehäuse cylindrisch spindelförmig, aus zahlreichen ebenen, anschliessenden Umgängen bestehend. 
Umgänge an der Kaht gar nicht oder doch nur unmerklich abgesetzt , unter derselben mit einer deutlichen 

Denksohrlften der mAthem.-naiurw. CI. XXX. Bd. Abhaadl. von Nlchtinitgliedern. y 



186 Th. Fuchs. 

TbeiluDgslinic versehen. Die oberen Umgänge sehwach längsgerippt, die unteren alimählig bis auf die Zu- 
waebsstreifen glatt. Nach einem mir vorliegenden BrachstUcke mOgen die ausgewachsenen Exemplare eine 
Dicke von 12 Millimetern bei einer Länge von nahezu 70 Millimetern erreicht haben« 

Diese Art hat die grösste Ähnlichkeit mit der neogenen Terehra acuminata Bors, und wird vielleicht 
mit derselben vereinigt werden müssen. Der Grund , warum ich sie einstweilen als selbstständige Art auf- 
führe , liegt darin , dass bei Ter. acuminata die Windungen in der Regel sehr deutlich abgesetzt sind , was 
bei den mir aus Sangonini vorliegenden Exemplaren entweder gar nicht oder doch nur sehr unbedeutend der 
Fall ist. Dagegen scheint mir diese Art vollständig mit einer Terehra übereinzustimmen, welche Speyer aus 
dem Oberoligocen von Göttentrup als Ter.fuscata Brocc. abbildet und beschreibt, mit welcher neogenen 
Art sie indessen durchaus nicht vereinigt werden kann. 

lA. MSburfia Coroitto Brong. 

1823. Xcuaa Caroyiis Brong. Vicent. p. 64, pl. 3, Fig. 10. 

1861. Ehnma Caronia (Broug.) Sem per, Paläontologische Untersuchungen. (Separatabdrficke aus der Kieler Schal- 

zeitung und ans dem Archive des Vereines der. Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg.) 

„Über Biiccinum Caronü Brong.^ 

Semper wies in dem oben citirten Aufsatze nach, dass sämmtliche aus neogenen Tertiärbildungen als 
Ehuma (BucctnumJ Caronis Brong. angeführten Conchylien von demselben vollständig verschieden seien, 
ja sogar einem anderen Genus angehörten. In den vulcanischen Tuffen von Sangonini gehört diese Art zu 
den häufigsten Vorkommnissen. Niemals ist sie hingegen in Ronca gefunden worden. 

IB. Caa^is mamtniUisris Grat. 
M9. Ca^sidaria atnhtgua Brander. 

1776. Bucdnum amhiguum Brand. FoBsUift Hantoniensia, p. 11, pl. 4, Fig. 56. 

1823. CasM striata (Sow.) Brong. Vicent p. 66, pl. 3, Fig. 9. 

1843. Cassidaria amhigua (Brand.) Nyst. Coqu. et polyp. foss. p. 566, pl. 43, Fig. 8. 

1851. Canis affinia Phil. Tertiärverstein. der Magdeb. Gegend in Dun k er u. Meyer's Palaeontographica, I, p. 76, 

pl. 10, Fig. 11. 
1854. „ „ (Phil.) Beyr. Norddeutsch. Tertiärgeb. p. 149, pl. 10, Fig. 3. 

1865. „ ambigua (Sol.) V. Koen. Helmstaedt, p. 482. 

Barton, Brockenhurst, Highcliff (Hof-Mineraliencab.). -^ Grimittingen, Vliermael (Nyst.). — Latdorf, Wolmirs- 
leben, Unseburg, Neugattersleben (Hof-Mineraliencab.).— Osterweddingen und Biere (Beyr.). » Helmstaedt 
(V. Koen.). 

Diese im Unteroligocen Norddeutschlands und Belgiens, so wie im Mittel- und Obereocen Englands so 
häufig vorkommende Art gehört in den Tuffen von Sangonini ebenfalls zu den häufigsten Vorkommnissen, ist 
dagegen bisher noch niemals in Bonca gefunden worden. 

19* Jlotf fellorlo ampla Brand er. 

1776. Strombua amplus Brand. Foss. Haut. p. 14, pl. 6, Fig. 76. 

1843. Roatellaria ampla (Brand.) Nyst. Coqu. et polyp. foss. p. 556, pl. 43, Fig. 5. 

Barton (Hof-Mineraliencab.). ~ Gros ferrug. de Groenendael, Calc. de St-Gilles et de Foret (Nyst). 

Dieses prachtvolle Conchyl scheint in Sangonini gar nicht selten zu sein und den englischen Vorkomm- 
nissen in Bezug auf Grösse gar nicht nachzustehen. Von zwei beinahe vollständig erhaltenen Exemplaren, 
welche mir nebst zahlreichen Bruchstücken aus Sangonini vorliegen , hat das grössere eine Länge von über 
20 und mit Hinzurechnung des Flügels eine Breite von 16 Centimetem. Der Bauch des letzten Umganges 
allein hat einen Durchmesser von 8 Gentimeter. 



Beitrag zur Kenntniss der Conchylienfauna des Vicentinischen Tertiär gebirges. 187 

IB. Chenopus pes carhoniB Brong. 

1823. Hoiteüaria pes carbonü Brong. Vicent. p. 75, pl. 4, Fig. 2. 

Das Bezeichnende dieser Art liegt in dem angewachsenen oberen Flügellappen, welcher stets bis zur 
Spitze des Gewindes reicht, wodnrch er sich namentlich von dem im Mainzer Becken vorkommenden Che- 
noptbs tridactylus Braun unterscheidet, dem er sonst in Bezug auf Grösse und Sculptur sehr nahe steht. 
Wie er sich dagegen zu gewissen neogenen Chenopu8'Yorme.n verhält, bei denen der obere Flügellappen 
ebenfalls bis zur Spitze reicht, wage ich für den Augenblick um so weniger zu entscheiden, als die An- 
sichten über die Selbstständigkeit der verschiedenen neogenen Arten noch immer äusserst schwankend sind. 
Nur auf das Eine möchte ich hier schon hinweisen, dass nämlich der ChenopiLS pes carbonü im Vergleich zu 
den meisten neogenen Vorkommnissen stets klein bleibt. 

Diese Art kommt in Sangonini nicht besonders häufig vor, ist dagegen in Ronca bisher noch niemals 
gefunden worden. 

CO« Vtcula condita Brong. 

1823. Pyrula condita Brong. Vicent p. 75, pl. 6, Fig. 4. 

1856. n 9 (Brong.) Hörn es, Wiener Becken, I, p. 270, pl. 28, Fig. 4— 6. 

1854. ft retieuiata (Lam.) Beyr, Norddeutsch. Tertiärgeb. p. 231, pl. 15, Fig. 5, 6, 9, 10. 

1863. » n (Lam.) Speyer, Casseler Tertiärbild. p. 81, pl. 9, Fig. 12—14. 

Niederkanfungen, Ahnegraben bei Cassel, Hohenkirchen (Speyer). — Sternberger Gestein (Beyr.). — Neogen. 

Es liegen mir aus Sangonini eine grössere Anzahl von gut erhaltenen Stücken vor, welche mit den neo- 
genen Vorkommnissen so vollständig übereinstimmen, dass ich mich nicht entschliessen konnte, sie von den- 
selben zu trennen. Es fiel mir dies um so leichter, als Bey rieh und Speyer mir in diesem Falle mit gutem 
Beispiel vorausgegangen. Es schien mir jedoch sehr gewagt, auf die in Rede stehende Form den Namen R 
retictUcUa anzuwenden, der von Lamarck bekanntlich einer lebenden Art gegeben wurde, welche mir von 
der fossilen nicht unbedeutend abzuweichen scheint, und ich zog es desshalb vor, einstweilen den Brong- 
niart'schen Namen condita zu gebrauchen. 

91. Picuta neactli9 Brand. (nonDesh.). 

1776. Murez nexilis Brand. Foss. Hant. p. 11, pl. 4, Fig. 55. 

1843. Fu$u9 nexVis (Brand.) Nyst. Coqu. et polyp. foss. p. 506, pl. 39, Fig. 26. 

1854. PyrtUa nexilia (Sol.) Beyr. Norddeutsch. Tertiärgeb. p. 226, pl. 15, Fig. 2. 

1863. „ n (Sol.) Speyer, Casseler Tertiärbild. p. 83. 

1865. „ « (Sol.) V. Eoen. Heln)staedt, p. 9, 474. 

Barton (Hof-Mineraliencab.). — Vlierroael (Nyst.). — Hohenkirchen (Speyer). — Helmstaedt (v. Koen.), 
Westeregeln, Osterweddingen (Beyr.), Neugattersleben, Latdorf (Hof-Mineraliencab.). 

Von dieser Art liegt mir aus Sangonini ein einziges aber gut erhaltenes Exemplar vor , welches die fUr 
dieselbe charakteristische regelmässige Sculptur auf das schönste zeigt. Die im Pariser Becken vorkom- 
mende Ficulaf aufweiche Deshayes den Namen nextlis anwendet^ ist, wie er dies ttbrigens bereits selbst 
ganz richtig vermuthete, von der unserigen vollständig verschieden. 

99. Conus M^e^^sifortnis Desh. 

1823. Conus deperdiius Brong. Terr. calc. trapp, d. Vicent. p. 61, pl. III, Fig. 1 a, b. 

1824. „ diveniformU Desh. Descript d. coqa. foss. p. 747, pl. 98, Fig. 9, 10, 11, 12. 
1840. „ depertUfua Grat. Concbyl. foss. Cones, pl. 2 (pl. num. 44), Fig. 18, 19. 
1852. „ GrcUeloupi d'Orb. Prodrome, III, p. 11, num. 168. 

1856. „ deperditus Edw. Eoc. Mollusc. p. 191, tab. XXV, fig. 2a^c. 

1865. , nüoides Schaur. Verz. Verst. Nat. Gab. Coburg, p. 229, pl. 24, Fig. 4. 

1866. „ diversiformis Desh. Descript. d. anim. s. vert. p. 423. 

Calo. gross., Sables moy. Hauteville (Desh.). — Brackelsbam Bay, Bramsbaw (E d w.). — AfBighem (Gal.), 
Groenendal (Nyst). — Westeregeln (Beyr.). — Gaas (Grat). 



188 Th Fuchs. 

Diese in den Gonibertoschiehten sehr seltene , dagegen in den ebenfalls obereocenen valcanischen Tuf- 
fen von Sangonini ausserordentlich häufige Form stimmt vollständig mit dem in Gaas und Lesbarritz häufig 
vorkommenden Conus flberein, der von Grateloup mit einer Pariser Grobkalk- Art identificirt, von d'Or- 
bigny indessen als Conus Grateloupi von derselben getrennt wurde. Mir scheint fllr diese Trennung kein 
hinreichender Grund vorzuliegen. Wie aus dem oben angeführten Literaturverzeichnisse hervorgeht , wurde 
die in Rede stehende Form von den meisten Autoren, so namentlich auch in neuester Zeit von Edwards mit 
dem Conus deperdäus Brug. identificirt, und in der That gleicht die Abbildung bei Bruguier mehr dieser 
Art als derjenigen, welche Deshayes in seinen Werken als Con. depenfitus Brug. anführt. Da jedoch 
Deshayes am ehesten in der Lage ist, darüber zu entscheiden, welche Art Bruguier eigentlich gemeint 
habe, halte ich es einstweilen für das Gerathenste, mich seiner Auffassung anzuschliessen. 

Diese Art kommt in Sangonini ausserordentlich häufig vor , ist dagegen bisher in Ronca noch nicht 
gefunden worden. 

S3. Conu9 aM9iosu9 Brong. 

Taf. VIII, Fig. 10, 11. 
1823. Brong. Vicent. p. 61, pl. 3, Fig. 3. 

Da die Brongniart'sche Abbildung kein ganz getreues Bild dieser Art gibt, indem sie die dichte 
Streifung , mit der der grösste Theil der Schale bedeckt ist , fast gar nicht zeigt , wiederhole ich dieselbe 
nach einem aus Sangonini stammenden Stücke. Diese Art steht dem aus den englischen Eoeenbildungen 
stammenden Conus dormitor Brand, sehr nahe, ohne dass ich ihn jedoch damit zu identificiren wage. Bei 
Conus dormüor Brand, sind die Umgänge des Gewindes etwas flacher, die das Gehäuse bedeckenden 
Streifen fadenförmig hervortretend , weiter auseinander gerückt , gleichmässig über die ganze Schale ver- 
theilt , und mit den dichten Zuwachsstreifen eine , namentlich auf dem Gewinde , sehr zierliche Gitterung 
erzeugend. Bei Con. alsiosus hingegen sind die Umgänge des Gewindes etwas mehr gewölbt und nie gegit- 
tert, die Streifung im Allgemeinen eine dichtere, und auf dem oberen Theile des letzten Umganges stets ver- 
wischt. 

In Sangonini ist diese Art sehr häufig, niemals ist sie hingegen bisher in Ronca gefunden worden. 

C4f. Conus procevna Beyr. 

1853. Conva procerus Beyr. Norddeutsch. Tertiärgcb. p. 27, pl. 1, Fig. 7. 
1860. „ alatus Edw. Eoc. Mollusca, p. 202, pl. 25, Fi^. l. 
1865. y, proceruB (Beyr.) V. Koeu. Helmstaedt, p. 48"». 

Lrmuchaw, Brockcnhurst, Lyndhurst (Edw.). — Helmstaedt (Koen.). — Latdorf, ünseburg, Westeregeln (Hof- 
Mineralicncab.;. 

Die mir aus den Tufl'en von Sangonini vorlie^^enden Stücke ähneln am meisten solchen von Brockcn- 
hurst. 

Diese Art ist, wie schon v. Koenen bemerkt, sehr variabel in der Länge des Gewindes, in der Tiefe 
der Depression unter der Naht , so wie auch in Bezug auf die Stärke der Streifung des letzten Umganges, 
und ich möchte nach dem mir vorliegenden Materiale vermuthen, dass noch eine ganze Reihe bisher als selbst- 
ständige Arten angesehener Formen nur Variationen derselben Species seien. Es sind dies folgende: Pleuro- 
tomn glahrata Lam., labiata Desh., amphiconus Sow. und Conus GrotrtaniY, Koenen. 

<J* Fleuroioma iineolaia Lam. 
90. Flenroton^a rostrata Brand er. 

1776. Murex rostraius Brand. Foss. Hant. pl. 2, Fig. 34. 

1860. Pleiirotoma roatrata (Sol.) Edw. Eoc. Mollusca, p. 218, pl. 26, Fig. 8. 

186.1. n „ (Sol.) V. Koen. Helmstaedt, Zeitschr. d. deutsch, geol. GesellBch. 1865, p. 491. 

Barron, Alum B»y, Highcliff (Edw.). ~ Helmstaedt (v. Koen.). 



Beitrag zur Kenntniss der Conchylter^auna des Vicentinischen Tertiär gebirges. 189 

Es liegt mir ans Sangonini ein Bruchstück dieMr schönen Art vor y welches ans den zwei letzten Um- 
gängen nnd einem Theil des Canals besteht. Dasselbe stimmt vollständig mit den normalen in Barton vorkom- 
menden Formen nnd erreicht auch vollständig deren Grösse. 

99. Fleuroimna turbtda Brand er. 

1843. Pleurotoma turhida (Brand.) Nyst. Coqn. et polyp. foBS. p. 613, pl. 40, Fig. 8. 
1860. , „ (Sol.) £dw. Eoc. Mollusca, p. 311, pl. 32, Fig. 2. 

1865. 9 „ (Sol.) y. Koen. Helmstaedt, Zeitscbr. d. deutsch, geol. GeseUseb. p. 486. 

Barton, Highcliff (Edw.). — Vliermael, Lethen (Nyst), Hoesselt (Hof - Mineraliencab.). — Helmstaedt 
(v. Koen.). — Latdorf, Wolmirsleben (Hof-Mineraliencab.). 

In Sangonini kommt diese Art hänfig vor, nnd es gleichen die Stücke am meisten solchen ans Barton. 

98« ^Pleurotoma tyra Desh. 

• 

1824. Pleurotoma lyra Desh. Env. Paris, II, p. 468, pl. 64, Fig. 1, 2, 6, 14, 16, 16. 
1843. „ eonoidea (Brand.) Nyst. Coqu. et polyp. foss. p. 615, pL 40^ Fig. 10. 

1862. j, 9ubctmoide8 d'Orb. Prodr., III, p. 12, num. 196 a. 

1860. „ pyrgota var. a Edw. Eoc. Mollusca, p. 267. 

1864. „ conoideum (Sol.) Gieb. Latdorf, p. 60. 

1866. y, lyra Desh. Bass. Paris, II, p. 381. 

(Siehe auch v. Eoenen Helmstaedt, Zeitscbr. d. deutsch, geol. Gesellsob. 1866 über P7etiro/. hellula Phil.). 

Calc. gross., Sables moy. (Desh.). — Brockenhnrst (Edw.). ~ Lethen, Yliermael (Nyst), Grimittingen, Lat- 
dorf (Hof-Mineraliencab.). 

Diese im Unteroligocen Norddeutschlands, Belgiens nnd Englands vorkommende Art wurde von Nyst 
und Giebel irrthttmlich mit der Pleurotoma eonoidea Brand, identificirt, ein Irrthum, welchen d'Orbigny 
dadurch zu corrigiren suchte, dass er sie Pleurotoma auhconoides nannte. Ich konnte mich jedoch nach Ori- 
ginalexemplaren , welche das kais. Hof-Mineraliencabinet aus Le Guepelle besitzt auf das vollständigste 
überzeugen , dass diese in Rede stehende Art ident sei mit der Pleur. lyra Desh. In wie weit die Ansicht 
Ed ward's Berechtigung besitzt, welcher sie als Varietät zu seiner PL pyrgota zieht, vermag ich nicht zu 
entscheiden. 

In Sangonini kommt diese Art nicht selten vor. 

90. Pleurototna terehraUB Lam. 

1824. Pleurotoma terebraltt (Lam.) Desh. Env. Paris, p. 455, pl. 62, Fig. 14 — 16. 
1860. „ „ (Lam.) Edw. Eoc. Mollusca, p. 233, pl. 27, Fig. 10. 

1865. „ „ (Lam.) V. Koen. Helmstaedt, Zeitschr. d. deutsch, geol. Gesellsch. p. 496. 

1866. „ „ (Lam.) Desh. Bass. Paris, p. 359. 

Highgate, Hempstead, Clarendon Hill (Edw.). — Sables inftr., Calc. gross. (Desh.). — Helmstaedt (v. Koen.). 

Das einzige mir aus Sangonini vorliegende Stück zeigt einen scharfen fein gezähnelten Kiel ; auf den 
Seitenflächen zahlreiche fein gekörnelte Spirallinien, und auf dem Dache der Umgänge eine zarte Gitterung. 
Durch letztere Eigenthümlichkeit namentlich steht es am nächsten der Var. conctnna Edw. 

30. Pleurotoma amhigua Fuchs. 

Taf. IX, Fig. 37, 38. 

Gehäuse länglich kegelförmig, unten mehr oder minder rasch zu einem Canale zusammengezogen. Um- 
gänge gewölbt, von einem knotigen Kiel in zwei ziemlich gleiche Hälften getheilt und von zahlreichen feinen 
erhabenen Querlinien bedeckt, von denen zwei auf den Kiel kommen. Von den Knoten laufen sowohl nach 
abwärts als auch gegen die Naht feine Falten aus, die sich nach unten zu allmählig verlieren, nach oben zu 
aber bis an die Naht reichen und daselbst zu einem kleinen Knoten anschwellen , wodurch längs der Naht 
eine zweite schwächere Knotenreihe entsteht. 



190 Th. Fuchs. 

Höhe 17 Millim., Breite 7 Millim. 

Qiese Art bildet gleichsam einen Übergang von der Gruppe der Pteur. conoides, pyrgota and bellula zn 
derjenigen der Pleur. microdonta und desmia. Von den ersteren unterscheidet sie sich hauptsächlich durch 
den rascher zusammengezogenen Canal, von den letzteren dagegen durch den mehr horizontal gestellten 
Dachtheil der Umgänge. 

31. Fleurotoma Gnatae Fuchs. 

Taf. IX, Fig. 36, 36. 

Gehäuse länglich kegelförmig , rasch in den Canal zusammengezogen. Umgänge schwach gewölbt , in 
ihrer unteren Hälfte mit kurzen, knotigen, leicht /S'-förmig gebogenen Längsrippen besetzt. Die Oberfläche 
des ganzen Gehäuses ^leichmässig mit zahlreichen feinen erhabenen Querlinien bedeckt. Ausschnitt unmittel- 
bar unter der Naht gelegen, ziemlich tief. 

Länge 16 Millim., Breite 7 Millim. 

Sowohl in Sangonini als noch mehr in den gleichaltrigen Tuffen von Gnata bei Salcedo häufig. 

S9. Pleurotoma inaapeeta Fuchs. 

Taf. IX, Fig. 29, 30. 

Gehäuse länglich kegelförmig, nach unten rasch zum Canal zusammengezogen. Umgänge flach. Etwas 
unterhalb der Naht ein schmales Depressionsband. Die ganze Oberfläche des Gehäuses mit abwechselnd 
stärkeren und schwächeren erhabenen Querlinien bedeckt. An der Spitze des Gewindes bemerkt man 
schwache knotige Längsrippen, welche indessen auf den späteren Umgängen verschwinden. 

Länge 15 Millim., Breite 6 Millim. 

Diese Art hat in Grösse und Gestalt viele Ähnlichkeit mit der vorhergehenden , von welcher sie sich in- 
dessen leicht durch den Mangel von Längsrippen unterscheidet. Sie scheint selten zu sein. 

33. Fleurotoma pleb^a Fuchs. 

Taf. IX, Fig. 39, 40. 

Gehäuse klein und schlank thurmkegelförmig, allmählig zum Canal zusammengezogen. Umgänge flach, 
unmittelbar unter der Naht mit einem ziemlich tiefen Depressionsbande versehen. Oberhalb demselben von 
einer , unterhalb demselben von zwei feinen aber scharf hervortretenden Querlinien umgürtet. Letzter Um- 
gang mit dem Canal von zahlreichen hervortretenden Querlinien bedeckt. Auf den oberen Umgängen bemerkt 
man schwache knotige Längsrippen, welche nach abwärts zu allmählig schwächer werden, und auf dem letz- 
ten Umgange in der Regel vollständig verschwunden sind. 

Länge 12 Millim., Breite 5 Millim. 

3!t. Flenrotoma oheU»coide9 Schau r. 

1866. Pleurotoma obeliscoide» Schaur. Verz. Verst. Nat. Gab. Coburg, p. 230, pl. 24, Fig. 6. 

Gewinde thurmkegelförmig , spitz , doppelt so hoch als breit. Die Umgänge unterhalb der Naht mit 
einem leichten Depressionsband versehen, welches den ziemlich tiefen Ausschnitt enthält. Unterhalb dieser 
Depression stehen etwas schief gestellte dicke knotige Längsrippen, von denen acht auf den letzten Umgang 
kommen. Der Canal ist lang. Die ganze Oberfläche des Gehäuses ist mit sehr zarten dicht gedrängten Quer- 
linien bedeckt , die Knoten und der Canal ausserdem mit mehreren stärkeren , entfernter stehenden Quer- 
linien versehen. 

Von den nahestehenden neogenen Arten unterscheidet sich diese Form durch das kürzere breitere 
Gewinde, so wie durch die stärkeren weniger zahlreichen Längsrippen, 



Beitrag zur Kenntniss der Gonchylienfauna des Vicentinischen Tertiärgebirges. 191 

33. Barsonia MjugenHs Fachs. 

Taf. IX, Fig. 27, 28. 

Gewinde von plumper Form, ei-kegelförmig. Umgänge wenig gewölbt, in ihrer unteren Hälfte mit 
dicken Knoten besetzt, welche durch einen feinen über sie hinweglaufenden Kiel zugeschärft erscheinen, und 
von denen 5 — 6 auf den letzten Umgang kommen. Canal massig lang. Die ganze Oberfläche des Oehäuses 
mit zarten , fein granulirten , dicht gedrängten Querlinien bedeckt , unter welchen sich auf den Knoten und 
dem Canale einzelne stärkere hervorheben. Der Ausschnitt unmittelbar unter der Naht gelegen, seicht halb- 
mondförmig. Die Spindel mit zwei ziemlich starken horizontalen Falten versehen. 

Ziemlich häufig. 

30. Borsimia pnngens Fuchs. 

Taf. X, Fig. 26—27. 

Gehäuse spindelförmig, gleichsam aus zwei ziemlich gleich langen, schlanken Kegeln zusammengesetzt, 
von denen einer aus dem Gewinde, der zweite aus dem letzten Umgange besteht, der sich nur sehr allmählig 
zum Canale zusammenzieht. Umgänge längs der oberen Naht von einer aus zwei erhabenen Linien beste- 
henden Nahtwulst umgürtet , in der unteren Hälfte mit spitzen Knoten besetzt , von denen stumpfe Rippen 
nach abwärts verlaufen. Zwischen der Nahtwulst und den Knoten befindet sich eine Depression. Der Aus- 
schnitt ist seicht halbmondförmig. Die Oberfläche des Gehäuses ist mit erhabenen Querlinien bedeckt, welche 
schwächer in der Depression, stärker auf den Knoten und dem Canale sind. 

Länge ISMillim., Breite 7 Millim. 

39 • NMureac stmiU^ Fuchs. 

Taf. IX, Fig. 3, 4. 

Eine mir leider nur in wenigen defecten Stücken vorliegende Murex-Art aus der Gruppe des Murex ca- 
pito Phil, und Murex octonarius Beyr. steht namentlich letzterem so nahe, dass er sich vielleicht bei einem 
grösseren Materiale mit demselben ident erweisen wird. Einstweilen sehe ich mich jedoch genöthigt, ihn als 
eigene Art aufzufassen, weil man an dem einen ziemlich vollständig erhaltenen Stücke sieht, wie die 
anfangs ziemlich zahlreichen blättrigen Mundwülste plötzlich weiter auseinander rücken, so dass der letzte 
Umgang deren nur fünf trägt, während bei Murex octonarius in der Regel acht vorhanden sind. 

3S. Mwreac aubspinicostm Fuchs. 

Taf. IX, Fig. 21—23. 

Obwohl an dem einzigen mir vorliegenden Stücke der Canal an der Wurzel weggebrochen ist , zweifle 
ich nach dem Gesammtaussehen des Conchyls nicht daran, dass derselbe lang gewesen sei, und die Form 
überhaupt in die Gruppe des neogenen Murex spinicosta Bronn gehöre, was insofeme von Interesse ist, als 
Glieder dieser Gruppe aus älteren Tertiärbildungen bisher noch nicht bekannt waren. Das Gehäuse ist auf- 
geblasen eiförmig. Die Umgänge gewölbt. Jeder Umgang trägt drei dicke Wülste, welche eben so viele von 
der Spitze des Gewindes bis zur Basis des Canals verlaufende Kämme bilden , zwischen welchen je zwei 
kurze dicke Längsrippen stehen. Die Wülste sind an ihrer vorderen Fläche zierlich gekraust und tragen 
oben einen kleinen Dom. Die Oberfläche des ganzen Gehäuses ist mit starken erhabenen Querlinicn 
bedeckt. 

3B. Mmreae a9per Brander. 

1776. Murex atper Brand. F0S8. Hant pl. UI, Fig. 77 — 80. 
1824. « tricuspidaiui Desb. £nv. Paris, II, p. 600, pl. 81, Fig. 22, 23. 
1856. „ asper (Sol.) Beyr. Norddeutsch. Tertiärgeb. p. 198. 
1866. , , (Brand.) Desb. Baas. Paris, III, p. 319. 

Sables moy., Brackelsbam, Seleey, Barton, Hordwell (Desb.). — Westeregeln (Beyr.). 



192 Th. Fuchs. 

40« Mureac amoenus Fuchs. 

Taf. IX, Fig. 6, 6. 

Gehäuse eiförmig , mit zugerundeter Basis und scharf abgesetztem geradem, verhältnissmMssig ziemlich 
langem Canal. Umgänge treppenförmig abgesetzt , mit zahlreichen Hundwülsten besetzt , welche auf ihrer 
vorderen Fläche zierlich gekraust erscheinen , und von welchen sieben auf den letzten Umgang kommen. 
Seitentheil der Umgänge, so wie der Canal mit stärkeren erhabenen Querlinien bedeckt. 

Länge des Gehäuses ohne Canal 16, mit Canal circa 22 Millim., Breite 11 Millim. 

4f J. ntureoc pumiU9 Fuchs. 

Taf. IX, Fig. 1, 2. 

Gehäuse oval , mit verhältnissmässig ziemlich langem geradem Canal. Umgänge gewölbt , mit dicken 
Längsrippen besetzt , von denen sechs auf den letzten Umgang kommen , und welche zum grösseren Theile 
stehen gebliebene Mundwülste darstellen, welche jedoch niemals auf ihrer vorderen Fläche gekraust sind. 
Die Rippen sind von zwei stärkeren Querlinien gekreuzt , von denen die obere einen stumpfen Kiel erzeugt, 
durch welchen die Umgänge in einen oberen dachförmig geneigten und einen unteren mehr verticalen Seiten- 
theil geschieden Werden. Auf dem letzten Umgange setzen sich diese Querlinien über die ganze Seitenwand 
und den Canal fort. Zwischen ihnen, so wie auch namentlich auf dem Dache der Umgänge bemerkt man noch 
eine feinere Streifung. Mundöfihung rundlich. Canal offen. 

Länge mit Einschluss des Canals 22 Millim., Breite 11 Millim. 

4S« Vrttontum eacpan^utn Sow. 

1850. Triton expanms (Sow.) Dizon, Geol. Sussex, p. 186, pl. 6, Fig. 15. 
1864. Tritonium flandricum (Koen.) Gieb. Latdorf, p. 23, Taf. 3, Fig. 3. 

Brackelsham Bay, Helmstaedt (Hof-Mineraliencab.). — Latdorf (Gieb.). 

Zwei schön erhaltene Stücke aus Sangonini, gleichen vollkommen den englischen Vorkommnissen. 

^3. Vrttoninm Delbo^i Fuchs. 

Taf. IX, Fig. 11. 
Gaas (Hof-Mineraliencab.). 

Gehäuse ei-kegelförmig, rasch in einen nach rückwärts gebogenen Canal zusammengezogen, mit zahl- 
reichen Wülsten versehen. Die oberen Umgänge gewölbt, regelmässig gegittert^ die späteren allmählig trep- 
penförmig abgesetzt, mit anfangs zahlreichen feineren, später dickeren und selteneren Längsrippen ver- 
sehen , die von zwei Querleisten gekreuzt werden , von denen der obere mit dem Kiel zusammenfällt. Aut 
dem letzten Umgange setzen sich diese Querleisten bis auf den Canal fort. Ausser dieser Sculptur ist das 
ganze Gehäuse noch mit dicht gedrängten feinen Querlinien bedeckt , welche mit den Zuwachsstreifen eine 
allgemeine zarte Gitterung der Oberfläche hervorbringen. Mundöfinung rundlich, rechter Mundrand mit leisten- 
artigen Zähnen, linker mit unregelmässigen Bunzeln versehen. 

In der Sammlung des kais. Hof-Mineraliencabinetes befinden sieh ganz idente Exemplare aus Gaas. 

41^. Wifofilum subclathratutn d'Orb. 
^S. Vritonium denudatuvn Fuchs. 

Tat. IX, Fig. 9, 10. 

Gehäuse länglich eiförmig, mit Ausschluss des Canales doppelt so hoch als breit, mit zahlreichen Wül- 
sten versehen, welche indessen dem oberen Theile fehlen. Umgänge leicht gewölbt, mit schwachen, falten- 
förmigen Längsrippen versehen , welche von zahlreichen erhabenen Querliuien gekreuzt werden. Ausserdem 



Beitrag zur Kenntniss der Conchylienfauna des Vicentinüchen Tertiärgebtrges. 193 

bemerkt man unter der Loape noch allenthalben dicht gedrängt ausserordentlich zarte fein granulirte Quer^ 
linien. 

Länge ohne Canal 30 Hillim.; Breite 15 Millim. 

HO. IVIfOfiliciii cohibriHUfn Lam. 

1866. Triton colubrintm (Lam.) DeBh. BasB. Paris, III, p. 309, pl. 86, Fig. 25, 28. 
Calo. groBB. (Desh.). 

47« Vasdotaria Etugen^ts Fuchs. 

Taf. IX, Fig. 14-19. 

Gehäuse länglich eiförmig, in einen langen Canal ausgezogen. Umgänge stark gewölbt, durch tiefe 
Nähte getrennt, mit starken Längsrippen besetzt. Diese Rippen werden von stärkeren und schwächeren er- 
habenen Querlinien gekreuzt , unter denen sich häufig zwei besonders starke hervorheben. Die Spindel trägt 
zwei kleine schiefe Falten , welche jedoch beim Präpariren leicht weggebrochen werden , so dass dann das 
Conchyl das Ansehen eines Fusus erhält. 

Diese Art, welche in den Tu£fen von Sangonini nicht zu den Seltenheiten gehört, ist ziemlich yeränder- 
lich , bald ist die Form schlanker , bald bauchiger , der Canal bald etwas länger , bald etwas kürzer. Die 
Rippen, welche auf den oberen Umgängen immer dicht stehen, rttcken auf dem letzten Umgange häufig weit 
auseinander, so dass hier ihre Anzahl zwischen 7 und 11 schwankt 

HS» Fu9U0 tUni^»i09U9 Lam. 

1824. Fuw funiculoaus (Lam.) Desh. Env. Paris, II, p. 616, pl. 72, Fig. 5, 6. 
1851. Fasciolaria fustformü Phil. Magdeburg, p. 70, pl. 10, Fig. 1. 
1866. Fusua eognatua Beyr. NorddeatBch. TertiSrgeb. pl. 25, Fig. 1. 
1866. Fateiolarta funiculosa (Lam.) v. Koen. Helmataedt, p. 480. 
1866. „ funiculo9w (Lam.) Desh. Bass. Paris, III, p. 259. 

Sables inför., Calc. gross. (Desh.). — Barton (Hof-Mioeraliencab.). — Helmstaedt (v. Koen.). — Wolmirsleben 
Neugattersleben (Hof-Mineraliencab.). — Wellsleben (Phil.). 

^B. W^usu9 de^exus Fuchs. 

Tau IX, Fig. 12, 15. 

Oehäuse thurmförmig , nach unten allmählig in einen langen geraden Canal verschmälert. Umgänge in 
einen oberen breiteren, dachförmig abfallenden, und einen unteren schmäleren, schief gegen die Axe des 
(Gehäuses einfallenden Theil geschieden ; an der Grenze beider Theile mit entfernt stehenden Knoten besetzt, 
von denen sechs auf den letzten Umgang kommen. Die ganze Oberfläche des Gehäuses dicht mit feinen er- 
habenen Querlinien bedeckt, die auf dem Canal etwas kräftiger werden. 

Es ist mir keine Fuatu-kxi bekannt, mit der die vorliegende näher verglichen werden könnte. In San- 
gonini ist sie nicht selten. 

SO. t^U9U9 fStrepHduray Carcarenmi9 Michel. 

Taf. IX, Fig. 41, 42. 
1S47. FutU9 Carearenni Michel. Terr. Mioc. p. 279, pl. 16, Fig. 21, 22. 

Mehrere mir vorliegende Stücke stimmen vollkommen mit einem Originalstttcke aus Carcare ttberein 
welches sich in der Sammlung des kais. Hof-Mineraliencabinetes befindet, bis auf den einzigen Umstand, dass 
sie etwas kleiner sind und auf dem letzten Umgange weniger Knotenreihen besitzen , doch kann dies auch 
eine Folge geringeren Alters sein« 

Denk«ehrin«B der mftthem.-nAtonr. Ol. XXX. Bd. Abhudl. Ton NlchtmltgUedern. z 



194 Th. Fuchs. 

SM. JFusu^ untcarinalu^ Desh. 

1824. FfuuB umearinatuB Desh. Env. Paris, II, p. 515, pl. 72, Fig. 11, 12. 

1856. „ „ (Desh.) Beyr. Norddeutsch. Tertiärgeb. p. 294, pl. 22, Fig. 6. 

1864. 9 , (Desh.) Gieb. Latdorf, p. 32. 

1866. 9 « Desh. Bass. Paris, IQ, p. 252. 

Sables inför. (Desh.). — Bramshaw (Hof-Mineraliencab.). — Latdorf (Oieb.). — Biere (Beyr.). 

Das einzige mir vorliegende Stück stimmt in der Grösse mehr mit den englischen nnd norddeutschen 
als mit den französischen Vorkommnissen ttberein. 

S9. VuMus teres Fuchs. 

Taf. rX, Fig. 20. 

An dem einzigen mir vorliegenden Exemplare ist leider die Spitze des Gewindes und das Ende des 
Canals weggebrochen, doch ist das Bruchstück noch immer vollständig genug, um die wesentlichen Eigen- 
thttmlichkeiten der Art erkennen zu lassen. Das Gehäuse ist thurmförmig, mit langem geraden Ganal. Die 
Umgänge gewölbt und längs der oberen Naht mit einer leichten Depression versehen, welche der Form auf 
den ersten Blick das Ansehen einer Pleurotoma verleiht. Die ganze Oberfläche ist gleichmässig mit stärkeren 
und feineren erhabenen Qnerlinien bedeckt. 

Diese Art hat viel Ähnlichkeit mit Atm Fusus Lamhertt und decusscUus Desh. und steht namentlich 
letzterem so nahe, dass sie sich vielleicht mit ihm wird vereinigen lassen. Da ich jedoch an dem mir vorlie- 
genden Stücke die für Fti8U8 decussatus charakteristische Gitterung der Oberfläche nicht aufzufinden vermag, 
ziehe ich vor, es einstweilen als selbstständige Art aufzufassen. 

S3. Fu9wi9 9nhcmi*inatuM Lam. 

1823. Fwtu aubearinatus (Lam.) Desh. Env. Paris, 11, p. 565, pl. 77, Fig. 7—14. 
1866. „ „ (Lam.) Desh. Bass. Paris, lU, p. 278. 

Sables moy. (Desh.). — Piszke bei Gran (Zittel). 
In Sangonini nicht selten, ist dies eine der wenigen Arten, welche zugleich auch in Ronca vorkommt. 

S6t. JPusua eo«feitefii# Grat. 

1840. Buednum eosiellaium Grat. CoDch. foss. Baco. 1 (pl. num. 36), Fig. 42. 
1843. Fusus scdtariformit Nyst. Coqu. et poIyp. p. 504, pl. 40, Fig. 5. 

1860. „ »ubaealarinus d*Orb. Prodr. II, p. 816, num. 355. 

1851. „ brevicauda PhiL Tertiärverat. Magdeb. p. 71, pl. 10, Fig. 12. 
1856. „ lyra Beyr. Norddeutsch. TertiSrverst. p. 246, pl. 16, Fig. 10, 11. 

1861. NctBsa amhigua Michel. Miocöne inför. p. 130, pl. 13, Fig. 5, 6. 

1864. FuBus plicatulus (Desh.) Gieb. Latdorf, p. 31, pl. 3, Fig. 1. 

1865. „ sealari/ormta (Nyst) v. Koen. Helmstaedt, p. 475. 

1866. „ Bubacalarinut (d'Orb.) Desh. Bass. Paris, III, p. 290, pL 85, Fig. 3—6. 

Dego, Pareto (Michel.). — Gaas, Lesbarritz (Grat.). — Sables inför. (Desh.). — Hunting-bridge (v. Koen.). 
— Lethen (Nyst). — Westeregeln, Wolmirsleben, Latdorf, Helmstaedt (Hof-Mineraliencab.). — Unseburg, 
Atzendorf, Osterweddingen (Beyr.). 

In Sangonini gehört diese Art nicht zu den Seltenheiten, und konnte ich mich nach Originalexemplaren 
von der yollständigen Identität derselben mit den Vorkommnissen von Gaas, der Sables inf6r. und des 
norddeutschen Unteroligocens überzeugen. Aus Dego und Pareto liegen mir zwar keine Exemplare vor, doch 
zweifle ich bei der sonst so ausserordentlich grossen Übereinstimmung, welche die Fauna von Michelotti's 
Miocen infer. mit derjenigen von Sangonini zeigt , nicht daran , dass die dortigen Vorkommnisse auch hieher 
gezogen werden mtlssen. Der Ansicht GiebeTs und v. Koenen's, dass Fusua brevtcavda Phil, und 
Fusiia lyra Beyr. in der That nur eine Species darstellen, kann ich mich nur anschliessen. Ob der Fusua 



Beitrag zur Kenntniss der Conchylienfauna des Vtcentinüchen Tertiärgebirges. 195 

(Murex) curtua Sow. aus Highgate ebenfalls zu dieser Art, oder aber zu Fusus scalartnus Desh. gezogen 
werden mass, wage ich nach dem mir vorliegenden Materiale nicht zu entscheiden. Die eigenthümliche 
Verbreitung dieser Art ist ein Seitenstttck zur Verbreitung der Valuta elevcUa Sow., welche ebenfalls in San- 
gonini, Oaas und in den Rabies infSr. vorkommt. 

SS. CerWUum Mghinai Michel. 

SO. IWaiica erasmuttma Lam. 

S9. Nattca awriculata Grat. 

SS. HVaHca spiraia Lam. 

1823. Ampullaria ipirata (Lam.) Brong. VIcent p. 58. 

1824. jt „ (Lam.) Desh. Env. Paris, II, p. 188, pl. 16, Fig. 10, 11. 
1861. Naiiea apirata (Lam.) Michel. Miocöne inf6r. p. 87. 

1866. » a (Lam.) Desh. Bass. Paris, III, p. 78. 

Cassinelle, Mornese (Michel.). — Calc. gross. (Desh.). 

Diese Art gehört in Sangonini zu den häufigsten Conchylien und ist constant grösser als die Exemplare 
aus dem Pariser Grobkalk. 

SO. IVattca BlainrUlei Desh. 

1866. Naiiea BlamtnUei Desh. Bass. Paris, IQ, p. 38, pl. 67, Fig. 1, 2. 
Sables inför., Cnise-la-Motte (Desh.). 

Ein einziges aber gut erhaltenes Exemplar stimmt mit dieser Speoies der Sables infär. in allen Stücken 
vollständig überein. 

eO. Naiiea WysUi d'Orb. 

1843. Natiea glaueinoides (Sow.) Nyst. Coqu. et polyp. foss. p. 442, pl. 37, Fig. 32. 

1861. „ „ (Sow.) Phil. Magdeburg, p. 60. 

1852. „ Kytta d'Orb. Prodr. III, p. 6, num. 89. 

1860. „ f, (d*Orb.) Sandb. Mainzer Becken, p. 164, pl. 13, Fig. 2. 

1866. „ „ (d*Orb.) Desh. Bass. Paris, III, p. 39, pl. 69, Fig. 1, 2. 

Sables de Fontainebleaa (Desh.). — Kleinspanwen, Tongres, Le Vieux-Jone, Neereepen, Henis, Hoesselt, 
Vliennael, Lethen, Boom, Baesele, Schelle (Nyst). — Rfippelmonde, Grimittingen (Hof-Mineraliencab.). — 

Im ganzen Ober-, Mittel- und Unteroligocen Norddentschlands sehr gemein. 

Ol. Natiea HantonienHM Pilkington. 

1843. Naiiea Hantonientü (Sow.) Nyst. Coqu. et polyp. foss. p. 445, pl. 39, Fig. 2. 

1850. 9 „ Dizon. Geol. Sussex, p. 98, 178, pl. 6, Fig. 20. 

1851. „ „ (Sow.) Phil. Magdeb. p. 60. 

1863. „ „ (Sow.) Sandb. Mainzer Becken, p. 163, pl. 12, Flg. 11. 

1864. n n (Sow.) Gieb. Latdorf, p. 64. 

1866. , » (Pilkingt.) Desh. Bass. Paris, m, p. 44, pL 68, Fig. 1—3. 

Sables inför., Calc. gross., Sables moy. (Desh.) — Bognor, Brackelsham, Barton (Desh.). — Brockenhnrst 
(Hof-Mineraliencab.). — Kleinspanwen, Lethen, Vliermael (Nyst). — Grimittingen (Hof-Mineraliencab.). — 
Goettentrup bei Lemgo (Hof-Mineraliencab.).— Weinheim, Kreuznach (Sandb.).— Waldböckelheim (Hof- 
Mineraliencab.). — Latdorf Westeregeln, Wohnirsleben, Neugattersleben (Hof-Mineraliencab.). 

09. Naiiea MMeshoyemiana Nyst. 

Taf. X, Fig. 18, 19. 

1866. Natiea Deihayena»a (Nyst) Desh. Bass. Paris, p. 50, pL 67, Fig. 18» 19. 
Sables inför. (Desh.). 



196 Th. Fuchs. 

Bei dem einzigen mir vorliegenden Exemplare reicht der callös verdickte linke Mnndrand etwas tieier 
herab y als dies bei den mir vorliegenden Pariser Exemplaren der Fall ist; doch ist im Übrigen die Überein- 
stimmung eine vollständige. Hieher scheint mir auch die Natica ohovata So w. Dixon Geol. of Sassex, Tab. 6, 
Fig. 28; za gehören. 

03. Xemophoi^a cumutams Brong. 
04f. VrochtiS muUi€inguIaiU9 Sandb. 

1863. Troehu» multieingtdatuB Sandb. Mainzer Becken, p. 147, pL 11, Fig. 6. 

Weinheim, Waldböckelheim. 

03. SMonodonta Cerberi Brong. 

Taf. X, Fig. 20—22. 
1823. Manodonta Oerheri Brong. Vicent. p. 53, pl. 2, Fig. 5. 

Diejse Art ist in Sangonini ziemlich selten. Ans Bonca ist sie mir noch gar nicht bekannt geworden. 

66. Vt$rbo A^modei Brong. 

Taf X, Fig. 33, 34. 
1823. Turbo Äamodei Brong. Vicent p. 63, pl. 2, Fig. 8. 

In der Brongniart'schen Abbildung ist diese Art etwas zu klein gezeichnet, wesshalb ich die Abbil- 
dung wiederhole. 

07. Tkirbo denUculatus Lam. 

1823. Turbo denheulaiu» (Lam.) Desh. £ny. d. Paris, II, pl. 255, pl. 34, Fig. 1—4. 

1864. „ 9 (Lam.) Desh. Bass. Paris, II, p. 893. 

Calc. gross. (Des h.). 

Es liegt mir aus Sangonini ein Exemplar dieser zierlichen Form vor, welche mit Exemplaren aus 
Grignon auf das Vollkommenste übereinstimmt, und welches unter der Loupe selbst die eigenthUmliehe zarte 
Streifung der Oberfläche noch auf das Deutlichste erkennen lässt. 

08. fiiolariuvn plicaiun^ Lam. 

1823. Solarium pUeatum (Lam.) Desh. Env. Paris, II, p. 219, pl. 24, Fig. 16 — 18. 
1864. „ „ (Lam.) Desh. Bass. Paris, II, p. 669. 

Calc. gross. (Desh.). — Barton, Brackelsham (Desh.). 

Die Exemplare aus Sangonini weichen von den typischen Formen des Pariser Grobkalkes insoferne 
etwas ab, als der Nabel nicht von einer vorspringenden Kante umgeben wird, sondern mehr trichterförmig 
vertieft erscheint. Doch konnte ich mich bei der sonst vollständig gleichen Sculptur nicht entschliessen, diese 
Form desshalb als eigene Art zu betrachten. 

69. Bulla JForttH Brong. 

1823. Bulla Fortin Brong. Vicent. p. 52, pl. 2, Fig. 1. 

Sowohl in den basaltischen Tuffen von Sangonini als auch im harten Kalkstein von Ronca kommt ziem- 
lich häufig eine Bidla aus der Gruppe Scaphander vor, welche ich ftlr verschiedene Arten halte, und es ent- 
steht nun die Frage , auf welche von beiden der Name Bulla Fortist angewendet werden müsse. Auf den 
ersten Blick scheint die Sache sehr einfach zu sein, da Brongniart ftlr diese Art den Fundort Bonca an- 
gibt. Es ist jedoch bekannt, dass Brongniart fast alle Sangonini-Vorkommnisse als aus Ronca stammend 
beschreibt, und in der That glaube ich mich nicht zu irren, wenn ich dies auch für den vorliegenden Fall 



Beitrag zur Kenntniss der Conchylienfauna des Vicentinischen Tertiärgebirges. 197 

annebme. Die Gründe hieftlr sind folgende: Brongniart sagt^ dass er dieses Conchyl nur zerbrochen 
kenne; und in der Tbat sind alle Exemplare, welcbe ich aus den Tuffen Ton Sangonini besitze , verquetscht 
und zerbrochen, während diejenigen in den festen Kalken von Ronca durchgehends gut erhalten sind ; zwei- 
tens ist die Roncaer Art stets bedeutend grösser, zuweilen fast doppelt so gross als die Brongniart'sche 
Zeichnung, während die Form von Sangonini ganz entsprechend ist. 

Wie sich diese Art zu den verwandten Formen des Pariser Beckens und den englischen Eocenbildungen 
verhält, ob sie mit einer derselben ident ist oder nicht, vermag ich nach dem mir zu Gebote stehenden Mate- 
riale leider nicht zu beurtheilen. 

70« OicMfofiia costellaia Lam. 
7M. VurrUeUa »trangnlnta Grat. 

1840. Turritella »trangulata Grat. ConchyL foBS. Turrit. 2 (pl. num. 16), Fig. 13. 
Gaas, LeBbarritz (Grat.). — Martillac (Hof-Mineraliencab.). 

Mehrere schöne Stücke aus Sangonini stimmen mit solchen aus Gaas und Lesbarritz, so wie mit Fig. 13 
bei Grateloup auf das Vollständigste überein, ich möchte jedoch vermuthen, dass Fig. 10 und 12 (TWrr. 
tmbrtcdta bei Grat.) und Fig. 11 (Turr. Deamarestina var.) ebenfalls hieher zu ziehen seien. 

99. VurriieUa asperula Brong. 

Taf. X, Fig. 6, 6. 
1823. Tunritella asperula Brong. Vicent. p. 64, pl. 2, Fig. 9. 

Diese Art gehört in Sangonini zu den häufigsten und bezeichnendsten Arten, und ist noch niemals in 
ftonca gefunden worden ; sie hat auf den ersten Anblick eine ausserordentliche Ähnlichkeit mit manchen 
Turrttella- Arten des Pariser Beckens, so mit Turr. elegana Desh., hellovacina Desh., granulosa Lam. etc., 
doch unterscheidet sie sich von allen diesen dadurch, dass der mittlere Theil ihrer Windungen nicht ausge- 
höhlt, sondern im Gegentheile leicht gewölbt ist. 

73. Turrtteila incisa Brong. 

Taf. X, Fig. 7, 8. 
1823. Turrüeaa t'nctVa Brong. Vicent p. 54, pl. 3, Fig. 4. 

Diese Art ist in Sangonini ebenfalls eine der häufigsten Gonchylien und eine stete Begleiterin der vor- 
hergehenden, in Ronca ist sie hingegen noch niemals gefunden worden. Was ihre Analogien mit anderen 
Arten betriffi, so erinnert sie lebhaft an eine kleine im Oberoligocen von Cassel und Bünde vorkommende 
Turrttella y welche gewöhnlich als Turr, communta Risse bestimmt wird, unterscheidet sich aber von der- 
selben sowohl durch die gleichmässigere stärkere Streifung, als auch durch den Mangel eines Kieles, wel- 
cher auf den oberen Windungen der Casseler Art fast immer deutlich angedeutet ist. Eben so halte ich 
unsere Art für verschieden von der Turr. sulcifera Desh. aus den Sables moy., mit welcher sie zuweilen 
vereinigt wurde. Nicht nur ist die normale Form der Turr. sulcifera Desh. um Vieles breiter, und ist bei 
unserer Form nie eine Spur der bei Turr. sulcifera so häufig auftretenden feineren Zwischenstreifen zu 
bemerken, sondern es scheinen mir auch die Umgänge stets flacher zu sein. Dass unsere Art ausserdem nie- 
mals eine bedeutendere Grösse erreicht, scheint mir wohl auch der Berücksichtigung werth zu sein. 

941« VurriteUa Architnedis Brong. 

Taf. X, Fig. 3. 
1823. Turrttella Arehtmedis Brong. Vicent. p. 55, pl. 2, Fig. 8. 

Diese Art ist seltener als die vorhergehenden. Aus Ronca ist sie mir nicht bekannt. 



198 Th. Fuchs. 

9S. Catyptraea siriaieUa Nyst. 

1843. Cälyptraea striätella Nyst. Coqu. et poIyp. foBB. p. 362, pl. 36, Fig. 4. 

1863. „ n (^yst) Sandb. Mainzer Becken, p. 138, pl. 18, Fig. 4. 

1864. n „ (Nyst) De Bh. BasB. Paris, II, p. 276, pL 9, Fig. 3, 4. 

Sables de Fontaineblean (DeBh.). — Klein spau wen , Lethen (Nyst). — Weinheim, Waldböckelheim , Däl^- 
mont (Sandb.). — CaBsel, Freden, Goettentrup, Mecklenburg, WeBteregeln (Hof-Mineraliencab.). 

(OentaUum sp.) 

(Sehr häufig kommt in Sangonini ein grosses glattes Dentalium vor, ähnlich dem Dentalmm gründe 
Lam., mh8tr%atumT>Q%h, Da ich jedoch bei keinem Exemplare die Beschaffenheit der Spitze beobachten 
konnte, wage ich es nicht, die Form näher zu bestimmen.) 

76. JPsatHmoMolen iPhiUppii Speyer. 

1866. Fsammotolen Phüippü Speyer, Oberolig. Tert. Lippe-Detmold, p. 31, pl. 4, Fig. 4, 5. 
Cassel, Goettentrup, FriedrichBfeld (Speyer). 

Das mir vorliegende Stück zeigt deutlich die entfernter stehenden stark knieförmig gebogenen Linien 
auf dem Hintertheil der Schale, welche nach Speyer diese oligocene Art von dem eocenen Psammosolen 
Deskayesi Desmonl. {Pariatenais Desh.) unterscheiden sollen. 

99. JPanapaen angusta Nyst. 

1836. Panopaea angusta NyBt Rech. coqu. foBB. HoeBselt et KleinBpauwen, p. 1, pl. 2, Fig«.2. 

1862. „ Heherti BoBq. in Lyell. Belg. tert. form. (Proc. geol. Soc. 1852, p. 307.) 
1860. n n (Bob qu.) Desh. Bass. PariB, I, p. 176, pl. 6, Fig. 21, pl. 8, Fig. 12. 

1863. „ „ (BoBqu.) Sandb. Mainzer Becken, p. 279, pL 21, Fig. 8. 

1865. „ mhreeurva Schaur. Verz. d. Verst. d. Nat Gab. Coburg, p. 218, pl. 21, Fig. 8. 

Sables de Fontaineblean (Desh.).— Kleinspauwen (Nyst). — Cassel, Bünde, Weinheim (Sandb.). 

Mehrere Exemplare einer schmalen nach hinten stark verjüngten Panopasa mit coneentrischen Runzeln 
glaube ich dieser für die Oligocenbildungen charakteristischen Art zurechnen zu mtlssen , und zugleich den 
in neuerer Zeit gebräuchlich gewordenen Namen Panopaea Hehertt Bosq. durch den älteren Pan, angusta 
Nyst ersetzen zu sollen. Dem Hof-Mineraliencabinete wurden im Jahre 1863 von Edwards Exemplare 
einer schmalen Panopaea aus Barton unter dem Namen Panopaea attenuata Edw. eingesendet, welche ich 
von der in Rede stehenden nicht zu unterscheiden vermag. 

Wie sich diese Art zu Panopaea corrugata Sow. aus Brackelsham (Dixon Geol. I^ussex, pl. 12, fig. 12) 
und zu Panopaea comtgata Phil, aus dem norddeutschen Unteroligocen (Tertiärverst. d. Umgeb. v. Magde- 
burg, p. 57, pl. 10, fig. 13) verhält, wage ich ebenfalls nicht zu entscheiden. 

Endlich ftthrt Michelotti in seinem Terr. mioc. inf. mehrere Bivalvenarten an, von welchen ich ver- 
muthe, dass sie sämmtlich zu Panopaea angusta Nyst gehören. Es sind dies folgende : 

Panopaea C7a«^aMiV Michel, p. 54, pl. 5, fig. 10. Dego. 

Lutraria decUvü Michel, p. 57, pl. 6, Fig. 1. Dego. 

Lutrarta acutangula Michel, p. 57, pl. 6, Fig. 2. Mioglia. 

9S. Corbula cuapMaMa Sow. 

1823. Corhula euspidata Sow. Min. Conchol. IV, pl. 362, Fi^. 4, 5, 6. 
1855. » Valdenn$ Hob. et Renev. Nummul. sup. p. 191, pl. 1, Fig. 2. 
1860. „ pixidietaa DoBh. Bass. Paris, I, p. 223, pl. 12, Fig. 18—23. 
1863. „ tuharaia Sandb. Midnzer Becken, p. 285, pl. 22, Fig. 8, 11. 

La Cordaz (Hob. et Renev.). — Calc. gross., Sables moy. (Desh.). — Brockenhurst, Hordle (Hof-Mineralien- 
cab.). — Colwell and Whitecliff Bays (Sow.). — Offenbach (Böttger). — Hackenheim (Weinkauff). ~ 
Cassel (Sandb.). — Waldböckelheim, Latdorf (Hof-Mineraliencab.). 



Beitrag zur Kenntniss der Gonchylienfauna des Vicentiniscken Tertiärgebirges. 199 

99. Corbula simitts Fuchs. 

Taf. X, Fig. 35—87. 

Schale in die Qnere gezogen, länglich oval, ungleichseitig, sehr ungleich-klappig. Rechte Klappe stark 
gewölbt , Tome zugerundet , hinten in einen kurzen schief abgestutzten Canal zasammengezogen. Wirbel 
ungefähr in der Mitte der Schalenlänge gelegen, von ihm zur unteren Ecke des Schnabels verlauft ein star- 
ker geschwungener Kiel. Linke Klappe flach, hinten schief abgestutzt, durch regelmässige Znwachsstreifen 
fein concentrisch gestreift. 

Durch die schmale Form und die flache linke Klappe unterscheidet sich diese Art von anderen naheste- 
henden eocenen und oligocenen Formen {Corb. Xamarc^VDesh., atricLtina Desh., longirostris Desh.). 

SO. Corbula subpisum d'Orb. 

1852. Corbula mbpistm d*Orb. Prodr. III, p. 20, nnm. 284 e. 

1860. n r> (d'Orb.) Desh. Bass. Paris, I, p. 216, pL 12, Fig. 24>-26. 

1668. n »ubjnn/ormü Sandb. Mainzer BeckeD, p. 288, pl 22, Fig. 14. 

Sablea aup. de FoDtainebleaa (Desh.). — Hempstead (Hof-Mineraliencab.). — Kleinspauwen (Hof-Mineralien- 
cab.). — Cassel, Freden, Doberg, Niederkaufungen, Mecklenburg, Weinheim, Waldböckelheim (Hof-Minera- 
liencab.). 

Die Vorkommnisse von Latdorf, Westeregeln und Wolmirsleben scheinen mir der echten Corbula ptmm 
S w. anzugehören. 

81. VeUina htanguUari9 Desh. 
SS* Faannnobia puMcm Brong. 

1823. P$ammMa pudica Brong. Vicent. p. 82, pl. 5, Fig. 9. 

1855. „ , (Brong.) H6b. et Benev. Nummnl. Bupör. p. 193, pl 2, Fig. 3. 

DiableretB (Hob. etRenev.). 

Die Abbildung, welche Sowerby (Min. Conch. pl. 462) von seiner Sangutnolaria compreasa gibt, 
stimmt in der Form sehr gut mit dem mir vorliegenden Exemplare der Psammobia pudica ttberein. Nach 
einer Reihe von Exemplaren jedoch, welche das Hof-Mineraliencabinet aus Barton, Brockenhnrst und Col- 
wellbay besitzt, scheint die englische Art im Umrisse stark zu variiren. Denn während einige entsprechend 
der Sowerby'schen Abbildung einen mehr rectangulären Umriss besitzen, verschmälern sich andere sowohl 
nach vorne als nach hinten, und man gelangt allmählig zu Formen, welche der Psammobia Fischert B.6h. et 
Senev. (Nummul. sup. pl. 11, fig. 4) von Diablerefs ausserordentlich nahe stehen. 

Sehr viele Ähnlichkeit mit allen diesen Formen zeigen ferner zwei Pariser Arten , nämlich die Psamm. 
stampinensia Desh. aus den den Sables de Fontainebleau, und vor allem die P^atnm. neglecta Desh. aus den 
den Oyps uuterlagernden Mergeln von Ludes. Eine Entscheidung über die Zusammengehörigkeit dieser 
verschiedenen Vorkommnisse ist jedoch um so schwieriger, als man über zwei wichtige Punkte, nämlich 
über die Beschaffenheit des Schlosses und über das Vorhandensein oder Fehlen der zwei vom Wirbel gegen 
den unteren Schlossrand radial verlaufenden Falten in Folge der mangelhaften Erhaltung häufig nicht ins 
Klare kommen kann. So besitzt die Psammobia (SanguinolariaJ compresaa Sow. und die Paamm. stampinen- 
sia Desh. stets zwei Falten, während sie bei der Paamm. neglecta Desh., der Paammobia pudica Brong. 
und Ftacheri H6b. et Rene v., welche unter Umständen vorkommen, die der Erhaltung zarter Sculpturver- 
hältnisse nicht günstig ist, bisher noch nicht beobachtet wurden. 

S3m Fsammohta HoUowaysU Sow. 

1818. Sanguinolaria Jlolloioaytü Sow. Min. Conchol. 11, pl. 159. 

1850. „ „ (Sow.) Dixon, Geol. of Sussez, p. 89, pl. 2, Fi^. 6. 

1866. Solen fPoliaJ plicaius Seh aar. Vera. d. Verst. d. Nat. Gab. Cob. p. 219, pl. 22, Fig. 2. 



1 



200 Th. Fuchs. 

Brackelsham Bay (Morris). — Stabbington (Dixon). — Bricklesome Bay (Sow.). — Barton (Hof-Minera- 
liencab.)- 

Dieses schöne auffallende Conchyl kommt in den Tuffen von Sangonini häufig und in mächtigen Exem- 
plaren vor. Es ist eines derjenigen, welche im Verein mit Bostellarta ampla, Trüonium expansuniy Caasis 
ambtauay Conus procerus, Pleurotoma turbiday Pleurotoma rostrata u, s. w. hauptsächlich dazu beitragen, der 
Fauna von Sangonini den Typus der englischen Eocenbildungen aufzudrücken. 

SÜm Venus Agiaurae Brong. 

Taf. XI, Fig. 6, 7. 

SS. Venus Mjugensis Fuchs. 

Taf. XI, Fig. 8, 9. 

Schalen rundlich oval, massig gewölbt. Wirbel klein, im vorderen Drittheile gelegen. Oberfläche regel- 
mässig mit scharfen blättrig vorspringenden concentrischen Bippen verziert, zwischen denen man noch zahl- 
reich gedrängt feine Zuwachsstreifen bemerkt. Die Lunula ist klein, oyal, die Area schmal lanzettlich. Das 
Schloss besteht aus drei Zähnen und einem kleinen rudimentären Vorderzahn. Der Schalenrand ist fein 

gekerbt. 

Diese in Sangonini häufig vorkommende Muschel hat die grösste Ähnlichkeit mit der neogenen Venu» 
multüamella Lam., unterscheidet sich aber von derselben durch den stets regelmässig rundlichen, niemals 
dreieckigen Umriss und die geringe Wölbung der Schale. 

S6« Cffiherea splendida Merian. 

1860. Oytherea ^lendida (Merian) Desh. Baas. Paris, I, p. 440, pl. 29, Fig. 1—4. 
1863. „ • (Merian) Sandb. Mainzer Becken, p. 303, pl. 24, Fig. 4. 

Sables de Fontaineblean (Desh.). — Kleinspanwen, Vliermael (Nyst). — Weinheim, Waldböokelheim, Dels- 
berg, Bünde, Stettin (Sandb.). — Westeregeln (Hof-Mineraliencab.). 

Kommt in den Tuffen von Sangonini in grosser Menge vor. 

S7« Cyprina NMorrisi Sow. 

Taf. X, Fig. 41. 
Sow. Min. Conch. pl. 620. 

Herne Bay, Pegwell Bay, coast ofEent, Plomstead, Watford, Reanding (Sow.). 

Eine grössere Anzahl von Stücken aus Sangonini stinunen mit Originalexemplaren , welche das Hof- 
Mineraliencabinet aus englischen Localitäten besitzt, in der äusseren Form so vollständig ttberein, dass ich 
mich berechtigt glaube, sie dieser Art zuzuzählen, obgleich ich das Schloss an keinem Exemplare darzu- 
stellen vermochte. 

SS. Cyprina breris Fuchs. 

Schale rundlich, fast so hoch als breit, hoch gewölbt. Wirbel kleiA, fast ganz vorne gelegen. Vorderer 
Kand vom Wirbel ab beinahe senkrecht abfallend, hinterer Rand zugerundet. Die rundliche Form und der 
vom Wirbel nahezu senkrecht abfallende Yorderrand unterscheiden diese Art von den verwandten tertiären 
Formen. 

SB. Cyprina con^pressa Fuchs. 

Taf. XI, Fig. 2. 
1865. Cyprina itriaünima var. intermedia Schaur. Verz. Verst. Nat. Gab. Cob. p. 212, pl. 20, Fig. 9 (?). 

Schalen quer-oval, flach. Wirbel klein, weit nach vorne gelegen. Obere Kante vom Wirbel aus eine 
Strecke horizontal. Bauchkante zugerundet. Vordertheil verkürzt zugernndet, hintere Seite schief abgestutzt. 



Beitrag zur Kenntniss der ConchyUenfaurha des Vicentinischen Tertiärgebirges. 201 

Länge 38 Millim., Höbe 30 Millim., Dicke 17 Millim. 

Schanroth beschreibt 1. c. aus dem yicentiniscben Obereocen eine Cyprina atruxH'Mtma n. sp. mit 
mehreren Varietäten , welche mir aber in der That mehrere Speeies darzustellen scheint. Seine Var. inter- 
media scheint ident mit unserer Art m sein. Doch zog ich es Tor, derselben einen neuen Namen sn geben, 
da der Name intermedia schon vergriffen ist, der Name atriatiasima mir aber^ wie gesagt, mehrere selbst- 
ständige Arten zu umfassen scheint. 

OO. CarMum t^errucosum Desh. 

Ol. Cardinm FaUmoc MicheL 

Taf. XI, Fig. 4, 5, 

1S61. Carditm fallax Michel. Mioc. inffer. p. 73, pl. 8, Fig. 16, 17. 

1865. 9 seMnella (Desh.) Schaur. Verz. Verst. Nat. Cob. p. 210, pl. 19, Fig. 4. 

Schale rundlich ^ etwas in die Quere gezogen, massig gewölbt. Wirbel in der Mitte gelegen. Vorder- 
seite abgerundet, Hinterseite schief abgestutzt. Oberfläche vollständig von zahlreichen feinen dicht gedräng- 
ten Radialrippen bedeckt, welche in ihrer ganzen Länge dichtgestellte feine knotige Schuppen tragen. 

Diese Art, eine der häufigsten Vorkommnisse von Sangonini, hat Ähnlichkeit mit dem Cardium obliquum 
Lam., unterscheidet sich aber von demselben durch bedeutendere Grösse, zahlreichere feinere Rippen und 
die dichter gestellten, fest ansitzenden und knotigen (nicht blättrigen) Schuppen. 

OS* Cantttfin onomalum Math. 

03. Cra^sateila neglecta Michel. 

Taf. XI, Fig. 20, 21. 

1861. CroBsatella neglecta Michel. Mioc. ioför. p. 66, pl. 7, Fig. 13. 

1865. 9 pondero$a (Nyst) Sohaur, Vera. Verst. Nat. Gab. Cob. p. 906, pl. 19, Fig. i. 

Dego (Michel.). 

Eine in Sangonini ziemlich häufig vorkommende grosse gestreckte Crassatella zähle ich dieser Art zu. 
Sie hat viele Ähnlichkeit mit der Craas. Bellovacma Desh. aus den Sables inf., ist jedoch constant stärker 
gewOlbt. 

9Ü. CrassaMelia micata Brand. 

1776. TeUina eüleata Brand. Fo68. Hant pl. 7, Fig. 69. 

1828. CraeMtella $ulcata (Brand.) Sow. Min. Couch. IV, pl. 345, Fig. 1. 

1860. „ , (Brand.) Desh. Bass. Paris, I, p. 747, pl. 20, Fig. 12—14. 

1861. „ tpeeiosa Michel. Mioc. inf. p. 67, pl. 7, Fig. 11, 12. 

Dego (Michel.). — Sables moy. (Desh.) — Brackelsham Bay, HordweU, Barton (Hof-Mineraliencab.). 

Ziemlich häufig in den Tuffen von Sangonini , variirt sie etwas in der Breite und Länge , so wie auch in 
der Stärke der coneentrischen Leisten. 

OS. Crassatella IHgonula Fuchs. 

Taf. X, Fig. 14—17. 

1861. A9tarte problematiea Michel. Mioc. in£ p. 64, pl. 7, Fig. 7, 8. 

1866. CfrasBotella yropingua (Watel) Schaur. Verz. Verst. Nat Gab. Cob* p. 206, pL 18, Fig. 7. 

Dego, Pareto (MicheL). 

Schalen im UmriBse ademlich variabel* Im Allgemeinen dreieckig , vorne zugernndet, hinten abgestutzt; 
bald ziemlich gleichseitig, bald wieder vorne verkürzt und nach hinten ausgezogen , immer flach und mit 
regehnässigen feinen coneentrischen Bippen versehen. Vom Wirbel zum hinteren unteren Winkel der Schale 

Denksohrifton der mftthem.-iiatiinr. Ol. XXZ. Bd. Abhandl. Ton Nlchtmitglledern. m^ 



202 Th. Fuchs. 

verlänft eine stumpfe Kante , welche bei den mehr gleichseitigen zngerandeten Exemplaren sich hänfig bis 
zur Unkenntlichkeit verflacht. 

Diese Art, welche bestimmt eine CrasaateUa nnd nicht eine Astarte ist, kommt in den TnfFen von San- 
gonini häufig vor. Den Namen „problematica^ konnte ich ihr nicht lassen, da Michelotti selbst diesen 
Namen in demselben Werke auch auf eine echte Crassatella anwendet. Die Astarte eorbulauies nnd scabra 
Michel. 1. c. pl. 7, Fig. 5, 6 u. 9, 10 aus Pareto und Mioglia scheint mir übrigens auch hieher zu gehören 
und die mehr gleichseitigen rundlichen Abänderungen dieser Art darzustellen. Mit der Craas. propxnqua 
Watel., mit welcher sie Schauroth identificirt, hat sie nichts gemein. 

90. Cftrdlta Arduini Brong. 

Taf. XI, Fig. 16. 
1823. Cardita Arduini Brong. Vicent. p. 79, pl. 5, Fig. 2. 

Carcare (Hof-Mineraliencab.). 
Häufig in Sangonini. 

97. CardUa Etaurae Brong. 

Taf. XI, Fig. 18, 15. 

1823. Venerieardia Laurae Brong. Vicent p. 80, pl. 6, Fig. 3. 
1861. Cardiia neglecta Michel. Miocöne inför. p. 68, pl. 8, Fig. 3, 4. 

Mornese (Michel.). 

Diese Art, eine der häufigsten Vorkommnisse von Sangonini, variirt ziemlich stark im Umriss, indem 
sie bald mehr in die Quere gezogen dreieckig, bald wieder mehr rundlich erscheint. In letzterem Falle ist 
sie jedoch hinten stets abgestutzt. In Bezug auf die Stärke der Wölbung der Schalen steht sie in der Mitte 
zwischen der Card. KicJcxü ^y^l und der Card, sulcata Brand, (cor avium Lam.). 

98. Cardita Omaliana Nyst. 

1843. Cardiia Omaliana Nyst Coqu. et polyp. foBS. p. 212, pL 16, Fig. 8. 
1863. „ n (Nyst) Sand b. Mainzer Becken, p. 338, pl. 24, Fig. 7. 

Kleinspanwen, Hoesselt (Nyst). ~ Cassel, Luithorst, Göttentrup (Hof-Mineralienoab.). —Weinheim, Wald- 
böckelheim (Sandb.). 

In Sangonini ist diese Art bedeutend seltener als die beiden vorhergehenden. 

OO« liimopsis scalarim Sow. 

1825. Pectuneulus $oaiari$ Sow. Min. Conohol. V, pl. 172, Fig. 2. 
Barton (Hof-Mineraliencab.). 

MOO. Fectuncuiaa Mtugewutis Fuchs. 

Taf. XI, Fig. 17—1». 

Schalen von regelmässig kreisförmigem Umrisse , gleichseitig , ziemlich hoch gewölbt Wirbel in der 
Mitte gelegen. Schlossrand gerade, zu beiden Seiten kleine Flügel bildend. Area fast vollständig verschwin- 
dend. Oberfläche mit zahlreichen feinen büschelförmig gruppirten Radiallinien bedeckt; einzelne dieser 
Linien nehmen zuweilen auf Kosten der übrigen an Stärke zu , und man gelangt allmählig zu Formen, 
welche bloss eine grössere Anzahl stärkerer Radialrippen besitzen , welche durch die über sie hinweggehen- 
den Zuwachsstreifen fein gekörnelt erscheinen. 

Von dem zunächst verwandten oligocenen Pectuneulus angusticostatus Lam. unterscheidet sich diese 
Art durch den stets regelmässig kreisförmigen, gleichseitigen Umriss, die stets zu beiden Seiten des Wirbels 
vorhandenen Ohren, die geringere Wölbung, kleinere Area und feinere Rippen. 

In Sangonini sehr häufig. 



Beitrag zur Kenntmsa der ConckyUenfauna des Vicentinischen Tertiärgebirges. 203 

f Ol. Cuc9iUaea tenui9iriata Fuchs. 

Taf. XI, Fig. 10—12. 

Von dieser schönen neuen Art liegen mir leider nur zwei beschädigte Exemplare vor. 

Die Schale ist sehr dünn ^ stark aufgeblasen , sehr ungleichseitig. Vorne verkürzt zugerundet , hinten 
schief abgestutzt. Wirbel im vorderen Viertel gelegen, klein, einander berührend. Vom Wirbel zur hinteren 
unteren Ecke verläuft eine stumpfe Kante. Oberfläche sehr fein radial gestreift 

jfO<» Pecfen arcuatus Brocc. 

Taf X, Fig. 38—40. 

1814. Oatrea areuaia Brocc. Conch. foBB. p. 578, pL 14, Fig. 11. 

1848. Peeten Mieheloui d*Arch. FoBB. Groupe numm. Bayonne, Dax, p. 435, pl. 12, Fig. 20. 

1861. Janira fdUax Michel. Miocöne inf^r. p. 78, pL 9, Fig. 4, 5. 

1861. n deperdUa Michel. Miocöne inför. p. 79, pL 9, Fig. 6, 7. 

1865. Pecien MicheloUi (d'Arch.) Seh aar. Verz. d. Verat. d. Nat Gab. Cob. p. 201, pl. 16, Fig. 3. 

1865. Cardium Peren/ormia Schaur. Verz. d. Verst. d. Nat Gab. Gob. p. 209, pl. 18, Fig. 9. 

Belferte, GaBsinelle, Dego, MilleBimo, Momese (Michel.). — • Rocchetta prcBSo Asti (Brocc.) — Biaritz 
(d'Arch.). 

In Sangonini ziemlich häufig. 

B. Onata bei Salcedo. 

M. Valuta elerata Sow. 
<• mtra pUcateUa Lam. 
3. €^yfnraea 9plenden9 Grat. 
4« Margtnetla amphieop^um Fuchs. 
S. 9f cras9ula Desh. 

6« 99 ovutata Lam. 

9. AnciUaria anomala Schlth. 
S* 99 canaUfera Lam. 

B. Ktmma earoMte Brong. 
iO. Cassls VicenUna Fuchs. 

lä. Cn99i9 0cabrida Fuchs. 

Taf. Vin, Fig. 31, 52. 

Gehäuse dünnschalig; aufgeblasen, rundlich eiförmig. Gewinde niedergedrückt. Umgänge treppenförmig 
abgesetzt Embryonalwindungen rundlich glatt , die späteren auf der Kante mit spitzen Knoten , auf dem 
Dache mit einer Spiralleiste versehen. Letzter Umgang mit zahlreichen Querleisten versehen , welche , so 
wie die Kante, zahlreiche spitze Knoten tragen. Nach unten zu werden die Querleisten feiner, gedrängter, 
die Knoten kleiner und stumpfer. Auf dem oberen Theile des letzten Umganges sieht man zwischen den 
Querleisten je eine erhabene Linie verlaufen, welche entweder glatt oder ebenfalls gekömelt ist. Die 
Beschaffenheit des Mundes ist an dem einzigen mir vorliegenden Exemplare leider nicht zu entnehmen. Der 
rechte Mundrand ist verdickt, innen gekerbt Der Canal kurz und stark aufwärts gekrümmt. 

Höhe 42 Millim., Breite 23 Millim. 

Diese Art gehört in die Gruppe der Cassts elangata Speyer, Sandbergeri Sp.y foveolata Fuchs etc., 
unterscheidet sich aber von allen diesen leicht durch die spitzen Knoten. 

aa* 



204 Th. Fuchs. 

f >• €yassidaria an^tguu Brand. 
13. Conus dirermifomUs Desh. 
Ift« »t oJMo4ru« Brong. 
MS. l*leiir#fomo litteolafa Lam. 

16. JPIetfrofoma ramo^a Bast. 

Taf. IX, Fig. 33, 84. 

1856. Pleurotoma ramo»a (Bast.) Hörne 8 Wiener Becken, I, p. 885, pl. 88, Fig. 10—14. 
1865. « inseriptum Sohaur. Verz. Verst. Nat Gab. Coburg, p. 231, pl. 24, Fig. 6. 

1865. „ ramoia (BaBt.) V. Koen. Hebnstaedt, Zeitschr. deutsch, geol. Gesellsch. p. 498. 

Helmstaedt (v. Koen.). — Neogen. 

Die neogenen Vorkommnisse besitzen gewöhnlich eahlreiche feine Längsstreifen , and zeigen in Folge 
dessen eine regelmässige Oittening der Schale, während bei den mir ans Sangonini vorliegenden Exempla- 
ren die Längsrippen weniger zahlreich und stärker hervortretend sind. Es liegen mir jedoch aus Lapugy in 
Siebenbürgen, ans Leognan, Saacats, sowie vor allen Dingen ans Turin grobrippige Varietäten vor, von 
welchen ich die in Bede stehenden Exemplare aus Sangonini in keiner Weise zu trennen vermag. 

i7. Fleurotama Hirbida Brand. 
MS. 99 Gnalae Fuchs. 

19. 99 inaspecia Fuchs. 

tO. 99 pleh^a Fuchs. 

91. 99 obeliscoides Schaur. 

99. Borsonia Mjugenmis Fuchs. 

93. Humella JBomesi Fuchs. 

Tau IX, Fig. 11. 

Von diesem prächtigen grossen Conchyl aus der Gruppe der neogen weit verbreiteten Ranella rettcu- 
larts Desh. liegt mir leider nur ein Bruchstück, die zwei letzten Windungen mit dem Canale darstellend, 
vor. Die beiden Umgänge sind dünnschalig angeblasen, von mehreren breiten, mit dicken Knoten besetzten 
Qnerbändem umgürtet, welche auf dem letzten Umgange nach unten za dünner werden, enger an einander 
rücken, und schliesslich als Streifung* auf den Canal übergehen. 

Der letzte Umgang hat einen Durchmesser von 37 Millim. 

Ich nehme mir die Freiheit, diese schöne neue Form meinem hochverehrten Vorstande, Dr. Hörne s, 
dessen reicher Erfahrung und freundlichen Bathschlägen ich so Vieles verdanke , zu widmen. 

991. TrUmnium Aelfto«! Fuchs. 
93. 99 eofeffrrifitifii Lam. 

9B. nur ex erasstspina Fuchs. 

Ta£ IX, Flg. 24, 26. 

An dem einzigen mir vorliegenden Exemplare ist leider der Canal weggebrochen, doch scheint derselbe 
ähnlich wie bei Murex sptnteosta lang gewesen zu sein. Das übrige Gehäuse ist länglich eiförmig. Die Um- 
gänge treppenförmig abgesetzt, mit drei Mnndwfllsten versehen, welche eben so viele schief zur Spitze auf- 
steigende Kämme bilden. Jeder Mnndwulst trägt auf der Kante des Umganges einen starken horizontal abste- 
henden Dorn. Zwischen je zwei Mundwülsten befindet sich je ein starker Knoten. Die Seitenwände der 
Umgänge tragen entfernt stehende starke eriiabene Qnerlinien. 



Beitrag zur Kenntmss der CanchtfUenfauna des VicenÜnischen TerUärgAirges. 205 

99. Mureoi iMpct* Brand. 
99. M ptimiito Fnohfl. 
tO. #ViMf# deveom« Fuchs. 
30. f# earearenHM Michel. 
3t. JFaseiolaria MtugenHs Fachs. 
39. 19 fumieulosa Lam. 

S3. CerUhium Mghinai Michel. 

3Ü. Certthtwn 9emigr€Mmuto9um Lam. 

1823. CeritMum »emigranulosum (Lam.) Desh. Env. Paris, II, p. 360, pl. 64, Fig. 8—6. 
1860. I, ,, (Lam.) Desh. Baas. Paris, III, p. 160. 

Calc. gross., Sables moy. (Desh.). — Gap (Desh.). *- Brackelsfaam, Selsey (Desh.). 

33. CeritMum perver^tnn Sandb. 

1863. CeritMum pervergum (Linnö) Sandb. Mdnzer Becken, p. 115, pl. 10, Fig. 6. 
Weinheim, Waldböckelheim (Sandb.). 

VoUstäDdig ttbereinstiinmezid mit den VorkommiiiBsen von Waldböckelheim ; weniger mit den neogenen. 

30. IWatica era^^attna Lam. 
37. 99 murtcutata Grat. 
3S. 99 spiratu Lam. 
3Bm 99 MBeähoffeMiann Nyst. 

4IO. HipTMMa paiellmtm Sow. 

1850. Orhia patellahu (Sow.) Dizon, GeoL of Sussex, p. 180, pl. 9, Fig. 23. 
Insel Wight (Sow.). — Hohenkirchen bei Cassel (Hof-Mineraiiencab.). 

Bei dem einzigen mir yorliegenden Stficke sind die Umgänge auf der oberen Seite etwas mehr gewölbt, 
als die Abbildnng bei Dixon es zeigt, und als es bei dem mir yorliegenden Exemplare von Cassel ist, doch 
halte ich bei der sonst vollständigen ÜbereinstiBunong diesen Unterschied nicht itlr wichtig genug, um dar- 
auf eine neue Art zu gründen. 

41. Jfutto #V»rfl#ii Brong. 
4iS. 99 striaMella Lam. 

A3. VurhonOia NystU d'Orb. 

1863. Twrhamlta tuButata (Merian) Sandb. Mainzer Beeken, p. 172, pl. 16, Fig. 4. 
1866. „ NytiH (d'Orb.) Desh. Bass. Paris, n, p. 674, pl. Sl, Fig. 16, 19. 

Sables de Foataineblean (Desh.). -* Kleiaepaawen (Nyat). — Vieux-JofBc, Looz, Vliek (Sandb.). — Wein- 
heim, Waldböckelheim (Sandb.). 

44. Vmr r Ue Um stramgmUOm Grat. 

(tS. 99 a^perulata Brong. 

46. 99 iftd^a Brong. 

417. 99 itreikfmeitto Brong. 

41 S« Corbula e%$9pidmta Sow. 
410. 99 Hmi i U Fnehs. 



206 Th. Fuchs. 

SO. Corbula mbpUmfn d'Orb. 
SM. VeUina hianguiairim Desb. 
S9. Cyßherea ^ßlendtdm Merian. 
S3. CarMum aitofraalMm Math. 
S^. M faUaop Michel. 

SS. €Jra9sateUa negleeta Michel. 

SO. ff Milcafa Brand. 

S9. f, irtganmia Fncbs. 

SS. Cardita Etaurae Brong. 
JO* Feeten areuaius MicheL 

C. Soggio di Brin bei Salcedo. 
1. Valuta Suessi Fuchs. 

Taf. Vm, Fig. 1. 

Gehäase aufgeblasen birnförmig, mit kurzem, niedergedrücktem Oewinde. Letzter Umgang mit zahl- 
reichen faltenförmigen , bis vollständig herabreichenden Längsrippen yersehen , welche oben zwei Reihen 
spitzer Knoten tragen, und von starken entfernt stehenden Querlinien gekreuzt werden. 

Von der zunächst stehenden Voluta ctthara Lam. unterscheidet sich diese Art durch geringere Breite, 
zahlreichere bis hinab reichende Längsrippen, so wie durch die starke Querstreifung. 

9. Voluta n$odeHa Merian. 

Taf. VIII, Fig. 29, 80. 

1863. Voiuta modeUa (Merian) Sandb. Mainzer Becken, p. 251, pl. 19, Fig. 5. 
1866. „ modetta (Merlan) Desh. Bass. Paris, III, p. 604, pl. 102, Fig. 6, 6. 

Weinheim, Kemberg (Sandb.). — WaldbOckelheim (Weinkaaff). — Jeures, Etrechy (Desh.). 

Der gütigen Mittheilung des Prof. Zittel verdanke ich das ausgezeichnet erhaltene Exemplar einer 
Voluta y welche ich trotz einzelner Abweichungen doch mit der oligocenen Voluta mochsta vereinigen zu 
müssen glaube. Die Abweichungen bestehen in Folgendem : Das Exemplar besitzt die doppelte Grösse der 
gewöhnlichen Vorkommnisse dieser Art in Weinheim und den Sables de Fontainebleau. Die Höhe des 
Gewindes ist gleich drei Viertheilen der Höhe des letzten Umganges, und in Folge dieser Verlängerung sind 
die Nähte etwas weniger treppenförmig gestaltet , als es bei der typischen Form der Fall ist , bei welcher 
das Gewinde nur die halbe Höhe des letzten Umganges erreicht. Indessen ist die Übereinstimmung in allen 
übrigen Punkten eine so vollständige und besitzt das Hof-Mineraliencabinet aus Weinheim neben einer 
grösseren Anzahl der gewöhnlichen Vorkommnisse zwei Exemplare von ungewöhnlicher Grösse, welche sich 
auch in Hinsicht des verlängerten Gewindes so sehr dem mir aus Soggio di Brin vorliegenden nähern , dass 
ich es nicht wage eine Trennung vorzunehmen. An dem mir vorliegenden Exemplare ist ausserdem noch die 
Farbenzeichnung erhalten, welche mit der Zeichnung bei F. maga Edw. übereinstimmt. 

Höhe 49 Millim., Breite 24 Millim. 

3. Voiuta eleeata Sow. 

4i« Niltra regulart^ Schaur. 

S. Cypraea ^plendems Grat. 



Beitrag zur Kenntmss der Conchylienfauna des Vicentinischen Tertiär gehirges. 207 

6. Marginetla MAigenHs Fnchs. 

7. 99 ampMconu» Fachs. 
S. AndUaria anomala Schlth. 

O. Oftoa Xitteti Fuchs. 

Taf. Vin, Fig. 6, 7. 

Gehänse länglich cylindrisch, nngefähr dreimal so lang als breit. Gewinde kurz kegelförmig, kaum den 
vierten Theil der Gesammthöhe betragend. Umgänge durch einen schmalen Canal getrennt. MnndOfihung 
schmal , nach unten allmählig erweitert. Bechter Mundsaum schneidend. Spindel glatt , unten von einer 
schiefen Callosität bedeckt, welche mehrere feine Falten trägt; die unterste dieser Falten von den übrigen 
durch einen tieferen Einschnitt getrennt. Ein kleineres besser erhaltenes Exemplar zeigt ein von der Mitte 
des Spindelrandes schief über dem letzten Umgang zum unteren Mundrand verlaufendes Band. 

Höhe 41 MUlim.; Breite 16 MiUim. 

Ich erlaube mir diese schöne neue Art Herrn Professor Zittel, welchem ich die Mittheilung derselben 
verdanke, za widmen. 

Von der ihr in der Gestalt zunächst stehenden miocenen Olwa clavula L a m. unterscheidet sich diese 
Art hauptsächlich durch die glatte Spindel. 

MO. Ebuma Caronis Brong. 
11. Cas^idariu ambigua Brand. 
19. CosHb Vicewttna Fuchs. 
13. JFicula condita Brong. 
lü. Conus MrerHformts Desh. 
IS. 99 atelOM«« Brong. 

lO. fletirofomo Uneolala Lam. 

17. 99 ramoma Bast. 

18. 99 obeUmcoidea Schaur. 
lO. 9f rotfCrofa Brand. 
90. 99 atnbigua Fuchs. 

• I* JPusus 9ubcarinatU9 Lam. 

99. Faadolaria l#tcflren#te' Fuchs. 
93. 99 fwnicul09a Lam. 

9Jf. CerithtuM Meneguzzoi Fuchs. 

93. NaUca auricuMata Grat. 
9S. Xenophora cuMUtanm Brong. 
t9. Vurbo Asmodei Brong. 
9S. 9f FlUoni Bast. 

•O. Solarium pllcotem Lam. 

30. BifIrowHa pateilaia Sow. 

31. Bulla VorUsH Brong. 



208 Th. Fuchs. 

dt« Aurieuiu Vicentina Fuchs. 

Taf. X, Fig. 9, 10. 

Gehäuse dickschalig, von regelmässig länglich elliptischem Umrisse. Gewinde kegelförmig, zwei Fflnf- 
theile der Gesammthöhe betragend. Umgänge schwach gewölbt. Hundöffiiung schmal, nach unten erweitert. 
Rechter Mundrand in der Mitte etwas angeschwollen. Spindel mit einer starken schiefen Falte versehen. Die 
Oberfläche des ganzen Gehäuses ist fein wellig gerunzelt. 

Diese Art hat grosse Ähnlichkeit mit der Abbildung, welche Grateloup von einer in Gaas und Les- 
barritz vorkommenden Auricula gibt, die er mit der lebenden Auricula Judae Lam. identificirt (Grate- 
loup, Conch. foss. Plicacöens, 1 [pl. num. llj, Fig. 1). Doch besitzt die Gaaser Art 2 — 3 Falten, während 
die unserige nur eine zeigt. 

33. MHastoma costellata Lam. 

3^.'VurrUeUm a9peruhUa Brong. 
3A. 99 ArchitnediM Brong. 

30. 99 9irangulata Grat. 

39. Calyptraea 0tr{aieUa Nyst. 
3S. Fanopaen angu^ta Nyst. 
30. Fsammo^oien FhiUppi Speyer. 
4fO. t^9afnmobia HoUowaysU Sow. 
411. Venu0 Aghuurue Brong. 
49. fJytherea sptenMda Moria n. 

9L3. €Jymer€a UeherU De«h, 

1860. Cytherea Heberti Desh. Bass. Paris, I, p. 486, pL 90, Fig. 13^16. 
Calc. gross., Sables moy. (Desh,). 

Das einzige mir vorliegende Exemplar ist um ein Geringes breiter und flacher , als die mir vorliegenden 
Pariser Exemplare« Doch halte ich diese kleine Differenz fttr um so ungenügender zur Aufstellung -einer 
selbstständigen Art, als im Übrigen und namentlich in der Beschaffenheit des Schlosses die Identität eine 
vollständige ist. 

4l4l. CariUtftii oitomaium Math. 
^3. Cardiuin Pari^iense d'Orb. 

1824. Cardium di$cor8 (Lam.) Desh. Env. Paris, I, p. 166, pl. 28, Fig. 8, 9. 
1860. „ ParUiefue (d'Orb.) Deih. Bast. Paris, I, p. 669. 

««« Curdtum fitUaoc Michel. 
47. Cru00aieUa irifonuta Fuchs. 
^S. Carditn Jhawrue Brong. 

^B. Area htuugmia Lam. 

1828. Area hiangtda (Lam.) Desh. Env. Paris, I, p. 198, pL 34, Fig. 1^6. 

1823. , hyantula Desh. Env. Paris, I, p. 199, pl. 34, Fig. 7—8. 

1860. By$$oarea Branden (Sow.) Dixon. G«ol. Sussex, p. 92, pl. 3, Fig. 23. 

1860. Area hiangtda (Lam.) Desh. Bass. Paris, I, p. 867. 

1860. 9 Sandbergeri Desh. Bass. Paris, I, p. 868, pL 68, Flg. 1—3. 

1863. . , (Desh.) Sandb. Mainzer Becken, p. 361, pl. 29, Fig. 2. 



Beitrag zur Kenntniss der Conchylienfauna des Vicentinischen Tertiärgebirges. 209 

Calc. gross., Subles moy. (Desh.). — Brackelsham, Selsey, Barton (Desh.). — Bergh (Sandb.)- — Cassel 
(Schwartzenberg), — Bünde (Krantz). — Weinheim, WaldbOckelheim, Brislach bei Delsberg (Sandb.). 
— Latdorf (Hof-Mineraliencab.)- 

Nach einer sorgfältigen Vergleichung des im Hof-Mineraliencabinete befindlichen reichen Materiales 
Ton franzl^sischen , englischen , norddeutschen , so wie von zwei verschiedenen vicentinischen Localitäten 
(Soggio di Brin und Ciuppio, letztere Localität = nnt. Grobkalk) gelangte ich zu der festen Überzeugung, 
dass die eocenen und oligocenen Vorkommnisse vollständig ident seien. Das mir von Soggio di Brin vor- 
liegende Stück stimmt am genauesten mit einem Exemplare ttberein , welches das Hof-Mineraliencabinet aus 
Brackelsham besitzt. 

SO» Feciefi armaiujf Brocc. 



(Sangonini.) 



(Gomberto.) 



(Gomberto.) 



Anhang. 

Puddinge von Laverda und vom Val Bovina. 
!• OUt^a sp. cf. Ot. aequalt^ Fuch». 



<• CeHUkium sp. ci. Cer. Stroppu^ Brong. 



3. 



>» 



sp. et. CeTm irochleare Lam. 



4f. IWatica cra99aUna Lam. 



Sehr häufig. (Gomberto.) 



(Sangonini.) 



3. 



ff 



sptraia Lam. 



(Gomberto.) 



0. Vurrttella sp. 

7. JUeimnia sp. rf. Mel. semidecusmnta Lam. 



8. TeUina btangularU Desh. 



B. ,9 Haimei H^b. et Renev. 
1855. H6b. et Renev. Nnmmnl. 8up6r. p. 193, pL 2, Fig. 2. 

(St. Bonnet.) 

JfO. Ctftherea sp. ct. Cythm incrassatn Sow. 

11* 99 sp. 

Eine dreieckige Form mit starken concentrischen Rippen. 

!>• Fecten iwcuaiujf Brocc. 
(Sangonini.) 

Denkschriften der mathen.-netiirw. Cl. XIX. Bd. Abhandl. von NlchtroltgUedern. 



l.li 



Th. Fuchs. 



) Katiea aurieulala Gr; 



ipirala L&ID. . . 
Blaintnllei D e s h. 
Ä's«ii d'Orb. . . 
Hantotiianiii Pilk. 



, Dfhayenana Kyst. 

76 Bifronlia paiellata Sow. . 

77 Xmophora cumutani Brong 

78 Troehvt muCticing^'^"' San 

79 Turbo Asmodei Brong. . . 
H denHcuCala$ Laiu. . 
, Filloni Baut. . . . 

82 Monodonta Carbari Brong. 
S3 Solarium ph'eatunt Lum. . 



86 Aurieuta Victnlina FucliB 

87 Twionilla Nuttii d'Orb. . 
es Diauomn coUellala Lam. . 
89 Tvrriittia incha Brong. . 

„ atparvlala Brong 
„ tiranguiaia Grat. 
„ ArMmedii Bronf 

93 Caiyptraea Urtaidta Nyat. 

'l Ptammotottn PM.RpiV Spey 

95 Panopaea anffuita NfSt. . 

96 Oorbula euipidaia Sow. 



, limiUi Fuchs . ■ 
, lubpitam d'Orb. . 
99 rrfi.no hiangularit Desh. . 
100 Ftammobia pudica Brong. 
, HoUotBaytii Sow 

102 Fenn* Aglaiirae Brong. 

103 „ I^tgemii Fuchs . 

104 Cgiherea ipltndi'da Herii 

105 , IlebertiDeah. . 
[08 Cyprina Morriti So y/. . 



107 

108 

109 Oardium 



brmi Fachs 



faUax Hichol. 
anomaium Math 
Fariiitntt d'Orl 



m 



iti 



i : 1 



Tentkle^eac LkiHUUm 



SAblesinf., Hnnting-bridge 
SablM inf., oalo. grosB., Btt- 



Cslo. gross., sables 11107., Bra- 
ckelsham, Selsey 



Sables inf., oalc gross., sables 
moy.iBognor, Brackelsham, 
Barton, Brockenhnrst 

Sables inf. 

Ina. Wight 

Sables moy. 



Calo. groHB. 

Calc.gross., Brackelebam, Bar- 



Sablesinf, calc. gross., sables 
moy. 



C'alc. gross., sables moy. 



Calc. groBB-, sables moy., Bro. 
ckenhnrst, Hordle, Collwell 
Bay 



Calc. gross. 

Brackelsham Bay , Stubblng- 
toD, Barton 



Calo. gross., sables moy. 
Herne Bay, Pegwell Bay, Rea- 
ding, Plumstead 



Calc. gross., sables moy. 
Calc. groBB., sables moy. 



Beitrag zur Ketmtniss der Conckylier^auna des VicenÜTUsehen Tertiärg^nrges. 213 



TlceiUiliche UMlIOItB 



I I 
I i 

1 ! 



VmcbleleH LtulllUw 



113 CroMMtUa ntglecta Michel. 
„ luleatu BrsDd. . 

, trigonula F n o h B . 

116 OtrditaArdtHm Bioag. . . 

117 , Laura« Brong. . . . 

118 . Omaiiaua Nyet. . . 

119 Limopiii leatari» SOT. . . . 
130 Ptclunculnt Lugtntii Fnchs 
121 Area Uattfula Lam 

ISS Cue«lta»a tmatiiriala Fachs 
ISS Ptettn arcwuat Brocc. . . 



Calc. grosB., Mblea D107., Br» 
ckelsham, Selscf , Barton 



Sables tat 10 

Ctia. gross S2 

Sables moy. . . . ..16 

Neogen S 



214 



Th. Fuchs. 



ERKLÄRUNG DER ABBILDUNGEN. 



TAFEL I. 



Iff- 


1, 2. 


n 


3, 4. 


n 


5, 6. 


n 


7, 8. 



9, 10. 
11—18. 



CoMM Vialerms Fachs Mt. Viale. 

r, mammi7;an> Grat. Santa Trinit4. 

y, foveolatw Fuchs Mt. Grumi. 

Trüonium mbclcUhratrtm d^Orb. Gaas. 
Turbineüa rugota Fuchs Mt. Grami. 

Marginella obtuaa Fuchs Mt. Gromi. 



Fig. 14—16. 
» 17, 18. 
„ 19, 20. 
» 21, 22. 



Marginella eratoides Fttchs Mt. Grumi. 
Edwardma naasaeformi» Fuchs Mt. Grumi. 
Bulla regularis Fuchs Santa Trinita. 

„ amplex Fuchs Mt Grumi. 

„ amphieonus Fuchs Mt. Grumi. 



TAFEL IL 



Fig. 1. Strombus irregularü Fuchs 

„ 2, 3. Fyrula Tarbelliana Grat. 

„ 4 — 6. Troehus Renevieri Fuchs 

p 7—9. Turbo nanus Fuchs 

jy 10, 11. Phasianella $uiura(a Fuchs 



Mt. Viale. 
Mt. Viale. 
Mt. Grumi. 
Mt. Grumi. 
Mt. Carriole. 



Fig. 12, 13. Turbo elatus Fuchs 

„ 14, 15. FusuB aequ^ts Michel. 

16 — 19. Turbo modestus Fuchs 
20—22. - pl6bejü$ Fuchs 



n 



23, 24. 



elauau8 Fuchs 



Mt. Viaie. 
Gaas. 
Mt. Grmj]j. 
Mt. Grumi. 
Mt. Grumi. 



TAFEL m. 



Fig. 



n 



1—3. Strombiu irregularis Fuchs 

4—6. Turbo ereacens Fuchs 

7 — 9. Serpulorbü eonieua Lam. sp. 

10—12. Turbo Sandbergeri Fuchs 

13 — 15. Rissoina similis Fuchs 



Mt Viale. 


Fig. 16-18. 


Mt Carriole. 


„ 19-21. 


Mt Grumi. 


„ 22—25. 


Mt Grumi. 


26. 


Mt Grumi. 





Melanta inaeqtuüis Fuchs Mt Grumi. 

Trochua Lueananus B r o n g. Mt. Grumi. 

Delphinula multistriaia Fuchs Mt. Grumi. 

Strombua rugifer Fuchs Mt Viale. 



TAFEL IV. 



Fig. 1, 2. StrombuB aurteulatus Grat. 
3. „ radix Brong. 

4, 5. „ Viaiensü Fuchs 



n 
n 



Mt. Castellaro. 
Mt. Grumi. 
Mt. Viale. 



Fig. 6—8. Marginella gracilis Fuchs 
» 9 — II. Tritonium Orateloupi Fuchs 



Mt. Grumi. 
Gaas. 



Beitrag zur Kenrdmss der Gonchylienfauna des Vicentmischen Tertiärgebirges. 215 

TAFEL V. 



Fig. 






1—3. CeritMum Stroppus B r O n g. 

4. „ ampuilosum Brong. 

6. „ „ Brong. 

6. „ Voglinoi Michel. 

7| 8. „ ovoideum Fnchs 

9. , Vialense Fuchs 



Mt. Grnmi. 


Fig. 10. 


Cerithium Trmiten$e Fachs 


SanU Trinita. 


Mt. Grami. 


11. 


„ MeneguMwoi Fnchs 


Mt Castellaro 


Mt Viale. 


n I2-U. 


„ caleulontm Bast. 


Mt GrumL 


Santa Trinita. 


» 15, 16. 


Bast 


Montecchio. 


Mt Grnmi. 


» 17, 18. 


Diattoma Testani Grat 


Mt Rivon. 


Mt. Viale. 









TAFEL VI. 



Fig. 1, 2. 

n 3, 4. 

n 6-8. 

n 9-11. 
n 12-14. 
15. 



Cerithium eochlear Fuchs 
„ Fnchs 
„ DelhoBi Michel. 
^ nisoides Fuchs 

r, Weinkaufß Fuchs 

• omatum Fuchs 



Mt Rivon. 
Santa Trinita. 
Mt. Viale. 
Mt Grnmi. 
Mt. Grnmi. 
Santa Trinitä. 



Fig. 16, 17. Cerithium breve Fuchs 
„ 18, 19. n puppoidei Fuchs 

„ Jghinai Michel. 



„ 20-23. 

„ 24-27. 
„ 28—30. 



foveolatum Fuchs 
irochoidet Fuchs 



Mt. Grnmi. 
Mt. Grumi. 
Gaas, 
Mt Grumi. 
Mt. Grumi. 
Mt Gnimi. 



TAFEL VIL 



ig. 


1. 


Hemicardium diffieile Michel. 


Mt Rivon. 


Fig. 6. 


n 


2. 


r, „ Michel. 


Mt Cariotta. 


„ 7-10. 


17 


3. 


j, „ Michel. 


Mt Grumi. 


» 11, 12. 


T» 


4, 5. 


Chama Vicentina Fuchs 


Mt. Grumi. 


» 13, 14. 



Area Pandorae Fuchs 
Cardiwn anomalum Math. 
Spondylu9 eiacUpinus Brong. 
Area laeviuseuia Fuchs 



Mt. Viale. 
Gaas. 
Mt Grumi. 
Mt. Grumi. 



TAFEL VIIL 



n 



Voluta Suesti Fuchs 
„ Italiea Fuchs 
Oliva Zitteli Fuchs 
Aneillaria anomcUa Schlth. 
Voluta elevata Sow. 



19, 20. Marffinella Lugensis Fuchs 



Fig. 




1. 


n 


2- 


-5. 


» 


6, 


7. 


n 


8, 


9. 


n 


12- 


18. 



Soggio dl Brin. 


Fig. 


21, 


22. 


Oypraea angusta Fuchs 


Sangonini. 


Sangonini. 


n 


23, 


24. 


y, 8plendena Grat 


Mt Viale. 


Soggio di Brin. 


n 


26, 


26. 


„ marginata Fuchs 


Sangonini. 


Sangonini. 


» 


27, 


28. 


Oliva oegualiB Fuchs 


Sangonini. 


Sangonini, 


n 


29, 


30. 


Voluia modesta Merlan 


Soggio di Brin 


Gnata. 


n 


31, 


32. 


Ca89i* seaMda Fuchs 


Gnata. 


Sangonini. 


n 


33, 


34. 


Müra regularig Schauroth 


Sangonini. 



TAFEL rX. 



Fij^. 1, 2. Murex pumilia Fuchs 

n 3, 4. „ n'milia Fuchs 

„ 5, 6. „ amoenu» Fuchs 

„ 7, 8. Triionium Delboai Fuchs 

rt 9, 10. „ denudatfim Fuchs 

„ 11. Ranella Hömesi Y Vi c\xs 

n 12, 13. Fu%u9 devexua Fuchs 

„ 14 — 19. Faseiolaria Lugenn'a Fuchs 

„ 20. FusuB terea Fuchs 



Gnata. 


Fig. 


21—23. 


Sangonini. 


! " 


24—26. 


Sangonini. 


r> 


27, 28. 


Gaas. 


n 


29, 30. 


Sangonini. 


n 


31, 32. 


Gnata. 


n 


33, 34. 


Sangonini. 


n 


35, 36. 


Sangonini, 


n 


37, 38. 


Gnata. 


n 


39, 40. 


Sangonini. 


» 


41, 42. 



Murex tubspinieoata Fuchs 
„ erasaiapina Fuchs 

Boraonia Lugenaia Fuchs 

Fleurotoma inaapecta Fuchs 
„ obeliaeoidea Sc ha 

„ ramoaa Bast. 

^ Onatae Fuchs 

r ambigua Fuchs 

„ pHebtoa Fuchs 

Fuaua Carcarenaia Michel. 



Sangonini. 
Gnata. 
Sangonini 
Gnata. 
ur. Gnata. 
Gnata. 
Gnata. 
Sangonini. 
Gnata. 
Gnata. 



TAFEL X. 



Fig. 1, 2. Terebra Speyeri Fachs 
^ 3, 4. Turritella Arehimedia Brong. 

p 5, 6. „ aaperulata Brong. 



Sangonini. 
So^^-io di Brin. 
Sangonini. 



Fig. 7, 8. 

n 9, 10. 
« 11-13. 



Turritella ineiaa Brong. 
Aurieula Vieeniina Fuchs 
Marginella paudspira Fuchs 



Sangonini. 
Soggio di Brin. 
Sangonini. 



• -• • 


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I. .nriHtihu irrnfulnris. Fnihs. 7 B. Tiiiif iiiiiuix Fiiiha It- IS. F1111U.1 aufialä. MiiM. 

2 .ii'.jrulo r„Mli«u« lirat. Ifl IJ.PI,«.ri,l i.rll„ ..»l„n.l» FuAi I6 19 TiiH»' «inlr.lil': Fiuh,- 

U U Trvihm Rinnuffi . Fwh-. l'X.iS Tarhf tlulux F«ih: :'• ■•'-' TiiH« /Jrif/i',' Fit^i 

DeTik-vclirilli-ii .UrkAkiiiiaWuiatliualunv CLXNX BillKU9 



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T. FiiAs, CdudiThenfhuno de s Viceiitinischen Trrtinergpbirjäeü i (nimlitrtoNiiiii'hlci 



'.: Ij. lU.tsrilul JiinHiJi. Fu<hx. ■!'! -'-' ffiiphinlilii milllijilrial 

II il.k Aknd dWniAtli.nalurw. l'l.XX.\.Bdltl»9. 



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ft.i Strrmhus ilair/utix . Fn/ht 
b H MarifinflU ifrUfilif Fmkx 



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!> Itrilhiiin 
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Uciik-iiiirirtPii ilk AkHil.iI W 






II. I'frilhiunt .ifrnrfpnmi.Fn^f 
12 Ih UrilJiiiiiti ,«lm)rtuni BHjrt 
li JX Oi«tt«»,u TrslaMi . r.rHl 



«OSWBdWin. 



T.FiiAs.t'iinrhvlieiifamia des \'iceiitinisrhenTerli.Ter;^d»irjgps • Giniitieitiisiliiditeii 



i 



i 



4 



l.i ffriAium nnir/ar fii/ii.r. 
f'.f/trrit/iiiim 'U^iiffS. f'll/il.t . 



n . 14 itrüAiiun H'finkiuiß ■ Fadui. 1.1. 19 Crrilhh 

1.1. f'rnlAmi,, prn-lnm Fu^hs 10.2.1. feruMum J^I„«4,' 

'.:,1. Jf/. /'rrilhium trnifiridrj Fui^-i. 
Dfiiksi-brinm d kAk>id<l.WiDaü> tindirw.O.XXX.BiLtSill 




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T-Fiirlis. ('«nrliylienlAiina d*'s Vi(Tnlintsrlu'n Tcrliaer;it'liir}ii's ■ lidjiilK'rlo.sdmhieni 



.-/ /»,■,.„ -///*,//, .1/, 



III r„nli,m „,„'i„il,.M„lli 



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7. S. ThMimirrt Orltfsi. Fiitht 
9. III, Tri/fiiiimi ffi-HiiitutHm .Hidif. 
II. /(»Hrffii ffi'rir>xi. FiuAy 



fi. Vi. f^iiti ,lrrr.Tiis. Fnrhx 

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317 



STUDIEN 

IM 

GEBIETE NUMERISCHER GLEICHUNGEN 

MIT ZUGRUNDELEGUNG DER 

ANALYnSOH-GEOMETRISOHEN ANSOHATTUNGf IM RÄUME 

NEBST EINEM ANHANGE 

ÜßKR ERWEITERTE FUNDAMENTAL - CONSTRÜCTIONSMOTEL DER GEOMETRIE, 

VON 

LORENZ ZMUREO, 

PROFESSOR DKR MATHEMATIK AN DER K. K. TECR^rSCHEN AKADEMIE IN LBMBERO. CORRESPOXDIREITDRM MITOLIBDE DER 0ELSHRTSN<6RSELL8CnAPT IN KRAXAÜ 

rND THÄTIORM MITOUKDK DER X. X. 0ALI2I8CHEN LANDWIRTH8CHAPT8-OR8ELL8CHAFT. 



VORGELEGT IN DKB SITZUNG DER MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHEN CLASSE AM 18. FERRUAR 1869. 



Vorerinnerung. 

JM ewton stellt mit Hilfe der von ihm gegründeten Nähernngsmethode die in Rechnung stehende Wurzel 
einer numerischen Gleichung/(a;) = in folgender decadisch fallend geordneten Reihe dar: 



«0 *i *a *• 
^=^^Q— Oo— Qq— Qq— Qo — 7 



in welcher x^ als Initialwerth Eine oder einige Anfangsstellen der Wurzel repräsentirt , und die mit Q ange- 
deuteten Folgeglieder vor Allem den Relationen 

«r == «r-1 — Qo ; 

zu gentigen, und in der Weise zur Verwendung zu kommen haben, dass man von einem jeden einzelnen Q 
blos je Eine oder nur einige wenige Anfangsstellen benutzt — nach Massgabe des ümstandes, wie viele von 
denselben als die richtigen decadischen Folgeglieder der Wurzel selbst erkannt werden. Im Verlaufe dieser 
Abhandlung virerden wir diese mit Q bezeichneten Folgeglieder mit der Benennung Orientirungsquo- 
tienten kennzeichnen. 

aj In dem Falle, wo von x^ aus, für numerisch zunehmende aj-Werthe, der Ausdruck /^(a?) eine nume- 
rische Abnahme beurkundet, leistet die Newton'sche Methode bei der Berechnung der Wurzeln entschie- 
dene Dienste. Die entgegengesetzt genommenen Orientirungsquotieuten bilden eine dekadisch abnehmende 

Denkschriften der mathem.-DMarw. CK XXX. Bd. Abhandl. ron NichtmltgUedem. CC 



218 Lorenz Zmurko. 

Reihe von Aggregaten, welche mit x^ gleiehbezeichnet erscheinen, nnd zn x^ hinzagezählt, die in Rechnung 
stehende Wnrzel desto besser darstellen, in je grösserer Anzahl dieselben zur Verwendung gelangen. In 
nnmerischer Beziehung bilden die Käherungswerthe x^^ Xj^, x^y...Xry x^+t eine steigende Reihe, nnd nähern 
sich der Wurzel desto mehr, je grösser ihr Zeiger ist. 

bj In dem Falle aber, wo von Xq aus, für numerisch wachsende a?-Werthe, die derivirte y^ (a?) eine 
numerische Zunahme beurkundet, bieten die Newton'schen Orientirungsquotienten bei der Bestimmung der 
nnmerisch steigenden Näherungswerthe x^j x^j x^,... in dem Masse numerisch zu grosse Aggregate, je 
rascher die Zunahme von /, (x) vor sich geht. Bei einer erheblich raschen Zunahme von /i (a?) geht die 
Bestimmung der Wurzelaggregate in ein förmliches Tappen über, und man könnte leicht geneigt sein, der 
Newton'schen Methode ihren gehörigen Werth abzusprechen. Gibt man jedoch das Bestreben auf, den 
Näherungswerthen oTj , x^, x^. , . die Eigenschaft aufzuzwingen, dass selbe durch numerische Zanahme an 
den wahren Wurzelwerth immer näher und näher rücken ; — wenn man vielmehr zufolge der diesfällig dem 

Orientirungsquotus inhaftenden Beschaffenheit das Aggregat Q^ zu gross annimmt, so erhält man in nnmeri- 
scher Beziehung x^>Xy und wird in weiterer Folge genöthigt sein, die Rechnung in der Art fortzusetzen, 
dass die Näherungswerthe x^f x^^y x^, . . . durch fortgesetzte numerische Abnahme an den wahren Wurzel- 
werth immer näher und näher treten. Bei der Fortsetzung der diesfUlligen Operation wird der Ausdruck y, (x) 
eine Abnahme beurkunden, und die weiteren Orientirungsquotienten gelangen demgemäss bei der Bestim- 
mung der nun entgegengesetzten Aggregate zur entschiedenen Geltung. 

cj In den Fällen, wo mehrere Anfangsstellen nicht einer einzelnen, sondern mehreren, etwa r Wurzeln, 

der Gleichung /(o;) = gemeinschaftlich angehören, bildet der Orientirungsquotus Q^ durchaus keinen An- 
haltspunkt, und erscheint zur Bestimmung der decadischen Wurzelaggregate völlig unfähig. Dies sind Er- 
scheinungen, welche die Newton'sche Methode in völligen Misscredit brachten, ja für eine völlige Verwerf- 
lichkeit derselben sprachen. 

Wenn man aber bedenkt, dass in diesen Fällen in Bezug auf die gemeinschaftlichen Anfangsstellen die 
betreffenden r Wurzeln der Gleichung f(x) = als einander gleich angesehen werden können ; wenn man 
weiter erwägt, dass eben diese Erscheinung in Bezug auf die derivirten Gleichungen : 

/,(^) = 0, Mx)^0, ... /_2(a:) = 0, /_,(a?) = 

sich derai-t manifestirt, dass die gemeinschaftlichen Anfangsstellen in der ersten bei (r — 1) Wurzeln, in der 
zweiten bei (r — 2), in der dritten bei (r — 3) . • in der vorletzten bei zwei, und in der letzten bei einer ein- 
zigen Wurzel sich kundgeben ; wenn man femer auch des Umstandes gedenkt , dass diese Erscheinung in 
Beziehung auf die Werthe der Polynome /,(a;), /j(a?), /s(«)* • -/r-^C«?), >^-i(^) ©ii^e gesetzmässige Depres- 
sion in den Anfangsstellen in der Weise bewirkt , dass diese Werthe um desto rascher gegen die Nulle zu 
convergiren, einem je kleineren Derivationszeiger sie angehören, — so wird man bald gewahr, dass zur Er- 
mittlung der erwähnten mehren Wurzeln gemeinschaftlich angehörigen Aggregate, die Newton'sche Methode 
erst bei der Gleichung /^t(a?) = in ihre vollen Rechte tritt, weil die erwähnten Anfangsstellen in dieser 
Gleichung nur einer einzigen Wurzel angehören. 

In diesem Falle wird man nicht den Ausdruck Q^y sondern vielmehr den Ausdruck: 

Qr-i=fr^iix):fr{x) 

• 

als den Newton'schen Orientirungsquotus ausersehen, und denselben zur Ermittlung der successivenWarzel- 
aggregate so lange verwenden, in so lange die oberwäbnte gesetzmässige Depression der Anfangsstellen in 
Bezug auf die Functionswertbe f(x) , /,(«) , fiioc),. . ./._i(ar) sich bethätigt. Von der Stelle angefangen, 
welche die erwähnte gesetzmässige Depression nicht bewirkt, erhalten die r Wurzeln einzeln oder gmppen- 



Studien im Gebiete numerischer Gleichungen. 219 

weise verschiedenartige Folgeglieder, werden somit, mittelst passender Orientirnngsquotienten Qr^^ von ein- 
ander getrennt nnd der weiteren Sechnnng unterworfen. 

In allen sub aj hj cj angeführten Fällen bietet die Newton'sche Methode genügende Aaskunft, am sich 
der in Rechnung stehenden Wurzel mit jeder erwtlnschten Genauigkeit zu nähern und ist nur in der einzigen 
Beziehung als mangelhaft anzusehen, dass man mittelst derselben nicht erfährt, wie viele von den Anfangs- 
stellen des in Verwendung stehenden Orientirungsquotus als ein wirkliches Wurzelaggregat zu gelten haben. 

Erst der Mathematiker Fourier hat der Newton'schen Methode eine solche Vervollkommnung ver- 
liehen, dass man mit Hilfe seiner Methode bei jedem einzelnen Orientirungsquotus ganz genau erfährt, bis 
SU welcher dekadischen Stelle die Darstellung der Wurzel bereits gediehen ist. Das einschlägige, von Fou- 
rier begründete Verfahren besteht im Folgenden: 

Sei etwa Xr ein derartiger Näherungswerth, welcher in allen seinen Stellen mit den Anfangsstellen der 
Wurzel übereinstimmt, und Xr eine Zahl, welche aus Xr durch Vermehrung der decadischen Schlussstelle um 
eine Einheit hervorgeht, dergestalt, dass man beispielweise für x^ » 32*576, Xr «= 32*577 findet, so wird 
ganz gewiss der wahre Werth der Wurzel zwischen Xr und Xr zu liegen kommen. 

Bezeichnet man ganz allgemein von den Grössen /«(o;), /»{x) , die numerisch grössere mit/, (a?) , und 
die numerisch kleinere /«(o?), so erhält man: 

sobald man: i, — x,.= 10~" voraussetzt, nnd den Werth von k aas: 

f^{xr) : 2/, (a;,) ="1^ + j^ + • • • bestimmt. 

Der in dem Ausdrucke für Xrj^i beigefügte Zeiger 2n-fA; deutet an, dass man den betreffenden Quotus 
blos so weit zu entwickeln habe, bis man die dem decadischen Zeiger ( — 2 n — k) entsprechende Ziffer erhält. 

Hieraus ist der Vorgang ersichtlich, wie man von x^ ans nach und nach zu den Gliedern der Reihe ar^, 
x^y x^j. ..Xr^ ^r+1- .gelangt, und demgemäss jede erwünschte Näherung an den wahren Wurzelwerth be- 
wirken kann. 

Diese in ihrer Entwicklung sehr elegante und in der Anwendung äusserst einfache Methode hatte Fou- 
rier aus der Betrachtung der D esc artesischen Curve abgeleitet und zunächst zur Berechnung der primären 
(reellen) Wurzeln einer Zahlengleichung mit nur einer Unbekannten bestimmt. Die betreffende Entwicklung 
findet man in dem nach seinem Tode gedruckten Werke: „Analyse des Eqnations determinäes par M. Fou- 
rier premiöre partie^ niedergelegt. 

Wenn man aber schon den Titel dieses Werkes, das darin niedergelegte „Exposä synoptique'' und nebst- 
dem zahlreiche, im zweiten Gapitel niedergelegte Aussagen aufmerksam prüft, so erwehrt man sich nicht der 
schliesslichen Überzeugung, dass mit dem Tode dieses grossen Denkers eigentlich die vollständige Erledi- 
gung der meisten, ja vielleicht aller in das Gebiet der Gleichungen einschlägigen theoretischen und prakti- 
schen Fragen der Nachwelt auf eine längere Zeit vorenthalten ist, dass es des mühevollen Strebens und viel- 
seitigen Schaffens noch bedürfen wird, um in kleinen Portionen Stufe für Stufe wenigstens einzelne Haupt- 
punkte dieser Wissenschaft zu erklimmen , welche diesem erhabenen Genius schon bei der Anlage seines 
Werkes ganz gewiss als eine vollständige Schöpfung zu Tage lag. 

Seite 231, Artikel 37 liest man: • 

„Cette remarque n'est point bomöe aux fonctions qui ne contiennent qu'une seule variable. On peut en 
gön^ral r^soudre la question snivante qui se präsente dans les applications principales de l'analyse al^öbrique. 
üne fonction algibrique /(a?, y, «. . .) de plusieurs variables 6tant proposöe. . .etc." Hieraus und aus den 
betreffenden Stellen p. 227 und andern mehreren ist deutlich zu ersehen, dass es dem Verfasser schon 
während der Abhandlung der Gleichung mit nur Einer Unbekannten bei jeder sich darbietenden Gelegenheit 

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220 Lorenz Zmurko. 

daran liegt die Gesicbtsponkte und Aoffasraogen in der Weise zo stellen and yorznbereiten, um selbe seiner 
Zeit als Cberbrflcknog zn einer Methode dienstbar zn machen j welche anf Systeme von Gleicbiingeii mit 
mehren anbekannten anwendbar sein sollte. 

Von dieser Überzeagnng durchdrangen, habe ich den Entschlnss gefasst, meine Stadien aaf dem Gebiete 
der Zahlengleichongen Tomehmlieh jener Partie zazawenden, welche die methodische Berechnang der 61ei- 
efanugsworzeln betrift. Die Methode Ton Foarier zar Berechnang der primären Warzeln Yon Gleichnngen 
mit nur Einer Unbekannten zam Master nehmend, war es mein Bestreben, dieselbe aaf die Berechnang com- 
plexer Warzeln einer solchen Gleichung aaszadehnen and schliesslich eine Methode aafzastellen, welche zar 
Berechnang der Warzeln eines Systems von co^xistenten Gleichangen mit mehren Unbekannten sich eignen 
soll. Urgprttnglich habe ich es ftir zweckmässig erachtet, diese verallgemeinerte Käherangsmethode anmittel- 
bar an die Gleichangstheorie von Foarier anznreihen; bald warde ich jedoch gewahr, dass die derselben za 
Grunde liegenden räumlichen Anschauungsweisen in einem zu geringen Maassstabe entwickelt sind, als dies 
ncHhig war, um hieraas die erforderlichen Subsidien zar Begrttndang der allgemeinen Näherangsmethode 
schöpfen zu können. Ich habe mich desshalb entschlossen, nach einem solchen Aasgangspnnkte mich amza- 
sehen, von welchem aus die hauptsächlichsten, bereits bekannt gewordenen Gleichungstheorien als ein orga- 
nisches Ganze hervorgehen , um theils sich gegenseitig unterstützend , theils einander ergänzend sich za 
einem harmonischen Systeme zu vereinigen. Diesen Aasgangspunkt fand ich einestheils in der Verallgemei- 
nerung des Cauchy'schen Existenzbeweises fUr wenigstens Eine Wurzel einer Gleichung mit einer Unbe- 
kannten, und in weiterer Folge in der zweckmässigen und gründlichen Ansbildang der von S. Spitzer publi- 
cirten räumlichen Darstellungsmethode der Gleichungs warzeln. Von da aus war es mir leicht, die von Ca a chy 
angeregten Kriterien einer horizontalen Einschliessung der complexen Wurzelpunkte za begründen und mit 
Zuhilfenahme der Stürmischen Restmethode zu einem prägnanten Trcnnungsmittel der Warzelpnnkte aas- 
znbilden. 

Die Fonrier'sche Gleichangstheorie selbst gewann auf Grund der räumlichen Anschauung, nament- 
lich in Bezug auf die Deutung und Auszählung der. complexen Wurzeln eine wesentliche Belebung, und es 
gelang mir, diese ganze Theorie in einer überraschend knrzen Abhandlung zu verkörpern. Siehe §. 6. 

Im Anhange brachte ich die successive Aasmittelung der GleichungscoSfficienten in zweierlei Weise zar 
Darstellung, nach Massgabe des Umstandes, ob bei der Aasmittelung der Wurzel blos EinBechner oder mehre 
gleichzeitig thätig sein können. Auch findet man daselbst die Anweisnng zar constructiven Aasmittelang der 
successiven Co^fficientreihen, wie auch eine constrnctive Näherungsmethode zur Ansmittelung der primären 
Gleichungswurzeln. Eine zweite constrnctive Methode zur Bestimmung der primären Gleichungswurzeln auf 
Grundlage der Bildung der sogenannten Integralcurven. 

Femer sind in diesem Paragraphe Constructionsmittel angegeben, mittelst welchen man in directer 
Weise die Lösung aller geometrischen Probleme bewerkstelligen kann, welche von der Auflösung einer, 
höchstens dem 4. Grade angehörigen Gleichang abhängen, und eben hiedurch ersichtlich gemacht, dass 
gleichwie die Mathematik nur Gleichungen bis höchstens zum 4. Grade in geschlossenen Ausdrücken zu lösen 
vermag, auch die geometrische Construction bis dahin fähig sei, Auflösungen zu vermitteln. 

Schliesslich geschieht der Erzeugung der Cycloiden eine Erwähnung und wird gezeigt, wie man sich 
derselben zur Rectification gegebener Kreisbögen, zur Polysection eines gegebenen Winkels und überhaupt 
zur Auflösung einiger transcendenten Gleichungen bedienen kann. 

Lemberg am 10. Au^st 1868. 



Studien im Oehiete nuvfieri^cher Gleichungen. 221 

Fundamentaleigenschaften der Oleichungspolynome. 

Sei i^w) =/(tt) + e y W = , wobei t= V—l (1) 

eine algebraische Gleichung, in welcher sowohl /(«), als auch ^{u) durch Polynome von der Form: 
Aq-\' A^u-^- A^u^ -{- ... in endlicher Gliederzahl dargestellt sind. 
Auf Grund der Taylor'schen Reihe findet man : 

worin ganz allgemein : 

und 

pc'»»^»=Bpco8w|üL-|-i<5Sinw|üL , pc»^»' = pC08fji + ep8in|UL = Aa:4-**^y W 

verstanden werden soll. 
Setzt man eben so : 

SO erhält man auf Grund des Taylor'schen Satzes in symbolischer Form: 

/.(^.+ ^y)=/-(«^)^^'=/.(^)cosZ)+i/.(a;)sini) 
tf^{x + ty) = ifjl^x) e^* = y ,(aj) cos D + »5p«(a?) sin -D , hiemit 
F^(x -|- « y) = « ! (if, -|- i «,) = 5 ! G^e a, / 

mit den Bedingungsgleichungen : 

« ! Z, = * ! (j, cos a, =fa{x) cos D — j?,(a;) sin D , 

« ! «, = Ä ! (y, sin a, =fJix) sin Z) + 5p,(a7) cos Z) , (7) 

Die in (6) und (7) spielenden, symbolisch angedeuteten Differentiationen in den Ausdrücken /,(x) cos Z>, 
/^(a;)sini>, . . . führen uns auf endliche Polynome, deren Glieder der Form : 

angehören , und in diesen Gleichungen ihre hinlängliche Deutung besitzen. Ist etwa in Bezug auf x die 
Function f{x) dem m-ten Grade angehörig, so erhält der Ausdruck (;7-)/«(^) jedesmal den Nullwerth, so- 
bald die Ungleichung n -f- ^ > ^ zutrifit. Hiedurch ist die Behauptung gerechtfertigt, dass die in (7) spielen- 
den Polynome wie /.(o?) cos D, y,(a?)sinD je eine endliche Gliederanzahl besitzen. 

Wenn man in (2) an die Stelle von u die complexe Grösse X'\'iy setzt, und dann die Ausdrücke 
-F,(a?-fty) nach (6) und (7) deutet, so erhält man : 

F{x + iy + fe^^== F[{x + äx) •\^ i {y -\^ äy)] = 



(6) 



222 Lorenz Zmurko. 

wobei : 

(10) i^ = orcos dp = (7^,C08 a^ + (j, cos (aj + /x) js + cj, cos a («,+ 2fx) p*+ . . . , 

(11) ;^^ = (J8indeo = (7^>8maj,+ (y, 8m(aj + fx)p + <j,8in(a, + 2jx)p*+ .... 

Ans (7) hat man ganz allgemein : 

(12) 2fl-^zl=Jl 

worans ersichtlich, dass fbr ar = 0; noth wendig anch Z^^^^Zr^^O sein mnss. 

Sind die angenommenen Werthe von x nnd y von der Beschaffenheit, dass man in Folge derselben 

(13) «^0 ~ ^ > hiemit anch Z^ = «^ =« , nnd somit auch 

F{x + ty) = Zo+ «0* = <yo^"- = 
erhält, so sagt man in diesem Falle, dass der complexe Aasdruck u^^x-^-ty eine Wurzel der Gleichung 

(14) F(«*) = 

ausmache. Ist jedoch (s^ in Folge der Werthe von x und y nicht Null, so lässt sich nachweisen, dass ein pas- 
send gewählter Znsatz p ei^* = A x + ^' Ay bewirken kann, dass in der Gleichung 

(15) F(a: + *y+pe»") = F((a: + Aa:) + f (y + Ay))=ao<?^' 

die als positiv gedachte Grösse i^ sich kleiner gestalten lässt, als die ebenfalls als positiv gedachte 
Grösse a^. 

Vor Allem ist es klar, dass von den Grössen 

(16) ^1 » ^t> ^3 • • • ^«"^ ^»•+* • • ' 

bei den letzterwähnten Werthen von x und y nicht alle gleichzeitig verschwinden dürfen, weil dies bedeuten 
würde, dass im Widerspruche mit der in (1) gemachten Voraussetzung der Ausdruck F(u) von X"\-%y nicht 
abhängig sei. Es kann sich jedoch ereignen, dass in Folge der Werthe von x und y einige der Anfangsglie- 
der in (16) gleichzeitig verschwinden, und etwa die Relationen 

veranlassen. In diesem Falle erhalten wir durch Heraushebung des nicht verschwindenden Factors e^^'a^ aus 
(9) folgende Gleichung : 



(18) 



In dem hier eingeklammerten Polynome sind bei gehörig kleinem p zwei der Anfangsglieder genügend, 
um seinen Werth in Bezug auf Grösse und Vorzeichen zu beurtheilen ; auch steht es uns frei, fUr ein gehörig 
kleines positives e die ErftüUung der Bedingung 

zu beanspruchen. Hieraus folgt : 

pc^^•^=Aa:+iAy = €(— l)7l-0J7e-^^-7 % und 

(20) Aar = ^(-l)f[|o]4cos(?i^^ Ay = c(-l)7[j]lsin ^^^^ 



Studien im Gebiete numerischer Gleichungen. 223 

Dann findet man aas (18) : 

a^<?V== (y^e«o«[i_£'-] und wegen !—€'•< 1 /2n 

^'o < ^0 

wie dies schon bei (15) angedeutet wurde. 

Setzt man X'{-Ax=:x, y'\'^y'=yy so belehrt uns die vorstehende Relation , dass man in Bezug auf 
das Polynom F{u) von einem Grössensysteme [x, y, dj falls Gq>0 y immerhin zu einem anderen Grössen- 
system [x^ y, a^] gelangen kann, wobei man eine Verkleinerung der mit a^ bezeichneten Grösse erzielt. In 
dieser Weise verfahrend, gelangen wir nach und nach zu den Grössensystemen : 

l^, yy 5J , [x, y, 5] . . [x, jr, a^] mit der Bedingung: 

(m-l) (m) 

^0 > *o > *o • • > ^0 > ^0 • • • (22) 

und können selbstverständlich dieses Verfahren so lange fortsetzen, bis wir zu einem Grössensystem etwa 

(n) (n) (n) 

[^f yy ^o] (23) 

(») 
kommen, wobei mit erwünschter Genauigkeit a^ dem Kullwerth nahe gebracht sein wird. Diesftllig erhält 

man eben so genau : 

!(n) («) (n) (») . 

u = X'\- 1 y ^ ^ 

und man darf erklären, dass der Ausdruck u=^x\ty mit Rücksicht auf die beanspruchte Genauigkeit eine 
Wurzel der Gleichung (1) ausmache. 

Man hat fttr beliebiges ganze n\ ( — 1)»^('"+'>«, hiemit auch 

(— 0"==« ^. (25) 

Durch Einführung dieses Werthes in (20) ist 

(Ay), = .(^)l Bin [loZ:gi+(g" + 1)»:] . 

Hieraus ist ersichtlich , dass man vom Initialwerthe u^=^x-\-iy aus in dem oben angezogenen Falle r 
von einander verschiedene Nachbarwerthe erhält, welche die Eigenschaft besitzen, der mit a^ angedeuteten 
Grösse einen unter ct^, stehenden Werth zu ertheilen. Diese r Werthe gehen aus 

(27) 
hervor, sobald man für n nach und nach die Werthe 0, 1 , 2, 3, ... r— 2, r— 1 annimmt, und diesen Zei- 
gern entsprechend nach (26) die Grössen Ax und Ay auswerthet. 

Der Initialwerth x -|- iy ist diesfäUig ein Ausgangswerth von r verschiedenen Wnrzelwerthen, und inso- 
ferne r auf einen die Einheit überschreitenden Werth deutet, wollen wir diesem Initialwerth x-^-iy die im 



(26) 



224 Lorenz Zmurko. 

analogen Fall der Fonrier'schen Gleichungstheorie adoptirte Benennung indit^atori scher Werth 
(28) ertheilen. 

Jeder andere beliebig angenommene Initialwerth kann den Fall r=^l berbeifbhren^ braucht somit durch 
eine besondere Benennung nicht erst hervorgehoben zu werden. 

Dieser Auseinandersetzung zufolge ist für die Gleichung (1) eine Anwartschaft in Aussicht gestellt^ ver- 
möge welcher mehre von einander verschiedene Werthe von der Form X'\-ty als Wurzeln dieser Gleichung 
aufzutreten vermögen; und es entsteht die Frage: Wie gross ist die Anzahl der Wurzeln, welche einer vor- 
(29) gelegten Gleichung angehören? 

Zu diesem Behufe schreiben wir die Gleichung (1) in der Form : 

(30) i?'(tt) = i?ntt"+5«..i «.»-«-[- . . . +5y + i?,«* + -Bo = 

auf, was wir immerhin thun dürfen, sobald wir die mit B bezeichneten CoSfficienten in der Form p '\- q% yox- 
aussetzen. 

Um aller Wurzeln dieser Gleichung habhaft zu werden , könnte man auf Grund der vorigen Auseinan- 
dersetzung also verfahren: Durch das Nullsetzen der successiven Ableitungen des Gleichungspolynomes 
F(u) erhalten wir : 

(31) i^,(«) = 0, F^{u) = 0. . .F,^^{u) = 0, i?;_,(f.)=0, 

also {n — 1) neue Gleichungen, welche beziehungsweise dem {n. — l.)ten, (n— 2)ten . . . 3ten, 2ten, Iten Grade 
angehören. Jede Wurzel irgend einer der Gleichungen (31) tritt als indicatorischer Werth der Wurzeln der 
nächst vorhergehenden Gleichung auf. Demgemäss bestimme man die Wurzel der dem Iten Grade ange- 
hörigen Gleichung -P,^_i(a;) = , und erhält den indicatorischen Werth zweier Wurzeln der Gleichung 
Fn-2{u) = 0. Jede der Wurzeln dieser Gleichung indicirt wieder zwei Wurzeln der Gleichung Fn-^%{u) = 0, 
wobei es sich ereignen kann, dass man von verschiedenen indicatorischen Werthen ausgehend, zu einer und 
derselben Wurzel der nächst vorhergehenden Gleichung geleitet wird. 

Auf diese Weise verfahrend, gelangt man zu den Wurzeln der Gleichung F^{u) = 0, welche wieder die 
der Gleichung (30) angehörigen Wurzeln indiciren und zum Ausgangspunkte ihrer Berechnung dienen. 

Die eben besprochene Staffelmethode könnte in der That zur Ausmittlung der Wurzelwerthe der in (30) 
vorgelegten Gleichung dienen, ist jedoch in der Effectuirung so mühsam und complicirt, dass man in dieser 
Beziehung gerne nach jedem Erleichterungsmittel sich umsieht, und sich höchstens begnügt, die der Staffel- 
methode zu Grunde liegende Idee beim theoretischen Ausbau anderer Aufiösungsmethoden auszubeuten. 

Sei nun: t«7„=j?„-|-2'n* eine Wurzel der in (30) vorgelegten Gleichung 

(32) F(u)^F{^)^0, 

wobei der oben angesetzte Zeiger n auf den Grad dieser Gleichung hindeuten mag. 

Durch Division mit dem Ausdrucke {u — w^) erhalten wir folgende fttr jedes u geltende Relation : 

(33) F{u) JfIu) [u—w„] + r„ , 

n— I 

• _ 

WO F(u) den dem (n — l)ten Grade angehörigen Quotus, und r« den eventuellen Rest andeuten mag. 

n 

Für u = Wn erhält man aus (33) wegen der Eigenschaft von w?« als Wurzel der Gleichung F(u) = 

r„ == , hiemit 

(34) F(u) ^ (u-wSn^) . 

wodurch besagt wird, dass ein jedes Polynom der Form (30) als ein Product dargestellt werden kann, aus 
einem Polynom des um eine Einheit niedrigeren Grades, und einem Binom (u — trn), dessen entgegengesetzt 



Studien im Oebiete numerisdhet Oletchungen. 2^ 

genommener zweiter Theil eine Wurzel der ans der Nullsetzung des Polynoms (80) herrorgehenden Glei 

chung ausmacht. Dieses Binom soll von nun an der Wurzelfactor des gedachten Polynoms F(u) heissen. 

Auf Grund (24) schliesst man ehen , dass ein jedes Polynom F{u) durch einen passenden w- Werth = tr, 
auf Null gebracht werden kann, — dass es somit gestattet sei, für ein beliebiges s die Gleichung 

F(u) ^ (u-^w.) f[u) (35) 



anzuschreiben. Wenn man diese Gleichung in Bezug auf^ für die Werthe: «, n — 1, . . . 3, 2, 1 spccialisirt, 
und die hiedurch entstehenden Gleichungen mit einander multiplicirt , so erhält man nach Weglassung des 
beiderseits vorkommenden gemeinschaftlichen Factors folgende Gleichung : 

F(u) = -B„ (w— tr,) (m— tr,) (w— tr,) . . . (w— «?„-.! ) (w — v») =» , (36) 

n 

WO Bn =F(u) den CoöfBcienten von w* in F(u) andeutet. Jede von den Zahlen «?, , tr^, tr, . . . fr„ ertheilt 

dem Polynom F(u) den Nullwcrtb , sobald man dieselbe in dieses Polynom an die Stelle von u einführt. E^ • 
ist demnach eine jede dieser Zahlen eine Wurzel, und ein jedes der Binome (u — w^)^ (u — tr,), . . . (u — u?n) 
ein Wurzelfactor der Gleichung (30). Eine unter den Zahlen w^^ tv^, . . . w^ nicht vorkommende Zahl w ist 
nicht fähig, das in (36) ersichtliche Product auf Null zu bringen — ist somit auch nicht fähig eine Wurzel der 
GteichuAg (30) darzustellen. 

Eine Gleiehung des nten Grades besitzt somit n Wurzeln und nicht mehr. (37) 

SM mehrere dieser Wurzeln einander gleich, und ist etwa fo^=iW^^w^^ay so ist das betreffende 
Gl^chufigBpolynom dufoh (« — a)' theilbar, und man sagt: die Wnrzel =a ist eine dreifache oder eine 
dreimal wiederholte Wurzel der Gleichung (30). 
Aus (36) erhall lüati : 

F{u+k) = B^ [<*-(«^i— *)] [w— («?t— *)j • • • [«•—(«'•—*)] =* 
>(ui)«B.A»(u-J)(u-5)...(ie-!^) = 

F{j)^^{u—kw^)(u-ktc^)..,(u-kt€n)^0 (38 

^ k k k 

F{u^) = /i, (w*- ( Vw,y) (tt*— ( l/tr J* ) . . . (tt*— ( V^,)*) = 

n 

Wenn man in der Gleichung F(u) » mit dem Wurzelrepräsentanten u die Constante k durch irgend 
eine Operation verbindet, so muss man diese Constante k mit einer jeden ihrer Wurzeln durch die entgegen- 
gesetzte Operation verbinden, um die Wurzeln der jeweiligen transformirten Gleichung zu erhalten. (39) 

Vermöge (36) lässt sich das Gleichungspolynom F(u) =0 aus gegebenen Wurzeln «?,, le?,,. . .tr,»_i, tr, 
in folgender Weise aufbauen : 

Um etwa bei dem angenommenen ersten CoSfficienten Bn irgend einen anderen CoSfficienten, etwa B^-, 
zu erhalten, bilde man sich aus den entgegengesetzt genommenen Wurzeln — «7, , — w^, — te?,... — tr» alle 
möglichen Combinationen zur «ten Glasse, betrachte jede dieser Combinationsformen als ein Product der in 
derselben enthaltenen Elemente , und verbinde schliesslich die so erhaltenen Producte durch Addition. Stellt 
St diese Summe vor, so erhält man zur Bestinunung von B^^^ folgende Relation : 



B,^.^Bn .5,. (40) 

DenkAcliriftea d«r BuUh«m.*Batarw. Cl. XXX. Bd. AbhandL tod Nlchtmltf U«d«ni. dd 



226 Lorenz Zmurko. 

Demgemäss erbäH man auch : 

Wenn man etwa die Wurzeln to^, w^, w^, tp^^ w^ ins Ange fasst, so kOnnen wir dem angefahrten Bil- 
dungsgesetze gemäss folgendes bemerken : 

1. Zar Bildung von Bq gelangen alle 5 Wurzeln als Factoren zur Verwendung; 

2. Zur Bildung der combinatorischen Summanden in B^ gelangen wenigstens vier, 

3. „ „ „ rj j) ^^-Bt n n drei, 
(^^^ 4. „ „ „ „ „ in^a „ „ zwei, 

5. „ „ „ „ „ in -B^ gelangt „ eine 

von den ins Auge gefassten fünf Wurzeln als Multiplicatoren zur Verwendung. 
Schreibt man die erste Gleichung in (38) in folgender Form an : 

(45) " F(ic-\-k)^BnU^+B'n^tu^-^ + B'n^tu'^^+ . . . ^F^u^ + B\u^ + B\u + B'q'^0 

und setzt 

nimmt man femer an, dass in (36) die Wurzeln to^j «r,, to^y w^y w^ in Beziehung auf v Anfangsstellen mit 
einander übereinstimmen , und dass eben k diejenige Zahl sei , welche den Inbegriff der gemeinschaftlichen 
Anfangsstellen dem Stellenwerthe und Vorzeichen nach vorstellt, dann wird nothwendiger Weise jede der 
Wurzeln w\y w^y %o\y w\y to\ in Bezug auf ihre Charakteristik wenigstens um v Einheiten tiefer ausfallen, 
als dies bei 4en Wurzeln w, , tr^, w^y «7^, w^ der Fall war. 

Behufs der Angabe der Charakteristik der in (43) angeftthrten CoSfScienten gibt bei jedem derselben 
derjenige combinatorische Summand den Ton an , welcher in Bezug auf seine Charakteristik die geringste 
Senkung beurkundet, — also derjenige, bei dessen Bildung die geringste Anzahl von den Wurzehi w\y w\y 
w\y tr'4, w\ thätig war. Wenn man überdies die Bemerkung in (42) zu Bathe zieht, so gelangt man zu fol- 
genden Ergebnissen : 

Die Charakteristik von B\ ist um 5v Einheiten tiefer, als die von B^^ 

r n n -^ i n rt ^^ n n rnr-^i? 

r n n ^ % D V ^^ rt n n n n -^t > 

V r n -^ 2 n n ^^ n v rrw -^3 j 

Es ergibt sich demgemäss beim Übergänge von den Co^fficienten B^y B^y B^, £,, B^ zu den entspre- 
chenden JS^^, B\y B\y £3, Bf^ ein regelmässiges Abfallen beziehungsweise um 5v, 4v, Sv, 2v, Iv Ein- 
heiten. In Betreff der weiteren Co6f8cienten B'^y B'^ . . . wissen wir, dass bei denselben auch solche com- 

(44) binatorische Summanden vorkommen, welche von den Factoren to\y w^y w^y w^y w\ gar nicht af&cirt sind, 
somit kann von einer derartigen Beeinflussung auf die Erhöhung oder Erniedrigung ihrer Charakteristik für 
weiteres keine Erwähnung gemacht werden. 

Besitzt die Gleichnug (30) und respective die Gleichung (1) blos primäre Glieder, so ist in diesem Falle 
identisch ^ (u) » 0, und f(u) = F{u). In diesem Falle erhält man ganz allgemein : 

4 

s\Z,=^sU, cos «. = F. {x) cos J) = F. (rr)[l _^^j*|*+ ... 1 

(45) j ^ 

.» ! s. = « ! 1. sin «. = F, [X) sin l) - /•; (A -j^ ^^ _ f — 1 |j+ . . . J , also auchj 



Studien im Gebiete num&risrher Gleichun(i'"n. 22 

.,! Z. = F.{x) - F.+t(x) fj + F.^,(x)-l- ..: • 

Z, = F(x)-F,ix)^^-^-F,(x)l- . . . 



(46) 



«0 



^y[F,(x)-F,{x)y^ + F,ix)^^- ...]. 



(47) 



Die ErftlUnng der Gleichung 

F(u) = F(x + iy) = (48) 

verlangt eine solche Wahl der Werthe von x, y, dass hiednrch 

ff, = ir,=«o=0 (49) 

sich ergebe. Dies kann anf Grnnd der Relationen (47) auf zweierlei Weise herbeigefllhrt werden, und zwar 
indem man 

1. F{x)'=y^(i oder (50) 



2. 



[F{x)-F,(x)t^F,(x)^^-.. =0 

(51) 



.X ^.h 



^i(«^)-^3(^)|j+^5(«)|j- • . . =0 setzt. 



Aus (50) resnltiren blos primäre Wurzeln. Ans (51) gewinnt man die übrigen Wurzeln, welche die com- 
plexe Form a? + ty besitzen, und sieht gleichzeitig ein, dass im letzteren Falle auch x — ty eine Wurzel der 
vorgelegten Gleichung sein muss , da ja das Vorzeichen von y auf die ErfUllung oder Nichterflillung der ^^ ^ 
Gleichungen (51) gar keinen Einfluss zu üben vermag. Solche Wurzeln, wie a;-f<V> ^ — ^V Geissen conju- 
girte complexe Wurzeln. 

Das entsprechende Product von einander coqjugirten Wurzelfactoren erhält man : 

I u — [x-f ly] I I w— [a?— t y] I :^ {u—xf + y« . (o3) 

welches fllr beliebige primäre Werthsysteme von (u, x, y) stets einen positiven Werth beibehält. 

Wenn nun die mit primären Coöfficienten versehene Gleichung F{u) =: die primären Wurzeln 
Up u^y u,. . .t^-^, 1^; und sonst lauter complexe Wurzeln besitzt, so müssen letztere in gerader Anzahl sich 
einfinden, und sich in Paare von je einander conjugirten Wurzeln anordnen lassen. Bezeichnet man das Pro- 
duct aller conjugirten Wurzelfactoren mit ^ (u) , so schliessen wir aus (53) unmittelbar , dass der Ausdruck 
'^ (u) ftir jeden primären Werth von u einen positiven Werth beibehalten muss. 

Diesf&llig nimmt die (Gleichung (30) folgende Gestalt an : 

F{u) = Än[»— 1«|] [u — ttjj] . . . [te— ttv] ^(w) == , (54) 

wobei wir einstweilen die Anordnung der primären Wurzeln so treffen, dass fUr dieselben die Relation 

t<i <»t <«t . - <«*»-.! <«^ > (55) 

erfttllt wird. 



» 

228 Lorenz Zmurko. 

Ans (54) erhält m^ : 

-,, . F(u) . F(u) . . F(u) . -, , ,, . , x^^^W 

(56) ^iW -=;if; + ;7i^+---+i^ B.(.-i.,)(.-u,). . .(«-«0-^ ; 



hieraus : 



^,(..)- ^« 



(57) 



U — tt| 



^,w - ^« 



l*-W, 



= — Bn (W, — tt,) (t«,— t«,) . . . (tt, — Wv) ^ (W,). 



Auf Grnnd der Relationen (55) sind die in (57) rechter Hand ersichtlichen Prodncte mit entgegengesetz- 
ten Vorzeichen behaftet^ und bethätigen dadurch^ dass der Ausdruck F^^u) bei den Satzungen u^u^^ ^=^^t 
entgegengesetzte Werthe annehmen muss. Da nun F^(u) eine stetige Function ist, so mnss es wenigstens 
Einen zwischen w, und u^ liegenden primären Werth u\ geben, für welchen F^(u) den NuUwerth annimmt, 
welcher somit eine primäre Wurzel der Gleichung 

(58) ^»W == sein muss. 

Auf gleiche Weise lässt sich darthun, dass sich zu den Paaren [u^, u^], [u,, uj, [u^^ty t^] wenig- 
stens je ein Zwischenwerth finden lässt, welcher eine, und zwar eine primäre Wurzel der Gleichung (58) 
ausmacht. 

(59) Es deuten also v primäre Wurzeln der Gleichung i^(i*) =0 auf wenigstens (y—l) pri- 
märe Wurzeln der Gleichung F^(u)=^0 hin. 

Die eben ausgesprochene Behauptung gilt immerhin, wenn die Differenzen je zweier in (55) erwähnten 
Nachbarwurzeln beliebig klein ausfallen, hiemit auch dann, wenn diese Differenzen versehenden. 

In diesem FaUe gehört eine /x-mal wiederholte Wurzel der Gleichung F(u) == als eine (j* — l)-mal wie- 

^ ^ derholte Wurzel der Gleichung F^{u) = an. Dass der hier ausgesprochene Satz sogar fiir die. Gleichung (1) 

und selbst dann gilt, wenn die wiederholte Wurzel eine complexe ist, tiberzeugt man sich leicht, wenn man 

zum Gleichungspolynom (36) die Gleichung y ^ =F|(m) = auf die in (56) ersichtliche Weise ableitet und 

dann aus der Anzahl der gleichen Wurzelfactoren in F(u) auf die Anzahl gleicher Wurzelfactoren in F^ (u) 
sehliesst. 

Wenn wir die Aufeinanderfolge der Gleichungen 

d F. (u) 

(61) F.(ju)^Oi F.^iiu)^--^^0 

dadurch kennzeichnen, dass wir der ersteren die Benennung Stammgleichung und der zweiten den 
Namen abgeleitete Gleichung zuerkennen, so wird es nicht schwer fallen, zu den im Vorhergehenden 
ausgesprochenen Relationen noch folgende hinzuzufügen : 

1. m verschiedene primäre Wurzeln der Stammgleichung verbtlrgen die Existenz von mindestens (m — 1) 
verschiedenen primären Wurzeln in der abgeleiteten Gleichung; 

2. m gleiche Wurzeln der Stammgleichung gehören den abgeleiteten Gleichungen in Iter, 2ter . . . vter 
Abstufung, respective in den Anzahlen 

(62) m — 1 , m — 2 , m — 3 , . • - m — (v — 1) , m — v 
an. 

3. Der indicatorische Werth von m conjugirten Wurzelpaaren , welche etwa der Gleichung Fs(u) »0 
angehören, deutet an, dass diese dem (n—«)ten Grade angehörige Gleichung höchstens (n — 9\ — 2ni) pri- 



Studien im Gebiete numerischer Gleichungen. 229 

märe Wurzeln besitzen kann. In weiterer Folge sind hiednrch in dem (n — «-f 1)^^ Grade angeh<>rigen Glei- 
chung F,^(tt)»-0 höchstens (n — «+1— 2ni) primäre, und somit wenigstens m coqjagirteWnrzelpaare indi- 
cirt, weil sonst im Widerspruche mit dem Oberwähnten der Gleichung Ft(u) »0 mehr primäre Wurzeln 
zukommen mU^sten, als die Zahl {n — s—2m) beträgt. In ähnlicher Weise fortschliessend ^ können wir 
bebaupteui dass der indicatoriscbe Wertb von m co^jugirten Wurzelpaaren in F^{u)^Q wenigstens eben so 
yiele^ nämlich m conjugirte Wurzelpaare in jeder der Gleichungen 

beansprucht. 

§. 2. 
R&umliche Deutung der Gleichungen und ihrer Wurzeln. 

Der Ausdruck : 

F{x'^iy) = [f{x) cos 7) — '3> {x) sin D] + i[f{x) sin D + y (x) cos D] = ^^+t«^ , (1) 

in welchem die symbolischen Differentiationsdeterminanten nach (7) §. 1 zu deuten sind, libist in Bezvg auf 
seinen primären Bestandtheil Z^y als auch in Bezug auf seinen secundären z^ eine räumliche Darstellung zu? 
und zwar in folgender Weise: In Bezug auf ein orthogonales Axensjsten ox^ oy, oz denke maa sieh den 
angenommenen Ausdruck (x'\-iy) als den Träger der Coordinaten Xj y eines in der Ebene xoy liegenden 
Punktes py und räumt demgemäss in der analytischen Ausdrucksweise folgende Äquivalenz ein : 

Der in xoy befindliche Punkt p ^ der Punkt (x-^-iy). (2) 

Die aus der Annahme des Punktes (x -f iy) sich ergebenden Werthe von Z^ und z^ bentttze man zur 
Bestimmung der Punkte P, p im Räume in der Weise, dass beide in einer in p anf ^oy errichteten Senk- 
rechten sich befinden; und zwar der erstere in der Entfernung ^^ Z^ , der zweite in der Entfernung » e^. Mit 
Rücksicht auf die in (1) ersichtliche Bedeutung von Z^ und z^ soll von den im angegebenen Sinne einander 
zugeordneten-conjagirten Punkten P und jp, der erstere ein primärer, der letztere ein seeundärer 
Punkt genannt werden. (3) 

Durch zweckmässige Annahmen des Ausdruckes (x -f- ty) gelaugt man zu einem beliebigen Punkte in 
xoy. Zu einem wie immer angenommenen Punktsysteme p, p, p, p...ina;oy erhält man mittelst ent- 
sprechender Werthe von Z^ ein räumliches Punktsystem P, Py P, P . , . und ebenso mittelst entsprechen- 
der Werthe von z^ das Punktsystem^, Pj Pj P - ' - ^^^^ ^^^ System p, p, p . . als eine continuirliche 
Punktfolge , das heisst als der Repräsentant der Ebene xoy gedacht, so wird auch das Punktsystem P, P, 
P, . . . eine continuirliche Punktfolge, d. h. eine krumme Fläche charakterisiren , welche wir unter dem (4) 
Namen die primäre Hilfsfläche auflassen wollen. Eben so mag das System p, Pt p » ' - den continuir- 
lichen Verlauf der secundären Hilfs fläche andeuten. 

Der gegebenen Auseinandersetzung gemäss wird die analytische Darstellung der primären Hilfsfläche 
durch die Gleichung 

z^Z^ =/(«) cos D — y (x) sin D (5) 

uad. die der secundären Hilfefläche durch die Oleichung 

« = «jj = f(x) smD + f (x) cos D (ö) 

charakterisirt. Durch eine jede der Hilfsflächen wird gerade so , wie durch die Coordinatenebene xoy der 
ganze Raum je in zwei Raumabtheilungen, d. h. in die obere und untere Raumpartie abgetheilt. Jede von 
den Hilfsflächen wird von einer beliebig gewählten zu o^ parallelen Geraden nur in einem einzigen Punkte 
getroffen. 



230 Lorenz Zmurko. 

Von den Gleichungen 
(7) -^0^=0, e,«0 

stellt die erstere die primäre Trasse dar, d. h. diejenige Linie, in welcher die Ebene xoy von der pri- 
mären Hilfsfiäche geschnitten wird. Eben so wird durch die zweite Gleichung in (7) die secundäre 
(^/Trasse charakterisirt. Eine jede Wurzel der Gleichung i^(w)=0, nämlich tt^aj-fty genügt den Glei- 
chungen (7) gleichzeitig, deutet somit auf einen sogenannten Wurzelpunkt p hin, welcher der primären 
und secundären Trasse gemeinschaftlich angehört. 

Da nun die dem nten Grade angehörige Gleichung F(u) =» nothwendig n Wurzeln besitzt , so sind 
hiedurch n Wurzelpunkte in der Ebene xoy siehergestellt, und es wird hiedurch bethätigt, dass die ober- 
wähnten Trassen nothwendig existiren und sich gegenseitig in n Punkten begegnen mtlssen. Gleiche Wur- 
zeln deuten selbstverständlich auf vielfache Wurzelpunkte hin. 

Errichtet man etwa in den Punkten der secundären Trasse Senkrechte auf xoy , und verlängert selbe 
bis zur Begegnung mit der primären Hilfsfläche , so erhält man einen continuirlichen Linienzug , welcher 
(9) einen wellenförmigen Verlauf hat, und die Ebene xoy nothwendig in n Wurzelpunkten durchstosst Diesen 
auf der primären Hilfsfläche lagernden Liuienzug wollen wir mit der Benennung primärer conjugirter 
Linienzug kennzeichnen. In gleicher Weise mag auch der secundäre conjugirte Linienzug aufge- 
fasst werden. 

Der in §. 1 sub (6) und (7) adoptirten Bezeichnung gemäss findet man : 

Z, = [/^(x) cos D — f,{x) sinD] : Ä ! , «, = [/.(a?) sin D -f y.(a:) cos Djisl 



IS D r -^ , mn\ (dD\m ( ^ , mn\ ( d\m 



dy^ l 2 )\dy 

dr%mD .(^ , mr:\(dD\M . ( miz^f d\n 

<?-+% (—1)"+« ,N . n. /N T^^ / *x ^i(*+2«»+l)I 

j^«+r = ^^ [/.+n.+i(a') 8«d2>+ ?.+,«+,(«') cos D] = (-1)-+' LUL-jH-i-«. 

Auf diese Weise vorgehend gelangt man za folgendem Täfelchen : 
d^A _ , ,^'» (»+2m)l <i«-a, _ «(«-f2«01 

i^bm^x'^y ^) J\ «•+»"+1 » ^yKTiT— C— 1) 7t A+i»+i . 



+i»+r 



8 ! 



^"^ -^s- ,T~^'+-' 5;?i 71—''+"' 

Zar Daratellnng des primären coigugirten Linieuzuges dienen die Gleichungen : 
(11) « - -Z", , »0-0 



Studien im Gebiete numerischer Gleichungen. 231 

Durch Differentiation derselben folgt : 

dx Z^ Z^ dx Zy 



(12) 



Sind X, iky V die Winkel, welche das im Punkte (x, y^ z) anhebende Curvenelement dieses Linienzuges mit 
den Axen ox, oy^ oz bildet, so erhält man aus (12): 

. Z^ — z. lö", 

cos A = , ^ ; cos a = ' : cos v = ' • /i *y\ 

(X,1/HV cr^l/l-fa/ l/l+V ^^^^ 

DerWerthyon cosv wird nur für ein sehr grosses a^ zur Einheit, also nur für Punkte , denen sehr 
grosse X und y zukommen. Daraus geht hervor, dass der conjugirte primäre Linienzug in gehörig weiter 
Distanz von der Aze oz einen zu dieser Axe parallelen Verlauf nimmt. Ein solcher Linienzug wird vom Punkte 
(xj y, z) ausgehend, entweder in derKichtung (13) oder in der ihr entgegengesetzten Richtung in seinem Ver- 
lauf sich der Ebene xoy nähern, und stellt die Möglichkeit in Aussicht, dass man, diesen Linienzug verfol- 
gend, bis zur Begegnung desselben mit xoy, d. h. bis zu einem Wurzelpunkt gelangt. Es kann jedoch auch 
als möglicher Fall angesehen werden, dass man die successiv aufeinander folgenden Curvenelemente ver- 
folgend, zu einem Elemente konmit, welches zu xoy parallel liegt, und anzudeuten scheint, dass von da aus 
der Curvenzweig aufhört sich der xoy weiter zu nähern, sondern vielmehr von dieser Ebene sich wegwen- 
det, um sich von derselben fort und fort zu entfernen. Dieser Fall mag auch im Folgenden einer näheren 
Prüfung unterzogen werden. 

Der Parallelismus eines Curvenelementes zur a;oy kann nur in demjenigen Punkt (x, y, z) eintreten, für 
welchen der in (13) angedeutete Werth von cos v den NuUwerth annimmt, also in dem Falle, wo die Relation /^^\ 
(7j = Zj = i?j = o Platz greift, um der zu führenden Untersuchung die möglichst grosse Allgemeinheit zu 
gewähren, nehmen wir an, dass an die eben angeiührte Relation sich zufälligerweise noch die Relationen : 

<^l=^3=^4— ■ • • =^r-i ^^ (15) 

hin zugesellen. 

Lässt man a:, y, ^ in a? + rfa? = a: + p cos fx, y + rfy = y + p 8^° 1^ übergehen, so erhält man aus (11) nach 
der im §. 1 sub (10) (11) gegebenen Anleitung: 

io = «+rf« = ^o+P'^rCOS(rfx + a^) + p'^-*(7^+iCOs[(r+l)fi + «,+,]+ & 
0= «o + f^'r sin (r^ + a^) + p-+V+, sin [(r+1) jüi+ a^^,] + &. 
Diese Gleichungen nehmen wegen (11) und wegen des sehr klein gedachten (, folgende Form an: 

4) = «4-^«=-Zo + p'-arC08(rfx+a^) ; sin(r|UL + a^) = 0. (16) 

Aus der zweiten in (16) folgt für jedes ganze mi 

rfx+a, = w7r, ^i. = 'w-- — -'" (17) 

und in Folge dessen gibt die erste in (16) : 

Z^^z^dz^Z, + (-l)«cr.s'' = ^0+ 5 • (18) 

Aus (17) erhält mau zwei Reihen von fx-Werthen : 

(.'^n /^3; /^^ • • • Hr-v\ 5 0^ + f^* + f^j • • • Hr\r (19) 



232 Lorenz Zmu7'lco. 

von welchen die in die erste Reihe gehörie:en den ungeraden, dagegen die in die sweite Reihe gehörigen den 
geraden Werthen von m entsprechen. Der in (18) ersichtliche Zusatz j nimmt in Bezug auf die zwei Reihen 
der ik Werthe entgegengesetzte Vorzeichen an, und gestattet unter diesen zwei Reihen diejenige zu wählen, 
welche dem Producte ^Z^ ein negatives Vorzeichen beibringt. Hiedurch wird bewirkt, dass in numerischer 

(20) Rttcksicht der Werth von Z^ kleiner sich gestaltet, als der Werth von Z^. 

Die in dieser Weise getroffene Wahl der entsprechenden Reihe von juk- Werthen deutet auf r conjugirte 
primäre Curvenzweige^ welche vom Punkte (xy y, z) anhebend in ihrem Verlauf sich der xoy nähern und 

mindestens nach r Wurzelpunkten hinzielen. Ist r eine gerade Zahl, so besitzen je zwei fx-Werthe, welche 

« 

um n differiren, gleichzeitig gerade oder ungerade Zeiger. Curvenzweige , welche je einem solchen Winkel 
entsprechen, bilden einen zusammengehörenden, im Punkte (o;, y, z) continuirlich verlaufenden Linienzug, 
welcher von (x, y, z) ausgehend nach beiden Seiten entweder zur Ebene xoy convergirt oder von derselben 
sich entfernt. 

In Bezug auf jede so zusammengesetzte Curve bildet der Ausgangspunkt {x^ y, z) nach Massgabe des 

(21) Winkel zeigers und des Vorzeichens von Z^ einen Maximal- oder Minimalpunkt. 

um also die höchsten und tiefsten Punkte etwa von «= F(u) mittelst complexer Werthe der Variablen 
zu bestimmen, hat man eigentlich ein ttberbestimmtes Problem vor sich ; denn es muss u = x-\-ty so be- 
schaffen sein, dass F(x + ty) = Zq'\- t\ primär ausfalle , und dass F^ (x -f ly) = ^^ + 1 «, = sich ergebe. 
Die Wahl der Werthe von x, y erscheint somit an folgende drei Bedingungen geknüpft : 

(22) ^o-'O, r,=0, Z,=0 

und dieser können wir nur beim Vorhandensein einer gewissen speciellen Beschaffenheit der in F(;u) spielen- 
den Coöfficienten Genüge leisten. 

Im Punkte p auf der Ebene xoy^ dessen Bestimmungsgrösse x+iy denRelationen (j^^=:^q^^ . . . a±:(T^|=0 
genügt, errichte man eine Senkrechte und findet in den Höhen J?^ und z^ das ooi\jugirte Punktepaar P, p, 
von denen der erstere auf der primären, der zweite auf der seoundären Hilfsfläche sich befindet. In diesen 
Punkten haben die Hilfsfiächen horizontale Berührungsebenen, von welchen selbe. in der Ordnung (r— 1) be- 
rührt werden. Die secundäre Hilfsfläche wird ausserdem in p geschnitten , und zwar in 2 r Curvenzweigen, 
^ '^ deren Ausgangselemente in Bezug auf ihre Richtung den in (19) dargestellten Winkeln entsprechen. Die 
durch p gelegten horizontalen Geraden mit den in (19) dargestellten Richtungen berühren die secundäre 
Hilfsfläche in der Ordnung r. 

Eben so findet man in Bezug auf die Berührung in P ein System von 2r Geraden, welche die primäre 
Hilfsfläche in der Ordnung r berühren und ihre Richtungen aas der Relation cos(ar-f-rfx)==0 oder aus der 

Relation ar + rii'^^mn-^--^ beziehen, sobald man m der Reihe nach eine jede von den Zahlen 1, 2, 3. .2r 

sein lässt. Man findet das Winkelsystem [ij.\, fx',, ^'3- • .fx'tr-t> f^'srj mit der Bestimmungsgleichung 

(24) i^'n = yr:+^ 



r r 



und erhält aus der Vergleichung mit (19) 

TZ , K 

(25) f^'«— /^=-.T: ; /*.+!— fA, = fx.^.j — fx,— - 



^ . . . ... ^ 



Denkt man sich in der Ebene xoy durch p ein System von 4r Strahlen in den durch jx und pi' angedeu- 

mm 

teten Richtungen gelegt, so werden je zwei Nachbarstrahlen den Winkel ^ einschliessen dergestalt, dass je 

ein Strahl des Systems (24) den Winkel halbirt, welcher von zwei Nachbarstrahlen des Systemes (19) gebildet 
wird, und umgekehrt. 



Studien im Gebiete numerischer Gleichungen. 233 

Kommt zu den Belationen a^ » a, » . . . === a^i »= noch die Relation q^^^^Z^^^ e^ a«> bin&a , so fallen 
die Punkte P und p mit p zusammen, und in diesem Falle stellen die erwähnten 4r Stralen um den Punkt p 
herum eben so viele Curvenelemente derTrassen vor, welche abwechselnd der primären und secundären Fläche (26) 
angehören. Der Punkt p ist diesfällig ein rfacher Wurzelpunkt, und der Ausdruck x-^iy eine rfache Wur- 
zel der Gleichung F{u) = 0. 

In Beziehung auf den continuirlichen Verlauf eines primären conjugirten Cnrvenzweiges bilden wir uns 
durch successive Differentiation der der secundären Trasse angehörigen Gleichung «^ = folgendes Schema : 

Z^yt + ^i=-0 

Z,y3+2(Z, — «^yOy«— -23^,^—3 «3^,* + 3 ^3y, + «3 = (27) 

+ («4yi*— 4^4yi^—6«4y/ + 4^^y^ + 04) « ... & 

wobei ganz allgemein «ly^s-r-^ verstanden wird. 

Sei nuna;-f ^V ^i^^™ Punkte der secundären Trasse angehörig, welcher bereits in einer angebbaren 
Distanz von einem vielfachen Punkte dieser Trasse sich befindet, fUr welchen somit der Ausdruck Z^ nicht 
verschwindet, so können wir ohne Anstand aus (27) die Werthe von y^, y,, y,. . .bestimmen. Soll nun fUr 
ein massiges IncrementAo? der Punkt (a; + Aa;-f »(y-f- Ay)) in der secundären Trasse sich befinden, so erhal- 
ten wir zur Bestimmung von Ay folgende .Relation : 

Ays«y,Aa?-f yjjAaj*-fy3A«»-f y^Ay»+ . . . (28) 

Bestimmt man dann aus den Gleichungen 

/scosfJL = Aa; , psin|i = Ay 
die Werthe von p und fx, so wird man in den Stand gesetzt, mittelst der Relation 

4=^o+^ipcos(fx+a^)-fcj,p«cos(2,x+a3) + & (29) 

den Werth von Z^ zu berechen, um zu sehen, wie weit man sich, den Curvenzweig verfolgend, der Ebene 
xoy und somit dem Wurzelpunkt selbst genähert hat. 

Aus der gepflogenenen Auseinandersetzung geht zur Genttge hervor, dass man von einem beliebigen, 
der Gleichung «o = genügenden Ausdrucke (x-^-ty) ausgehend, auf einen Punkt des conjugirten Curven- 
zweiges kommt, von welchem aus diese Curve entweder unmittelbar nach einem Wurzelpunkt zustrebt, oder (30) 
unter gewissen Bedingungen zu solchen Orten der primären Hilfsfläche leitet, von denen mehre Curvenzweige 
gleichzeitig ausgehen, ihren Verlauf gegen die Ebfene xoy hin nehmen, und mindestens zu eben so vielen 
Wurzelpunkten hinzielen. 

§. 3. 

Über die horizontale Ftinftohllegamig der Würzelpunkta 

Sei pr ein rfacher Wurzelpunkt durch den Ausdruck x+ty betimmt, so müssen vor Allem die Relationen: 

-ZJj » Zj =» Zj = .2',= . . . » Zr-^ = , ^1) 

Zq^b z^ SB «^ SS e^ 3s . . . SB z^^^ sse stattfinden. 

Denksehrinen der mathem.-iiAturw. Ol. XXTL. Bd. Abhandl. Ton NJchtmitglfederii. ee 



234 Lorenz Zmurko, 

Zar Bestimmang der Umgebnngspankte auf der Ebene xoy könnte man den Aasdmck (2; + p cos fx) + 
%(jf -f p sin pi) in Verwendung nehmen, sobald man p und pi als die laufenden Coordinaten der Umgebnngs- 
pnnkte von p^ ansieht. Seien z^, k^ die «-Coordinaten der Umgebnngspnnkte auf der primären nnd seenndä- 
ren Hilfsfläche, so findet man anf Gmnd der Gleichungen 

4> = ^r f COS («r +»• \^) + <^r^\ P*"^^ COS {«^4., 4. (r-f 1) |x) + & 

(2) 

«o = (7,p-sin(a,+rfx) + cj,+jpH-iBin[a^^+(r+l)pL) + & 

für beliebiges pi nnd ein sehr kleines p die nächsten Umgebnngspnnkte von p^ nnd man kann diesfällig bei 
der Bestimmung von Z^ nnd z^ die höheren Potenzen von p vernachlässigen, nnd, sich mit den Anfangsglie« 
dem begnügend, schreiben : 

(3) i'j, = <j^p'-cos(a^4-rfA) , «^ = (y^p''sin(a^+rfi) , 
nnd hieraas ergibt sich das Umgebongsverhältniss 

0,i= cotg (a. + rfjL) = (i^ : k^. 

Während fx allmählig die aufeinanderfolgenden, zwischen Null nnd 2ir enthaltenen Werthe annimmt, 
durchläuft der Ausdruck {a^ + ^ f^) allmählig Werthe, welche zwischen ar und (a^ -f- 2 r n) enthalten sind. So 
oft der Ausdruck (or + rjui) während seiner allmähligen Zunahme durch die Endpunkte des Iten, 3ten, 
5ten, (4r — 3)ten, (4r — l)ten Quadranten hindurchgehend, aus dem Bereiche eines ungeraden in den Be- 
reich eines geraden Quadranten hinttbertritt, geht der zugehörige Werth von Q^ aus dem positiven Zustande 
durch Null in den negativen Zustand über. 

(4) Den so aufgefassten Übergangszustand könnten wir symbolisch durch {+0— 1} kennzeichnen und mit 
dem Namen positve Mutation belegen. In gleicher Weise mag das Symbol { — 0-f 1} aufgefasst werden, 

und mit dem Namen negative Mutation belegt werden. Bezeichnet man die positiven Mutationen in Bezug 

* 

auf ihre Anzahl mit positiven Zahlen — und mit negativen Zahlen die Anzahl negativer Mutationen — so soll 
von nun an unter der Anzahl der Mutationen im generellen Sinne diejenige positive oder negative Zahl ver- 
standen werden, welche aus der algebraischen Summirung dieser beiden Anzahlen hervorgeht. Ist etwa die 
Anzahl der positiven Mutationen »8, und die Anzahl der negativen = — 12, so erhält man diesfällig: 

(5) Anzahl der Mutationen « 8 + ( — 12) = — 4. 

Auf Grund des in (4) Gesagten können wir behaupten, dass das Umgebungsverhältniss Q^ die positive 
Mutation 2rmal darbieten muss, sobald \l bloss im fortschreitenden Sinne allmählig die Werthe von Null bis 
2n durchläuft. Da aber der allmählige Übergang von einem fx- Werthe zum folgenden nächst grösseren 
fjL- Werthe als gleichbedeutend angesehen werden kann mit dem Übergänge von einem Punkte zum nächst- 
folgenden Punkte der Umgebungscurve des vorliegenden rfachen Wurzelpunktes p^, so lässt sich auf Grand 
des Vorangehenden auch Folgendes aussagen : 

Benutzt man zur Auswerthung des Verhältnisses Q^ » i^ : i^ nach und nach alle Punkte, welche der näch- 
sten Umgebungscurve eines rfachen Wurzelpunktes angehören, so erhält man: 

(6) * Anzahl der Mutationen » 2r. 

d 
Es ist eigentlich ftir £PsaT-|-pcos|x , y^-y + psinpi, -j-ya-Z), 

(7) Q « Qi; _ /(^)coB-P— y(^)Bto-P 

f(x) sin i> + y (i) cos D ' 



Studien vm Gebiete numerischer Gleichungen. 



235 



(8) 



(9) 



(10) 



Es bleibt jedoch an der Sache gar nichts geändert, wenn man in (7) die Striche dnrchgehends wegläset 
und dabei bemerkt, dass zur Bestimmang von Q«,, nnr diejenigen Werthe von x und y zu verwenden sind, 
welche den in der Umgebungscnrve liegenden Punkten znr Bestimmung dienen. Auch ist im Vorangehenden 
stillschweigend vorausgesetzt, dass kein Punkt der Umgebungscurve gleichzeitig ein Wurzelpunkt sein darf. 

Die Richtung der Punktfolge in der Umgebungscurve, welche beobachtet werden muss bei der succes- 
siven Ansmittlung der jeweiligen Grösse von Q,,,, ist der Erzeugung des im Zunehmen begriffenen Winkels 
II zufolge in demjenigen Sinne zu veranstalten, in welchem sich ein positives Stttck der Axe oo; um die 2-Axe 
zu drehen hat, um nach Zurttcklegung eines Quadranten in die Richtung der positiven Halbaxe oy zu gelan- 
gen. Würde man jedoch diese Umgebungscurve nicht in dem eben beschriebenen, sondern im entgegenge- 
setzten Sinne verwenden, um die Aufeinanderfolge der Werthe von Q^^ y zu ermitteln, so mttsste man in die- 
sem Falle zu 2r negativen Mutationen, d. h. zu — 2r Mutationen gelangen. 

Die Umgebungscurve lässt sich trotz des sehr kleinen p auch in einer solchen Gestaltung denken, dass 
man beim fortschreitenden Durchlaufen ihres Bogens in einigen Partieen ihres Umfanges die entsprechenden 
Partieen des fx- Winkels im rückschreitenden Sinne erzeugen muss. In diesem Falle wolle man nur bedenken, 
dass dem durchlaufenen Totalumfange der Umgebungscurve der erzeugte fx-Werth die Grösse 2 n erreichen 
muss, — dass demgemäss die einmal im retrograden Sinne erzeugten Partieen des fji- Winkels ein zweimaliges 
Erzeugen derselben f^-Partieen im fortschreitenden Sinne bedingen, — dass dann in weiterer Consequenz auf 
eine in diesen Partieen sich ergebende Anzahl von etwa 5 negativen Mutationen eine Anzahl von 2 x 5 » 10 
Mutationen (positiven Mutationen) nothwendig erfolgen muss ; — und man wird schliesslich zugeben müssen, 
dass auch für solche Partieen des fA- Winkels die regelrechte Anzahl der Mutationen in der Zahl 5 sich 
ergeben muss. 

Man kann demgemäss im generellen Sinne folgenden Satz aussprechen : 

Bei beliebiger Form der Umgebungscurve eines rfachen Wurzelpunktes liefert 
das Umgebungsverhältniss Q«,, 2rMutationen. 

_ • 

Denken wir uns jetzt eine beliebig ausgedehnte geschlossene Curve in xoy, welche weder an ihrem 
Umfange, noch in dem von derselben eingeschlossenen Raum einen Wurzelpunkt beherbergt, so lässt sich (12) 
erweisen, dass Q», , in Bezug auf die Punktfolge in dieser Curve die Nulle als Anzahl der Mutationen 
bieten muss. 

Eine derartig angenommene Curve sei hu. Diese möge 
theils durch primäre mit pp', theils durch secundäre mit s a' an- 
gedeutete Trassenzweige durchfurcht sein. Vor Allem ist es 
klar, dass innerhalb dieser Curve keine Begegnung zwischen (13) 
verschiedenartigen Trassenzweigen erfolgen darf, weil der 
Hypothese zuwider ein jeder dieser Begegnnngspnnkte einen 
Wurzelpunkt abgeben mttsste. 

Zwischen je zwei mit pp* und $$' angedeutete Trassen- 
zweige können wir uns einen Linienzug wie «Ti^m/, m^m^ ver- 
zeichnen, in deren Verlaufe kein Punkt vorhanden sein kann, 
für welchen irgend eine von den Grössen verschwindet Dies sind somit Linien, in deren Verlauf Q^^ keine 
Mutation zu liefern vermag. 

Der Totalumfang der Figur (13) lässt sich durch Einschaltung solcher in Bezug auf Mutationen indiffe- 
renter Züge in continuirlicher Form aus folgenden Partialzttgen zusammensetzen : 



(11) 




fn\p' hpm^m\ \ni\m^88fn^fn\ ; m\m^ppup' p^fn\ ^nif^s' a^m\ (14) 

Der erste Linienzug ist ein geschlossener und bringt bei constantem Vorzeichen von z^ bloss in den 
zwei mit p bezeichneten Punkten das Z^ zum Verschwinden, liefert somit keine Mutation. 

ee* 



236 



• 

Lorenz Zmurko. 



(15) 




Der zweite Zng mit dem vierten in Verbindung ist ebenfalls ein geschlossener, enthält keine mit p be- 
zeichneten Punkte an seinem Umfange, bietet somit anch keine Mutation. 

Ans demselben Grande, wie der erste, bietet aach der dritte Zug keine Mntation. 
Da nun ein ähnlicher Vorgang sich bei einer jeden derartig angenommenen Carve denken lassen wird, 
so ist im Vorliegenden der in (12) angekündigte Satz dargethan. 

Die Linienztige L^'=uhvnUf L^^unpmu, von denen der erste den rfachen Wnr- 
zelpunkt p^ und der zweite keinen Warzelpunkt beherbergt, lassen sich in einen einzigen 
Lienienzng Ls^uhvnunvfnu=s=^uhvmu znsammensetzen. Der erste liefert 2r, der 
zweite hingegen Nnll als Anzahl der Mutationen. Der zusammengesetzte Zug £, bei 
welchem sich die Züge vnu und unv in Bezug auf die Anzahl der Mutationen tilgen, 
liefert offenbar auch 2r als Anzahl der Mutationen. 

Es lässt sich somit die Umgebongnlinie eines Wurzelpunktes beliebig erweitern 
ohne die Anzahl der Mutationen zu beirren , wofern nur in dem hinzugekommenen 
Raum und Umfang keine neuen Wurzelpunkte zu liegen kommen. 

Ist pr ein rfacher, und p,^ ein r^facher Wurzelpunkt, so wird der Zug £, »ntim^n die Zahl 2r, und 

der Zug L^^nsmvn die Zahl 2r' als Anzahl der Mutationen bieten. Aus L^ und 
L^ lässt sich durch Weglaesung der sich tilgenden Züge nsm und msn der Linien- 
zng L = numvn zusanmiensetzen , welcher somit die Zahl 2(r-f r') als Anzahl 
der Mutationen liefern muss. 

Diese Betrachtung lässt sich auf eine beliebige Anzahl zerstreuter Wurzelpunkte 
ausdehnen und fllhrt zum folgenden Satz : 

Enthält eine wie immer gestaltete Umgebungslinie an ihrem Umfange keinen 
Wurzelpunkt, und im Bereiche des von ihr eingeschlossenen Raumes die durch 
angehängte Zeiger zu deutenden vielfachen Wurzelpunkte pr y pr' , Pr" y Pr'" • • • > 
so wird sie in Bezug auf das Umgebungsverhältniss Q«, y die Zahl 2 (r + r' -f r" 

•i-r"' + ) als Anzahl der Mutationen bieten. 

Oder: Eine angenommene Umgebungslinie veranlasst in Q^y eine doppelt so grosse Anzahl von Muta- 
tionen, als die Anzahl der innerhalb derselben eingeschlossenen Wurzelpunkte beträgt. 
Die Umkehrung des Satzes ist offenbar gestattet und spricht sich im Folgenden aus : 
Bietet der Ausdruck Q^ y in Bezug auf eine angenommene Umgebungslinie eine gewisse Anzahl von 
(19) Mutationen, so sind im Bereiche des von ihr eingeschlossenen Raumes die Hälfte so viel Wurzelpunkte 
angedeutet 

Ist X -f- ty kein Wurzelpunkt der Gleichung; ist femer a; = o; + p cos fx, ^ » y -f P ^^^1^ ^^^ ^^^ beliebi- 
gem i^ p=^ ooy 80 stellt die aus dem veränderlichen Ausdrucke x -f ty hervorgehende Punktfolge einen aus 
dem Centrum x -|- ty mit einem unendlich langen Radius = p beschriebenen Kreisumfang vor, innerhalb des- 
sen ganz gewiss die sämmtlichen der gegebenen Gleichung angehörigen Wurzelpunkte zu liegen kommen. 
Bei der Bildung des Ausdruckes Q^ ist es bei p=r=oo nur nöthig in seinem Zähler und Nenner bloss Glie- 
der mit der nten Potenz von p beizubehalten, sobald die Gleichung vom nten Grade vorausgesetzt wird, 
und man erhält 



(16) 



(17) 



(18) 




(20) 



d^p" cos («« -f n fx) ^^. . . X 

fe»" „ \ ainL -J-«ii^ ==<50tg(a„+nfi) 



Für alle möglichen, zwischen Null und 2 n liegenden fji-Werthe wird Q'^ ganz gewiss die Zahl 2 n als 
Anzahl der Mutationen bieten, und hiemit besagen, dass im Bereiche der unendlichen Kreisfläche, d. h. im 
(21) Bereiche der Ebene xoy n Wnrzelpunkte der Gleichung angedeutet sind. (Dies wäre ein zweiter Beleg fbr 
den in §. 1 ausgesprochenen Satz.) 



Studien im Gebiete numerischer Gleichungen. 



237 



Denken wir nns zwei Werthe von fji, etwa jul^ nnd f*,, von der Besehafienheit, dass infolge derselben die 
Relation (a„ + « fx,) — («« + w fx,) =« nr erfllUt wird, so erhalten wir 






(22) 



Von den Ausdrucken (o» + ^fi|) und (o« -f ^fx^) bildet entweder keiner ein Vielfaches eines Quadranteti, 
oder sie bilden gleichzeitig *ein gerades, oder gleichzeitig ein ungerades Vielfache eines Quadranten. 
Wenn nun |A| die Stelle einer positiven Mutation für Q^y andeutet, so muss dies auch bei fx^ der Fall sein. 

Demgemäss erscheinen die 2n möglichen Stellen der positiven v'^'^^ 
Mutationen auf der unendlich grossen Ereisperipherie so ver- 
theilt, dass je zwei den Nachbarpnnkten dieser Art angehörigen 

Kreisradien den Constanten Winkel - einschliessen. 

n 

Ein jeder Durchmesser dieses Kreises, d. h. eine jede 
unbegrenzt gedachte , durch einen beliebigen Punkt x -f- iy 
gelegte Gerade tfaeilt die erwähnte Kreisperipherie in zwei Hälf- 
ten ab, deren jede durch ihre Punktfolge im Ausdrucke Q« , die (24) 
positive Mutation n-mal veranlasst Wie aber schon erwähnt 
wurde , darf die Durchmessergerade keinen Wurzelpunkt in sich 
bergen. 

Sei nun in (25) im verjüngten Massstabe ein solcher Kreis dargestellt, p sei der dem Ausdrucke x -f- iy 
entsprechende Punkt , und w w' der ins Auge gefasste Diameter, welcher durch seine Punktfolge in Q, ^ die (25) 
Zahl V als Anzahl der Mutationen veranlasst 

Sind in der einen Kreishälfte m, in der andern m' Wurzelpunkte angedeutet, so findet man, da auf 
jede Peripheriehälfte n Mutationspunkte fallen : 




n'\'y^=^^mj — v-|-w = 2wi', hieraus 

« 

»» = -^(«+v); w' = -^(«— v), v = m — w! 



(26) 



wobei selbstverständlich die Gerade tr«?' in ihrer ganzen Ausdehnung zur Bestimmung von w zu verwenden 
sein wird. 

Seien die Geraden LJjL^ so beschaffen, dass die betreffenden Punktfolgen in Q«, die Zahlen v^, v, als 
Anzahl der Mutationen veranlassen, so erhält man 

(i, . . . ijj)— -(w, — V,) 

sobald das Symbol (Z^i • . . L^ zur Bezeichnung der Anzahl von Wurzeln dient, welche auf dem zwischen L, 
und L^ enthaltenen Streifen ihre Wurzelpunkte haben. 

Um die Anwendung der in diesem §. gewonnenen Sätze (12) (19) (86) (27) so bequem als mdgUeh zu 
machen , theile man die um den Axenursprung herumliegenden Partien der Ebene xoy nach Belieben in 
grössere oder kleinere Rechtecke ab, deren Seiten beziehungsweise zu den Axen ox^ oy parallel liegen. 
Jedes dieser Rechtecke kann man als eine Umgebungslinie von Wurzelpunkten ansehen und behufs der Ermitt- 
lung der Anzahl der innerhalb dieses Rechteckes angedeuteten Wurzeln untersuchen, wie gross die Hälfte der 
Anzahl der Mutationen sei, welche die Punktfolge am Umfang des in Betracht gezogenen Rechteckes in Bezug 
auf Qxy bietet. Hiebei tritt der besonders günstige Umstand ein, dass die Untersnchung bezüglich der Pnnkt- 
folge der einzelnen Seiten des aufgenommenen Rechteckes sich bloss anf eine der Variablen bezieht, weil 
bei jeder der vier Umfangslinien von den Coordinaten x, y immer eine constant sich ergibt. 



(27) 



(28) 



238 Lorenz Zmurko. 

Seien für a' > a, b^>b etwa x^a, x^a' \yn^by y » i' die Gleichangen der vier Geraden, in denen 
die Seiten des zu nntersuchenden Rechteckes enthalten sind, so kommt es darauf an: den Ausdruck Q^'^von 
y^V h\%y = b\ den Ausdruck Q«^ von x=^a' bis x^^a\ den Ausdruck Qay ▼on y^b bis y^b'\ und 
endlich den Ausdruck Q^> von o; » a bis a; » a' zu untersuchen, in jedem dieser Fälle die Anzahl der Mutatio- 
nen anzugeben, um schliesslich aus der Hälfte des Gesammtbetrages der Anzahlen der Mutationen die Anzahl 
der im betreffenden Rechtecke angedeuteten Wurzeln zu erfahren. Die mit Q bezeichneten Ausdrücke lassen 
sich diesfällig in folgenden Formen darstellen : * 

^ ^ A^ + A^y + A^f^ .. 

(29) 

in welchem die mit A bezeichneten GoSfGicienten aus der constanten Coordinate a;=:a, und die mit B be- 
zeichneten aus der constanten Coordinate y=^b berechnet werden. 

In jedem dieser Fälle (29) kommt es darauf an, in der Zählerfunction innerhalb der angedeuteten Gren- 
zen die möglichst kurzen Partialintervalle zu bestimmen, in welchen die einzelnen primären Werthe der 
Variablen liegen, welche dem Zähler den NuUwerth ertheilen, dergestalt, dass innerhalb eines solchen 
. Partialintervalles die Nennerfunction nicht verschwindet und somit ein constantes Vorzeichen beurkundet. 
Die aus jedem solchen Intervall unmittelbar hervorgehende Mutation wird eine positive oder eine negative 
sein, je nachdem das constante Vorzeichen des Nenners mit dem Vorzeichen des Zählers im Vororte seines 
Verschwindens übereinstimmt oder nicht. 

Sind die in (27) erwähnten Geraden L^, i, durch die Gleichungen x = a^, a? = ö, dargestellt, so hat 
man es mit den Ausdrücken Q^, und Q^^^ zwischen den Grenzen yz=»^oo bis y «oo zu thun, um die be- 
treffenden Mutationsanzahlen v^ und v^ zu bestimmen. 

Bisweilen ist es vortheilhafter, statt Q^^ den Ausdruck — (Qxp)"^ in Bezug auf die Mutationsanzahl zu 
consultiren und dies besonders in denjenigen Fällen, wo der Zähler von Q^^ in Bezug auf die in Betracht 
gezogene Variable einen höheren Grad beurkundet als der Nenner. Es ist nämlich 

(31) "" Ö~ "" **°^ (**• "^ '^^^ 



*9 



ein Ausdru(5k, welcher bei Übergängen des Bogens (a^-f rfx) aus dem Bereiche eines geraden Quadranten 
in den Bereich eines ungeraden, gerade so, wie der Ausdruck Q«y 2r Mutationen darbieten wird. 

Das sub (30) angegebene Verfahren zur Ausmittlung der Mutationsanzahlen von Q«, , Q^b werden wir 
in einem der späteren Paragraphe sowohl durch Bechnung, als auch durch Construction durchzuführen lehren. 
Hier möge noch eine dem Mathematiker Sturm nachgebildete Methode zum Vortrag kommen, welche einer- 

(32) B^^^ ^^^^ durch die Einfachheit der ihr zu Grunde liegenden Theorie, andererseits in diesem Falle sich be- 
sonders dadurch empfiehlt, dass man mit ihrer Anwendung die Mutationsanzahl anzugeben vermag, ohne 
nach den wirklichen Stellen zu fragen, an welchen Qap, Qab durch Null hindurchgeht. 

Zwei Functionen bilden für solche Werthe der ihnen zu Grunde liegenden Variablen einen Zeichen- 
wechsel (Variation), für welche die entsprechenden Functions werthe entgegengesetzt bezeichnet 
erscheinen. 

(33) Zwei Functionen bilden ftlr solche Werthe ihrer Variablen eine Zeichenfolge (Zeichenpermanenz), für 
welche die entsprechenden Functionswerthe gleichbezeichnet sich ergeben. 

Bei einer Beihe von mehreren, etwa (m-f-l) Functionen könnte man bei jedem der m möglichen Paare 
von Nachbarfunctionen angeben , ob sie bei gegebenem Werthe ihrer Variablen den Zustand eines Zeichen- 
wechsels oder den einer Zeichenfolge aufweisen. Findet man hiebei a Zeichenwechsel und ß Zeichenfolgen, 



Studien im Gebiete numerische Gleichungen. 239 

so mu88 offenbar die Gleichheit a + ß^m zutreffen. Ergeben diese (m + 1) Functionen beim Übergange 
von einem Werthe der Variablen zu einem anderen einen Gewinn an Zeichenwechseln , so muss nothwen- 
diger Weise ein eben so grosser Abgang an Zeichenfolgen sich kundgeben , und umgekehrt. 

Die Durchgangsstelle von ö«*? Qay durch eine positive Mutationsstelle ist in Bezug auf das Functions- 
paar Z^, e^ diejenige Stelle, wo die Zeichenfolge dieses Functionspaares in einen Zeichenwechsel ttbergeht. (34 j 

An den Stellen, wo die Ausdrücke Q^u, Qxb eine positive Mutation aufweisen, geht der Zeichen Wechsel 
des Functionspaares Z^, z^ in eine Zeichenfolge über. 

Denke man sich eine Reihe von Functionen : 

von der Beschaffenheit, dass die denselben im Beginne eines Intervalls zukommenden Anzahlen von Zeichen- 
wechseln und Zeichenfolgen nur an denjenigen Stellen eine Änderung erfahren , an welchen Z^ durch Null 
hindurchgeht, also nur an Stellen je um eine Einheit sich ändern, wo die dem Functionspaare {Z^y z^ ent- 
sprechende Zeichengruppe einen Übergang von Zeichenwechsel zur Zeichenfolge, oder von Zeichenfolge 
zum Zeichenwechsel ^beurkundet. Einer solchen Functionsreihe könnten wir uns dazu bedienen, um in dem 
ihr jeweilig angehörigen Zeichencomplex die im Verlaufe des Intervalls beim Paare (Z^, z^) nach und nach 
auftauchenden Zeichenwechsel oder Zeichenfolgen aufzuspeichern, und dann am Schlüsse des Intervalls den - 
Gesammtgewinn oder Gesammtverlust an Zeichenwechseln zu erfahren, und denselben beziehungsweise 
durch eine positive oder negative Zahl 9 auszudrücken. Die Zahl i ist der Unterschied, welchen man erhält, 
wenn man von der Anzahl Stellen , an welchen (^^ , z^) einen Übergang von Zeichenfolge zum Zeichen- 
wechsel beurkundet, die Anzahl derjenigen Stellen subtrahirt, an welchen dieses Functionspaar einen Über- 
gang vom Zeichenwechsel zur Zeichenfolge darbietet. Der in (34) angeftlhrten Aussage gemäss erhält man (36) 
auch 8, wenn man in Bezug auf das angenommene Intervall von der dem Q;^^ zukommenden Anzahl positi- 
ver Mutationen die Anzahl der diesem Ausdrucke in demselben Intervall angehörigen negativen Mutationen 
subtrahirt. Eine in dieser Weise aufgefasste Zahl d stellt somit ganz genau die Anzahl der im anberaumten 
Intervall stattfindenden Mutationsanzahl vor, wie solche bereits sub (4) und (5) zur Sprache gebracht 
wurde. 

Im Sinne Stur m's vorgehend, erhält man die zum vorgelegten Functionspaare (Z^ , z^) erforderliche 
übrige Reihe j^ y iv ' ' - 3^— 1> 3«- ^^^ ^^^^ Reihe von aufeinander folgenden Resten, welche zum Vorschein 
kommen , wenn man in Bezug auf (Z^ , z^) dasjenige Verfahren beobachtet , welches behufs der Auffindung 
ihres grössten gemeinschaftlichen Maasses vorgeschrieben ist, mit der einzigen Nebenbemerkung, dass man 
den jeweilig geftmdenen Rest vorerst entgegengesetzt zu nehmen hat, bevor man denselben bei der fortge- 
setzten Operation als den nächstfolgenden Divisor verwendet. 

Dem eben Gesagten gemäss muss die auf diese Weise hervorgehende Functionsreihe folgenden Rela- 
tionen genügen : 

«o = 9i Ji— Ji 



Jr— t "^ Jr—i }r— I J 



r 7 



wobei die Operation des successiven Dividirens so weit fortgesetzt gedacht wird , bis man auf einen von der 
Variablen unabhängigen und von Null verschiedenen Rest 3^ kommt. Dies gelingt uns jedesmal, sobald die 
in Betracht gezogene Umgebungslinie keinen Wurzelpunkt in ihrem Umfange beherbergt. (38) 

Ein gleichzeitiges Verschwinden eines Paares von Nachbariunctionen aus der Reihe (35) , etwa des 
Paares (3,, 33) ist unstatthaft, weil zufolge der dritten und vierten Relation in (37) wegen ^^^^^ = 



9 

240 Lorenz Zmurko. 

(39) auch ^ und j^ verschwinden mttSBte. Der Zustand des gleichzeitigen Verschwindens eines Paares mttsste 
sich demgemäss auf das vorhergehende Paar (j^, j,) und auch auf das nächstfolgende Paar (j,, 3^) ver- 
erben und schliesslich das gleichzeitige Verschwinden von Z^ und z^ und }^ im Gegensatse zu (38) 
bewirken. 

Bringt ein Werth der Variablen eine der mittleren Functionen aus (35), etwa }«, zum Verschwinden, so 
^ ^ drückt er verm($ge (37) den Nachbarfnnctionen )«^ und j«^^ gleiche und entgegengesetzte Werthe auf. 

Die Function j« erhält zwar unmittelbar vor und nach dem Verschwinden entgegengesetzte Vorzeichen, 
/^|\ liefert jedoch , mit beliebigem Vorzeichen genommen , in Bezug auf die entgegengesetzten Vorzeichen der 
Nachbarfunctionen }«_^ , j«+, jedesmal nur Einen Zeichenwechsel und Eine Zeichenfolge. 

Die Anzahl der einer Functionsreihe (35) angehangen Zeichenwechsel und Zeichenfolgen wird nicht ge- 
(42) ändert, so lange keine dieser Functionen durch Null hindurchgeht, aber zufolge (41) auch dann nicht, wenn 
bloss Eine oder auch mehre der intermediären Functionen in (35) durch Null hindurchgehen. 

So oft aber Z^ durch Null hindurchgeht , vermehrt sich jedesmal die Anzahl der bestehenden Zeichen- 
r.os Wechsel um eine Einheit, oder nimmt um eine Einheit ab , je nachdem der Ausdruck ^«^^^1 Qt^ an dieser 
. Stelle eine positive oder negative Mutation beurkundet. 

Aus dieser Darstellung ist genügend zu ersehen, das« die nach Sturm construirte Functionsreihe alle 
erwünschten und in (36) angedeuteten Eigenschaften aufweist und demgemäss zur Auffindung der Mutations- 
anzahl iUr Q^i, , Q^ sich vollkommen eignet. 

Um also die Anzahl der Mutationen in Bezug auf Q^^ im Intervall (x^a^ bis a; = (4) zu bestimmen, ver- 
fährt man also : 
fAA\ Man construire nach (37) die Functionsreihe Z^ z^y g^ g^ . . . j^; berechnet ihre Werthe ftir x=^a^ und 
erhält aus der sich ergebenden Zeichenreihe etwa fx, Zeichenwechsel; dann führe man in den Functionen die 
Substitution x = a^ durch, und erhält aus der hieraus resultirenden Zeichenreihe etwa |uL| Zeichen Wechsel, 
schliesslich findet man für Qg^^ im anberaumten Intervall 

uf^\ Anzahl der Mutationen für ^,4 = ^ — |Xj . 

Im Falle a^ » ^oo? a^=^oo ist die Ausmittlung der Anzahl der Mutationen höchst einfach, weil hiebei 
/4g\ in einer jeden f^mction bloss ein einziges, und zwar das mit der höchsten Potenz von x begabte Glied zu be- 
rücksichtigen ist 

Einer besonderen Erwähnung verdient der Fall, wo in Q^ der Neuner eine derivirte Function des mit 
lauter primären CoSfficienten begabten Zählers ist. In diesem Falle hat man : 

(*^) ^^ «a.aj-« + («-l)a^x-»+...+a, /.(a;)' 

Ist a eine Wurzel der Gleichung /(o;) = nnd p sehr klein, so erhält man : 



/(«+P) _ /(«) + p/i(a) _ P/i(a) _ „ i,:__:t 



(48) 



Q. 



Xb 



^ /(o+p) „ 

BEB I « ■ ^.— ^1— SS Q 



Hieraus ersieht man, dass Qxb vor jedesmaligem Verschwinden sic